Ein Teller für den Kuchen

Eigentlich war es ein seltener ruhiger Samstag. Ulrich kam zu Besuch. Wie immer bekomme ich viele Nahrung für meinen Intellekt und für meine Seele. Ich erzählte ihm von einem tollen Buch, verfasst von einem Japaner, wie die Ursprungsbedeutung und Entstehung der chinesischen Schrift entstanden sind. Das Buch stellt mir einen Brücke zu meiner Vorfahren vor 3000 Jahren. Das Wort Dao 道, eigentlich ein unglaublich wirkungsvolles Wort in dem alten chinesischen Zauber. Das Akt mit einem geköpften Haupt eines anderen Stammskönig Schritte zu machen ist die bekräftigste Methode um das feindliche Land zu erkunden und zu besiegen. Also mit einem geköpften Kopf zu laufen, heisst das Dao. Ulrich sagte, „Wow! Das gefällt mir. So heftig wie das Zitat von Kafka!“
Er verweiste mir das Zitat auf sein Blog

„Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg;
was wir Weg nennen, ist Zögern.“

Franz Kafka
Betrachtungen über Sünde, Leid,
Hoffnung und den wahren Weg, 1917-19

Wow, diesmal war ich daran den Satz zu bewundern und es ist wirklich heftig! Michel hat mir immer gesagt, „Klare Menschen haben keine Wahl. Die Wahlen sind für die Wankelmütigen!“ So ist das…
Trotzdem liebe ich meinen Weg. Das wäre total langweilig, wenn es keine Reue und keine Zögerung gäbe im Leben.
Dann bediente ich die Kundschaft. Ein grosser blonder Herr schob die Tür hinein. Er lief zweimale durch Shui Tang und fragte dann in Englisch, ob es hier Antiquitäten verkauft werden. Ich blickte ihn kurz an – zögerte – warum sollte ich jemanden, der zum ersten Mal kommt, ja oder nein sagen, ob ich etwas Gutes hätte? Er fragte noch einmal. Ich antwortete, „Maybe. If you can wait.“
Also, er wartete tatsächlich.
Ich bediente weiter meine Kundschaft und beobachtete ihn unauffällig nebenbei. Tatsächlich wartete der Herr.
Dann brachte ich ihm paar Schale und eine Teekanne. Teeschale aus Mingzeit. Seine Augen wurden gross. Naja, so toll ist das Stück eigentlich nicht. Wir unterhielten uns kurz. Er kommt aus Ami-Land und musste ein Geschäft in Bern abwickeln. Ich erzählte ihm einen guten Ort, wo man Schätze in der Schweiz jaggen kann – Brockenhaus im abgelegenen Orten. Ich habe meine alten Möbel alles dort gekauft. Alles was ich habe, ist entweder aus Brockenhaus oder aus Ikea. In meinem billigen Billy-Regal stehen die schönen Kristalgläser, Imari-Teller und Jungenstilbesteck. Meine Besucher wissen gar nicht, was sie da berühren. Einmal machte Jeff and Co. meinen 10jährigen Tie Guanyin für seinen Bubble Tee!! Ich habe fast geschrien.
Ich erzählte ihm natürlich auch, dass ich einmal zwei Teller für 2 Schweizer Franken vor 10 Jahren in einem Brockenhaus nahe deutscher Grenze ausgegeben habe und wusste, dass es kostbare Stücke waren. Sie sind in der Auktion für 1400 Euros – 2000 Euros wert. Er sagte sofort, dass er die Teller kaufen wollte. Hmmm… Wieso glaubst Du, was ich Dir alles erzähle? Du kennst mich ja gar nicht!
„I am not interessted for money.“
Sein Gesicht zuckte, als ob jemand ihm gehämmert hätte. „Oh, I unterstand.“
Nein, Du verstehst gar nicht.
Für mich ist 2000 Euros nicht mehr Wert, wie der Freude meinen Kuchen in diesem Teller zu essen. Diese Geschichte gehört mir. Der Spass gehört mir und die Freiheit, Kuchen in diesem Teller zu essen gehört auch mir. 2000 Euros kann man verdienen, nicht wahr? Aber eine Geschichte in dieser Art und so einen Teller zu treffen gibt es wahrscheinlich im Leben nur einmal!
Michel sagte früher immer, „Zigaretten rauchen ist wie Erleuchtung und wie Sex – für manche ist es wichtig, für manche nicht.“
2000 Euros sind zwar gewöhnlich, aber sehr wertvoll in allgemeiner Betrachtung. Das stimmt.
Aber was ist das einmalige im Leben?
Er fragte, ob ich in diesem verschlossenen Schrank noch etwas hätte für ihn? „No.“ Nach dem zweiten Mal diese Frage zu stellen gab er auf.
Er ging, in 5 Minuten kam er wieder. „I will come here again.“ Okay, seine Freiheit.

2 Gedanken zu „Ein Teller für den Kuchen

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