Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Drei Geschichte aus Shui Tang

1. Geschichte
Vor ungefähr zwei Monaten besuchten zwei Touristen zufällig Shui Tang. Mitten im Laden sind wunderschöne Balken, siehe hier.
Der Besucher – aus irgendeinem Grund, fing an die Balken zu klopfen, genau so wie ein Gast bei Dir zu Hause anfängt Dein Möbel zu klopfen.
Ich stand in jenem Moment an der Kasse und fragte ihn, weshalb er die Balken klopfte.
Er erwiderte, dass er es wissen wollte, ob diese Balken vielleicht hohl ist.
Sprachlos fragte ich ihm, „wie kommen Sie denn auf die Idee?“
2. Geschichte
Eine Dame wollte Teetassen kaufen. Ich zeigte ihr verschiedene Ausführungen.
Sie sagte nein zu Arita, weil es zu grob ist. Sie sagte nein zu Raku, weil es zu archaisch ist. Alles passt ihr irgendwie nicht.
Dann fragte sie mich plötzlich: „warum sind asiatischen Tassen so offen?“
Ich wusste, wie ich diese Frage höflich beantworten soll. Sind europäische Tasse weniger offener?
Ich empfehle ihr zu Bodum zu gehen.
3. Geschichte
Eine Dame schaute in Shui Tang herum und dann wartete auf meine Beratung. Sie fragte mich, ob ich ihr meine Kimono Sammlung zeigen konnte. „Kimono?“ „Ja, bitte zeigen Sie mir Kimonos.“ „Haben Sie hier Kimonos gesehen?“ „Nein, aber zeigen Sie mir welche.“ „Entschuldige, dass es hier ein Teehaus ist.“ Sie zuckte ihr Schulter – und so what? „Gehen Sie doch zu Globus und Manor.“ „Nein, es gefiel mir nicht, was sie dort haben. Ich möcht gerne schöne Morgenmantel haben.“
„Aber wir sind hier ein Teehaus.“
Shui Tang ist scheinbar nicht nur Liquid Delicacies… Es war auch schon jemand, der bei Shui Tang Miso kaufen wollte!

Der Ordnungssinn

Dass ich ein Chaot bin, legt niemand in meiner Nähe den Widerspruch.
Manche Leute verteidigen sogar mein Chaos, sie bezeichnen es als kreatives Chaos.
Für mich ist es weder Chaos noch kreatives Chaos. Es ist mir halt nicht so wichtig, die äusserliche Ordnung zu pflegen. Wenn ich einen Scherer nicht mehr finde, dann kaufe ich eben 5 Scherer.
Das Problem ist, dass die anderen und ich zusammen arbeiten müssen. Also, ich lerne den Ordnungssinn zu respektieren.
Andererseits – wenn ich tatsächlich nur ein Chaot wäre, gäbe es wohl Shui Tang nicht.

Aber die innere Ordnung in meinem inneren „Garten“ gebe ich mir Mühe zu pflegen.
Jeder Mensch hat einen Garten, den er selbst pflegen muss. Wir können leider nicht für den anderen dessen Garten pflegen. Wenn ich meinen Garten nicht pflege, nicht bewässern und keinen Umkraut jäten, dann verliere ich mich sehr bald selbst im meinen Garten. Ich werde mich und die Welt nicht mehr richtig verstehen – dies passiert leider auch noch zu oft bei mir.
Die meisten Menschen leben so. Sie wissen nicht, was mit ihnen los ist. Sie missbrauchen andere Menschen als ihre emotionale Mülleimer und laufen vor möglichen Auseinandersetzungen weg. Sie kennen ihre Gefühle nicht, sind überrascht von dem emotionalen Ausbruch. Sie können ihre Gefühle nicht benennen.

Sie sagte mir, dass sie eine schöne Teekanne geschenkt wurde. Sie möchte gerne wissen, wie sie diese Kanne pflegen sollte.
Jung, hübsch und stark stand diese junge Frau vor mir. Sie bat mir um einen Rat, denn sie hatte im Moment keine Energie. Sie hat ihr Studium zum dritten Mal abgebrochen.
„Fühlst Du Dich energielos, weil Du nun selbst die eigene Struktur legen muss, weil Du Dich als Versager fühlst, weil Du Dir selbst vorwirft?“
„Warum weiss Du es?“ sie fing an zu weinen.
„Weil ich diese Gefühle in mir auch kenne! Weil ich es selbst auch erlebt habe und immer wieder erleben wird – wahrscheinlich…“
Wir sassen am Teetisch. Wir tranken den wunderbaren Dongding Guifei Wulong. Es ist zwar schon 5. Aufgüsse, aber er ist immer noch farbhaft und aussagekräftig. „Hmmmm, was für einen schönen Duft!“
„Wie möchtest Du diesen Duft benennen?“
„Ich weiss es nicht.“ sie erwiderte mich mit grossen Augen.
„Wenn Du Dich selbst fragst, bekommst Du vielleicht ein Bild, ein Gedanke oder eine Idee, was dieser Duft sein kann.“ ich lächelte, „irgendwann kannst Du Deine Wahrnehmungen und Empfindungen beobachten und verstehen, indem Du sie versuchst zu benennen!“
Deswegen ist der Teeweg ein Weg.
„Du meinst, alle Weinkenner kennen sich bestens?“
„Ich weiss es nicht. „ich schüttelte meinen Kopf, „wenn Du den Geschmack benennst, um mit anderen Menschen zu unterhalten, dann bleibt es eher auf der äusserlichen Ebene, nicht wahr?“
Ich meine es eher, was mich selbst betrifft, was nur mit mir selbst zu tun hat. Denn ich möchte mich selbst verstehen und meinen Garten pflegen. Und Tee hilft mir dabei.
„Ich rieche Früchte und Biene.“ sie lachte, „es geht mir jetzt schon viel besser.“
Ich freue mich für sie.
„Aber Du möchtest doch mit anderen Menschen über Tee sprechen, was nicht nur Deine Empfindung bleibt, oder?“
„Klar.“ ich schaute in die Tasse, „wenn man frei ist, kann man sich auf allen Ebene bewegen…“
In meinem Garten bleiben bestimmte Ecken nur mir reserviert. Ich bin frei, mich zu entscheiden, welchen Teil ich mit anderen teile.
Sie ging und sagte mir beim Abschied, dass sie eine Therapie fortsetzt und vielleicht einen Teeladen wie Shui Tang in der Zukunft aufmachen würde.
„Super!“
Stelle Dir vor, wenn es mehr Shui Tang gibt in dieser Welt!

Sommer Selektion von Shui Tang

Meiste Leute sehen Tee als ein wintertauglicher Getränk, während sie im Sommer Eistee und Bier bevorzugen.
Für die meisten Teegeschäft ist der Sommer ein Loch.
Eigentlich ist der Tee das beste Mittel im Wechselbad der Hitze und Gewitter das Balance im Körper zu halten.
In Shui Tang wurden drei Tees gewählt, die ideal für das Ausgleich des Sommers wirken.
Junshan Yinzhen, ein Tee, der im buddhistischen Kloster entstanden ist, die Müdigkeit und innere Hitze vertreibt, hilft den schläfrigen Mönche die Speise während des Sit-zens zu verdauen. Ein idealer Begleiter im Sommerzeit.
Dongding Guifei Wulong 2009, er wird in Taiwan gerne getrunken nach dem Essen, für die gesellige Runde oder an einem sommerlichen Abend.
Pu Er Wuliangshan 2010, ein noch junger Pu Er, gerne frisch getrunken und eignet sich auch für die Lagerung. Im Sommer erfrischt er unsere Müdigkeit wegen der Hitze und verleiht uns ein Erlebnis wie ein Sparziergang in einem nach Harz duftenden Wald. Aromatisch und sommerlich.

Shui Tang. Liquid Delicacies.
Spiegelgasse 26
8001 Zürich
044-555 9161

Nicht vergessen! Shui Tang ist zwischen 26.07 bis zum 06.08 im Sommerferien!
Ab dem 09.08. ist Shui Tang wieder offen!
Wer iPhone und Startphone hat, kann man natürlich jeder Zeit an jedem Ort, vis QR Code mobil auf die Selektion von Shui Tang anschauen! Viel Spass!

via Internet Selection Sommer.

qrcode

Wer sich für den Anfang des Eistee interessiert und den Tee zum Eistee auf Taiwanesisch machen möchte, kann diesen Artikel von Menglin anschauen.

Ich bin

Seit ich dieses Geschäft habe, das Namens Shui Tang heisst, beschäftigt mich eine Frage „Ich bin“ bzw. „Was ist ich bin?“
In unserer Zeit der so genannten demokratischen Epoche, in der Menschen immer mehr mit Norm und Portotyo erfasst werden, ist eine Krise der Identität im Vormarsch. Also, ich bin das, was ich bin. Aber, was ist denn eigentlich das? Weiß Du überhaupt, „wer du bist?“

Als ich am vergangenen Mittwoch in der Schule in Aarau war, sah ich viele jungen noch recht unsichere Gesichter am Teetisch. Sie waren schüchtern. Aber sie waren respektvoll. Sie halfen mir bei der Zusammenarbeit, sie hörten mir zu, sie redeten nicht, wenn ich sprach. Sie rührten ihre Löffeln nicht, bevor ich sie aufforderten. Sie hatten das Bedürfnis nicht, „ICH BIN“ zu leben. Sie waren einfach dabei. Bei der Sache.

Am den gleichen Abend hatte ich eine Grupee von nur Erwachsenen. Sie sprachen, wenn ich auch sprach. Darum sprach ich nur leise, denn ich niemanden etwas zeigen wollte. Wer etwas mehr von Oolong erfahren will muss er selbst darum kümmern. Ich kenne ja alles, was ich sagen wollte. Sie rührten ihre Degustationslöffel bevor ich sie aufforderte. Es gab sehr viele „ICH“. Aber, was ist „ich bin“?

Lange dachte ich, dass ich zeigen sollte, was ich bin. Ich sollte zeigen, dass ich etwas von Tee verstehe und ich Menglin bin. Ich sollte mich manifestieren, was ich alles von Tee erlebe. Ich dachte, „ich bin “ zu leben ist wie eine Art von Identität auszudrücken. Und ich muss meine Identität klar ausdrücken, so dass man mich „richtig“ wahrnehmen kann! Ich muss meine Identität deutlich vermitteln, damit Shui Tang ein Gesicht bekommt.
Was stellen wir uns eigentlich vor, wenn wir das Wort „Ich“ benutzen?
Diese Frage trage ich bei mir herum seit einigen Zeit. Ich beobachte, wenn ich manchmal mit Besucher umgehe, wie ich aufdringlich „Ich bin“ auslebe will und wie mein Gegenüber mir einen Spiegel hinhalte, wie „ich bin“ in seiner Aufdringlichkeit zurück geworfen wird.

Zufällig las ich Ulrichs frühren Texte, als er über das gleiche Thema beschrieb. Er schrieb:

Wir können dieses „Ich bin“, dieses Gefühl der „Anwesenheit“,
dieses „Mu-Shin“ 無心 am besten spüren, wenn
wir morgens aufwachen. Da gibt es diesen winzig kleinen
Moment, wenn unser Bewusstsein noch nicht die
Führung übernommen hat; da können wir unsere bewusste
Anwesenheit, unsere Existenz fühlen. „Ich bin“,
nicht als Individuum, sondern einfach „Anwesenheit“
als solche. Dieses „Ich bin“ bedeutet auch „was ist,
ist“, denn in dem Moment, indem wir mit unserer Umgebung
in Beziehung treten, indem der Gedanke von
einem „Ich“ als getrennte Persönlichkeit auftaucht,
machen wir uns klein und vergessen, dass wir Schöpfer
und Schöpfung gleichzeitig sind.

Ich schaue immer wieder zurück in diese Stunde mit den jungen Menschen in Aarau. Diese jungen Menschen haben mich auf irgendeine Art berührt. Sie haben mir irgendwie gezeigt, dass „ich“ vielleicht eine Art von Trennung ist, eine Trennung von mir selbst und von mir und meiner Umwelt. „Ich bin“ ist in jenem Moment bloss ein Gefühl der Anwesenheit.
Vielleicht ist es der Schlüssel für mich, ich muss nicht als Menglin wahrgenommen werden. Ich bin einfach nur da und mein Leben wird einfacher. Menschen, die mich begegnen müssen gar nicht wissen, was ich bin.

Grenzerfahrung

Wegen meinem vergangenen Blogbeitrag schrieben mir Teefreunde, ob es mir etwas Unangenehmes passiert ist. Mir geht es gut. Das Weihnachstgeschäft läuft im Moment auf hoch Touren. Heute hatte ich kaum Zeit zum essen. Zwei kauffreundige Männer – sehr typisch in Shui Tang liessen die Kasse richtig klingeln.

Es ist halt so in der Realität, dass die Dinge zwei Seite haben. Es ist nicht immer nur schön, in Shui Tang zu arbeiten, sondern auch hart. Ich stosse oft an meine eigene Grenze und oft die klare Grenze auch zu ziehen. Wer ist denn nicht gerne nett und freundlich? Hast Du nicht gehört, dass der Kunde ein König ist?

Vor zwei Wochen an einem regnerischen Mittwoch hörte ich plötzlich zwei junge Menschen vor meiner Tür plaudern und knutshen. Ich dachte, sie wollte vielleicht in die Tür hinein. Nein, sie blieben draussen. Nach paar Minuten wurde ich neugierig und öffnete die Tür. Ein kunges Paar rauchten und knutschten vor meiner Tür. Über die TÜr gibt es ein kleines Dach. In diesen ganz winzigen Platz standen die beiden eng aneinander. „Was machen Sie hier?“ „Es regnet! Wir rauchen halt eine Zigerretteli, es ist harmlos!“ sagte der junge Mann. „Sie stören hier. Sie rauchen.“ sagte ich. „Es regnet!“ bestand er. „Ist es Ihr Problem, oder ist es mein Problem? Meins ist es nicht“ ich sagte sehr klar, „Sie müssen gehen.“ Da ich eine Aisatin bin, schloss ich wieder die Tür und wartete, dass sie von sich aus selbst gehen. Sie gingen nicht. Sie plauderten weiter und rauchten vor dieser Tür. Natürlich kamen die anderen Gäste nicht hinein. Nach 5 Minuten Beobachtung öffnete ich wieder die Tür, „Jezt gehen Sie!“ Sie gingen nach meiner Aufforderung und schmiess die Zigerettli auf den Boden. Eine Minute später kamen zwei Kunde in die Tür und der Rauch war noch zu riechen.
Ich hätte kein Problem, dieses junge Paar in Shui Tang vor dem Regen ein Asyl anzubieten. Aber nicht mit Zigerettli. Außerdem hätten Sie mich fragen müssen! Einfach vor einer Ladentür zu rauchen und zu knutschen, den engen Eingang zu blockieren, war für mich ein Zeichen der Respektlosigkeit!
Ich „musste“ die Grenze klar ziehen.
Ich bin allerdings ungerne in dieser „bösen“ Rolle. Ich bin auch gerne die „gute“ Menglin in Deinen Augen!
Solche Beispiele kamen immer wieder vor. Ich lerne zu meinem Gefühl zu stehen, gutem und schlechten. Ich lerne es auszusprechen anstatt es in meinem Körper gären zu lassen. Ich will dass es mir gut geht. Nur wenn es mir auch gut geht, geht es meinen Mitmenschen gut!
Es sind meine Grenzerfahrungen. Ich lerne über die Grenze von Gutem und Bösen zu überschreiten. Dass ich so bin wie ich bin zu akzeptieren, ist im Moment meine Lektion. Ganz frei bin ich nicht. Ich arbeite daran.

Fremde Klänge und ein harmonischer Abend

Es ist alles wunderbar gelaufen! Das wunderbare Konzert hat uns alle einen schönen Abend bescherrt.
Zuerst dachte ich, dass die fremden Klänge das Publikum überfordern würde. Selbst das 10järige Valerie hörte ganz gespannt zu und bewegte sich nicht.
Die Verschiedenheit der Sprache trennt die Menschen – vielleicht, aber die Musik vereint uns wieder alle zusammen!

Der kulinarische Teil war wunderbar. Restaurant Lotus Garten schenkte mir zwei Sushi-Platte. Die Natascha und ihre Eltern Daniel und Yanti brachten Bala-Bala (Gemüse-Frikadellen aus Indonesien) und leckere Maki-Sushis! Ich gab mir Mühe mit Jürg am vergangenen Sonntag die Klebreis im Bambusblätter einzuwickeln. Carola backte Kasutella! Unsere Gäste bedankten sich für die Köstlichkeiten!

Es ist für Shui Tang eine große Ehre, drei Musiker einladen zu dürfen. Die Musiker traten in ihrer traditionellen Kimono auf und zeigten Shui Tang und dem Publikum ihr großes Respekt. Die knapp 50 Anwesenden sprachen für die Qualität der Veranstaltung und die Interesse für fremden Klänge in Zürich. Die Klänge mögen fremd sein, aber die Herzen haben eine universelle Sprache. Die künstlerische Fähigkeiten der Künstler und ihre Hingabe an die Musik berührten uns ausnahmenslos!

All das kann auch nur funktionieren, weil Shui Tang sehr viele Engels hat!
Heute kam Christopher, einen Teefreund aus Hamburg. Ihn kenne ich eigentlich nur durch Emails und Telefons. Plötzlich stand der große Mann vor der Tür. Während wir einen Tee tranken, kam die Gabi. Sie ging gleich in den Keller und half mir paar Aufträge im Hintergrund zu erledigen. Als sie wieder kam, sagte er zu ihr, „Ich beneide sie so, dass sie hier in diesem Geschäft arbeiten dürfen.“ Gabi lächelte und erwiderte, „Ja, ich verstehe Sie. Ich bin halt eingeschlichen.“ Gebau vor einem Jahr sagte sie auch zu Carola, dass sie auch so gerne in Shui Tang helfen würde. Dann kam sie, als sie kein Pflicht hatte. Sie bekochte mich, half mir und hütet Shui Tang. Ich weiß gar nicht, wie ich all diese Helfer zurückgeben kann. Oder vielleicht ist es nicht meine Sache. Es ist Shui Tang. Ein Ort, wo Menschen Freude macht und anzieht. Ein Ort, der geliebt und gehütet wird, nicht weil man etwas davon profitieren kann, sondern weil man einfach etwas tun kann, ohne zu wollen!
Auch an NZZ danke ich für die kleine Notitzen. Paar fremde Gästen kamen unangemeldet und verstanden nicht, weshalb keine Plätze mehr geben konnten! Vielleicht ist es die beste Werbung, die man sich wünschen kann!

Yugao

Wie ist ein Oriental Beauty, wenn er über Holzkohle geröstet ist? Das überraschte ihm.
Er sagte, er habe Oriental Beauty gerne, blumig, fruchtig und zugleich tiefgrundig. Die Leichtigkeit eines blumigen Tees beflügelt einen soliden feinen Körper. Wo findet man so einen Oriental Beauty, wie geht man mit so einem um? Aber so ein schöner Tee über Holzkohle kann doch nicht mehr federleicht und blumig tönen!
Ich goss ihm einen, der gerade nach letzten Weihnachten geröstet wurde. Die Zeit tat ihm sehr gut und die Geschmäcke vermischen sich und entwickeln sich harmonisch zusammen. Der junge Mann seufzte. „Wer wohnt hier?“ könnte man fragen. Was für Düfte „wohnen“ in diesem Tee? Ich schmeckte die Vielschichtigkeit dieser Schönheit. Das feine runde Schokoladige kommt wohl von der Röstung. Nach dieser Röstung duftet eine edelen Rose meinem Mund. Ach, vielleicht ist sie besprenkelt mit Morgentau?

Ein Hauch der Düfte umhüllte uns. Der Oriental Beauty über Holzkohle offeriert uns eine schöne Blüte. Edel, selbstbewußt und präsent! Es versetzte mich in eine andere Zeit!

Als Kind lass ich umheimlich gerne japanische Literatur, überhaupt Literatur! Es war die Nahrung eines gesperrtes Kinds, das gerne gesperrt wurde. Lesen ist zugleich eine Reise, eigentlich noch spannender als Reise. Denn ich bin immer auf der trockenen Seite. Diese Gewöhnheit pflege ich bis heute. Viele Orte besuchen ich lieber via Postkarten!
Es wurde immer von einem schönen unschuldigen Prinzen Genji erzählt. Die zarte Liebe von Genji und das Liebesspiel auf einer anderen Art jenseits von gut und böse faszinierten mich. So etwas gibt es irgendwie in der chinesischen Literatur nicht. So etwas vermischt mit Erotik, Liebe, Unschuld, Hass und Rache…
Einmal besucht der 17jährige Genji seine Ziehmutter – es war klar, dass die Mutter ihn nicht aufzog. Auf dem Weg stand ein junges Mädchen. Der Genji schaute kurz durch die Spalte seines Kutsche. Er sah blühende Blumen auf einem duftenden Fächer. Auf den Blumen schimmelten noch Tautropfen. Nichts anders konnte er als der jungen Dame zu folgen und lernte eine entzückende Schönheit Yugao kennen. Er verführte sie (?). Doch Genjis frühere Geliebte erfuhrt es (wieso?) und schickte einen bösen Geist. Yugao starb in Genjis Arm, als die Sonne wieder aufging.

Wann ist, wenn eine Blume am schönesten ist? Um Mitternacht!
Diese Geschichte wird am Samstag in poetischen Strophen gesungen – natürlich auf Japanisch. Ein kurzer Traum von einer „vielleicht“ beginnenden Liebe…

Wer wohnt hier?
Eine Dienerin hat er in der Dämmerung befragt,
Genjis Kutsche hält an
Und er späht durch eine Spalte
Der hochgewachsenen Hecke
Auf ein stattliches Haus
Das Besucher nur selten aufsuchen.

Einen Fächer in der Hand
Durchtränkt mit dem Duft
Des Räucherwerks
Offeriert die Hausherrin
Genji eine weisse Blüte
Besprenkelt mit Tau.

Ein kurzer Traum
Verbindet ihn mit Yugao
Einer Blume, die noch schöner ist.
Beim Erwachen um Mitternacht
Spürt er frierend
Den kalten Wind.