Archiv des Autors: Menglin

Oh Teein! Bist Du beruhigend oder anregend?

Suzanne möchte gerne wissen, ob lang gezogener Tee beruhigend wirkt oder nicht. Laut Helmut Grösser (Tee für Wissensdurstige) wirkt ein kurz gezogener (weniger als 3 Minuten) Tee anregend und ein lang gezogener Tee (länger als 3 Minuten) beruhigend. Er hat seine Daten und Zahlen und ist ein Experte vom deutschen Teebüro!
Ich bin kein Experte und habe keine Daten und Zahlen – nur Erfahrungen und das kulturelle Wissen aus dem chinesischen Kulturkreis. Ich würde Dir anders raten:
Manchmal befinden wir in einem speziellen seelischen Zustand. Dann lass lieber unsere Finger weg von Tee ab 17 Uhr. Morgens mit einem Ingwertee (frische geschnittene Ingwer im heißen Wasser) den Tag starten. Abend einfach nur warmes Wasser trinken. (Ich halte nicht so viel von Ayurvedischen Tees, wenn sie Pfeffer, Zimtstange und Ingwer Mischung als Abendtee oder Ruhetee verkaufen…)
Wenn es uns gut geht und unsere Seele nicht besonders labil ist, können wir nach dem Essen einen Oolong oder einen feinen weißen Jasmintee gönnen.
Wenn wir lang arbeiten und konzentrieren müssen – wenn draußen kalt ist, dann wäre ein Dian Hong und Pu Er richtig. Vor allem am Morgen! Diese Teesorte besitzen starke Yang-Energie und spenden Wärme an unseren Körper. Pu Er Tee im Sommer wäre nur zur Empfehlen mit Chrysathemenblüte zusammen zu trinken.
Nachmittags im Büro nach dem Essen wäre es passend einen feinen Longjing, Gelber Tee oder Matcha. Im Sommer, im Vortrag und in Sitzung wäre ein grüner Tee gut, um präsent zu bleiben. Nach einem Fondue Essen wäre einen Bi Luochun nicht schlecht, um die Hitze des Körpers leicht auszugleichen, aber nicht für empfindliche Seele am Abend. Grüner Tee gibt uns die Yin-Energie und wirkt leicht kühlend. Ich vertrage ihn nicht immer gut.

Jeder Mensch ist anders, jeder Tee wirkt anders und jede Jahreszeit verläuft anders. Wir müssen uns eigentlich nach der Befindung unseres Körpers und der Veränderung des Kosmos richten statt nach Zahlen und Daten…
Man kann es glauben oder nicht. Unser Körper zeigt uns, was stimmt.

„Geisha“ im Teeweg

Dayu Yoshino 吉野大夫 ist eine berühmte Figur in der japanischen Geschichte in der Edo 江户-Zeit. Dayu ist eine Art von heutiger Bezeichnung „Geisha“, aber sicherlich viel edeler und nur für sehr gehobenes Publikum. Normalerweise gehen solche historische Figuren aus der Welt der Liebrei nicht in die Teegeschichte. Aber Yoshino ist eine Ausnahme.
Ihre Schönheit und künstlerische Talent beeindruckte ganze Kyoto und eroberte Herzen vieler edler Männer. Sie verliebte sich in Herrn Joeki Haiya 灰屋绍益, Sohn einer edlen Familie. Joeki wurde von der Familie enterbt, während Yoshino sich von ihrem Geisha-Haus trennte. Sie stürzten von Glanz plötzlich ins Elend. Yoshino liess sich nicht von dem Geschehen beeindrucken und munterte und unterstützte ihren frustrierten Gatten. Ihr Mut und Stärke gewann Sympathie von ganzer Kyoto. Später kehrten sie zurück zur Familie nach einer Versöhnung durch einen Vermittler. Yoshino starb sehr bald darauf. Joeki sang seine Schmerzen mit seinem Gedicht: “ Ich habe keine Erinnerung mehr in meinem leidvollen Leben. Alles was Schön war, verschwindet mit Yoshino in die andere Welt!“, während er ihr Asche in Sake trank…
Yoshino ist berühmt für Ihre Gedichte und Geschmack. Ein Gedicht von ihr wird auch im Teeraum aufgehängt.
„Der Mond ist im Westen, 月在西
Während Du nach Osten schreitet, 君則往東
im Morgen Dämmerung. 將明之晨“
In Kyoto der Edo-Zeit. Edle Männer und ihre Entertainerinnen feierten bis ins morgen früh. Man verabschiedete sich und verabredete für die nächsten Tage. In Heiterkeit, in Schmerzen der Trennung oder in einer Bewusstlosigkeit durch Alkohol? Der Mond stand gerade noch im westlichen Himmel, während heimkehrende Menschen in die andere Richtung schreiteten.
Schöne Frauen werden gerne bewundert. In unserer Gesellschaft, wo jeden Tag viele Stars produziert werden, gehören schöne Frauen mit schöner Figuren unseren medialen Erfahrungen. Wie viele schöne Stars werden wohl in 100 Jahren nur wegen ihrer Schönheit noch erinnert?

Yoshino praktizierte auch Teezeremonie. Ihr Gatte Joeki Haiya ebenfalls. Sie gehörten zu der Teeschule Seshishu 石川流.

Erster Aufguss des Tees

In der traditionellen Gongfu Cha (Kungfu Zeremonie) habe ich gelernt, den ersten Aufguss abzugießen. Man feuchtet so zu sagen den Tee an. Erst ab dem zweiten Aufguss genießt man den Tee.
Heute würde ich eine andere Methode empfehlen: die Teekanne mit heißem Wasser zuerst aufzuwärmen und abgießen. Anschließend die trockenen Teeblätter hinzufügen. Nach 5-10 Sekunde, den Duft der feuchten Blätter genießen. Dieser Duft verrät uns die Information, wie und ob der Tee richtig gelagert und hergestellt wurde. Den ersten Aufguss wie gewöhnlich zubereiten und trinken. Der erste Aufguss zeigt uns eigentlich die reichhaltigste Seite des Tees. Er enthält die meisten Inhaltstoffe. Die Blasen, die beim ersten Aufguss aufzeigen, enthalten nach dem japanischen Forscher 谷本阳藏 wichtige Stoffe für die Gesundheit.
Wer Angst hat, eine Nachtwanderung oder Schäfchen zu zählen, könnte den ersten Aufguss abgießen. Wer Gedanke um seine Gesundheit wegen Pestizide und Schadstoffen macht, sollte ebenfalls den ersten Aufguss vermeiden.
Ansonsten sehe ich keinen Grund auf den ersten Aufguss zu verzichten. Andererseits kann jeder versuchen heraus zu finden, welche Art und welchen Aufguss ihn am besten schmeckt!
1. Aufguss
Die Blasen in 1. Aufguss

Ein (Bio)Tee für eine bessere (Um)Welt?

Ich möchte mich zuerst bei Marc bedanken, dass er uns das Problem des Geschäft mit dem „schlechten Gewissen“ mittels eines Gedichts veranschaulicht. Sicher hat Suzanne Recht, dass es nur ein erster Schritt ist, mit Handel unsere Welt zu verändern. Solange die Struktur unseres Welthandels toleriert wird, werden immer kleine Menschen leiden. Der Ministerpräsident Oettinger von Baden Württemberg hat auch Recht, den Lohn des älteren Arbeitsnehmers zu kürzen. Die Jugend und die Gesellschaft brauchen Zukunft und wir wollen alle keine Revolution, darum fangen wir am besten an, den Lohn vom Herrn Oettinger zu kürzen. Das löst die Problematik unserer Gesellschaft leider auch nicht…

Ist ein Bio Tee ein Tee von traditioneller Anbausweise? Nicht unbedingt. Viele Teebauer in Taiwan bauen ihre Teepflanzen neben Gemüse und süßen Kartoffeln. Die Kartoffel und Gemüse saugen die meisten Nährstoffe, so dass die Teepflanzen ihre Wurzel ganz tief in die Erde einschlagen müssen. Die Pflanzen werden dadurch kräftiger, aber sind nicht ertragsreich. Die Blätter sind lederig, kraftvoll und aromatisch. Solche Oolongtee schmecken würzig, aromatisch und die Qualität bleibt stabil. Leider werden solche Tees nur im kleinen Teegarten produziert. Die Menge ist rar und der Preis ist entsprechend hoch. Solche Tees finden ihren Weg selten nach Europa, weil die Großhändler in Europa prinzipiell einmal im Jahr und in der riesigen Menge einkaufen. Kleine Teebauer können sich gar nicht leisten, so einen großen Auftrag anzunehmen. Oder man muss Tee von mehren Teegärten mischen und das ist meistens der Fall. Die Qualität wird unübersichtlicher. In diesem Fall ist ein Bio-Label notwenig, um den Prozess zu kontrollieren.
Manche Leute mögen die Frage bekommen, „kann man überhaupt Dir glauben, wenn Du sagst, dass Dein Tee aus einem traditionellen Anbau ist?“ Der Zweifel ist gerecht. Solche tradtionell angebaute Tees haben allerdings verschiedene Merkmale, die man leicht erkennen kann! Kräftige Blätter, oft leicht liebliche Aroma durch Insektenbiss und intensive Aroma. Der Tee spricht für sich und lügt nicht. Wir wollen leider lieber dem Label glauben als an eigene Erfahrungen (ähnlich wie an dem Arzt und Apotheke glauben als an eigenen Körpergefühl).

Bio

Für eine Massenproduktion oder einen Massenimport ist eine Kontrolle von Bio-Label sicherlich sinnvoll. Das heißt, dass das ein Problem von Massenkonsum und Unübersichtlichkeit der Produktion ist (auch ein Problem von unserer Globalisierung und Massengesellschaft) und nicht von einem raren Tee von genauem Angabe von Herkunft und Produzent. Für Menschen, die keine Zeit verschwenden möchten, mit der Kleinigkeit des Lebens auseinanderzusetzen und lieber Sicherheit haben wollen, ist der Konsum von einem „Bio Tee“ sicherlich richtig. Für Lifestyle ist ein Bio Tee natürlich eine gute Wahl.

Es wäre unserem Leben bereichernd, ich denke, wenn wir lernen, die Sprache des Tee zu verstehen. Ihn zu genießen und zu „liebkosen“ als nur aus der Mode oder wegen der Gesundheit zu konsumieren.

Bio oder Nicht-Bio

Suzanne fragte, was ich von Bio Tee halte. Ich muss vorsichtig meine Antwort formulieren, so dass es kein Missverständnis entsteht. Ich trinke keinen Bio Tee, weil die Qualität des Bio Tees meistens nicht so gut ist, wie der konventionelle. Für mich zählt die Qualität und Herkunft des Tees als die erste Priorität. Wenn die Herkunft des Tees stimmt, der Herstellungsprozess richtig durchgeführt und der Tee ein Bio Tee ist, dann ist dieser Bio Tee sicherlich zu empfehlen. Die Bezeichnung Bio hat für mich keinerlei Bedeutung!
Die Frage ist, wozu brauchen wir die Bio-Bezeichnung? Eine Bio Bezeichnung bürgt überhaupt nichts für den Geschmack und Qualität, sondern sorgt für ein psychologischen gutes Gewissen und einen guten Marktnische.

Nachdem man in Europa langsam über ihre koloniale Vergangenheit und die Ungleichheit der Ressourcen-Verteilung reflektieren können, bekommt man hier zunehmend schlechtes Gewissen über die Ausbeutung von Zucker, Banana und Teeplantage. Tatsächlich sind die Arbeitsbedingungen für Pflückerinnen in vielen neuen Anbaugebiet wie z. B. Assam und Ceylon verheerend und Handelsblatts Bericht über Assam lieferte den beste Beweis: „Armut der Teepflückerinnen schnürt ethnische Unruhe“ (12.03.99). (Die Entstehung von Assam Tee ist ein Spiegel der kolonialen Geschichte! Sie lehnten die Teeindustrie ab und versuchte die Arbeit zu blockieren, so dass Gastarbeiter importiert werden mussten und ethnisches Dilemma gestiftet wurde. Diese Geschichte möchte ich später mit einem eigenständigen Beitrag widmen.) In diesem Kontext ist das Konzept „Fair Trade“ entstanden. Man möchte den Menschen in dritter Welt helfen, indem man für Konsumgüter mehr bezahlt und selbst mit besserem Gewissen weiter in dieser Konstellation lebt.
Solche große Monokultur von Kaffee-, Zucker- und Teeplantage regt steigendes Bedenken in der Öffentlichkeit in den Länden, die sich solche Konsumgüter leisten. Man möchte Genussmittel weiterhin genießen, aber auch gesundheitlich unbeschädigt bleiben. „Bio“ ist ein Trend geworden. Selbst Aldi hat diesen Markt entdeckt und verkauft Bio Gemüse! Es ist fast wie ein Konzept geworden, dass „Bio“ gleich gesund und unbedenklich bedeutet. Für mich bedeuten „Bio“ und „fair Trade“ in diesem Sinne eher eine Markethingsstrategie und ein Konzept als eine Qualitätsgarantie.
In Taiwan, Japan und manche Anbaugebiet in China werden Teegärten überwiegend von kleinen Teebauern getrieben. Das Handwerk wird Generation zu Generation weiter vermittelt.
Teeanbau und Herstellung ist eine Kunst, die nicht einfach angeeignet werden kann. (In Assam importierten Engländer 600 chinesische Kulis aus Singapur und dachte: Chinesen sind Chinesen. Leider waren die 600 Kulis Analphabeten im Teeanbau…) Z. B. in Taiwan leben Teebauer leben gut von ihrem Tee und anderen Produkten. Es sind Familiebetriebe. Darum gehören Formosa Oolong meistens nicht zu billigeren Teesorten und man findet ihn in Aldi nicht. „Fair Trade“ findet beim Formosa Oolong auch keinen Platz! Manche Teebauer, die ich kenne, bauen ihren Tee nach der Tradition. Es sind natürlich eine Art vom „Biotee“, aber ohne europäische „Bio-Siegel“. Oriental Beauty muss z. B. von Insekten befallen werden, die nur im natürlichen Milieu vorkommen und sich vermehren. Die Rede von „Bio“ Oriental Beauty kommt nie vor. Ich bevorzuge diese Redewendung von „traditionelle Anbausweise“ als den leider oft missbrauchten Begriff von „Bio“.

Die Qualität und die Herkunft des Tees stehen für mich im Vordergrund als die drei Buchstaben „Bio“.

Was ist das typische „Schweizerische“?

Heute habe ich Lust einen provokativen Blog zu schreiben. Wer sein Weltbild und sein kulturelles Selbstverständnis nicht gerüttelt werden möchte, sollte hier per Mausklick, diesen Blog verlassen. Es geht nicht um Tee, sondern um das Zusammenleben in einer so genannten multikulturellen Gesellschaft.
Was ist das Schweizerische? Milchkühe, Lusxusuhren von Rolex oder Migros? Für mich ist es typisch schweizerisch, wie ein Schweizer sich gegenüber seinen Mitmenschen verhält und über sich sagt. Die meisten Schweizer würden sagen, dass sie nicht typisch schweizerisch sind und sogar – EUROPÄER sind!

Heute trafen wir uns zum Tee. Zum Schluss waren wir zu dritt: eine Japanerin, die mit einem Schweizer verheiratet ist und ein Schweizer, der aus einem alten Geschlecht in der Innenschweiz stammt und mit einer Japanerin verheiratet ist und ich, die seit 1992 in Deutschland lebt. Die beiden leben in einem von deutschen „Gastarbeiter“ eroberten Finanzstandort Schweiz – Zürich.
Die Japanerin erzählte von ihrer Erfahrungen mit Deutschen in Zürich. Deutsche erscheinen ihr vom Verhalten her eher grob und direkter als Schweizer. Sie habe das Gefühl, dass Deutsche weniger Wert auf die Freundlichkeit als Schweizer legen. Ich lachte und sagte, „ja, nun hast Du einen Kulturschock mit Deutschen. Ich habe auch meinen Kulturschock mit Schweizer!“ Die Ohren wurden steif. Der Schweizer fragte sofort, „Menglin, was für Kulturschock hast Du?“ Ich begann hemmungslos über meine Fremderfahrungen in der Schweiz zu erzählen. Von meiner Beobachtung beim Einkaufen, im Restaurant und auf der Strasse. Schweizer scheinen mir sehr freundlich zu sein, – besser ausgedruckt: sie bemühen sich sehr freundlich zu sein! Diese sichtbare Bemühung im Laden, im Restaurant auch in meinem Bekanntenkreis, freundlich zu sein, sagt mir sehr viel über Verhaltungsmuster und die Moral einer Gesellschaft aus. Ich erzähle weiter von meiner Erfahrungen als Gast bei Schweizer Familie und Freunden, was mir sehr fremd erschien. Ich war im einen Redefluss zu erzählen, sogar über die Welschschweizer über den Röstigraben zu berichten. Die beiden Einwohner aus Zürich konnten es nicht mehr weiter schweigen und sagten, “ Nein! Das kann nicht wahr sein! Das sind deine Erfahrungen! Schweizer sind nicht so! Deine Leute sind komisch, sie sind nicht normal!“, ich erwiderte „Doch, es sind alle „anständige“ Schweizer!“ “ Das kann nicht sein. Du kennst wirklich komische Leute!“ „Wie kannst Du es pauschalisieren, dass Schweizer so order so sind!“ regte der Schweizer auf, “ es sind deine persönliche Erfahrungen, die mit Dir zu tun hat!“ Ich spürte, dass ich mit meiner Ehrlichkeit und Offenheit zu weit gegangen bin und nun stehe selbst plötzlich im Pulverzone. Ich lachte und entschuldigte mich für meine Art des Betrachtens im Gespräch. Ich erzählte nur von meinem Bild über die Schweiz über ihre Gastfreundschaft, Umgang zwischen Menschen und Körpercodes auf der Strasse. Sie erscheine mir als real, weil ich mit meinem Schlitzauge die Dinge anders sehe und anders erlebe. Als ein sichtbarer Fremder lebt an der Grenze des Verständnisses der Gastgeber-Gesellschaft.
Solche Gespräche habe ich paar Male mit Schweizer Freunde ausgeführt. Fast immer bekomme ich Vorwurfe, dass das Problem solcher Erfahrungen an mir liege. Denn sie erfahren so etwas nie! Das gäbe nicht in ihrem Leben und passt nicht zu ihrem Erfahrungshorizont als ein „normaler“ Schweizer. Nach heutigem Gespräch habe ich etwas gelernt, nicht mehr über meine „Fremderfahrungen“ mit dem „Fremden“ auszutauschen. Es überspringt die Grenze eines Erfahrungshorizonts eines „anständigen“ Bürgers! Es ist immer einfacher, das Andere und das Spiegelbild als kurios, komisch und verzerrt einzustufen, als, es als eine Chance, über eigenes Weltbilds zu reflektieren. Es gilt auch für mich. Es wäre zu reflektieren, dass ich meine Erfahrungen nicht zu bewerten und nicht mit Emotion auf sie zu reagieren. Es ist immer schwer, negative und manchmal erniedrigende Erfahrungen mit Distanz zu betrachten. Aber es ist unsere Aufgabe als Mitglied in einer Weltgesellschaft, mit der Reibungen der Kulturen umzugehen. Das Fremde rückt immer näher und wir können diese Entwicklung nicht mehr anhalten. Der Fremde war, der heute kam und morgen weiter wanderte. Heute ist der Fremde, der heute kommt und morgen bleibt.
Das Fremdbild könnte einen Blindwickel unserer Gesellschaft widerspiegeln, wenn wir ihm als eine Chance sehen könnten.

Junshan Yinzhen 君山銀針- ein gelber Tee

Dieser schöne Tee kommt aus dem Provinz Hunan 湖南. Junshan ist eine Insel, die im einen großen Süßwassersee Dongtinghu 洞庭湖 Chinas liegt. Jun 君 – der Herr und Shan 山 – der Berg. Diese kleine Insel ist berühmt nicht durch den Tee, sondern auch durch verschiedene Legende! Es wurde erzählte, Kaiser Shun 舜 starb auf seine Reise nach Südchina. Seine Ehefrauen erfuhren es und wollten schnellst zum ihrem Mann. Als Ihr Schiff im See von Sturm erfasst wurde, schwammen 72 Schnecken zu ihnen und gaben ihnen einen Halt. Diese 72 heldenhaften Schnecken wurden zum Jun-Shan!

Grab
Grab von den zwei treuen Ehefrauen von Kaiser Shun

Junshan Yinzhen ist seit Tang-Dynastie bekannt. Angeblich nahm die Prinzessin Wencheng 文成公主, die den tibetanischen König heiratete und den Buddhismus nach Tibet brachte, in ihrer Hochzeit nach Tibet mit. Dieser Tee sollte wohl die Prinzessin unter den Fremden getröstet haben…
Junshan Yinzhen wurde oft von chinesischen Poeten mit Lungjing verglichen. Er sei leicht breiter und grüner. Im Roman „Der Traum des roten Kammer 紅樓夢“ sollte die schöne Nonne Miaoyu 妙玉eine Schale Junshan Yinzhen mit dem gelagerten Schnee, der auf dem Pflaumenblüte lag und vor Jahren gesammelt wurde, zubereitet haben. Jia Baoyu 賈寶玉 – der Held des Romans – vielleicht eine Art von Casanova? – sollte diesen besonderen Tee mit dem sonderbaren Wasser serviert wurde. Kannst Du es vorstellen, wie es wohl nach Pflaumen und Tee duftet?
Dongtinghu
Sonneuntergang von dem Dongtinghu洞庭湖

„Geisha“ 藝妓 und Mohamed-Karikatur

Teemeister Ulrich Haas in Freiburg regte sich in einem Rundbrief über die kulturelle Ignoranz des Marshalls in seinem Film „Geisha“ auf und zitiert im Satz von chinesischem Regisseur Chen Kaige „Eine Chinesin kann keine Geisha spielen, es ist eine traditionelle Figur der japanischen Kultur. Aber vielleicht war es dem Regisseur egal.“
Kann Chinesin keine Geisha spielen? Wie konnte ein Brite Sir Ben Kingsley überhaupt Gandhi spielen und einen Oscar gewinnen? In diesem Logik wäre es nicht möglich von Fremdverstehen zu sprechen. Wie kann ein Deutscher oder Schweizer überhaupt Buddhist werden? Das ist ja ursprünglich eine indische Religion… Das Problem von Hollywood liegt nicht daran, dass Chinesin eine Geisha spielen kann, sondern an der Haltung „Schlitzaugen sind Schlitzaugen!“

Die Welt, in der wir uns bewegen, ist beschränkt auf einen kleinen Teil der Erde, wo Handy, Computer, Supermarkt, Pizza, Internet und Bloggen zum Alltag gehört. Es sind Privileg eines winzigen Teils der Weltbevölkerung und keine Selbstverständlichkeit. Wir teilen nicht das gleiche Lebensgefühl, nicht die gleichen Werten und noch weniger die ähnlichen Lebensperspektiven und Hoffnungen miteinander. Meisten von uns sind bedroht von Hunger, Krieg und Hoffnungslosigkeit des Lebens. Das Paradoxe der ganzen Geschichte ist, dass wir in einer Welt leben, in der Globalisierung den Anschein erweckt, dass wir alle Coke Cola trinken und Lewis Jeans tragen. In Züge der Globalisierung rückt das Fremde immer näher, das Leben wird unübersichtlicher und wir befinden uns immer mehr inmitten der Differenzen. Statt mit den Differenzen auseinanderzusetzen beharren wir auf die Bequemlichkeit, in dem wir mit Stereotypen denken – wie oft wurde ich auf der deutschen Strasse als Thailänderin oder Heiratskandidatin angesprochen!

Schlitzaugen sind sowieso Schlitzaugen. Ihnen stehen keine Geschichte, keine Werte und keine Gefühle zur Verfügung. Diese Haltung erinnert mich an den Streit um Mohamed-Karikatur. Als die westliche Welt von Meinungsfreiheit, Provokation und Alibi des islamischen Terrorismus spricht, fragt sich wohl vielleicht jemand, ob es in unserer Welt vielleicht andere Menschen gibt, die andere Vorstellung von Leben, Freiheit und Religion innehaben.

Soshitsu Sen in Berlin
Meister Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 opferte im Mai 2000 eine Schale am Berliner Mauer.

Alter Teemeister der Urasenke-Schule Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 musste sein Pflicht an dem zweiten Weltkrieg erfuellen und schlug eine Schale Tee für seine Kameraden, bevor sie ins Kampfflugzeug einstiegen. Nach dem Krieg beschloss er als Friedensbotschafter zu sein. Er wollte Menschen mittels eine Schale Tee diese Botschaft zu verkünden! Tee geht über die Grenze der Sprache, des Territoriums und der Kultur. Durch das Teilen eine Schale Tee, indem wir aufhören, zu denken, zu sprechen und zu unternehmen, tragen wir dem Weltfrieden bei. Das Andere, so wie es ist, anzunehmen ist wohl der Anfang des Friedens.
Soshitsu Sen in Honolulu
Soshitsu Sen der 15. 鹏雲齋 in Honolulu im Juli 2001

Liebe und Glück im Teeweg

„Happiness does not exist except as sweet memories of the Past…“ sagte heute Mein Tee-Papa Detlef zu mir, als wir zusammen zum Tee trafen. Tee-Mama Ingrid konnte nicht richtig auf dem Tatami knien, weil ihr Knie erst vor drei Wochen operiert wurde. Wir tranken von ihm zubereitetem Koicha – einen dicken Tee und plötzlich sagte er mir, „Menglin, Du wirst von uns bestimmt die Holzkohle erben, die ich gestern gewaschen und geschnitten habe.“ Sie schauten sich an und lachten. Ja, der Körper ist hinfällig und die Zeit wartet auf uns nicht.
An der Wand hing eine Schriftrolle, die normalerweise etwas Philosophisches und Dimension des Zens darstellt. „Warum nie etwas von der Liebe?“ Ich fragte sie. „Denn, Menglin“ er schaute mich an „das Glück von Menschen existieren meistens nur in ihrer Erinnerung. In Moment des Glücks können wir es gar nicht wahrnehmen.“ Er führt weiter fort, „wer weiß, wie ich mich glücklich fühlen werde, wenn ich mich in paar Jahren an unsere jetzige Teezusammenkunft erinnern werde!“
Jedes Treffen ist einmalig! Nach jeder Teezusammenkunft verabschieden Gastgeber und Gast nach der Tradition im Schweigen. Jeder geht auf seinen Weg. Wortlos und unaufhaltsam. Der Gastgeber kehrt allein zurück in den Teeraum und sitzt vor den gelöschten Feuern. Jeder Treff ist einmalig! Was hätte ich vorhin noch sagen sollen? Was hätte ich gesagt? Der Freund ist fort. Die Momente kehren nie mehr zurück. Wäre es möglich – in der ungewissen Zukunft – sich wieder in diesem Raum zu begegnen?
Das ist auch das Gefühl der Liebe, nicht wahr? Jemanden so zu lieben, das Leben so zu leben, als ob es der letzte Tag wäre. Die Intensität des Lebens zu spüren und das Leben im Hier und Jetzt zu betrachten und so zu leben, lernt man konkret im Teeweg.
Vor dem Teeraum legten Samurais ihr Schwert vor einer niedrigeren Tür. In dem Moment, in dem man in den Raum eintritt, ist jeder sein selbst. Kein Kaufmann, kein Samurai und kein Fürst. Jeder musste sich vor der niedrigeren Tür beugen – sich demütigen lassen, so dass man in einem gleichen Raum miteinander Herz zu Herz begegnen konnte. Das ist die höchste Dimension der Liebe, wenn man sich selbst vergessen könnte, was man sein sollte und wollte, nicht wahr?
Detlef und ich
Mein Tee-Papa Detlef und ich im zürcher Völkerkundemuseum im Sommer 2001

„Geischa“ 藝妓 und Tee

Hast Du den Film „Geischa“ von Hollywood (Rob Marshall) gesehen? Weiß Du, was eine Geischa 藝妓 ist?

In der chinesischen und japanischen traditionellen Gesellschaft pflegte man eine spezielle Tradition von Unterhaltungskultur, die in Europa nicht gab und gibt. Geischa sind solche Entertainerinnen, die japanische aristokratische Gesellschaft unterhielten – mit ihrer künstlerischen Fähigkeit , nicht mit ihrem Körper.
Zweifellos waren alle Geischa schön. Aber nicht ihre Schönheit macht eine Frau zu einer erfolgreichen Geischa, sondern ihre Kunst im menschlichen Umgang, in Beherrschung verschiedener Kunstgattungen und in ihrer Selbstbeherrschung. Sie unterhielten einsame männliche Oberklasse und waren Projektionsfläche der männlichen Egos.
In damaliger Gesellschaft waren Ehen und Liebe häufig nicht miteinander zu vereinbaren. Dies war in Europa allerdings ähnlich. Die Ehe war ein Mittel zur Erweiterung familiärer Besitztümer und Regelung der Erbschaft. Erst mit der Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft im 18. Jahrhundert war Liebe in der Ehe denkbar. (Lessing veranschaulichte diesen Prozess mit seinem Trauerspiel “ Miss Sarah Sampson“.) In altem Japan suchten einsame abenteuerliche männliche Seele Liebe in den Geischas und Geischas in ihnen. Eine Liebesbeziehung zwischen Geischa und ihrem Gönner ist eine offizielle Angelegenheit. Treu und Verantwortung waren das höchste Gebot. Ein Mann, der bereits eine eigene Familie gründete und gleichzeitig eine Geischa als halbe Frau erklärte, übernahm Verantwortung für beide Pateien. Eine Geischa, die bereits einen „Mann“ hatte, arbeitete trotzdem weiter als Entertainerin. Geischas waren wohl die einzige weibliche Gruppe, die frei waren, ihren Mann auszusuchen und ihren Beruf auszuüben.
Geischa von Rob Marshall
Filmwerbung von Geisha – eine schöne schwarzhaarige Geischa mit blauen (Schlitz-)Augen…

Geischas leben weiter in der neuen Zeit und neuen Welt. Sie fungieren als eine Projektionsfläche im Westen für erotische exotische Phantasie. Geht es wirklich um die Geischas in feudalistischer japanischer Gesellschaft? Oder geht es um die Geischas, die bereits als erotische Figuren in den Köpfen der westlichen Menschen leben?
Geischa und Tee haben hier etwas Gemeinsames: Sie besitzen zwar eine eigene Geschichte, aber werden von ihrem historischen Kontext herausgerissen. Anschließend werden sie mit verschiedenen Bedeutungen und Kategorien hinzugefügt. Tee wird zum Trendgetränk. Neue Zürche Zeitung bestätigt, dass Tee „das meist konsumierte Getränk der Welt“ sei. (14. Okt. 2005) Grüntee sei gesund, „wellness“ und geheimnisvoll etc. Mich verwirren oft Werbungen und Teebücher über Tee. Geht es um den Tee selbst oder um die hiesige Vorstellung von Tee?