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Ein Wuensch

Ein Wuensch

Ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Nicht nur Wirtschaftsmagazin lese ich gerne, sondern auch Gespraech mit Fachleuten. Die offeziellen abgegebenen Zahlen in der Zeitung intressieren mich nicht, sondern die scheinbar wiederspruechlichen Kurven, die uns die Wahrscheinlichkeit der wahrheit mehr verraten. Das Aehnliche gilt auch bei Menschen. Nicht das, was Menschen erzaehlen, das das Leben von ihnen bestimmt, sondern das, was sie tatsaechlich tun – das so geannte Muster. Oft sind es Widersprueche, die uns mehr Verstandnisse ueber anderen bringen als ihre Worte. Auch nur in meinen eigenen Widersprueche verstehe ich tatsaechlich, was ich will.

Mit dem Fondmanager Cheng koennte ich paar Dinge fragen. Die Beziehung zwischen der Abwertung des Goldes und der Steigerung des Dollers, die Auswirkung der chinesische Wirtschaftspolitik ueber seinen Binnenmarkt und dem Druck auf seine Waehrung koennte den Preis des Tees 2009 in die Hoehe treiben. Im November befindet sich der Preis in absenkendem Trend. Was nun?

Cheng glaubt an die Wirtschaftsmacht Chinas und betrachtete die Entwicklung im Westen pessimistisch. Diese Ansicht kommt in unserem Teezimmer nicht gut an. Er sagte, wir sollen uns woanders darueber sprechen. Ich sollte doch seine Visitenkarte haben. Es war mir peinlich ihm die Wahrheit zu sagen, dass das Papier moeglicherweise zu gut aufgehoben war.

Waehrend wir ueber die Kurven und Geld sprachen, schrieb mein Lehrer mir ein Gedicht als Widmung von seinem neuen Buch.  

Fei Hua Zi Fengxing          Es ist zwar kein Blume, aber es duftet von sich allein und unverwechselbar

Nongyan Cun Qing Ming   Die Aromen und Farbe sind zuerst leuchtend und intensiv, aber was am Ende (der Tasse) bleibt, ist der klare und erhebende Duft

Das war und ist sein Wuensch solchen Tees zu produzieren. Nicht ein Duftwolken, der schnell erloescht, sondern eine dezente nachhaltige Duftstroemung, die uns lang begleitet. Das ist auch sein Wuensch und sein Anspruch zu sich selbst, wie seine Person sein sollte. Er sagte immer, wenn er mit Tee reich werden will, waere er heute ganz anders. Mit Tee kann man reich werden, wenn man mit dem Markt antanzt. Er koennte seine gelagerte Schaetze verkaufen, die von Sammler wie Cheng sofort abgekauft werden koennen. er wollte nicht. Nur Tropfenweise aus Not. Wenn er wirklich ein Star der Teewelt werden will, wird er wohl nicht mehr so laut sagen, was er tatsaechlich auch denkt. Es ist die Entscheidung eines Menschen, wie er sein Leben ausmalt. Alles hat seinen Preis.

„Weiss Du,“ er sagt mir oft, „es ist ein verdammtes Gleuck, wenn man einen guten Tee, eine Tasse toller Kaffee oder eine tolle Mahlzeit und einen guten Freund, der es versteht, zu solchen Momenten treffen kann!“

Das Leben kann so schoen sein. Und es ist wirklich schoen.

Es ist auch sein Wuensch und sein Anspruch an mich, den Tee so zu verstehen. Nicht ein blendes Duftwolke, das uns gluecklich macht, sondern ein Tee so klar wie das Wasser, der von sich allein duftet und seine Klarheit bewaehrt. Es ist auch ein Wuensch von mir an mich selbst, dass ich dieses Verstaendnis veralltaeglicht werden kann.

Tee Vintage

Sehr geehrte Frau Chou

Soeben habe ich Ihre interessante Homepage kennengelernt.

Ihre Oolongs sind allerdings nicht so genau bezeichnet. Kann man das
Erntedatum jeweils erfahren? Es eignen sich  vermutlich nicht alle
Oolongs für längere Lagerung…

 Auch würden mich die Namen der Teebauern interessieren, denn vielleicht
kenne ich ja gewisse Tees schon, z.B. „Li san“ Nantou County von Lei;
oder „ali shan“ von Hong, shizuo chiai province… falls dies überhaupt
eindeutig ist.

Ihre Auswahl ist so gross, da weiss man gar nicht wo anfangen… ich
kenne bis jetzt nur einige Oolongs ziwschen 10 und 70.- , die ich in der
Schweiz gekauft habe.

ich freue mich auf Ihre Anwort.

mit freundlichen Grüssen

Christoph
Zürich

So wie Christoph es schreibt, würde ich behaupten, dass er ein Teeliebhaber ist
und auch sich bereits lange mit Tee beschäftigt.

1. Kein Erntedatum
Ich bin nicht ein fleissiger Programmierer, der den Shop stets auf laufend
pflegt. Darum schreibe ich kein Erntedatum im Shop. Selbstverständlich würde
ich gerne nur Jahrgangstee anbieten. Aber mancher Jahrgangstee ist nicht besser als der Tee von dem vorherigen Saison. Man könnte mich jeder Zeit nach dem
Jahrgang nachfragen. Gut hergestellter Oolong ist geeignet für die Lagerung.
Aber nicht jeder ist ein Liebhaber für einen gelagerten Tee. Gewisse
Teesorten wurden in der früheren Zeit zuerst gelagert, dann erst verkauft – Z. B. Felsentee, Tie Guanyin und Dan Cong.
Heute ist es alles anders geworden, weil man denkt, frisch sei besser.

2. Ich arbeite nicht nur mit gewissen Teebauer zusammen. Es ist ein wenig
schwierig es zu erklären, vor allem beim Hochlandstee. Gewisse
Teebauer könnten in der Lage kontinuiertliche Qualität produzieren, aber
nicht die Wetterlage beeinflussen. Grundsätzlich kaufe ich kein Südwind-Tee
und Regentee ein, auch wenn dieser Tee von diesem oder jenen bekannten
Teebauer stammt. Darum spielt für mich nicht so eine riesen Rolle, ob dieser
Tee aus Lishan immer von einem gleichen Teebauer kommt. Aber der Önologe und
Teemaker sind mir sehr wichtig. Er formt den Geschmack des Tees. Er bleibt
immer derselbe. In Taiwan werden Tees nicht immer von dem Teebauer
hergestellt. Es ist oft gut so.

3.Sorry, dass meine Auswahl so gross ist. Ich verkaufe gerne Oolongs, weil
ich mich mit dem am besten auskenne. Wie könnte ich Teefreunde weiter helfen,
damit Sie mit einer Sorte anfangen könnten? Zuerst möchte ich gerne wissen,
welche Geschmacksvorliebe Sie bevorzugen.

Braun oder grün

Eigentlich wollte ich nie Unschuldigen aus seinem Konzept bringen, aber ich kann einfach nichts dafür, dass der andere sein Konzept hat.

Ich war in Freiburg bei Ulrike in ihrem edlen schönen Teeladen im Oberlinden. Gerne mache ich einen harmlosen Seitensprung, wenn ich auf der Teereise bin. Vis a Vis von ihrem Laden stand eine Kaffeerösterei Mahlwerk. Ich bin süchtig nach Kaffee, das ist klar. Keine Kaffeerösterei würde meine Nase verpassen, es ist auch klar. Also ich lief wie manipuliert in den Kaffeegeruch. Wie in Trance stand ich vor dem Kaffeebohnen und atmete nur ganz gezielt ein – nach einem ganztägigen Seminar mit Tee – ach, endlich wieder etwas anders!

„Madame, könnte ich Ihnen behilflich sein?“ eine freundliche Stimme fragte mich.

„Ja, gerne. Ich möchte gerne einen Kaffee, der nicht sauer und nicht verbrannt schmeckt.“

Er schaute mich unverständlich an. „Wir haben keinen saueren und verbrannten Kaffee.“

„Wie schön. Ich trinke keinen saueren und verbrannten Kaffee.“

„Wollen Sie keinen Espresso?“

„Warum nicht? Ist Espresso verbrannt und sauer?“

„Nein, aber sie möchten keinen starken Kaffee, oder?“

„Doch, aber nicht verbrannt.“ Ich schaute diesen jungen Mann ganz klar in die Augen. Er senkte seinen Blick und wiederholte noch einmal, „Sie wollen keinen Expresso. Dann nehmen Sie doch diesen aus Äthiopien.“

Ich merkte, dass wir nicht miteinander kommunizieren konnten. Verbannt ist nicht gleichbedeutend wie stark geröstet. Nicht sauer ist nicht gleichbedeutend wie mild. Ich hätte ihn diesen Unterschied erklären sollen, aber er sollte mir eigentlich fachlich beraten können! Ihn unterbrach ich, sehr unhöflich und unasiatisch – oder vielleicht sehr asiatisch direkt. Einen Kenya Kaffee kaufte ich – leider ist er nicht hervorragend – das merkte ich erst daheim. Einen bitteren leicht verbannten Abgang spürte ich trotz dem mit behandeltem Wasser.

Der junge Mann war sichtlich erleichtert, als er mich los hatte.

Im Seminar tauchten ebenfalls solche Fragen auf: ist ein brauner Oolong stark fermentiert? Ist ein grüner Oolong wenig fermentiert?

Verwirrungen!

Wer hat solche Begriffe oder Konzepte wie brauner und grüner Oolong erfunden?

Mit wem oder gegen wen hätte ich darüber streiten sollen?

Nantou ShuixianShuixian Dancong Nantou vor der Röstung

Ein Shuixian Dancong ist genau so stark wie ein Dongding Formosa fermentiert, aber ein Aufguss von Dancong ist sichtbar dunkler, während ein Dongding sichtbar „grünlicher“ aussieht – also braun bedeutet nicht stark fermentiert. Grün ist nicht gleich zu bedeuten wie wenig fermentiert.

Ein Oriental Beauty ist mittel schwer fermentiert und ungeröstet, während Tie Guanyin aus Muzha weniger stark fermentiert, aber stärker geröstet ist. Aber beider Tees sehen ähnlich dunkel im Aufguss aus. Braun ist nicht gleichbedeutend wie geröstet. Ein braun aussehender Oolong könnte genau so leicht fermentiert sein wie ein „grüner“.

Was ist braun und wo ist grün? Ich verstand diese Kriterien nicht, um Oolong zu unterscheiden.

Meine nächste Frage, warum brauchen wir solche Konzepte für den Kopf, um Tee zu verstehen? Wenn Tee doch für sch spricht, weshalb brauchen wir den denkenden Kopf, um Konzepte zu entwickeln? Unseren Körper brauchen wir, Tee zu erleben.

Als ich mit Zen anfing, sagte Michel einmal, „Man macht Zen für nichts. Du bekommst dadurch nichts.“ Was? Ich ertrage die Schmerzen für die halbe Stunde für nichts? Das bracht mich aus meinem Konzept. Das reizte und reizt mich. Bis jetzt bin ich geblieben für nicht, außer einer ganzer Menge Knieschmerzen.

Als ich mit Tee anfing, sagte mein Lehrer zu mir, der Weg des Tees sei ein Flug ohne Rückflug. Wenn man einmal den Geschmack des Tees gekostet hat, ist man nicht mehr das was er einmal war. Wenn man einmal den Tee begegnet, verliert man den Kopf samt Konzepte – vielleicht ähnlich wie die wahre LIebe. Den Geschmack kann man nicht mehr vergessen und will ihn nicht mehr missen. Man ist anders als das, was er einmal war. Man fing an sich zu fragen, was man loslassen muss oder abzugeben hat, um weiter zu kommen.

Einmalig

Ich dachte, dass ich Dinge gut loslassen kann. Unkompliziert und reibungslos.

Kurz vor Ausverkauf ist der Mingjian Jinxuan Paochung. Sollte ich ihn nicht mehr abgeben und dem Kunde mitteilen, dass er schon lang vergriffen ist, oder sollte ich ihn samt meine Erinnerungen noch einmal entbehren? Warum hänge ich denn so an ihn?

Dieser Tee ist das Speicher meiner ersten Tee-DIY Erfahrung, auch wenn es nur Weichei-Erfahrung war. Es war einmalig für mich. Im April war ich mit Gerhard und Kasper in Mingjian, wo wir unter der Leitung von meinem Teelehrer den Tee in einem vollständigen Prozess mit dabei sein duften. Ich schaute eigentlich lieber nur zu, während Gerhard seine Ärmel hoch krempelte und mitarbeitete. Die Körbe von Teeblättern waren mir zu schwer, der Schlaf war mir viel wichtiger und das Pflücken war mir zu anstrengend. Als Teeclub-Freunde mir sagten, dass sie unbedingt 2009 die Teeherstellung mitmachen wollen, war ich richtig geschockt. Ein Hardcore-Programm wollten sie, von Pflücken bis Rösten. Als ich Werner in München davon erzählte, wollte er unbedingt mitkommen. Selbst Tee machen unter der Leitung meines Lehrers sei ein Geschenk, ein einmaliges sogar!

mingjian reise

Gerhard und ich kauften den von uns mitgewirkten Paochung Jinxuan. In Bern ist der Tee bereits ausverkauft und wieder nachbestellt. Gerhard beschwerte in einem sentimentalen Ton, „Menglin, der Tee ist nicht der gleiche!“ Diese Äußerung machte mich richtig stutzig. Sicher, er ist natürlich nicht der gleiche. Wie denn? Die Erfahrung bei Tee-DIY war einmalig und der Tee speichert einfach diese Einmaligkeit!

Dieser Tee hat meiner Meinung nach einen Defekt. Ein Fehler meines Lehrers. Seine Röstmaschine war defekt und er war unaufmerksam. Der Tee litt unter einer zu starken Röstung. Auch wenn der Tee sich gut erholte, hat er eine spezielle Röstnote – nach gerösteter Sojabohne! Geröstete Sojabohne und Schwarzbohne – eine Delikates für meinen Großvater. Für mich gehört dieser Geschmack ebenfalls einem alten Mann, der die Zeit nicht mehr richtig wahrnimmt und nur nach seinem eigenen Rhythmus lebt. Als Kind fragte ich ihm, wozu er eine Uhr trug. Er sagte, die Uhr sei eine Dekoration. Und ich war ganz stolz, dass ich das erste Kind war in unserem Klasse, das eine Uhr trug. Meine Uhr war eine Dekoration. Ich kam fast immer zu spät in die Schule und musste vor der Tür in der Öffentlichkeit stehen…

Wenn ich einmal die Erinnerung an meinen Großvater überwindet, schmeckt der Tee dann leicht nach Honig und gedörrten Früchte. Sanft, vollmundig und fast wehmutig. Die Erfahrungen an Tee-Herstellungen werden immer wieder wach gerufen durch die Düfte und Geschmäcke. Dieser Honig-Süße kommt von der längeren Fermentation, die paar Stunden länger als die herkömmliche Herstellung durchzog. Das Fruchtige basieren auf vollständigem Erhitzen, das einfach länger und aufwendig passiert als die Mainstream-Produktion. Das sonnige gedörrte Frucht war für mich der Geschmack von jenen sonnigen Tagen. Die Teeblätter wurden unter geschirmtem Dach sorgfältig und länger gewelkt als anderes Pflückgut und ich musste stets die zarten Blätter wenden… An was habe ich immer dabei gedacht?

 

Diese unvergessliche Stunden, wertvolle Erfahrungen und lieben Menschen, die schlaflos für Tee arbeiteten werden so präsent durch die Aufgüsse. Was mache ich dann, wenn dieser Tee mich nicht mehr begleitet?

 

Warum kann ich diesen Geschmack nicht vergessen? Warum kann ich diese Erinnerung nicht vergessen? Warum hafte ich an diesen unsichtbaren Ort der Vergangenheit? Wenn dieser Tee aufgegossen wird, werden die Bilder vergegenwärtigt. Die verunsichernden Veränderung, der Abschied eines Abschnittes und die Sehnsucht nach einer Ankunft des neuen Frühlings in der damlaigen Zeit scheinen erst von gestern zu sein. Trennen von einer Erinnerung, die einmalig ist, ist grausam. Trennen von Dinge, die man einmal zähmte, ist schmerzhaft. Eigentlich werden diese Erinnerungen nicht verloren, sie werden einfach archiviert – in die tiefere Schicht des Speichers. Ich will aber nicht, sie in Tiefe des Speichers runter rutschen lassen.

Was machst Du, wenn Du einfach etwas nicht vergessen willst?

Früher hätte ich gesagt, schaffe Dir einfach etwas Neues an. Nun geschieht etwas Seltsames. Einen neuen Tee zu haben ersetzt nicht diese Einmaligkeit. Ich werde wohl so sentimental wie Gerhard, aber zu wem sollte ich denn jammern gehen?

Werner sagte mir, dass er den Tee abkaufen würde, den er selbst macht. Denn er hat den Tee gemacht. Er würde ihn sogar rahmen! Er würde diesen gerahmten Tee in seinem Laden hängen!

De Ja-vu und Gangkou Cha

Mein Großvater machte in seinem Leben mit 48 einen Strich. Nachdem seine Vertraute das Vermögen veruntreute, zog er zurück und lebt in nächsten vierzig Jahren in einem Turm. Manchmal ging er aus diesem Turm und fragte die Kinder, ob wir große Schiffe anschauen wollten. Schiffe anschauen! Das bedeutete für uns eine Reise zum Fenster der Welt! Auf einer Insel waren wir ausgeschlossen in der internationalen Politik, abgegrenzt in unserem Bewusstsein und auch verschlossen in unserem Leben. – auf einer Insel eben. Wir gingen zum Meer, eine weite Reise für Kinder. Wir gingen zum Hafen und bewunderten die großen Schiffe, die andere anerkannte Welt erreichten und unseren Traum mitnahmen. Anschließend gingen wir auf eine kleine Insel – St. Salvador. Auf St. Salvador gab es eine spanische Burg namens St. Salvador und war das Augenzeug der Formosa Kolonialgeschichte. Die Burg wurde in einem Krieg zwischen Spanien und Holländer zerstört und die kleine Insel blieb und ist heute eine Insel der Frieden – auf Chinesisch.

Inselbewohner wie wir, waren Nachkommen von Piraten, Sträflinge oder Ureinwohner. Auch wenn in meinem Familiebuch stand, dass wir aus Anxi – Heimat des Tie Guanyin kamen, bin ich überzeugt, dass meine Vorfahren Piraten waren. Eine Insel hat immer einen Anfang und ein Ende. Eine Insel hat immer Ränder und Grenze – anders als Festland. Sie ist offen und zugleich isoliert in einem Ozean. Sie hat Zugang zur Welt, jedoch einsam in einem blauen Teppich, ausgegrenzt von allen Geschehen. Die Menschen auf eine Insel müssen miteinander zu Recht kommen, weil sie nicht aneinander vorbei kommen könnten. Die Menschen auf eine Insel sind stets mit Eindringlinge zu rechnen, die aus einem etablierten Welt ausbrechen wollen und das Ausgeschlossen auf einer Insel als Chance betrachten. Es ist eng, gewaltig und ereignisreich.  Eine Insel ist zugleich ein Vermittler zwischen zwei Ozeans oder zwei Kulturen oder zwischen zwei Menschen. Kein Wunder, dass Japaner im 17. Jh. Für die fremden Eindringlinge aus Europa De-Shima (Insel) baute und die einzigen zugelassenen Japaner außer Händler auf die Insel waren Kurtisane. Kein Wunder, dass man gerne auf Honeymoon auf eine Insel geht. Kein Wunder, dass die Insel Formosa stets der Vermittler zwischen Japan und China war.

Für jemanden aus Prag war die Honeymoon Insel Hawaii – das erzählte mir heute J. Voll begeistert schwärmte er mir von dieser Insel voller Gegensätze und Vulkan. Seine Erzählung riss mich aus dem Gegenwart ab und die Welle des Ozean schwamm vor meinen Augen. Eine Insel im Südsee… Dann erzählte er mir weiter von seiner Insel-Touren: Indonesische Inseln, Bali und Hongkong. Ich liebe Insel, weil ich selbst aus einer Insel komme. Ich liebe Hongkong, Okinawa, Penang, England und Puhket. Nun lebe ich auf einer Insel Europas – die Schweiz, das Traumland von Insel Formosa! Was sollte ich ihm denn von den Sehnsüchten und Lebensgefühl auf eine von der Welt ausgeschlossenen Insel erzählen? Ich kochte Wasser und bereite einen neuen angekommenen Gangkou Cha 2008 (Meeroolong auf südlichsten Rand des Formosas!) zu. Ich fragte ihn, ob er den Meeresrausch hörte und die Korallen sah. Auf die südlichsten Rand des Formosa schien so oft Sonne, ein Taucherparadies, Palementrände und unzähligen Korallen Kliff. Es schien alles paradiesisch bis die Regierung vor 20 Jahren dort ein Atomkraftwerk baute. Warum wurden überall am schönsten Strände auf Formosa nur Atomkraftwerke gebaut? Manche von uns waren wütend und zugleich eingeschüchtert sprachlos, manche von uns wanderten aus und ich bin hier gelandet. Machtlos schauten wir zu, wie die Insel Formosa Stück für Stück verraten wurde. Eigentlich schmeckte dieser Tee für mich wie die Tränen. Der Gangkou Cha ist immer noch derselbe geblieben und die Familie lebt an dem gleichen Ort seit Hundertenjahren. Aber die Insel ist bereits nicht mehr dieselbe.
Leicht salzig und der Geschmack voller Korallen. Wenn die feuchte Luft aus Philippins kommt, gewinnt der Baum ein jodhaltiges Aroma. Die Frühlingsernte ist von dieser Note nicht ausgeprägt, aber umso mehr von dem schwierigen zugänglichen Korallen-Kliff. Er fragte mich ob ich Britannien kenne? Ich schüttelte meinen Kopf. Er erkannt in diesem Tee das Gefühl von De ja- vu. Viel Felsen, das gewaltige Atlantik und die ab und zu scheinende Sonne! Das Gefühl von De ja-vu… ich verstehe, warum Insel so bedeutend sein könnte. Eine Insel ist wie ein Fremdkörper für das Festland und ein Fremder ein Eindringling in einer etablierten Welt. Wenn das Festland in Chaos stürzt, ist die Sehnsucht nach einer Insel der Traum des neuen Lebens. Wenn eine etablierte Welt auseinander fällt, betrachtet man plötzlich den Fremde nebenan als Möglichkeit der Erneurung. Für Menschen aus zwei verschiedenen Welten konnten sich wohl nur auf eine Insel begegnen, temporär und vergänglich wie auf die kleiner japanischer Insel Deshima.

Ich hatte immer Mühe mit Festland, denn mein Lebensgefühl mit Insel verbunden ist. Darum muss ich wohl immer am Wasser leben, am Bodensee oder am Zürichsee. Auf einer Insel wie die Schweiz sollte ich mich doch wie zu Hause fühlen können!

Der Gangkou Cha trieb uns von Pazifik zurück zur Berginsel-Schweiz. Die Sonne schien in Zürich und auch im Meeroolong schien die unverwechselbare Sonne aus Formosa.

Kann ein befallener Oolong gut sein?

Hallo, Menglin,

….

In der Regel trinke ich jedoch grünen Tee. Für die meisten Oolongs
und roten Tees habe ich nicht den passenden Mund, wie’s ausschaut.
Schöne grüne Tees in China zu finden, ist jedoch auch eine
schwierige Aufgabe, ich würde mich freuen, wenn sie davon mehr
anbieten würden.

In einigen Ihrer Beschreibungen von Oolong Tee sprechen Sie positiv
von „Insektenbefall“. Mich für klingt das auf den ersten Blick
ersteinmal gar nicht gut. Was hat es damit auf sich?

vielen Dank

Tom

Ein neuer Teefreund aus Norden fragte nach dem „Bild“ des von Insekten befallenen Tees. Dass man zuerst eine seltsame Vorstellung von einem befallenen Tee hat, ist nur verständlich. Vielleicht liegt tatsächlich eine Welt zwischen Orient und Okzident.
Normalerweise werden die Teeblätter regelrecht von Insekten heimgesucht, wenn das Milieu neutral und relativ natürlich „gepflegt“ wird. Die so genannte Schädlingsbekämpfung  kann die Teepflanzen nicht vollständig vor den intelligenten und lebenshungrigen Insekten abschirmen. Was passiert dann, wenn die Blätter „abgebissen“ werden? Meistens werden sie aussortiert – als Fehler. Oft wird die Ernte verzichtet, wenn die Ernte zu stark „beschädigt“ wird.
Warum? Denn solche geschädigte Blätter sind anders zu behandeln als das „normale“ Pflückgut. Sie brauchen einen erfahrenen Umgang des Teebauers, der Vertrauen in Ihr Handwerk haben, je nach der Schädigung unterschiedlich die Blätter zu verarbeiten. Denn sie sind gelblicher, trockener, zerbrechlicher, aber enthalten ein außergewöhnliches Aroma! Das ähnliche gilt auch für die Zwischenernte zwischen Winterernte und Frühlingsernte – die so genannte Dongpian (Winterblatt) im Dezember und Januar. Das Wetter ist nicht geeignet für die Herstellung des Oolongs, aber dieses Pflückgut unter dieser besonderen klimatischen Bedingung könnte Teeliebhaber ein außergewöhnliches Erlebnis schenken. Das Erleben des zarten feinen Aromas hängt allerdings vom Handwerk des Teemakers ab. Solche Vorrausetzungen machen eine Rarität aus: klimatische Bedingung, natürliche Gegebenheit und Handwerk eines Teemakers.

Manche Teemaker betrachten solche „Biss“ als Horror und Mangel. Manche jagen gierig danach. Mein Teelehrer und ich gehören zu dem Jäger, der gerne „kuriosen“ Exemplare sammeln. Hindernisse und Schwierigkeiten machen „Spaß“ in einer Sache aus, nicht ein „glatter Ablauf“. Wenn mein Lehrer mich wieder anruft, erzählt, was er wieder findet und wie er diese Dinge fand, fühle ich mich jedes Mal beteiligt – an seiner Jagd. Im Frühling sprachen wir von Suche nach „Qilan“ – ein selten gewordener Oolong. Vor drei Wochen rief er mich an und sagte, „He, ich habe ihn in einem Garten gefunden, nur 6 Kg!“ Oder warnte er mir vor einem Kauf von Phönix Dancong, den ich so sehnsüchtig suchte.
Tee suchen ist nicht gleich wie Kleider kaufen. Es ist oft schwieriger als die Partner-Suche…

Ich bin leider kein Chemiker und kann den Leser nicht aufklären, was für einen chemischen Prozess hinter diesen „Biss“ und „Fermentation“ stattfindet. Es ist jedenfalls ein unvergesslicher Genuss, wenn ich solchen „Makelhaften“ Oolong trinke. Ein Makel ist nicht einfach ein Makel, sondern ein Charakter, der ein “Erdgeschoß“ zu einem Märchenschloss“ verwandelt. Für manche ist es ein Makel, für manche ein Traum. Jeder bekommt das, was er mit seinem Suche-Einsatz „verdient“.
Für mich ist ein Oolong mit solchen Makel ein Traum – ich bin „leider“ kein Maßstab. Für Sie, lieber Tom, probiere es doch einmal aus, ob solcher Oolong ein Erlebnis sein könnte, ohne einen tatsächlichen Versuch bleibt es für immer ein Rätsel auf Chinesisch. Auch der erste Eindruck und das erste Erlebnis sind nicht entscheidend, sondern ihre Mut und Abenteuergeist machen tatsächlich bei der Auseinandersetzung mit dem Tee aus.

Ich wünsche allen viel Freude, viel Spaß und viel Mut!

Lishan 2007 梨山碳培 – Duft der Holzkohle

Stephan rief mich morgens an und fragte, ob ich mich gerade von Pfingsten erholen musste. Erholen von Feiertagen? Nein, ich arbeitete über die Feiertage. Freizeit? Ich habe keine Freizeit. Ich mache das gerne, was ich mache. Eigentlich habe ich nur Freizeit.

Das Leben meines Lehrers in Taipei bestehe nur aus Freizeit, behauptete seine Frau auf der gemeinsamen Reise nach Mingjian. Ich war nicht sicher, ob sie sich über ihn beklagte.

Auf der Reise hatten wir einen wunderschönen Tee, der mir unbekannt war und deswegen noch spannender schmeckte. Sein Name wurde nicht verraten. Ich weiß immer mehr, dass es viele versteckte Geheimnisse des Tees in diesem Menschen gibt. Er erzählte es nicht und ich musste es auch nicht ansprechen. Ich sagte ihn, „Oh, ich schmeckte Honig, Blumenwiese und Hochlandsluft! Aber die Holznote ist so dominant, war es ein Fehler!“ „Nein, nein. Das ist Holzkohle-Geschmack!“ er schmunzelte. „Eigentlich ist er mein privater Tee! Unverkäuflich!“ Selten findet man solch Material aus Lishan – Qingxin Oolong von Insekten befallen! Das ganze wurde noch an einem sonnigen Tag gepfückt und verarbeitet! „Solche Dinge darf man im Leben nicht verpassen.“ sagte er am Steuer, „Irgendwann muss Du so weit sein, wenn Du einen Tee trifft, weiss Du, was aus ihm werden kann. Dann behandelst Du ihn entsprechend.“ Er behandelt ihn entsprechend dirket über glühende Holzkohle über 120 Grade! Er bat mir, ihn aufzubewahren, seine Reife zu erleben.

„Mein Mann hat nur Freizeit,“ erzählte seine Frau mir, „er ist ansonsten so lahm. Nur wenn er mit Tee und Photographieren zu tun hat, ist er wieder ein Mensch.“ Er brauche keine Freizeit, weil er immer frei sei. Sein Ruhm und Bekanntheit bringe ihr nichts, weil er diese Welt spielend durchquere. Sie verdient ihr Geld, zog den Sohn auf und sah zu, wie er in der Teewelt sich frei spielend bewegt, wie ein Narr.

Ich hörte plötzlich den Ryokan (ein japanischer Dichter) leise singend:

„Spielend, ja spielend,

Durchquere ich diese fließende Welt…

Ist es da nicht gut, die bösen Träume anderer Menschen zu zerstreuen?“

Er und ich hörten ihr zu und schwiegen. Den Tee wurde immer wieder serviert – von ihr. Sie interessiert sich nicht für die Namen des Tees, nur für diesen Tee, den er für sie macht. „Einen guten Tee.“ sagte sie. Süss wie honig, elegant wie die Höhe des Berges und holzig wie der Duft des feuchten Tannenwalds. Diese Kombination ist einzigartig. Ich hätte nie gedacht, so etwas zu begegnen.

Als ich zum ersten Mal seine Frau sah, konnte ich nicht fassen, wieso eine so schöne Stadtdame mit einem „Bauersohn“ verheiratet sein kann! Diese Kombination war mir geheimnisvoll. „Er dachte, dass ich in ihn verliebt sei, weil ich ihm gegenüber immer sehr freundlich war – dabei war es meine Erziehung.“ Als sie zum ersten Mal mit seiner Schwester Mingjian besuchte, war sie verliebt in diesem Ort, sagte sie. Er war ein guter Fremdenführer. „Ich sehe ihn so gerne hier. In Taipei bleibt er wegen mir und unserem Kind. Aber er ist hier sich selbst.“ Sie lächelte wieder und zeigte mir das alte Haus, wo sie ihre Hochzeit verbrachten. Ein typisches Formosa-Haus, wie das von meiner Großmutter auf dem Pamelo-Garten aus roten Backstein und roten Ziegel. Die Sonne schien.

Das alte Haus in Mingjian

Während wir in Mingjian unterwegs waren und beschäftigt hin und her rannten, sass sie geduldig im Wohnzimmer von Aming und wartete. „Langweilst Du Dich nicht?“ fragte ich mit einem schlechten Gewissen. „Nein, ich bin glücklich.“ das erzählte eine wartende Frau? Sie wartete, weil er das tat, was er gerne machte. Sie strahlte Ruhe und Zufriedenheit aus bei einem Tassen von Insekten befallenden Lishan 2007, der auf Holzkohle behandelt war. Ein Tee, eigentlich schwer zu verstehen ist. Süss, elegant aber holzig. Nach Karamel, nach Blüte, nach Kardamon und nach Waldholderbeeren (die leichte anfängliche Duftnote von Waldholder) oder nach Muskat. Zugänglich und abweisend zugleich. Wer will schon so eine komische Kombination probieren, wenn man einen richtigen Hochlandsoolong Lishan hat? Ich verstand ihn nicht wirklich, wollte unbedingt welchen mitnehmen. Weil ich dachte, dass ich auf ihn warten kann und ihn auch verstehen könnte. Vielleicht erst in paar Jahren.

Als Jörg aus Frankfurt kam, als Jürg und Carola zum Essen waren, als Romeo vor seiner Abreise mich besuchte, waren sie alle entzückt von dieser Kombination. Eigentlich habe ich nur für mich gekauft um auf ihn zu warten und für die Besucher aus der Ferne aufgegossen ohne ein Gedanke zu haben. Sie wollten unbedingt ein bisschen von ihm. Ein bisschen von meinem seltsamen Lehrer, der spielend in dieser Welt mit Tee durchquert. Oder ein bisschen von dieser liebvolle sonderbaren Kombination…

Nachtrag: dieser Tee hat vier „Extreme (Raritäten)“: die höchte Lage des Teeanbaus auf Formosa – 2600 M.ü.M.; von Fruchtfliege befallenen Blätter, die sonst aussortiert werden. Denn es erschwert die Herstellung, diese Art von Blätter zu verarbeiten; einen sonnigen Tag im Hochlandgebirge im Oktober 2007; Übers Holzkohle geröstet von einem von den „besten“ Tee-Önologen auf Formosa.

Der eiskalte Oriental Beauty – Tee im heissen Tag II

Im Sommer 1904 erlebte man auf dem Expo in St. Louis die unerträgliche Hitze einnes Rekordsommer. Der Teestand, dessen Aufgabe Amerikaner vom Grüntee zum Schwarztee verführen sollte, konnte kaum Publikum zum heissen Schwarztee überzeugen. Richard Blechynden musste dringend eine Idee finden, um seine Mission zu retten. Er schüttelte Eis in den heissen Tee, der sekundeschnell gekühlt wurde und sofort rege Zulauf fand. Das war der Anfang des Eistee.

1980 war der Verbrauch vom Eistee mind. dreifach höher als der heisse Tee. Lu Yu hätte wohl nie gedacht, als er Cha Jing schrieb. Er hätte nie gedacht, dass man aus dem heissen Zaubertrank zum kalten Durstlöscher revolutionieren würde. Er hätte nie gedacht, dass diese Verwandlung ein riesen Bussiness versprechen könnte!

Für einen Fossil-Chinese ist der Genuss mit eiskalten Dingen immer mit Vorsicht geboten. Aber in der modernen Zeit ist der eiskalte Genuss ein Versprechen von Frischen und Fortschritte.

In Taiwan wird Tee im heissen feuchten Sommer auch gerne kalt getrunken. Unser Rezept wäre: 2 Liter Wasser im Zimmertemperatur und 30g Oolongtee mischen. Direkt in den Kühlschrank 6 Stunde ziehen lassen. Die Teeblätter werden danach gefiltert. Der fertige Tee könnte man für 3 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Mein Lehrer in Taipei hat am liebsten den eiskalten Oriental Beauty im unerträglichen Taipei-Sommer. Die honig Note und feine fruchtige Nuance vertreiben die nervigen Hitze und Plage sofort aus dem Kopf. Was bleibt, ist der königliche Genuss wie die einstige Viktoria!

Wenn man gerne das Volkssport im Mitteleuropa treibt, könnte man den Eistee im Eisfach kühlen lassen. Vor der Abreise zum Wandern wickelt man ein Tuch um die Plastik-Flasche. Bei der Wanderung taucht der langsam auf und das inzwischen eiskalte Tuch gleicht den Genuss von Osibori (ein Tuch für Kunde um sich zu erfrischen, meistens eiskalt oder heiss) in einem richtigen japanischen Restaurant!

Natürlich könnte man den königlichen Genuss bis ins Details nachmachen. Zucker im Tee war die Machtdemonstration der einstigen Zeit. Das goldwerte Zucker und der rare Tee aus China präsentierte eine Mischung von dem außerirdischen Genuss und der Sehnsucht nach Paradies. Heute ist jeder der König in eigenem Schloss und der königliche Genuss ist heute richtig volksnah!

Formosa Dongding 1977

Das Flug war nicht ohne Turbelenz. Ich bin angekommen, aber mein Kopf ist irgendwo noch hängen geblieben. Vielleicht weiss er, dass er wo anders mehr Spass hat als im kalten Europa.

Da mein Kopf nicht mitkommen wollte, vergass ich in Zürich-Flughafen meinen zweiten Koffer. Wie könnte es so etwas passieren? Ich war nur fixiert auf einen schweren Koffer, der mehr als 30kgs wog und dachte nur an die Person, die seit zwei Stunde vergeblich auf die Landung wartete. Das Flugzeug hatte eine Panne beim Starten und es verursachte eine brutale Verspätung. Ich bekam ziemlich schnell den schweren Koffer, schnappte meinen Suntorys und versuchte so schnell wie möglich und so harmlos zu erscheinen, um das Zoll zu passieren. Erst am nächsten Morgen beim Aufwachen merkte ich, dass ein Kofferchen vergessen wurde! In diesem Koffer sind viele Sehnsüchte eingepackt! Sehnsüchte von Jörg, von Hans und Madleine etc. Den Dongding 1977 wurde liegen gelassen! Was würde dann passieren, wenn der Koffer einfach in den Menschenmenge verschwinden würde? Ich stellte mir es vor, wie Jörg seufzte.

Aber der Dongding 1977 will unbedingt zu mir mitkommen, bzw. auch zu Jörg nach Frankfurt. Ich fand ihn wieder in Lost and Found. Der Mann lachte mich aus, dass ich wohl meinen Kopf nicht nach Zürich mitnahm. „Sie haben vollkommend recht. Mein Kopf hat mich verlassen. Er mag Zürich nicht. Einen schönen Tag!“ wünschte ich ihm. Die Dinge suchen uns aus, nicht umgekehrt – das bin ich überzeugt.

Heute fand ich endlich Zeit, diesen zu uns gefundenen Dongding 1977 aufzugiessen – mein letzter Tee war ein Hongyu in Taiwan bei meinem Lehrer. Er testete mich mit drei verschiedenen Hongyu, der Preise 2007 gewannen. Ich wurde aufgefordert, die drei Tees zu plazieren. NATÜRLICH bestand ich den Test. Ich liebe diesen Hongyu (ein Schwarztee), der leicht nach Zitrus und Pfefferminz duftet und eine Mandelmilch-Note hinterlässt.

Dongding 1977 ist hervorragend gelagert – sehr sauer, kein Fremdgeruch, so dass man die Verwandlung eines 30 jährigen Tees sehr gut beobachten und erleben kann! Die salzige pflaumige Noten präsentieren uns die typischen Dongding-Note und sind markanter als der Dongding 1981. Der Aufguss fließt seidig in den Mund und bildet eine starke Oberfläche-Spannung. Fast wie Liquor. Nach 20 Minuten verflog das Pflaumige (wie Umeboschi), bleibt nur das leicht nach Biscuit ohne Vanilin duftende Nuance (vielleicht würde ein Deutsche es als brotig behaupten?) Der Aufguss ist sehr dezent, sanft und wirkt wie Balsam im Gaumen. Schmecken tut er nicht mehr auf der Ebene wie ein frischer Oolong, der aktiv und aromatisch ist. Er schmeckt sehr zurückhaltend und noch leicht fein pflaumig. Mit der Wortschatz von Zhou, Yu, er würde sagen, dass das Qi von diesem Oolong uns beruhigt und Frieden bereitet. Mein Lehrer mag solche Kommentare nicht. Er sagte mir lediglich, dass dieser Tee uns einen feinen eleganten Dongding präsentiert, der einen Höhepunkt des Tee-Erleben ermöglicht. Wenn man das Mögliche an einem Oolong erleben und erfahren möchte, würde man an diesem Tee nicht vorbei kommen.

Auch der Fondmanager will ihn nicht verpassen, aber er will diese rare Chance für sich behalten. Er sagte vor einer Woche zu mir, dass die geliebten Tees seine Konkubine seien. Konkubine hebt man eben auf, um sich zu vergnügen und seine eigene Machtstellung vor anderen zu präsentieren anstatt sie zu verehren.

Dongding 1977 wartet auf seinen Kenner. Ich habe nicht viel vor dem Fondmanager retten können.

7. 4. 2008 in Mingjian II

 

FormenTee erhitzen, um Blatter weich zu machen. Dann koennen weiche Blatter geformt werden.

7.15 am 7.4.2008

Ich wurde geweckt. Eigentlich war ich frueher wach. Die Voegel waren so laut. Aber sie verstand, dass ich ein Fremde war und besuchte mich nicht.

Als ich unten vor dem Hof war, fragte mein Lehrer mich sofort, bevor er mich gruesste: „was riechst Du?“ Ich fuehlte mich ueberfahren! Was sollte ich denn riechen. Ich hatte Hunger und war nicht wach. Also was sollte ich denn riechen? „Honig?“ Er freute sich, „was noch?“ „Ich weiss nicht!“ „Pfirsich!“ Ach! Der Phoenix! „Ist er schon fertig? Warum habt ihr mich nicht geweckt?“ „Das riecht man doch, wenn man aufmerksam ist!“

Der alter Chen pflueckte gestern den allein stehenden Phoenix Baum und erhitzte ihn heute morgen um 6 Uhr in seinem Wok in der Kueche. Dann rollte er mit seinem Fuessen die erhitzten Teeblaetter, wie seine Vorfahren. All das habe ich verpasst! „Du haettest mich wecken sollen!“ ich war sauer. Die zwei alten Maenner fanden es lustig.

PhoenixDer alte Chen pruefte seinen Phoenix, wie weit das Welken schon fortgeschriten war. 6.4.2008 16.50

Der Phoenix lag bereits im Ofen. Wir fuhren weiter zu Aming.

8.00

Aming schlief, waehrend seine Frau arbeitete. Ein junger Mann war dabei, ihr zu helfen. Ein Formenmeister. Mein Lehrer liess unseren Tee nicht formen. Er vertritt der Meinung, dass das Formen eine Kosmetik beim Tee ist. Nutzlos. Ausserdem teuer.

Formen 3 

Formen 2

Die heissen Teeblaetter werden in einem Sack gefuellt und dann stabilisiert. Anschliessend in der Maschine gedreht. So, koennte der Tee eine Kugelform bekommen. Dieser Vorgang wird wiederholt bis die Form stabil bleibt. 6 Stunde beansprucht es. Danach wird der fertig geformte Tee getrocknet und an Teelaeden verschickt. Heute wird der Tee einfach weiter verpackt und verkauft. Mein Lehrer verarbeitet nach der Tradition weiter mit Roestung.

Jianzhi

Wenn alles fertig wurde, bevor der Tee verpackt und verschickt wurde, wurde Jianzhi – das Trennen von Stange und Blatt getaetigt. Furher machten die Haende und Augen der Frauen, die sich treffen und quatschen. Heute benoetigt man nur eine junge Frau, die schweigend ihre Arbeit macht, wenn der Computer uebersieht. Das ist Fortschritt.

14.00

Der Phoenix von dem alten Chen wurde fertig getrocknet. Wir packten ihn fuer die Rueckkehr mit. Der erste Aufguss dieses Tees tranken wir im Auto! Obwohl er noch nciht geroestet ist, schmeckte er bereits hervorragend! 

16.50

Ich kam endlich nach Hause.

16.00 am 8. 4. 2008

Die Leute packten fuer mich die neusten Ernte von Biluochun. Ich half sofort mit. „Du bist da! Ich schimpfe gerade ueber Dich.“ „Warum denn?“ „Sie hatte keine Kraft und konnte nichts Anstaendiges machen.“ sagte mein Lehrer zu anderen. „Im Europa muss Du zum Fitness-Zentrum gehen. Im November schicke ich Dich eine Woche nach Lishan. Dann muss Du richtig arbeiten.“ „Aber“ ich meinte es wirklich ernst, „was machst Du dann mit dem Tee, den ich mache? Diesen Tee kann man doch nicht trinken!“