Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Haben Sie nicht noch etwas Kostbares?

Eine neue Celadon Schale mit dem so genannten Yoshino Rot. Das dezente charmante Yoshino-Rot sei angeblich entstanden, als Yoshino, die große Entertainerin und Teekennerin, aus der Schale trank – und die Schale wurde entzückt von der Schönheit der Yoshino rot!

Das Yoshino-Rot zog zwei Menschen an und öffneten die Tür zum Shui Tang. Der Herr entzückt von der Schönheit des Celadons, während seine Frau unglücklich stand. Sie fragte mich, ob ich nicht noch Kostbares anzubieten hätte, als die hier herum stehenden gewöhnlichen Dingen.

„Inwiefern kostbar?“ fragte ich die ehrwürdige Dame.

„Zum Beispiel die Teedosen gewickelten in Kimono-Stoff.“

„Also, Chaire!“ Ich nickte meinen Kopf. Sicher hätte ich zwei, eine gewöhnliche und eine kostbare – alte. Aber warum sollte ich dieser Dame zeigen? „Sammeln Sie die kostbaren Dosen?“

Sie nickte ihren kostbaren Kopf.

„Ich hätte schon welche, aber ich verkaufe sie nicht.“ Sagte ich sehr bestimmt zu dieser edelen Person. 

„Sie Sind selbst ein Sammler?“

„Ich benutze sie.“ ich antwortete. „Ich könnte Ihnen paar kostbaren Dinge zeigen, weiss allerdings nicht, ob sie Ihrer Vorstellung entsprechen.“

Langsam öffnete ich den schönen Schrank, ein Ort der schönen Dingen. Ich kann sie verkaufen, muss aber nicht. Je nachdem, mit wem sie mitgehen wollen.

Die zwei edelen Personen waren entzückt von der kostbaren Dingen, die für sich selbst sprechen. Ihre Atmung war plötzlich sehr stil und die Augen wurden groß. 

„Sehr schön!“ riefen meine Besucher.

„Wissen Sie, gute Dinge sind rar. Rare Dingen werden gejaggt. Diese schönen Dingen wollen geliebt und benutzt werden. Sie dienen nicht als Dekoration!“

In dem gleichen Moment kam ein sehr vornehmener Herr. Ich kümmerte mich um die neuen Herrschaft. Meine edele Besucher bedankten sich laut, dass sie die Kostbarkeiten anschauen duften!

Ich nickte meinen Kopf als meine Antwort auf ihren Dank.

Der vornehmene Herr wollte zuerst nur Chrysathemenblüte, dann nahm alles, was ich ihm empfohlen habe. Dann nahm er noch die Celadon-Tassen. Dann fragte er noch nach all Besonderheiten, die in Shui Tang lagen. Er war entzückt von der Atmoephäre und von diesem Ort. Ich zeigte ihm die Jadekanne. Er rief, „Wow, so etwas habe ich noch nie gesehen!“ Ich verstand seine Empfindung gut. Er sagte, er wollte mit seiner Frau kommen, um die Kanne zu kaufen.

Ich schmunzelte. „Sie müssen einfach schneller sein als der andere Herr…“ – ein Herr, der seit drei Wochen immer wieder kommt, eine geheimnissvolle Erscheinung – er wollte auch mit seiner Frau kommen, um die Kanne anzuschauen. Das Problem ist, sie kam nie, immer er allein.

Anscheinend verstecken Männer gerne unter dem Deckmantel seiner Ehefrauen!

Der schöne vornehmene Mann hörte, dass die Jade-Prinzessin auch einen anderen Mitbewerber hatte. Nach 5 Minuten ging die Jade-Kanne mit ihm nach Hause. Er sah glücklich aus. „Benutzten sie diese Kanne?“ „Ja, sicher!“

Am nächsten Tag kam der geheimnissvolle Herr mit 1000 Sfr. Schein wieder und fragte nach der Jadekanne. „You know, she went home with an another Gentleman, who was clear in his mind with what he wants…“

To go or not to go?

Dank NZZ wurde Shui Tang bei den chinese Community bekannt. Viele Landesleute fanden den Weg. Ich wurde oft als Laobannian (Frau eines Chefs) angesprochen. Innerlich wehrte ich mich dagegen, wußte aber nicht ganz genau warum.

Jin sagte ganz deutlich zu mir, dass ich nicht Laobannian sei, sondern Laoban. Denn ich keine Frau eines Big Bosses sei, sondern selbst der Chef. Laoban – eindeutig – der Chef. Nicht mehr die Frau eines Chefs.

Ich fühle mich nicht als Chef, eher als Diener oder Haustier von Shui Tang. In diesem Ort führe ich ein anderes Leben, als das, was man sich als Chef vorstellt. Der geregelte Tagesablauf und die gezwungene Präsenz sprechen alles dafür, dass ich das Haustier geworden bin. 

„Fliegst Du nach Hause oder nicht?“, drängte meine Familie mich mit dieser Frage, ob ich zwischen den Jahren nach Taiwan fliege. To go or not to go? Ich kann mich nicht entscheiden, denn es zu viele unsichere Faktoren gibt. 

Plötzlich merkte ich, dass man sich im Leben manchmal nur für eine Seite entscheiden kann. Man kann in einem Raum nicht stets nach links und rechts gucken. Man ist manchmal entweder – oder. Ein hartes Erkenntnis für einen Menschen, der angebliche Freiheit liebt.

Jetzt bleibe ich einfach hier und diene Shui Tang und seine Gäste. Ein freier Raum steht plötzlich durch eine Entscheidung. Zum ersten Mal – seit ich unter den Fremden lebe, spüre ich Heimweh. Die Fremden sind schon längst eigentlich nicht mehr fremd.

Eine kleine Antik-Teekanne Sammlung aus dem letzten zwei Jahrhundert

„Egal was wir in Euopa essen, wir benutzen immer die Hände dazu, während man in Japan, sei man ein Kind oder ein Erwachsener, zwei Stäbchen benutzt;
Wir trinken nur frisches klares Wasser, während die Japaner ausschließlich heißes mit Bambus-Besen gerührtes Wasser mit Tee zu sich nehmen;
Wir betrachten Gold, Silber und Edelstein als wertvoll, während die Japaner alte Töpfe, kaputte Keramik und Steingut als Schätze aufbewahren.“
Luis Frois (1562), ein portugiesischer Jesuit

Warum braucht man eine Grasshütte, um eine Schale Tee zu trinken?
Warum bewahrt man solche kaputte Schalen und Kanne auf, um Tee zuzubereiten?
Warum sind solche Dinge mindestens so wertvoll wie Gold?

Eine kleine Einladung zur kleinen Antik-Teekannen Sammlung aus dem letzten zwei Jahrhundert in Shui Tang. Sammler HP R. Schwyz

Antik Teekanne 

QR-Code, Great Ideas

http://www.stuffhappeningnow.com/stuff/5

Kaywa, QR-Code und Shui Tang wurde in Stuffhappeningnow berichtet – für die geniale Idee, Pioneer-Geist und Mut zum Experiment!

About Stuffhappeningnow:

Stuffhappeningnow.com is an online magazine that covers interesting trends, movements, events and other nuggets of the zeitgeist which tend to get minimal coverage in the mainstream press. It’s a social and cultural blog about what people do for fun, adventure or the things they believe in.

Das Mondfest

Das Mondfest

Das Fest war ein absoluter Erfolg!
Über 60 Anmeldungen gingen ins Haus. Viele Leute mussten leider gleich
wieder gehen, weil sie einfach zu spät waren!
Shui Tang ist leider zu klein. Ich wollte zuerst 30 Gäste empfangen, am Ende
war 40. Das Haus war voll.
Das Haus war voll, voller glücklichen Menschen, voller außerirdischen
Klängen und voller Mitgefühl für einen Dichter, der unbeirrt sein Leben
lebte und sein Frieden im Wasser fand.

Zwischen den Cello-Sätze glaubte ich manchmal, als ob der Li Bo unter uns
wäre. So nah an den Känge des Cello zu sein war ein unausprechbares
Erlebnis. Zutiefst berührt neigte ich meinen Kopf und wollte eigentlich nie
mehr aufwachen…

Ehrlich gesagt war ich sehr überrascht von dem regen Zulauf. Das bedeutet, dass das Zürcher Publuikum offen ist, für grenzüberschreitende Experimente. 

Ich hoffe, weiterhin spannende Programmen in Shui Tang anzubieten – einen Brücke zwischen Menschen, zwischen Dinge, die für sich selbst sprechen, aufzubauen! 

Stille Nacht

Stille Nacht

Vor´m Bette seh´ ich des Mondes Schein grell,
mir ist, als decke den Boden ein Reif.
Ich hebe den Kopf in den Lichtschein hell,
ihn senkend, mein Gedanke in die Heimat schweift.

 

Das Gedicht von Li Bo „Stille Nacht“ war das Muss für jedes Kind in Taiwan. Mit 3 lernte ich das Gedicht auswendig, weil mein Großvater und Mutter einen großen Wert darauf legten. Mein Großvater war ein Herrensöhnchen, der in seinem Leben nie wirklich arbeitete. Er pflegte einen Hang zur Nutzlosigkeit, die das Leben zum Leben macht, während mein Vater stets auf Nutz und Leistung achtet.

Mein Vater war sehr traurig als er die Schweiz verlass. Er dachte, dass ich meinen Dank an meine Eltern vergass, als ich meine Rede zur Einweihung machte. Er dachte, er habe eine undankbare Tochter. Er schrieb mir einen zwei Seite langen Brief, um seine Enttäuschungen auszudrücken. Es war ein Missverständnis. Ich bedankte mich allererste bei meinen Eltern und meiner Schwester – auf Deutsch und sie konnten es einfach nie erfahren! Zum Glück sagte er mir sein Bedauern und ich habe ihn sofort anrufen müssen. Zwischen mir und meinem Vater sollte kein Missverständnis sein! Ich liebe meinen Vater.

Als jüngster Sohn in einem Großclan geboren sollte eigentlich ein unbeschwertes Leben führen können. Tatsächlich wurde es mir erzählt, dass mein Vater ein Schulabgänger war und als ein Junge sich entschloss, in die Bergen gehen zu wollen, um taoistische Geheimlehre zu lernen und Gongfu-Meister zu werden. Meine Großmutter erzählte mir, wie sie mit ihrer Tochter nach meinem Vater suchte, der plötzlich verschwunden war und im Berg-Kloster gefunden wurde. Diese Geschichte verrät er nie. Er äußerte stets eine Abneigung zur Spiritualität. Wir wußten nicht, wie enttäuscht er war- von seiner Suche nach Wahrheit.

Li Bo glaubte sein Leben lang an Taoismus und Freiheit des Lebens. Als junger Mann war er auf der Wanderschaft wie mein Vater, auf Suche nach Geheimlehre des Taoismus und auf Suche nach der Meisterschaft der Kampfkunst. Er hat viele starke Gedichte hinterlassen, die die Aufrichtigkeit und Taten der Gongfu-Meisters verehren. Freiheit, Aufrichtigkeit und Humanismus! Er lebte und strebte nach dieser Idealen. Kein Wunder suchte er als ein typischer chinesischer Intellekturelle in der politischen Leiter nach Entfaltungsmöglichkeit und Realisierung seiner Visionen!

Sein literarischer Ruhm reichte bis zum Palast und er wurde als Hof-Dichter zum Hof geholt. Er dachte, in seiner Idealismus und Naivität, seine Ideen dort verwirklichen zu können. Der Kaiser wollte sich nur amüsieren – Sich vergnügen und korkettieren mit einem großen Dichter, der bestimmt in der Geschichte verewigt wird, im Gegensatz zu einem Kaiser, der mit dem Tod in der Geschichte begraben wird.

Li Bo wußte nicht, sich zurückzuhalten – beziehungsweise er konnte es einfach nicht, denn er lebte stets sein eigenes Leben. Das führt zum Scheitern seiner Karriere und seine Verbannung.

Auf einer weiteren bitteren Wanderschaft… Li Bo war nicht mehr der junge Mann, der unbefleckt war. Verletzt, enttäuscht und vertrieben. Er trank gerne, zu gerne. Er schrieb, dass er am liebsten nie mehr aufwachen wollte. Er wachte tatsächlich nicht mehr auf, als er den Mond im Wasser sah und ihn besuchen wollte. Der Mond war sein einziger Freund. Er fiel ins Wasser und konnte nie mehr geweckt werden.

花間一壺酒,獨酌無相親。

Allein zwischen den Blumen, allein bei einem Krug Wein.
舉杯邀明月,對影成三人。

Dann lade ich einfach den Mond ein,  mit meinem Schatten sind wir gerade zu Dritt…

Das Gedicht schrieb er, als er seinen Höhpunkt seiner Karriere erlebte. Im kaiserlichen Hof schrieb er das einsame Gedicht – eigentlich sollte er doch viele Freunde haben, viel schöne Frauen und viele viele schöne Geschwätz – er war aber allein. Nur mit seinen fiktiven – oder die einzigen wahren – Freunde trank er einem Krug Wein.

醒時同交歡,醉後各分散。

Wir (Li Bo, der Mond und das Schatten) tranken zusammen und haben eine Menge Spass, währen wir uns trennen müsse, wenn ich berunken bin…

Auch wenn der Freude illusorisch war, wollte er Dichter nicht entbehren. Seine Einsamkeit und Schmerzen sind der ständige Begleiter. Auch wenn er seine Emotionen und seine Trauer nicht versteckt, bleibt Li Bo nie in der einfachen Melancholie – dies ist das, was Li Bo in der chinesischen Kultur zu einem Großdichter macht, der unabhängig ist – von dem kleinkarrierten Moral. Li Bo geht immer weiter, weiter in seiner Entwicklung. 

Das stimmt, er ist traurig, er ist einsam.Er trank und er litt. Aber er konnte loslassen. Er konnte über das Leben lachen. seine Leichtigkeit versteckt sich in der Schwermut eines gescheiterten Hofbamtes. Seine Schwermut wurde beflügelt von seiner Leichtigkeit des Seins.

永結無情遊,相期邈雲漢。

Auch wenn wir uns (er, der Mond und sein Schatten) beim Aufwachen trennen müssen – möge unsere Verbindung über die Zeit, über den Raum und über all die gesellschaftlichen Moral bleben. Eine Verabredung zum Wiedersehen zwischen Wolken und Wasser…

Zum Schluss dieses Gedichtes übergeht er auf eine Ebene, die über die Freiheit und ohne die gesellschaftliche Urteile hinausgeht. Eine Verbindung der Beziehung ausserhalb der Moral und Kalkül, nur eine Verbindung zwischen Seelenverwandten.

Li Bo hat es nie aufgegebn zu träumen. Er starb in einem schönen Traum, als er glaubte, den Mond im Wasser besuchen zu können…

Ich freue mich sehr, das Gedicht morgen mit vielen Teefreunde in Shui Tang teilen zu können. In Klang des Cellos wird der Li Bo bestimmt auch dabei sein! In jenem Moment wird es mir wohl nicht mehr sicher sein, begegne ich den Li Bo, oder mich selbst…

Vielen Dank noch einmal für das rege Interesse eines Experiment zwischen Musik und Klang, zwischen Westen und Osten.

月下獨酌

花間一壺酒,獨酌無相親。
舉杯邀明月,對影成三人。
月既不解飲,影徒隨我身。
暫伴月將影,行樂須及春。
我歌月徘徊,我舞影零亂。
醒時同交歡,醉後各分散。
永結無情遊,相期邈雲漢。

Der erste Tee in Shui Tang

Der erste Tee in Shui Tang

Tee verbindet.
Eine Freundschaft, ein Augenblick. Eine Schale Tee, eine einmalige Zusammenkunft.

Es war ein Geburtstagsgeschenk von einer Freundin an eine Freundin.
Eine Teezusammenkunft ist wie ein Puzzle-Spiel. Jedes Detail ist ein kleines Stück von Puzzle.
Wer kommt zum Tee? Was für eine Teeschale passt zu dem Gast? Was für eine Kalligraphie? Was für eine Teedose? Was für ein Okashi (Dessert?) und was für einen Duft?

Der Gastgeber baut die Spannung auf – jedes Details sollte das Thema des Anlasses andeuten. Die Gäste nimmt in Stille die Atmosphäre wahr – bis zu den Moment – „Was für einen poetischen Name hat dieser Teelöffel?“ – Der Name dieses Löffels ist die Offenbarung des Geistes dieses Tees.

Das ist wie man ein Ballon bläst – so weit so groß, bis zu dem Moment, dass man mit einem Nadel darein sticht – Zack! Also!

Die Kalligraphie an der Wand heisst:
„Tee verbindet.“

Die Teedoese ist bemalt mit Bambus – aufrichtige Freundschaft.

Die Teeschale ist eine Hagi-Schale – ich habe sie erhalten von Ulrich, und er von seinem verstorbenen Freund in nahen Osten – einer der ersten Teemenschen im Westen. Eine Teeschale von Teefreundschaft.

Mein Gast fragte mich heute: „Was für einen poetischen Name hat dieser Teelöffel?“
„Weggefährte.“