Gongfu Hongcha – der aufwendig produzierte Schwarztee aus China

Gongfu Hongcha 功夫紅茶 , was ist das? Hongcha 紅茶 ist der Schwarztee in chinesischer Bezeichnung. Gongfu Hongcha ist der Schwarztee, der durch spezielle Verfahren aufwendig produziert wird. Die Kriterien, einen Schwarztee als Gongfu Hongcha zu bezeicnen sind: Tipp und Blatt sind vollständig erhalten; die Form ist fest und stabil – schön geformte Blätter.

In den 80er Jahren des 19- Jahrhunderts war dieser Gongfu Hongcha der Exportschlager des Manchu-Reichs. Bevor der gehackte Schwarztee erfunden wurde, war dieser Gongfu Hongcha „der Tee“ in der Welt. FOP und OP, Fannings und Dust waren die Erfindungen des industriellen Zeitalters, die vermeintlich Tee-Entwicklung in der Welt beschleunigte und verbreitete. Der Geschmack des industriellen Fannings und Dust ersetzt dem Geschmack des Hand-Made „Gongfus“. 

Eine Ironie, nicht wahr? Wir erfinden die Maschine, die angeblich unser Leben erleichtern, mehr Freizeit und Muse zu haben, mehr Wohlstand für die Massen zu schaffen, unser Geschmack beschränken und einengen. Viele gute Dinge gehen durch Industrialisierung und Globalisierung verloren. Einstige Raritäten, die gewöhnliche Bevölkerung ausgeschlossen blieben, bleiben heute weiterhin ausgeschlossen. Nur der Geschmack leidet – der Geschmack wird selbst zu einer Rarität!

Traditionell wird Gongfu Hongcha in Fujian 福建 (Heimat dieses Tees), Hunan, Yunan, Anhui und Jiangxi produziert. Verschiedene klimatische Bedingungen ermöglichen die Vielfalt des Geschmacks verschiedenen Provinzen. Unterschiedliche Teebaumsorten prägen ebenfalls die Geschmacksvariationen.

Xiaozhong Hongcha ist ein spezieller Name für den Schwarztee in Fujian, der mit Kieferkohle getrocknet und geröstet wird – Zhengshan Xiaozhong 正山小種bezeichnet man jedoch nur, wenn der Tee aus Wuyi-Gebirge stammt. Gongfu Hongcha ist die Bezeichnung, die aufwendig per Hand produzierten Schwarztee aus China kennzeichnet. Die Blätter sind schön stabil fest geformt und glänzen schwarz. Der Aufguss zeigt eine schöne rote Farbe, die am Tassenrand gold glänzt. Nach der Erkalten wird der Tee milchig, wenn er von höher Qualität ist.

Qimen (Keemun) 祁門 紅茶 aus Anhui und Dianhong 滇紅 (goldener Yunnan) aus Yunnan sind die besten Gongfu Hongcha. Hochwertiger Qimen schmeckt nach Honig und Apfel – so einen guten Qimen bin ich leider noch nie begegnet. Hochwertiger Dianhong schmackt malzig, honigartig und leicht schokoladig.

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ich hatte viel zu erledigen bevor der Zug abfuhr. In dieser eiligen Stimmung, in diesem nassen und kalten Wetter goss ich unbewusst einen Dongding Jahrgang 1981 auf.

Für einen Kunden aus fernem Norden musste ich Tee bemustern, bevor das Postamt um 12 Uhr schloss. Jonny Holiday sang in der Luft leidenschaftlich und traurig von „Oh Marie“. Teedosen standen überall herum im Raum - auf Tatami, auf dem Tisch, auf dem Stuhl oder irgendwo, wo ich es nicht mehr finden werde.

Ich bin zu langsam, zu unübersichtlich und zu chaotisch. „Warum hast Du gestern so viel Champagner bei Ali getrunken?“ Echter Champagner ist mein Lieblingsgetränk außer dem Tee.

Die Autos rasten draußen vorbei, mein Herz konnte nicht schneller schlagen und in diesem Moment kam sie.

Sie war blas und klagte sich ebenfalls über den Champagner. Sie saß am Tisch und schaute mich Tee packen zu. Meine Hände bewegten ununterbrochen und mein Kopf drehte sich weiter um den Tee. Sie erzählte unauffällig und langsam von der Freundin ihrer Mutter, die nur Bi Luochun kiloweise trinkt. „Ich glaube, dass mein Vater mit ihr ein Verhältnis hat.“ ganz ruhig fuhr sie weiter fort “ Meine Mutter reagierte nur aggressiv über sie, sagte aber nie etwas.“ Ich reagierte nicht auf sie. Weil sie zu ruhig erzählte? “ Mein Vater hat sie immer getroffen. Sie ist jung und schön und meine Mutter ist veraltet und krank…“ Ach, liebe Freundin, warum erzählst Du so unauffällig und ruhig über den Stein Deines Herzen? Ich ging schweigend schnell in die Küche und trank ein Schluck den Dongding 1981. Ein alter Tee, der sich mit der Zeit reift, verändert und vielfältiger wird. So ein gelagerter Oolong schmeckt wie eine reife Pflaume kurz vor Platzen: süß, sauer und fruchtig wie es nicht mehr geht.

Heute schmecke ich die Säure nicht.

Ich kenne sie seit mehr als zehn Jahren. Eigentlich werden wir nie Freundinnen. Sie kommt aus einem gut bürgerlichen Haus mit entsprechendem Habitus, während ich eher ein gescheiterter Revoluzzer war. Wir erlebten ähnliches Schicksal, das uns zueinander fuhr. In der dunkelsten Zeit meines Lebens brachte sie mir das Licht. Aber ich kam mit ihrem bürgerlichen Habitus nicht klar, habe Mühe mit ihrer immer gepflegten fröhlichen Fassade. Ich spürte in ihr eine Mauer, die das zerbrechliche Ich schützte und gleichzeitig behinderte. Sie kann ihre Probleme nicht artikulieren, außer dass ich sie rüttele. Trotz meiner Konfrontation mit ihr und meiner unverholfenen direkten Art pflegte sie eine Freundschaft zu mir, weil „ich habe Dich einfach gerne.“ Ich habe Dich einfach gerne…

 

Wie schmeckt ein alter Tee? Wie schmeckt eine alte Freundschaft? Einmal fragte mich Herr Reichmuth, wie kann man sicher sein, dass dieser Oolong so alt ist? Gestern stellte mir ebenfalls Herr Kolodziej diese Frage. Ein alter Oolong schmeckt geschmeidig wie Seide, wenn er ein guter stabiler Tee war und gut gelagert ist. Kurz vor Verkauf wird er noch einmal aufgefrischt, aber nicht zu stark geröstet, so dass sein typischer Pflaumen-Geschmack zum Ausdruck kommt. Wenn er zu stark nach Feuer schmeckt, ist zu lang nach geröstet. Wenn seine dunklen Blätter nicht richtig im Aufguss entfalten können, ist er zu oft und zu lang geröstet – er ist tot. Wenn er diesen typischen Pflaumen-Geschmack nicht aufweist und nicht geschmeidig schmeckt, ist er kein gelagerter Oolong!

Ein grüner Oolong in heutiger Form, die zu jung gepflückt, zu wenig fermentiert und kaum geröstet, ist unstabil. Dieser Tee kann man nicht lagern. Das ist ähnlich wie mit dem Leben und Menschen. Wenn man selbst den Boden aufgebaut hat, wird man stabil, weiser und mental stark. Eine Freundschaft, die stabil und einfach ist, schmeckt wie ein alter lebendiger Dongding, der leicht süß, leicht sauer. Und er reift noch weiter…

Eine Tasse türkischer Tee

Wenn ich keinen Appetit habe, wenn es für mich zu kalt und müde ist und wenn ich nicht weiß, was ich tun sollte, gehe ich gerne zu Ali. Egal wie sich die Außenwelt verändert, leuchtet das Licht bei Ali immer und die Wärme der Kebap-Grill strahlt in die Lust.
Wahrscheinlich geht es bei vielen so.
Heute habe ich Geburtstag. Familie und Freund sind weit weg – im Ausland. In Konstanz begleitete mich nur der Regen.
Ich ging zu Ali. „Menglin, Willst Du eine Tasse Tee?“ Seine Frau Zahide gab mir einen warmen Gruß. Sie wusste nicht, dass ich Geburtstag habe. Sie gibt Menschen das warme Herz, so – wie es einfach so ist. Ein Couscous Salat und ein Glas türkischer Tee. Ich beobachte das Kommen und Gehen der Menschen und schluckte langsam den einfachen und wärmenden Tee.
Ein kleines Mädchen kam, weinend und traurig. Sie hatte schlechte Noten und fürchtete vor ihrer Mutter. Ali gab ihr ein kleines Kebap und tröstete sie. Das Kind ging und ein Afrikaner kam. Eine alte scheinbar armselige Seele. Ich sehe ihn manchmal beim Zeitungverkaufen am Straßenrand. Sein bescheidenes Wesen warf ein Schatten in der Stube und saß schweigend am einen unauffälligen Ecke. Zahide brachte ihm einen vollen Teller und ein Glas Tee. Er lächelte ihr zurück. Sie brachte nicht nur einen Teller Futter, wohl auch Würde. Eine fremde polnische Familie kam und schlürfte eine Tasse Tee. Ihre schüchternen Köpfe wurden von dem Duft des Tees umgehüllt. Die Grenzpolizei kam ebenfalls. Laut, eilig und ungeduldig. Sie hätten wohl keinen Tee gewollt.

Eine Tasse nach einer anderen. Dieser einfache türkische Schwarztee wird wohl für immer bei meinem geheimen Garten bleiben. Eine Erinnerung von einer Zeit, in der alles in Wandlung ist und sich alles in Veränderung befindet. Dieser Geschmack des türkischen Tees ist ein Geschmack der Freundschaft und Menschlichkeit. Alle kommen gerne hier her. Denn man ist in diesem bescheidenen einfachen Kepap-Restaurant selbst, wie man ist. Kein Show, kein Selbstzuschaustellen und keine Inszenierung einer bestimmten Szenerie.  Einfach, sich selbst sein.

„Möchtest Du noch eine Tasse Tee?“ „Eine Tasse Tee? Ja, gerne!“

Kuyu Kebap
07531/25952
Kreuzlinger Str. 18
78462 Konstanz

Individualität eines Filmmachers

„In unserer Gesellschaft werden Menschen gepuscht und zu einem bestimmten Typus geformt… Egal ob es sich um einen Regisseur oder einen Künstler handelt, sie befinden sich stets in einem Verwandlungsprozess. Menschen brauchen Raum, damit wir zum Individuum reifen können. Kino ist eine sehr individuelle Sache. Es gibt kein standarisierte Kriterien oder Norm. Akzeptanz des Publikum ist kein Norm, aber die Geschichte, die ein Film schreibt.“ Tian Zhuangzhuang

„Ich habe Delamu 茶马古道·德拉姆 gedreht, nicht weil es sich finaziell lohnt, sondern weil das chinesische Kino diese Gattung noch nicht kennt… Kino muss keine Geschichte erzählen.Ein Gegend und seine Menschen, so wie es ist, konkret ungeschminkt mit der Filmsprache darzustellen ist die stärkste Kraft, andere Menschen direkt anzusprechen!“ Tian Zhuangzhuang 

Der Film Delamu von Tian Zhuangzhuang wurde im Mai 2004 fertiggestellt und rief eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit hervor. Das ist der erste digital chinesische Dokumentarfilm und wurde von NHK (Japan) finanziert. Das ist der erste Film von einer Serie über den „Tee und Pferde Weg“. Viele Botschafte und sein persönliches Experiment wurde von der Presse in die Frage gestellt. Der Film kam bei den meisten Publikum nicht gut an. Der Regisseur gab nicht nach und bleibt treu zu seinem Weg…

Tianzhuangzhuang Tian Zhuangzhuagn in einem Interview

Delamu -茶馬古道 Ein Weg von Tee und Pferde

Tian Zhuangzhuang 

Tian Zhuangzhuang (rechts) und ein Ma Jiaozi (chin. Cow boys ohne Zigeretten)

Chinesischer Regisseur Tian Zhuangzhuang 田壮壮 widmete seinen Dokumentationsfilm Delamu diesem historischen Tee-Weg zwischen China und Südasien, zwischen Han-Volk und anderen Naturvölkern, wo Tee seit Zweitausendjahren von Pferde und „chinesischen Cowboys“ zwischen steilen Hängen und tiefen Schluchten getragen wurde!
Dieser Tee-Weg überquerte das Gebiet, wo wir als „Shangri-La (香格里拉 Xiānggéli lā)“ nennen – ein Ort der Sehnsucht nach paradiesischem Frieden und irdischem Glück.
Menschen, die hier leben, lernen mit der Natur umzugehen. Sie verändern die Natur nicht. Sie passen sich an und leben in einem unglaublich bescheidenen Verhältnis im Gegensatz zu einer so genannten „Wohlstandsgesellschaft“. Die Pferde, die Tee in die fernen Welt transportieren, waren die einzigen Gäste in diesem Paradies, das fast melancholisch, bescheiden und einsam von der Zivilisation abgeschottet allein steht…
Seit Zweitausendjahren existiert diesen Weg, der genau so berühmt wie die von Touristen überfüllte Seidestrasse war. Der Weg führt der in Yünan produzierte gepresste Teefladen in die ferne Welt – nach Tibet, nach Burma, nach Laos und nach Indien. Tee war und ist ein Grundnahrungsmittel von Tibeter. Tibeter hatten wiederum die nötigen Kampfpferde für die Song-Dynastie. Tee und Pferde bildeten Stütze zwei verschiedener Zivilisation und schrieben die Geschichte zwischen Völkern.
Die Pferde wurden getrieben und geritten von so genannten „Cow Boys“ Ma jiaozi – bescheiden anonyme Wesen, das den Tee aus China in die Welt trug, den Buddhismus nach Tibet mitbrachte und Schritt für Schritt die Weltgeschichte schrieb. Sie blieben allerdings gesichtslos, spurlos und unbekannt, während Herr Busch und Frau Rice (eine der 10 besten gekleideten Frauen der „Welt“) im klimatisierten Büro ihre Geschichte mit weissen Handschuhen schreiben.
Tian Zhuangzhuang versucht uns ein Blick in den Alltag dieser bescheidenen Menschen zu vermitteln, wie sie gegen die Grausamkeit der Natur kämpfen, sich der Wechselhaftigkeit der Natur anpassen und ein einfach ungestörtes Leben führen. Der Buddhismus kam und ging. Die Pferde kamen und gingen. Der Gottes Sohn Jesus kam und blieb. Tian sagte, dass dieser Dokumentationsfilm nicht den gesellschaftlichen sozialen Aspekt dient, sondern einen spirituellen Aspekt. Realismus und Ethnographie waren nicht seine Absicht. Exotik war nicht sein Thema. Er sei einfach berühmt von der Einfachheit dortigen Menschen, von ihrem Rücksichtnahme mit der Natur und ihrer Mitmenschen, von den Pferden (Esel)-Karawanen, die wie Wellen zwischen Bergen und Wolken ziehen.

Ma Bang2 Gewalt der Natur, Mekong 澜沧江 schneidet eine Kurve..

„Delamu“ heißt auf Tibetisch „Göttin des Friedens“.  Tian sagte in einem Interview, dass er mit einer Religiosität Filme dreht. Das Respekt, das durch die Einfachheit und Bescheidenheit dortiger Völker in ihm erweckt  war das zentrale Thema seiner Dokumentarfilm. Er bekam einen Zugang zu sich selbst und erreichte einen reinen Zustand des Glücks, als er auf den Tee-Pferde Weg wanderte. „Was ist das Wesen der Menschheit“ stellte der Regisseur seinen Rezipienten.

Ma Bang Pferde auf den Tee-Weg

Dieser Tee-Pferde Weg steht einfach, einsam und unberührt seit Tausendjahren zwischen den Bergen und Flüssen. Nun ist es ein neues „Insider“ Tipp für Abenteuer und Rücksacktouristen aus Westen geworden. „“Shangri-La“ (香格里拉 Xiānggéli lā)“ wird bald wohl von „Sheraton Hotel“ gefüllt…

Erinnerung an meine Großmutter

In einem ersehnten regnerischen Tag saß ich allein vor verregnetem Garten. Nichts zu tun oder nichts tun zu wollen? Eine Tasse Paochung (Qing Cha – klarer Tee) aus Pinglin 2006 begleite mich in diesen ruhigen Stunden.

Leuchtende helle Farbe und leicht bitter aber süßer vollmundiger Geschmack. Ist das nicht ebenfalls wie das Leben, das bitter und süß parallel schmeckt? Ich erinnere mich plötzlich an meine Großmutter, die in ihrem Leben den Zugang zum Tee verpasste, das Süße des Lebens nicht genießen konnte und bitter starb.

 

Meine Großmutter war „verschenkt“ an die Familie meines Großvaters. Das war das gewöhnte Schicksal eines Mädchens einer kinderreichen Familie in Taiwan anfangs des 20. Jahrhunderts. Sie wurde zuerst an einem Wanderkoch (heute nennt man Cateringservice) als Tochter „verschenkt“. Sie lernte ihre Kochkunst von ihrem Stiefvater, der sie später an seiner Schwester gab. Das Mädchen hieß „Xing Xiang“ – klarer Duft und wusste ab dem ersten Tag, dass sie meinem Großvater gehörte.

Ich kannte meine Großmutter immer in einem launischen Gemüt. Ich sah, wie sie meine Mutter „mobbte“. Ich wusste, dass sie Angst hatte vor Hölle. Sie kochte sehr gut, aber altmodisch für meinen modernen Geschmack. Diese alte traditionelle Art des Kochens war mir zu wider. Wenn wir Feste oder Zeremonie hatten, kochte die Großmutter drei Tage lang und der Tisch war voll von essen, obwohl sie nie mit ass. Wenn wir Gäste hatten, brachte sie alles, was sie im Schrank und im Kühlschrank aufbewahrte. Sie war freundlich und herzlich zu anderen, während ich als ihr Enkelkind unter dem gleichen Dach nur ihre Seufz und Härte erlebte.

 

Sie kochte gut und wiederholte nie einen Geschmack in einem 20 gängigen Menü. Aber sie trank Tee nicht. Tee – ein Geschmack der Muße, der Ruhe und der Frieden. Sie war wie viele andere Menschen in Taiwan, die den Geschmack des Tee nie kannten, obwohl sie auf einer Tee-Insel lebten. Sie trank nur den „weißen“ Tee – das abgekochte Wasser – so bescheiden und bewusst, wie sie ihr Schicksal sah. Nach dem Bankrott meines in Depression gefallenen Opas, verkaufte sie rote Bohne Suppe (Azuki-Bohne) und Tee auf der Strasse, um ihre Kinder und Familie zu ernähern. Tee war ein Mittel, um den Bauch ihrer 11-Köpfigen Familie zu wärmen. Als sie später alt und hinfällig wurde, als sie nicht mehr von Teeausschank leben musste, bereite sie jeden Morgen ein riesiges Fass voller Tee – Paochung Tee, der damals ein Volkstee war. Mein Vater brachte das Fass an die Strasse, so dass jeder durstiger Passagier den Tee selbst bedienen und weiter auf seinen Weg gehen konnte… Der Paochung schmeckt erfrischend, klar und duftend – wie ihr Name. Ihr selbst, genügte der „weißen“ Tee.

Seit ich mich richtig erinnern kann, bereite meine Großmutter schon für ihren Tod vor. Sie kaufte seit Jahren verschiedene Unterwäche, Bluse und Schuhe und sagte meiner Mutter, die 30 Jahren mit ihr zusammenlebte, wie sie gerne angezogen wurde. Sie starb von Nierenversagen. Das Wasser kam nicht mehr aus ihrem Körper. Sie sah wirklich friedlich aus, selten so friedlich. Sie wünschte sich zur Beerdigung in einem weißen Seidebluse und gestrickten blauen Schuhen.

Bis jetzt kann ich den letzten Wünsch, den sie zu mir flüsterte, als sie bereits in Koma lag, nicht vergessen. „Lin“, lächelte sie mir sanft an – so selten sanftmütig, „ komm früher nach Hause“. (Ich war politisch aktiv und „spazierte“ gerne für politische Zwecke auf der Strasse. In dieser Zeit empfing mein Vater mich zu Hause immer mit dem Satz „ Welcom to Chou Hotel“.)

 

Nun bin ich wirklich weit weg von zu Hause. Ihr Wünsch bleibt immer schwieriger zu erfüllen. Nur der Paochung, den Schwester mir jedes Jahr zuschickt, erinnerte mich immer wieder an sie und ihren letzen Wünsch…

Soll der grüne Tee grassig schmecken?

Bild von Usula Ein schönes Bild von Ursula

Teefreundin Ursula führt einen schön Teeladen in Zug. Gesern schickte sie mir paar Teemuster, den sie aus England bekam. Sie fragte mich, warum dieser grüne Tes säuerlich, aggressiv und grassig schmeckt? Ist der grüne Tee so?

Vorhin habe ich die drei Tees aufgegossen. Gou Qing, Lungjing A und Everyday Green Maojian. Die alle drei Tees schmecken richtig grün. Der Lungjing gab mir einen gerösteten Kastanienduft, der am letzten Samstag in der Degustation mit Teefreund Jürg ebenfalls auftaucht. Für mich ist dieser Geschmack nicht sehr gewöhnlich. Die Blätter sind leicht brüchig. Der Aufguss ist fein, fehlt allerdings eine Note von Frische, was man bei Lungjing immer preist. Richtig wunderschöner Lungjing haben ähnliche schöne Tipps wie bei Junshan und der Gescmack hat frische und zugleich liebliche volle Noten.

Der Everyday Maojian ist ein richtiger grassiger Grüntee, der für mich eine Spur von Eleganz und Feinheit fehlt. Ich würde ihn auch nicht jeden Tag trinken wollen. Everyday is a good day. Mir gefällt der Gou Qing am besten. Frisch und leicht. Ein everyday Grüntee. Es sollte allerdings nicht zu viel kosten.

Soll grüner Tee grassig sein? Nein. Grüntee kann elegant, fein und voll schmecken. Der grassige Geschmack bedeutet oft ein Fehler der Produktion – zu kurz welken lassen, erhitzt oder alte Blätter. Vor allem den Tee in einem regnerischen Tag ernten und herstellen zu lassen bekommt man das Problem. Das bedeutet immer die mindere Qualität. Aggressiv und säuerlich gehören gar nich zum Genuss von Grüntee!

 

Der Tee, der nach Russland ging…

Einmal fragte mich Thomas, ob der Zhenshan Xiaozhong der Tee sei, der nach Russland ging.

Ich habe lange rescherschiert und kann nun wohl sagen, dass der Tee als Geschenk von Mongolei an Russland übergab, kein Schwarztee – im europäischen Sinn war. Dieser Tee ist ein so genannter Schwarztee in chinsischen Sinn.

Ein chinesischer Schwarztee „Hei Cha 黑茶“ wird ähnlich wie Grüntee produziert, aber macht nach dem Erhitzen und Rollen einen speziellen Ruhen-Prozess durch. Dadurch bekommt er eine dunkle Farbe und schmeckt besser, wenn er gelagert wird.

Dieser Tee wurde produziert für „Grenzgebieten“ zu China, z. B. Mongolei, Tibet, Türkistan (Xinjiang China) und Südasien. Um diesen Tee zu transpoertiert wurde „Pferde Karawanen“ – Ma Bang auf Chinesisch eingesetzt.  Manchmal dauert mehr als über ein Jahr, um den Tee ans Ziel zu bringen. Um mit diesen schlechten Bedingungen umzugehen presste man den Tee zusammen, zu einem Ziegel, zu einem Backstein oder zu einer Fladen. Die Qualität konnte dadurch gehalten werden und es ist leichter zu transportieren. So ein Tee wurde mind. seit 641 AC bereits dokumentiert. Später schrieb ein Diplomat Chang Lu Gong über seine Tee-Time unter dem „West Barbaren – Xi Fan“. Der König von dem Königsreich Xi Fan (westlich-nördlich von China) fragte ihn, was er gerade zubereitete. Er erwiderte dem König:“Etwas, was Sorgen und Unangenehmigkeit reinigt und Durst besänftigt. In China nennen wir ihn Tee. Der König gab begeistert Befehl, Tee haben zu wollen…

Vor mehr als Tausend Jahren wurde der Tee aus Anhui, Zhexiang und Hubei ins Grenzgebieten exportiert. Die Geschichte des Zhenshan Xiaozhong fing erst viel später an.

Ich würde sagen, dass der Tee, der sehr früh nach Russland ging, eher so ein Schwarztee war. Warum bekommt dieser Tee Rauchgeschmack? Denn solcher Schwarztee gerne über den Kieferholz getrockenet wurde, z. B. Xiang Jian 湘尖 oder Lubao Cha 苍梧六堡茶.

Junshan Yinzhen und sein Geschmack

Junshan Yinzhen normal

Junshan Yinzhen gewöhnlicher Qualität im Glas

 

Vor zwei Monaten bekam ich einen sehr schönen gelben Tee Junshan Yinzhen direkt aus Hunan. So eine Qualität habe ich auf dem Markt noch nie gesehen. Der Preis ist ebenfalls sehr beeindruckend… Hier in Deutschland kann man auch Junshan Yinzhen kaufen, natürlich muss man hier auch kräftig hinblättern. Ich habe zu Hause verschiedenen Junshan Yinzhen Muster aus Bremen und habe Suzanne bei ihrem letzten Besuch welchen mitgegeben. Dieser Junshan in Deutschland hat ihr sehr gut gefallen und sie erkennt in diesem Tee schönen Pflaumen-Geschmack und leichte rauchige Note.

Vor paar Tagen schrieb sie mir ihre Enttäuschung, nachdem sie den „besten“ Junshan Yinzhen direkt aus Hunan degustierte. Der vertraute Pflaumen-Geschmack ist bei dem guten Junshan nicht zu finden und dieser Tee schmeckt gar nicht rauchig! Wieso?

Ich vergleiche gestern und heute die beiden Junshan Yinzhen. Das stimmt, dass dieser gewöhnliche Junshan schönen Pflaumen-Geschmack innehat und leichte Spuren von Rauch nicht verbergen kann. Das hat mit dem Herstellungsprozess zu tun. Die Blätter von diesem Junshan sind grober, brüchiger und stehen nicht ganz so schön gerade in der Kanne. Der Geschmack ist markant und dominant süss. Der Junshan direkt aus Hunan schmeckt dagegen sehr mild und rein. Der Aufguss schimmert gelblich und klar. Der Geschmack ist leicht, fein und klar. Dezente Spur von Lieblichkeit und Zurückhaltung von Überflutung verschiedener Geschmäcke. Chinesische Poeten priesen diesen Tee, wegen seiner Reinheit, Eleganz und Klarheit. Es galt besonders poetisch, diesen Tee mit Schnee auf der Pflaumenblüte zuzubereiten (in Hongloumeng – Der Traum der roten Kammer, Roman in Qing Dynastie).

Welcher ist besser? Das ist Geschmackssache und manchmal eine Geldfrage. Ist es wirklich so wert, dass man für einen Tee so viel Geld ausgeben muss (nicht weniger als 50€/100g)?

Junshan HunanJunshan direkt aus Hunan, Junshan Insel. Der Tee steht schön im Glas.

Suzane beginnt, diesen feinen Junshan zu lieben, aber hat auch gerne den pflaumigen Junshan.

Warum kommt der rauchige Geschmack zu diesem Tee? Schauen wir genau den Herstellungsprozess an:

Junshan Yinzhen muss durch 8 verschiedene Prozesse hergestellt werden:

Erhitzen – mit niedrigem Temperatur und anschließend auf leichtem Feuer 80% trockenen.

1. Ruhen und Abkühlen

1. Röstung

1. Wickeln – 48 Stunden mit Papier umwickeln ruhen lassen.

2. Röstung – noch einmal auf leichtem Feuer 80% trockenen

2. Ruhen und Abkühlen

2. Wickeln – 3 Stunden ruhen lassen

3. Röstung – zum letzen Mal auf leichtem Feuer trockenen

Der Herstellung dauert mind. 3 Tage und 3 Nächte. Wenn der Temperatur auf dem Feuer nicht gut kontrolliert wurde, kommt natürlich der rauchige Geschmack in dem Tee – das ist eigentlich nicht erwünscht. Darum schmeckt dieser edeler Junshan Yinzhen keineswegs rauchig. Weil diese Qualität von Yinzhen aufgrund seines „prächtigen“ Preises nicht auf dem europäischen Markt zu finden ist, ist es nun „normal“, dass dieser bekannte 10 besten chinesischen gelben Tee ein rauchiger Tee geworden…

Denn der grüne Tee den Markt immer mehr herrscht, verdrängt er Plätze anderer Tees. Junshan Yinzhen wird nun auch grün. Es wird immer mehr Yinzhen aus Junshan zu grünem Tee produziert. Mir wurde berichtet, dass nur 30% von besten Yinzhen im Jahr 2006 zum gelben Tee produziert wurde – der Rest natürlich zum grünen Tee…

In der chinesischen Legende ist die Insel Junshan, wo dieser berühmte gelbe Tee stammt, von zwei Göttinnen Madame Xiang bewohnt. Diese Göttinnen Madame Xiang weinten für ihren verstorbenen Gatten. Vielleicht weinen sie heute für den Junshan Yinzhen, der immer mehr nach dem Rauch schmeckt oder immer grüner wird…

Fancy Oolong 番庄烏龍茶 und Oriental Beauty 東方美人

Vor paar Wochen war ich zufällig in einem Internetshop, wo Fancy Oolong Oriental Beauty verkauft – stolzen Preis 48 € für 100g.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Fancy Oolong gibt es eigentlich nicht auf Chinesisch. Dieser Tee wurde immer für Exportmarkt bestimmt und nicht auf der Insel „genossen“. Heutzutage bezeichnet man diesen Tee, der im Sommer geerntet wird und von Insekten befallen sein muss, als Baihao Oolong 白毫烏龍. Die beste Qualität dieses Oolong ist „Oriental Beauty“.

Ist Fancy Oolong ein günstiger Oriental Beauty?

Ich fragte meinen Teebauer in Sanxia, wo inzwischen Baihao Oolong verkauft, ob er mich beantworten kann. Er produziert diesen Oolong seit paar Jahren, nachdem der hochwertige Bi Luochun geerntet wird und der Sommertee nicht ganz hochwertig und von Insekten massenhaft befallen ist. Er kennt Fancy Oolong nicht. Sanxia ist auch kein originales Anbaugebiet für Fancy Oolong und Oriental Beauty. Sein Teegarten sind auch nicht von den geeigneten Oolongbaum für Oriental Beauty. Aber sein Tee schmeckt hervorragend – wie ein wunderbarer Fancy!

Vor paar Tagen rief ich einen anderen Teebauer in Miaoli an, wo originales Anbaugebiet für diesen hochwertigen Tee ist und der Teebauer ausgezeichneten Oriental Beauty produziert. Ich erzählte ihn, dass ich gerade für viele Klienten hochwertigen Fancy Oolong suche und der Markt in Europa ziemlich orientierungslos ist. Man versteht einfach nicht mehr, was Fancy Oolong ist, weil man auch irgendwo nachlesen kann.

Teebauer Hsu lachte und erzählte mir, wie er von Fancy Oolong und Oriental Beauty versteht. Fancy Oolong ist für ihn ein Tee, entweder anfangs Mai oder in Juli produziert wird. Ein Tee, der nicht so stark von einer speziellen Insektsorte befallen und meistens maschinell hergestellt wird. Diese Insekten (auf Chinesisch Xiaolü Yeichan) haben Mühe mit richtiger Hitze und verstecken sich – wie Menschen – unter den Bäumen und unternehmen nichts (nicht mal Teebäume befallen). Nur in einer feuchten warmen windlosen Klima zwischen 25 – 28 Grade fühlen sie sich wohl. Das ist gerade in Miaoli / Taiwan anfangs Juni. Sie vermehren sich und befallen die Teetriebe. Wenn der Teegarten stark befallen ist, schmeckt dieser Tee durch speziellen Verfahren honigsüss und duftend wunderbar fruchtig. Der ausgeprägte fruchtige Geschmack fehlt, wenn der Garten nicht stark befallen wird oder der Teegarten andere Teebaumsorten hat. Richtiger Teebaum (Qingxin Dapong), richtige Insektenmenge und richtiger Herstellungsprozess schaffen diesen charmanten unverwechselbaren Oriental Beauty. Hochwertiger Fancy Oolong wird noch mit Händen gepflückt und verarbeitet. Normaler Fancy Oolong ist ein industrielles Produkt. In der Regel wird Fancy Oolong von verschiedenen Ernte und verschiedener Qualitäten gemischt. Selten wird Jahrgangsfancy und sortenrein in Europa angeboten.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Nein. Man kann eigentlich „Beerenauslese“ nicht mit „Eiswein“ verwechseln, oder?

Oder besser gesagt: ein Oriental Beauty ist ein „super“ Fancy Oolong, aber ein Fancy Oolong ist kein Oriental Beauty!