Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Päonie und Tee 2012

Päonie und Tee 2012

Neben diesen wunderschönen Blumen hatten wir einen wunderschönen Tag – wie Schmetterlinge tanzten wir zwischen den Düfte des Tees und Farbe der Blüten. Es war ein Schmetterlingstraum!

昔者莊周夢為胡蝶,栩栩然胡蝶也,自喻適志與!不知周也。俄然覺,則蘧蘧然周也。不知周之夢為胡蝶與,胡蝶之夢為周與?周與胡蝶,則必有分矣。此之謂物化。
„Einst träumte Dschuang Dschou, dass er ein Schmetterling sei, ein flatternder Schmetterling, der sich wohl und glücklich fühlte und nichts wußte von Dschuang Dschou. Plötzlich wachte er auf: da war er wieder wirklich und wahrhaftig Dschuang Dschou. Nun weiß ich nicht, ob Dschuang Dschou geträumt hat, dass er ein Schmetterling sei, oder ob der Schmetterling geträumt hat, dass er Dschuang Dschou sei, obwohl doch zwischen Dschuang Dschou und dem Schmetterling sicher ein Unterschied ist. So ist es mit der Wandlung der Dinge.“

Was war es? War es ein Traum? Meine Beine tun heute weh. Also war es kein Traum, weil es mir weh tut?

Wieder ist der Frühling gekommen

Liebe Meng-Lin
Danke noch einmal für die Begegnung mit Ihrer Teekultur, meine Gedanken sind noch immer bei den Wahrnehmungen, die sich um diese Tassen herum organisiert haben und ich glaube, meine Frage ist, wie immer wieder, auch bei anderen Dingen als Tee, nach der Orientierung in einer endlosen Vielfalt.
Ich praktiziere die Craniosacrale Biodynamik, das ist eine Körpertherapie, die etwas mit Meditation gemeinsam hat. Es gibt in der CB die Haltung der gleichmässig verteilten Aufmerksamkeit und des wertfreien Raums, das Neutral, das der Practioner zu erreichen hat, damit die „Arbeit“ stattfinden kann. Zum Practioner Neutral gehören weitere Dinge, wie die die Ruhezentren, um die herum sich Bewegung organisiert, die Wirbelsäule, das Herz, die dritte Hirnkammer und andere weniger strukturelle Zentren, wie die Flüssigkeitsmittellinie und die Quantenmittellinie. Ich erkenne in dem was Sie den Weg des Tees nennen Ähnliches. In der Biodynamik üben wir uns als Practioner so gut wie möglich darin, alles gleichzeitig wahrzunehmen, nichts zu fokussieren und zu bewerten. Es ist ein Versuch, dem anderen System die Möglichkeit zu geben, sich zu zeigen – und er funktioniert, es gibt die Erfahrung, dass er funktioniert. Wir „machen“ aber nichts mit dem was sich zeigt. Es kommt als weitere Wahrnehmung hinzu und dann warten wir, mit der wir uns wieder ins Neutral setzen. Etwas kann dann geschehen, wovon wir nicht im Voraus wissen, was es sein wird, was wir aber als Bewegung, Wachstum, Entfaltung oder auch Heilung erkennen. Der Unterschied ist, dass wir nicht eine Tasse Tee und das Trinken zwischen uns und den Klienten platzieren, sondern der Klient legt sich auf den Tisch oder setzt sich neben dran und wir legen unsere Hände auf seinen Körper und lauschen, so sieht das von aussen aus.
Macht dieser Vergleich etwas Sinn für Sie?
Herzliche Grüsse
S.

Wie können wir je die Lust am Leben verlieren?
Wieder ist der Frühling gekommen,
Und – Kirschbäume blühen in den Bergen.

So sang der Ryokan einst. So bewundere ich den Duft jedes Mal vor einer Tasse Tee!
Viele viele Leute fragen mich, wie bin ich zum Tee gekommen; wie bin ich hier her gekommen…
Was hat Tee in mir bewegt, so dass ich hier her gekommen bin?
Ich erkenne in der ersten Begegnung mit Cha No Yu, auch wenn ich noch nie ähnliche Praxis hatte, eine Tür, die mir zu etwas öffnen könnte – was ich bis heute immer noch nicht ganz weiss. Trotz Schmerzen und Konfrontation mit der Fremdheit spürte ich eine Kraft, zu glauben, dass es schön sei, zu leben!
Es ist schön am Leben zu bleiben. Es ist schön als eine Frau in dieser Welt zu leben!

Uebung der Wiederholung

Ein Abendtraum – es muss wohl alles
eine Illusion gewesen sein;
Nicht einmal einen Teil dessen, was ich sah,
kann ich erklären.
Und doch schien mir im Traum, als ob die Wahrheit direkt vor meinen Augen läge.
Heute morgen, wach – ist das nicht derselbe Traum?
Ryokan 1758 -1831 Zen-Wandermönch

Als ich zum allen ersten Mal zu der Yoga Stunde ging, fragte die Lehrerin nach der Stunde, wie lange ich es bereits praktiziere. Ich sagte, noch nie. Sie war verwundert. Das gleiche Gesicht zeigte auch einmal meine Bauchtanzlehrerin. Ich kannte keine Erklärung.
Sport hat mich noch nie interessiert. Mein Körper ist starr und mein Geist ist faul, aber das Denken ist immer on. Jede Stunde in Yoga kämpfe ich gegen mich selbst genau wie ich in jeder Stunde des Teeunterrichts gegen mich selbst kämpfte. Ich vergass immer die Abläufe, merkte nicht die Feinheiten der einzelnen Bewegung und spotte den Fleiss, was man unbedingt einbringen muss auf den Weg.
Es sind immer Wiederholungen. Ich wiederhole immer die gleichen Abläufe der Bewegung, immer die gleiche Art der Handlungen und immer denselben Muster des Kampfs. Diese Wiederholung sollte mich auf einen Punkt bringen, dass ich es einmal anders machen kann… Vielleicht anders als besser, weil ich nicht mehr gegen mich selbst kämpfen muss? Nur anders und nicht besser.
Mein Leben ist wie ein Ameisen. Ein Ameisen sucht immer nach dem Süssen des Lebens. Das ist nicht das Problem eines Ameisens. Das Problem ist, dass ein Ameisen immer eine Strasse baut, die genau eine Linie ist zwischen Nahrung und seinem Nest. Immer demselben, immer dieselbe und immer dasselbe.
Sehr langsam wurde es nicht mehr so mühsam für mich die gleichen Abläufe zu tätigen. Mein Geist schimpft nicht mehr so über die toten Teemeister, was sie alles erfunden haben. Sehr allmählich sitzen die Bewegung in meinem Körper und ich kämpfe nicht mehr so gegen meinen Fehler und der Wünsch, zu denken verschwam. Der Körper wiederholt die Bewegung und mein Geist ist im Off-Modus. Plötzlich merke ich wie der Ryhtmus meines Körpers mich selbst ausdrückt. Mein Herz gibt dem Rythmus an, genau wie es schon immer schlägt. Dieser Rythmus stosst auf den Rythmus des anderen und von dort aus entsteht ein gemeinsamer Rythmus. Unser gemeinsamer Rythmus antwortet wohl auf den, der von weiten her kommt – vom Meer.
Das Herz gibt vor.
Irgendwann realierte ich in Yoga, wie mein Körper anders dreht. Plötzlich bewegen sich meine Aermer anders. Mein Körper kommuniziert mit mir, ich denke nicht, was ich jetzt schaffe, sondern realisiere einfach, dass es sich anders bewegt. Anders in dieser Wiederholung.
In der Wiederholung sturzen wir gleich in einem wiederholten Muster. Auch in dieser Wiederholung bekommen wir eine Chance, es anders zu machen.
Heisst diese Wiederholung nicht etwa wie Karma?
Heisst diese Chance es anders zu macen, nicht etwas wie Hoffnung?
Alle Wege führen nach Rom. Teeweg ist nicht anders als der Weg des Tänzers oder Yogis.
Ich beoachtete die Ameisenstrasse im Garten hinter Shuitang, genau wie ich ein Kind war. In dem grossen dunklen Haus, wo ich aufgewachsen bin, sah ich die gleichen Strassen von Ameisen. Die Ameisen täten immer das Gleiche, und ich?
Ich sass am Sonntag bei Ulrich im Teeraum und machte die Uebung Shiki (Tee im Schnee) zum ersten Mal. Ich werde noch paar Male wiederholen, bis mein Körper es gelernt hat, es anders zu machen – jedes Mal anders.
In jeder Wiederholung begegne ich den alten toten Meister, der die gleichen Wiederholung taten wie ich es tue. Das ist das Karma. Der Raum hat uns getrennt, aber die Zeit nicht. In dieser Wiederholung teilen wir die gleichen Möglichkeit, unseren Tee mit unseren Herzen selbst zu füllen.
Ganz sicher ist es auch, dass es paar Male gleiche Geschichten sich wiederholen bis ich diese Wiederholung in der Wiederholung als Karma verstehe und mich endlich entscheide, es anders zu machen. Ich weiss, dass es anders sein kann.

http://teeseminar.blogspot.com/2012/04/ubung.html#more

Der Sternhimmel

Tianmu (Tenmuku) 天目 Teeschale geniesst seinen Ruhm seit 12 Jahrhundert. Diese Glasur sollte dem Betrachter das Bild vom Sternhimmel vermitteln. Im Kloster der Songdynastie wurden diesen Teeschalen verwendet, den Mönchen zu helfen, die Grenze von Zeit und Raum zu überwinden. Dies verstand ich nie. Meine Art diese Sache zu verstehen war durch das Konsum, ich sammele Schalen.
Vor einem Jahr beginne ich Yoga neben Shui Tang zu praktizieren, nur weil meine Freundinnen zu dieser Lehrerin gehen. Für mich war es egal, ich wollte nur kein Qigong oder Taiji machen. Ungefähr im November letztes Jahres am Ende von der Stunde, als wir allen auf dem Boden ruhten, schlief ich fast ein. Dann ist etwas Merkwürdiges passiert. Plötzlich war ich im Sternhimmel und die Sterne waren greifbar nah – beziehungsweise wollte ich ja gar nicht Sterne greifen – ich war einfach glücklich. Die Zeit und der Raum schienen keine Rolle mehr zu spielen. Es war ein sehr sehr kurzes Moment, in dem der Sternhimmel und ich ineinander verschmelzten. Auf einmal verstand ich Tianmu Chawan (Teeschale von Tianmu Glasur). Auf einmal verstand ich den Sternhimmel in meinem Herzen zu erleben, nicht mehr im Aussen.
Jeder von uns hat den Sternhimmel im Herzen. Es ist allerdings so, dass wir es nicht wissen, nicht sehen und nicht wahrhaben wollen. Manchmal denke ich, wenn wir wissen würden, wie reich und vielfältig unser Schatzkammer ist, wenn wir mit diesem Reichtum die aussere Welt gestalten würde – nicht nur im Denken und im Kalkül kreisen würden, wären wir mit uns selbst einheitlich und das Reichtum genau in der materialen Welt erleben! Das Armut ist kein Tugend!
Abin kenne ich seit fast einem Jahr. Ein junger Mann aus Süden Taiwans, hat Träume und kommt in die Schweiz, um seine Träume zu verwirklichen. Er lernt seine Kochkunst durch den bescheidene Familiebetrieb und wollte unbedingt die westliche Küche lernen und sich verwirklichen. Tapfer, fleissig und stark. Abin erzählte mir von seinem Traum. Aber er hat ein Komplex, weil er keine besondere Bildung hat, weil sein Vater kein Vorbild ist.
Eine Chance ist „zufällig“ auf seinem Schoss gefallen. Ein sehr gutes Hotel (vielleicht das beste in Zürich) durch unsere Zusammenarbeit fragte mich nach einem jungen asiatischen Koch. Als er zum ersten Mal zur Vortsellung ging, schrieb er mir, dass er kotzen wollte – er hat Angst. Nach der gelungen Vorstellung sagte er mir, „Schwester, weiss Du, all diese Leute haben Krawatten an!“ Und? Meldet sich nun sein Komplex zur Wort? „Abin, das ist Deine Welt in der Zukunft.“
Er hat Zweifel. Er hat Angst. Wer steht in seinem Weg? Sein Komplex.
Wer kennt das nicht? Wer hat kein Komplex? Wir unterstellen immer anderen Menschen, was sie über uns denken – zwar negativ. Anstatt anderen Menschen eine Chance zu geben, uns direkt mitzuteilen, kreiieren wir eine Katastrophe im Kopf.
Wenn Chance kommt, ist man tatsächlich auch bereit?
Der Sternhimmel ist greifbar nah – immer – wenn wir es wollen.
Ich verstehe es nur zu gut. Weil ich nicht mit meinem Angst und Zweifel kommunizieren will, stecke ich in einem negativen Spiral. Genau weil ich die Chance nicht bejahen kann, passieren gerade Dinge, die mich richtig behindern und die als Ausrede nun verfügen.
Als Michel noch lebte, redet er oft über Phänomenen von Unfällen und Tragödie. Seine Lieblingsgespräch waren über Börse und den Erfolg vom Amstrong (Radfrofi von Frankreich). Er mahnte uns immer, die Samen des Geistes zu erkennen, anstatt Phänomenen zu kreiieren und verfolgt zu werden.
Das zweite Vorstellungsgespräch von ihm wurde wegen plötzlichen Ereignis sehr ungünstig verzögert. Als ich es hörte, war ich sehr traurig. Wer von uns kennt keine negative Spiral des Gedankens? Und wo fängt unsere Welt tatsächlich an? Von Samen unseres Denkens!
Wenn unser Muster von Gedanke und von Gewöhnheit gesteuertes Verhalten immer bewusst werden und verändert werden, erleben wir den Geschmack der Freiheit – die Zeit und der Raum können uns nicht mehr begrenzen, der Sternhimmel ist im Hier und Jetzt. Angst und Zweifel bekommen keine Bedeutung, weil wir nicht mehr an Zukunft und Vergangenheit denken. Ich lebe jetzt und will meine Welt nach meinem Herzen gestalten.
Ich wünsche, ich könnte ihm eine Tenmuku Schale schenken. Ich wünsche, dass er weiss – der Sternhimmel ist immer in ihm – er muss es nur bejahen!

Zu Sein

Einmal unterhielte ich mit Christine über unseren Teeweg, über unser Frust und unsere Fragezeichen. Wir sprachen von dem Zustand „Ich bin„. „Wer bin ich“ – ist eine Frage, die ich wirklich nicht beantworten kann, um zu sagen, „so bin ich“. Auch wenn ich diese Frage nicht ganz beantworten kann, muss ich jedentag „(zu) sein“.
Jiri und Patrick sagten mir einmal, dass mein Dasein raumfüllend wirkt. Ohne es zu werten – es ist so. Ohne es zu werten ist es nicht immer glücklich, dass es so ist. Diese Frage beschäftigt mich seit langen, „wer bin ich?“ und „wie kann ich einfach so sein, wie ich bin?“
Wie kann man für Menschen da sein, ohne etwas zu erwarten?
Wie kann man einfach für etwas einsetzen, ohne etwas zu bekommen?
Wie kann man einfach nur da zu sein, ohne etwas zu wollen?
Diese Fragen konfrontiert einen auf den Teeweg und auch im Leben.

Ich wurde eingeladen von Romeo und seinen Freunde. Dort begegnete ich ihren Lehrer. Ein kranker Mann, der nicht so aussah. Prächtig, aber unscheinbar zugleich. Ich sass dort. Manchmal wechselte er paar Worte mit mir. Die kleine Gruppe unterhielten sich und die Atmosphäre war entspannt. Plötzlich merkte ich wie verloren ich war – in dieser Harmonie fühlte ich einmal verloren. Verloren, weil ich den Raum nicht füllen kann. Dieses Erkenntnis wirkte wie ein Blitz. Auf einmal verstand ich, worum die Liebe geht – einfach da zu sein. Was dieser kranke Mann macht ist nicht anders als nur für diese Menschen zu sein. Er redete nicht viel, lachte ab und zu und hörte zu. Ich bekam ein glückliches Gefühl, einfach dabei zu sein, beziehungsweise war es egal, ob ich geachtet wurde oder nicht. Ich sass einfach dort und war da. In jenem Moment drehte er seinen Kopf zu mir und schaute mich in die Augen. Ich erwiederte ihm ein Lächeln.

Ich erinnere mich an ein Gedicht, als ich anfing mit meinem Teeweg. Als ich mühselig lernte zu knien und übte als Gast zu sein, drehte stets eine Frage in meinem Kopf, ob ich alles richtig oder falsch mache. Wie verhält man sich wie ein Gast? Wie verhält man sich wie ein Gastgeber? Wie verhält man sich, zu sein?

Wind und Regen könnten mich nicht beeindrücken.
Die Hitze des Sommers und der Schnee könnten mich nicht aufhalten.
Ich nehme meinen Teelöffel (Chachaku),
Tag für Tag mache mir eine einfache Schale Tee.
Wenn die Sonne scheint,
Putze ich den Raum,
Bei dem kalten Winter,
Spalte ich im Wald Bambus.
Auch wenn ich als verrückt gehalten und isoliert werden,
will ich anderen Menschen nicht gefallen.
Wenn ich Hauptgast bin bei einem Tee, sorge ich lebendige Atmosphäre,
Wenn ich Nebengast bin, schaue ich einfach zu.
Wenn ich Gastgeber für Tee bin, opfere ich mein Leben – mit meinem Herzen.
Ich möchte so einen Teemensch werden.

In diesem einfach Sein, spüre ich meine Flügel und Freiheit und umarme das Leben.

Die ganze Welt in einem Teebecher

Dank Joseph können wir eine wunderbare Bericht von Philipp Meier (NZZ) über die Teeschale-Ausstellung in Winterthur lesen.

Neue Zuercher Zeitung
06. März 2012
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Die ganze Welt in einem Teebecher

«Tausend und eine Schale» – eine Ausstellung im Gewerbemuseum Winterthur

Hundert namhafte Keramikerinnen und Keramiker aus fünf Kontinenten schufen für eine Ausstellung je eine Serie von zehn individuellen Schalen. Das Projekt bietet einen Überblick über die grosse Vielfalt weltweiten Keramikschaffens.

Philipp Meier

Dem Tongefäss eignet etwas Universelles. Seit Urgedenken gehört es zur Menschheit wie das Feuer. Für die Aufnahme von Flüssigkeit, für die Aufbereitung und Aufbewahrung von Lebensmitteln ist es Voraussetzung, für Zivilisation damit unabdingbar. Im Feuer gebrannte Tonerde eignete sich seit je dazu, die hohle Hand, in der Negativform gewissermassen auch die nährende Mutterbrust, nachzubilden. Scherben von Trinkschalen wurden stets bei alten Kulturen gefunden. Das keramische Handwerk ist denn ein weltumspannendes Phänomen und so alt wie die Menschheit selber.

Indischer Prototyp

Um solche Topoi dürften wohl auch die Gedanken der Genfer Keramikerin Claude Presset gekreist sein, als sie im Jahr 1983 in der Tempelstadt von Nathdwara in Rajasthan an einem mit Tee gefüllten Terrakotta-Becher nippte. Nach der Teepause warf sie entgegen den Gepflogenheiten in Indien das tönerne Gefäss aber nicht einfach weg, sondern steckte es wie einen Schatz ein und trug es mit nach Hause. Der kleine Becher gab den Ausschlag für ein Projekt, das Claude Presset Jahre später realisieren sollte. Hundert namhafte Keramikerinnen und Keramiker aus unterschiedlichen Weltregionen wurden schliesslich eingeladen, für eine Ausstellung je zehn Trinkgefässe – in verschiedenen Variationen, aber in einer ausgewählten Technik und mit einem bestimmten Verfahren – anzufertigen.

«Tausend und eine Schale» heisst denn diese Wanderausstellung, die bereits in Indien, China, Korea, Frankreich sowie in der Westschweiz gezeigt wurde und nun im Gewerbemuseum Winterthur ihre vorläufig letzte Station erreicht hat. Tausend Schalen und Becher sind in zehn transportfähigen Show-Cases zu bewundern – so unterschiedlich in Materialität und Beschaffenheit, in Farb- und Formgebung, dass die Schau bestens dazu geeignet ist, einen globalen Überblick über das heutige Keramikschaffen zu bieten. Das tausendunderste Gefäss aber, in seiner herben Einfachheit gleichsam ein Prototyp des Teebechers schlechthin, thront, zum musealen Exponat geadelt, erhaben in einer separaten Sockel-Vitrine (Nr. 1 im Bild, das sich von oben links nach rechts unten liest).

Kulhar heissen in Indien diese ursprünglichen, henkellosen, aus orangerotem Ton geformten und unglasierten Becher, in welchen überall im Land Chai – indischer Tee – serviert wird. Das Ungewöhnliche an diesen äusserst gewöhnlich erscheinenden kleinen Gefässen, die zu Millionen hergestellt werden, ist der Umstand, dass sie zum einmaligen Gebrauch gedacht sind und danach weggeworfen werden.

Sie sind sozusagen die Vorläufer der Pappbecher, die sie heute auf den Bahnhöfen und in den Zügen Indiens zusehends verdrängen. Aufgrund des Brandes bei 900 Grad Celsius in einem rudimentären Keramikofen sind diese Gefässe sehr hygienisch, ja sogar steril. Ihre Eigenschaft, einen feinen Geschmack von Tonerde abzugeben, wenn der heisse Tee in die poröse Innenwand des Gefässes eindringt, wird überdies besonders geschätzt. Solche simplen Trinkgefässe sind in Indien seit rund 5000 Jahren im Gebrauch, sie lassen sich bis auf die bronzezeitliche Indus-Zivilisation zurückverfolgen.

So hob gleichsam mit diesem Urtypus des Teebechers eine Geschichte an, die sich wie Scheherazades Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht bis zum heutigen Tag fortspinnt. Der Ausstellungsmacherin ging es denn vor allem auch darum, an Beispielen von heute etwas vom enormen Facettenreichtum dieser Geschichte einer weltumspannenden Töpferkunst aufzuzeigen. Bei der Auswahl der eingeladenen Keramikerinnen und Keramiker wurde darauf Wert gelegt, bezüglich Material, Brenntechnik und Umgang mit Glasur möglichst unterschiedliche Verfahren, aber auch möglichst verschiedene Auffassungen die Gestaltung betreffend zu berücksichtigen.

Tradition und Experiment

Während die einen Töpferkünstler etwa ausschliesslich Ton oder Steingut verwenden, wählen andere Keramikerinnen lieber Porzellan. Kersti Biuw aus Schweden benutzt einen roten Ton, den sie unglasiert belässt und so dessen erdige Eigenschaften zur Geltung bringt (Nr. 3). Die Zürcherin Cornelia Trösch hingegen zieht für ihre filigranen, blumenartigen Kelche porzellanene Lichtdurchlässigkeit vor (Nr. 10).

Die einen Keramiker arbeiten ganz traditionell, achten streng auf Funktionalität ihrer Schöpfungen. Andere wiederum gehen völlig experimentell vor, ihnen geht es vorab um den persönlichen Ausdruck. So atmen Yoshida Yoshihikos schlichte Sakebecher mit bernsteinfarben bis lachsrosa schimmernder Feldspat-Glasur den Geist traditioneller japanischer Teekeramik (Nr. 8). Die stacheligen, an Seeigel erinnernden Porzellanschalen des Baslers Arnold Annen dagegen sind kunstvoll individuelle Neuinterpretationen einer Teeschale, die wohl kaum wirklich mehr in Händen gehalten werden kann (Nr. 2).

Experimentierfreudig zu Werk geht sein Schweizer Kollege François Ruegg, der die Geste der zum Trinken geformten Hände mittels Abguss-Verfahren auf seine Schalen übertragen hat (Nr. 4). Da geht es denn um Symbolisches und weniger um den Gebrauchswert. Anders bei den mit Blumen bemalten Koppchen, wie sie in der ländlichen Werkstatt für traditionelle Savoyer Keramik von Cécile und Bernard Coronel (Mutter und Sohn) entstehen: Seit Generationen sind sie für den morgendlichen Milchkaffee bestimmt (Nr. 6).

Der Titel der Ausstellung soll auch an die Seidenstrasse erinnern, die den Orient und damit abendländische Kulturkreise mit dem Fernen Osten verband. Seit je war diese Handelsroute Ort regen Austausches. So verwundert es nur auf den ersten Blick, dass es in der Schau sich stark ähnelnde Beispiele verschiedener Töpfer gibt. Die berühmten Tenmoku-Bowls der chinesischen Song-Zeit, wie sie auch heute meisterhaft etwa von Sun Jian Xing geschaffen werden, faszinierten offenbar auch den Franzosen Jean Girel: Für seine Schalen hat er sich von chinesischen Vorbildern der Collection Baur in Genf inspirieren lassen (Nr. 11). Auf alte chinesische Seladon-Glasuren gehen sodann die zart grünblauen Kreationen von Fukami Sueharu in Japan wie von Fu Kaie in China (Nr. 7) oder von Ann Roberts in Kanada zurück.

Alter hispanomaurischer Lüster-Techniken bedienen sich die Belgierin Evelyne Porret (Nr. 9) und die Französin Eva Haudum. Westliche und asiatische Reparaturverfahren hat die in Genf tätige Berlinerin Anja Seiler aufgegriffen. Ihre fragilen Becher sind zum Teil mit Haften versehen, wie man sie früher zum Reparieren von Tongefässen verwendete, aber auch mit feinen Goldverbindungen, wie sie etwa in Japan beim sogenannten Kintsugi zur Wiederherstellung beschädigter Keramiken angewendet werden (Nr. 5).

Die Ausstellung fasziniert durch ihre schiere Varietät. Tausendundeine Nacht lang könnte man da Tee aus immer wieder anderen Gefässen trinken. Und auch ihre Scheherazade hat diese Schau: Eine uralte Geschichte erzählt die Pakistanerin Sheherezade Alam mit ihren rötlichen, in ausgesprochen klassischer Formensprache gedrehten Terracotta-Bechern. Sie verwendet eine Tonerde, die in ihrer Heimat schon seit 5000 Jahren abgebaut wird. Nicht nur in stilistischer, sondern auch in materieller Hinsicht erweist sie damit dem Altertum und den Ursprüngen des indischen Kulhar ihre Reverenz (Nr. 12).

Die Ausstellung ist denn gleichsam eine Hommage an den kleinen indischen Teebecher – er seinerseits ruft in seiner bescheidenen Vergänglichkeit seine simple Funktion in Erinnerung, nichts weiter als ein Behältnis für Flüssigkeit zu sein.

Winterthur, Gewerbemuseum (Kirchplatz 14), bis 6. Mai. Katalog Fr. 52.-. Zur Ausstellung ist ein Dokumentarfilm entstanden, Fr. 15.-, parallel zur Ausstellung wird die Sonderschau «Reflets» mit Lüsterkeramik von 17 internationalen Keramikern gezeigt.

Ein Teeweg

Ich hatte zwei schlaflosen Nächte.
Durch das vergangene Geschehniss habe ich mich ein Stück näher kennen gelernt. Es war mir selbst nicht so bewusst, dass die Aberkennung des anderen über meine Arbeit durch meine Nationalität mich so stark betrifft. Und dass meine Herkunft mir sehr viel bedeutet, als ich es bis jetzt angenommen habe. Ich hätte nicht gedacht, dass man mich aufgrund meiner Herkunft annimmt oder ablehnt!
Und wenn meine Herkunft die einzige Kriterien ist, wie man mich behandelt, dann fürchte ich mich um meine Existenz an einem fremden Ort.
In Grunde genommen handelten sich um verschiedene Interesse. Für eine Seite geht es um „Nett-Mit-Einander-Sein“, für eine handelt es sich um „reibungslose Zusammenarbeit“, für eine steht Tee im Vordergrund. Jeder handelnder Akteur verfolgt seine Interesse. Diese Interesse und die Art wie man diese Interesse verfolgt, entscheiden, wie die Dinge sich verlaufen.
Ehrlich zugegeben, war ich zuerst recht feige. Ich wollte diese Geschichte in mir rein drücken. „Warum nicht, schwamm darüber?“ sagte ich zu mir. Ich wollte schlucken und ich wollte scheinhaft darüber stehen.
Es hat sehr viel Mut gebraucht, zu meinem Gefühl zu stehen und diese angenehme Dinge auch öffentlich anzusprechen.
Ich habe Angst.
Es wurde allerdings klar, dass ich noch mehr Kraft aufwenden würde, die unterdrückten Schmerzen und Unverständnis vom meinen Körper und meinem Inneren zu heilen und zu befreien.
Ich danke viele Menschen, die zu mir kamen, mich anriefen und mir schrieben. Ich danke viele Ratschläge und Ermutigung, zu mir selbst zu stehen.
Hier habe ich die Möglichkeit zu lernen, zu mir zu stehen, es anzusprechen und dann einen Punkt zu finden, loszulassen.
Wang, Xizhi 王羲之(303-365) initiierte im Jahr 353 an einem Frühlingstag ein Party an einem kleinen Bachufer. Die Teilnehmenden Freunden sassen an den beiden Uferseite. Sie liess frisch aufgewärmte Sacke und frisch aufgegossene Teetasse im Wasser schwimmen. Wenn eine Tasse vor einem stand und sich dort schwamm, sollte diese Person ein Gedicht singen. Nach so einem Tag und Spass entstand eine Gedichtsammlung. Er wurde im Rausch des Sakes aufgefordert, ein Vorwort zu schreiben. Im Rausch kalligrahpierte er ein verewigten Text Lan Ting Xue 蘭亭序, den ich als Schülerin für die Prüfung lernen musste. Wang Xizhi hat viel getrunken, aber sein Geist war glasklar. Er schrieb, dass der Mensch ein kleines Würmchen ist im Vergleich zu Weite des Kosmos. Das Leben ist kurz und kann unbedeutend sein. Obwohl die Menschen verschieden sind, obwohl Zeit und Raum uns trennen. Aber wir sind mit den gleichen Themen von Leben und Tod konfrontiert. Wir können es nicht anders als die gleiche Frage stellen, wie wir mit uns selbst umgehen.
Diese Frage wird besonders dringlich, wenn der Teeweg der Weg für einen ist.

Der Tod des Teemeisters

Roger sagte mir vor eienr Woche, „Irgendwie hat Tee doch recht viel mit Politik zu tun, nciht wahr? Rykyu ist auch wegen Politik von Hideyoshi ermordet.“
Was hat Tee mit Politik zu tun? Gar nichts.
Was hat Tee mit Politik gemeinsam?
Die Macht.
Es handelt sich um die Macht. Die Macht über Tee zu sprechen, die Macht über die Leute zu beurteilen und die Macht, die Menschen zu manipulieren.
Darum gibt es so viele Buchautoren – ich bin einer von diesen; darum gibt es so viele Blogger – ich bin einer von vielen; darum gibt es solche Vorstellung, wer ist der beste Teemeister? Oder, wer ist ein Teemeister?
Rykyu hat das Wissen um Tee, darum besitzt er die Macht. Er war im Auge von Shonggun so mächtig, dass er sterben musste.
Hat Rykyu Angst gehabt, zu sterben? Wahrscheinlich schon. Aber er hat die Mut, mit befohlenem Tod umzugehen. Darum verehren wir ihn. Darum ist er DER TEEMEISTER. Also, Teemeister hat nichts zu tun mit Verlinken, Abstimmung im Netz oder Visitenkarten austauschen. Ein Teemeister HAT Mut. Mut zu haben, zu sich selbst zu stehen.

Ich bekomme viele Anfrage wegen Austausch von Verlinken oder gegen Geld, zu verlinken. Um besser im Google zu plazieren ist Verlinken von grosser Bedeutung. Ist es wichtig oben im Google plaziert zu sein?
Ich sagte Roger, „Weiss Du, es war mir gar nicht bewusst, dass ich oben sein sollte! Ich wollte nur die Dinge machen, was mir Freude macht und was für mich stimmt!“ Ich hatte Freude zu schreiben und tat es.
Oben im Google zu sein bedeutet nicht, dass man viel über Tee versteht. Dass man viel über Tee schreibt, ist eine andere Sache, als das Wissen zu haben. Diese scheinbare Macht über Tee zu sprechen ist nicht zeitüberdauernd! Diese scheinbare Position hat keine Substanz.
In diesen Tagen passieren viele Gedanke in meinem Inneren. Ich fühle mich wie verraten an einem fremeden Ort, wo ich gar nicht sein darf. Wenn es wirklich so weit geht, dass Zürich mich als Taiwanerin nicht haben will, weil die Chinesen sich möglicherweise ärgern könnten. Dann gehe ich nach Hause. Ich lasse die Schweizer mit den Schweizer alleine hier. Sie sollen ihre Teaparty in ihrer politischen Neutralität und Korrektheit selbst zelebrieren!

Wegkreuzung

Ein Alptraum – es muss wohl alles eine Illusion gewesen sein;
Nicht einmal einen Teil dessen, was ich sah,
kann ich treffend erklären…
Ryokan, Japanischer Zen-Dichter 1758 – 1831

Ein Alptraum. Aber wahr.
Am vergangenen Donnerstag erzählte mir der Teeclub Präsident über einen kleinen Vorfall in der Organisation. Er sagte, dass die Gesellschaft Schweiz-China mit Teeclub eine gemeinsame Veranstaltung plant und einen Vortrag über den chinesischen Tee im Gespräch war. Mich habe er als den Referent zuerst vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde von dieser edelen Gesellschaft, dessen Schirmherr Thomas Wagner, der ehemalige Stadtspräsident von Zürich war, abgelehnt. Der Grund war, dass Menglin Chou aus Taiwan stamme.
Um die genau so edelen Gästen aus China nicht zu ärgern, darf die Taiwanerin Menglin Chou über Tee nicht vortragen.
Deswegen wurde eine andere kompetente Person, ein neutraler Schweizer vorgeschlagen. Eine neutrale Politik. Es geht um „lieb miteinander sein.“ Nicht um „TEE“.

Meine Hände zittern, während ich hier die Zeilen tippen.
In dem ersten Moment konnte ich nicht glauben, dass die Hände der Politik bereits in die Teelandschaft eindringt. Diese Selbstzensur der Schweizer bracht mich zur Spachlosigkeit und dann zum Nachdenken.
Ich erinnere mich noch Anfang Februar. Die weltweite aggierende Konzern Huawei beauftragte mich in einer wichtigen Veranstaltung, als die hohen politischen Persönlichkeiten und Wirtschaftseliten aus China und Schweiz anwesend waren.
Eine chinesische Firma hat kein Problem, eine kompetente Taiwanerin zu arrangieren. Aber eine schweizer Verein schon.
Und meine FREUNDE verstehen es und akzeptieren es.
Für meine FREUNDE ist es eine Kleinigkeit, für Menglin leider nicht.

Ich werfe hier niemandem vor. Jeder hat seine eigene Position. Ich kann die Position des anderen verstehen. Ich will aber meine vertreten – was denn sonst? Würdest Du meine Position vertreten?

Ich muss keinen Vortrag halten vor so einer Gesellschaft. Es ist mir egal. Politik gehört in der Welt des Tees einfach nicht – dies ist meine Auffassung und meine Vision. Tee hilft uns die Grenze der Kulturen und Nationen zu überschreiten! Was sonst?
Was macht Ihr als Deutschsprechende hier mit Tee? Könnte ein AUSLÄNDER jemals Tee verstehen?
Oh, doch. Sehr viel sogar! Weil Tee unser Herzen ohne Verstand anspricht!
Was kann ich tun, damit Tee als Tee bleibt?
Der alte Grossmeister Urasenkes hat einmal es gesagt, Tee ist Botschafter des Friedens.
Es kann auch so bleiben, wenn wir daran glauben und bewusst pflegen.

Nach tagelangen Nachdenken und Selbstreflexion wurde es mir sehr klar, dass ich Konsequenz ziehen möchte.
Ich, als ein gewöhnlicher Mensch, habe nur sehr begrenzte Energie und Inspirationen. Ich möchte diese Kraft dort einzusetzen, wo Tee für sich selbst spricht. Wenn Menschen glauben, dass Tee ein soziales Auftiegsmittel ist und so funktionieren sollte, sollen sie es so weiter pflegen. Ich habe an solchen Orten nichts zu suchen.

Liebe Teefreunde, Ihr lest meine Beiträge, nicht weil ich Menglin bin und aus Taiwan stamme, sondern weil der Tee hier einen zentralen Platz HAT. Ihr seid wegen Tee hier, nicht wegen meiner Person.
Ich möchte auch so, dass es weiter so bleibt. Darauf konzentriere ich mich.