Shui Tang

Sonne schien wunderbar über den Himmel Zürichs. Mit einer Leichtigkeit und frühlingshafter Stimme fuhr ich zum Techno-Park und wollte Roger abholen. Wir möchte weiter über das Shui-Tang Projekt besprechen.

Ohne Roger wäre das Teeblog tee.kaywa.com nicht hier, ohne Roger wären viele Teefreundschaften zwischen Cyperspace nicht entstanden, ohne Roger wäre Shui-Tang lang noch nicht da!

Wie hat dieser Mann eine Ahnung bekommen, in einer unbekannten uninteressanten Person wie mich etwas zu fördern und ein Potential zu erkennen? Er müsste ein gutes Riecher haben! Ich vertraue ihn und vertraue seine Intuition. Gerne bespreche ich mit ihm und Miriam über vielen Dingen, gerne lass mich von ihm führen. Der Name Shui-Tang war seine Idee, eine interessante Idee, eine vielversprechende Idee.

Shui Tang 水堂 bedeutet in Chinesisch:

Wasser und Ansammlungsort. Ort des Wassers. Ort der Quelle.

Shui (sui) 美 Tang 堂 bedeutet in Taiwanesisch (meine Muttersprache, die in der Tangzeit als Mandarin gesprochen wurde):

Schöner Ort.

Shui水 Tang 湯 bedeutet in Japanisch:

Heißes und kaltes Wasser

Ein Ort des schönen Wassers, ein Ort der Ansammlungen von schönen Dingen, ein Ort der Quelle!

水美堂, Shui Tang in Zürich!

Ich möchte mich hier noch einmal ausdrücklich bei Miriam und Roger Fischer bedanken!

Zhangping Shuixian III

Seit gestern Abend bekam ich Anfrage wegen diesem selten gesichteten Oolong.

Ich habe diesen Tee erst kennen gelernt. Die Wünsche der neugierigen Teeliebhaber kann ich leider noch nicht erfüllen. Ich verspreche, diesen Tee in diesem Frühling zu finden. Aber das Versprechen einer Frau sollte „man“ nicht zu ernt nehmen, oder?

Zhangping Shuixian kommt aus Fujian Zhangping. Nach der Herstellung des Tees werden die Teeblätter im Holz-Modell gepresst. Samt dem Papier im 80 Grad getrocknet. Die Trocknungszeit beträgt 35-40 Stunde.

Seit 80er Jahren ist der Tee langsam bekannt. Bekannt mit schönem Duft, aromatischen Tassen und nachhaltigem Körper. Qualitäten sehr verschieden. Ich habe auch viele schlechte Beispiele erhalten. Dieses Exemplar von letztem Freitag war eine seltene Schönheit. Mein Lehrer war sehr begeitert von diesem Tee, aber etwas bedenklich wegen der Lagerung dieses „wenig stabile“ Mode-Tee.

Ob dieser Tee als eine modische Erscheinung bleibt, oder ein Klassiker werden kann, lässt sich Tee trinken und abwarten. 

Zhangping Shuixian II

Einen Duft des Frühlings und einen Geschmack des Frühlingswindes möchte X. mir schenken. Am vergangenen Freitag erhielt ich ein kleines Paket aus Paris. Ein Abschiedsgeschenk eines langjährigen Freundes, der diese Stadt verließ. Nicht nur Abschied von dieser Stadt, sondern auch von seinem Jungentraum, von einem Kontinent und von ein Stück der eigenen Identität.

Er sagte, ich soll mich aufraffen, auch so einen Tee finden zu können, ihn in meinem Laden zu verkaufen. Aber er glaubt es mir nicht, dass ich es schaffe. Versprechen muss ich trotzdem.

Zynisch und direkt ist unsere gewöhnte Umgangsart. An der Uni fingen wir an den ersten Tag bereits zu streiten. Für irgendeine Kleinigkeit. Wir fanden es lustig und taten es weiter. Wir haben gemeinsame Hobbys – essen und trinken. Wir tranken gerne Kaffee, gerne Bier, gerne Ente, gerne Kuriositäten. Wir streiten oft, wer den besten Kaffee fand. Total kindisch. Als ich an der Strasse für die vermeintliche Demokratie kämpfte und schlechte Note hatte, belächelte er mich. Als ich heiß verliebt in einem Medizinstudent war, lachte er über mich aus. Als mein Herz gebrochen war, brachte er mich nach Jinshan zum Enteessen. Ich aß vier Entekeulen. Allein. Als ich nach Deutschland ging, ging er nach Paris. Seitdem gehen wir auf den getrennten Weg.

Als er mich in Deutschland besuchte, wollte er meine Kürbissuppe nicht essen. Lieber Pizza holen, das tat er. Ich sei nicht fraulich, meinte er und darum kann er mich gut leiden.

 

1994 brachte er mich zu den noch kleinen und unscheinbaren Laden von Frau Tseng in Paris. Er sagte, wenn Du Dich langweilst, dann mache doch auch so etwas auf. Er lachte über meinen Unitraum. Am liebsten möchte er Filmkritiker werden.

Filmkritiker ist er leider noch nicht. Paris war ein Fluchtweg für einen Stammhalter einer Oberklasse-Familie Taiwans. Wegen seiner Verpflichtung und seiner Gesundheit muss er sein Exil aufgeben.

Wie soll ein Heimkehrer, der inzwischen Fremde geworden ist, sich wieder heimlich aneignen?

Leicht verschnupft öffnete ich den klein verpackten Teebeutel. Ein Shuixian duftete unglaublich nach Frühling. Es waren Maiglöckchen, Hyazinthen und Flieder! Es war ein seltener sonniger Tag in Zürich. Eine Ankündigung von Frühling? Eine frische Brise wehte meine Haare. Ich roch den Frühling. Ein leises Flüstern eines alten Freundes, weiß Du, Du bist wie eine Blume an einem entfernten Ort. Auch über Dich strahlt die Frühlingssonne. Das Licht wird Dich hüten bis wir uns wieder sehen.

Wir gehen getrennt auf die selbst gewählten Wege. Vor der ungewissen Zukunft hilft uns nichts anders als Vertrauen. Vertrauen in Menschen, die uns von Bedeutung sind. Ich sollte ihm versprechen, dass ich nicht weniger wiege, wenn wir uns wieder sehen. Ich sollte ihm versprechen, dass ich ihn in Taipei zum besten Restaurant einlade. Ich sollte ihm versprechen, wenn er mich einmal besuchte, nie Kürbissuppe zu kochen, sondern zum Dolder einzuladen. Wenn ich mich nicht melde, weiß er, dass es mir gut geht.

Was muss er mir denn versprechen? Er wusste es nicht. Einfach gut essen und trinken, meinte er.

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Versprechen ist die Farbe der Zukunft. Versprechen ist der Bogen der Regenbogen. Ich werde ihm versprechen, wie eine Blume an einem entfernten Ort zu blühen. Entfernung ist manchmal nur eine Vorstellung. Der Bogen der Regenbogen kennt Entfernung nicht und unvorstellbar breit. Breiter als die Zeit zwischen des Wiedersehens.

Ein unglaublich schöner Shuixian, tatsächlich wie die Frühlingsblume! Schöne klare Farbe im Aufguss. So federleicht wie die Brise. Blumig, süß und elegant. Ich weiß nicht, ob ich in diesem Frühling so einen schönen Tee finden kann! Aber ich verspreche mir selbst, es zu schaffen!

Teetrinken nach strengen Regel

Eigentlich ist es kein Geheimnis, dass Menschen gerne Sensation oder Exotik konsumieren. Das Problem ist, wenn man selbst plötzlich zu einem Stoff der Sensation wird.

Als die Anfrage von St Gallen kam, mich interviewen zu wollen, war ich recht unsicher. Erstens weiss ich, dass die Zeitungen sich für Merkwürdigkeiten und Gesprächstoffe interessieren und die gestressten Schreibenen selbstverständlich wenig Zeit haben, um ein Geschehen tatsächlich zu veranschaulichen. Andererseits waren die letzte zwei Interviews von dem Schweizer Radio ganz gut gelaufen, warum sollte ich diese Anfrage ablehnen?

Nun bin ich konfrontiert mit vielen Zeilen, die anders als ich ursprünglich meinte.

http://www.tagblatt.ch/lokales/stgallen/tb-st/Tee-trinken-nach-strengen-Regeln;art186,1262457

Nur wer eine Lizenz hat, darf die Zeremonie durchführen. «Ich habe eine, aber ich bin noch keine Meisterin», sagt Meng-Lin Chou.

Das stimmt, dass es eine Lizenz gefragt wird, wenn man bei der Urasenke Tee lernen möchte. Aber nicht um etwas durchzuführen, sondern um zu LERNEN! Dass man sich für das „Dürfen“ bewerben muss, ist vielleicht ungewöhnlich fremd für eine Gesellschaft, wo Unterricht als Dienstleistung verstanden wird!

Ich betonnte immer wieder, dass es nicht um eine Meisterschaft geht, sondern um einen Weg! Ich bin ein Anfänger, absolut! Je mehr man sich mit Tee beschäftigt, weiss er, dass er gar nichts weiss!

Hoffentlich wird dieser Artikel morgen vergessen und meine Aufregung war lächerlich umsonst. Über das schlimme Foto habe ich mich furchtbar aufgeregt. Schlamppige Kleidung und unfrisierte Haare! Rosi war zum Glück bei mir und wollte mich zum Arzt begleiten. Sie sagte, Ich sei zu eitel.

„Es kommt nicht auf Dein Aussehen an, sondern auf Deine Ausstrahlung. Für unsere Ausstrahlung müssen wir jeden Tag arbeiten…“ Ich war baff.

 

Tee, Teewasser

Das Thema mit dem Wasser ist stets die Herzensangelgenheit für Teeliebhaber. Nicht nur für Teeliebhaber, sondern auch für Kaffee-Liebhaber.

Obwohl ich als Teefrau verstanden werde, bekenne ich persönlich zum Kaffeeliebhaber. Meine Kaffee-Maschine futtere ich gerne mit dem Wasser aus Umkehr-Osmose. Der Kaffee wird dadurch sanfter, runder und lieblicher. Das Interessante an einer Kaffeemaschine ist, dass nicht alle Kaffeesorten durch Knopfdruck gleich gut zum Ausdruck kommen. Gewisse Kaffeebohne liebt meine Maschine, gewisse nicht – als ob sie selbst eine Seele verfügen würde.

Für Kaffee erlaube ich mir selbst die Spielerei, aber für meinen Tee habe ich wenig Toleranz. Ich nehme immer nur Leitungswasser. Gewiss habe ich bis jetzt Glück mit der Wasserversorgung meiner Wohnorten. Zürich und Konstanz haben gutes Wasser, obwohl ich überzeugt bin, das Limat die Wasserqualität der Stadt Zürich trennt! Wo ich mich befinde, gibt es schlechtest Wasser! Trotzdem möchte ich das „schlechte“ Wasser nehmen, weil es mir hilft, anderen Teetrinker zu verstehen, wie der Tee bei ihm zu Hause schmecken kann.

Oolong mit dem energetisierten Wasser aus Umkehr Osmose oder Bestwater zuzubereiten ist meine Meinung nach zu Schade! Der Dongding 1981 schmeckte im Bestwater wie kastriert oder wie die alte chinesische Dame, dessen Füssen gebunden waren. Dieser Tee in diesem Wasser hat keine Lebendigkeit! Weiß Du, Lebendigkeit braucht einen gewissen Abgrund und einen spielerischen (verbrecherische) Geist. Das Leben immer in geordneter Bahn zu führen, macht eine Seele zu einem langweiligen Geist. Das Bestwater ist zu rein, für einen gelagerten erfahrenen Oolong!

Mit Carola und Edith besuchte ich Rapperwil, als die Sonne über Zürichsee schien. Einen offenen Teegeist, der ein gut sortiertes Teeschäft mitten in der Altstadt führt, lernten wir kennen. Er gab mir zwei Gläser von Wasser und ich sollte es herausfinden, welcher mit Grander Methode behandelt wurde. Er kannte mich nicht. Ich schmeckte den Unterschied zwischen zwei Gläser ohne Mühe. Trotzdem fragte ich mich, ob das belebte Wasser tatsächlich für Oolong besser wäre… Besser ist eine Kategorie, die nicht umstritten ist.

Von Till erfuhr ich etwas wertvolles über seine Erfahrungen mit Wasser. Wir haben ähnliche Meinung, dass Oolong nicht besonders weiches Wasser verträgt:

 Über Weihenachten hatte ich Gelegenheit die Tees aus der ersten Sendung
bei meinen Eltern in Solingen im Bergischen Land (in der Nähe von Köln)
auszuprobieren. Für Solingen wird das Trinkwasser in großen
Waldgebieten an der Oberfläche gesammelt und in einer Talsperre
geleitet. Das so gewonnene Wasser ist extrem weich und von exzellenter
Qualtität. Und auch die meisten damit zubereiteten Tees, insbesondere
der Shuixiang, … wunderbar!

Wie entäuscht war ich dann wieder hier in München. Das Trinkwasser hier
ist zwar ohne Zweifel auch sehr gut, aber extrem hart und für Tee so
ziemlich ungeeignet. Ohne Wasserfilter gelingt in München kaum ein Tee.
Und im Laufe der Zeit habe ich mir folgenden Umgang mit dem Wasserfilter
angewöhnt. Bevor ich einen neuen Filter benutze lasse ich zunächst eine
halbe Stunde lang Wasser durch den Filter laufen, denn mit sehr hartem
Wasser und einem neuen Filter würde das Wasser leicht sauer schmecken
und wäre für die Teezubereitung völlig ungeeignet. Danach hat der Filter
eine Lebensdauer von zwei Wochen. In der ersten Woche ist das Wasser
recht weich und japanische Grüntees gelingen recht gut mit diesem
Wasser. Zwischen der ersten und der zweiten Woche bereite ich gerne
leichte Schwarztees (z.B. Darjeeling). In der zweiten Woche, wenn das
Wasser aus dem Filter wieder etwas härter ist, benutze ich es für
Oolongtees. Die brauchen in der Regel ein etwas härteres Wasser (der
Shuixiang ist da aber eine Außnahme, der braucht’s recht weich).

Für Oolongs ist die Wasserhärte wie ein Rahmen. Ist der Rahmen zu eng
(das Wasser zu hart) wird der Teegeschmack eingeengt und kann sich nicht
recht entfalten. Der Tee schmeckt wie unter einem Deckel. Ist der Rahmen
dagegen zu weit (das Wasser zu weich) bekommt der Geschmack nicht die
rechte Form und verflüchtigt sich so zusagen „im freien Raum“. Nur das
rechte Maß des Rahmens bringt den Teegeschmack richtig zur Geltung.

Aber all diese Mühe kommt nicht an ein wirklich gutes Wasser (wie in
Solingen) heran, auch wenn es möglicherweise nicht die „rechte Härte“
hat. Und so werde ich den Shuixiang verwahren, bis ich zu Ostern wieder
meine Eltern besuchen kann.

Schon in den ganz alten Tee-Texten wie z.B. Lu Yu’s Cha Ching wird sehr
großer Wert auf die richtige Wasserqualität gelegt. Es wird genau
beschrieben wie und wo man das beste Wasser bekommt. Und es ranken sich
viele Legenden um das beste Teewasser. Aber ich habe bis heute keine
Beschreibung gefunden, was genau ein wirklich gutes Wasser ausmacht und
wie man in unserer modernen Welt ein wirklich gutes Wasser bekommt. Die
Wasserhärte ist sicher ein wichtiger Faktor aber eben so sicher ist sie
nicht das einzige Qualitätsmerkmal für gutes Teewasser.

(……)

Jetzt ist diese Mail doch etwas länger geraten, als gedacht. Ich habe
Dich hoffentlich nicht zu lange von Deiner Arbeit am Teehaus abgehalten.
  Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit dem Teehaus. Ganz sicher
werde ich Dich dort besuchen kommen.

Ich freue mich jetzt schon, das Teehaus zum Treffpunkt aller Teeliebhaber zu entwickeln. Der Name dieses Teehaus steht nun fast fest. Es sollte Shui Tang heissen.

Shui Tang, der Ort des schönen Wassers!

 

Tee, ein Gedicht

Wo ich zuhause bin

Leise, aber duftend entspringt
Ein Schleier meiner Tasse Tee
Bringt langsam die Waagschale
Wieder ins Gleichgewicht

Der Herzschlag des Bodhrams
Mein Herz tanzt zu Harfenklängen
Fühlt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Erwacht im All

Sitze zu deinen Füssen
Rieche deine Rinde, fühle sie
Beobachte das Spielen deiner Blätter
Du bist ich, ich bin du

Verlasse das künstliche Licht
Tauche ein in den Schutz und
Die Geborgenheit der Nacht
Werde ruhig, bin zuhause

Ein Zwiegespräch im Dunkeln
Die Möndin mein Gegenüber
Eine tiefe Liebe und
Zugehörigkeit mich erfüllend

Wo Freunde zusammen
Ein Feuer entfachen, ein Mahl bereiten
Da lodert Vertrauen
Warm ist das Herz

Ein Siebtes kenne ich
Schriftzeichen meiner Ahnen raunen
Am Fjord unter blühenden Obstbäumen
Bin ich zuhause

Die Kunst, mit Worten zu zaubern
Wenn du siehst, hörst, riechst und fühlst
Was mit einer Dimension begann
Würze, Herausforderung, Verwöhnung

Die Zuggleise – Blutadern
durch mein Zuhause, zu meinem Zuhause
Transport und Reise,
Freiheit, Entdeckungen und ein Dank

Vanja S.

Beim gemeinsamen Pu Er trinken erzählte Vanja mir, dass dieser Tee sie zu diesem Gedicht inspirierte. Sie liebt Pu Er und versteht nicht, was andere Menschen unter diesem Tee als muffigen Speicher-Geruch bezeichnen. Ein schöner Tee aus dem Wald in tiefen China, warm, würzig und lichtvoll. Ein Gefühl von Zuhause, das jedem gut tut.

Ich danke ihrer Großzügigkeit, ihr Gedicht mit uns allen zu teilen. Ein Geschenk für einen nassen Sonntag.

Tee und Cigar

In diesen Tagen hält mich nur der Pu Er 1982 übers Wasser. Zu viel um die Ohren und zu viel am Hals. Eine Enttäuschung? Eine Illusion? Der Körper streikt, wenn der Kopf dem Körper nicht gehorcht.

Interessanterweise bekommt man immer ein Wink. Man weiß plötzlich wieder, auf was man sich konzentrieren sollte. Ich bekam eine Einladung in eine Forum von Cigar. Eine Diskussion über Tee und Cigar.

Wie wäre es ein Davidoff mit einer Tasse Gunpowder? Was für ein Cigar würde zum Pu er passen?

Mehr kann ich zu Cigar nicht sagen. Am 14.2. treffe ich meinen Cigar Mentor Hanspeter in St. Gallen und vielleicht komme ich wieder ein bisschen weiter mit Cigar – eigentlich ist ein Teeseminar dort angekündigt.

Mehr zur Diskussion:

Kombination Tee und Zigarren

Bailin Gongfu

Das Provinz Fujian ist das Heimat von hochwertigen roten Tee bzw. Schwarztee. Hochwertiger Roter Tee wird als Gongfu Hongcha bezeichnet: per Hand verarbeitet und in einem aufwendigen Verfahren. Bailin Gongfu war zwar ein Begriff, wirklich interessiert war ich nicht.

Ich bin ein Dianhong Fan und Hongyu Süchtige. Ich liebe kräftige Schwarztee mit Milch – das darf ich vielleicht nicht ganz laut sagen. Aber es ist wahr.

Bailin-Gongfu hieß früher, immerhin hat dieser Tee breits mehr als 100 Jahre alte Tradition: „Elegante Kaiserin“ (Xiu Li Huang Hou). Dieser Name reizte mich nicht besonders, ihn kennen zu lernen.

bailin Bailin Gongfu

Aber man täuschte sich – bzw. ich täuschte mich.

Der Name ist oft nur eine Projektion.

Einmal scherzte Carola, dass unsere erste Begegnung sie sehr enttäuschte. Das war 2006 Sommer, ich war unter dem Stress von dem Qigongmeister Chens Besuch und seinen Fans. Für sie war ich nicht nur hektisch, sondern gar nicht teeistisch. Eine Teefrau, oder eine so genannte Meister im Tee sollte doch stets in Ruhe und Eleganz verweilen. Meine Erscheinung bewies den Gegenteil. Zum Glück zog irgendetwas vom Tee sie so stark an, dass sie trotzdem bei mir paar Kurse mitmachte und wir wurden die besten Teams. Diese großzügige Löwinschwester ist unentbehrbar. Was uns verbindet ist nicht bloss die persönliche Zuneigung, die wieder wegen Zu- und Abneigung abgewendet werden kann, sondern die gemeinsame Liebe zu einem Material und der gemeinsame Weg.

Das Blog ist inzwischen so weit, dass viele Teefreunde mir darüber direkt ansprechen. Sicher freue ich mich darauf und möchte allerdings immer relativieren, dass es auch nur eine Erscheinung ist.

Glaube mir nicht zu viel, sondern sei kritisch, was hier alles steht. Tee ist nicht nur das, was hier geschrieben wird – ich ebenfalls nicht. Eine Person hat verschiedene Facetten. Was eine tatsächlich ist, kann man nicht über seine geschriebene oder gesprochene Worte lesen. Eine Person kennen zu lernen, lernt man am besten, in dem wie sie in einer Interaktion steht. In einem Monolog lernt man nur die geschriebene oft nicht gelebte Wünschvorstellung kennen, nicht die Person. Man lernt mich eigentlich erst richtig kennen, wenn es eine Interaktion stattfindet. Z. B. wie ich die Kommentare attakiere oder antworte – nicht was die Buchstaben sich darstellen.

Ebenfalls kann man Tee nicht kennen lernen, wenn man die geschriebenen Worte oder gesprochene Erzählung ernt nimmt. Tee spricht für sich. Die Art, wie ein Tee sich in verschiedenen Materialien, verschiedenen Zubereitungsmethode und Ziehzeit manifestieren, verrät er, was er ist – nicht in seiner Form, seine Ettikette.

Der Bailin Gongfu hat mich überrascht. Ich bekam von zwei Klienten aus zwei Länder den Auftrag einen guten Bailin zu suchen. Wie muss ein Balin schmecken? Ein Tee, der im Frühling einen schönen Yinzhen Baihao ist, und im Sommer zu einer eleganten „pfiffigen“ Kaiserin verwandelt wird?

Man lobte ihn einst: langhaltige zurückhaltende aber präsente Duftnote, leicht fruchtig. Der Aufguss geschmeidig und sanft. Der Abgang fein und lang.

Ich schmeckte in ihm einen ausgeprägten Mandelduft, der in Hongyu ebenfalls vorkommt. Bei Hongyu war noch eine leichte Nuance von Pfefferminz, während bei diesem Bailin reine fruchtige Aromen leicht nach Apfel, Aprikose-Kern und frisch gemalenen Mandel sich zum Ausdruck kommen.

Irgendein alter Chinese (Zenmönch Nanqian) sagte einmal: „Wissen ist eine Verblendung. Nichtwissen ist ein Mangel an Unterscheidung.“ Dieser Satz berührt mich zu tiefst im Herzen.