Ein Teehaus, sehr chinesisch

Ein Teehaus, sehr chinesisch

Architektur ist nicht mein Fach. Aufgewachsen bin ich in einem alten chinesischen Einwandererhaus auf einer fremden Insel im Pazifik, das im 19. Jahrhundert stammte. Am Fluss von Taipei standen das Haus unweit am Ufer, mit einer Gartenanlage und viele kleinen Häuser. Als Kind spielte ich mit meiner Schwester allein im hintersten Garten bei einem Teepavillon. Wenn meine Großmutter aus Süden zu Besuch kam, schlief ich mit ihr in diesem Pavillon. Die ganze Nacht konnte ich aus Angst meine Augen nicht verschließen bis ich aus der Erschöpfung einschlief. Ich hörte zu viel Geistergeschichte und dachte immer, meine alte magere Großmutter, die ein verfluchtetes Grundstück allein verteidigte, würde zu einem bösen Geist in der Nacht verwandeln…

 

Die Häuser in unserem Haus waren so groß wie der Garten vertragen hat. Später wurden die Häuser eins nach dem anderen abgerissen. Ein Hof nach dem anderen. Vom Staat gezwungen und von meinem Onkel befürwortet. Mein Ururgroßvater sei reich geworden durch Sesamöl-Verkauf. Es wurde erzählt, dass es viele fette Tausendfüße gesichtet wurden, die gerne Sesamöl rochen, als das Stammhaus Stück für Stück von Backer zerstört wurde. Tausendfüße galten in China als Drachen. Das Haus habe laut fengshui-Meister eine Drachenhöhle, was Reichtum und Segen garantiert.

 

Der Yu-Yuan Garten war richtig chinesisch im Vergleich mit unser alten Haus, das von den chinesischen Einwanderer auf Formosa gebaut wurde. Meine Vorfahren bauten ein Haus in Orientierung nach „Min-Stil“ (Fujian) und die Familie leben dort seit sieben Generationen. Der Yu-Yuan Garten sah schön und prächtig aus, so prächtig, dass es mir richtig leid tut. Zwischen den vorhandenen Institutionsbauten (Völkerkundemuseum) sah der Garten zerquetscht am Ecke. Der blasse karge Garten im Winter strahlte keine Geborgenheit, sondern eine Entfremdung. Eine Entfremdung zwischen Menschen und Natur. Gerade sollte die Harmonie zwischen Menschen und Natur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen dem Vorhandenen und dem Zukünftigen im Zentrum der chinesischen Architektur stehen, anstatt der menschlichen Willes.

 

Es war morgen früh. Oh, es war eigentlich um 11.15. Mit den anderen Besucher aus Bayreuth waren wir die ersten Besucher. Ein gut deutsch sprechender Chinese kam mit einem roten Weste, die bereits verschmutzt war. Die Teekarte besteht aus Longjing, Bi Luochun, Anxi Tie Guanyin, Da Hongpao, Qimen, Dianhong und Pu Er. Ach, das wichtigste: mit Jasmin aromatisierte Teeblumen! Ich wollte einen Da Hongpao. Er sagte, er kann ihn heute nicht anbieten, weil die zuständige Dame, die Tee zelebrieren sollte, nicht da ist. Ich sollte etwas anders bestellen. Ich bestand auf den Da Hongpao. Dann kam eine Dame im Chinoserie-Kleid und lächelte. Ein Da Hongpao in Gongfu Art. Sehr schnell aufgegossen, sehr schnell abgegossen.

 

Ich möchte hier nicht über die Dinge des anderen lästern. Das Teehaus sieht schön aus. Die Möbel sind echt aus Holz und in chinesischem Stil. Die Tees werden unterschiedlich zubereitet, Mal im Glas und Mal in Gongfu. Die Literatur von Konfuzius-Institut ist sehr informativ und für mich genussvoll, zu lesen. Das Kulturprogramm hört sich wahnsinnig spannend an. Am liebsten hätte ich an jede Veranstaltung teilgenommen. Das Baozi schmeckt wirklich hervorragend. Die Gäste sind interessierte Teeliebhaber, die sich nicht scheuen vor dem langen Weg. So lernte ich die Bäckermeister aus Bayreuth. Sie waren sehr interessiert und sprachen mir sehr freundlich an. Zuerst unterhielten wir uns über Kaffee, um das Thema Tee auszuweichen. Dann erzählte ich von Georges Cafe, von seiner Leidenschaft zum Kaffee und von seiner Vision ein wirkliches Cafe für Kaffeeliebhaber zu eröffnen. Kaffeehäuser könnten ein Bildungsstätte sein, wenn der Besitzer eine Vision hat. Bei George lernt man Kaffee kennen, lieben und trinken! Meine Augen strahlten wohl auch mein Glück aus, so einen Mann kennen gelernt zu haben, an so einen Ort gewesen zu sein und so einen Genuss zu haben. Die Bäckermeisterin seufzte, „Ach, wir haben eigentlich diese Erfahrung hier gerne gemacht und gesucht!“

 

Mein Da Hongpao kostete 18 Euros. Ein Tee, der sehr grün war. Klare Orchideen-Note. Meine Kehle fühlte sich so an, als ob man sie mit Sandpapier gerieben hätte. Ich habe zwei nette Teefreunde kennen gelernt. Für mich war es ein schöner Besuch. Meine neuen Teefreunde fanden unsere Begegnung ebenfalls inspirierend und ein Foto wurde sogar gemacht als Meilenstein unseres Wegs.

Foto: Teehaus Huxin-Ting in Yu-Yuan

Feldbrunnenstraße 68, 20146 Hamburg

Kaffee, mehr als nur dunkle Bruhe II

Kaffee, mehr als nur dunkle Bruhe II

Geduld ist mir stets ein Fremdwort. Eigentlich wäre ich gleich wieder gegangen, als ich diese lange unpraktische Schlange sah. Wenn die Empfehlung dieser Kaffeerösterei  nicht von einem guten Keffeeröster wie der Stefan wäre, hätte ich bloß auf meine Ungeduld reagiert. Reaktionen auf die Emotion, die aus der gewöhnten Konditionierung entsteht, wie der unübersichtlichen Schlamm im Geist funktioniert, führt uns oft blind durchs Leben und öfter an die Wand. Geduld abzuwarten bis der Schlamm sich wieder setzt bedeutet für mich eine Aktion selbst herauszufordern. Was ist, wenn der Schlamm sich setzt?

 

Ich schaute den jungen Mädels zu, wie sie den Kaffee-Zubereitung wie die Fließbandarbeit fertigten. Die praktische schicke italienische Kaffeemaschine machte ihr Job ohne Schwankung und Beschwerden. Ich bestellte eine Tasse Hochlandskaffee aus Tansania und dachte gleich an eine dunkle Brühe, die mich bald enttäuschte. Ach, wozu landete ich denn hier? Kaffee-Trinken kann man einfach nur in Taiwan bei George. Hier in Europa versteht man Kaffee nur als dunkle Brühe, die immer so schmecken muss – aus der Maschine von Hamburg bis Sizilien. Kaffee wird nur verstanden als nüchternes Wachmittel. Ein Mittel gegen Erotik und Muße, was Menschen fern zur Arbeit hält – Arbeit, die gemacht werden muss anstatt gemacht werden möchte.

 

Die flinken Mädchen brachten eine Tasse an die Theke. Ich musste dort lange auf meinen Kaffee warten – alles, was hier geschah, nennt man SpezialitätenShop, Erlebnis-Gastronomie! Hier sollte man einen Einblick in die einstige alte Welt des Kaffeehandels vermitteln bekommen. Dort sollte man einen Überblick über erlesenen Kaffee aus ganzer Welt erhalten kann. Ein Ort des kollektiven Gedächtnisses und ein Ort der kulinarischen Bildung. Eine Bildung auf höchstem Niveau.

 

Manche Kunden standen absichtlich in der falschen Schlange und hofften, schneller bedient zu werden. Ich hatte keine Lust über die zu lästern. Wenn ich könnte, würde ich ebenfalls mit Tricks anwenden, um schneller die dunkle heiße Brühe zu bekommen. Irgendwann bekam ich meine Tasse. An der Theke musste ich schon entscheiden, ob ich Milch nehmen wollte. Ich spürte im Herzen wieder einen Stich der Schmerzen. Es war kein Ort für Kaffeeliebhaber! Wenn Milch in meinem Kaffee sank, wurde mein Kaffee einfach nur eine trinkbare Brühe. Wenn ein Kaffeeliebhaber Wahl hätte, würde er zuerst keine Milch nehmen. Wenn der Kaffee gekostet wurde, dann kann der Kaffeeliebhaber machen wie er es gerne hätte.

 

Ich vermisse eine gute Kaffeebildung in Europa, auch wenn das Getränk massenhaft konsumiert wird. Das bedeutet schon die Zahlen der Popularität? Gar nichts. Die Tasse von Speicherstadt war erstaunlich gut. Geschmeidig und vielschichtig. Erstaunlich schnell floss die Flüssigkeit in meine Kehle und eine Zufriedenheit spürte ich in den ganzen Körper. Was für ein Glück! Wenn man eine gute Tasse Kaffee bekommt! Wenn diese Rösterei doch schafft, einen guten Kaffee zu kreieren, warum sind sie zufrieden mit einem gewöhnlichen Kaffeebetrieb, das vielleicht nur Geld wirft? Wer sollte sich um die breiten Massen der Kaffeetrinker kümmern?

Ich vermisse George.

Der Besuch von Georges Kaffeehaus gehört nun in meinem Reiseplan für die Reise von Teeclub. Eine gute Kaffeebildung hilft dem Verständnis des Tees – ich bin davon überzeugt.

Als ich zum ersten bei George war, wurde ich mit 10 minutige Vorstellung über das Verständnis des Kaffees eingeleitet. Kaffee sei Fruchtsaft von einer tropischen Frucht. Samen aus dieser Frucht werden fermentiert, geschält, getrocknet und geröstet. Nach der Röstung wird diese Samen gemahlen und gebrüht. Dieser Saft schmeckt selbstverständlich fruchtig säuerlich und zeigen uns unterschiedliche Facetten wegen unterschiedlichen Herstellung und unterschiedlichen Anbaugebieten. Ähnlich wie beim Tee. Dann wurde ich aufgeklärt, dass es im Haus ein Milch-Verbot gibt, weil Milch die Verkostung von Kaffee behindert. Ich bewunderte sein Bildungsangebot in diesem kleinen Cafe in Taipei und empfing die Liebe von Hausherrn zum Kaffee. Sein Kaffee ist per Hand gebrüht. Diese Hand ist menschlich, erzeugt aber stets stabilen Aufguss. Mich wurde empfohlen, den Kaffee so lang zu trinken wie möglich. Denn der gute Kaffee entfaltet sich erst richtig durch die Zeit. In warm, in kalt und am Anfang und am Ende kann man die Nuance verschiedene Stationen feststellen – wie im Leben.

Man kann mit George über sein Verstännis von Rösten streiten. Ich war nicht für seinen Stil, aber sehr beeindruckt von seiner Überzeugung, eine Kaffebildung in dem hektischen urbanschen Labyrinth anzubieten. Sein Mut ist einzigartig wie sein Cafe in der Welt.

Was ist der kulinarische Genuss? Bei George erlebt man DIE KULTUR!

 

Als ich in  Yu-Yuan in Hamburg allein saß und Alexandera und Thomas begegnete, meinten die beiden Bäckermeister, dass sie eigentlich in diesem mehrfach berichteten Teehaus von einer Bildungsstätte für Tee suchten – TEEKULTUR anstatt Chinoserie. Ein Ort für den kulturellen Austausch, kulinarisch und sinnlich, anstatt ein Betriebstätte für ein Getränk – das haben wir genug in unseren Städten.

Kaffeerösterei Speicherstadt

Kehrwieder 5 D 20457 Hamburg

Pu Er aus feuchter oder trockener Lagerung

Jörg hat mir erzählt, dass man in Deutschland an den Mythos von Höhlen-Lagerung des Pu Ers glaubt. Pu Er, laut einem bekannten Teebuch sollte in Höhlen des feuchten Provinz Yünan gelagert werden.

Simmt das? Stimmt das nicht?

Ich fragte You, was er denkt. Er lächelte leicht schüchtern, wie er immer lächelt. „Lass den Tee für sich sprechen.“ Er holte zwei seine private Sammlung und goss die beiden Tees auf. Einer wird in einer winzigen Kanne aufgegossen, während der andere in einer gewöhnlichen Kanne. Ich beobachtete den feinen Unterschied und verstand, was er denkt. Wenn Du mit einem Teeliebhaber Tee trinkst, weiß Du, was ein Tee für ihn bedeutet, wenn er eine kleinere Teekanne als die gewöhnte nimmt. Ein wertvoller und geschätzter Tee wird nur in kleiner Menge und in bewegendem Moment aufgegossen.

Der Tee in der trockenen Lagerung war klar, präsent und aromatisch, während der Tee aus feuchter Lagerung schwer, trüb und typisch erdig schmeckte. Azhong und seine Kollegin waren in der Degustation begeistert von dieser feuchten Lagerung, denn er war einfacher, markanter und typischer zu erkennen. Der aus der trockenen Lagerung forderte unsere Sinne heraus, ihn zu entdecken und ihn „anzufassen“. Er war klar, aber für die vorhandenen Vorstellung, wie ein Pu Er sein sollte, nicht identisch. Sein Geschmack war so klar, dass man die Faccetten schmecken könnte, wenn man ohne Vorbehalt an ihn antastet. Dieser Tee hat uns mehr zu erzählen als sein Kollege, der in einem feuchten warmen Raum gelagert wurde.

Mit der gleichen Frage kam ich zu Chou, Yu. Er sagte mir, dass er den alten Pu Er aus feuchten und warmen Guandong und Hongkong nicht bevorzugt. Für ihn sei viele dieser Lagerung nicht hygenisch und geniessbar. Ein Pu Er aus einer trockenen Lagerung erzählt uns eine klare Geschichte und sein Werdegang als ein schöner Tee kann gut mit unseren Sinne nachvollzogen werden.

Ich würde behaupten, dass Tee für sich spricht ohne Worte.

Das Degustationsfoto siehe hier.

Eine Tasse gegen Unzulänglichkeit des Lebens

Eine Tasse gegen Unzulänglichkeit des Lebens

Pingsheng Bu RuYi Shi, Jie You Maokong San.

All das, was mich belastet, quält und ärgert, scheint in diesem Moment durch diese Tasse aus meine Poren zu erlöschen.

Lu Qian.

Zu wenig Zeit, um einen anständigen Betrag über die neuen Erfahrung mit Yous Pu Er zu schreiben. Zu wenig Zeit, um Bücher anständig zu widmen. Wie ein Hund schrieb mir ein Freund aus Paris, er fühlte sich zur Zeit wie ein Hund. Dieser Ausdruck benutzen wir beide aus unserer Unizeit von NTU. Wie ein Hund fühlte ich richtig in letzter Zeit. Kein anständies Essen, kein anständiges Schlaf und keine anständige Sehnsucht nach schönen Dinge des Lebens. Ein Hund hat zumindest einen anständigen Rythmus zum Leben, schlafen, wann er will und essen, so lang es gibt. Insofern würde ein Hund uns beide verbieten, unser Leben mit seins zu vergleichen.

Für mich hat der Genuss von Pu Er Tee auf zwei verschiedene Art: ein Genuss des Geschmacks und ein Erlebnis der Energie – was in Chinesisch Qi heisst. Ohne esoterisch zu werden möchte ich das Wort Energie vereinfachen, einfach als das Erlebnis nach dem Trinken, was uns alles erinnert, was uns in Körper erweckt.

Die meisten Pu Er sind entweder aus den kleinen gezuchteten Teebusch von Teegärten, oder aus den verwilderten oder weniger gepflegten alten grossblätterigen Baum. Beiden Tees geben unterschiedliche Geschmackserlebnisse. Chou, Yu erzählte mir einmal von seiner Vorliebe. Tee aus alen wilden Baum, am besten unter der Sonne getrocknet, mit Hand (bzw. Fuss) gepresst. Dieser Tee sollte nach dem Dampf noch einmal nur unter der Sonne trockenen. Da der Temperatur zwischen 30-40 Grad von der Sonne die besten Bedingung für einen gepressten Pu Er ist, zum nachreifen.

Viele Menschen sind scharf auf Teefladen, der nur aus feinen Tipp hergestellt ist. Wenn man allerdings die alt gelagerten Pu Er (Die Klassifikation von „hao“) betrachtet, merkt man, dass die damaligen Tipps fett und gross waren. Chou, Yu kritisierte, dass diese falsche Trend von dem Grüntee, dessen Tipp klein und fein sein sollte. Aber Pu Er ist Pu Er. Da der grüne Tee heute am besten vermarktet ist, werden alle anderen Teesorten richtig von dem Markttrend beschädigt! Auch der schöne faccettenreiche Oolong leidet immer mehr unter der eintönigen vergrünten Oolongtee-Trend. Chou, You sagte mit, dass die schönen Tipps zwar fein und geschmeidig schmecken, aber die weichen zarten Stange den Body für den Geschmack liefert.

Dies erlebte ich richtig, als ein Besucher aus Karlsruhe zu Besuch kam. Anscheinend kam ich erst dazu, Tee zu geniessen, wenn ein Besuch kam. You schenkte mir reichlich viele Teevarietäten, die er selbst produzierte. Eigentlich ist er ein wortarmer Mensch. Ich denke, Tee spricht für ihn und für sich selbst. Mit meinem Besucher trank ich den jungen Tee aus 2008 Yiwu und wir waren richtig überrascht von seiner Geschmeidigkeit, von seiner Volle und von seiner Stabilität. Seine Aufgüsse sind gleich geblieben, ohne Schwankung und Verlust. In seinem jungen Jahr ist er bereit eine Schönheit, die unaufdringlich auftritt. Meistens schmecke ich beim jungen Pu Er z. B. von dem neuen Red-Label oder Blue-Label die Aufdinglichkeit und Aggressivität. Einmal trank ich mit Md. Chou in Wistaria-House. Nach paar Runden konnten wir beide nicht mehr weiter sprechen. Dagegen ist der junge Pu Er von You, sanft und zugleich stark, tiefgrundig und zugleich offen. Duft aus Blumenwiese, leicht blumig, leicht nach Moos und noch mehr schmeckt man den Duft auf der Wiese, wenn der Sonneuntergang auf Blüte und Grass scheint.

Ich spürte die Kraft der Sonne, die durch den Körper, durch den Tee floss. In jenem Moment glaubte ich verstanden zu haben, was das ausmacht, einen Pu Er nach der Tradition herzustellen. Plötzlich konnte ich nicht mehr denken als an dem Satz von Lu Qian: All die Unzulänglichkeit des Lebens scheint in diesem Moment aus meinen Poren ausgeschieden zu sein!

Ein alter Baum schlägt seine Wurzel tief in die Erde, somit ist die Pestizide und Dünnemittel nicht nötig. Ein alter Verfahren basiert auf die natürliche Energie, die zwar unter Schwankung der Natur leidet, aber durch die menschliche künstlerische Fertigkeit gut gelenkt werden kann. Wozu Technologie? Ohne die Technologie kommt der Tee nur mühsam durch die Bergen und Seen zu uns. Also ein Teeliebhaber braucht beides.

Foto: ein Vergleich zwischen trocken (links) gelagerten und feucht (rechts) gelagerten Pu Er.

Kein Titel

Mit meinem Teevater telefonierte ich kurz vor dem „heiligen“ Abend. Er meinte, dass unsere Gesellschaft ein Vögel habe. Überall schreien Menschen und „müssen“ kurz vor diesem „gespannten“ Moment noch SMSen, Karte schreiben, Grüsse ausrichten. Im Bahnhof, im Laden und auf der Strasse waren überall der Aufruf „Ich hätte Dich noch gerne angerufen!“.

Ich lachte im Telefon. Sicher sind wir gut erzogen und möchte gerne gute Freunde, anständige Menschen und vor allem „emotion-voll“ in unserer kommunikativen Gesellschaft sein. Emotionlosigkeit und Einsamkeit sind Tabu-Eigentschaften unserer Zeit. Alle sind gefühlsvoll, fröhlich und kommunikativ, vor allem am heutigen Abend.

Naja, ich tue es nicht anders.

Meine Teeeltern gönnen sich Ruhe. Ich fliehe dagegen in die „Geselligkeit“. Am 31.01. treffen wir uns dann zu einem ersehnten Grünkohl-Essen und dann den letzten Tee im Jahr 2008.

Tee, Musik und Literatur

Am 11.01.2009 findet eine interessante Veranstaltung mit Tee, Musik und Lesung in Zürich statt.

Ort:

Galerie Seï-un-do, Gemeindestr. 19, 8032 Zürich

Das japanische Teehaus-Galerie wird ab dem April nur im Internet präsent sein. Frau Ikeda nimmt ihren Abschied mit dem zürcher Publikum nach neuen Jahren Arbeit. Es ist um so interessant, diese Veranstaltung nicht zu verpassen.

Veranstalter: Teeclub Schweiz. Anmeldung hier.

11.01.2009 (So.) 14-16 Uhr

Eingeladen sind:

Dirk Sikorski – Lesung

Wolfgang Heßler und Chizuko – traditionelle japanische Kammermusik

Diese Idee von Tee, Musik und Lesung wurde im Sommer entstanden. Wolfgang und Dirk planten einen gemeinsamen Auftriff in Seefeld und fragten mich, ob ich nicht mit Tee etwas mit gestalten wollte. Ich war begeistert. An eine ähnliche Veranstaltung nahm ich teil aufgrund der Einladung von H. Reichmuth in Villa Boveri. Oriental Beauty war das damalige Thema. Vortrag, Tee und Lesung harmonieserten sich wunderbar und bahnten zusammen in einen Weg ins Herzen der Teilnehmer. Dieser Rahmen gefielt mir ausgesprochen gut und erkannte darin eine Chance, etwas in der Gesellschaft in die Bewegung zu setzen.

Gestern sagte Wolfgang zu mir, dass diese Art von Akktivitäten unbedingt zu meinem Teehaus an Spiegelgasse gehören muss. Das stimme ich nur zu!

Männlichkeit leben

„Wer die Natur nachahmt, rigoros und realitätsgetreu, so wie sie ist, ist – gewissermassen – nicht mehr als Historiker, aber wer sie komponiert, übersteigert, umändert und verschönert, ist ihr Poet.“ Francesco Milizia

Einmal sagte mir ein fremder Japaner, dass der Oolong ein Poet sei. Er zitiert von Milizia und glaubt, in Oolong ein Poet gefunden zu haben. In meinem Seminar fragen oft Teilnehmer, was ein Oolong sein sollte.
Eine Frage, die eigentlich nur mit eigener Zunge und Nase beantwortet werden kann. Oolong, paar gedörrte Blätter von einem einfach grünen Pflanzen. Eine Pflanze die Weltgeschichte schreibt, Kriege stiftet und das Göttliche in jeden Menschen erweckt. Wenn man diese Pflanze so sie sich in der Natur befindet, sein lässt, werden  Blätter dieser Pflanze der weiße oder grüne Tee – ein Historiker. Aber einem Herstellungsprozess eines Oolongs gleicht der Reifungsprozess einer Pflanze. Die Reifung widerspiegelt in den Duft und Geschmack des Oolongs.

In jedem Frühling, in jedem Lebenszyklus einer Pflanzen und in jedem Kreislauf des Lebewesens fängt es mit keimen und Knospen an. Die Blätter wachsen und wenn der Zeitpunkt reift, bildet sich eine Blüte. Wenn die Blüte so weit ist, blüht sie. Wenn die männlichen Staubblätter und weiblichen Fruchtblätter bereit sind, nähren sie aneinander. Wenn die Sonne und Wind mitspielen, wird eine befruchtete Frucht im Herbst duften. Eine Frucht beginnt zum Reifen. Und wenn die Zeit kommt, fällt eine Frucht auf dem Boden, so dass ein neuer Lebenszyklus erneut fortsetzt. Ein Oolong ist ein Panorama dieses Prozesses. Ein Oolong erlebt die Stationen der Blüte, die Befruchtung und Reifung der Frucht. Manche von ihnen duftet nach Blüte, wenn die Fermentation sanfter voran geht, wie Lishan Hochland, Paochung und der moderne Anxi Tie Guanyin. Manche von Ihnen duftet nach werdenden Früchten wie Hochland Oolong, Dongdingoolong. Manche von Ihnen erleben anspruchsvolle Fermentation und Röstung und zeigen faszinierenden Duftnoten von Orchideen, exotischen Früchten und Marzipan!
Ein wirklich reifender gelagerter Oolong spiegelt den natürlichen Prozess einer Frucht wider. Leicht säuerlich, süß und fruchtig wie eine überreife Frucht kurz vor Platzen!
Eine Verwandlung voller magischen Momenten.

Die Reifung eines Menschen verläuft nicht anders, vielleicht nur schmerzhafter oder komplizierter – so wie der menschliche Geist. In einer von weiblicher Gewalt regierten Welt aufgewachsen war das Vaterbild für mich nicht ein einfaches Puzzelspiel. Ein Großvater, der im Haus nicht besonders respektiert war; ein Vater, der stets auf der Reise abwesen war und Onkels, die ihre Romanze und Herrensöhnchen Rolle nicht ablegen konnten, waren diese Bilder keine Hilfe, ein Vaterbild zu konstruieren und der direkte Einfluss war nicht besonders erfolgreiche Partnerschaft. In der Welt der regierenden Frauen fanden abwechselnd Täter und Opfer Spiele statt. Die Kriege in dem Roman „der Traum der roten Kammer“ waren Alltag meiner Kindheit. Dass ich relativ „normal“ geblieben bin, lag an meiner großartigen Mutter. Sie ist dominant, wusste aber in bestimmten Momenten sich zurückzunehmen. Sie war unterdrückt, aber nicht unterwürfig. Sie vermittelt mir, ein selbst bestimmtes Leben zu führen und anderen selbst bestimmen zu lassen. Sie zeigt mir, wie die Welt sein kann, nicht wie die Welt sein sollte. Es war meine Großmutter, die die Krise gemeistert hat, aber andere Menschen unterdrückt hat. Es war auch meine Großmutter, die Kinder aufzog und Geld mit Händen verdiente. Ich kenne Frauen, die geben und nehmen können, die Ja und Nein sagen können und gerne beschützt und geliebt werden wollen. Der Prozess einer Frau zu werden findet nicht bei jedem statt. Oft werden chinesische Frauen direkt von Mädchen zur Ehefrau oder Mutter. Die Auseinandersetzung mit sich selbst passiert, wenn das bisherige Konzept nicht mehr weiter funktioniert.

Gestern war ich in der Buchhandlung im Licht und war erstaunt, wie viele Bücher inzwischen über die weibliche Selbstfindung diskutieren. Noch erstaunlicher war ich über wie wenig die Männlichkeit in unserer Gesellschaft thematisiert ist.
Kümmern Männer in unserer Gesellschaft nicht um ihre Männlichkeit? Oder haben Männer einfach weniger Probleme im Leben als Frauen?

Mein Ersatzbruder Dirk zeigte mir mit einer glücklichen Stimme ein Buch „Männlichkeit leben“. Er sagte, das Buch war die Antwort des Kosmos auf seine Frage.
Er traf eine spannende Person, wusste aber nicht, wie ein Mann sich an eine Frau „richtig“ annährt. Diese Person war wie ein Spiegel seiner Geschichte mit seinem Vater, seiner Mutter und seiner bisherigen Beziehungen. Ein Mann sein, nicht wie ein netter junger, der um einen Kuss bittet. Ein Mann sein, nicht wie ein Idiot, der sich nicht um Gefühle des anderen kümmert.

Er reflektierte, dass er bis jetzt seinen Vater mit dem Auge seine Mutter betrachtet, dass er die Beziehungsproblematik mit weiblichen Augen der Freundinnen (mich einschließlich) wahrnimmt, dass er ein männliche Sicht entwickelt muss, um ein Mann zu sein. Das Erste fängt er an, über sein Vaterbild nachzudenken. Das Vaterbild einschließlich des Großvaters.
Seine Stimme wurde immer weicher, während seine Gesichtzüge immer männlicher werden. Er verstand den Unterschied zwischen Gewalt und Aggression und stand zu seinem männlichen Impuls. Ich betrachte seine Entwicklung wie ein Werk eines Oolongs, der sich verwandeln lässt, wenn alles so weit ist. Ich erkenne mich selbst in ihm.
Seine Arbeit an den wahren Selbst findet Niederschlag in seiner Schauspielerei. Zunehmend findet er Resonanz. Bald zieht er nach Berlin, um dem Leben eine neue Dimension zu verleihen. Die Zeit, in der wir uns so gegenseitig begleitet, wird bald zu Ende sein. Eine reifende Frucht, eine Verwandlung.

Er sagte, dass er keine Erbsenprinzessin haben will, sondern eine Königin. Eine Königin erwartet einen König, der weiß, was er will und nicht will

Männlichkeit leben

Die Stärkung des Maskulinen

Von B. Thorsten Leimbach

ISBN 9783831902859

Programm von Teeseminar- Oolong

In diesem Teeseminar-Oolong möchte ich zuerst einen kleinen Überblick von den typischen Oolong von China und Taiwan.
1.       Überblick von chinesischen Oolongsorten aus Guandong und Fujian.
2.       Überblick von sortenreichen Formosa Oolongs
3.       Ein Vergleich von verschiedenen Oolongbaumsorten.
4.       Wie unterschiedlich schmeckt ein Oolong aus unterschiedlichen Anbaugebieten? Ein Vergleich von unterschiedlichen Anbaugebieten auf Formosa.
5.       Was bedeutet Röstung? Wie schmeckt ein Oolong in unterschiedlichem Röstungsstadion?
6.       Was bedeutet Fermentation? Mit Degustation sollte die Irrtümer von grünem und braunem Oolong geklärt werden.
7.       Wie beeinflusst die Zeit der Lagerung auf einen Oolong?

Diese Fragen zu klären, hilft uns, Oolong besser zu verstehen. Anstatt mit einfachen Kategorie und Etikettierung versuchen wir mit dem Geschmack und Duft zu erkennen, wie weit ein Oolong fermentiert und geröstet wird. Für Oolongtee-Liebhaber ist das Seminar eine Einladung auf eine Reise ins Neufundland. Nicht nur das Kenntnis Anbaugebieten und Oolongsorten werden unseren Erfahrungshorizont erweitern, sondern auch die Facetten eines einfachen Pflanzen durch seine unterschiedlichen Verarbeitungsverfahren.
Für mich ist es ein Weg ohne Rückfahrkarte, sobald ich auf der Reise ins Oolongland. Ich hoffe, die Faszination andere Teefreunden anstecken zu können.

Kulturschock – China

Nicht weil die Reise nach China uninteressant war, wurde kein Reisebericht nach China hier gepostet. Es war im Gegenteil. Zu viel zum Nachdenken, zu viel hinterzufragen und zu wenig zum Wort zu bringen.

Ein Kulturschock. Kaum mit Worte zu erfassen. Worte war das Auslöser dieses Kulturschocks. Als chinesisch Sprechender fühlt sich immer wieder überfahren in einem Chinesisch sprechenden Land. Spätestens als ich ins Lufthansa einstieg und von einer chinesischen Stewardess angesprochen war.

Wie sollte ich denn anfangen?

Wegen der Unruhe in Bangkok musste ich mit Cathay Pacific nach Hongkong fliegen. Eine Airline, was mir sehr unsympathisch ist. In dieser Airline und in diesem Land, wo diese Airline stammt, ist man jemand, wenn man Englisch spricht. Wenn man Chinesisch spricht, ist man „down“. Also sprach ich Englisch mit der Stewardess am Bord und ich fand es richtig widerlich.

Nach dem Umsteigen ins Lufthansa wurde ich von vielen chinesischen Stewardess bedient. Was eigentlich eine Gnade ist von Lufthansa. Als Apero verteilt wurde, wurde ich schlicht und einfach von der Dame aus China in Chinesisch gefragt: „Was willst Du trinken?“ (Ni Yao He Shemen?“)

Ich war stutzig von dieser direkten Formulierung. Intuitiv und unüberlegt erwiderte ich: „Ich hätte gerne Sekt.“ (auf Deutsch). Stutzig war sie und ich war selbst geschockt von meiner Reaktion. Ich bekam mein Procecco und dazu noch viele Fragezeichen an mich selbst.

„Was willst Du trinken?“ – stelle Dir Mal vor, Du wirst auf Deutsch von einem deutschen Flugpersonal gefragt – wie würdest Du wie ein „normales“ Deutsche reagieren? Das Personal-Training von Lufthansa war sicher gut genug. Das Problem lag wohl an dem Muster des chinesischen Umgangs. Diese „grobe“ Art von Umgang in Chinesisch in China scheint wohl ganz gang und Gäbe zu sein. Und das brachte mich und Hanspeter stets auf der Reise zur Sprachlosigkeit. Obwohl er kein Wort Chinesisch spricht und versteht, weiß er die unsichtbaren Dinge und Nuance zu achten. Als wir von Fuzhou nach Taipei zurück flog und ins taiwanesischen EVA Air einstiegen, sagte er, dass wir nun wieder in „die Welt“ zurückkehrten. In Shanghai Airline, meinte er, war es wie in Hühnerstahl (So streitsüchtig wie ich, ich habe mit einem Passagier fast gestritten).

Aber, warum reagierte ich denn auf Deutsch? Ich war zutiefst entsetzt. Am Ende glaube ich paar Antworten zu haben:

  1. ich wollte diese Dame sagen: ich kann Deutsch, behandele mich bitte gut.
  2. ich wollte diese Dame sagen, man „könnte“ Konjunktiv-Form benutzen. Auch in Chinesisch haben wir eine schöne Redeart.
  3. Die Sprache Deutsch schien mir in jenem Moment als eine kultivierte Sprache zu sein.

ine kleine Reflexion von meiner ersten Begegnung mit China.