Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Besucher

Letzer Woche kam eine gepflegte Dame aus Berlin und beliebäugigte die schöne Jade-Kanne. Sie wollte mit mir über den Preis verhandeln. Es ging nicht. Sie kam drei Tage lang täglich.

Eine rare schöne Jade-Kanne sollte geliebt und benutzt werden. Ich sah, wie das schöne Material die Dame beeindrückt hat, aber ihr Herz nicht wirklich berührte. Ich war überzeugt, dass diese Prinzessin ihren Prinz selbst ruft.

B. waren in Juli zweimals in Shui Tang. Eine unscheinbare Person. Er sagte, er schrieb über Ladenkritik. Ich beachte es nicht besonders. In Shui Tang werden alle gleich behandelt. Als B. nach Össterreich reiste, brachte er mir ein Geschenk. Das Geschenk hat eine tiefe Bedeutung. Ich wußte, er ist ein Freund.

Am Freitag tauchte B. wieder auf und brachte einen charmanten Begleiter. Schöne blaue Augen und gepflegte ehrliche Erscheinung. Sehr sympatisch und zugänglich. Die beiden Herrn sassen im Opiumbett, auffällig und unscheinbar zugleich. Sie redeten und redeten. 

Am Samstag kamen sie wieder. Wieder im Opiumbett. Sie redeten und redeten. Plötzlich fingen sie an, einzukaufen. Der neue Besucher von Shui Tang wünschte sich ein Set, zum Tee. B. wußte, dass ich immer Spezialität auf Lager habe und fragte, ob ich nicht wieder welche Kuriosität hätte. Irgendwie und aus irgendeinem Grund öffnete ich den Antik-Schrank und er entdeckte die Jade-Kanne! Ach, seine Augen verraten seine Verliebheit in die Prinzessin. Es war mir alles klar. Geld war keine Frage, die Frage ist, ob ML sich von dieser Kanne trennen will.

Dann müssen natürlich die matten Celadon-Tassen von Künstler Hsu zu der in sich geruhten Jadekanne stehen. Dann kommen natürlich nur die besten Tees. Dann sicher nur die besten Duft vor dem Teestunde. Sie entdeckten und suchten. Shui Tang war plötzlich wie eine Schatz-Insel. Alles, was da war, übte eine magische Kraft aus. Selbst das Tuch, das ich bereits mehrfach gebraucht und gewaschen habe, das nur „made in Indien“ ist, wurde zur Stil-Ikon. Mir war es zu peinlich einen Preis zu verlangen. Wenn es dem Besucher so gut gefällt, dann sollte er es haben – von mir. Ich schenkte ihn das Tuch. Vielleicht begleitet das Tuch ihn bei vielen vielen einsamen Teestunde! Oder auch nicht. er war glücklich.

Ich musste den Kaufrausch des Besuchers stoppen. Es genügte für einen neuen Teeliebhaber, der bereits auf dem höchsten Nieveau von teatoys steht. Was sollte denn noch dazu kommen? Nur seine Schritte auf den Teeweg. Die Teatoys wollen geliebt und benutzt werden, anstatt im Schrank für jemanden zu glänzen…

„Dein Laden ist ein Bijou in Zürich!“ sagte der Besucher mit den schönen blauen Augen. 

Sonntag Mittag wurde ich von beiden Herrn eingeladen zum essen. Natürlich bei Wendy – die besten Ente Europas. Wendy wußte oft nicht, wer alles schon von mir dorthin mitgeschleppt wurde. Beim Essen, Stück für Stück erfuhr ich erst, mit wem ich zu tun hatte. Sie lobten den schönen Shui Tang und einen tollen Stil. Beiden sind in Kunst und Mode tätig und ich wußte in jenem Moment den Lob richtig zu schätzen. Wir redeten über den Geschmack, über das Leben und über die Spiritualität. Ich fühlte mich wie ein Schwamm, das alles saugen wollte. Es war für mich ein Zeichen, was das Leben und einem Menschen ausmacht. Es sind nicht der Name und Attribute, die in Visitenkarte stehen (bei den beiden stehen gar nichts auf der Karte), sondern die Art des Umgangs. Normal sein. Stolz sein ist nicht stark sein…

Ursula habe ich sehr viel zu danken. Eigentlich ist Shui Tang ihr Werk. Für sie habe ich den Schaufenster schon zu viel gestopft. Aber es ist ihr Stil, ich habe meinen… Bestimmt nicht so gut wie ihres, aber eben meins. (aber, liebe Onejiang ursula, du muss noch den herbstschaufenster coachen…)

Shui Tang wurde und ist von vielen Leute gemeinsam getragen. Ich weiß, dieser Lob zu vielen vielen Händen gehört! Glanz von Shui Tang gehört allen.

Drei, fünf und Sieben – Sätze

三 五 七 言   
 
Li Bo 李白
秋風清,秋月明,
 
落葉聚還散,寒鴉棲復驚。
 
相思相見知何日,
 
此時此夜難為情。
Ich kann noch nicht schlafen.
 
„Klarer Herbstwind, klarer Herbstmond,
Auf den Boden gefallenden Blätter wurden von Wind zusammen geführt und wieder auseinander getrennt.
Die ruhenden Vögel wurden von Wind überrascht und gestört.“
 
Als kleines Kind verlangte uns meine Mutter jeden Tag ein chinesisches Gedicht zu lernen. Als Belohnung bekamen wir paar Rappen von dem Großvater oder ein Ausflug ans Meer. Zu Li Bo fühlte ich mich bereits als 8jähriges Kind sehr angezogen. Ein stets betrunkener Dichter, der an dem Traum starb, als er den Mond im Wasser pflücken wollte. Ich fühlte mich damals stets als eine in einem flaschen Körper geborene Seele. Ich hätte ein Junge sein sollen anstatt ein Mädchen. Das Gedanke wurde immer stärker als mein Bruder – der Stammhalter geboren wurde.
 
Gedichte von Li Bo sind hinreissend und rufen starke emotionale Bilder in einem hervor. Der Dichter war als junger Mann ein Traumtänzer, der gerne taoistische Priester besuchte, gerne die Geheimlehre zur Gottheiten forschte und den wirklichen Humanismus praktizierte. Ein grozügiges Leben und sein unangepasster Geist machten den Weg eines braven Hofbeamter richtig zu schaffen. Li Bo war nie ein braver Hofbeamter. Er war sich selbst. Auch wenn er im Exil lebte und vom Kaiserhof vertrieben wurde, vergass er nicht, sein Lebensfreude zu pflegen, sei es mit Alkohol oder mit Poesie.
 
Der Mond war stets das Sinnbild in seinem melancholischen Gedicht. Manchmal als die unerreichbare Schönheit, manchmal als Subjekt des Egos und manchmal als das Motiv – die fesselnde Kraft der Ambivalenz.
 
Der klare Vollmond im Herbst, wolkenlos und leuchtend. Die Kraft des Mondes ist die Urkraft der menschlichen Triebe. Was könnte alles passieren unter dieser magischen Anziehung? – dies war stets das poetische Motiv der chinesischen Dichtung!
 
„Was sollte in diesem Moment und in jetziger Nacht ausgesprochen werden?
Wer weiß, wann und wie – bis wir uns jemals wiedersehen?“
 
Was hat ein in der Hof-Karriere gescheiterter Dichter Li Bo (701-762) im 8. Jahrhundert mit einem erfolgreicher Hof-Musiker Bach (1685-1750) im 18. Jahrhunder gemeinsam?
 
Pi-Chin brachte mir ein CD von Bach-Suite für Cello. Wie willst Du denn das einst ins Vergessenheit geratene Cello-Suite auf Chinesisch interpretieren?
 
Seit paar Tagen höre ich immer die kurze Aufführung von diesen Cello-Stücken. 
In dieser Herbst-Stimmung – die Sonne scheint, während der Wind immer kühler und heftiger wird… Der Vollmond vor dem Herbst war gerade vergangen.
Ich denke an Menschen, die ich vielleicht niemals wiedersehen könnte, an Worte, die ich vielleicht niemals aussprechen könnte, und die Momente, die niemehr zurück kehren werden… Ich liebe Suite no.2 D-Minor…
Die paar Zeilen von Bach, paar Sätze von Li Bo. Sie drücken die Ur-Wünsche und Urkraft der Menschheit. Die menschliche Sehnsüchte, emotionale Verlangen und das Gefühlswechselbad sind wahrscheinlich universell zu finden.
 
Vielleicht war es der Grund, weshalb Rostropowtisch zwei Tage nach dem Berliner Mauerfall am Checkpoint Charlie das Solosuite von Bach spielen wollte. Was war die Kraft der Versöhnung? Was ist der Brücke der Ignoranz?
 
Was ist das Kulturübergreifende? Was ist das Grenzüberschreitende? Zwischen Li Bo und Bach sind die Zeit und Raum fliessend. Ich freue mich auf den Vollmondabend am 3. Oktober in Shui Tang:
 
Das chinesische Vollmondfest
Zwischen Bach und Li Bo
 
Cellosuite No. 1 & 2 
Chinesische Gedichte von Li Bo, interpretiert von Menglin
 
3. Oktober 2009
Samstag
19.00 – 20.30
Dazu: Mondcake und Liquid Delicacies (- TEE)
Umkostenbeitrag: 25 Sfr. (Studenten, Rentner und Auszubildender so wie Teeclub-Mitglied in der Schweiz 20 Sfr.)
 
Eine Veranstaltung von
Shui Tang
Spiegelgasse 26
CH 8001 Zürich
0041-44-555-9161
oder
info@shuitang.ch
 
 
 
 
 

NZZ über den Tee-Koryphäe aus Taiwan

NZZ09092009.pdf

Atong ist in NZZ! Neue Zürcher Zeitung widmet erneut ein wunderschönes Bericht über Tee und den Besuch von Atong. Urs Bühler war in Shui Tang zu Besuch. Ein bekennender Kaffee-Trinker liess sich von Atong begeistern.
Gibt es Widerspruch zwischen Kaffee und Tee? Verträgt Tee die Geschwindigkeit?
Die Grenze liegt dort, wo man selbst nicht weiter gehen möchte – im Kopf, aber nicht in der Wirklichkeit!

Es war eine schöne Begegnung in Shui Tang zwischen den Kulturen und zwei fremden Menschen. Ich hatte das Glück, dabei zu sein.

Die eingescannte Fassung von Joseph ist besser als meine… NZZ.

Ware

Ware

Till kam am 27.08 nach Zürich, um seine ersehnte Jade-Gaiwan abzuholen, um den Vortrag von Atong zu erleben und vielleicht um mir ein Freude zu machen. Er faltete live vor unseren Augen eine wunderbare Rose! Atong hat alles fotographiert und sagte zu ihn, wenn er nach Taiwan gehen würde, bei einer Frau diese Rose vor ihrem Auge falten würde, würde er sofort ihr Herz erobern.
Seitdem steht die wunderschöne Rose aus Origami-Kunst in Shui Tang!
Heute kamen zwei Besucher zu Shui Tang und wollte diese Rose kaufen!
Ich schüttelte meinen Kopf und erntete das Unverständnis des Käufers. „Sind wir nun in einem Museum?“ fragte der Herr mich. Ich bemühte mich ihm zu erklären, dass es ein Geschenk ist und mir wichtig ist. Jedenfalls wollten sie unbedingt eine Tablett kaufen – eine Tablett, die bereits gebraucht ist – von mir! Wenn sie es unbedingt wollen… Ich verlangte einen Preis. Sie waren dann zufrieden. Ich habe es danach nicht mehr verstanden. Weshalb wollten sie unbedingt ein gebrauchte Tablett von mir? Eine unverkäufliche Rose?

Was ist eine Ware? Was ist ein Geschenk?
Ich erzählte anderen Leute von dem Plan eines Vollmondfestes am 3.Oktober – Mit Chello und chinesischen Gedichte, plus Mondcake und Tee!
„Du machst aus Tee mehr als nur eine Ware.“
Ich mache aus Tee mehr als nur Ware. Weil ich aus dem Leben mehr als nur Leben machen möchte. Weil ich in der Liebe mehr wahrnehme, als nur Liebe zu nehmen.
Wann hört der Tee auf, als Ware zu sein? Wann hört die Ware als nur Ware zu sein? Wann hört die Liebe auf, nur als Vorstellung zu bleiben?

Eine unverkäufliche Rose, eine unverkäufliche Freundschaft und eine rosige Erinnerung.

Mir geht es gut

Mir geht es gut

Mir geht es gut. Obwohl man seit paar Tagen nicht mehr von mir hörte. Ursula dachte, ich würde selbst an irgendeinem Ecke verschliessen und in einem Loch gefallen.
Es waren sehr intensiven Tage. Ich hatte keine Pause, keine Zeit für mich, keine Ruhe, etwas zu schreiben. Die Fotos von dem schönen Fest habe ich so wie so nicht. Und typischerweise hat mein Vater so fleissig mit seinem V-8 das Fest gefilmt – bei jedem Lied und jeder Bewegung – ohne eine Speicherkarte! Alles war vergeblich.
Ich warte nun auf Atongs Foto-CD…

Der schöne Abend, angefangen von dem Heimatslied von Teresa. Sie sang es auf Taiwanesisch, rührend und sentimental. „Wenn ich das Fenster meines Herzen öffne, sehe ich mein Heimat…“ Ich sah die Tränen zwischen den Zuhörer, die aus einem anderen Land stammen und eine andere Sprache sprechen. Musik kennt eben keine kulturelle Grenze – wie Tee…
Im den schönen Garten wurden zwei Teetische aufgebaut. Zwei Teemeister Daniel und Jörg bereiteten fleissig den ganzen Abend für allen den Tee zu. Ich sah fröhliche Gesichter und zufriedenes Lachen in Augen. Ich war glücklich.

Ohne Carola und Jörg, ohne ihre Hilfe und ihr einfaches Dasein wäre alles noch unmöglicher zu bewältigen. Sie haben ihr Haus für die Taiwanese frei gestellt und selbst bei Nachbaren geschlafen. Alles, was sie taten und tun, kann ich nicht mit Worte bedanken. Sie haben es getan, nicht weil ich lieb und nett bin, sondern weil sie es wollen. Sie sagten, sie haben sehr viel von diesen Leute in Taiwan erhalten und wollten etwas zum Kosmos zurückgeben, was möglich ist.

Alles floss und fliesst.
Eins weiss ich, dass ich alles alleine nicht schaffen kann! Zum Glück habe ich viele viele gute Freunde, die nicht von mir begeistert sind, sondern von Shui Tang!
Atong sagte mir, ich habe viele herzlichen Freunde – Freundschaft, nicht Dinge gegen Dinge, sondern Herzen zu Herzen…

Ich habe viele viele Menschen involviert. Ich weiß nicht, ob ich es jemals zurückgeben kann. Shui Tang ist der Ort der Übungen.

Es waren sehr intensive Tage von intensiven Emotionen. Auch intensives Gespräch mit Atong bis in die Nacht. Sein Rat, seine Bemerkungen und seine Liebe zu seiner Schülerin scheinen mir noch so frisch zu sein. Ich fange bereits an meinen Lehrer zu vermissen. Er war hier für alle da, nicht nur für mich. Für Akuan (seine liebe Frau) war er nicht ansprechbar. Am liebsten wollte Akuan nur shopping gehen. Diesen Wünsch wurde zum Glück am letzten Tag erfüllt, Dank der großzügigen Begleitung Hannes.

Unser Ausflug in Schwyz war voller taiwanesischen Temperament.Der arme Reinhard erlebte alles auf einmal Akuan plus meine Schwester. Witzig, pfiffig und laut. Sie hätten das Haus von dem Gastgeber auseinander genommen, alles gefilmt und sich so fotographieren lassen wie eine Lady… Es war der erste Tag für mich, mich unter lieben Menschen zu entspannen.

Der andere Höhepunkt der Tagen waren das Gespräch zwischen Atong und Herrn Schwander. Die Begegnung zwischen Tee und Wein. Ich hatte sehr viel Glück, als Übersetzerin dabei zu sein. Der Austausch – ich behaupte – ist der erste in der Geschichte zwischen Tee und Wein auf dem höchsten Niveau. Darüber möchte ich gerne ausführlich bei einem anderen Beitrag über meine neue Ideen und Inspiration sprechen. Nach diesem Gipfelgespräch und Abendessen sagte Atong zu mir – es ist noch ein langer Weg vor uns. Ein Brücke zwischen zwei Kulturen: Europa und Taiwan; Tee und Wein, muss aufgebaut werden!
Atong wünscht, dass es viele viele Teeliebhaber Shui Tang finden können. Wenn wir uns zueinander finden, können wir über viele spannende Dinge austauschen – lernen, Tees für sich selbst sprechen zu lassen. Wir sollen uns öfters treffen, Tee degustieren, beschreiben und miteinander arbeiten, um Tee besser zur Sprache zu kommen.

Das Fest ist vorüber, aber die Arbeit fängt erst gerade an. Ganbarimasho!

Die ersten drei Tee-Sticker mit QR-Code

Chragi hat nun die ersten drei Sticker fertiggestellt!

Die ersten drei Tees für das erste Saison von Shui Tang:

Bi Luochun, Sanxia Taiwan. 2009 Frühling

Dianhong Premium, Lancang Yünan. 2007 Frühling

Qilan Oolong, Mingjian Taiwan. 2009 Frühling

Die allen drei Tees sind nun über Q-R-Code und per Mobile zu bestellen und sich darüber zu informieren!

http://roger.kaywa.ch/files/shiutang_stickers2.pdf
 

Viel Spass!