Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Annai Nashi ni – Unangemeldete Überraschung

Unangemdelte Überraschung erlebte ich gestern. Gestern in dem Oolongseminar.
Für viele Leute bin ich ungewollt jemand geworden, der sich mit Tee auskennt, ein so genannter „Meister“. Für mich ist dieser Status nicht sehr bedeutend, manchmal ehr lästig, denn es eine Projektion bedeutet und ich diese Menschen bestimmt enttäusche. Ich schreibe dieses Blog, weil ich es will, weil es mir Spass macht. Manche meinen die Länge des Blog ist zu lang – ich lächele meistens entgegen – geht es mir dabei etwas an, wenn sie es zu lang finde? Lese es einfach nicht, sagte ich. Manche finden es ganz toll. Ich finde es auch ganz toll, weil ich es gerne mache. wenn meine Arbeit nicht nur mich inspiriert, sondern auch viele anderen. Was will man mehr?

Den Ärmel als Hut –
ganz unangemeldet kam ein
kühler Regenguss.
SADA

Im späten Herbst geniesst man noch die letzten Sonnentagen. Aber wenn ein kühle scheuer kommt und uns den Winter verkündet, zeige ich das Überrascht-Sein. „Ach, tatsächlich. Es ist vorbei…“ Ich stehe im Shui Tang schaue die vorbei ziehenden Menschen an, die ihren Ärmel als Hut nehmen. Manche kommen in die Tür und seufzen.

In diesem spätherbstlichen Oolongseminar wollte ich die Vielfalt des Formosa Oolongs veranschaulichen. Damit die Teilnehmer nicht nur intellektuell imaginiert, die Power Point anzuschauen, sondern selbst zu erleben, gab ich mir Mühe eine Runde zu degustieren. Irgwndwie wollte ich zu viel und diese Runde war mit 9 verschiedenen Sorten ausgestattet. Es war richtig grausam!

Nicht nur grausam für die Anwesenden, sondern auch für mich! Aber ich dachte, das schaffe ich schon. Schliesslich kenne ich ja meine Metier. So glaubte ich es.
In diesem Runde gibt es auch der frisch eingetroffene Ernte von Muzha Tie Guanyin, der fest in meiner Erinnerung sitzt. Da ich keine Zeit hatte, ihn vorher zu verkosten und so fest davon überzeugt bin, dass ich diesen Tee kenne, gab ich ihn in diese Runde.

Dann kam die unangemeldete heftige Überraschung! Ich erkannt diesen Tee nicht! Fast verzeifelte zählte ich die Schalen und der Muzha Tie Guanyin war nicht zu finden! Die vielen Augen schauten mich an, ich konnte nichts anders zugeben, als so wie es war. Es stimmt was nicht, sagte ich – eigentlich stimmte es etwas nicht mit mir, anstatt mit dem Tee! Dieser unerkannte Tie Guanyin ist überraschend wenig fermentiert. Dieser unerkannte Tie Guanyin ist nicht so stark geröstet wie ich ihn in der Erinnerung hatte. Was ist los mit mir?

Nachdem meine Migräne heute morgen langsam abklingte, rief ich meinen Lehrer Atong an. „Ist dieser neue Tie Guanyin aus Muzha?“ „Ja.“ „Aber er ist so anders.“ „Er ist nicht anders. Er ist anders als Du denkst!“lachte er „ja, das Material ist anders, Menglin. Er wurde nicht so stark fermentiert und das Material duftet unglaublich schön, so dass ich ihn nicht so stark röstete. Du muss nicht das Endergenis lernen, sondern den Prozess!“ Ich dachte Tee zu lernen, ist die Erscheinung zu speichern. Nun zeigt mein Lehrer mir eine andere Dimension, die ich bis jetzt verweigert zu sehen. Das Material lernen, nicht statisch an die Erscheinung festhalten. Wenn ein Tie Guanyin schön blumig gemacht wurde, kann man ihn leichter rösten, so dass diese Schönheit anders glänzt. Aber ein Tie Guanyin ist ein Tie Guanyin, wenn man seinen ursprünglichen Duft und Geschmack tatsächlich speichert, wird man nicht verwirrt durch die bizzaren Erscheinungen. Man erkennt die Essenz! Dann muss ich jetzt sagen, ich bin noch nicht so weit!

Nach dieser kühlen heftigen Schauer, geht das Leben weiter. Der Anfängergeist ist so von Bedeutung, dass einige Überraschungen mich noch auf dem Weg warten werden. Diese Überraschungen werden mich immer wieder auf dem Boden holen und ich werde jedesmal seufze, „Ach, Anfängergeist!“

Banana, grüne Banana!

Atong und meine Mutter teilen ähnliche Schicksale als ein Kind aus dem armen Südtaiwan. Sie kannten den Hunger und Verhungern. Ich nicht.

Wenn Atong von dem grünen Banana spricht, wenn er einen schlechten Oolong erwischt, schimpft er über meine Generation und wird sentimental. Er sagte mir immer, dass dieser Oolong schlecht sein, weil er nach grünem Banana riecht und den rauen Nachgeschmack eines schlechten Banana im Mund hat. Für mich bedeuten solche Worte nichts. Ich mag Banana nicht!
Es gibt und wächst überall Banana auf Taiwan. Es ist nichts besonders an dieses Frucht! Meine Großmutter kaufte immer ein ganzes Stauden und lagerte sie im Reistopf. Sie, Bananas und Reis helfen sich gegenseitig, meinte meine Großmutter.

Meine Großmutter hatte 7 Kinder als eine Alleinerziehende. Drei Kinder sind verhungert. Vier überlebten. Eine Schwester meienr Mutter starb wegen Banana. Es wurde erzählt, dass sie eine reife Banana fand und Angst hatte, dass andere Kinder sie vor ihr wegschnappen konnten. Sie ass dieses Frucht so schnell und sie hatte so ein Hunger, dass sie erstickte.
Ach, wie könnte ich diese Geschichte vergessen? Wie kann ich das Frucht mögen?

Wenn Atong zu viel von seiner grünen Banana erzählte, fragte ich ihm zurück, „wie so isst Du nicht die reife Banana? Warum quälst Du Dich mit solchen unreifen Früchten?“
Er wurde sentimental. Er sagte, er habe nur solche unreife Früchte finden und essen können. Er fand sie noch unreif am Baum, bevor andere Kinder sie wegschnappten. Er grabte ein Loch im Garten, versteckte er seine Banana, die grünen. Als ein ungeduldiges Kind schaute er jede Stunde an diesem Loch vorbei, um zu kontrollieren ob die Banana schneller reifer werden konnte. Er sagte, die Banana wurde so oft gedrückt, so oft kontrolliert, dass sie zwar immer noch grün bleibt, aber so weich wurde. Er musste sie so schnell essen bevor die Insekten und andere Kinder sie finden konnten!

Manchmal denke ich, dass er seine Abneigung gegen die grünen Banana auf die bestimmten Oolong übertragen hat. Ich wurde einmal gezwungen, die grünen Banana zu kauen. Er stoppte mich, als ich sie schlucken wollte. Er stoppte, weil er es ungesund fand, solche Früchte zu essen. Auch meine Mutter wollte nicht, dass wir die Dinge essen, wie sie als Kind. Sind Ihre Kindheitserfahrungen für eine bestimmte Generation reserviert? Ich weiß es nicht.

Aber ich weiß, dass es bestimmte Dinge vorbei sind, weil es vorbei ist. Und es gibt bestimmte Dinge im Leben, salzig schmecken kann wie die Tränen – sie kristarisieren sich und so sauer und süss wie Ferment riechen – sie fermentieren im Körper weiter.

Atongs special

Jedesmal wenn Atong uns versucht zu erklären, wie ein schlechter Oolong sein kann, gibt er uns ein Stück unreife Banana! Alle Mitreisende im letzten Jahr mussten ein Stück unreife Banana essen, um ihn zu verstehen. Jedesmal wenn er mir erklären wollte, wann der Zeitpunkt der Fermentation beendet werden sollte, gab mir zu wissen, es sei wie reife Banana duftet. Mein Lehrer versteht nicht viel von Pädagogik. Aber er versteht, dass man eine Kultur nicht in eine andere verpflanzen kann und man eine Lebenserfahrung nicht einem anderen erzwingen kann.

Seit Wochen hört er nichts mehr von mir. Ich habe zu wenig Ruhe, zu wenig Raum für ein Gespräch mit jemandem, der mir viel bedeutet. Seit ich mich nur mit Shui Tang beschäftigt bin, beschäftige ich mich nicht mehr viel mit meiner Entwicklung des Tees. Ich mache kaum noch Fortschritte. Ich schwimme im Routine. Mit diesem Zustand kann ich mit meinem Lehrer nicht sprechen. Er rief an und fragte nach mir. Sicher hat er keine Erwartung von mir, aber ich habe meine.

Meistens bereite ich den Tee zu, was mein Gegenüber verlangt. Für mich selbst mache ich nur noch Dianhong daheim und Pu Er im Hintergrund. Mein Körper verlangt nach der Einfachheit, nicht nach Vielfalt. Die Vielfältigkeit des Oolongs bekommt er nicht. Der Körper ist im Moment müde.

Viele Leute sagen, dass Shui Tang ein Oase ist. Ich verneine es.
Wenn es ein Oase gibt, gibt es auch eine Wüste. Ist die Stadt Zürich eine Wüste, so dass Shui Tang ein Oase bedeutet? Wenn es so ist, dann sind wir alle mitverantwortlich für die Wüste!
Nein, Shui Tang ist ein Nebenraum, ein Wohnzimmer oder ein Nebenzimmer in Zürich. Jeder kann in den Raum eintreten, sich dem Tee widmen und dann wieder in den anderen betreten! Fliessend.
Ich will kein Oase in der Schweiz schaffen – denn es würde bedeuten, etwas Fremdes in einem fremden Kontext zu verpflanzen. Einfach nur ein Nebenraum neben einem anderen Raum. Es gibt nichts Dualistisches.

Mein müder Körper erholt sich gut, wenn er zwischen den Räume übergehen kann. Wenn alles fliesst. Wenn der Geist nicht mehr viel unterscheidet. Dann riecht er wieder gerne Faccetten von Oolong! Heute kam Holger wieder, immer extra eingereist aus Tübingen. Für den seltenen Gast holte ich gestern frisch eingetroffenen Atongs Specials! Atong hat in diesem Sommer zwei wunderschönen Oolong gemacht, kostbar und wunderbar. Er möchte, dass diese beiden Tees gelagert werden sollen. Denn sie gewinnen noch mehr durch die Reifung, und mit der Zeit!
Ich goss Holger den schönen Special Fancy Oolong. In dieser Gelassenheit und Harmonie- wenn ein Teefreund aus der Ferne, Dich extra besuchen kommt, dachte ich in den schönen Tropfen die Banana zu trinken! „Ach, Reife Banana!“ seufzte ich. „Ja, sehr reif.“ sagte er. Ich höre wieder, wie mein Lehrer spricht…

Der Duft des Paochungs 包種的茶香

Was ist Deine Muttersprache? Deutsch oder Schwizerdusch?

Was ist meine Muttersprache? In Taiwan meinen wir nicht Muttersprache, sondern die Sprache von meiner Großmutter – A Ma e wei 阿媽的話.

Paochung ist ein Tee, den selbst meine Großmutter ihn auch kannte. Aber sie kannte ihn noch als ein duftender klarer Tee, der nach leicht öffnender Blüte – zart, subtil duftet.

Wie jedes Kind aus Taiwan meiner Generation wuchs ich bei meiner Großmutter. Sie sprach nur Taiwanesisch und schrieb nicht. Während meine Mutter tagsüber die Kinder des anderen erzog, waren wir daheim zwischen den Häusern. Meine Großmutter war streng und herzlich; launisch und lieb; gemein und großzügig. Ich wusste nicht, wie ich sie einordnen sollte und war überzeugt, dass sie es selbst nicht konnte. Sie hatte Zuckerproblem und konnte das Süße des Lebens nicht genießen. Wenn sie anderen Menschen zum Spielball ihrer Laune machte, wenn sie selbst zu ihrem eigenen emotionalen Spielball wurde, schwor ich als ein kleines Mädchen NIE so zu werden wie sie. Aber ich habe sie in mir. Ich weiß.

Großmutter hieß „A-pang 阿香“, auf Taiwanesisch „der klare Duft“. Sie wurde zwei Male als Kind an andere Familie übergeben und wusste eigentlich nicht ganz genau, wer ihr tatsächlicher Vater war. Ihr Schicksal war genau wie viele andere Mädchen in ihrer Zeit – als ein kleines Mädchen an andere Familie weiter gegeben. Hat sie eine Heimat?

Mein Leben in Shui Tang ist schön und hart. Ich hatte vor allem sehr viel Zweifel – Zweifel an dem Teller, wo ich darin stecke, mein Zweifel an meine Handlungen, ob sie in dem mittleren Weg liegen, Voller Zweifel ging ich mit HP essen, sehr gut essen an einem sonnigen Abend. Mein Mentor merkte es und fragte mich nach meinem Heimat. „Hast Du eine Heimat?“ Er habe welche, sein Zuhause, seine Musik und seine Literatur. Dort schöpft er seine Kraft und erfrischt seinen Geist.

Habe ich eine Heimat? An jenem sonnigen Tag in Zürich, roch ich die frisch blühenden Wistaria, zarte Flieder und viele leicht öffnende Knospe. Der Frühling ist angekommen in meiner neuen Heimat, Zürich. Shui Tang ist mein Versuch, Wurzel in einem Boden einzuschlagen. Und vielleicht kommt paar kleine zu öffnenden Knospe bald hervor. Wo habe ich sonst meine Heimat? Ich weinte und die Tränen tropften in die gefallene lila Blüte der Wistaria. In Zazen bin ich zu Hause, im Tee bin ich angekommen. Wo habe ich sonst meine Heimat? In dem Zuhause meiner Großmutter.

Der Tee Paochung (Baozhong) verbindet mich stets mit meiner Großmutter Apang. Dieser traditionsreiche Tee riecht heute häufig nach Gemüse oder Grass. Er wird zum Grüntee konvertiert. Grün, grasig und utra leicht. Mit Hilfe von Klimaanlage versucht man heute den Welkensprozess zu übertreiben, um das „Grüne“ im Aufguss zu erzeugen. Weil das Welken sehr lang dauert, so dass die Blätter vertrocknet sind und nicht richtig erhitzt werden! Deswegen sind der Aufguss häufig trüb, grasig (was man im Europa mit „Frisch“ verwechselt) und fade. Und dieser Tee wird nun überall nachgeahmt – in Thailand, in Indonesien und in China. Hat Tee auch eine Heimat?

Als es dem Großvater gut ging, begleiteten meine Großmutter viele Dienstpersonal und das Haus war in dem berühmten japanischen Vierteil Zhongshan Beilu. Als es dem Großvater bergab ging, kehrten sie wieder zu dem alten Stammhaus zurück und dort starb sie. Wenn ich meine Schwester fragte, ob sie ähnliche Erinnerungen von diesem alten muffigen Haus wie meine hätte, schüttelte sie ihren Kopf. Waren wir tatsächlich aus dem gleichen Haus? Unsere Kindheit ist bereits vergangen, aber die Erfahrungen mit meiner Großmutter bleiben in meinem emotionalen Speicher. Das alte Haus ist eine imaginäre Heimat geworden. Je älter ich werde, je präsenter es wird. Langsam bin ich fähig, meine Kindheit zu verarbeiten, zu artikulieren und sie in einem Zusammenhang zu verstehen. Ich bin nicht anders als alle anderen Taiwaner auf dieser Insel. Unsere Geschichte ist miteinander verflochten.

Tee dient als ein Ferment in diesem ganzen Prozess. Als ich dem Paochung Premium vor paar Wochen endlich auspackte und selbst ihn aufgoss, stand meine Großmutter wieder vor mir. Diesmal in Shui Tang. Zart duftend wie Flieder, klar wie der Frühlingsbrise und so charmant wie die Wistaria am Hauswand von Shui Tang! Geschmeidig und sanft wie Seide!

Ich kenne meine Großmutter in mir, aber ich habe mich anders entschieden als sie. Ich bin freiwillig auf diesen Weg nach Europa gekommen und finde hier eine neue Heimat. Auch der Tee, hat nicht nur in China, in Japan oder in Indien seine Heimat gefunden, sondern auch im Hier und Jetzt.

Zheng Dongding Wulong Cha 正凍頂烏龍茶

Männer meiner Vaters Generation verwechseln Liebe und Pflichten. Männer wie er können nie nette Worte als Liebesbeweis aussprechen. Sie können das Negative und das Liebvolle nie auseinander nehmen.

Auch Männer in seiner Generation in der damaligen Gesellschaft Taiwans hatten ihre Romantik und Sentimentalität. Mein Vater heiratete meine Mutter aus Liebe. Er verpflichtet sich, die Familie zu ernähren, uns ein Zuhause zu geben, uns zusammenzuhalten, indem er auch gehalten wird. Eine Einheit, die zusammengehörig ist und sein sollte bis die Kinder mit ihren Flügeln das „Zuhause“ aufbrechen.

Für ihn ist die Liebe Pflicht. Pflicht, jemandem ein Zuhause zu versprechen, mit jemandem gemeinsame Wurzeln in einem Boden einzuschlagen. Nicht weiter zu wandern.

Viele Leute kamen zu Shui Tang verlangen nach Formosa Dong Ding Oolong. Dong Ding Wulong ist heute nicht mehr ein Name eines Tees, sondern eine Bezeichnung eines Wulong-Types. Eine Art von leicht fermentierten halbkugeligen Wulong, der heute sogar aus Thailand oder China kommen könnte. Was ist denn ein Dong Ding Original Wulong? Was sollte überhaupt ein „Zheng Dong Ding Wulong“ (Zheng bedeutet das „Originale“ )sein?

Ehrlich gesagt konnte ich diese Frage auch nicht beantworten. Was ist daran so besonders einen richtigen originalen Dong Ding zu erleben oder anzubieten. Nur Atong insistiert unbedingt diesen Tee als „Muss“ zu betrachen. Auf der Reise 2009 wollte er die Gruppe unbedingt in den Dong Ding Berg führen und unbedingt mir diesen Tee beibringen. Er sagte, „Dong Ding hat einen Dong Ding QUI 凍頂氣 – einen besonderen Geschmack, den nur Dong Ding hat!“ Er meinte, dieser Geschmack ist etwas Heimisches, etwas – für ihn, Taiwanesisches!

Mein Vater spricht nicht viel mit seinen Kindern. Überhaupt wenn ich nach Hause telefoniere, schiebt er das Telefon gleich an meine Mutter. Wenn er mit mir überhaupt spricht, dann schimpft er über die Entwicklung Taiwans. Er habe Sorgen, sehr viel Sorgen. Er sagte, wozu hat er sein Leben lang gekämpft, wenn seine Enkelkinder auf dieser Insel nicht mehr glücklich lachen und frei atmen können! Er verstand nicht, was die Menschen auf dieser Insel überhaupt zusammen hält! Er kann nie über Gefühle sprechen. Für ihn muss Dinge nie ausgesprochen und besprochen werden. Er unterdrückt sogar seine Emotion und trägt Trauer und Seufzer in seinem eigenen Bauch. Sehr ungesund und irrational für die anderen um ihn. Für ihn, gibt es nur das Einzige, was Menschen zusammen hält – Versprechung. Versprechung ist wie Pflicht – ich will dass Du hier sein kannst…

Atong weiss ganz genau, wo das Problem von Dong Ding ist. Das Gesicht von Dongding ist verwässert. Es kann nun alles sein – leicht fermentiert, grün wie Grass, aus China oder aus Taidong. Das spielt keine Rolle mehr, was der Tee schmeckt, hauptsächlich – er ist halbkugelig! Ja, die Form….

Die Form muss stimmen. Wer erinnert sich noch an dem Geschmack, den Dong Ding einst hatte und haben kann!!

Wer verspricht uns denn diesen Geschmack zu verpflichten?

Atong schimpfte einmal, wenn ich doch Yan-Yun 岩韻(FelsenGeschmack) verstehe, warum nicht Dong Ding Qui! Ich roch an den Tee, typisch Qingxin Wulong-Baum, elegant, lieblich und doch leicht distanziert. Selten gefällig und eher in sich geruht. Dongding ist nicht bekannt für seinen atemberaubenden Duft, er ist bekannt für seinen tiefgründigen Geschmack… Ich spüre einen Muskel auf meine Zunge, voller Kraft der Erde und Steinen. Vollmundig, aromatisch und kraftvoll. Es kann einfach nicht verwechselt werden mit dem Felsen in Wuyishan. Es ist etwas Einmaliges, was – diese Insel und nur diese Insel haben kann! Ich weinte.

Egal, wer Du bist; egal woher Du kommst, wir wollen irgendwie einfach nur sein. Irgendwie irgendwo wie zu Hause sein. Wir suchen das, was wir häufig als Zugehörigkeit verstehen.

Egal was für einen Tee, was für eine Zeit. Egal wie die Zeit sich ändert und wandert, wir suchen einen Geschmackt, der den Wechsel der Zeit und den Wechsel des Trends überdauert. Was ist das, das als Gegenpol in der Wechselhaftigkeit des Lebens sein kann?

Mein Lehrer Atong sucht und vergiss den Geschmack des alten Dongding nicht. Für ihn ist die Veränderung des Trends und Verschiebung der Vorliebe der Gesellschaft unbedeutend. Er sucht, eine Zugehörigkeit in dem Geschmack dieses Tees, der in seiner Erinnerung fermentiert ist – ein Geschmack wird zu seinem Gefühl des Glückes fermentiert.

Auf meiner Zunge ist die Kraft dieses Berges immer noch präsent. Der Geschmack ist bereits vergangen. Glücklich und zugleich traurig. Auch ich fühle mich wie mein Vater, der viele Dinge nicht mehr aussprechen kann und mag, und Liebe ist manchmal einfach wie ein Pflicht.

Dongding Su

Reisegruppe 2009 in Taiwan bei Teebauer Su im Dong Ding Berg.

Gestreckter Formosa Oolong

In der taiwanesischen Zeitung The Liberty Times machte es vieles klar, was die jetztige taiwanesische Regierung über Formosa Oolong denkt.

http://www.libertytimes.com.tw/2010/new/feb/22/today-fo5.htm

Formosa Oolong ist kein Kulturgut einer Tradition oder einer Gesellschaft. Formosa Oolong ist bloss ein Ware.

Die Beamte sind dafür, den Import Tee aus China zu erlauben. Es ist nichts dagegen einzuwenden. Erlaubt ist auch, den importierten Tee mit Formosa Oolong beizumischen. Auch eigentlich nichts dagegen einzuwenden. Erlaubt ist auch, die gestreckten Mischung als Formosa Oolong zu verkaufen, sofern die Händler die Proportion „klar“ deklarieren!

Was ist denn eigentlich Formosa Oolong? Eine Illusion!

Was bedeutet Identität? Was heißt Kulturgut?

Was kann Formosa Oolong noch werden? Ein Ausstellungsobjekt im Museum des Gedächtnis!

Wie kann noch ein Land werden unter solcher politischen Führung?

Die Teebauer auf Formosa weinen. Ich auch? Nein, ich bin wütend.

Ich danke Tsai-Weis Hinweise von diesem erschreckenden Nachricht.

Lishan Hochlandsoolong – Eine Alchemie

Meine Schwester und ich streiten immer auf der Reise, vor allem in Japan. Ich muss bei jedem Lackwaren und Keramik Geschäft rein schauen, wärhend sie bei jedem Kosmetik und Mode-Geschäft gestolpert ist. Sie belächert meine Zuneigung für „Hobby von reicher Tochter“, weil Teatoys für sie eben Freizeitsgeschäftigung für reiche Kinder sind. Ich verteildige mich damit, dass ich selten Geld für Kosmetik ausgebe, eben nur für Teatoys.

Ich habe nichts gegen Kosmetik, nur etwas gegen die verkaufte Vorstellung, wie eine Frau sein muss. Ich glaube nicht an die Illusion von weissen jungen Haut, sondern an eine andere. Ich kaufe Kosmetik von Alchemie. Ich glaube an Zauberstab und geerntete Blüte nach Sonne- und Mondphase. Eine treue Kundin bin ich von Lunasol. Zu Weihnachten habe ich mir Blütecremen von dem neuen Zauber gekauft. Eigentlich war ich ein wenig enttäuscht von den leisen Töne der Duft im Cremen. Ich liebe Rosen über alles, aber dieses Rosencremen duftet nur „latent“. Ganz anders als Weleda – ich rieche sofort ein Hauch von Rosenmeer…

Trotzdem trage ich ganz fleißig das Creme ein, denn es eine Konsistenz ist, die einfach für sich selbst spricht! Ob das Creme der Alchemie tatsächlich besser ist, war ich recht unsicher.

Genau so verstehe ich nicht, warum man auf Lishan Hochlandsoolong abfährt. Der Hochland aus Alishan ist für mich gut genug und rate stets meine Klienten diesen zu bevorzugen. Wozu Lishan? So teuer und nicht wesentlich viel besser als der Alishan! Bis vor zwei Tagen war ich fest der Meinung.

Walter kam mit seinem guten Kumpel ins Shuitang. Der unbekannte Mann war schwer zu knacken. Walter warnte mir davor – er sei ein Fall für Menglin. Er war mit Alishan Hochland nicht zufrieden, denn dieser Oolong mit ihm sprechen wolle. Er will aber keinen Tee, der ihn stört! Dann kritisierte er an Fancy Nostalgie, „Was für einen schweren Tee! Ich will etwas Leichtes!“ Ich bewegte mich nicht von all seinen Kommentaren. Ein Tee zum Bücherlesen, mehr nicht, sagte er. Einfache Formulierung verbirgt einen Anspruch auf Absolutheit – der Tee muss das machen, was ich will. Naja, so ein Typ wird nicht einen Tee begegnen, der genau so „einfach“ ist wie er.  

Ich packte den Lishan aus – nun sind wir bei Top-Ende gelandet. Langsam stieg der Duft in unsere Nase und errecihte unser Herzen. Sie seufzten. „Wie schön, schön elegant und voller Bergblütehonig!“ sagte der vorhin klagende Mund. Ich roch noch keine Blütenhonig, ich befand mich noch im Blütenmeer. Blumenwiesen an einem Berghang, waren es Birnenblüte oder Apfelblüten? Mein Vater hebt bis heute ein altes Foto von mir auf. Es war vor 32 Jahren, ich lächelte herzig unter einem Birnenbaum auf Lishan (Berg der Birne) neben dem Villa von Jiang Jieshi. Mein Vater eröffnete gerade sein eigenes Büro und lud alle Angestellte ein, eine gemeinsame Reise zu machen. Meine Schwester erbrach während der ganzen Autofahrt und mein Bruder schlief immer wie ein Angel im Muttersarm… Leicht, unbeschwert und entspannend wurden die Augen wieder geöffnet, blumige Süsse hüllte den Mund und die florale Frische klärte die Nase. Ich sass in Shui Tang, aber mein Herz bekam Flügel und war dort, wo es sein wollte…

Der Gast war glücklich, so glücklich zu wissen, dass sein Geschmack eben so teuer ist! Das ist auch eine Bestätigung für ein Ego, nicht wahr? Als ich wieder allein war, roch ich noch an die kalt gewordene Tasse. Ich hing immer noch an den Bergduft, an die Bergblumen und an die zarte Erinnerung der unbeschwerten Zeit. Plötzlich erinnerte mich der leise präsente Duft an den Duft auf meine Haut. Das leise Creme, gewonnen aus der ständigen Rühren zwischen Sonne, Mond und Blüten, durch die so genannte Alchemie wird es zu einem Vermittler zwischen Menschen und der Natur. Ich weiss nicht, ob die Alchemie wirksam ist. Mir ist es eigentlich egal. Es ist eine schöne Illusion zu glauben, ich sei auch in Blumen und Blumen in mir. Es ist ein wunderbares Moment den Lishan Hochland zu verstehen, dass dieser Tee auch wie ein Zauber wie Alchemie sein kann, Raum und Zeit zu versetzen. Ich bin in Zürich, in Shuitang und gleichzeitig mit meiner Familie in meiner Kindheit!

Eine Verwandlung eines Tees

Eine Verwandlung eines Tees

Kalt, nass und grau ist es im Moment in Taipei.

Zart, frisch und leicht ist ein Tee, der bei Atong gerade eintrifft. Was ist passiert und was wird danach, wenn er sich von Atong praegen laesst?

Wie wird ein Mensch, wenn er beginnt über seine Vergangenheit zu reflektieren und sich von Lebenslauf prägen laesst, anstatt davor zu fliehen?

Aiping lernt sehr fleissig Tee und wird gefordert, weil Atong immer mehr an seinen Rueckzug und seine weitere Entwicklung denkt. Er moechte sich irgendwann zurueckziehen. Gestern brachte Ceng, sein Schueler – der Fondmanager, ein Prospekt zu ihm und stellte ihm die Frage: Du hast nun zwei Wegen: 1. Geben Dein Know-How offen weiter und unterrichte allen Teebauer in Taiwan, um den Formosa Oolong in eine andere Dimension zu ermoeglichen: oder 2. Du verstaerkst Dein kommerzielle Interesse und beginnt tatsaechlich dein eigenes Marke zu vermarkten. DU hast nur eine Wahl. Atong lachte und sagte, er wolle sein Leben selbst steuern…

Heute gab er uns 4 Teemuster zu testen. Aiping gab stets ihre Kommentare, was fuer Probleme diese 4 Tees haben koennten. Sie dachte, diese Tees haben alle Makel. Er schlief im Stuhl, waehrend wir testeten. Ich weiss, dass Aiping besser ist als ich und wusste sehr gut, mich zurückzuhalten. Fuer mich haben diese Tees nicht unbedingt Probleme. Sie sind halt leise, aber ich bin eher der Unwissende in dieser Runde. Sie kommentierte ganzer Zeit und stellte stets fest, dass diese Tees langweilig und problematisch seien. Ploetzlich gab uns der schlafende Meister Kommentare: „Die Tees haben kein Problem, aber Du schon.“ Wir lachten zwar, aber verstanden nichts.

Eines war klar, dass diese beiden Tees Tie Guanyin waren, und aus sehr hohen Lage. Ich betrachte die wunderschönen Blätter und ihren festen Körper. Der Duft ist zwar leise, aber sehr präsent. Ich kann nichts dagegen und auch wenig dafür sagen. Atong lachte über unsere Vorurteile und Vorbehalt. Er sagte, diese beiden Tees seien sein Glück. Sie sind elegant und leise. Die kleine Fehler koennte er durch seine Roestung verbessern. Und das schlechte wird besser werden…

Wir, die kleinen Schüler schauten uns gegenseitig an und lachten über unsere Unfähigkeit. Ich bat noch mehr Lektion zu Roestung. Atong grinste und holte zwei Muster aus seinem Zimmer.

Man merkte sehr schnell, wo der Unterschied liegt. Ein Tee, der leicht noch nach geroesten Bohne duftet. Wenn man diesen Geschmack ueberwindet, oeffnet sich eine unglaublich farbhafte Welt voller Blumen, Furchte und Farbe! So nachhaltig! Ich rief, „Meister (Laoshi), hen Chijiu Ye (sehr ausdauernd…)“ Aiping lachte:“Ja, Meister freut sich, dass Du weiss – er sei ausdauernd…“ Diese sexuelle Anspielung brachten uns richtig zu lachen. Diesmal wurde der Meister zum Schweigen gebracht.

Der andere Tee zeigt uns sein zartes Glieder, feine Figuren und schmeidige Lächeln. Frisch, sehr blumig, leise und präsent… Aiping sagte, sie würde den ungeroesteten dem geroesteten bevorzugen…. 

Diese beiden Tees, von edeler Herkunft – dies ahnten wir von Blattform und seinem Aufguss. Wie sollte man denn einen edelen geroesten Tee beschreiben?

Jeder, der Atong kennt, weiss, dass er von politischem Korrektheit nichts versteht. Er sagte, dieser schoene ueber Holzkohle geroestete Lishan sei wie eine elegante Dame, von edeler Herkunft, intelligent, gebildet und hat vieles im Leben erlebt. Sie weiss, wie sie vom Leben gleiten laesst und was sie will und nicht will… Er schaute zu mir, „wie Du…“ Aiping ergaenzt, „Aber sehr teuer!“ Wir lachten zusammen.

Atong zeigte seine Feuerstelle. Er roestete gerade noch eine Partie von Lishan Hochland. Die weissen Stelle auf dem Korb wissen wir bereits, was das ist -  das durch Hizte in der Roestung kristalisierte Teein.

 

Alishan 1999

Es gibt bestimmte Dinge im Leben, die man nicht einfach hinnehmen will. Weil man es nicht will, muss man einen Abschied nehmen. Abschied von „Aber“.

Das Experiment in der Literaturhaus mit Pi-Chin war ein Erfolg. Der Saal waren voll, das Publikum liess sich mitreissen und eine schöne Atmosphäre hielt das Publikum den Gang des Heimwegs. Es war ein wunderbares Erlebnis mit dem besten Artist zusammen zu arbeiten! Pi-Chin ist super.

Als ein begabtest Kind in der Musik-Wüste Taiwan geboren bekam Pi-Chin Stipendium in den Westen. Weil sie wußte, wie schwierig der Weg der Musik sein kann, lehnte sie ab, das Traumjob an dem Zurcher Oper zu arbeiten. Wahrhaftig zu sich selbst ist ein absolutes Ja, dann gibt es eben kein „Aber“, bloss um Pension und scheinbare Sicherheit zu erhalten. Es gibt nur ganz wenige Musiker in ihrer Generation, sagte sie mir einmal, die gemeinsam in den Westen kamen und heute noch von Musik leben. Ein unsicheres Leben, abhängig von Anfrage und Strömungen, nimmt sie im Kauf, nur um die Musik zu machen, die ihr bedeutet. „Das Leben als Musiker ist hart. Nur die Besten könnten überleben.“ Ist es anders beim Tee?

Wir wissen, wenn wir den Weg A nehmen, dann kommen wir automatisch in B an. Aber wir wollen es nicht einfach so in B ankommen. Wir gehen bewußt in den Irrweg, landen in C und strandet bei D, am Ende erreichen wir vielleicht B. Wir nehmen es im Kauf, in Odysee zu gehen. Weil es im Leben nicht bloss Sicherheit und steile Karriere gibt. Es gibt noch etwas anderes Wertvolles – die Erfahrung des Odysee.

Roger wollte erfahren, was ich in der Degustationsnotiz von Alishan 1999 mit Shortbread und Whisky meinte. Ich war offen für jegliche Kritik. Denn diesen Tee zu beschreiben, hat mir tatsächlich viel Zeit in Anspruch genommen. Vor einem Jahr, als ich diesen Tee zum ersten Mal trank, dachte ich „WoW“! Als ich zum zweiten Mal trank, war ich eher verwirrt. Als ich dann Dongding 1999 kennen lernte, war ich nicht mehr sicher, dass ich den gelagerten Oolong tatsächlich verstand. So fremd.

Was ist daran so fremd? Ich fand kein Wort. Ich fragte mich, wo bist Du denn? Ich wäre am Meer! Am Meer, am Pazifik. Warst Du einmal an Pazifik? Es erinnerte mich einfach an das Meer, das Algen und die Meeresbrandung. Der Duft dieses Tees ist jedoch so intensiv, trocken und bitter süss. Shortbread – ich liebe das buttrige Gebäck, fett und süss. Das macht mich glücklich.

Magst Du denn diesen Tee? Ich kann diese Frage nicht antworten. Es gibt Dinge, die jenseits von dem Geschmack liegen, jenseits von Mögen und Abstossen. Fast absolut. Fast religiös. Nur Dankbarkeit und Demuth.

Ich bin kein Freund von moderner Musik – überhaupt verstehe ich zu wenig von Musik, um über sie zu sprechen. Pi-Chin lud mich ein, um ein Konzert von moderner Musik zu besuchen. Sie warnte mir, laut und laut. Es war wunderbare Stunde voller Farbe und Klänge. Klänge sind eben nicht Geräusch. Klänge sind bedeutungsvoll und diszipliniert. Ich atmete mit, dachte nicht. Manchmal sah ich farbvolle Feen im Wald, manchmal tiefste dunklste Stimme aus dem menschlichen Herzen – aber auch dies hat einen Platz unter der Sonne. Ich spürte die Freude der Musiker, diese Klänge schwingen zu lassen, ihr Freude überhaupt am Leben zu sein. Es ist schön, Musik machen zu können! Es ist schön, es zuhören zu können! Als Maurice Ravel „Trio en la Mineur“ im Raum lebte, überwältigte mich ein starkes religiöses Gefühl. Fast hätte ich nicht geweint. Diese Klänge machten mir eines klar: weil es F ist, kann es nicht G sein. Weil Du ja sagst, gibt es kein Aber. Ein Oolong ist eben ein Oolong. Es kann nicht so und so sein. Es war so absolut, fast kein Weg führte mich zurück.

Meine Notiz zu Alishan 1999

Der A Li Shan 1999 verzaubert uns zuerst mit seiner floralen Anmut. Bald werden die Meeraromen, die Algen, das alte udn pflanzliche der Algen stärker. Eine Note ähnlich, wie wenn man ein Glas Whisky am Meer trinkt. Der Abgang ist süss und intensiv, als hätte man in ein Shortbread gebissen und es mit einem Schluck Whisky heruntergespült, während das Urzeitliche des Meeres präsent bleibt.

Baxian 八仙單欉水仙

Manchmal können die Dingen den zweiten Anlauf nehmen, scheitern aber an dem gleichen Punkt. Im Labyrinth der Gefühlswelt und der Menschen wird man wohl das gleiche Muster weiter wiederholen, bis man die Zusammenhänge einmal verstanden hat. Ein vermeintlicher Stich erzeugt einen anderen. Wir haben nichts von der Vergangenheit gelernt.

Als ich im Frühling 2006 den Baxian zum ersten Mal probierte, rünfte ich meine Nase. Dieser Tee sollte nach Pfirsich und Aprikose duften. Ich roch nur Fisch, Faulness und Laub. Vor allem erinnert er mich an meine Neujahreserlebnisse meiner Kindheit. Meine Großmutter kochte im 1.1. immer ein spezielles Senfgemüse, das mich genau an Faulness und Laub erinnerte. Das Gemüse sollte Glück bringen. Ihr Laune war nicht besonders glücksbringend und ihr Gemüse war im Auge eiens Kindes weniger als ein Glück.

Gerstern war ein ruhiger Tag. Plötzlich kam jemand in den Laden hinein spaziert, mit einer Sonnebrille und einem T-Shirt. Ich dachte, dieser Sunnyboy hat sich geirrt. Plötzlcih rief er „Miss Chou!“ Ich musste laut lachen. Ich kenne diesem Gestalt eigentlich immer nur mit Anzug und Kravatte und ich dachte er sei noch auf der anderen Seite des Erdkugels. Er sei vor paar Stunden firsch angekommen und morgen jettet er wieder in eine andere Richtung. Ja, ich roch noch sein Jetleg. Auch wenn wir uns im Moment seltener sehen und Gespräche meistens das Private ausklammern, weiß ich, dass er tief in mich schauen kann. Er scannte mich ein, auch jeden Fugen voller Schmerzen. Ich sagte, ich sei müde. „Du wußte, dass Du mich jeder Zeit anrufen kann. „Ich bin gut erzogen und störe niemanden bei der Arbeit.“ Ganbate (Gebe nicht auf), Menglin, schrieb er mir vor einer Woche. Dann erzählte er mir voller Freude, wie er mich zum ersten Mal gesichtet hat, wie ich Champus ein Glas nach dem anderen trank. Er wollte unbedingt meine Eltern in paar Wochen kennen lernen, weil sie zu meiner Einweihung kommen. Ich schüttelte meinen Kopf, ich wäre nicht scharf auf seine kennen zu lernen. Wie ein Sturm verschwand er wieder von meinem Horizont, aber ich lachte.

Es ist so, wenn man einen öffentliche Funktion hat, beobachtet man das Kommen und Gehen von Menschen. Ich frage nicht nach warum. Manchmal berüht man eine oder den anderen. Man lernt verschiedene Gestalt kennen und lerne, sie kommen und gehen zu lassen.

Ich lerne auf den Weg viele interessante Tee kennen. Es ist mir zwar bewußt, dass der Tee meine Reife braucht, um ihn zu verstehen. Reife einer Person kann man eben nicht erzwingen oder erwarten. Es geschieht oder nicht. Seit jenem Frühling lag der Baxian ganz ruhig in einer Dose und wartete vergeblich nach einem zweiten Anlauf mit mir.

Weichware-Entwickler Hans ist aus hohen Norden zurückgekert. In seinem Ferien wollte er mir bei der Korrektur des Teetextes helfen. Leider kam ich nicht dazu, geistig mit Tee zu befassen. Er erzählte mir von seinem Besuch bei Kristine und wir tranken den köstlichen Tee seiner neuen Entdeckung. Wie wäre es mit einem neuen Baxian? Im April sagte Aton mir, dass er mehrere Tees für mich vorbereitet hat. Einer davon ist Baxian. Damals dachte ich, vergeblich. Ich sagte ihm nichts, weil ich Vertrauen in ihm habe. Aber diesen Tee rührte ich nicht, seit er hier ist.

Tee trinken und entdecken braucht man Weggefährten. Ich bereitete den Baxian 2009 in Gaiwan zu. Langsam stieg der Duft in die Nase. Leise, präsente und konstante blumige Duft, der sekundeschnell zum reifenden Frucht wechselte. Nach paar Sekunde von Zögerung wechselte die Grade der Reife. Das reife weisse Pfirsich wartet nun auf meinen Biss. Süss, pfirsichfruchtig und sanft. Hans suchte in diesem Tee seine Bilder aus seinem Speicher und ich dachte an den verschlossenen Dose von vergessenem Baxian 2006. Auch Aton hat Schritte gemacht. Mein Lehrer gibt seinen Anfängergeist nicht auf, er geht immer weiter und bleibe nicht dort, wo er einmal war. Und ich?

Meine Kehle reagierte balsamiert auf diesem Tee. Nach paar Schlucken von dieser Köstlichkeit roch ich noch einmal die Tasse. Eine ganz klare Meldung von einem kühlen süssen nächtlichen Duft stieg hervor und ich wußte sofort, was es ist. Es war in Mingjian, mein erster Besuch bei diesem alten Haus von Aton. Er führte mich durch den Garten und zeigte mir die Blütendüfte. Nachts, als wir von Aming nach der Produktion zurück kamen, roch ich die feinen Blumen, der in Taiwan eigentlich fast in jedem Garten nächtlich duftet. Der Duft in der Nacht, heisst dieser Blume „Yei Lai Xing“, er war so präsent. 

Vielleicht wurde ich tatsächlich reif für diese neue Begegnung mit Baxian. Dieser Baxian ist trotzdem kein Tee für jeden. Er wird nicht populär und gehört zu einem bestimmten Schrank und einer bestimmten Seele.

Gerade goss ich noch einmal den gesperrten Baxian 2006 auf. Die Pfirsich-Note und das fruchtige Süsse ist eindeutig zu merken. Die anderen unangenehmen Gerüche sind nur unwesentlich zu schmecken. Die Zeit hat diesen Tee „gereift“ – oder mich?