Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Was ist Vorbereitung?

Vor kürzen bekam ich ein SMS von Alex und er sagte, dass er bei mir Gelassenheit übt. Ich war nicht sicher, ob es ein Lob war oder etwas anders gemeint war. Aber ich weiss, dass die meisten Leute Mühe mit mir haben, weil ich anders plane.
Ich plane Dinge anders, nicht nach Kalender, nicht nach einem Konzept.
Wenn ich überhaupt nicht planen würde, wäre ich nicht in der Lage Shui Tang zu führen. Wenn ich Shui Tang so planen würde, wie man in der Schweiz lernt, dann wäre Shui Tang etwas anders geworden als was man sieht.
Wann fängt ein Plan an, Dinge in Bewegung zu setzen? Wann hört ein Plan auf, die Dynamik des Lebens zu sedieren?
Wo fängt ein Showroom an, lebendig zu werden? Wo hört ein Raum auf, um ein Showroom zu werden?
Weil wir Angst haben – wie die früheren Menschen, den harten Winter nicht zu überleben, versuchen wir Mittel zu horten.
Richtig horten ist gut, zu viel Hammstern ist dann eine Spekulation.
Die Amis wollen die Welt KONTROLLIEREN, deswegen horten sie die Informationen aus aller Welt.
Um alles speichern zu können, werden Kiriminalität geplant, begangen und vertuscht.
Das ist der Geist hinter diesem Horten: Angst, Kontrolle und Macht.
Für die Menschen, die es gerne haben, ist alles richtig.
Für die Menschen wie mich, ist es eine gute Uebung mit den eigenen Schatten zu begegnen.

Am vergangenen Samstag war so ein gelungener Tag für die Vorbereitung. Alles was ich am Freitag machte und was Yvonne packte, konnten über den Ladentisch gehen. Sie sagte zu mir, was für ein schönes Gefühl, wie in einem Fluss. Ich nickte meinen Kopf.
Meistens habe ich Mühe mit den Fragen von Vorbereitung.
Meistens gönne ich mir Ruhe, wenn ich etwas vorbereiten muss. Ich konzentriere mich auf das kommende Geschehen und viele Funken spucken aufs Papier. Ich schreibe oft die Informationen die ich empfange und setze es um. Ich denke nicht und konzentriere bloss auf das Kommende.
Das Denken bringt den Geist in einem Zwang, bedenkliche Situationen auszumalen, so dass Unsicherheit einen packt. In solchen Momenten ist alles ganz dringend vorzubereiten. Das ist keine Vorbereitung mehr, sondern in Not.
Die Funken, die unsere Kreativität und Wegweise bedeuten, kommen aus einem Zustand in Vertrauen, dass alles sich in richtiger Zeit an ihren richtigen Platz manifestieren werden. Dass es so richtig ist, wie es ist.
Ich habe dieses Vertrauen und lebe es in meinem Alltag. Das stimmt, dass ich nicht viel plane und auch oft Dinge verschiebe – in dem Vertrauen, dass alles sich zu Guten wendet. Das gibt viel Gelassenheit. Und Shui Tang ist ein wunderbarer Ort, es zu üben.

Kunde suchen und binden

Als eine Geschäftsfrau bekommt man oft Ratschlag von anderen, wie man Kunden binden soll.
Es gibt immer Unternehmer, die versuchen mich im Telefon zu überzeugen, dass ich meine Kunden binden muss und sie würden mir eine Lösung liefern.
Ich werde oft sprachlos – zum Beispiel wie heute.
Der Herr im Telefon nannt mir viele berühmte Namen in der Geschäftslandschaft Zürichs und fragte mich, ob ich keine Interesse hätte so zu werden wie sie. Ich antwortete, nein. Ich bin zufrieden mit meinem Geschäft.
„Wir können Ihnen trotzdem zeigen, wie Sie Ihre Kunde besser binden können.“
„Danke. Ich binde keine Kunde.“
„Wie bitte?“ die Stimme im Telefon klang überrascht.
„Nein, wir binden keine Kunde.“
Jeder Mensch ist frei. Was habe ich meine Kunde zu binden?
Meine Kunde kommen zu mir, weil sie es wollen. Weil Sie überzeugt sind, dass sie bei mir etwas finden, was ihnen wert sind. Sie binden sich an die Tees, die ihrem Leben bereichern. An mich wird nichts gebunden.
Bin ich komisch? Denke ich komisch?
Nachmittags kam ein junger Herr aus der westliche Schweiz. Er fragte mich, ob er für mich in China Tee suchen kann, weil seine Frau scheinbar genau solche Schlitzaugen hat und Mandarin spricht. Ich war höflich, aber klar: „Nein, Danke.“
„Sind Sie wirklich nicht interessiert?“
Ich schüttelte meinen Kopf.
Wie kann ich ihm erklären, dass die Tees von Shui Tang hauptsächlich nicht aus dem gewöhnlichen Markt kommen und zu finden sind?
Wie kann ich ihm erklären, dass um Tee auf das Niveau von Shui Tang zu verkaufen spielen Abendteuerlust, Schlitzaugen und Mandarin gar keine Rolle, sondern fundiertes Wissen!
Wie habe ich damals angefangen mit Tee zu arbeiten?
Warum kommen Kunde zu mir?
Ich war ganz zufällig in einem berühmten Teeladen und wurde überraschend gefragt, ob ich für sie Tee einkaufen kann. Ich dachte weshalb nicht.
Damals war ich bloss belesen und hatte wenig fundiertes Wissen über Tee. Aber ich habe Schlitzaugen, ein gutes Mundwerk und kein Scheu vor Selbstdarstellung.
Ich hätte weiter so machen können – ich weiss. Ich kann gut reden, gut verkaufen und gut lachen.
Aber all das, reicht nicht – für mich. Für meine Kundschaft, weil ich eben Chinesisch sprechen und lesen kann, würde es vollkommen reichen, wenn ich einfach weiter so tun als ob spielen.
Für mich reicht es aber nicht.
Ich ging auf Suche, Suche nach einem guten Lehrer. Mit grossen Glück habe ich einen ganz tollen Lehrer, der mich in die Sprache des Tee einführt und mir ein Fenster zur diesen Welt der Aromen und Düften öffnet! Ich bin so dankbar und vergesse nicht, alles meinem Lehrer zu verdanken.
Es war mir klar, dass ich sehr wenig weiss und die Welt des Tee grossartig ist.
Seit Shui Tang sich immer besser etabliert scheint, besuchen immer mehr Kundschaft, die anspruchsvolle Teatoys und Teesorten suchen. Anfangs April war ein Punkt für mich erreicht, wie wichtig gute Lieferanten sind und wie wichtig dass ich immer an mir und an mein Wissen zum Tee und zum Teatyos arbeite.
Shui Tang kann tolle Sache anbieten, weil gute Lieferanten da sind und sie wollen auch geschätzt werden. Shui Tang kann interessierte Kundschaft anziehen, weil man hier etwas Aussergewöhnliches findet. Ich plante eine Reise nach Japan und wollte grundlegend etwas suchen gehen.
Ich trug dieses Gedanke Tage lang und war auf einmal bewusst, dass ich aus meiner eigenen Insel Dinge finden muss – aus meinen eigenen Wurzel! Ich musste sie am besten verstehen und wäre der beste Botschafter!
Noch tiefer zu gehen – tiefer in mir selbst und tiefer in die Wurzeln!
Es ist wohl der Grund, weshalb man zu Shui Tang kommen – nicht weil ich nett bin, oder weil der Tee günstiger und besser ist. Man beobachtet eine Entwicklung, eine Entwicklung von meinen Geschmack, von meinem Verständnis zum Tee und von meiner Haltung. Es ist nie perfekt und nie vollendet. Man entwickelt sich mit Tee und mit diesem Geschäft. Es ist etwas organisches, etwas Authentisches und etwas zu erwarten.
Was hätte ich dem jungen Herrn gesagt, wenn er um einen Rat von mir gebeten hätte, wie er zu seinem ersten Teegeschäft kommt?
Sehr wahrscheinlich hätte ich gesagt, als Erstes, lernen wir zu-hören – Tee zuhören und anderen zuzuhören, bevor wir etwas für anderen tun oder verkaufen.
Zuhören und – wir werden ankommen.

Geschenke

Geschenke

Es sind Kleinigkeiten des Alltags, die den Tag verschönern.
Die erste Päoniebluete in diesem Fruehling und die erste Sendung aus Shifeng Xihu. Von unerwarteten Menschen von irgendwo.
Als er kam, war er irgendwie ein bisschen schüchtern. Er hatte nichts dabei ausser einer Dose.
Er sagte, dass er so einen schönen Longjing nicht allein und täglich trinken kann. Darum wollte er ihn unbedingt mit mir teilen.
Warum nicht jeden Tag einen schönen Tee?
Der junge Pianist sagte, ein schöner Tee ist nicht mehr der Sonderbare, wenn er jeden Tag getrunken wird.
Ich antwortete, warum nicht? Ich würde jeden Tag schöne Musik hören, anstatt schlechtere damit ich Freude an schöne Musik bewahre.
Ist es nicht unsere Erziehung, die uns erzieht, uns mit dem „Gewoehnten“ abzugeben, anstatt mit dem Schoenen zu beschäftigen?
Fuer den Tee selbst ist es egal, ob man ihn stets verehrt oder nur ab und zu. Die Liebe ist nicht ein leidenschaftlicher Ausdruck, sondern eine Art von füreinander Dasein. Eine Art von Begleitung, von zueinander stehen und von Rückhalt, egal was du machst und egal was du angestellt hast. Das ist die Liebe des Tees, die ich verstanden habe. Einfach fuer einander da sein.
Er sagte, dass er gerade den wunderbaren Tee getrunken hat und wollte mir unbedingt welche bringen.
Ich bedanke mich bei ihm, dass er an mich gedacht hast.
Neben meinem Mini iPad, giesse ich ihn gerade auf und es sind schöne Momente an einem sonnigen Tag an dieser schmalen Gasse der Zürcher Altstadt.

Kontrolle ist besser?

Fast jeden Tag wurde ich gefragt, ob ich all die Tee-Bauer persönlich kenne und ob ich all die Teegärten besuchte.
Eine schwierige Frage.
Meistens frage ich zurück: Möchten Sie lieber für meine Reise bezahlen oder, möchten Sie für einen guten Tee bezahlen?
Muss ich all die Teebauer kenne?
Muss ich überall gereist bin?
Kann ich überhaupt es schaffen?

Die Schweizer Post ist sehr teuer. Es ist an sich in Ordnung, wenn sie gut sind. Es gab letzte Zeit zunehmend Probleme mit der Zustellbarkeit der Pakete und ich verliere Vertrauen. Weil ich Vertrauen verliere, versuche ich jetzt immer eine Quittung zu verlangen. Weil ich nun immer eine Quittung verlange, muss ich irgendwie diese Quittung aufhebe. Wenn ich anfange diese Quittung zu archiviere, dann fange ich mit einem Gebäude an, was mich irgendwann zerdrückt – wegen Kontrolle Zwang!

Nein, ich kenne nicht allen Teebauer.
Nein, ich war nicht überall in dem Teegarten, wo der Tee von Shui Tang angebaut ist.
Nein, ich will nicht in diesem Kontrolle Wahn fallen.

Ich habe gelernt zu vertrauen.

Ich kenne viele Teebauer nicht, aber ihren Tee. Der Tee spricht seine eigene Sprache und direkt zu jedem. Aus dem Aufguss des Tees weiss man, dass die Menschen, die hinter dem Tee stehen, einen ähnlichen Geist habe wie unseren.
Ich vertraue das, was Tee sagt. Ich vertraue Atong, was er macht. Ich vertraue You, was er produziert. Ich vertraue Luo, was er findet. Ich vertraue diese Menschen, genau wie andere Menschen mich vertrauen. Tee lernen fängt man an zu vertrauen. Es ist klar gegen die wissenschaftliche Einstellung. Wir haben als Schüler gelernt, zu kontrollieren und zu zweifeln.
So versuche ich im Teeseminar den Teefreunde zu vermitteln, lerne die Sprache des Tees kennen und Du wirst Vertrauen in Dir, im Tee und in Menschen gewinnen, weil Du nicht mehr nur kontrollierst. Man lernt zuzuhören. Man lernt die Sprache des Herzens zu verstehen. Man lernst loszulassen.
Durch das Erlernen Tee zu verstehen, so wie Tee ist, nicht so wie wir denken, wie Tee sein kann, wird man professionell, wird man offener und sicherer. Der Umgang mit Menschen wird automatisch gelassener und herzlicher.
Warum soll ich allen Teebauer kennen? Ich kenne manchen direkt und manche aus unterschiedlichen Verbindungen. Aber ich vertraue den Tee, der mir etwas zuflüstert.
Natürlich gibt es auch Mal Probleme. Probleme gibt es so wie so, auch wenn die Kontrolle scheinbar stark ist. Manchmal gibt es auch Scheitern.
Und wenn ich es will, warum kann ich nicht wieder von Null an neu anfangen?
Andererseits möchte ich ein Profi sein, in dem man vertrauen kann. Das gehört auch den Anfängergeist nicht zu verlieren und das Vertrauen in die Person, die uns zu Tee führt und in das, dass man sich mit Tee weiter entwickelt.
Also, ich werde weiter meine Zeit und Energie in der Auseinandersetzung mit Tee selbst investiere anstatt zu reisen oder noch mehr Werkzeug zu entwickeln um zu kontrollieren.
Deswegen bleibt Shui Tang klein und nur an der Spiegelgasse.

Der Geschmack von Oolong

Fortsetzend mit dem Beitrag am 18.02.

Als ich Camelia kaufte, fragte mich der Verkäufer, ob ich von dem Schliessen von Teehaus Würle erfuhr. Ich erfuhre es vor paar Tagen durch Joseph.
http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/das-ladensterben-macht-vor-der-teekultur-nicht-halt-1.18248905

2013 wurde ein Teegeschäft im Bankviertel geschlossen. 2014 wird das alte Teehaus schliessen. Ich weiss aber, dass es auch immer wieder neues aufmachen wird.
Wie lange wird noch Shui Tang geben?
Wie lange würde ich noch in Zürich bleiben?
Wer weiss?

Der erste Geschmack, den ich von Oolong kenne, lerne ich über meinen Grossvater kennen. Es war der geröstete Tie Guanyin aus Muzha. Mein Grossvater trank ihn vor 40 Jahren in Taipei, während ich den Tee heute in Zürich trinke. Es ist nicht so, dass ich diesen Tee besonders schätze. Es ist nur einfach so, weil ich ihn als Kind trinke. Es ist ein Geschmack, der von Zunge zur Zunge weiter gegeben wird. Ein Geschmack, der mir viel Geborgenheit und Ambivalenz vermittelt, was das Heimat wahrscheinlich bedeutet.
Als Kind glaubte ich der schönste Ort der Welt liegt in der Ferne. Ich hatte stets Fernweh. Und die rote Rose mit Dorn im Europa ist schöner als die Camelia, die im Teefeld nur weiss blühen.
Der traditionelle Tie Guanyin hat einen malzigen fruchtigen Geschmack wie Tabak. Ein Geschmack, das die moderne Zeit nicht mehr richtig trifft und der Tee, den man heute auf dem Markt findet, ist grün, blumig und leicht – so leicht wie der Wind, der von irgendwo her kommt und irgendwohin weht.
Was ist, wenn der Vater seinem Sohn nicht mehr das gibt, was er als Kind gerne isst?
Was ist, wenn die Mutter ihrer Tochter nicht mehr das kocht, was sie als Mädchen bekocht wurde?
Was wird aus unserer nächsten Generation, die gerne Ketchup überall sprühlt und Fusionsfood als Normalität gewöhnt ist?
Was wird aus dem Oolong?
Ich weiss nicht, wie lange ich Shui Tang noch weiter mache. Aber solange ich es tue, wird dieser Tie Guanyin aus Muzha immer geben. Immer. Es ist ein Geschmack, der einen verpflichtet, von Zunge zur Zunge weiter zu geben. Ein Hinternis, Seite zu wechseln. Ein Pflicht, diesen Geschmack weiter zu geben.
Ich weiss nicht, wie ich meinen Engels, die zu Shui Tang kommen und dort Tee lernen und tragen wollen, es zu erklären. Das, was ich machen kann, ist nur den Geschmack einen Raum zu geben, damit sie ihn selbst entdecken. Ein Geschmack von Zunge zur Zunge, vom Herz zum Herz. Und diese Engels, die in Shui Tang waren und sind, werden vielleicht selbst diese Person werden, die ihn weiter tragen.
Das ferne Land wurde irgendwann vielleicht ein Zuhause werden. Aber das Heimat ist immer in eine andere Richtung – und das wurde so traurig bewusst, seit 09.02. nach der Abstimmung in der Schweiz. Ich fühle mich zutiefst betroffen als ein Ausländer in diesem Land zu sein.

Fremderfahrung eines Inspektor in Shui Tang

Shui Tang wurde kontrolliert.
Was wurde kontrolliert? Alles. Auch meine Garderobe!
Im Keller untersuchte der Beamter die Hygiene, meinen Packtisch und den Kühlschrank. Er war sehr überrascht, dass all meiner japanischen Tees dort aufbewahrt wurden. Ich war sehr stolz und sagte ihm, diese Art Tee aufzubewahren sei sehr professionel. Dann fasst er ein Wuliangshan Stapel an.Es war eine schöne Erfahrung, als der Polizist mir erzählte, dass er schon Mal im Fernsehen die Pu Er Tee-Geschichte gesehen hat.
Plötzlich fragte er mich: „Frau Chou, wissen Sie allen Lieferanten von Ihren Tees? Können Sie immer nachvollziehen, woher Ihre Tees kommen?“
„Wie bitte?“ ich war sehr überrascht von dieser Frage.
„Angenommen, irgendein Tee hat Probleme. Können Sie wissen, von wo dieser Tee her kommt?“
„Ja, natürlich! Das ist mein Beruf!“ meine Augen waren ganz ganz gross.
„Ich meine, haben SIe alles schriftlich?“
„Muss es so sein?“ ich zeigte meinen Kopf; „ich habe alles in meinen Kopf. Natürlich muss ich wissen, wie mein Tee gemacht ist und woher sie kommen! Meine Kunde wollen ja auch wissen.“
„Wissen Sie alle Lieferanten von IHnen!“
„Klar.“ Irgendwie verstehe ich es nicht ganz, ist es illegal wenn ich alles weiss und es nicht in meinen Computer tippe, sondern in meinen Kopf? „Wie kann das sein, dass ich nicht weiss, woher meine Tees kommen? Wissen Sie, mein Laden ist zu klein und ich habe nur so viele Tees, die ich weiss.“
Der Polizist scheint ein bisschen zu begreifen, dass Menglin ein bisschen anders ist und Shui Tang eine Nummer zu klein ist für das moderne Logistic-System.“
„Ist es illegal, was ich mache? Ist es illegal, dass ich kein Papier mache und meinen Laden so klein zu halten?“
„Gesetzlich ist es nichts geregelt.“ antwortete er.
Also, es ist legal, was ich mache – in meinem Kopf zu behalten anstatt in dem Computer zu tippen und in Cloud zu speichern – damit Hacker oder Troianer es findet.
Dann gingen wir nach Oben. Das Troilette… „Benutzen nur Sie und Ihr Personal das Troilette?“
„Ja, klar.“ich nickte ganz fleissig meinen Kopf.
Was ich nicht gesagt habe, ist dass ich ein Humanist bin. Ich werde niemals das Wasserlassen- Menschenrecht anderer Menschen verweigern.
Dann kam die Garderobe… Es hingen Kleider, Troilettepapier, vorbereiteten Tragtaschen und Weinflaschen auf den Boden… Der Polizist überlegte sich – ich lächelte ihn freundlich an – „also, diese Garderobe ist ein bisschen…“
„Ja, ich weiss. Unschweizerisch.“ ich lachte.
Er lachte auch zurück.
Heute bekam ich einen Brief. Es sei alles in Ordnung.
Also, ich darf weiter Shui Tang so führen, wie kein Schweizer – mit weniger Papier und eine komische Garderobe.

Was bedeutet der Tee in Shui Tang

Ich mache Shui Tang, weil ich mit der Strömung der Gesellschaft nicht mitschwimmen möchte.
In meinen Augen ist Tee wie ein Felsen in dieser Drift. Eine Möglichkeit, die mir hilft, im Sog der Kommerz und Konsumrausch meinen eigenen Rhythmus zu folgen.
Als ich noch bei Michel Zazen praktizierte, wies er oft darauf hin, dass es viel einfacher ist auf den Kissen zu sitzen und Zensprüche nachzuplappern. Im realen Leben sieht es anders aus. Was bedeutet sich nicht beeindrucken lassen oder unbeirrt auf den eigenen Weg gehen?
Shui Tang ist ein unglaublich starker Ort, es zu üben – das, was wir von Tee gelernt haben in den Alltag eine Brücke aufzubauen.
Was ist Tee und was ist das, was ich im Tee gelernt habe?
Tee ist ein Aufguss von Blätter aus einem bestimmten Pflanzen Camelia Sinesis. Theoretisch braucht man nur die Blätter aufgiessen und trinken, damit ist es erledigt. Viele Leute sagen auch zu mir, „Geben mir einfach einen Tee, ich will nicht herum philosophieren.“ Sie haben Recht. Ich spare mir Arbeit.
Wenn man allerdings das Getränk ein bisschen Aufmerksamkeit schenkt, merkt man, dass bestimmte Sorte mit bestimmten Temperatur einen bestimmten aromatischen Aufguss zeigen können. Und bestimmte Aromen von bestimmen Sorten geben uns einen Geschmack, der uns an etwas erinnert – emotional oder erlebnisreich. Also, geht ein Entdecker ein bisschen näher an das Getränk, entdeckt er plötzlich, dass es verschiedene Art des Zubereitens übermittelt wurde. Auf einmal ist ein biologisches Getränk in einem bestimmten Kulturkontext verwurzelt.
Vielleicht geht der Entdecker noch ein Schritt weiter – so war ich gewesen – er fing an einen stimmten kulturellen Kontext zu studieren. Er entdeckt eine andere Zeit und andere Räume, die dieses Getränk unterschiedlich betrachteten und zubereiteten. Er realisiert auf einmal, auch wenn er aus einer anderen Zeit und einem anderen Raum herkommt, teilte die gleiche Sprache wie seine Vorgänger, die schon da waren Tee zu lieben. Denn die Sprache des Tees Herzen anspricht. Die Sprache des Tees geht über Geschmäcke. Wie kann man Geschmäcke zuhören in unserer lauten Zeit?
Wie können wir unseren eigenen Rhythmus finden und folgen im Sturm des anderen?
Mein Lehrer hat ein kleines Geschäft in einer Seitengasse Taipeis. Klein, aber mit den besten Tees der Welt ausgestattet. Klein, weil man nicht viele Menschen bedienen kann, weil gute Tees rar sind. Die besten Tees der Welt, nicht weil sie wertvoll sind, sondern weil sie einen Geschmack weiter geben. Ein Geschmack, der Herzen wärmt und anspricht, weil er eine Tradition verpflichtet, der gestern so war, heute so schmeckt und morgen ebenso bleibt.
Ist es überhaupt noch zeitgemäss? Für manche bestimmt nicht. Für mich, ist er die Person, die sich nicht verändert, während andere Menschen stets Seite wechseln.
In Shui Tang ist immer wieder voll und Kunden müssen warten. Habe ich Stress, wenn die Leute warten müssen? Die Kunden sind manchmal wie die Gegenkraft aus der Strassen, die mich zu der anderen Seite von Kalkül, Konsum und Schnelllebigkeit zieht. Noch schneller, noch mehr verkaufen und noch mehr vorbereiten wollen. Aber ich vertraue meinen eigenen Rhythmus. Ich vertraue meine Kundschaft, die das schätzen, dass ich sie in mein Herz schliesse. Sie können warten. Ich auch.
Und das, was ich meinen Engels vermittele, die Shui Tang zugeflogen sind und dort helfen und lernen, ist den Felsen mitten diesen reissenden Fluss der Gesellschaft zu stärken. Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Tee steht im Vordergrund und der Spass und das Geld kommen von sich alleine, weil es stimmt.

Was ist der Tee?

In Shui Tang gab es vor Wochen eine starke emotionale Diskussion.
Eine nicht leichte Diskussion und Entscheidung für mich, wie ich Shui Tang führe.
Was ist Tee und was für einen Ort ist Shui Tang?
Seit Shui Tang im Herzen von zürcher Altstadt steht, fliegen immer Engels zu. Sie helfen Tee packen, putzen und aufräumen. Alles ist nur weil Tee sie zu Shui Tang führt. Es sind Engels die Tee lieben und über Tee miteinander verbunden sind. Diese Engels haben alle ihre eigene Flügel, die kommen und eben auch gehen. Manchmal sind die Flügel leicht defekt und fliegen recht tief und langsam. So wie jeder von uns, die Engels haben auch ihre Rücksack – ich auch meine.

Ich und Shui Tang sind von Wesen her wie eine Insel. Wir sind in Ozean des Lebens und wissen nicht, wer uns besucht und was dieser Besucher mit uns macht. Wir fliehen nicht. Wir versuchen mit diesen Ueberraschungen umzugehen.
Menschen kommen und gehen. Niemand wird in Shui Tang aufgehalten und ich halte niemanden auf. Jeder der kommt, der Tee lernen will und den Ort tragen will, kann bleiben, wenn er es will. Jeder, der gehen will, weil er genug gesehen hat oder etwas in seinem Leben noch spannender passiert ist, kann gehen. Es wird nicht diskutiert. Jeder hat die Beinen und ich meine.
Eigentlich sollte das Arbeit an sich in unserem Leben, uns mit anderen Menschen verbinden. Leider geschieht es nicht in der Wirklichkeit. Wir beurteilen gerne Menschen nach unserer Zu- und Abneigung. Durch das gemeinsame Arbeit wird man anders verbunden, weil man etwas gemeinsam durch die Höhe und Tiefe geht und etwas gewinnt für sich, was über Zu- und Abneigung hinausgehen kann – weil man gemeinsam Probleme meistert.
Weil diese natürliche Umgangsart nicht mehr normal ist in unserem Leben, ist es plötzlich eine Rarität, wenn man in Shui Tang so etwas kennen lernt. Meine Engels suche ich nicht aus. Sie sind gerufen von Tee. Ich passe mich an das, was der Tee mir schenkt. Natürlich komme ich mit diesem besser und mit den anderen schlechter aus – ganz verdammt normal menschlich. Aber wenn der Engel es will, hat er einen Platz, den er nicht suchen muss, er hat es durch sein Sein!
Das Sein zu spüren und zu lesen ist eine harte Geschichte in unserer Zeit. Was ist denn das einfache Sein?
Ich liess oft meine Engels auch nichts tun in Shui Tang sitzen – das schaffen leider kaum Menschen.
Meiste Menschen wie ich, sind erzogen durch Leistung von sich selbst etwas zu beweisen. Man macht sich nützlich. Aber das Nützen ist nicht das Sein.
Das Sein ist einfach da sein.
Es macht Spass, es zu beobachten. Meiste Engels werden nervös oder unbehaglich und gehen wieder oder beschwert sich oder macht irgendetwas ohne Anweisung, die zu Probleme später führen werden.
Ich will diesen Denkaffen nicht unterstützen, indem sie Arbeit bekommen oder Anweisungen erhalten. Ich unterstütze sie indem ich sie zappern lasse. Nur so, können wir lernen, was für Probleme wir haben. Nur so, lernen wir Tee zuzuhören und nicht aus unserer Vorstellung Tee beschreiben.
Ich habe keine Angst vor Probleme oder zusätzliche Arbeit. Shui Tang ist für die Engels da, so dass sie etwas lernen können – von dem einfachen Sein.
Natürlich werde ich oft missverstanden und manche scheiben mir als unorganisiert zu. Das macht nichts. Missverständnis ist normal im Leben. Das richtige Verstehen geschieht in der Tat ganz selten.
Wenn man das Sein einmal leben kann, ist das Leben plötzlich leichter und klarer, weil der Geist nicht stets dreht und bei sich selbst und über anderen Menschen herum kritisiert.
Aber – wir haben neulich eine Diskussion: ist Shui Tang ein Club oder ein Ort des Tee-Lernens? Was steht im Zentrum von Shui Tang? Tee oder Menschen?
Ich antworte: Tee steht im Zentrum in Shui Tang.
Diese Aussage macht bestimmte Menschen verletzt. Weil die Menschen für sie wichtiger sind – ehrlich gesagt, sie meinen wahrscheinlich, dass sie wichtiger sind.
Was denke ich denn überhaupt?
Ich erkläre es weiter in weiteren Beiträgen.

Zwei Geschichte aus Shui Tang

In Shui Tang hat man Chance die Welt in einer intensiven Form zu erfahren. Manchmal ist man recht dankbar, oft ist man auch sprachlos.
Ich bekomme heute ein Email aus Basel und ein Kunde beschwert sich über einen aufgeblähten Teelöffel aus Kirschbaumrinde. Er will einen kostenlosen Ersatz und sei sehr enttäuscht.
Nach langer Überlegung fragte ich Tim, wie ein Kirschbaumrinde-Löffel aufgebläht werden kann, wenn er nur in der schweizer Wohnzimmer stehen würde? Tim sagte, dass er es auch nicht versteht – ausser, dass man diesen Löffel wie ein Löffel aus der Küche benutzt.
Wie kann ich meine Kunde erklären, dass ein Kirschbaumrinde-Löffel eben nur für Teeblätter aus der Teedose zu holen gedacht ist? Ist die kulturelle Grenze so stark, dass ein Schweizer es nicht versteht?
Ich schrieb dem Kunde zurück, dass ich ihm einen Ersatz aus Kulanz schicke und der Löffel keineswegs mit Wasser wieder in Berührung kommen darf. Heimlich hoffe ich, dass dieser Herr ab nun bei jemandem anders einkauft als wieder zu mir.
Es war eine Kundin, die mich vor drei Jahren, als Shui Tang ganz frisch war, fragte, ob ich ihr 50g Jasmin Tee zusammenpressen konnte, um als einen Brief an sie zu schicken, weil das Porto 8 Sfr. einfach zu teuer ist. Aus Höflichkeit und Wohlwollen versuchte ich den Tee mit grosser Aufwand in einem Brief zu packen – die Teeblätter wurde zerquetscht und es kostete viel Zeit. Diese Aktion machte ich drei Male. Und ich hatte es genug.
Am vergangen Samstag bekam ich einen Brief, in dem es 20 Sfr. lag und einen Auftrag stand, dass ich einen weissen Tee wieder zerquetschen sollte als Brief an eine Freundin dieser Kundin schicken sollte. Ich war sprachlos. Sie schrieb, dass ich einen Tee um 12 Sfr. schicken soll und das Porto nur 2 Sfr. kostet, so dass der Restbetrag für mich als Belohnung sei.
Da das Geld im Kuvert lag, hatte ich fast keine Chance diesen Auftrag zu verweigern. Ich fühlte mich nicht respektiert und erpresst.
Mit Entschlossenheit schrieb ich der Kundin zurück, dass es möglich ist, einen weissen Tee wieder zu zerquetschen. Der günstigste weisse Tee kostet 14 Sfr. und das Porto 8 Sfr. Diese 20 Sfr. kann gar nicht aufgehen. Sie müsse nicht so tun als ob sie grosszügig wäre! Ich kann es aus Kulanz den Tee in entsprechender Menge schicken so dass dieser Betrag 20 Sfr. aufgeht, aber sie sollte solche Aktion nie mehr unternehmen. So ein Brief wird demnächst verweigert.
Ich verstehe solche Logik nicht. Kunde geben zwar Geld aus, aber ich leiste viel Arbeit, damit er oder sie einen guten Tee erhalten kann. Mit Geld kann man nicht alles bezahlen und begleichen. Ist der gegenseitige Respekt nicht grundlegend für beiden Seite?

Tee und die Mystik des Wassers

Tee und die Mystik des Wassers

„Die Teezubereitung ist eine Kunst,
die nach der innersten Seele des Wassers sucht“.

Dieses Zitat von Soho Kitami soll uns als roter Faden durch diesen Lichtbildervortrag führen.
Wir betrachten die unterschiedlichsten Aspekte des Wassers – von der taoistischen Mystik
bis in die tägliche praktische Übung einer Teezeremonie.

Vortrag von Ulrich Haas, Teemeister in der Urasenke-Tradition des japanischen Teewewgs
und Priester der Rinzai-Tradition des Tenryu-ji.

Ort: Shui Tang an der Speiegelgasse 26, 8001 Zürich
Zeit: Samstag, den 25.01.2014
Um 18.30 Uhr
Umkostenbeitrag 20 Sfr. (Ermässigung bitte per Anfrage)
Anschliessend nach dem Vortrag gibt es einen Tee (selbstverständlich mit Wasser)