Die beiden Frühlingsseminare am 03.03. und 07.04. sind mehr als ausgebucht. Ich danke herzlichen für die regen Interesse.
Am Anfang Oktober werde ich wieder Seminare anbieten mit dem neuen Erkenntnis aus Yunnan!
Mein Bonsai Doktor
Er nennt sich als Nigerian Bonsai. Zu mir gibt er sich als Bonsai Doktor aus.
Und vielleicht in der Zukunft gibt es eine Firma, die MC&TR company heisst. Das sind Anfangsbuchstabe von mir und von ihm. Also er will Wirtschaft studieren, sich mit Tee vertiefen und dann ein Reichtum mit dieser Firma erreichen.
Es ein ein Freitag, glaube ich, als Tim und sein cooler Vater plötzlich mit einem kaputten Yixing-Kanne in Shui Tang standen. So entdeckt er den Tee durch Shui Tang und ich den Tee durch die Augen eines 15jährigen very swiss Boys.
Er schreibt sehr gerne Whatsapp. Er beschäftigt mich mit Whatsapp. Ich habe ehrlich gesagt noch nie so viel getippt in meinem Leben bevor ich ihm kennen gelernt habe. Und noch nie ein Mann in meinem Leben hätte mich so beschäftigen können!
Einmal erzählte er mir, dass er eine SUPER Oriental Beauty (betont durch Tim) gefunden hat. Ich fragte ihm, „Eine Beauty?“ „Sehr wohl.“
„Aber es geht mir mehr darum das sie zugehört werden will und somit sich entfaltet.“
„Und sehr milde ist er, Etwas spezielles . nicht so wie normaler oriental beaut… Tee ist eine Art Metapher.“
Ist sie eine fernöstliche Schönheit?
Nein, er sagte, er sei nicht für so viele Veränderung bereit.
Okay! „Weiss Du, Liebe versetzt die Bergen.“
Er sagte, er muss Liebe neu entdecken.
Ist er wirklich 15 Jahre alt? Ich bin nicht sicher. Ich habe nie einen Mann in meinem Leben mit einem Tee verglichen… Vielleicht könnte ich es auch versuchen, nicht wahr!?
Ich bat ihm einmal zu kommen Tee für Gäste zu machen, während ich eine wichtige Besprechung habe. Er betrachtete diese Arbeit als Ehre. „Weiss Du, Wenn die Dinge aus Herzen kommen und stimmen dann passieren viele spannende Geschichte die uns weiter bringen und bereichern!“ Ein 15jähriger antwortet: „Und man muss es vorallem zulassen“
Er schrieb, es sei schwer… „die meisten leute aus meiner umgebung wollen nie zulassen, es ist schwer.“
Als ich diese Sätze lass, war ich überwältigt von der scharfen Beobachtung eines Boys. Woher weiss er, dass das Problem unserer Menschheit ist das, das Leben zu leben anstatt nur zu atmen?
Manchmal brachte mir ein einfühlsames Fragezeichen gegen Abend ein Lächeln, wenn ich im Tram sass, „wie geht^s?“ „Zickig.“ antwortete ich. „Dann muss Du BJC trinken.“ Das ist die Abkürzung von Grenztee (Bian Jing Cha), der meine Zickigkeit besänftigt. Er verordnet mir den Tee und fragte mich sogar am nächsten Tag, „Hast Du meine Verordnung getrunken?“ Ich staune und staune…
Sein Lieblingsspruch zum Tee ist jetzt „Keine Spuren hinterlassen.“ Jedesmal putzt er freiwillig den Teetisch wenn er in Shui Tang ist. Einmal entdeckte er morgens eine Kanne voller Wasser. Es war gefüllt von Jeanine vor einem Tag – was eigentlich kein Problem ist. „Menglin, hast Du ihr nicht gesagt, dass sie keine Spuren hinterlassen sollte?“ Meine Augen waren so gross, dass er diesen Zen-Spruch tatsächlich ernst meint!
Manchmal ist mein Bonsai Doktor sehr sentimental:
„Heute hatte ich den Gedanken das Tee in meinem Leben alles intensiviert“
„Ich empfinde freude, wertschätzung und trauer“
???
Ich werde jedesmal sprachlos, wenn ich diese Zeile lese. Wie viel versteht er? Wie viel meint er ernst?
Was kann ich mit meiner Antwort in seinem Leben anrichten? Ich werde immer vorsichtiger mit meinen Sprüchen. Es ist ein unschuldiges Paradies, das sich vor mir offenbart und es wurde mir auf einmal klar, dass ich es auch einmal war. Ich betrachte ihn und sehe gleichzeitig mich selbst. Wer hat mich zu meinem jetztigen Ich mitgewirkt? Was werde ich wohl in seinem sehr frischen jungen Abenteuer ins Teeland bewirken?
Ich möchte kein Karma schaffen, also möchte keinen Schüler und Bonsai züchtigen. Diese frische unschuldige Seele, die Tee liebt und folgt, kann jedoch sehr viel von meinen Hände bereichert werden. Ich begleite ihn ein Stückchen und irgendwann wird die Zeit kommen, dass er allein auf seinen Weg geht. In der unbekannten Zukunft wird ein neues Teeland für ihn öffnen, unbeschwert von einer Tradition und tief verankert von reichlichen Selbsterfahrungen. Ich freue mich sehr für ihn und bin dankbar für diese Begegnung.
Dank ihm lerne ich noch einmal im meinen Leben: der Teegeist ist der Anfängergeist!
Er nennt seine Arbeit Tee zu packen als Spiritual Work von Tim. Sehr wohl. Das Problem ist eher etwas irdisches. Er hatte Hunger und fragte mich schon wie bei ihm daheim: „Menglin, was kann ich essen?“ Men schmunzelte. Ich brachte ihm Toast mit sehr guten Brotaufsrich von RVR. Er schüttelte seinen Kopf. Er esse kein Toast. Okay. Dann Taiwanesisches Ramen? „Wie schmeckt es?“ Sein Daumen zeigte nicht nach oben, nur gerade horizontal. Es gehe… Okay. „Was willst Du am Donnerstag essen?“ Er kommt am Donnerstag zu putzen. „Udon!“ „Gebraten?“ „Nein, Suppe!“ Oh, umständlich dachte ich. „Jaja, es geht auch gebraten. „er zeigte mir entgegenkommend. „Mal sehen.“ Mein Bonsai Doktor hat Anspruch, auch wenn er immer keine Spuren hinterlassen übt.
Happy Chinese New Year
Ich wünsche allen viel Gesundheit und viel Freude an das, was du gerade tust!
Be cool, be Yourself!
eine andere leidenschaft
http://www.welt.de/kultur/kino/article113393560/Wong-Kar-Weis-neues-Meisterwerk-The-Grandmaster.html
Ich kann nicht mehr warten, überall suche ich schon chinesische Raubkopie. Man sagte, dass die Vorführdaten von Yi-Dai-Zong-Shi in Deutschland noch nicht bekannt ist. Dann wird es wahrscheinlich noch später in der Schweiz sein!
Das Kino ist eine andere Leidenschaft von mir. Ein Leiden, fast.
Ich bin ein Fan von Wong Kai War und Tony Leung.
Aber warum ist die deutsche Fassung 15 Minuten lang kürzer als die chinesische? Meint Wong Kai War, dass man hier im Okzident ihn besser versteht und 15 Minuten gespart werden können?
Man sagte, dass es eine 4 stündige Fassung in Hongkong gibt… Krimi! Das passt zu Wong Kar Wai.
http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20137779
Ich habe bereits vieles über diesen Film gelesen und bin sprachlos zu sehen, dass das Licht weiter tragen auch als Symbol ergriffen wurde. Dass es in meiner Familie gelebt wird ist zurückzuführen auf eine Tradition, die von vielen Menschen in einer Kultur geteilt wird.
Mein Vater sagt auch immer, ich sei ein vermisstes Schaff – denn ich verliere mich in meiner Leidenschaft.
Heute weiss ich, dass Leiden eben Leidenschaft schafft. Freude ist etwas anders als Leidenschaft. Mit diesem Satz fühle ich mich wirklich alt oder reif?
Zuerst war es vielleicht Faszination, später einfach eine Handlung ohne Denken. Zuerst ein Minute, später einfach ein weiteres Minute. Irgendwann füllt jede Bewegung, die man als Kungfu nennt das Leben eines Menschen. Nun füllt jedes Blatt, das man als Tee bezeichnet, mein Leben.
Wenn ich ein Leben wählen würde, was mein Vater nicht als ein vermisstes ettiketiert, wäre er glücklicher und ich unglücklicher? Keine Ahnung. Aber ich wäre nicht das jetztige Ich.
Ich bin als ein Schaff geboren, das gerne vermisst geht. Ich bin in eine Welt eingetreten, die meins ist.
Hat man wirklich eine Wahl?
Weitere Blätter auf den Teeweg
Ach, Menglin, wenn ich das lese und andere deiner Blogs, dann entsteht in mir der Eindruck, da wären Geschichten, Texte, Erfahrungen beisammen für ein neues Buch – eines mindestens!
Dass Martin ein weiteres Buch mit mir machen möchte, streichelt wirklich mein Ego. Das Buch Blätter vom Teeweg ist für mich eine Kaffeehaus-Literatur, nicht wirklich ein Teelektür.
Was ich jetzt mit Mathias plane und mache ist eher etwas was der Teewelt gut tut – ein Teealtlas! Ein Nachschlagwerk für Oolongtees. Sehr wahrscheinlich müssen wir in einem bestimmten Rahmen eineschränken, weil ich mich nicht allen Oolongsorten kenne und verstehe. Aber es ist ein erster Schritt im Europa so etwas zu wagen. Ich bin Mathias sehr dankbar. Also er ist eigentlich der Autor, der schreibt und ich plappere einfach nebenbei.
Weil er der wirkliche Autor ist, hat das Buch ein Format, was man nicht mit Menglin gleich assoziert – das ist gut so. Dann kann ich weiterhin Kaffeehausliteratur schreiben.
Ich habe tatsächlich vieles erlebt und habe viele Leben von anderen Menschen mit erlebt und mit beobachtet. Wenn ich ein Filmmacher wäre, hätte ich sehr viele Stoffe Geschichte zu visualisieren und etwas Buntes in die Welt zu bringen.
Die heftigste Geschichte findet nicht auf dem Leinwand statt, sondern neben uns und bei uns selbst. Die meisten Menschen wissen nur nicht, was gerade bei ihnen und mit ihnen geschieht. Somit verpassen sie die beste Story ihres Lebens zu schreiben!
Andere Menschen füllen mein Leben, während ich selbst ein Teil von dem Leben des anderen werde. Wie wäre ein Kamera an der Spiegelgasse zu stellen? Köstlich!
Ich liebe Romanen von Kawabata und liebe Kore-eda und Kurosawa. Sie schaffen in einer Distanz und Wertungslosigkeit die grausamste Geschichte zu erzählen.
Es gibt immer weitere Blätter auf den Teeweg. Wie meine Grossmutter sagte, „Wenn es Licht brennt, dann wird jemand den Weg finden…“ es wird weiter gehen und weiter geben…
Aber Martin – seien wir doch ehrlich – macht das Buch „Blätter vom Teeweg“ Dir keinen finanziellen Verlust?
Matroschka
Mein alter verstorbener Grossvater sagte oft, dass es keine Nachrichten eben gute Nachrichten sind. Man sollte anderen Menschen nicht suchen… Man sollte den anderen frei gehen lassen.
Es war seine Lebenshaltung.
Etwa um 3 am, kleingelte mein Telefon. Mit schweren Schritte ging ich ans Telefon – das kann nur aus Fernost und dann an diese private Nummer kann nur meine Familie sein. Es war mein Vater… ich bekam kalte Schweiss! Was ist passiert? „Ach, nichts. Ich habe verwählt. Papa liebt Dich.“ sagte er so alles in einem Satz.
Wieder mit schweren Schritten und versuchte einzuschlafen. Schwer.
Ich nahm alle Unterlage für meine Buchhaltung zu La Stanza. Die Musik ist sehr laut, der Raum gefüllt. Ein Zoo, sage ich immer. Wenn ich arbeite, brauche ich solche Umgebung. Warum denn? Als ich an der Uni war, war Macdonalds meine Bibliothek fürs lernen. Heute sagte Alexander zu mir, „Klar, Geborgenheit in der Masse. Verschwinden in den Menschenlichen Wogen.“ Klare Worte! Es trifft ins Schwarz.
Aus diesem Fenster machte ich nicht nur meine Zahlen-Spiele, sondern kreierte auch das getäuschte Gefühl wie an unserem alten Haus zu sein.
Gestern kam Kaspar zu Besuch und wir tranken allen verrückten Tees einen nach dem anderen. So in einem Teewolken begann ich an meine Kindheit zu denken. „Ja, die Beschäftigung mit Tee ist wie ein Stück meine Vergangenheit zu reparieren. Was scheinbar für immser unmöglich scheint.“ Auf einmal überwältigt mich das Gefühl die äusserste Puppe von Matroschka zu sein. Und innerhalb dieser äussersten Puppe sind viel viel anderen Puppen gefüllt. Viele Leben von anderen füllen mein Leben? Kann man wirklich sagen, dass unser Leben nur uns gehört? Wir sind bloss die äusserste Puppe von Matroschka.
Schicht für Schicht fing ich an zu zählen, wer alles mich gefüllt hat. Plötzlich sind meine Finger zu wenig. Schicht für Schicht räume ich eine Puppe aus einer anderen. Plötzlich ist die Puppe nur noch einzeln. Und sie sind so unrealistisch und unerträglich leicht. Eigentlich gehören sie alles zusammen… Ich bin ein Zusammenhang von meinem Vorfahren und von Menschen die mich jetzt begegnen und begleiten, auch von Menschen, die mich verlassen haben.
Ein Tee ist wie Matroschka. Schicht für Schicht – entdecken wir die Aromen in den Facetten. Eine Puppe (Teemensch) neben einer anderen füllen das ganze des Tees. Ich werde bei einer Tasse Kaffee über die Matroschka von Lalashan erzählen. Und ein Tee, der tatsächlich ein Matroschka ist, ist Lishan Hochland, der über Holzkohle geröstet ist.
Meine Grossmutter insistierte in meiner Kindheit immer, an jeden Tag – Licht durch den ganzen Tag zu brennen. Sie sagte, wenn das Licht brennt, findet jeder den Weg nach Hause. Das Licht brennte und brennt heute immer noch an unseren Familie-Altar. Ich weiss nicht wie lange noch. Vielleicht werde ich in Zürich auch anfangen so ein Licht anzuzünden. Denn die Matroschka geht immer weiter – solange Licht brennt, findet immer jemand den Weg zu ihm nach Hause.
An diesem Fenster in La Stanza – fühlte ich mich so nah an Taiwan. Vor allem an die alten Werte Taiwans…
Grüsse vom Zitronenland
Liebe und sehr verehrte Menglin,
seit Wochen begleitet mich Ihr Büchlein “ Blätter vom Teeweg“ durch die verschiedenen
Zimmer meiner Wohnung.
Gerade möchte ich meine Arbeit kurz unterbrechen, um schon mal dem ersten Teil meines “ inneren Dranges“ Ihnen zu schreiben nachzugeben.
Ich habe das Buch zwar noch nicht zu Ende gelesen- jedes Kapitel genieße ich wie eine gute Praline- doch möchte ich mich schon einmal ganz herzlich bei Ihnen für diese wunderbare und erfrischende, psychologisch, wie philosophische “ Gedanken-Collage“ bedanken.
Viele Sätze die Sie niedergeschrieben haben sprechen mir aus der Seele, viele Gefühle kann ich teilen und einige Male halten sie mir den Spiegel vor.
Diese ganzen Gefühle dann auch noch mit Tee in Verbindung zu bringen, ist wunderbar!
Die Wege der Reisenden führte mich im Juli letzten Jahres von Mallorca auf meiner Geburtstagsreise nach- wie Sie so schön schreiben- Shui Tang.
Als Teeliebhaberin kenne ich – außer in Asien- keinen schönen Teeladen.
Ich rede nicht von einem Tee-Kaffee-Laden, sondern eben einem Ort, wo Tee zelebriert und geschätzt wird.
Mit meinem Mann und einem Freund kamen wir um Tee zu probieren, ich hätte ewig bleiben können, doch die zwei Männer wollten weiter und warteten zwar geduldig, aber beharrlich- damals ging ich mit ein paar Utensilien, dem 1990er Pu-Er, dem Dianhong Premium und dem Anxi Tie Guanyin.
Ich wußte nichts von Pu Er und fing vorsichtig an, den kleinen der Ihr Geschenk war als Einstieg zu trinken. Dann kam der 1990er und ich verstand langsam das mir immer fremd gewesene Wort “ Sucht“ zu erahnen.
Anfang November letzten Jahres ging ich wieder nach Shui Tang. Es war wie ein Magnet.
Auch wenn Sie sehr reserviert waren, so waren Sie herzlich und mir wurde klar dass ich hierher öfters kommen wollte.
Dieses Mal begleiteten mich wieder der Pu Er 1990, der Dianhong roter Tee und ein Bangwei 2012- von dem Sie als “ tragenden Tee“ sprachen.
Ich habe von Ihren zwei Teeseminaren gelesen und den tiefen Wunsch bei – zumindest einem- dabei zu sein.
Noch einmal danke und herzliche Grüße aus dem Ort “ wo die Zitronen blühen“ ( bei uns wachsen sie gerade im Garten) …
Ihre
Claudia
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Liebe Claudia, herzliche Grüsse aus sehr kalten Zürich!
Ihre ermutigenden Wörter werden mich begleiten!
Mehr bruache ich nicht zum Wort bringen.
Menglin
ps. heute hat mein Doktor Bonsai Tim (so nennt er sich, ein 15jähriger Teemensch) mir auch den Grenztee 1990 verordnet. Damit ich nicht zickig und traurig bin.
Ein Teller für den Kuchen
Eigentlich war es ein seltener ruhiger Samstag. Ulrich kam zu Besuch. Wie immer bekomme ich viele Nahrung für meinen Intellekt und für meine Seele. Ich erzählte ihm von einem tollen Buch, verfasst von einem Japaner, wie die Ursprungsbedeutung und Entstehung der chinesischen Schrift entstanden sind. Das Buch stellt mir einen Brücke zu meiner Vorfahren vor 3000 Jahren. Das Wort Dao 道, eigentlich ein unglaublich wirkungsvolles Wort in dem alten chinesischen Zauber. Das Akt mit einem geköpften Haupt eines anderen Stammskönig Schritte zu machen ist die bekräftigste Methode um das feindliche Land zu erkunden und zu besiegen. Also mit einem geköpften Kopf zu laufen, heisst das Dao. Ulrich sagte, „Wow! Das gefällt mir. So heftig wie das Zitat von Kafka!“
Er verweiste mir das Zitat auf sein Blog
„Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg;
was wir Weg nennen, ist Zögern.“
Franz Kafka
Betrachtungen über Sünde, Leid,
Hoffnung und den wahren Weg, 1917-19
Wow, diesmal war ich daran den Satz zu bewundern und es ist wirklich heftig! Michel hat mir immer gesagt, „Klare Menschen haben keine Wahl. Die Wahlen sind für die Wankelmütigen!“ So ist das…
Trotzdem liebe ich meinen Weg. Das wäre total langweilig, wenn es keine Reue und keine Zögerung gäbe im Leben.
Dann bediente ich die Kundschaft. Ein grosser blonder Herr schob die Tür hinein. Er lief zweimale durch Shui Tang und fragte dann in Englisch, ob es hier Antiquitäten verkauft werden. Ich blickte ihn kurz an – zögerte – warum sollte ich jemanden, der zum ersten Mal kommt, ja oder nein sagen, ob ich etwas Gutes hätte? Er fragte noch einmal. Ich antwortete, „Maybe. If you can wait.“
Also, er wartete tatsächlich.
Ich bediente weiter meine Kundschaft und beobachtete ihn unauffällig nebenbei. Tatsächlich wartete der Herr.
Dann brachte ich ihm paar Schale und eine Teekanne. Teeschale aus Mingzeit. Seine Augen wurden gross. Naja, so toll ist das Stück eigentlich nicht. Wir unterhielten uns kurz. Er kommt aus Ami-Land und musste ein Geschäft in Bern abwickeln. Ich erzählte ihm einen guten Ort, wo man Schätze in der Schweiz jaggen kann – Brockenhaus im abgelegenen Orten. Ich habe meine alten Möbel alles dort gekauft. Alles was ich habe, ist entweder aus Brockenhaus oder aus Ikea. In meinem billigen Billy-Regal stehen die schönen Kristalgläser, Imari-Teller und Jungenstilbesteck. Meine Besucher wissen gar nicht, was sie da berühren. Einmal machte Jeff and Co. meinen 10jährigen Tie Guanyin für seinen Bubble Tee!! Ich habe fast geschrien.
Ich erzählte ihm natürlich auch, dass ich einmal zwei Teller für 2 Schweizer Franken vor 10 Jahren in einem Brockenhaus nahe deutscher Grenze ausgegeben habe und wusste, dass es kostbare Stücke waren. Sie sind in der Auktion für 1400 Euros – 2000 Euros wert. Er sagte sofort, dass er die Teller kaufen wollte. Hmmm… Wieso glaubst Du, was ich Dir alles erzähle? Du kennst mich ja gar nicht!
„I am not interessted for money.“
Sein Gesicht zuckte, als ob jemand ihm gehämmert hätte. „Oh, I unterstand.“
Nein, Du verstehst gar nicht.
Für mich ist 2000 Euros nicht mehr Wert, wie der Freude meinen Kuchen in diesem Teller zu essen. Diese Geschichte gehört mir. Der Spass gehört mir und die Freiheit, Kuchen in diesem Teller zu essen gehört auch mir. 2000 Euros kann man verdienen, nicht wahr? Aber eine Geschichte in dieser Art und so einen Teller zu treffen gibt es wahrscheinlich im Leben nur einmal!
Michel sagte früher immer, „Zigaretten rauchen ist wie Erleuchtung und wie Sex – für manche ist es wichtig, für manche nicht.“
2000 Euros sind zwar gewöhnlich, aber sehr wertvoll in allgemeiner Betrachtung. Das stimmt.
Aber was ist das einmalige im Leben?
Er fragte, ob ich in diesem verschlossenen Schrank noch etwas hätte für ihn? „No.“ Nach dem zweiten Mal diese Frage zu stellen gab er auf.
Er ging, in 5 Minuten kam er wieder. „I will come here again.“ Okay, seine Freiheit.
Eine kurze Geschichte
Ich sage schon immer, dass ich eine schlechte Verkäuferin bin.
Heute kam eine schöne Frau zu Shui Tang und fragte mich, ob ich einen Tee namens Harmonie hätte.
Harmonie-Tee?
„Meinen Sie einen Tee, der einem hilft, Harmonie aufzubauen oder ein Tee, dessen Name Harmonie ist?“
„Einfach Harmonie Tee.“
Hmmm….
Mir fiel wirklich gar nichts ein.
Hätte ich ihr irgendeinem Tee verkaufen mit irgendeinem Wort, der Harmonie ist?
Irgendwie fiel es mir einfach gar nichts ein.
„Es tut mir leid… Ich habe diesen Tee, der Harmonie heisst nicht…“
Sie ging und suchte weiter nach einem Tee, der Harmonie heisst.
Michael lachte im Hintergrund. „Du hättest ihr doch irgendetwas verkaufen sollen.“
„Ja, ich weiss. Ich bin einfach blöd!“
„Also, nächtest Mal.“ er ermutigte mich.
Ach, ich hätte auch gerne einen Tee, der Harmonie heisst. Warum bin ich denn so unharmonisch?
Der Wolken küssende Tee

Es war Hanspeters Aufrufszeichen am Dienstagabend. Ich erzählte ihm von meiner Reise und berichtete aus meinem Herzen. Natürlich zeigte ich ihm, was ich als einen total verrückten Tee bezeichnete. Die Tees aus Lala Shan – wild, unangepasst und risikoreich – hmm, es hört sich wie meine Eigenschaften an. Als er das Foto sah, schmunzelte er, „Ach! Der Wolken küssende Tee!“
Wow… dachte ich, wie poetisch…
Nach einer englsich sprechenden Frauengruppe kam eine junge Frau, die heute endlich schaffte zu kommen. Sie hat bereits vieles von Shui Tang gehört und wollte eine Beratung. Zuerst wollte sie einen grünen Tee. Ich tue es, was mein Kunde sich wünscht. Dann plötzlich fragte sie mich, „was würden Sie mir empfehlen?“. Dann erwiderte ich, „Keinen Grüntee.“ „Warum?“ „Weil Sie durchlässig sind.“ „Ja! Genau! Aber wie sehen Sie es?“ Ich kann diese Frage nicht beantworten. Warum sieht man es nicht? Wäre es hilfsreich zu wissen, dass wir uns voneinander nichts unterscheiden? Würde es uns helfen aufrichtig zu uns zu sein, wenn wir wissen, dass der Ruf des Herzen sein eigenen Weg als unsere Kontrolle hat?
Dann kam Dany und er lachte darüber.
Ich holte meine kleine Teekanne von Atong und bereitete diesen verrückten Lala Shan 拉拉山!
Sanft, unaufdringlich und facettenreich! Ein Wolken stieg über den Teetisch. Es bleibt nur zu lachen und zu träumen. Dieser wilde Teegarten in Lala Shan hat eine Geschichte, die ich einmal erzählen werde. Aber wie soll dieser Tee denn eigentlich richtig auf Deutsch heissen?
Dany sagte, es wäre poetisch, wenn man den Satz passiv formulieren würde – der von Wolken geküsste Tee.
Ich sagte, „Nein! Der Tee ist nicht passiv! Der Tee atmet und will den Himmel erreichen. Also, er will Wolken küssen!“
Aber was ist daran schlimm, wenn der Wolken den Tee küssen will, anstatt umgekehrt?
Der Wolken ist beweglich und macht das, was er will, eben den Tee küssen. Der Tee kann sich nicht wehren.
Dass der Tee sich nicht wehren kann, macht mich traurig.
Warum kann der Tee sich nicht wehren?
Warum kann der Tee sich gegen Zikaden nicht wehren? Weil er sich nicht wehren kann, ergibt sich ein wunderbarer Guifei!
Aber, aber… ist der Tee so passiv und muss sich einfach so küssen lassen? Dieses Gedanke macht mich total traurig.
Trotzdem habe ich mich entschieden, dass dieser Tee für mich, der Wolken küssende Tee ist.
Dany wollte den Tee mit ihm nach Hause mitnehmen. Ich schrieb ihm die Ettikette nicht. Ich sei gemein? So ist das. Eben nicht angepasst und unkontrollierbar. Ich sagte ihm, „Schreibe doch, was Du ihn benennen willst. Mir ist es egal!“ Er lachte über meine kindische Verhalten und schmunzelte wahrscheinlich den Heimweg entlang.
Der Wolken küssende Tee würde ich allerdings in Chinesisch andersrum übersetzen. „Bei Yun Wen Dao de Cha 被雲吻到的茶 – Der von Wolken geküsste Tee“ es hört sich auf Chinesisch so poetischer an…