Archiv des Autors: Menglin

Raku auf schweizer Art

Raku auf schweizer Art

Seit es Shuitang öffentlich wurde, spazierte gerne so genannte Künstler und Töpfer hinein. Manche sind freundlich. Manche verhalten sich auf eine selbstdarstellerische Art, die ich oft einfach sein lass. Das heißt, ich reagiere nicht darauf. Manche bemägelnte sogar die Sammlung. Mache sagten zu mir, sie machen eben Raku auch. Und?

Das Werk ist oft Spiegel eines Künstlers. Wenn ein Künstler wenig Respekt vor Shuitang hat - auch wenn Shuitang nicht unbedingt die tollste Sammlungen zeigen kann, dann kann Shuitang wohl auch nicht ihre Werke würdigen.

Evi kam zwar auf mich zu, aber auf eine ganz andere Art. Freundlich, zurückhaltend und persönlich. Ich hörte von ihrem Name bereits seit paar Jahren, kennen gelernt haben wir nicht. Die Zeit war eben nicht reif.

Als ich heute in ihrem Wohnzimmer sass, sagte sie mir, dass sie nicht kopieren will. Sie macht eben nicht das Japan-Raku, sondern ihre Interpretation. Ihr Respekt vor der Tradition zeigte sie, indem sie ihr Werk als das Schweizer Raku bezeichnet. Ich stand vor den wenigen Werken von ihr, die für sich selbst sprechen. Ich sehe in manchen Schalen eine kindliche Anmut und weibliche Verbindlichkeit – Harmonie und Geschmeidigkeit in eins. In manchen Werken spürte ich eine scharfe reihe Kraft, die durch die dunklen Glasur sprechen wollte. Ein Mensch hat eben verschiedene Facetten. Und ein Künstler weiß, dass er nichts zu verstecken hat.

Wir begannen uns miteinander anzuvertrauen. Ich traute mir, ihr mitzuteilen, was ich sah. Dann fanden wir viele Ähnlichkeiten und den gemeinsamen Weg, obwohl wir unterschiedlichen religiösen Erziehungen und Kulturkreisen zugehörig sind. Herzen zu Herzen. Geist zu Geist.

Stunde sind vergangen und wir redeten über das Leben, den Tee und Raku. Dann brachte sie mir ihren Geburtstagkuchen…. „Menglin, Du bist mein Geburtstagsgeschenk!“ Eine Person, die ich erst seit paar Stunden kenne… Ach, Geburstag im August, wieder ein Sonnenkind! Ich begene so viele meinesgleichen in dieser Periode! Als ob alle Löwen zu mir kommen, mir helfen wollen… Ich umarmte meine Löwenschwester!

Natürlich habe ich für Shuitang schönen Werke von ihr mitgenommen, die ich demnächst ausstellen werde. Das Gedicht dazu, habe ich bereits im Kopf….

Hua Zhi zi duan Chang, Mei Se wu Gao xia

Die Grösse der Blüte sind unterchiedlich; die Schönheit der Blumen sind nicht aneinander zu messen.

Jede Schale ist ein kleines Universum. Ich habe ein großes Respakt davor. Für die schönen Schale werde ich gute Hände finden, es weiter zu geben!

Vielleicht rufen die schönen Teeschale diejenigen selbst, die sie nach Hause mitgehen wollen! Und de dumme Menglin macht nur die unnötige Sorge…

Raku Art: Künstlerin Evi Kienast organisiert seit Jahren ein Seminar mit ihrem Teelehrer aus Kyoto, kombiniert mit Chanoyu-Seminar und Raku-Praxis. Wer sich dafür interessiert, bitte hier anmelden.

Evi Kienast

Die Nachbaren

Eigentlich halte ich mich selbst als eine unauffällige Person, die auf der Strasse kaum Aufmerksamkeit erregt, ausser – ich trage eine Kehrrichtesack. Das NeumarktQuatier kenne ich mindestens seit ach Jahren und laufe unauffällig da herum. Seit es Shuitang gibt, ist es anders geworden.

Normalerweise beginngt mein Tag in Shuitang so. Ich gehe schnell zu dem Tante-Emma-Laden und kaufe Brötchen, Avocados etc für das kleine Imbiss und das Frühstück. Ich wrude dort sofort erkannt und als Teedame bezeichnet. Dann sofort melde ich mich bei Nuemarkt Cafe, um eine Tasse Schale zu holen. Einmal sah mich der Wirt von Neumarkt-Theater-Cafe und sprach mir an, ob ich die Teedame sei. Sie waren richtig erstaunt, dass ich Kaffee brauche. Ich gestand ehrlich meine Kaffeesucht – why not? Sie lachten über meine Ehrlichkeit.

Der nette Pascale von der marrokanischen Buchhandlung schenkte mir ein wunderschönes Buchlein von Haiku zum Einzug an die Spiegelgasse. Mein direkter Nachbar Herr Rennhofer rauchte immer seine Zigretten vor seiner Tür und fragte sich, was ich mit meinen Gästen so am Tisch mache. Wenn paar verwirrten Damen in Shuitang Möbel einkaufen wollen, schicke ich sie immer direkt zu Herrn Rennhofer. Die beiden Laden plazieren richtig gut gegenüber.

Mein geliebter Nachbar Hubert und ich kommunizieren über den Fenster im Garten. Ich öffnet das Fenster zu Limited Stock vor dem schwarzen antik Schreibtisch und das ist das beste Fenster der Freundschaft. Wenn ich kann und dazu komme, mache ich ein Brötchen für Hubert mit. Er hat nicht viel Auswahl, er bekommt immer Avocado mit irgendetwas. Manchmal wurde auch Kuchen in das Fenster reingeschoben oder ein lachendes Herz.

Ich grüße die Leute, die ich jeden Tag sehe, werde gegrüßt, weil ich fast jeden Tag gesehen werde. Ein Geben und Nehmen. Ein Quartier voller persönlichen Atmosphäre. Ein Hauch des ZUhauseseins. Ich habe sehr viel Glück mit Shuitang!

Mein Engel

Mein Engel

Jeden Tag ist ein anderer Tag.

Dank Natascha kann ich jetzt früher heim gehen. Um meinen Dank auszudrücken lud ich sie zum Ente essen ein. Die besten Ente im Europa… Nach dem Enteessen war ich erschöpft und bekam ich heute morgen Kopfschmerzen – wahrscheinlich zu viel Fleisch!

Dann dachte ich, wie ich diesen Tag überleben soll…

Gegen 11.30 kam eine ältere Dame zu Shuitang. Sie sagte in einer sehr klarer Sprache, dass sie mich an der Speigelgasse grüssen will – mit einer wunderschönen Rosen! Sie sagte, sie sei die älteste von diesem Quatier! Ich war von dieser schönen Überraschung sprachlos. So wurde ich begrüsst, von einer älteren Dame mit einer Rose an dieser speziellen Gasse! Menglin gehört nun auch hier!

Dann fing dieser Tag wie eine blühende Rose an. Ein Herr spazierte hinein und verlangte eine Tasse Sencha. Er erklärte mir, was Sencha für ihn bedeutet. Ich merkte seine Art der Artikulation und fragte mehr nach seiner Person. Ein Literaturwissenschaftler. Bis jetzt nur Sencha Erfahrungen. Weil ich frech bin, ging ich einfach weiter, ob er eine Herausforderung annehmen würde, etwas Schweriges zu probieren. Dann landet er in Qilan Guangdong in Phönix Berg. Was für einen herrlichen Tee. Er sagte, er liebt solchen widerstandfähigen verbindlichen Geschmack! Wir sprachen von Negativen Ästhetik, von Spätromantik und von Ästhetik der Sung-Porzellan. Ich genoss, seine gute schöne Sprache, seine Person und seine angenehme interessierte Gesellschaft. „Kommen Sie bitte wieder! Es ist so spannend mit Ihnen zu sprechen!“ ganz spontan sagte ich zu ihm. Ich zeigte ihm meine Faszination von Porzellan und Steinkanne. Er war von der Schönheit von Sung-Stil beeindruckt. Die schönen Objekte im Laden wurden einfach abgeräumt. Er wollte unbedint eine von mir benutzte Steinkanne Shipiao Hu mitnehmen. Eine Kanne mit drei kleine Fehler durch Transport. Es war ihm egal, ein Stück mit Spuren von mir sei schön. Er hätte gerne noch zwei Celadon-Tasse mitgenommen – dies habe ich dann gestoppt. – Wenn Sie schon auf dem Gipfel sind, müssen Sie nicht mehr den Weg zurücklegen. Außer Sie möchten es unbedingt, dann kommen Sie einfach wieder… Er sagte, er kommt bestimmt wieder, weil er vor paar Wochen schon vor Shuitang stand und dachte, er wird wieder kommen. Er machte ein Foto von mir mit Handy – ich fühlte mich eigentlich hässlich und alt, naja!

Dann lernte ich einen interessanten Menschen kennen, ein Kritiker für Ladengeschäft. Ein interessanter Beruf! Wir unterhielten über das Dasein als das Haustier eines Laden… Dann kam die Künstlerin Heidi, die ich zwar zum ersten Mal traf, aber sofort sehr vertraut wurde. Sie sagte, sie war schon Mal vor der Tür in Shuitang, leider war die Tür zu…jemand war zu faul… 

So ging es weiter. Gegen 17 Uhr war ich erst wieder frei und habe bereits mein Mittagsessen verpasst. Ich trank noch ganz schnell einen Langnase-Tee, dann kamen zwei Chinesen hinein. 

Ich war nicht besonders herzlich, auch nicht besonders abweisend. Ich bin einfach da. Einer fragte mich, „Sprechen Sie Chinesisch?“ Ich nickte. „Ni Shi Zhongguo Ren! Sie sind Chinese.“ „Wo shi Taiwan Ren. Ich komme aus Taiwan“ So haben wir angefangen nicht besonders nett zu unterhalten. Ich roch allerdings etwas Besonders an die beiden Männer und lud die beiden einfach ein zusammen zu sitzen. Zwei Künstler für traditionelle chinesische Kunst aus China auf besten Niveau – einer gastiert gerade in Luzern Kunsthochschule, der andere in Zürich. Wir merkten plötzlich, dass wir den ähnlichen Geschmack haben, ähnlich verrückt sind und ähnliche Affinität haben. Wir lieben alten Sache, lieben die Literatur, Roland Barthes und das Kino. Sie haben gerade in einer zürcher Buchhandlung eine Kostbarkeit für viel zu wenig Geld entdeckte. Wir bewunderten die Bilder zusammen und lachten gemeinsam über unsere Wege um die verlorenen Schätze im Ausland zu finden. Sie fragten mich, wo finde ich meine Sache? Ich erwiderte nur ein katzenhaftes Lachen – wie könnte ich so etwas verraten? Dann bewundern „sogar“ die beiden Professoren in Kunst meine Kalligraphie – die eher wenig weiblich aussieht und  wie die alten nordlichen Stil vor 1400 Jahren. Einfach, kraftvoll und direkt. Sie merkten sofort, meinen Stil die Teetasse zu halten – anderes als der gewöhnte. Ja, sie haben gute Augen. Sie bewunderten auch die Tassen von Matsu. Ich dachte, wenn Matsu hier wäre, wäre er bestimmt sehr glücklich! Dann fragten sie mich, sind alle Taiwanesin so wie ich? So eine schöne, intelligente und niveauvolle Frau finden sie nur ganz selten in China und sie hätten nicht gedacht, in Zürich an einer kleinen engen Gasse so eine treffen zu können!

So ein Männerspiel kenne ich gut von meinem Onkel. Männer wollen Dir immer das Gefühl geben, dass Du etwas besonders seist. Entweder sind sie zu schüchtern, um mit Dir einen guten Kontakt zu pflegen, oder sie sind zu kompliziert und finden Dich einfach nicht. Ich erwiderte ihren Statement mit einem Schalk. Sicher bin ich so wie alle TaiwanesinNEN.

Natascha kam zu dem lachenden Tisch. Sie verstand zwar nicht, ws wir redeten, merkte aber, dass wir sehr Freude aneinander hatten! Sie wurde geraten, Chinesisch zu lernen. Später fragte Natascha mich, wer die beiden waren. Ich sagte, „Warte nur ab, Du wirst sie öfters sehen und sie reden sehr gerne mit so einem hübschen Mädchen wie Dir!“

 

Der Ort der Übung

Mein verstorbener Zenlehrer Michel sagte mir vor einem Jahr vor seinem Tod, „Stark sein ist nicht stolz sein.“ Ich dachte die Essenz seiner Worte zu verstehen.

Natascha kam unbeschwert zu mir und wollte bei mir Tee lernen. Was habe ich ihr beizubringen? Sie wollte alles lernen. Von Haltung bis zum Schmecken. Von Tee bis zum Duft. Die erste Übung, die sie bekam, war die Teegeräte zu polieren. 

Ich putzte gerade den Boden von Shuitang, der durch den Regen schmutzig wurde. Sie wollte meine Arbeit übernehmen, so dass ich die höhere geistige Arbeit machen kann. Auch wenn ich putzen hasse, weiss ich, das Putzen die beste Methode ist, den eigenen Dreck von meinem Kopf und Körper auszutragen. Ich liess sie die schönen Teegeschirr und Teedosen polieren. Eine Arbeit, die viel Konzentration und Geduld braucht. Eine Arbeit, wie man mit der Konzentration eigenen „Geist“ überall überträgt.

Die schönen Teegeschirr wurden plötzlich schöner. Natascha machte ihre Arbeit ruhig weiter und ihr Gesicht war fein und friedlich, wir sprachen nicht, weil wir plötzlich das Bedürfnis nicht mehr haben zu sprechen. Ich beobachtete das gut erzogene Mädchen, das in der Ruhe einfach ihre Aufgabe machte – mit Liebe, nicht Leidenschaft. Als Daniel seine Tochter zu mir brachte und sagte, sie würde mir im Laden helfen, habe ich es ehrlich gesagt nicht geglaubt. Man kann vieles versprechen, aber was tatsächlich geschieht ist oft eine andere Sache. Vor allem bei einem jungen Mädchen. Ich sagte nicht Nein, aber auch nicht ein klares Ja. Ich dachte, es manifestiert sich so wie so, wie es sein sollte. Wenn Shuitang es will, will es so sein.

Am vergangenen Samstag waren die kleinen Familie von Daniel bei mir. Seine Frau sagte mir, wie glücklich sie ist, zu sehen, dass Daniel mit mir befreundet ist. Er ist so glücklich, dass er sich mit Tee beschäftigt und so glücklich, als er von Taiwan zurück kam. Ich sah ihr glückliches Gesicht, weil er glücklich ist. Ich spürte die Liebe zwischen den beiden. Ich spüre das Glück, wenn einer den anderen wirklich liebt, weil er sich einfach für den anderen freut. Was für eine glückliche Familie, die vielleicht nach Aussen einfach und bieder aussehen könnte?

Natascha kam tatsächlich seit zwei Tagen. Sie zog sich kurz um und sass ganz ruhig am den langen Antik-Tisch. Patrizia war da und sie kamen sofort zu einem Gespräch. Ich versuchte die beiden zu zeigen, wie man eine Teetasse elegant in der Hand hält, ohne angespannt und nervös zu wirklich. Sie waren verblüfft begeistert. Dann kam die Irene, die mich angeblich endlich kennen lernen konnte, weil sie seit langem das Blog liest. Sie hat mir gesagt, sie ging schon paar Male an Shuitang vorbei, aber sah mich immer beschäftigt mit anderen Leute. Heute traute sie endlich die Schwelle zu überwinden. In diesem Moment war ich von ihrer Direktheit und Zuneigung sehr berührt. Ich spüre eine Art von Demuth, ein Gefühl, das meinem Leben in wahrsten Sinn des Wortes widerspiegelt. Dieser Shuitang ist von vielen vielen Menschen getragen, nicht von mir. Ich weiß, wie hilflos und schwach ich in der Wirklichkeit bin.

Aber Irene kam nicht wirklich wegen mir. Die heute frisch angekomende Jadekanne hat sie gerufen. Sie war sofort verliebt in dieser feine Kanne, die unter dem Licht leuchtend grün schimmert! Die Jadekanne will mit Irene nach Hause…

Natascha übt ihre erste Lektion mit Tee. Ich übe meine Lektion mit Leben. Das Leben ist eine Baustelle. Ich übe, stolz sein ist nicht stark sein.

 

 

日日是好日 Jeden Tag ist ein guter Tag

Jeden Tag ist ein guter Tag. Jeden Tag ist ein anderer Tag!

Mein Großvater sass oft in seinem großen Stuhl, trank seinen Muzha Tie Guanyin und betrachtete alles mit einer Gleichgültigkeit. Für ihn war es wohl, jeden Tag ist ein guter Tag. 

Ich erbe eher die Laune und Temperament meiner Großmutter, reagiere oft auf Ereignisse mit Leidenschaft. Das Leben richtig zu leben und selbst zu werden führen für mich nicht an dem Weg vorbei, Schmerzen und Verletzungen zuzulassen. Das Problem für mich ist – jeden Tag ist oft nicht ein guter Tag.

Shui Tang zwingt mich genau es zu erleben, dass jeden Tag ein guter Tag ist. Eine Gleichgültigkeit, die mich von Urteilen und Meinungen befreit.

Es waren Supertagen, direkt nach meinem Geburtstag. Wenn es jeden Tag so wäre, könnte Shui Tang gut behaupten. Kunstsammler waren bei Shui Tang, sie haben die schönen Dinge bewundert und abgeräumt. Es war interessierte Menschen mit inspirierenden Gesprächen. Als ich meine Schätze auspackte, war das Haus voller Euphorie und ein Glück strömte in jedem Gesicht. Ja, Schönheit ist das Zaubermittel, Menschen zu beglücken. Nicht das Besitzen, sondern das Teilen und anfassen, bewundern, austauschen…

Manchmal kommt ein angemeldeter Profi zu der Degustation vorbei. Dann können wir tatsächlich eine Zeitreise unternehmen. Die Fahrt nach Alishan durch Nebel und hohen Wälder, durch die Zeit und durch die Reifung. Staunende Gesichter, glückliche Augen und unvergessliche Zusammenkunft.

In solchen Momente weiß ich, ja, ich mache die Dinge, die mir Freude machen – und es ist gut so.

Aber machmal kommt jemand, der Dir von Anfang an sagt, er trinkt bis jetzt Darjeeling und sie hätte gerne Lapacho. Ich kann mich nur entschuldigen, dass sie vielleicht zu einer anderen guten Adresse wie Schwarzenbach gehen könnten. Dort werden sie bestimmt sehr gut bedient. Als sie unglücklich wurden, wußte ich, dass ich sie mit Düfte von Oolong doch verführen konnte.

Man kann andere Menschen erst ein Wink geben, wenn sie mit ihrem HABEn nicht mehr zufrieden sind. Man kann auch andere Menschen weiter helfen, wenn sie selbst artikulieren und nach dem Gründe oder Alternative fragen.

Die Schätze von Shuitang können sich erst offenbaren, wenn der andere bereit ist, weiter zu gehen.

Das gilt ähnlich wie bei Tee. Nicht jeder kann gleich mit Baxian anfangen, nicht jeder kann mit Benjamin Button (Alishan 2004 -inzwischen heißt dieser Tee so in Shuitang) befreunden.

Manchmal kann man mit jemandem sehr nah werden, wenn beide es zulassen. Manchmal kann man immer nur das gleiche wiederholen, bis die Zeit sich wieder ändert. Ich habe nichts zu beurteilen. In Shuitang bediene ich jeden so, wie es ist.

Dann kommen manchmal Allwissender und Künstler, die bereits alles kennen. Sie sprechen mit Dir auf einer selbstdarstellerischen Art, manchmal um Dich zu prüfen, machmal um einen Kontakt mit Dir zu schaffen – ich bemühe mich nicht zu beurteilen über diesen Menschen, nur meine Wahrnehmung zuzulassen. Auch ich kann lernen, Menschen immer weniger zu beurteilen und immer mehr sein zu lassen. Vielleicht findet man gemeinsam auf eine Ebene, wo man erneut miteinander richtig kommunizieren kann – aufeinander einzugehen anstatt von sich zu reden. Das gelingt nicht immer, aber ich kann es lernen.

Die Degustation mit Herrn Schwander vor einigen Monaten war eine einmalige Erfahrung. Das, was er mich tief im Herzen berührte, war nicht sein Können, sondern seine Persönlichkeit. Er sagte mir, je mehr er sich mit Wein beschäftigt, desto weniger versteht er ihn. Ich sagte damals zu ihm, ich habe ein großes Vorbild für meinen Weg gefunden.

Als der Mann, der in Shuitang lange verweilte, alles angeschaut und mich prüfte aus der Tür austrat, fragte ich mich, ob ich früher nicht auch so wie er mit Negativität und Selbstinszenierung in anderen Laden „begutachte“? Ich beobachte die Menschen und frage nach mir selbst. Wie war ich und wie bin ich? Wer bin ich?

Wo kann ich anfangen? Wo soll ich aufhören? Inwieweit kann man mit diesem Gegenüber tiefer gehen? Was habe ich überhaupt zu geben? Ich lerne, Menschen zu respektieren, nicht zu beurteilen. Jeder ist auf seinen eigenen Weg Richtung Glück und Erfolg. Ich bin nur einfach da, mehr nicht.

Jeden Tag ist langsam ein guter Tag.

 

Einladung zur Einweihung

Einladung zur Einweihung

Heute Nacht kann ich nicht schlafen. Was mich begleitet, ist Gedanke. Gedanke, die sich um Kreis drehen und mich nicht loslassen. Nach dem Aufstehen begleitet mich nun eine Tasse Dianhong.

Ich denke an die Einweihung und an das, was alles fertig gestellt werden muss. An die Rede, die ich wohl halten muss, an das Programm und an das Opiumbett und an seine Kissen…

Ich drucke die schönen Karte mit Vorsicht – das entspricht gar nicht meiner Natur (!) und falte sie mit großer Aufmerksamkeit (noch weniger …). Die gefragten Gäste in Shui Tang nahmen ganz vorsichtig die schöne besondere Karte entgegen. „Es ist uns eine Ehre…“ ich höre es seit zwei Tagen. Der beste Lob an Helden, die mein Text korrigierten, an Chragi und an Ursula!

Ach, diese Mühe… 

Mit H plane ich das Programm. Ich bin so dankbar, so einen tollen Mentor haben zu düfren und tolle Freunde wie Teresa, Hitomi und Christoph, die Shui Tang unterstützen und ihre Performanz präsentieren werden. 

Wie viele Leute sollen kommen? Ich wurde mit dieser Frage konfrontiert. 

Wenn es nach mir, eine Person, die durch und durch von der chinesischen Chaos-Theorie gesprägt ist, gehen sollte, würde ich sagen, so viel wie Kosmos mir schickt. Mein Mentor schüttelte seinen Kopf. Er sagte mir, wir sind hier in der Schweiz. Die Leute haben nicht gerne eng in einem Raum zusammen zu hocken. Außerdem – wie ist mit den Gläser und Tassen und dem Kulinarischen… Es muss organisiert sein, liebe Menglin!

Warum denn? Wie könnte ich jemanden wegschicken, der sich Mühe gibt und den Weg auf sich nimmt? Jeder hat doch freie Willen, nicht wahr? Wenn es einem wichtig ist, dabei zu sein, die Zusammenkunft geniessen zu wollen, dann würde er sich Mühe geben. Wenn es einen wichtiger ist, viel Raum für sich zu beanspruchen, dann würde er den Raum verlassen. Es ist doch auch durchaus in Ordnung – ich bin bestimmt nicht beleidigt. Jeder bekommt das, was er will. Warum soll ich mit meiner Hand dabei etwas steuern und blockieren? Ich hätte große Mühe, Menschen vor der Tür abzusetzen, die freiwillig kommen!

Ich respektiere die selbst manifestierten Dinge.

Warum sollte es perfekt sein? Das macht doch kein Spass.

Why not?

Es wird sich selbst manifestieren, oder? – So denke ich eigentlich immer. Man kann das Leben nicht durch und durch organisieren. Auf viele Frage bekommt man einfach keine Antwort, die sich nur durch Taten und Zusammenhänge manifestiert, anstatt mit Kopf zu klären. Außerdem ist unser Handeln meistens sehr unbewußt und von bestimmten Trieben gesteuert. Um Rästel zu „erraten“ kann man oft nur anhand den manifestierten Taten ablesen anstatt zu spekulieren.

Mein Mentor schüttelte noch einmal seinen erfahrenen Kopf. 

Also, auch wenn ich sturr bin, habe ich das Verständnis von meiner Beschränkheit und lerne Vertrauen in Menschen zu haben, die gut mit mir meinen. Also, die Einladung wird abgeschickt und die Teilnahme ist per Anmeldung organisiert. In einer perfekt funktionierten Uhrwerk-Gesellschaft wie hier, muss man weit vorraus planen. Hier geht ein anderes Denken und Handeln – ich bekomme noch meine Lektion.

Trotzdem fällt es mir schwer, herzlichen und Mühe gebenden Menschen vor der Tür stehen zu lassen. Freunde würden diese Aufgabe für mich übernehmen, sagten sie. Ich lachte katzenhaft. Mal sehen.

Glücksbringer

Glücksbringer

Ursula wußte, dass ich Mühe hätte, mit Blumen-schenken und Vase. Sie dachte, sie könnte im Wald etwas Glück für mich finden. Tatsächlich fand sie ein Glücksklee!
Die wunderbaren Blätter zeigen ihr Freude heute morgen im Shui Tang. Ich staune über die Ausstrahlung des Glücks. Hier möchte ich mich noch einmal für alle Freunde, die mir heute noch per SMS und Emails gratuliert haben!

Ein Supertag!

Ein Supertag!

Mein Geburtstag hat wunderbar angefangen!

Bevor ich aufgestanden bin, klingelte bereits das Handy. SMS, eins nach dem anderen! Dann erhielt ich ein wunderschönes Mail von Andy aus Erfurt, ob er nichts von diesem Tag wusste. Seine liebe Worte taten mir sehr gut und das schöne Dokument von ihm wird mir eine zeitlang auf meinen Weg begleiten!

Eigentlich habe ich keine Zeit, keine Musse und keine Lust, etwas für eine Fest zu machen. Aber Miriam sagte mir, ich sollte es unbedingt, gerade, weil es eine anstrengende Zeit ist! 

Ganz spontan rief ich Freunde an und schrieb paar Mails. Alles kamen! Alle!

Die Vase war natürlich wie immer ein Problem für mich. Andere Freunde wußte von meinem Makel und brachte mir Orchideen! Drei schöne weißen Orchideen bekamen ich von drei verschiedenen lieben Freunde! Duftende Rosen, großen Sonnenblumen für das Sonnenkind und riesen Parardiesvögel… Ich kann mit geschenkten Blumen nicht umgehen. Wer sagt, dass Frauen immer gerne Blumen haben? Lieber Champagne!

Ohne Carola wäre alles nicht möglich. Sie kaufte für mich ein und streichte das schöne Partybrot. 5 Flaschen Champus haben wir weggetrunken. Ich hätte noch mehr geschafft.

Die Passanten spazierten neugierig vorbei, auch der neugierige Russe. Ich wollte ihm ein Glas Champagne. Roman fragte einfach, ob er eine Tasse Tee haben konnte. Ein verwirrter Gast, der einfach plötzlich da ist. Sehr lustig. Er schrieb mir sofort seine Adresse, weil er unbedingt bei der Einweihung sein möchte – die Teilnahme von diesem Fest wird leider per Einladungskarte organisiert. Er bewunderte meine schlechte Kalligraphie und meldete sich bereits für einen Kurs, der noch gar nicht gibt. Seine Handschrift war wunderschön, bereits ein Meister eigentlich… Sehr kurios.

Dann kamen eine englische Familie, ein altes japanisches Ehrpaar… Was für eine Fest, ja, mein Geburstag!

Den schönen Abend wurde wunderbar beendet, ich bekam noch einen Anruf aus Irland! Dieser Anruf hat mich riesig gefreut!

Ich danke alle, allen lieben Freunde! Ohne Euch wäre mein Leben ohne Farbe, mein Tee ohne Duft! Mein inneres Feuer, es brennt, lichtvoll.

Müssen, Wollen und das Lebenstrom

Shui Tang ist seit zwei Wochen im Betrieb. Es war eine trubelente Zeit in jeglicher Hinsicht. Ich habe das Glück vor vielen Freunden weinen zu können, bei vielen Freunde meine Sorgen erzählen zu können und über mich selbst lachen zu können.

So wie Shui Tang heute steht ist nicht meine Leistung. Es steckt viele viele unsichtbare Helden dahinter. Oft wurde ich gefragt, ob ich nich stolz auf das Teehaus bin. Stolz auf etwas sein? Das Gefühl kenne ich nicht. Ich weiß, ich „muss“ Shui Tang nicht tun, ich will es einfach. Ich will es und tue es einfach. Ich fühle mich dabei nicht als etwas Besseres. Ich habe nicht vor Menschen zu erfreuen oder zu gefallen, ich bin einfach da.

Ich sehe Menschen kommen und gehen. Machmal kommt welche kritische edele Dame, die mich ganz kritisch unter die Lupe nimmt, nach etwas Bestimmtes sucht und bei Shui Tang nicht findet. Ich bewege mich nicht. Shui Tang muss niemanden gefallen. Shui Tang ist einfach da. Es ist einfach da für Menschen, die es schätzen. Ein „Müssen“ erzeugt eine Abhängigkeit. Aus einem „Wollen“ entsteht eine Freiheit – für sich selbst sein.

Zwei Todesfälle, ein Krankheitsfall und dann eine Hochzeit habe ich in letzter Zeit intensiv erlebt. Das Leben treibt mich in einer Richtung, vor der ich beängstigt begegnete. Sehr oft dachte ich, dass das Kosmos (der Gott) mich verlassen hat. Später erinnere ich mich wieder, dass das Kosmos immer mit mir in Eins ist. Oft spüre ich mein inneres Selbst nicht mehr, erledige nur die Dinge, ich funktioniere bloss… Bis es mir klar wurde, ich kann nicht gegen etwas kämpfen, nur für etwas.Ich spürte mein Feuer nicht mehr, irgendetwas wurde zu viel zugelassen, was mir nicht gut tut.

Einmal unterhielt ich mit Atong und Onkel Zhong. Onkel Zhong war ein Big Boss von Textilien-Industrie. Seine Geschichte erzählt er nie. Wie ertägt er, immer im Hintergrund zu bleiben und diesen kleinen Laden täglich zu hüten? Die beiden alternden Männer sagten mir, „Nur um selbst treu zu sein. “ Sie suchen keine Anerkennung, wollen nur Freude, Freude an Tee, Freude an Teilen mit Freunden.

Die Geschichte mit Shui Tang ist gleichzeitig mein Selbstfindungsprozess. Ich sehe, wie ich meine Umgebung „beseele“ und von meiner Umgebung „beseelt“ werde. In diesem Eins-werdenden Prozess erkenne ich mein inneres Feuer wieder, das lichtvoll brennt, auch wenn ich es nicht wahrneme. Ich spüre das Lebensström wieder so stark, dass ich fast weine. Auf der Zugfahrt an den Bodensee ertaunte ich wieder die saftigen grünen Wiesen, die lässigen Kühen und die feuchte Luft. Die Blumen wollen mich nicht unbedingt erfreuen, sie sind einfach nur da. Alles geschieht von sich selbst – durch das Lebensströmen.