Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Der Tee, der zu viel gedüngt wird

Viel zu oft wurde ich im Teeseminar gefragt, ob man die Pestizide und Dünge im Tee schmecken kann.

 

Wenn man sich tatsächlich mit Pestiziden im Teefeld beschäftigt, weiß man, dass manche geschmeckt werden und die meisten nicht geschmeckt werden.

 

Die Spuren von den Düngen sind im Vergleich mit dem Pestizide eindeutiger zu sehen. Nehmen wir das Beispiel von Zimmerpflanzen. Zimmerpflanzen werden gedüngt, weil der Besitzer grüne und fette Blätter haben möchte. Die Dünge sorgen dafür, dass das Pflanzen schneller wächst und größer als die Gewöhnlichen werden. Das passiert ebenfalls beim Tee. Teepflanzen, die gedüngt werden, haben größere und grünere Blätter. Dieses große und grüne Blatt enthält mehr Feuchtigkeit und sind weicher. Sie vertragen das Sonnewelken nicht, was für die Herstellung des Oolong der entscheidende Schritt ist. Dadurch, dass diese fetten Blätter mehr Feuchtigkeit enthält, ist eine längere Zeit für das Welken notwendig. Diese Notwendigkeit kann nicht vollzogen werden, weil die schnell gewachsenen Blätter das Welken nicht verträgt.

 

Um dieses Problem zu kompensieren muss man das Sonne-Welken sehr sorgfältig vollziehen, z. B. nur mit Abendsonne und ein verlängerter Prozess. Das bedeutet für einen Teemaker und Teeproduzent mehr Geduld, mehr Aufwand, und mehr Kosten.

 

Das Hauptproblem beim Düngen liegt nicht an die Pflanzen, sondern an Menschen, die den Tee herstellen. Mein Teelehrer sagte mir einmal, wenn Du einen Tee siehst, siehst Du den Geist des Teemakers. Man muss in diesem Fall den Geist des Teebauers verstehen. Ein Teebauer, der seinen Garten düngt, denkt effizient und ungeduldig. Um größte Menge, in kürzester Zeit den besten Betrag zu erzielen, entscheidet er sich seine Pflanzen zu düngen. Solche Menschen mit diesem Geist denken an Kosten sparend wie ein Unternehmensberater. Also er würde nicht die Kompensationsmethode anwenden, um die Problematik der gedüngten Blätter bei der Herstellung zu „retten“. Von Geduld und Liebe zum Tee spricht man in diesem Fall auch nicht.

 

Wie sollte so ein Tee aus diesem Geist schmecken? Wie könnte man die Spuren der Dünge nicht sehen? Man sieht ganz deutlich! Die trockenen Teeblätter sind schwarz und groß – was normale Konsumenten beeindruckt! Im Aufguss trennt sich Blatt und Stange. Die Farbe ist trüb und der Geschmack ist bitter! Schmeckst Du einen stark gedüngten Tee nicht? Das glaube ich Dir nicht.

Tee oder Dinge im Zeichen des Saturns II

Was fuer Typen von Menschen wuerde einen Tee altern lassen – vor allem einen „wertvollen“ mit besten Preis ausgezeichnet?

Was fuer Typen von Menschen sind so bloed, so einen alten Tee fuer einen verrueckten Preis zu bezahlen? Waere es nicht sinnvoller an etwas zu investieren, was das Ansehen sichtbar steigert?

Was fuer Motiv treibt einen so einen Tee zu kaufen?

Meistens bezeichnen Menschen mich, als aktiv, froehlich und lebendig. Oefters bin ich launisch, passiv und faul. Diese Seite kommt insbesonders zur Geltung, wenn ich in Taiwan bin. Meine Eltern koennten sich gar nicht vorstellen, wie mein Leben jemals Fruechte traegt. Passiv und launisch. Nur wenn meine Neugiere erweckt werden und wenn die Dinge mich tatsaechlich ansprechen anstatt bloss um Pflicht zu erfuellen, werde ich lebendig, gluecklich. Ich weiss, Pflichten zu erfuellen, um Menschen ein Freude zu machen, weil sie mir nahe stehen. Trotzdem koennte ich mich dabei nicht verleugnen. Unentschlossen zwischen der Treue zu mir und der Liebe zu anderen bleibe ich passiv, abwartend und scheu. Gerne bin ich allein. Weil ich gerne allein bin, aber nie das Leben allein aushalten kann, bin ich unentschlossen und stets auf Flucht. Weil die Treue zwischen Menschen schwer zu verlangen ist, wird die Treue zur Dinge verlagert. Weil die Treue zur Dinge aufrichtig sein kann und selten enttaeucht wird, werden Dinge gesammelt. Weil Dinge gesammelt wird, bleiben die Dinge stehend im Raum. Dinge werden verehrt und warten auf Menschen, die sie verehren. Der Mensch wartet auch auf denjenigen, der gleiche Dinge verehren. Wie jemand auf jemanden wartet, um endlich zu sprechen – sprechen ueber das Geheimnis, das gerne geteilt wird.

Dinge sind Medien zwischen Menschen, die sonst zueinander nicht finden.

Mein Lehrer, der diese Dinge zuerst machte, lagerte und sammelte, muss nie schlafen, wenn es um Tee geht. Er hat unendliche Energie, wenn er mit Tee zu tun hat. Seine Frau erzaehlte mir, wie er eigentlich wirklich zu Hause ist, ohne Tee. Er schweigt, liegt im Sofa und kraftlos. Das ist das reale „Er“, wenn er sich von Tee trennt und seine Rolle als Vater, Ehemann und Familiemitglied erfuellt. Er verdient weniger als seine Frau. Er arbeitet viel laenger als seine Frau. Er hat wenige gesellschaftliche Aktivitaeten als seine Frau – er gehoert zu keinem Club. Sie, Absolventin einer Eliteuniversitaet, leitende Position und gesellschaftlich aktiv. Sie fragte mich, was hat sie davon, dass er bekannt und beruehmt ist? Nichts. Er sei nur Er, wenn er beim Tee sei. Ansonst sei er lahm, depressiv und schwer.

Ich sagte ihr in Mingjian vor paar Tagen. Sie sei ein Vorbild fuer viele Frauen – emotionfrei, selbststaendig und eigenwillig. Sie macht keinen Eindruck, eine gelangweilte und unglueckliche Ehefrau zu sein. Sie braucht ihn nicht, aber sie liebt ihn, weil sie ihn liebt. Sie meinte, ich denke so, weil ich eine Loewin sei.

Dieser Lishan, als Dongding datiert. Falsche Angabe des Produzenten, falsche Angabe von Anbaugebiet. Was ist wahr? Was ist wichtig in der wahrheit? Nur das Jahr wurde richtig beschriftet, ansonst ein Show. Ein Wettbewerb des Tees ist ein Show. oder ein Spiel. Die Jurys koennten nicht Mal herausfinden, wo dieser Tee stammt!

Ich war entzueckt von diesem Tee. Im Moment der Begegnung wusste ich nicht mehr, wer auf wen wartete. Der Duft schmeckt nach Adlerholz. Die harzige, tiefe und wie leichter Rausch im Wald duftende Note gleicht der Ruf im tiefen Wald auf Formosa. Wie ein Film, blitzen unterschiedliche manchmal zusammenhanglose Szene der Vergangenheit vor den Augen und es scheint so, als ob Du im Kinosaal sitzen wuerdest. Ein Kino, das Deins ist. Ein Schluck wie ein Streifzug in der Zeit – stehendgebliebener Zeit. Eine Panorama Deiner Geschcihte, Du faengst an in dieser Panorama zu flanieren. Die Zeit wird zum Raum. Dein Raum.

Wer wartet auf wen? Was wartet auf Dich? Was kommt auf Dich zu? wenn Du keine Erwartung hast, hast Du etwas zu erfahren.

Abwartend, passiv und schwermutig sind oft Menschen unter den Einfluesse des Saturns.

Ein Tee fuer Menschen im Zeichen des Saturn I

Ein Tee fuer Menschen im Zeichen des Saturn I

Als der erste Preis von Dongding ausgezeichnet, aber eigentlich aus Lishan.

An den ersten Wettbewerb von Nantou Teebauerverband teilgenommen und seit 1987 ungeoeffnet geblieben.

Fuer Menschen im Zeichen des Saturn, langsam, unentschlossen, Ereignisse auf sich zukommen lassen….abwartend und scharf beobachtend.

Mehr beim naechsten Mal. Morgen fahre ich nach Mingjian und werde nicht viel Zeit haben bei meinem strengen Lehrer.

Formosa Ochsen und Oriental Beauty

Formosa ist eine Insel voller Geschichte, Geschichte voller Dramatik. Gemischt und abwechselnd aus Hass, Liebe, Wut und Hoffnungen. Die Dramatik der Insel ist kein Glueck der Inselbewohner. Sie bedeutet vielmehr die Tatsache, dass Menschen auf dieser Insel Schachfiguren sind, benutzt und willkuerlich entschieden von der Weltmacht und Herrschaften. Einst Holland und Spanien, heute China, Japan und USA.

Wenn die Geschichte des Formosas nicht die Geschichte der kleinen Menschen waere, waere Formosa Oolong nicht weltberuehmt und traditionreich bis heute. Es sind immer kleine Menschen, die im Hintergrund an ihren Platz geblieben sind, blind an ihre Erde geglaubt haben, einen Tee so wie ihr Vorfahren zu produzieren. Diese kleine Menschen bleiben klein, unscheinbar und schwach. Sie kennen nicht die Michelin-Sterne, nicht das Wallstreet und Bollywood. Ab und zu hoeren sie von Chanel und LV.

Meisten von Ihnen hatten die Moeglichkeit nicht, diesen beruehmten Geschmack des Formosa Oolongs zu verkosten. Meisten von Ihnen bezeichnen sich als Ochsen von Formosa. Ein Ochsen arbeitet nur, beschwert sich nie. Die Haut von Ochsen koennte man Schicht fuer Schicht auseinander nehmen, unterschiedlich verwertet werden. Wahrend ein Ochsen lebt, ist er ein Freund der Arbeiter. Wenn er stirbt, ist er Lieferant des menschlichen Begehrens. Das Schicksal eines Ochsen gleicht dem Schicksal des Formosa. 

Mein Vater sagt, er ist ein typischer Formosa Ochsen.

Als er 17 wurde, wurde mein Grossvater bankrott. Meine Grossmutter verkaufte Azukibohnen-Suppe auf der Strasse und die Kinder muessen selbst schauen, wenn sie die Schule besuchen wollten. Mein Vater verdiente sein Geld fuer die Schule als Teefabrikarbeiter. Seine Aufgabe war, den Tee hin und her zu tragen. Tee-Dust, was der Tee waehrend des Hin und Her tragen runterfiel, sollte er zusammenkehren. Das war das Material fuer Teebeutel und das, was er Gratis bekam. Der Geschmack des Tee-Dust war der einzige Geschmack und ist der einzige fuer ihn geblieben.

Seine Mutter verkaufte ihren Wintermantel, als mein Vater unbedingt Angelistik studieren wollte. Er arbeitet hart und beschwert sich nie. Er ist der Geizkragen in unserem Clan. Er hat kein besondere Hobby und nur gewohntliche Wuenschen.

„Warum willst Du nicht ein gewoehntliches Leben fuehren und einen Mann haben, der Dich ernaehrt?“

„Warum denn? Eine Frau braucht entweder einen guten Mann oder einen guten Vater. Ich habe schon einen guten Vater!“ Mein Vater wird jedesmal sprachlos, wenn er es von mir hoert.

Er traegt einen falschen Rolex. Denn er glaubt, keiner wuerde daran zweifeln, wenn er sie traegt.

Er kauft nur Hemden unter 20 Euros.

Er bekommt nur Taschengeld von meiner Mutter, meiner Schwester und meinem Bruder. 1992 vermisst er seine Tochter in Deutschland so sehr, dass er seine Angestellte Ferien im Europa einlud- eine gewoehntliche Konvention der taiwanesischen Unternehmerskultur. Samt meinen Tanten waren alle in Heidelberg, nur mein Vater fehlte. Es wurde ihm zu teuer, wenn er mit C-Class fliegen musste. Y-Class waren ausverkauft und er entschied sich im Buero zu bleiben.

Er trinkt keinen Tee, den ich verkaufe. Er trinkt nur Gratis-Teebeutel von meinem lehrer – auch ein Formosa Ochsen. Er trinkt hoechsens einen einfachen Sijichun. Wie koennte ueberhaupt ein Ochsen wie er einen majetetischen Tee trinken wollen? Er kennt seine Geschichte, sein Schicksal. Er hat die Musse und den geschmack nicht, um einen salonfaehigen wertvollen raren Tee zu trinken. Er ist so klein geblieben wie ein Ochsen.

Als sein Bruder scheiterte, half er ihm, wieder aufzustehen. Als sein anderer Bruder bankrott wurde, gab er ihm ein Auto und raeumte ihm ein Zimmer frei. Ueber zehn Jahren lebten drei Familie bei uns unter dem gleichen Dach. Das teuere Studium meiner Cousines im Ausland wurde von meinem Vater finanziert. Einen Dank erwartet er nicht und bekommt auch nicht. Es ist ihm egal, denn er tut es, weil er es will.

In diesen Tagen erleben wir auf der Insel viele poltischen Erdbeben. Wut, Enttaeuchungen, Sorgen und Trauer schweben in unserem Himmel. Viele Formosa Ochsen in seiner Generation spenden freiwillig Geld fuer die protestierenden Studenten. Mein Vater hatte wieder kein Taschengeld mehr. Er ging zu meinem Bruder und wollte sein Taschengeld fuer Dezember haben. Mein Bruder konnte seinen Vater nicht ablehnen.

Weil meine Mutter und Schwester Buddhas Lehre befolgen, geht mein Vater in die Kirche. Als ich beim ersten Abendgebet am Esstisch mit erlebte, konnte ich mich nicht verkneifen zu lachen. Mein Vater lachte auch, voller Schalk.

„Babaa (Taiwanesisch), was betest Du (Li Bai Shia?)?“

„Ich bete fuer meine Tochter. Sie sollte ein Zuhause haben.“

Rarer Tee II

Rarer Tee II

Oft ruefn Teebauer meinen Lehrer an, vor allem in dem Teesaison. Oft versucht mein Lehrer den Anrufenden zu klaeren, wie man Tee anders produzieren kann. Manchmal dauert ein Gespraech stundenlang, dann wissen wir, dass jemand einen gleich Gesinnten gefunden hat.

Gute Dinge sind rar. Rarer Tee ist selten. Solche Tees muessen nicht geworben werden, Umgekehrt, solche Tees werden von Teeliebhaber gesucht. Letzter Zeit hatte Glueck viele gute rare Tees verkosten zu koennen. Oft erfuhr ich, dass solche Tees selten zu kaufen sind. Denn es ist meinem Lehrer nicht egal, wer diesen Tee bekommt. Es muss sicherlich ein Teeliebhaber sein. Ausgerechnet ist dieser Teeliebhaber oft der Cheng.

Was macht er denn mit diesen Tees? Will er einen Teshop aufmachen? Moeglich. Er will vielleicht aus seinem Beruf aussteigen und sein Hobby zur Berufung verwandeln, vermutet mein Lehrer.

Es wurde geredet, dass er einen sehr schoenen Oriental Beauty hat. Ein Oreinal Beauty aus Baimouhou, beruehmt von seiner eleganten Erscheinung von weissen Tipps und farbigen Blaetter. Cheng hat bereits 3 Kgs gekauft. „Hast Du auch welchen fuer mich aufgehoben?“ ich bin ungeduldig und fragt immer direkt. Er nickte, aber es war nur noch 900g…

Was fuer einen Duft!? Elegant, zurueckhaltend und praesent. Gleichmaessig und nachhaltig. Honigsuess, fruchtig nach Lichee und Birne. Aufguss klar, orangefarbig und leuchend, Alle Anwesenden waren stil. Stil von der Schoenheit der Oriental Beauty!

Jeden Tag einen guten Tee keep den Doktor away…

„Geb Deinen Vater eine Tuete.“ Ich schuettelte meinen Kopf, „Du weiss — Formosa Ochsen trinkt doch keinen Oriental Beauty… Gebe mir doch deine Teebeutel, er wuerde sich darueber freuen.“ Er nickte.

Ein Wuensch

Ein Wuensch

Ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Nicht nur Wirtschaftsmagazin lese ich gerne, sondern auch Gespraech mit Fachleuten. Die offeziellen abgegebenen Zahlen in der Zeitung intressieren mich nicht, sondern die scheinbar wiederspruechlichen Kurven, die uns die Wahrscheinlichkeit der wahrheit mehr verraten. Das Aehnliche gilt auch bei Menschen. Nicht das, was Menschen erzaehlen, das das Leben von ihnen bestimmt, sondern das, was sie tatsaechlich tun – das so geannte Muster. Oft sind es Widersprueche, die uns mehr Verstandnisse ueber anderen bringen als ihre Worte. Auch nur in meinen eigenen Widersprueche verstehe ich tatsaechlich, was ich will.

Mit dem Fondmanager Cheng koennte ich paar Dinge fragen. Die Beziehung zwischen der Abwertung des Goldes und der Steigerung des Dollers, die Auswirkung der chinesische Wirtschaftspolitik ueber seinen Binnenmarkt und dem Druck auf seine Waehrung koennte den Preis des Tees 2009 in die Hoehe treiben. Im November befindet sich der Preis in absenkendem Trend. Was nun?

Cheng glaubt an die Wirtschaftsmacht Chinas und betrachtete die Entwicklung im Westen pessimistisch. Diese Ansicht kommt in unserem Teezimmer nicht gut an. Er sagte, wir sollen uns woanders darueber sprechen. Ich sollte doch seine Visitenkarte haben. Es war mir peinlich ihm die Wahrheit zu sagen, dass das Papier moeglicherweise zu gut aufgehoben war.

Waehrend wir ueber die Kurven und Geld sprachen, schrieb mein Lehrer mir ein Gedicht als Widmung von seinem neuen Buch.  

Fei Hua Zi Fengxing          Es ist zwar kein Blume, aber es duftet von sich allein und unverwechselbar

Nongyan Cun Qing Ming   Die Aromen und Farbe sind zuerst leuchtend und intensiv, aber was am Ende (der Tasse) bleibt, ist der klare und erhebende Duft

Das war und ist sein Wuensch solchen Tees zu produzieren. Nicht ein Duftwolken, der schnell erloescht, sondern eine dezente nachhaltige Duftstroemung, die uns lang begleitet. Das ist auch sein Wuensch und sein Anspruch zu sich selbst, wie seine Person sein sollte. Er sagte immer, wenn er mit Tee reich werden will, waere er heute ganz anders. Mit Tee kann man reich werden, wenn man mit dem Markt antanzt. Er koennte seine gelagerte Schaetze verkaufen, die von Sammler wie Cheng sofort abgekauft werden koennen. er wollte nicht. Nur Tropfenweise aus Not. Wenn er wirklich ein Star der Teewelt werden will, wird er wohl nicht mehr so laut sagen, was er tatsaechlich auch denkt. Es ist die Entscheidung eines Menschen, wie er sein Leben ausmalt. Alles hat seinen Preis.

„Weiss Du,“ er sagt mir oft, „es ist ein verdammtes Gleuck, wenn man einen guten Tee, eine Tasse toller Kaffee oder eine tolle Mahlzeit und einen guten Freund, der es versteht, zu solchen Momenten treffen kann!“

Das Leben kann so schoen sein. Und es ist wirklich schoen.

Es ist auch sein Wuensch und sein Anspruch an mich, den Tee so zu verstehen. Nicht ein blendes Duftwolke, das uns gluecklich macht, sondern ein Tee so klar wie das Wasser, der von sich allein duftet und seine Klarheit bewaehrt. Es ist auch ein Wuensch von mir an mich selbst, dass ich dieses Verstaendnis veralltaeglicht werden kann.

Tee Vintage

Sehr geehrte Frau Chou

Soeben habe ich Ihre interessante Homepage kennengelernt.

Ihre Oolongs sind allerdings nicht so genau bezeichnet. Kann man das
Erntedatum jeweils erfahren? Es eignen sich  vermutlich nicht alle
Oolongs für längere Lagerung…

 Auch würden mich die Namen der Teebauern interessieren, denn vielleicht
kenne ich ja gewisse Tees schon, z.B. „Li san“ Nantou County von Lei;
oder „ali shan“ von Hong, shizuo chiai province… falls dies überhaupt
eindeutig ist.

Ihre Auswahl ist so gross, da weiss man gar nicht wo anfangen… ich
kenne bis jetzt nur einige Oolongs ziwschen 10 und 70.- , die ich in der
Schweiz gekauft habe.

ich freue mich auf Ihre Anwort.

mit freundlichen Grüssen

Christoph
Zürich

So wie Christoph es schreibt, würde ich behaupten, dass er ein Teeliebhaber ist
und auch sich bereits lange mit Tee beschäftigt.

1. Kein Erntedatum
Ich bin nicht ein fleissiger Programmierer, der den Shop stets auf laufend
pflegt. Darum schreibe ich kein Erntedatum im Shop. Selbstverständlich würde
ich gerne nur Jahrgangstee anbieten. Aber mancher Jahrgangstee ist nicht besser als der Tee von dem vorherigen Saison. Man könnte mich jeder Zeit nach dem
Jahrgang nachfragen. Gut hergestellter Oolong ist geeignet für die Lagerung.
Aber nicht jeder ist ein Liebhaber für einen gelagerten Tee. Gewisse
Teesorten wurden in der früheren Zeit zuerst gelagert, dann erst verkauft – Z. B. Felsentee, Tie Guanyin und Dan Cong.
Heute ist es alles anders geworden, weil man denkt, frisch sei besser.

2. Ich arbeite nicht nur mit gewissen Teebauer zusammen. Es ist ein wenig
schwierig es zu erklären, vor allem beim Hochlandstee. Gewisse
Teebauer könnten in der Lage kontinuiertliche Qualität produzieren, aber
nicht die Wetterlage beeinflussen. Grundsätzlich kaufe ich kein Südwind-Tee
und Regentee ein, auch wenn dieser Tee von diesem oder jenen bekannten
Teebauer stammt. Darum spielt für mich nicht so eine riesen Rolle, ob dieser
Tee aus Lishan immer von einem gleichen Teebauer kommt. Aber der Önologe und
Teemaker sind mir sehr wichtig. Er formt den Geschmack des Tees. Er bleibt
immer derselbe. In Taiwan werden Tees nicht immer von dem Teebauer
hergestellt. Es ist oft gut so.

3.Sorry, dass meine Auswahl so gross ist. Ich verkaufe gerne Oolongs, weil
ich mich mit dem am besten auskenne. Wie könnte ich Teefreunde weiter helfen,
damit Sie mit einer Sorte anfangen könnten? Zuerst möchte ich gerne wissen,
welche Geschmacksvorliebe Sie bevorzugen.

Braun oder grün

Eigentlich wollte ich nie Unschuldigen aus seinem Konzept bringen, aber ich kann einfach nichts dafür, dass der andere sein Konzept hat.

Ich war in Freiburg bei Ulrike in ihrem edlen schönen Teeladen im Oberlinden. Gerne mache ich einen harmlosen Seitensprung, wenn ich auf der Teereise bin. Vis a Vis von ihrem Laden stand eine Kaffeerösterei Mahlwerk. Ich bin süchtig nach Kaffee, das ist klar. Keine Kaffeerösterei würde meine Nase verpassen, es ist auch klar. Also ich lief wie manipuliert in den Kaffeegeruch. Wie in Trance stand ich vor dem Kaffeebohnen und atmete nur ganz gezielt ein – nach einem ganztägigen Seminar mit Tee – ach, endlich wieder etwas anders!

„Madame, könnte ich Ihnen behilflich sein?“ eine freundliche Stimme fragte mich.

„Ja, gerne. Ich möchte gerne einen Kaffee, der nicht sauer und nicht verbrannt schmeckt.“

Er schaute mich unverständlich an. „Wir haben keinen saueren und verbrannten Kaffee.“

„Wie schön. Ich trinke keinen saueren und verbrannten Kaffee.“

„Wollen Sie keinen Espresso?“

„Warum nicht? Ist Espresso verbrannt und sauer?“

„Nein, aber sie möchten keinen starken Kaffee, oder?“

„Doch, aber nicht verbrannt.“ Ich schaute diesen jungen Mann ganz klar in die Augen. Er senkte seinen Blick und wiederholte noch einmal, „Sie wollen keinen Expresso. Dann nehmen Sie doch diesen aus Äthiopien.“

Ich merkte, dass wir nicht miteinander kommunizieren konnten. Verbannt ist nicht gleichbedeutend wie stark geröstet. Nicht sauer ist nicht gleichbedeutend wie mild. Ich hätte ihn diesen Unterschied erklären sollen, aber er sollte mir eigentlich fachlich beraten können! Ihn unterbrach ich, sehr unhöflich und unasiatisch – oder vielleicht sehr asiatisch direkt. Einen Kenya Kaffee kaufte ich – leider ist er nicht hervorragend – das merkte ich erst daheim. Einen bitteren leicht verbannten Abgang spürte ich trotz dem mit behandeltem Wasser.

Der junge Mann war sichtlich erleichtert, als er mich los hatte.

Im Seminar tauchten ebenfalls solche Fragen auf: ist ein brauner Oolong stark fermentiert? Ist ein grüner Oolong wenig fermentiert?

Verwirrungen!

Wer hat solche Begriffe oder Konzepte wie brauner und grüner Oolong erfunden?

Mit wem oder gegen wen hätte ich darüber streiten sollen?

Nantou ShuixianShuixian Dancong Nantou vor der Röstung

Ein Shuixian Dancong ist genau so stark wie ein Dongding Formosa fermentiert, aber ein Aufguss von Dancong ist sichtbar dunkler, während ein Dongding sichtbar „grünlicher“ aussieht – also braun bedeutet nicht stark fermentiert. Grün ist nicht gleich zu bedeuten wie wenig fermentiert.

Ein Oriental Beauty ist mittel schwer fermentiert und ungeröstet, während Tie Guanyin aus Muzha weniger stark fermentiert, aber stärker geröstet ist. Aber beider Tees sehen ähnlich dunkel im Aufguss aus. Braun ist nicht gleichbedeutend wie geröstet. Ein braun aussehender Oolong könnte genau so leicht fermentiert sein wie ein „grüner“.

Was ist braun und wo ist grün? Ich verstand diese Kriterien nicht, um Oolong zu unterscheiden.

Meine nächste Frage, warum brauchen wir solche Konzepte für den Kopf, um Tee zu verstehen? Wenn Tee doch für sch spricht, weshalb brauchen wir den denkenden Kopf, um Konzepte zu entwickeln? Unseren Körper brauchen wir, Tee zu erleben.

Als ich mit Zen anfing, sagte Michel einmal, „Man macht Zen für nichts. Du bekommst dadurch nichts.“ Was? Ich ertrage die Schmerzen für die halbe Stunde für nichts? Das bracht mich aus meinem Konzept. Das reizte und reizt mich. Bis jetzt bin ich geblieben für nicht, außer einer ganzer Menge Knieschmerzen.

Als ich mit Tee anfing, sagte mein Lehrer zu mir, der Weg des Tees sei ein Flug ohne Rückflug. Wenn man einmal den Geschmack des Tees gekostet hat, ist man nicht mehr das was er einmal war. Wenn man einmal den Tee begegnet, verliert man den Kopf samt Konzepte – vielleicht ähnlich wie die wahre LIebe. Den Geschmack kann man nicht mehr vergessen und will ihn nicht mehr missen. Man ist anders als das, was er einmal war. Man fing an sich zu fragen, was man loslassen muss oder abzugeben hat, um weiter zu kommen.

Einmalig

Ich dachte, dass ich Dinge gut loslassen kann. Unkompliziert und reibungslos.

Kurz vor Ausverkauf ist der Mingjian Jinxuan Paochung. Sollte ich ihn nicht mehr abgeben und dem Kunde mitteilen, dass er schon lang vergriffen ist, oder sollte ich ihn samt meine Erinnerungen noch einmal entbehren? Warum hänge ich denn so an ihn?

Dieser Tee ist das Speicher meiner ersten Tee-DIY Erfahrung, auch wenn es nur Weichei-Erfahrung war. Es war einmalig für mich. Im April war ich mit Gerhard und Kasper in Mingjian, wo wir unter der Leitung von meinem Teelehrer den Tee in einem vollständigen Prozess mit dabei sein duften. Ich schaute eigentlich lieber nur zu, während Gerhard seine Ärmel hoch krempelte und mitarbeitete. Die Körbe von Teeblättern waren mir zu schwer, der Schlaf war mir viel wichtiger und das Pflücken war mir zu anstrengend. Als Teeclub-Freunde mir sagten, dass sie unbedingt 2009 die Teeherstellung mitmachen wollen, war ich richtig geschockt. Ein Hardcore-Programm wollten sie, von Pflücken bis Rösten. Als ich Werner in München davon erzählte, wollte er unbedingt mitkommen. Selbst Tee machen unter der Leitung meines Lehrers sei ein Geschenk, ein einmaliges sogar!

mingjian reise

Gerhard und ich kauften den von uns mitgewirkten Paochung Jinxuan. In Bern ist der Tee bereits ausverkauft und wieder nachbestellt. Gerhard beschwerte in einem sentimentalen Ton, „Menglin, der Tee ist nicht der gleiche!“ Diese Äußerung machte mich richtig stutzig. Sicher, er ist natürlich nicht der gleiche. Wie denn? Die Erfahrung bei Tee-DIY war einmalig und der Tee speichert einfach diese Einmaligkeit!

Dieser Tee hat meiner Meinung nach einen Defekt. Ein Fehler meines Lehrers. Seine Röstmaschine war defekt und er war unaufmerksam. Der Tee litt unter einer zu starken Röstung. Auch wenn der Tee sich gut erholte, hat er eine spezielle Röstnote – nach gerösteter Sojabohne! Geröstete Sojabohne und Schwarzbohne – eine Delikates für meinen Großvater. Für mich gehört dieser Geschmack ebenfalls einem alten Mann, der die Zeit nicht mehr richtig wahrnimmt und nur nach seinem eigenen Rhythmus lebt. Als Kind fragte ich ihm, wozu er eine Uhr trug. Er sagte, die Uhr sei eine Dekoration. Und ich war ganz stolz, dass ich das erste Kind war in unserem Klasse, das eine Uhr trug. Meine Uhr war eine Dekoration. Ich kam fast immer zu spät in die Schule und musste vor der Tür in der Öffentlichkeit stehen…

Wenn ich einmal die Erinnerung an meinen Großvater überwindet, schmeckt der Tee dann leicht nach Honig und gedörrten Früchte. Sanft, vollmundig und fast wehmutig. Die Erfahrungen an Tee-Herstellungen werden immer wieder wach gerufen durch die Düfte und Geschmäcke. Dieser Honig-Süße kommt von der längeren Fermentation, die paar Stunden länger als die herkömmliche Herstellung durchzog. Das Fruchtige basieren auf vollständigem Erhitzen, das einfach länger und aufwendig passiert als die Mainstream-Produktion. Das sonnige gedörrte Frucht war für mich der Geschmack von jenen sonnigen Tagen. Die Teeblätter wurden unter geschirmtem Dach sorgfältig und länger gewelkt als anderes Pflückgut und ich musste stets die zarten Blätter wenden… An was habe ich immer dabei gedacht?

 

Diese unvergessliche Stunden, wertvolle Erfahrungen und lieben Menschen, die schlaflos für Tee arbeiteten werden so präsent durch die Aufgüsse. Was mache ich dann, wenn dieser Tee mich nicht mehr begleitet?

 

Warum kann ich diesen Geschmack nicht vergessen? Warum kann ich diese Erinnerung nicht vergessen? Warum hafte ich an diesen unsichtbaren Ort der Vergangenheit? Wenn dieser Tee aufgegossen wird, werden die Bilder vergegenwärtigt. Die verunsichernden Veränderung, der Abschied eines Abschnittes und die Sehnsucht nach einer Ankunft des neuen Frühlings in der damlaigen Zeit scheinen erst von gestern zu sein. Trennen von einer Erinnerung, die einmalig ist, ist grausam. Trennen von Dinge, die man einmal zähmte, ist schmerzhaft. Eigentlich werden diese Erinnerungen nicht verloren, sie werden einfach archiviert – in die tiefere Schicht des Speichers. Ich will aber nicht, sie in Tiefe des Speichers runter rutschen lassen.

Was machst Du, wenn Du einfach etwas nicht vergessen willst?

Früher hätte ich gesagt, schaffe Dir einfach etwas Neues an. Nun geschieht etwas Seltsames. Einen neuen Tee zu haben ersetzt nicht diese Einmaligkeit. Ich werde wohl so sentimental wie Gerhard, aber zu wem sollte ich denn jammern gehen?

Werner sagte mir, dass er den Tee abkaufen würde, den er selbst macht. Denn er hat den Tee gemacht. Er würde ihn sogar rahmen! Er würde diesen gerahmten Tee in seinem Laden hängen!