Archiv der Kategorie: Der Teeweg

Chinesische Keramik im Rietberg Museum

Dank Alexander bekam ich das wunderbare Tip!
http://www.nzz.ch/aktuell/startseite/museum-rietberg-1.17933511 
Im Film behaupten sie, dass das Licht für die Austellung einmalig sei, weil es gar keine Schatten mehr gibt.
http://www.rietberg.ch/de-ch/ausstellungen/meiyintang-collection.aspx

Michael sagte gerade, dass das Schatten doch eigentlich dazu gehört, oder?

Diese Austellung eigent sich wunderbar für einen Ausflug von ShuiTang – Helfer. Ich werde einen Besuch organisiere und selbst die Führung übernehmen – nicht dass ich mehr weiss als die Prosfis, nur wegen dem gelebten Freude an Keramik.

Hier noch ein chinesischer Film über die Schätze der chinesischen Kultur in Taipei.

Atongs Gemüsebeet

Atongs Gemüsebeet

Wie kalt kann es sein, wenn man allein unter den Fremden unterwegs ist?
Wie warm kann das Herz schlagen, wenn es berührt wird?

Kurz vor meinem Abflug zeigte mir mein Lehrer Atong sein Gemüsebeet. Unweit von seinem Büro hat er seine Nachbaren bearbeitet, so dass er ein bisschen Samen setzen kann. Ich sah die winzige Pflanzen und lachte, „warum willst Du nicht fertige Blumen kaufen? Du kannst doch gleichen den schönen Augenblick geniessen. So langsam wachsen die Keimen…“ Er sagte zu mir mit vollem Ernst: „Mädel! Ich will eben diese Langsamkeit geniessen! Wer will schon schöne fertigen Blumen anschauen? Ich will aussäen, Wasser giessen und Unkraut jäten. Ich freut mich jeden Tag, wenn es neue grüne Blätter kommen. Ich will mich darüber freuen…“ Er bezeichnete mich als moderne Menschen, die eben nur ernten wollen, nicht dafür arbeiten. „So ist es auch mit Tee, verstehst Du! Du muss lernen, zu knien, zu bücken und von der Erde berührt werden. Kennst Du das Wort DEMUT?“
Dann kann ich die Schönheit der einfachen Dinge erkennen? Kann ich noch bücken, knien und meine Hände schmutzig machen?
Kurz vor meinem Abflug besuchte ich den Räuchermeister Chen in seinem unscheinbaren Geschäft in dem sehr betriebsamen Viertel. Aber hinter diesem zurückhaltenden Mann und diesem unauffälligen Geschäft verbirgt das grösste Schatz an Adlerholz (Aloewood) im asiatischen Raum, auch das Tokugawa Museum in Kyoto könnte nicht verglichen werden. Ich besuche ihn selten, nicht weil ich es nicht will, sondern wegen Respekt. Ich liebe die Welt der Düfte. Aber ich kann mich nicht dieser Schönheit widmen. Ich möchte noch Tee lernen, nur eine Sache gut machen. Er wartete auf mich und ich bemerkte gleich eine Veränderung in diesem Raum. Er sagte, „Ja, ich hätte Dir etwas zu zeigen.“
Es war eine Ehre und eine grossartige. Ohne viel Höflichkeit zu verschwenden, was er nicht gerne hat, wurde ich vor einer traumhaften Welt des duftenden Adlerholz geführt. Wie kann man es davon träumen? Wenn man sich gar nicht vorstellen kann?
Adlerholz stammt aus tropischen Bäumen. Manchmal hat so ein Baum einen wunderbaren Standplatz. Er wächst und wächst, die Zeit spielt keine Rolle, Hundertenjahren… So prächtig, dass es scheinbar nur er zwischen dem Himmel und Erde stehen würde… Eines Tages kommt ein Sturm und es verletzt dem Stamm. Dann kommen die Bienen, Insekten die sind angezogen von den Träumen des Baumes, weil er verletzt wird… Diese Trännen duften. Die Lebenwesen fressen das Holzige, was bleibt ist das Harz. Sehr hart. Irgendwann wird das Harz eine Last des Baumes. Irgendwann fällt das lästige Harz auf den Boden. Menschen wie ich finden das Harz auf den Boden und freut sich auf die Beute. Aber solche wie Chen oder Atong, sie nehmen es nicht. Sie lassen das Harz unter den Erde verschwunden. Nach vielen Hundertenjahren wird das Harz aus einstigem prächtigen Baum so gezämt unter den Erden, dass er ein reines duftendes Wesen wird – sanft, klar und unafufällig. Das will Chen haben. So geht er Zeit für Zeit, bückt, kniet und gräbt aus der Erde, nur um mit Qinan (das beste von Kyara) zu begegnen. „Weiss Du, Du kannst es nicht wollen. Du kannst nur versuchen… und der Versuch ist das, was mich fasziniert…“ Ich ging immer wieder zu einem Schrank und innerlich spürte ich einen Andrang zu weinen. „Warum?“ fragte ich ihn. Er antwortete, „Menglin, diese Bäumen sind viel älter als wir. Sie sind über Tausenjahren… Was sind wir denn dagegen? Dein Herz ist berührt…“ Wir schauten uns an. In seinen Augen erkannte ich das, was ich auch sah. Ich sah wie dieser prächtige Baum stand, wie er verletzt wurde und fiel und wie er unter der Erde warteten, gefressen wurde und warteten… Eines Tages war die Zeit reif und er begleitet Chen bis heute!
Wie ist es denn mit einem Menschen? Jeder will erfolgreich werden…
Kurz vor dem Abflug habe ich oft Stress mit meinem Vater. „Hast Du Deinen Pass? Hast Du Dein iPad? Hast Du Dein iPhone? Hast Du überhaupt genug zu essen?????“ Seine Sorgenliste ist sehr lang und ich muss warten. Irgendwann macht er sich Sorgen um mein Gepäck. „Wie willst Du denn alles schaffen?“ Ich sah durch seine grasigen Augen viel viel Unterdrückung von Sorgen. Er erkennt meine Last. Meine Last trage ich alleine unter den Fremden in einem fremden Land. Es ist mein Leben, an dem er nur wenig Anteil nehmen kann. Es ist schwer zu lieben. Zu sehen, dass der geliebte Mensch Last trägt. Aber er muss es alleine tragen.
Durch das Tragen von Last werde ich vielleicht mehr von Demut verstehen.
Wenn es kalt wird, weiss ich zu bücken und knien.
Wenn paar Teeblätter heiss aufgegossen werden, bücke ich meinen Kopf nach unten, in aufsteigendem Duft wird mein Herz bestimmt sehr warm.

Ein schmaler Weg

Es sind zwei Jahre vergangen.
Alexander schrieb mir am Mittwoch ein SMS, dass ein Typ in seiner kurzen Anwesentheit in Shui Tang nach mir suchte. Gedanke habe ich keins gemacht. Es ist ein Stück meines Alltags.
Als er heute ins Shuitang eintraf und wieder seinen Platz aufsuchte, wusste ich sofort, dass er es ist. „How are you!“ Es war Aufrufszeichen, kein Fragezeichen. „Ich need my tea, Doctor!“ Er sagte, die Tees haben ihn zwei Jahre lang begleitet, einen Prozess durchgelaufen, vieles losgelassen und vieles verändert. Er kam gerade aus Indien zurück.
Genau wie vor zwei Jahren an einem herbtlichen Tag sass er an seinen Platz, wo er nach ein Schluch Pu Er Grenztee eingeschlafen hat. Er sagte mir, dass er sich noch genau erinnern kann, was ich ihm in jenem Moment gesagt habe, „Now you are at home…“
Mein Besucher kam nicht wegen Tee, er hat vieles vieles im Gepäck. Zwischen London und Cairo lebt er, zwischen Gestern und heute lebt er, nur keine Zukunft. „Where is my way?“ fragte er mich am Teetisch. Woher soll ich denn wissen, wo sein weg geht? Ich antwortete, dass ich eine Verkäuferin sei und verkaufe nur Tee. „But, why are you sure that you get right tea for right people?“
Ich weiss nicht, ob ich wirklich den richtigen Tee für die richtige Person auswähle. Das ist bloss eine Einbildung. Aber es ist mir klar, dass es ein Unterschied gibt zwischen Denken und Fühlen. Ich sass vor ihm, dachte nicht, fühlte nur. „We can learn to feel, instead to think.“ „And why you are sure, this is the way?“ Ich zuckte mein Schulter, woher sollte ich denn es wissen? Wir wissen alle nicht, wie es weiter geht! Seine verzweifelte Augen erzählten mir viele Geschichte in seiner Vergangenheit, sehr wahrscheinlich geplagt von Erwartungen und Vorstellung des anderen, wie er sein Leben leben sollte. Ich kenne es nur zu gut. Was haben wir as Menschen in dieser Welt zu verlieren? Geld gehört uns nicht. Das Haus auch nicht. Der Partner hat sein eigenes Leben. Der Körper hat eine begrenzte Dauer. Was haben wir wirklich, was wir tatsächlich as Menschen haben? „As a humen beiing – we have only the chance to believe and to love.“ Dann fragte er mich, was Liebe und Vertrauen sein sollten. Ich weiss es auch nicht. Liebe ist für mich, an die Person zu glauben, die wir lieben, eine richtige Entscheidung für sich treffen zu können, ihr den Raum zu geben, zu gehen. Vertrauen kann man lernen, indem man einfach auf den Weg geht und sich auf alles freut, was man begegnen kann. Ich weiss nicht, ob ich etwas richtiges mache oder nicht. Ich lerne einfach zu vertrauen in das, was ich tue. Ob die anderen es gut finden oder nicht, ist ihre Freiheit. Ach, was haben wir denn eine andere Wahl?
Dann kam Alexander. Es war eine interessante Kombination. Sie fingen an über den Brücke zwischen Spiritualität und Materialismus zu diskutieren. Ich hörte es mit Vergnügen an. Es musste sein, dass sie sich kennen lernten. Dann kam noch der Tämer. Geschichte entstehen.
Dann begann der Araber sein Einkauf. Genau so wie ich von meinen Onkels kenne, kaufte er für das halbe Clan ein. Ich weiss, er wäre nicht zum letzten Mal hier. Eine Antwort wird er nie finden, wo sein Weg ist. Er ist bereits auf den Weg. Vertrauen ist ein sehr schmaler Weg, da führt nichts mehr zurück.
Als andere Gäste die Tür öffneten und an den Tisch kamen, sagte mein Gast aus Cairo mit einem Schalk: „Would you like a mirror? You will get it here.“

Zwischen Licht und Schatten

In Bodman streitetn Detlef und Ingrid oft wegen Licht oder Schatten. Einer bevorzugt einen schattigen Teeraum, der andere wünscht gut sehen zu können.
„So sieht man ja gar nichts!“
„Was muss man denn da sehen?“
Ich hielt mich immer voll daraus. Licht und Schatten existieren ja immer gleichzeitig. Eine Ambivalenz der Menschen.
In unserem alten Haus waren Zimmer immer ganz dunkel. Nur manchmal schien die Sonne ins Zimmer und ich beobachtete als Kind die tanzenden Staub im Lichstrahl. Ein sehr altes Haus hat sehr viel Schatten. Auch die Beleuchtungen konnten nur die Schattierung noch klarer leuchten.
Heute morgen erzählte mir Ulrich beim Frühstück, wie der Aufenthalt in Japan ihn verändert. Er hat dort gelernt, Schatten in der Helligkeit zu intergrieren. Eine schöne perfekte Schale muss man mit Spot sehen und will mit viel Bewunderung gesehen werden. So ist unser modernes Leben und ästhetisches Konzept konzepiert. Aber eine handgekenetete Raku-Schale, eine dunkle Tenmuku Chawan verlieren im Schatten vollkommen ihre Farbe. Unsere Augen treten in der Dämmerung in den Hintergrund. In Schattierung der Dunkelheit fassen wir die Teeschale an und berühren die schmalen Teelöffel. Nur der Geschmack des Tees ist vielleicht noch fassbar für den Intellekt. Was für die Wahrnehmung bleibt, ist der Kontakt zwischen Hände und Objekte. Eine Rakuschale gewinnt an Lebendigkeit und füllt die Leere zwischen den Finger…
Es war ein sehr schöner Sonntag mit Heiterkeit und Wissensgier. Der Teeraum war voll gefüllt. Die Stimmung war so high, dass ich unbedingt ein Steak essen wollte. Nur weil ich ein Steak nach so viel Geschwätz über Tee unbedingt essen wollte, gingen wir allen mit ins Steakhaus. Die Jünger aus Aarau waren sehr sympatisch und fit. Peter war so in Fahrt, dass er uns alle eingeladen hat! Ich kenne Peter seit 1999, genau so lang wie den Chanoyu. Selten sehe ich ihn, aber es spielt überhaupt gar keine Rolle. Das Wesentliche ist nie mit Augen zu sehen. Beim Abschied umarmte er mich und sagte zu mir: „Menglin, versprichst Du mir, dass Du immer so lustig bleibst!“ Ich weinte fast und war sprachlos. Was ist denn das, was hinter der Fröhlichkeit steckt? Aber ich halte diese Ambivalenz schon aus, mit aller Kräften. Ich nickte meinen Kopf.
Nach dem Abschied mit Ulrich flanierte ich alleine in Freiburg, eine Stadt voller Erinnerungen. Ich wusste, dass ich zu Markhalle gehen muss und zu Cafe Kolanda. Ich muss schauen, ob alles noch in Ordnung bleibt. Es existiert keine Zeit, nur Veränderungen. Ich habe Angst vor Veränderungen. Ich fand einen Platz visavis von einer sympatischen Dame. Wir teilten den kleinen Bistro-Tisch. Eine Leere füllt den Raum zwischen uns. Wir assen zusammen, ohne füreinander zu interessieren. Wir ahnen das Dasein voneinander, ohne gegenseitig anzuerkennen. Eine sehr angenehme Unverbindlichkeit. Ich atmete auf und genoss diese Leere. Nachher werde ich in den ICE einsteigen und zu einem Ort fahren, wo inzwischen mein Zuhause wurde. Eine Ambivalenz von Vertrautheit und Gebundensein. Ich kann es aushalten, sagte ich zu mir.
Am Frühstücktisch unterhielten wir uns noch über das Sterben. Ich sagte, dass der Tod das einzige ist im Leben, worauf wir gar keinen Einfluss haben – auf die Art, wie es stattfindet – ausser dem Freitod. Und es ist gut so. Ulrich sagte, die Asiaten haben einen anderen Umgang mit dem Sterben. Ich dachte an meine Mutter und dann an mich selbst.
Nach Markthalle trank ich eine Tasse bei Kolanda und dann ging ich unbewusst noch ein Stückchen weiter. Als ich an die Confiserie Rafael Mutter vorbei lief, wurde es mir klar, warum mir plötzlich das Früstückgespräch einfiel. Ich stand vor der Confiserie und sah ein Bild von Ulla. Das war unser letzter gemeinsamer Rundgang vor ihrem Tod. Ulla und ich sass im Oktoberwetter noch draussen und teilten ein Stück Kuchen. Sie muss inzwischen die Ambivalenz nicht mehr aushalten. Aber ich tue es – freiwllig. Ich schob entschlossen die Tür auf und fing an zu schoppen.

one day Haigata class in November

Ein Tag für Asche-Formen. Wer sich dafür interessiert:

Dear Chado follower

Haigata is an importand part of the art of the way of tea

http://www.dogudesign.ch/chanoyu-tuition.html#
(pleas clic on the left side on „about Ash and Haigata“ for detail Informations)

Learn moor about it, in a one day seminar in November.

you will learn about –

different ashes and how to preparer your own ash

basics of History about Furo and what shapes are in use

different styles of Haigata for the Furo, according to the general roles of Urasenk style

and of corse you will learn how to make your own basic Haigata _“nimonji“

Inscription- until 27. October be mail

if you like further informations pleas contact me

whit warm regards for the first cold days

ursula kohli

Pleas pass this Informations to your friends and students which could be Interested on that topic, thank you!

Ein bisschen anders machen…

(Fortsetzung von vorherigem Beitrag)
Ich erinnere mich an mein vorheriges Leben vor drei Jahren. Luftig und schön. Vermeintlich frei. Hinter dieser Frei-Sein verbirgt eine unerträgliche Schwere. Keine Wurzel, kein Heimat und keine Halt. Der Wünsche nach einem Zuhause wurde immer lauter. Als Hubert mir von dem frei gewordenen Laden erzählte, war es ein Angebot von Kosmos, dass ich mein Leben verändern kann.
Heute schaue ich die jungen Menschen an, die nun zu mir kommen und Tee lernen wollen. Sie waren wie ich und kämpfen gegen die Bindungswidrigkeit. Sie verschieben Termine, verändern die Abmachungen oder sagen ab. Ich sehe in ihnen mich selbst. Ich sehe die einstige Erbsenprinzessin. Aber auch diese Erbsenprinzessin kann auch etwas fürs Leben lernen. Ich lerne Mitgefühl für mich selbst zu haben und habe Mitgefühl für diese jungen verwirrten Seelen, die nach dem wahren Selbst suchen.
Auf jeden Weg brauchen wir Weggefährte.
Ich muss gegen meine Erbsenprinzessin-Sein nicht mehr kämpfen. Ich kann lieb sein zu ihr. In jeder Wiederholung meines Musters bekomme ich eine Möglichkeit, ein bisschen anders zu machen. Die wahre Freiheit ist nicht mehr an nichts zu binden, sondern in der Wiederholung das Gleichmut zu bewahren.
Manchmal bekommt man Angst vor Gefühlen und würde am liebsten weglaufen. Die Gefühle können zeitweise ignoriert werden, aber sie fermentieren und gären in den Zellen. Plötzlich werden sie wie Schwarzteeblätter, die keinen Sauerstoff bekommen, werden erstickt!
Hanspeter sagte mir, dass es nicht interessant ist, ein erfolgreiches Leben zu führen, aber ein gelungenes. Ein gelungenes Leben… was heisst das? Leben mit Menschen zusammen, die wir lieben; machen Dinge, die aus den Herzen kommen; in das Heimat unseren Herzens ankommen.
Der Neumond begünstigt den neuen Anfang. Es ist möglich diesmal ein bisschen anders zu versuchen.

Ein bisschen anders

Der Neumond begünstigt den neuen Anfang.
Sara und ich machen gemeinsam wöchentlich Zazen. Mit der gemeinsamen Praxis stellen wir fest, dass wir den Sorten der kreativen Chaoten gehören. Wir haben sehr Mühe mit der Regelmässigkeit. Ich hasse die Administration. Mich plagt das tägliche Ladenhüten. Das Pflegen von Ordnung war nie meine Stärke. Wenn der Mensch nicht Triebe hätte, wenn es nicht Hunger und Müdigkeit gäbe, hätte ich bestimmt auch Mühe mit dem wiederkehrenden Bedürfnis.
Sie erzählte mir, dass sie etwas verändern will, zum mindestens seit dem Sonntag. Sie sagte, dass sie seit einem Jahr immer dasselbe Arbeitszimmer verwendet, aber nie genau weiss, welche Nummer das Zimmer trägt. Am vergangenen Sonntag arbeitete sie wieder und stellte fest, dass sie allen Teilnehmern eine falsche Nummer mitgeteilt hat. Sie wurde erschrocken. „Menglin, wenn wir nicht vor 21.12. 2012 unser Leben verändern, wann denn sonst!“ Wo werde ich denn am 21.12. 2012 sein? Ich bin bestimmt in Shui Tang, wo denn sonst? Sie sagte mir, um die weiteren Herzangelegenheit ihres späten Lebens zu tätigen, muss sie das Problem anpacken. Ein bisschen anders zu machen, sagte sie. „Ein bisschen anders werden.“
Ein bisschen anders machen…

Das deutsche Reqium

Ich hätte nie gedacht, dass ich mit einem katholischen Mönch anfreunden würde.
Aber er ist von sich allein gekommen.
Als Kind auf einer kolonialisierten Insel hat man ein zwiespältiges Verhältnis zum Christentum. Die missionarische Eifer auf der Strasse Taipeis und manche wertende dualistische Trennung von Gläubigen und Ungläubigen und daraus entstandenen Heilsanspruch trieben mich als Jugendlichen an die Seite der Atheist. Selbstverständlich bezeichne ich mich selbst als ein Kind der Aufklärung.
Als ich langsam den Weg zu meinem wahren Selbst durch Zazen und Tee gefunden habe und paar Schritte geschritten habe, verstand ich, dass diese emotionale Trennung, was ich von Christentum empfand ein Stück meiner Geschichte ist und nur ich selbst für mich auflösen muss. Je mehr der Weg weiter beschritten wird, desto mehr verschwand die Grenze.
Diese Grenze ist tatsächlich aber nicht gänzlich verschwunden nachdem mein Fuss in Rasa verletzt wurde. Etwas ist anders geworden. Ich begriff allmählich, dass das Leben ein Fluss ist und wir sind diejenigen, die Steine in diesem Fluss legen und um ihn selbst zu brechen. Wenn ich aber aufhöre es zu tun, dann fliesst das Leben grenzenlos. Ich bemerke auf einmal Menschen, die ich sonst übersehen hätte. Ich begreife Chance, die ich mir sonst nicht trauen würde. Ich lerne zu warten und mich zu binden.
Als ich „das deutsche Requiem“ von Brahms zum ersten Mal hörte, war ich im Flugzeug zu dem kranken Bett meiner Mutter. Ganz hatte ich nicht verstanden, worum es geht. Warum wo Tränen gesät werden, wird geerntet. Als ich das kranken Haus betrat und meine Familie beobachtete, wusste ich, das, was wir von Kosmos reichlich beschenkt wird, ist ein Trost für Lebenden und für die Lebenden, die Leid tragen. Auch ich fühle mich getröstet, wenn das Stück jetzt an mein Ohr lief. Klar, der Gott verlässt uns nie, auch mich nicht. Die Liebe ist bedingungslos.
Es schien unglaublich selbstverständlich, dass ich Sebastien kenne. Scheinbar ist es natürlich, dass ein katholischer Mönch über die Schönheit des Lebens mehr bewusst ist als ein Gewöhnlicher. Er entdeckt am Teetisch den Tee und steckt anderen hinter dem Mauer diese Schönheit an. Als ich zu seinem Geburtstag fuhr, stand Dechen vor der Klostertür. Obwohl wir uns nicht kannten, wusste ich, dass ich einfach ihr folgen musste. Ich wurde und werde geführt. Am diesen wunderbaren Abend lerne ich Menschen kennen, die die Grenze zwischen Westen und Osten, Musik und Poesie stets überschreiten. Wenn der Fluss nicht von selbst geworfenen Steinen behindert wird, wenn wir nicht immer von Zweifel oder Denken abgelenkt werden, dann kennt der Fluss keine Grenze.

Kyosaku

Es ist das zweite Male in diesem Monat, dass man mich um Unterricht der chinesischen Kultur bat. Ich sollte durch solche Gespräche und Stunde entgelt werden. Ich fühle mich nicht qualifiziert genug für solche Angelegenheit und weise auf die Universität hin. Nein, dort kann man nur die Kultur für den Kopf lernen, aber nicht fürs Leben. Recht überrascht und ich sagte, dass man sich an diesem Teetisch freundschaftlich annähren kann und darüber so unterhalten kann. Mein Gegenüber hat gelacht und sagte, dass er mich nicht als Freundin haben will, sondern als Lehrerin.
Lehrerin.
Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit meinem Zen-Lehrer Michel. Jedesmal wenn ich das Dojo eintrat, drehte er sich gegen mich um. Drei Jahre lang. Er hat mich einfach nicht beachtet. Geht man wohin, weil man beachtet wird? Ich weiss es nicht und es war mir vollkommen egal. Ich erinnere mich an meinen ersten Schlag von Gyosaku, das man im Dojo von älteren Schüler erhält. Gyosaku wird in amerikanischen Zentradition vermieden, weil ein Schlag zu sehr an Strafe und Gewalt erinnert. Kann man besser mit Gewalt umgehen, weil man mit ihm nicht mehr konfrontieren muss? Ich weiss es nicht. Ich war ein Kind, das oft Schläger erhielt und ganz normale Schaden mit mir trägt wie meine europäischen Mitmenschen. Schläger sind mir nicht fremd und nicht zu fürchten. Ich melde mich oft für Gyosaku, lass mich gerne auf meinen Schulter schlagen. Manchmal ist ein Schlag bloss ein Schlag. Manchmal ist es ein Schlag ins Gesicht und ich werde wach!
Ich war bereit für den Schlag. Der Schlag auf meinen Schulter ist oft der einzige Klang in dem stillen Raum, eine einzige Ton zwischen den Wände, was sich Generation zu Generation nie unterscheidet. Manchmal fühle ich mich durch diesen Klang so verbunden mit all den Patriachen, die mir diese Lehre weiter geben.
Viele Leute kritisieren die harte Zen- und Teeschulung, dass man Schüler hart tadelt. Manche bezeichnen es als Psycho-Spiele. Gyosaku zu geben und zu empfangen erhalten in dieser Auslegung eine Färbung von Unterdrückung und Blockade.
Für mich bedeutet Gyosaku weder gut noch schlecht. Vielmehr beschäftigt mich mit der Frage: „Bist Du bereit?“ Was bedeutet Schüler, was ist ein Lehrer?
In Rasa bin ich Jack begegnet, ein brillianter Tee-Lehrer aus Kyoto. Von ihm hat die Mystik des Tees mir ein Tor geöffnet. Dafür bin ich sehr dankbar. Dass er sich bemüht, einen vereinfachten Teeweg für hiesigen Menschen zu experimentieren, hat mich jedoch sehr zum Nachdenken bewegt. Als ich daran war, Unterricht zu nehmen, bat ich ihm:

„Ich will kein Lob. Ich will Kritik. Hier bitte ich um Unterweisung.“

Eine Einladung von Kritik, ist für mich eine Bitte für Teeunterricht. Ich bin bereit, mit mir selbst auseinanderzusetzen und den Tee als Spiegel zu betrachten. Schone mich nicht, auch ich bin in der Lage etwas zu lernen. Der Weg muss nicht einfach und vereinfacht werden. Ich bin bereit.
Eine Tradition und eine Kultur kann nur aufgrund eine Einladung vermittelt werden. Niemanden können wir erzwingen, etwas aufzunehmen. Wenn der Gegenüber bereit ist, die Tür zu öffnen, kann das Reichtumg beschenkt werden. Der Geist des Tees geht über Generation zu Generation, von Menschen zu Menschen, die bereit sind, machmal für ihn das Leben aufzuopfern – wie Meisters es taten. Der Weg war und ist nie geradeaus.
Bist Du bereit?