Tee, Musik und nicht nur das Handwerk

Oolongblatt Ein gelungenes Werk, Sijichun Premium aus Taichung, Taiwan

Als ich gezwungen wurde Kalligraphie und Klavier zu lernen, hasste ich meine Mutter und den Beethoven. Seine Dramatik und Anforderung an die absolute Hingabe des Spielers überforderte ein junges Mädchen, das nur aus Pflicht seine Stunde absaß. Mit dem zunehmenden Alter und durch Tee fühle ich mich immer näher zu diesem Mann, dessen Seele an einem Verlass glaubt und stets mit uns in Kommunikation bleibt.

An Beethoven muss ich immer wieder denken, wenn man mich fragt, was der Prozess Hongpei (Endprozess des Tees, Ein Prozess der Röstung, die den Charakter des Tees stabilisiert und verleiht.) zu verstehen sei. Neulich war ich in Innenschweiz zu Besuch und bekam eine Tassen hervorragenden Shuixian aus Phönix Berg ebenfalls von Mingcha. Fein, elegant und duftend nach Pfirch, aber ihm fehlt etwas. Der Grund vom Fehlen an etwas ist die gleiche Situation, wenn der Spieler der Anforderung von Beethoven versagt. Auch der Shuixian Mandarin von Mingcha 2006 aus Globus (es wurde gesagt, dass die von mir empfohlenen Tees nicht mehr in Globus Zürich zu finden sei) war zwar schön, fruchtig und zufrieden stellend, aber etwas fehlt.

Was ist das denn eigentlich? Wenn Beethoven vorschreibt, crescendo fast bis zum Ende zu spielen und dann Dramatischerweise ein subito piano anschließend zu verlangen, ist die Klangbeherrschung und Mutprobe eines Pianisten getestet. (Ich glaube, solche Momente sehr gut im Sonata No.8 und No. 21 zu erleben) Ist er ein Feigling, traut er sich dem Test nicht zu stellen. Er geht mit seiner Kraft nicht an die Grenze, bevor er den lautesten Klang vor dem Wechsel drückt, übergeht bereits zu piano und denke dabei diesen Abgrund überlistet zu haben. Er verliert scheinbar nichts, bewegt sich im den Sicherheitszone. Aber seine Musik verrät uns, dass er den erwünschten Effekt von crescendo zu subito piano des Beethovens versagt. Ein Feigling traut sich nicht an eigene Grenze zu gehen, sich zur Probe zu stellen und lässt die Vision eines Werks fallen. Es gehört eine Menge Mut und Entschlossenheit, sich vor dem Abgrund zu stehen, um etwas zu wagen, was einem Menschen und ein Werk zu einem Kunstwerk und einem Meister macht. Diese Form von Mut ist nicht nur beim Musizieren gefragt und entscheidend, sondern quer durch jedes Lebensbereich. Das gleiche gilt auch beim Tee.

Hongpei – Röstung verleiht dem Tee einen unverwechselbaren Geschmack und eine individuelle Note, was der Tee-Önologe unter Tee und seine Kunst versteht. Alle Formosa Oolongs werden mindestens zwischen 80-120 Grad geröstet. Temperatur 80 Grad ist eine sehr sichere Temperaturgrenze, unter diese Grenze könnte ein Tee in der Sicherheitszone einwandfrei getrocknet werden und sein Geschmack wird minimal verändert. Ganz sicher, wenn man einen Tee nur unter 80 Grad röstet. Man verändert an nichts und bekommt dagegen auch nichts Neues dazu. Mit 100 Grad Temperatur wird der Duft verändert. Er tritt zurück, wird tiefer und unsichtbarer. 100 Grad ist die Gefahrgrenze, etwas kaputt machen zu können. Mit 120 Grad Temperatur wird ein Tee charakterisiert und verfestigt. Sein Duft, sein Geschmack und seine Struktur werden „dramatisch“ verändert. 120 Grad ist der Schritt zur Abgrund, die Mutprobe eines Tee-Önologes.

Ein hervorragender Tie Guanyin, der vielen Anwesenden am Wochenende und in vielen Seminaren begeistert, muss zwischen 90 bis 130 Grad geröstet werden. Also bis zum Abgrund! Der Rückflugtickt kann nicht gebucht werden, es geht immer nur geradeaus. Was macht ein Tee-Önologe? Ist er ein Feigling, ein Weichei? Ist er ein Meister? Er kann sich nicht verstecken, denn Tee erzählt uns alles von seiner Feigheit. Sein Werk wird unter den Gaumen geprüft und er manifestiert sich, auch wenn er glaubt, uns überlisten zu können. Tie Guanyin aus Muzha wird zuerst mit 90 Grad geröstet und der Temperatur wird bis 130 Grad erhöht. Mit vielen Unterbrechung und Pause wird der Tee erst vollendet. Ein Phönix Shuixian dagegen wird mit 130 Grad angefangen und langsam runter gefahren werden.

Das Glücksgefühl, das dem Leben Licht bringt, strömt durch uns, wenn wir ein meisterhaftes Werk begegnen. Mir tut es leid, wenn ein Tee unter einer Feigheit leidet und eigentlich das Potential besitzt, um ein volles Blüte zu werden. Ein guter Tee mit reichlichem Körper braucht die Begegnung mit einem Meister, der Mut besitzt, aus ihm zur einen Farfalla zu verwandeln! Oft könnte man diese prikäre Kunstfertigkeit nicht bewahren, indem wir auf die Tradition zurückgreifen. Es ist primär, den Mut im Hier und Jetzt für sie einzusetzen.

Solche Meister zu begegnen gehören wohl Schicksal. (Menschliche Begegnungen sind überhaupt schicksalhaft) Leider können wir solche Meister nicht mit Unesco-Programm schützen. Tee als Kunst kann man nicht einfach materialistisch beschützen. Die alten Teebäume, das Wuyi-Gebirge oder die Teegeräte könnten durch Museum gut konserviert, bestaunt und archiviert werden. Aber das Wichtigste, das den Tee lebendig hält und dynamisch schwingen läßt, ist der zerbrechlichste Mut der Menschen, die als Einzelnkämpfer in der Marktwirtschaft leben, vor Einsamkeit sterben und zwischen Schein und Sein leiden.

Heute pflege ich das Bewusstsein, die leise Stimme solcher Menschen festzuhalten, zu schützen und zu verbreiten. Das Bewusstsein macht mich oft zutiefst glücklich und zugleich einsam.

ps. Ich bin kein Musiker und kein Pianist. Bitte verzeihe mir meinen „Mut“, diesen Vergleich zu wagen. Eigentlich sehe ich das Tee-Seminar ebenfalls so wie die Musik. Jedes Konzert ist nie das gleiche. Ein Konzert-Besuch ist anders als daheim CD hören. Meine Aufgabe ist, den Zuhörer zu verführen, seine Version zu vergessen.

Teeseminar Zürich Februar 2008

Teeseminar Zürich Februar 2008

Eliane lernte ich im Flugzeug kennen. Es war ein sonderbarer Flug. Die Carmen, die ich eigentlich erst in Malaga treffen sollte, saß ebenfalls überraschend ganz hinten im gleichen Flugzeug. Den Didier, Chef de Kabine, sah ich seit Monaten nicht, traf ich plötzlich wieder und wurde ein Schoß voll Champagner und Schokolade gebracht. Dann fragten die noch unbekannten Tino und Eliane neben mir, was ich mache. Ja, Tee! Alles um den Tee. „Ach, wie interessant und ich möchte auch gerne mehr wissen!“ so fing es an mit der Teereise Elianes und reiste am vergangenen Wochenende ins Teeland. Dank ihr könnte ich heute die Fotos bereits veröffentlichen und diese Dinge hält unsere Erinnerung frisch und weckt bewegende Momente und Begegnungen immer wieder wach.

Zwei herrliche Tage, obwohl ich nicht ganz in Form bin und mein Geschmacksinn mich immer noch in Stich ließ. Zum Glück funktioniert mein Riechsinn besser. Es war wirklich eine Zitterpatie vor dem Seminar, dass ich dachte, mit einer geschriebenen Teelist vor den Leuten vorlesen zu müssen, weil ich nicht schmecken kann.

Am Samstag war ein volles Seminar. Viele unbekannte Gesichter, die zuerst den Eindruck erweckten, dass sie vielleicht mit meiner Anforderung überfordert werden könnten. Die ältere Anneliese ließ allerdings von Anfang an begeistern und bedankte mir zum Schluss, „was für einen herrlichen Tag und ich bin so glücklich.“ Teefreunde scheinen aus der ganzen Schweiz gekommen, aus Bern, aus Emmental, aus Basel und aus Schaffhausen. Diese Mischung macht die Atmosphäre so interessant, weil die Begeisterung des Tees die Heterogenität der Menschen übertraf und zur einen Einheit ermöglichte.

Natürlich war die Präsenz Jörgs (aus Frankfurt) äusserst wertvoll. Er kann auf fast allen Fragen eine präzisere Antwort geben, wenn es sich um Tee-Literatur im deutschen Sprachraum oder um Pu Er handelt. Er war ein Geschenk. Es war ein Geschenk, dass er die Distanz überwand und Zeit noch vor seiner Prüfung nahm, hier her zu kommen. Selbstverständlich muss ich mich eigentlich bei seiner Freundin bedanken, dass sie ihn für paar Tage entbehrte.

Ohne Jürg und Carolas Einsatz wäre ich total verloren zwischen Waschen, Tee wiegen und Seminar-Leiten. Sie leisteten die unauffälligste Arbeit, die dem Seminar einen reibungslosen Ablauf verhalf und sich im Hintergrund zu bewegen: früher zu kommen, fleißig die Teeschalen waschen und Wasser kochen. Was für eine Stärke und Großzügigkeit, anderen Menschen der Bühne zu überlassen und im Schweigen, nur für das Geschehen zu arbeiten! Meine Löwin-Schwester Carola ist ein wirklicher Schatz. Man sagte immer, dass Löwen sich gegenseitig nicht vertragen. Ich erlebe ausschließlich das Gegenteil. Die Großzügigkeit und Unterstützung, die ich immer von meinen Gleichen erhalte, waren nur großartig. Vielleicht basiert das gegenseitige Verständnis auf die Affinität zum Sonderbaren und Erkenntnis über sich selber.

Über meinen spärlichen Geschmacks- und Riechsinn lästerten die Anwesenden ununterbrochen. Als ich behauptete, dass ich an dem Pu Er Che Chuan Hao 2003 eine Blumewiese roch, löste es ein Lachanfall. Eliane behauptete, Blumenwiese neben dem Kuhlstahl. „Blumenwiese? Wo? Menglin, Du warst viel differenzierter!“ sagte Carola schmuzelnd. Nur der Pat sah mir verständnisvoll an, „Doch, ich verstehe Dich!“

Als das Seminar am Sonntag zu Ende kam, saßen noch alle am Platz. Der Heimweg schien nicht interessant zu sein. Als Jörg abfuhr, war es bereits kurz vor 16 Uhr. Ich war dankbar, müde und glücklich.

Nun freue ich mich auch auf Fotos von unserer Profi Laura und den Film von Suzannes und Elianes über den Abschluss Gongfu Cha. Was für schöne Erinnerungen, die uns zusätzlich beschert werden könnten!

Fotos Seminar 16. und 17. 2. von Eliane runter zu laden.

ElianeUnsere Fotographin: die schöne Eliane

Fliegender Pflaumenbaum – Tobiume

Ich bekam ein wunderschönes Pflaumenblütestrauss von einem fliegenden Fahrer. Diese auf Blühen wartenden Pflaume wurde eingeflogen in einem Land, das Pflaume als Blumen des Februars nicht kennt. Ein Zufall vielleicht, dass wir gestern im Teeunterricht von den Pflaumen sprachen. Tobiume, ein fliegender Pflaumenbaum, der seinem Herrn folgte und nach Kyushu flog.

東風吹かば にほひおこせよ 梅の花 主なしとて 春を忘るな

Kochi Fuka ba / Nioi koyoseyo / Ume no Hana / Hariji nashi tote / Haruna Warure so.

Wenn der Wind aus dem Osten weht, dann schickte bitte Deinen Duft, meine liebe Pflaumeblüte, an Deinem Herrn (auch wenn Dein Herr nicht mehr bei Dir ist), vergesse nciht, dass es schon Frühling ist.

菅原道真 Sugawara Michizane (862-993)

Michizane war eine hervorragende Persönlichkeit in der japanischen Hean-Periode. Ein Gelehrter von einer historischen Bedeutung war allerdings ungeschickt in der Intrige und im Politisieren, so dass er nach Kyushu verbannt wurde und dort in der Einsamkeit starb. Nachdem er Kyoto verliess und in Kyushu lebte, schrieb er ein Gedicht an seinem Pflaumenbaum in Kyoto, wo er einst so liebte und für immer verlor. Dieser Pflaumenbaum sollte das Gedicht in dem Moment gehört haben und noch in der gleichen Nacht aus Kyoto nach Kyushu flog, um seinen Herrn für immer zu folgen. In Kyushu sollte heute dieser Baum noch in dem Tempel stehen, wo Michzane verehrt wird.

Michizane starb unglücklich und unerfüllt. Er sollte einen ganz bösen Dämon geworden sein, der der Kyotostadt und dem Kaiser keine Ruhe gönnte und terrotisierte. Er war so böse, dass andere unglückliche Seele, die ebenfalls in dieser traurigen Stadt herum geisterten auch Angst vor ihm hatte. Wenn Michizane seinen Gang durch Kyoto in der Nacht machte, vermieden andere Geistern seinen Weg, der Kaiser und Nachkommen seiner Feinde versteckten sich und er sang seine Wut in den grauen Himmel. Auch ein furchterlicher Dämon hat eine Seele, eine sentimentale und zugleich einsame. Es hieß, die beste Methode mit Michizane umzugehen war seine Gedichte zu rezitieren. Er sollte immer geweint und geseufzt haben, wenn er seine Gedichte von einem fremden Mund hörte. Er verschwand weinend im den dunklen Himmel, wenn das rezitierte Gedicht zu Ende gesungen wurde. Auch eine böse Seele will verstanden werden.

TianmangongDazaifu Tenmangu, Tempel für Michizane in Fukuoka Kyushu

Kyoto ist eine Stadt, die gelegt wurde wegen Intrigen, Epidemie und Furcht vor Geistern. Diese Stadt gebaut nach dem chinesischen Vorbild sollte grundlegend nach Fengshui-Prinzip geplant haben, um Ruhe vor den geisternden Seele zu bewahren. 1200 Jahren sind vergangen. Hass, Intrige und Gier schreiben die Geschichte Kyotos. Lebenden und Toten spazieren durch die gleichen Gassen, Reiche und Arme teilen die Kirschblüte, die jedes Jahr blühen. Die Zeit in Kyoto ist nicht durchlässig. Die Unesco verehrt diese Stadt, um die schönen eigentlich vergänglichen Gebäude zu bewahren, um Postkarten Motiven zu verewigen. Aber die wandernden Seele, die an diese Stadt hängen – ich bin eine von diesen, haften nicht an den Materialismus der Geschichte, sondern an das Leben und Erinnerung, die in den verwickelten Gassen gespeichert sind. Ich bleibe gerne bei ANA, wenn ich im jeden Frühling diese Stadt besuche. Ein westliches Bett und ein modernes Zimmer gefallen mir besser, als zwischen den Papiertüren zuzuhören, was die Nachbaren treiben. Neben ANA sind die unauffälligen traditionreichen Handwerker, Dessertladen, Tee- und Räucherwaren-Geschäfte. Ich habe mein Herz an diese Stadt verloren und kann nur durch das immer wiederholten Besuch, das Gefühl zu vergegenwärtigen, den andere Teil von mir wieder zu erkennen.

Aber was mache ich mit diesen eingelfogenen Pflaumeblüten? Es muss ein wirklicher Poet sein, diese Pflaumenblüte einfliegen zu lassen. Aber wo ist die Nachtigall, die diese Pflaumenblüte bewundert und nächtet?

Wenn der Kaiser ihn unbedingt will, muss ich meinen Pflaumenbaum entbehren,

Aber was soll ich der Nachtigall antworten, wenn sie nach dieser Pflaume fragt?

Der Kaiser sollte das Gedicht gehört haben, als der bescheidene machtlose Gärtner seinen Pflaumenbaum nachtrauerte. Seine Gefolgeschaft fand einen wunderschönen Pflaumenbaum in einem privaten Garten und vereinnahmte ihn. Darauf hin schrieb der trauernde Gärtner das Gedicht. Es wurde gesagt, dass er seine Pflaume wieder zurück bekam. Oshukubai, „die Pflaumen, wo die Nachtigall nächtet“ bekommt den Einzug in die japanische Geschichte.

Dinge erzählen Geschichte. Menschen pflegen die Dinge, um wieder den Zugang zu sich selbst und zu ihrer Gefühlswelt zu erhalten. Ohne die Dinge ist das Leben scheinbar ohne Halt und ohne Identität.

Im Februar, wenn Teeleute sich treffen, wird immer im Lauf des Tees ein Name bez. ein Motiv für das Treffen ausgetauscht. Tobi Ume (Fliegender Pflaumenbaum) und Oshukubai (die Pflaume, wo die Nachtigall nächstet) sind nach dem japanischen Formalismus die geeigneten Name für das Motiv eines Teetreffens.

Sijichun 四季春, ein Beispiel

Der Tee, der meine Geschmacklosigkeit ein Ende setzte, war ausgerechnet der einfache Sijichun. Sijichun, ein gewöhnlicher einfacher Formosa Oolong, der wegen seinem Duft eine Popularität erreicht. Eigentlich ein Blendwerk, das Konsumenten mit Düfte betört, aber uninteressant bleibt. Wie kann man aus so einem Baum, dessen Natur ein Blendwerk ist, zu einem interessanten Tee verwandeln? Eine Schönheit allein reicht nicht, um eine Persönlichkeit zu sein. Ich trank den Tee, der seit einer Woche bei mir lag und auf Degustation wartet, um weiter verschickt zu werden. Der Duft ist typisch, aber dezent und langhaltig. Der Aufguss lieblich, zurückhaltend aber voll präsent. Kein Wunder, ein Tee von dem alten Chen aus Mingjian. Einfach und perfekt zugleich. Er sagte mir einmal, die Leute haben gerne den Sijichun. Er ist schön, aber zu zentriert auf das Äußere. Man muss ihn in der niedrigeren Temperatur länger und stärker fermentieren lassen, so dass der Duft im Hintergrund zurückgesetzt wird und der Geschmack reichlicher wird. Der gewöhnliche Sijichun auf dem Markt, ist kurzer fermentiert, um dem Marktgeschmack gerecht zu werden, während sein Geschmack zusammenziehend und grob bleibt – was man allerdings mit Gongfu Methode korrigieren könnte. Aber ein Teebauer, wie er, verweigert dem Trend zu folgen. Er hat ein einfaches Bild, ein unspektakuläres Ideal, wie er mit seiner Arbeit umgeht. Die Art, wie wir mit unserer Arbeit umgehen, ist oft die Art, wie wir mit uns selbst umgehen.

An jenem Frühlingsnachmittag in seinem Hof hockten wir zusammen unter einem Mandarinen-Baum. „Lin San“ er bevorzugte die altmodische japanische Anrede „ ich war noch nie im Ausland wie Du. Ich habe mein Leben dem Teegarten gewidmet. Du hast ein schönes Leben, während meins nur mit dem Teepflanzen und Erde zu tun hat.“ Er lächelte mit seinen goldenen Zähnen und leicht schüchtern vor einem Stadtmädchen. Ich weiß nicht, ob andere Leute sich auch von seinen einfach Sätze so berührend lassen. Ich weinte innerlich in diesem Moment. Natürlich habe ich eine andere Lebensführung und wäre nie glücklich nur in einem Teegarten zu leben. Ich hätte mein Leben „nie“ nur für eine Sache wie Tee verschwendet und geopfert. Seine Zweifellosigkeit, Insistieren und Naivität machten mir jedoch deutlich, was in unserer Welt immer mehr verloren geht.

Ich schickte den Tee gestern gleich in die Innerschweiz. Heute noch vor neun bekam ich einen guten Auftrag. Der Käufer versteht, was er bekommt, ohne ich etwas dazu sagen musste. Das ist das schönste Moment in Business. Der Käufer und der Verkäufer treffen sich zu einer Wahl, die für sich spricht, ohne Wörter. Dieses Vertrauen und der Vorgang sind unauffällig, sind allerdings konstruiert auf einer Basis von einem tiefen Urteilsvermögen und Vertrauen in das Handwerk. Das Handwerk, was der alte Mann in Südtaiwan insistiert und pflegt, geht über die kulturelle Grenze hinweg und wird wortlos von fremden Menschen bewundert, die ihre Arbeit ebenfalls als ein Kunstwerk insistieren und verklären. Ein guter Handwerker braucht gute Käufer, die ihn schätzen und vor dem marktwirtschaftlichen Untergang bewahrt. Und das hat mit dem sprachlichen und kulturellen Selbstständnis nichts zu tun.

Den besten Tee zu produzieren, braucht der Teebauer dreifache oder vierfache Mühe, die möglicherweise nur 5% Ergebnis befruchtet. Wie würde ein Teebauer seufzen, wenn seine Ernte zwangsläufig an einem regnerischen Tag geerntet wird und seine Mühe vergeblich bleibt? Und um diesen 5% Unterschied zu anerkennen und zu bewundern, braucht ein Teeliebhaber eine Reife und ein empfindsames Einfühlungsvermögen. Wer würde gegen Geld und den Markt arbeiten, wenn man nicht an einem Ideal beharrt? Die Kunst eines Handwerks ist hinfällig, vergänglich und zerbrechlich. Sie zu bewahren ist nur heute lediglich auf die Naivität, Kompromisslosigkeit oder Sturheit eines einfachen Teebauers zu stützen. Die Lage ist prikär.

Mingjian

Mingjian 名間, 400 M. ü. M. Foto aus http://nantou.mmmtravel.com.tw/i

Er zeigte mir auch den Baum, den er gerne nach seinem Tod noch begleiten würde. Ein Shuixian-Baum, den sein Bruder aus China schmuggelte. Seine Frau sagte mir, dass er in ersten zehn Jahre nur geweint hat, als er versuchte, den Shuixian zu produzieren. Er weinte und kippte alles weg. Sie sagte, er sei ein Egoist, weil sein Leben sich nur um Tee dreht. „Er geht mit Dir bestimmt auch so um wie mit Tee, oder?“ Er lächelte ruhig und schaute zu seiner Frau. Sie verstand zuerst nicht, was ich meinte. Ich verstand ihn sehr gut. Wenn man für die innere Stimme lebt, die in der Außenwelt immer mehr fremd wird, wird man automatisch schräg und einsam, sogar für manche aggressiv. Es ist ein Widerstand gegen das, was alles egal und gleichgültig macht.

Diesen Shuixian Dan Cong degustierte ich im Januar im Münchener Seminar, Jahrgang 2005. Der Tee hat viele Aufrufzeichen in Augen der Anwesenden ausgelöst. Das Mantra, was Alibaba einst zu der unerwarteten Schatzwelt sagte, „ Sesam öffnet Dich“ ist nichts anders als das Verständnis für das, was eine Tradition hinter einem Handwerk versteckt; was den alte Chen in Mingjian zu einem Egoist macht; und was uns ermöglicht, über die kulturellen Grenze hinweg den gemeinsamen Geschmack treffen zu können!

Suche nach dem verlorenen Duft

Was macht ein Mensch, wenn er nicht riechen und schmecken kann? Er isst nur noch Instanz-Nudel, weil er sich auf das Design-Food verlassen kann, weil er selbst nicht entscheiden kann, was ihm gut tut. Er kapselt sich ab in einem Cocon, weil er andere Menschen nicht riechen kann. Er spürt und fühlt nicht, weil es Gerüche fehlen, seinen Lebensgeist und Brücke zur Vergangenheit erfrischen. Er flieht ins Elfenbeinsturm, wo er sich am liebst wohl fühlt. Die Flucht ins Imaginäre hilft bei der Suche nach dem verlorenem Duft, der sein Lebensgefühl und Lebenslust wieder erwecken kann.

Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut,
…….
Granatbäume mit köstlichen Früchten,
Hennadolden, Nardenblüten,
Narde, Krokus, Gewürzrohr und Zimt,
alle Weihnrauchbäume
Myrrhe und Aloe,
Allerbester Balsam.
Die Quelle des Gartens bist Du,
ein Brunnen lebendigen Wassers,
Wasser vom Libanon.

Das Hohelied

 

Das bald 3000 Jahre alte Hohelied war die Liebesbeweis vom König Solomo an seine Geliebte Schulamith. Christlich ausgelegt versinnlicht das Lied die Vereinigung zwischen Christus und der Kirche. Dem Wort laut nach besingt das Lied die Sehnsucht, Wünsche und Hoffnungen zweier Liebenden, die sich suchen, fliehen und vereinigen. Die sinnlich gegenstandsbezogenen Bilder sprechen unsere Augen, Ohren und Geschmacks- und Geruchssinn unaufhörlich an. Auch Homer verwenden die Düfte als Kommunikationsmittel der Menschen mit den Göttern, indem er in Odyssee beschrieb, wie Proteus, der Meeresgott, der zwischen ungeheuerem Gestank der Robben lebte, mit Wohlgerüchen und unsichtbaren Kräfte von Aromata von seinen Feinde festgehalten und überlistet wurden (Odyssee 4, 384-461). Die magischen Kräfte der Düfte waren schon immer der Ausdrucksmittel und Symbol zwischen den Menschen untereinander und die Sprache zu der unsichtbaren Welt.

Dass Düfte oder Geschmäcke nicht nur Ausdrucksmittel war, sondern auch ein Brücke zwischen uns und der unsichtbaren vergessenen Welt, finden wir das Beste Bespiel in dem Proust-Syndrom von Madeleine in Lindenblütentee:

„Ein köstliches Vergnügen bemächtigte sich meiner, doch es war losgelöst, ohne Hinweise auf seinen Ursprung… Woher stammt dieses übermächtige Glücksgefühl? Ich fühlte, dass es mit dem Geschmack des Tees und des Gebäcks zusammenhing, aber weit drüber hinausging….“

Durch einen Duft zwischen der Madeleine in Lindenblütetee wurde emotionalgeladenen und lebhaften Erinnerung von Proust vergegenwärtigt. Das berühmte Phänomen belegt nur, dass Düfte der besten Brücke zwischen uns und unserer verstauten Erinnerung dienen. Erinnerungen haben nicht nur faktische Informationen, sondern auch Gefühlskomponente. Die Menschen verbinden Erinnerungen für gewöhnlich mit einer Empfindung. Dass durch Gerüche Gefühle und plötzliche Vergegenwärtigung der Glücksgefühl oder einer Illusion uns in eine andere Welt versetzen zu können, zeigt uns, dass Gerüche Erinnerungen von außergewöhnlicher Intensität der Sentimentalen auslösen könnten. Andererseits widerspiegelt uns das Proust-Syndrom, dass unsere emotionale Verbindung eng mit den Gerüche, Gefühle und Erinnerungen in Gehirn verknüpft sind.

Könnten Düfte Erinnerungen hervorrufen, dessen Zugriff für immer verloren wären? „ Je ungewöhnlicher der Duft, desto eher wird er mit einem einzelnen Ereignis verknüpft.“ (R.S. Herz, Duft und Erinnerungsforscher) Die Einzigartigkeit und Einmaligkeit eines Duftes, den man VIELLEICHT nur einmal im Leben begegnet, ließ sich so für immer mit einem einzelnen Person oder Ereignis verbinden, während visuelle oder verbale Visionen derselben Erlebnisse immer wieder auftreten. Der Duft des Großvaters, die Kindheitserinnerung und die plötzliche Reflexion werden vergegenwärtigt, was vielleicht nie mehr zugänglich wäre. Kaum vorstellbar, dass eine bewegende Erinnerung durch einen alltäglichen gewöhnten Geruch ausgelöst werden kann… Wie wäre es, wenn der Kellner Proust aus Versehen einen Kaffee brächte, anstatt einem Tee?

Was die Einmaligkeit des Teeduftes anbelangt, kann ich in diesen Tagen nur zu gut erleben. Einmalig und nie wieder schmeckt eigentlich jede Tasse Tee. Diese triviale und banale Tatsache erkenne ich erst jetzt. Die Schulung von Tee und Zen war vergeblich. Das Bewusstsein der Einmaligkeit ist durchaus verloren in unserer Industriegesellschaft, die alles Wiederholbare reproduziert, sei es Kunst, sei es Musik, sei es mit dem Tee. Der easy Geschmack, der sich immer herstellen lässt, spiegelt unseren Zeitgeist wider. „Der Duft der Welt ist auch nicht mehr, was er früher war. Genau genommen hat sich der große Wandel 1903 vollzogen.“ schrieb George Duhamel 1924. Er erklärte, dass er Düfte von früher nur manchmal, nur eine Sekunde lange, in den Schwertlilien an den Ufern des Ourcq und zwischen den Seiten eines alten Buches bei den Bouquinistes an der Seine erahnte.

Als der letzte Tee am letzten Montag in Bodman bereitet wurde, war mein Körper wackelig, mein Gemüt zerbrechlich. Es war stil von einer besonderen Atmosphäre. Detlef sagte mir, dass die Hinfälligkeit des Lebens vors Auge veranschaulicht wurde. Die Einmaligkeit des Tees wurde wieder wach gerufen. Man dachte, dass ich nach dem Verlassen des Teeraums nie mehr zurückkehren würde. Er bestellte eine große Teevorrat beim Abschied, denn er tatsächlich befürchte, dass ich im Frühling nie mehr aus Asien zurückkomme. (Eigentlich spiele ich eher den Gedanken wieder nach Deutschland zurück zu siedeln. Als ich Jörg, dem Präsident Teeclubs Suisse davon erzählte, flippte er aus und zeigte mir gleich eine rote Karte.)

Der letzte Tee am Rosenmontag 08 Das gefaltete rosa Tuch signalisierte, dass es der letzte Tee des Tages war.

Im Bett, weil ein Kranker nichts anders machen kann, lese ich weiter und suche weiter nach dem verlorenen Duft.

„Dem zwischen Raum zwischen zwei Zeilen entströmt ein kaum wahrnehmbarer Duft, der genau der alte Duft der Welt ist.“ George Duhamel (1884-1966)

  

Der Geschmackssinn

Was wäre der wichtigste Sinn für einen Tee-Menschen? Ich habe mich noch nie mit dieser Frage beschäftigt, wenn ich nicht so verzweifelt wäre – wie jetzt.

Mein Geschmackssinn hat mich verlassen. Seit mehr als eine Woche schmecke ich nichts mehr. Nichts, nicht einmal den Duft des Tees könnte ich schnuppern. Nicht einmal der Neujahrechampagner. Nicht einmal die frische Wäsche.

Nichts, nichts könnte ich tätigen mit Tee. Keinen Degustationsbericht, der einen Einkauft entgültig stützt. Keinen Degustationsvorlschag, den meine Klienten erwarten, um Test vollziehen zu können. Keinen Degustationsnotitz, die frisch eingetroffenen Tee kontrolliert. Nichts, was ich einst als Selbstverständlichkeit betrachte. Nichts, was ich immer ganz locker annahm, dass es etwas gäbe wie Freiheit.

Wie hat Beethoven seine 2. Sinfonie noch geschrieben, als er taub wurde? Mit nur Tastensinn und Augen kann man sich mit Tee nicht beschäftigen.

Jeden Morgen bereite ich mir einen Buddha Hand und hoffe, dieser Tee mich mit seinem vertrauten Aromen und Düfte aus diesem Elend erweckt. Kein Wunder geschieht. Heute kam Freudin zum Krankenbesuch. Ich machte ihr eine Tassen Shuixian und Buddha Hand. Sie lobte den Tee und seufzte. Ich sass dort so taub wie ein Eisberg. Mir schmeckte es nach nichts. Es schmeckte nach nichts. Der Tee schmeckte nach nichts.

Ich weiss, was ich demnächst machen muss – eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschliessen.

Wie lagere ich einen Tee, der gelagert werden sollte?

Entschuldigung, dass ich erst heute wieder mit dem Thema von dem gelagerten Tee fortsetze.

Bevor man einen Tee zu lagern versucht, sollte man vielleicht sich zuerst fragen, wozu. Einen Tee einfach zu lagern ist ein Spiel mit Tee und Zeit – das ist nicht der Grund in diesem Beitrag. Einen schönen Tee könnte unter einer vor Feuchtigkeit geschütztem Bedingung besser (ungestört) fermentieren und dadurch eine charmante Geschmacks- und Duftverwandlung aufzeigen. Aus diesem Grund bewahren wir einen schönen Tee auf, der vor der Feuchtigkeit abgeschirmt wird und in einer geschlossen Situation, weiter nach fermentiert.

Wie man normalerweise Tee aufbewahrt, bräuchte man nur festzustellen, dass das Gefäss lichtdicht, luftdicht und nicht unter Temperatur-Schwankung steht. Man erzählte mir einmal, dass die Teelager in Hamburg so ideal sei, weil es grosse Hafenhalle gibt und wegen der Meerluft keine Temperatur-Schwankung gemessen wird. Temperatur-Schwankung ist eine entscheidende Faktor, ob ein Tee gut gelagert wird. Am besten noch an luftigen, dunklen und kühlen Ort. Wenn DU allerdings einen guten Geschmack hättest und unbedingt stilecht, Deinen Tee in Keramik-Gefäss lagern möchtest, wäre es sehr wichtig saubere gewachene Holzkohle auf dem Boden im Gefäss als Basis zu haben. Manche Anedokten preisen von Tee unter die Erde zu begraben – das halte ich für Schwachsinn.

Je mehr Menge Tee gelagert wird, desto unempfindlich wird die Lagerung.

Welche Teekanne wäre gut geeignet für einen gelagerten Tee? Bei der Keramik wäre eine Teekanne, die nicht in sehr höhem Temperatur gebrannt wurde und viel Wärme speichern kann, zu bevorzugen. Die Form wäre besser rund oder Oval. Warum? Ein gelagerten Tee löst sich nicht sehr schnell im Aufguss auf. Seine Blätter sind zäher, ledriger und veraltet. Er bräuchte mehr Zeit, mehr Wärme und mehr Raum. Darum: mehr Zeit bei jedem Aufguss nehmen, mehr Raum bei der Teekanne achten und das Wasser richtig zum kochen bringen!

Der faszinierende Pflaumenduft eines gelagerten Oolongs wird uns dieser Mühe belohnen und viele besinnende Stunde verzaubern.

Ich kann heute Nacht nicht schlafen,

Denn durch das halboffene Fenster

Dringt der Duft des Pflaumenbaums.                                    Otsonyu 1675-1739

Felsentee Da Hongpao

Felsentee Da Hongpao

美色无高下

Die Schönheit der Blüte ist nicht an einander zu messen,

花枝自短长

Der Unterschied zwischen den Blüten liegt an ihre unterschiedlich entwickelte Länge

青山俊董 Aoyama (Ikebana-Meisterin)

Als ich began, mit Tee zu beschäftigen, sahe in der Literatur die Orientierung. Später durch bittere Erfahrungen wurde es desillusioniert, dass der Tee eigentlich die Orientierung ist und die Literatur nur eine Orientierung anbietet. Dann bewundere ich zuerst nur die schönen blenden Blüte in der Teelandschaft, ohne es klar zu sehen, dass sie nicht die Welt des Tees allein bilden. Manche Teesorte brauchen mehr Zeit, um verstanden zu werden. Manche Teesorten sind von einfacher Produktion, könnten uns mit seiner Einfachheit beglücken. Berühmte traditionreiche Teesorten schleppen oft eine schwere Erbe mit sich herum. Je mehr Ruhm eine Teesorte geniesst, desto mehr Schwierigkeit bekommen wir ein wirkliches Verständnis zu erlangen. Die spärliche Menge erschwert unseren Zugang zu dem Originalen. Das Spiel auf dem Markt mit Schein und Sein kann weder Händler noch Laien durchblicken. Für mich gehören der Longjing aus Shifeng und der Felsentee (der älteste Oolong) aus Fujian zu solchen Kategorien. Da Hongpao ist wohl das bekannteste Exemplar unter den Felsentee.

Da Hongpao geniesst seine Stellung in der chinesischen Teewelt seit 35o Jahren. Die Legende, die Chinese so gerne pflegen, reichen von Affentee bis zum Göttertee. Aber das, was diesen Tee so unvergesslich macht, sei „Felsen Knochen (Geschmack) und blumiger Duft“.

Was ist dann das „Felsen Knochen und blumiger Duft 岩骨花香“? Wie kann so ein stark gerösteter Tee noch einen blumigen Duft aufweisen? Ich fragte meinen Lehrer in Taiwan paar Male danach und erhielt nie eine wirkliche Antwort. Vor einem Jahr gab er mir eine Tüte Da Hongpao beim Abschied. Er meinte, dass ich es VIELLEICHT irgendwann verstehe. „Das mit dem Blumenduft,“ lachte er herzig, “ ist ja die Sache der Poeten.“

Seit letztem Herbst meldet sich immer wieder ein junger Chinese, der über Tee promoviert und sich selbstständig machen wollte. Er suchte Anschluß nach dem Westen, das Tee nun anderes entdeckt. Zufällig oder unzufällig fand er mich im Internet und wollte jedenfalls, mit mir in Verbindung bleiben. Ich bat ihm nach klassischen originalen Teesorten zu „spionieren“. Eines Tages erhielt ich eine Sack voller kleinen goldenen Tütchen – 30 ausgewählten Felsentee! Das göttliche Geschenk brachte mich fast zu knien. Da dachte ich, dass ich dieses Geschenk mit anderen Menschen teile. Als erster war der Sohn von Miriam und Roger. Das kleine kannte es nicht, was für Schatz vor ihm stand. Aber seine Hand folgt seinem Unterbewußtsein, das doch von einer Außergewöhnlichkeit ahnte (siehe Foto).

Der Da Hongpao von diesem jungen Mann ist schön, solide und aromatisch. Malzig, fast schokoladig. Dazu ist der Preis wirklich angemessen. Ich entschied mich welchen zu kaufen. Paar Tage später gosse ich diesen mit dem anderen von meinem Lehrern zusammen. Der Vergleich markierte einen wahnsinnigen Unterschied. Der Da Hongpao war immer noch fürstlich, sauber und solide. Aber der andere stach mich mit einem Blitz, das durch meinen ganzen Körper strömte. Auf meiner Zunge lag das Felsen Knochen. Schwer, unverkennbar, felsig. Fast zu weinen, hob ich die Tasse eine Woche lange in der Küche auf, ohne zu wissen, wozu.

Später rief ich den jungen Mann an und fragte ihn ganz direkt, wo sein Tee angebaut wurde. Ist er ein halb Felsentee (nur am Rand von Felsen-Gebiet), oder ein Umgebungstee (stammt aus Umgebung, aber noch in Wuyi). Meine naive Direktheit brachte ihn zu kochen. Seine Wut liess mich durch die Telefonleitung spüren. Ich sahe meinen groben Umgangsfehler ein und versuchte ihn zu besänftigen. Die Originalität ist bei einem herrvorragenden Tee nicht entscheidend. Es ist nur entscheidend, wenn es darum geht. Ein gut hergestellter Tee muss nicht original sein. Ein originaler Tee kann nicht immer der beste sein. Aber als ein Teehändler sollte man wissen, woher und wie der Tee stammt.

Jenes Moment auf der Zunge war bis jetzt immer noch präsent. Ein majestätisches Power und eine unverkennbare Härte erfordern uns eine Reife, sich an ihn anzunähern. Der Aufstieg auf die Felsen war keineswegs leicht. Keineswegs lieblich, keineswegs blendend glorreich. Nur ein kurzes vergängliches und zugleich verewigtes Moment, wie ein Felsen zu sein. 

Ps. In Globus gibt es im Moment noch Da Hongpao von Mingcha zu kaufen. Jahrgang 2004. Da mein Geschmacksinn mich seit paar Tagen verliess, kann ich jetzt keinen wirklichen  Kommentar abgegen. Der Aufguss sah gut aus und wirkte spritzig auf der Zunge. 55g für nur 29 Sfr. Wirklich kulant.

Teeseminar München Kugelpanorama

Teeseminar München Kugelpanorama

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Hallo Meng-Lin,

noch am Sontagmorgen hatte ich den Geschmack der Qingxin Tees aus der 7.
Runde auf der Zuge. Das ein Geschmack so lange hält, kannte ich bisher
nur von kalt aufgegossenen japanischen Schattentees und vom Lagavulin
Double Matured (Scotisch Single Malt, wie ich finde, noch eine Idee
rauchiger als der Laphroaig 🙂

Du fragst, wann es die Biler der „Profi-Kammera“ gibt? Oh, diese
Vorschußlorbeeren machen mich mächtig nervös …

Das zweite Kugelpanorama habe ich nicht richtig zusammensetzten können.
Die Bilder werden ja aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt und dabei
macht es immer Probleme, wenn bewegte Objekte über mehrere Aufnahmen
verteilt sind. Es blieb zu letzt eine „schwebende Teekanne“ übrig, die
niemand festhielt 🙂

Aber das erste Kugelpanorama ist zusammen. Bei den Kugelpanoramen
handelt es sich allerdings nicht um einfache Fotos, sondern z.B. um ein
Quicktime-Movie. Und ich fürchte, dass es nicht so einfach ist, so etwas
auf einem Blog zu posten.

Diese Mail enthält als Attachment eine Datei mit der Endung *.mov. Das
ist das Kugelpanorama. Darüberhinaus gibts ein *_thumb.jpg. Das ist ein
einfaches Bild, das aber nur als Vorschaubild gedacht ist. Es ist sehr
verzerrt 🙂 Als Beispiel für die Einbindung in eine Webseite gibts ein
*.html.

Zu kompliziert? Geht nicht? Nun gut. Gibts auch unter
Hier
(ohne www!). Dieser Srever ist allerdings extrem l_a_n_g_s_a_m …

Viel Spass
till

Hightech-ManPorträit von unserem Hightech-Man in Münchener Seminar Till, Foto von Christian.

Dieses Panorama-Fotos ist wirklich eine Spielerei, die ich noch nie erlebt habe! Die fliegende Hand, die Esra die Kanne zum schmecken reichte, ist eine echte Zauberei. (siehe Foto zwei auf der Homepage von Tillmann) Also viel Spass für die Technik-Begeisterten!

Heute fragte ich mich selbst, wozu Teeseminar? Wozu überhaupt Tee? Wozu überhaupt solche schöne Spielzeuge, die ich mit mir bei jedem Umzug herum schleppe und mich ärgern? Die Frage „Wozu“ spiegelt wohl meiner Kondition und meiner Erziehung wider. Etwas Unnötiges und Unnützliches zu pflegen, spricht eigentlich gegen die Vernunft. Die Vernunft sagt mir, dass es Zeit Verschwendung sei, eine Tasse Tee zu machen, nur um Lärm der Welt zu vergessen. Das System packt uns an, indem wir keine Zeit mehr finden und wir nur vernunftig denken müssen. Eine Tasse Tee ist deplaziert in einer verplanten Welt, in der Menschen entfremdet werden, anstatt selbst zu werden. Die Schwere des Lebens lässt uns nicht mehr zu atmen, wenn wir nicht mehr unseres Ich leben könnten. Aber wie denn? Wie könnten wir überhaupt noch uns selbst leben, wenn wir in der Erwartung des Anderen und Zwänge des Systems leben. Insofern ist wohl eine Tasse Tee etwas Rebellisches, etwas Unangepasstes und etwas Utopisches.

Eine Teezusammenkunft enthält wohl bereits einen Protest-Charakter gegen das System, das noch mehr aus uns aussaugt und uns mit Anerkennung und Bestätigung fordert.