Archiv des Autors: Menglin

Die Zeit bleibt im Tee still

Vor paar Hundertjahren veranstaltete Rikyu im Erlaubnis des Shogun Hydeyoshi in der Nähe von Kyoto eine Teezusammenkunft. Eine einmalige und eine grenzüberschreitende.
Einmalig, weil es nie zuvor möglich war, ein Teetreffen für allen Teeliebhaber offen war.
Grenzüberschreitend, weil es ein Treffen war, wo Klassen und Reichtum keine Rolle spielten.
Jeder vor dem Tee war gleichwertig. Jeder Tee war gleichgültig – gut!
Es war reiche Leute wie der Shongun, der seine Spielzeuge zur Schau stellte. Es war arme Teefrick, der gerösteten Reis zermahlt und wie Macha aufschlug.
Es war einmal und einmalig.
Heute reiste die Enkelin von Rikyu nach Zürich und bereitet für allen eine Schale Tee zu, nur weil DU ein Teeliebhaber bist.
Im Tee bleibt die Zeit still, denn der Geist des Tees ist zeitlos.

Lieber Teefreund, wenn Du Musse hast und darin eine Möglichkeit siehst sich mit Tee zu vertiefen, das wäre eine schöne Angelegenheit!

Datum: Samstag,
 3. Mai 2014, um 11 Uhr
Ort: Universität Zürich,
 Saal KOH-­‐B-­‐10
 
Vortragende: Frau SEN Makiko
Eintritt frei
Email:
 tankokaizuerich@gmail.com
Tel: 0774768904

 
 

Die Wärme einer Schale Tee

Was ist Tee?
Ein Blatt von Sinesis fällt ins heissen Wasser.
Der Fall verändert für immer das Wasser.
Ebenfalls mein Leben.
Eine sehr schöne DokumentarFilmen Reihe, die verschiedene Aspekte des Tees erzählt.
In dem ersten Teil dieser Reihe erzählt der Film unterschiedliche Tradition des Tees in China.
Mit der Erzählung reiste ich noch einmal nach Jingmai, wo ich im letzten Frühling mit vielen Teefreunden besuchte und eine Wilden-Menschen-Fladen machte. Wir sehen nicht nur die Methode, wie man einen Gushu Cha per Hand und nach dem Vorbild wie in der Song-Dynastie macht, sondern auch die Glaube von Bulang Volk, wie sie in jedem Frühling ins Wald festlich nach dem Geist des Teebaums rufen um Schutz zu bieten. Sie glauben, dass der Geist ihrer Vorfahren genau dort verweilt – im tiefen des Teewalds.
Nicht nur die alte Tradition von Pu Er Gushu Cha, sondern auch das alte Handwerk von Mengding Gelber Tee, des Longjings, des Zhengshan Xiaozhong oder des Felsentees. Auch wenn die Sprache für die deutschen Zuschauer unverständlich bleibt, sind die Bilder ein guter Erzähler.
Was mich am meisten beeindruckt und zum Nachdenken anregt, ist die Geschichte von Yinzhen Baihao.
Yinzhen Baihao stammt aus einem Bergregion Da Lao Shan und zwar von einem Tempel. Mönche gingen Jahr zu Jahr ins Tal, um einen alten Teebäume zu pflegen. Wie eine Abmachung, wie eine Zugehörigkeit lernt ein junger Mönch, wie man einen Teebaum pflegt, der ihm und den Menschen einen guten Tee schenkt. Wie ein guter Freund, wie ein zarter Band zwischen dem Mönch und dem Baum entwickelt sich eine Geschichte des weissen Tees, die bis zum Europa ankommt. Der Mönch züpft zuerst das Moos am Baum weg und reinigt die Schmarozen-Pflanzen. Dann pflückt er die Blätter. Nach sorgfältigen Verarbeitung bewahrt er den Tee in Gefäss. Er sagte, ein guter gealteter Yinzhen Baihao wurde von seinem Meister in einer Tonkanne gekocht. Diese dunkle Flüssigkeit hilft den Menschen die innere Nässe und Hitze zu vertreiben. Hitze – insbesonders aus dem inneren Herzen.
Ein gelagerter Yinzhen Baihao? Schmeckt er noch? Duftet er noch?
Ich möchte doch ein duftender geschmackvollen Yinzhen!
Der Mönch sagte, Tee sei ein Spiegel wie unser Leben. Das Leben ist am schönsten, wenn man zufrieden und wünschlos ist. Das Leben ist am glücklichsten, wenn man innere Ruhe hat. So ist wie der Tee.
Ja. Das mag sein.

Der Ruf des Tees kommt aus dem tiefen Wald und seinen Geist fange ich in einer Schale Tee ein. Diese Schale wärmt.

https://www.youtube.com/watch?v=wppZkl3c1Z4

Sonntag ist ein Ruhetag

Wenn ich nicht etwas für Taiwan einsetzen würde, hätte ich keine Chance über mein Gastland – die Schweiz zu erfahren. Um die gemeinsame Aktion der Sonnenblumen-Bewegung zu unterstützen, organisierte ich ein Demo erneut am Sonntag.
Aber der Sonntag ist ein Ruhetag, teilte mir die Zürcher Polizei mit.
Auch Revoluzzer hat am Sonntag frei in dieser Stadt.
Nicht schlecht.
Aber in der ganzer Welt aus 17 Länder gingen Menschen, die diese Bewegung unterstützen auf die Strasse, ausser in der Schweiz.
Um mich anzupassen habe ich mit dem anderen Organisator entschieden in einem Raum diese Aktion trotzdem durchzuführen.
Heute kam einer der besten Artikel in deutschsprachigen Raum über die Sonnenbewegung in der TAGESANZEIGER:

http://www.tagesanzeiger.ch//ausland/asien-und-ozeanien/Die-Kinder-die-das-Land-beschuetzen/story/11242826

Bei den Kommentaren gab es eine Mitteilung, in der die Schweiz mit Taiwan verglichen wird. Da die beiden Länder kleine Länder sind und ebenfalls mit starken Nachbaren konfrontiert werden. Der Herr, dessen Name typischer schweizer Name aussieht, sagt, dass Taiwan ein Vorbild für die Schweiz sei und die SP-Bundesräten bei Ausverkauf der Schweiz an EU mit solchen Protesten rechnen müssen. Da bin ich nicht ganz sicher… wenn Revoluzzer am Sonntag auch frei hat, kommt wohl die Revolution nicht wirklich in Gang…

Hier ist ein Link über die Demostration am Sonntag in Taipei.

https://www.facebook.com/photo.php?v=10152289787871645&set=vb.126371636644&type=2&theater

Der beste Tee der Welt

Vor einigen Tagen wurde ich freundlicherweise angesprochen, ob ich paar Muster zu einer Verkostungsrunde in Deutschland schicken würde. Da treffen sich paar Teefreunde, die die besten Tees herausfinden möchten.
Ich antwortete, dass ich solchen Tees in Shui Tang nicht habe.
Die Person war sehr freundlich. Meistens sprechen Leute mir per Email mit einer fast unpersönlichen Art an. Mit solchen Email antworte ich meistens mit einer klaren Absage. Auch wenn man das Gefühl hat, dass man durch das Blog näher wird, ist eine höfliche Format für mich von grosser Bedeutung. Sehr wahrscheinlich bin ich zu altmodisch.
Der beste Tee der Welt?
Ich habe sehr Mühe mit solcher Aussage und sehr Mühe mit solchen Versuch um den besten Tee zu finden!
Wenn ich Atong – meinen Teelehrer frage, warum machst Du Tee?
Er würde mir antworten, weil er mir Freude macht.
Tee macht mir Freude, nicht zu dem besten Kritiker oder zu dem besten Meister.
Tee macht mir Freude, auch wenn der Tee, den ich trinke, nicht der beste ist!

Das neue Buch von Atong

Das neue Buch von Atong

Seit einer Wochen bin ich im Politik-Fieber. Ich habe fast vergessen, dass ich einen Laden habe und eigentlich in Zürich lebt. NonStop Emails, Message und FB wurde ich mit Nachrichten und Mitteilungen bombardiert und bombadiere ebenfalls die anderen.

Heute kam eine Rechnung von der Zürcher Stadtpolizei wegen unserem vergangenen Demo am Paradeplatz: Eine Aktion für die Demokratie kostet 192 Sfr.
Nicht sehr teuer, also man kann es öfters wiederholen.
Wobei – ich muss sagen, die Zürcher Polizei ist ganz schnell in Aktion – ich bekam innert einem Tag eine Bewilligung und recht freundlich…
Ich bekam unsere Bewilligung vor Ort am Paradeplatz und der Polizist fragte mich, ob ich beschützt werden soll. Beschützt? Weshalb? Er fragte mich, ob ich Angst hätte… Ich schüttelte meinen Kopf. Er fragte mich nach meinen Handynummer und rief ein Misscall an. „Nun können Sie mich jederzeit anrufen, wenn Sie Probleme haben!“ Wow! Ich war sehr beeindrückt! Echt freundlich.

Heute bekam ich ein Message von Taiwan – nichts Politisches, sondern ein Buch von Atong über Formosa Oolongs ist nun endlich veröffentlicht.

Wu Long Cha de Shi Jie
Die Welt des Oolongs
Chen, Huantang & Lin Shi Wei (Schüler des Atongs, selbst Teamaker mit Universitätsabschluss Master Maschinebau)
http://www.kingstone.com.tw/book/book_page.asp?kmcode=2014810008147&lid=book-new-every-catalog&actid=NewBooks

Wenn mein Fieber für Politik endlich vorbei ist, übersetze ich bald paar Texte für die deutschen Leser!

Vögel im Käfig

Als ich ein Kind war, sass ich oft vor dem Fernsehen und erklärte meinen Grosseltern, was ich sah und hörte. Sie waren nicht Analphabeten, sie verstanden bloss kein Chinesisch.
Grossvater seufzte oft, dass sein Dasein wie ein Vögel in einem Käfig ist – weil er die Sprache auf der Strasse nicht verstand oder weil er nicht verstanden fühlte?
Ich erzählte so und so, was ich da im den Kasten sah und hörte. Manchmal übertriebener und manchmal gelangweilt. Mein Grossvater kontrollierte meine Geschichte am nächsten Tag, nachdem er die Zeitung gelesen hat und korrigierte mich mit so und so, von dem er lass und aus seiner alten Logik in der japanischen Zeit.
Meine Aufgabe war Geschichte zu erzählen und zu übersetzen.
Nun meine Aufgabe im Europa ist es nicht anders geworden.
Ich erzählte hier Geschichte oder übersetze sie. Manchmal übertreibe ich und manchmal tue ich es so wie gelangweilt.
Geschichte – Teegschichte, die ich alltäglich erlebe oder welche ich in meiner kulturellen Wurzel gehört und gelebt habe. Manchmal kann ich es nicht unterscheiden, ob ich das übersetzt bin oder der Tee. Manchmal verwechsele ich das Bild von den Vögeln – bin ich es oder derjenige, der die Geschichte hören.
Ist die Sprache ein Käfig? Oder das Gefühl vom Unverständnis oder das, was wir überhaupt als Zugehörig sein meinen?
Am den Teetisch in Shui Tang, obwohl der Tisch eckig ist, er rundet die Menschen, fangen fremde Menschen an plötzlich miteinander zu reden. Tee verbindet. Was verbindet er?
Ein Getränk, das den Käfig zeitweise verschwunden lässt und wenn man es nicht aufpasst, einen gemeinsamen Köfig kreiert – das vermeintliche Wir-Gefühl. Ich passe immer dabei auf, dass dieser Tee-Käfig keine Tür hat – damit meine Vögel immer ausfliegen können. Selbst ich – von Tee besessen – lerne, zu fliegen. Eben manchmal fremd gehen – zum Kaffee oder manchmal Whisky…
Gedanke – Notitz bei einer Tasse lieblichen und zugleich herben Phönix Shuixian aus Chao An, Guangdong!

Melancholie

Melancholie ist eine Vorstellung. Es ist auch ein Zustand.
Jeder von uns hat zwei Seiten – das göttliche und das menschliche. Manchmal überwiegt das Menschliche. Die menschliche Seite schwankt von dem Einfluss aus Umwelt. Der Mensch kann nicht in Gleichmuth bleiben, wenn er den kommenden Winter in den fallenden Blätter ahnt und in dem warmen Wind die Funken aus der Zukunft riecht. Man wird melancholisch, wenn die gefärbten Blätter in den leisen tönenden Musik von Janacek Emotionen erzeugen.
Was für eine Farbe hat Melancholie?
Wie riecht die Melancholie?
Gestern bekam ich Parfüm zu riechen, in dem eine Melodie von Melancholie eingefangen wurde.
Ich mache meine Augen zu, in dem kurzen Atmungszug roch ich verwachsenen Wald, der zu einer Höhle führt. Eine Höhle? vielleicht ein Ort in der präshistorischen Zeit, als ein Junge seine Mutprobe bestehen musste, um einen Mann zu werden?
War Melancholie sein Begleiter, während er auf dem Waldfade zur Höhle geführt wurde?
Ein Junge in der Melancholie – Tim hat mir vor paar Wochen ein Bild gezeigt. Dieses Bild überkam mir unmittelbar, als ich den Duft roch.
Melancholie – was für Farbe hat sie?
Ich roch, Farbe dunkl-grün, tief-blau und Dunkel… Ist es schwarz? Oder bloss grau, so grau, dass es auf keinen Fall schwarz wird. Bloss grau. Und in diesem Grau roch ich noch Licht, auch wenn es nur ein Schimmer ist.

Heute dachte ich noch an das Bild, hörtee die Musik von Janacek “ Auf verwachsenem Pfade“ und trank eine Schale Bu Lang Shan. Das war alle Aspekte von der Melancholie, die in einem Atmungszug strömt.

Kontrolle ist besser?

Fast jeden Tag wurde ich gefragt, ob ich all die Tee-Bauer persönlich kenne und ob ich all die Teegärten besuchte.
Eine schwierige Frage.
Meistens frage ich zurück: Möchten Sie lieber für meine Reise bezahlen oder, möchten Sie für einen guten Tee bezahlen?
Muss ich all die Teebauer kenne?
Muss ich überall gereist bin?
Kann ich überhaupt es schaffen?

Die Schweizer Post ist sehr teuer. Es ist an sich in Ordnung, wenn sie gut sind. Es gab letzte Zeit zunehmend Probleme mit der Zustellbarkeit der Pakete und ich verliere Vertrauen. Weil ich Vertrauen verliere, versuche ich jetzt immer eine Quittung zu verlangen. Weil ich nun immer eine Quittung verlange, muss ich irgendwie diese Quittung aufhebe. Wenn ich anfange diese Quittung zu archiviere, dann fange ich mit einem Gebäude an, was mich irgendwann zerdrückt – wegen Kontrolle Zwang!

Nein, ich kenne nicht allen Teebauer.
Nein, ich war nicht überall in dem Teegarten, wo der Tee von Shui Tang angebaut ist.
Nein, ich will nicht in diesem Kontrolle Wahn fallen.

Ich habe gelernt zu vertrauen.

Ich kenne viele Teebauer nicht, aber ihren Tee. Der Tee spricht seine eigene Sprache und direkt zu jedem. Aus dem Aufguss des Tees weiss man, dass die Menschen, die hinter dem Tee stehen, einen ähnlichen Geist habe wie unseren.
Ich vertraue das, was Tee sagt. Ich vertraue Atong, was er macht. Ich vertraue You, was er produziert. Ich vertraue Luo, was er findet. Ich vertraue diese Menschen, genau wie andere Menschen mich vertrauen. Tee lernen fängt man an zu vertrauen. Es ist klar gegen die wissenschaftliche Einstellung. Wir haben als Schüler gelernt, zu kontrollieren und zu zweifeln.
So versuche ich im Teeseminar den Teefreunde zu vermitteln, lerne die Sprache des Tees kennen und Du wirst Vertrauen in Dir, im Tee und in Menschen gewinnen, weil Du nicht mehr nur kontrollierst. Man lernt zuzuhören. Man lernt die Sprache des Herzens zu verstehen. Man lernst loszulassen.
Durch das Erlernen Tee zu verstehen, so wie Tee ist, nicht so wie wir denken, wie Tee sein kann, wird man professionell, wird man offener und sicherer. Der Umgang mit Menschen wird automatisch gelassener und herzlicher.
Warum soll ich allen Teebauer kennen? Ich kenne manchen direkt und manche aus unterschiedlichen Verbindungen. Aber ich vertraue den Tee, der mir etwas zuflüstert.
Natürlich gibt es auch Mal Probleme. Probleme gibt es so wie so, auch wenn die Kontrolle scheinbar stark ist. Manchmal gibt es auch Scheitern.
Und wenn ich es will, warum kann ich nicht wieder von Null an neu anfangen?
Andererseits möchte ich ein Profi sein, in dem man vertrauen kann. Das gehört auch den Anfängergeist nicht zu verlieren und das Vertrauen in die Person, die uns zu Tee führt und in das, dass man sich mit Tee weiter entwickelt.
Also, ich werde weiter meine Zeit und Energie in der Auseinandersetzung mit Tee selbst investiere anstatt zu reisen oder noch mehr Werkzeug zu entwickeln um zu kontrollieren.
Deswegen bleibt Shui Tang klein und nur an der Spiegelgasse.

Der Geschmack von Oolong

Fortsetzend mit dem Beitrag am 18.02.

Als ich Camelia kaufte, fragte mich der Verkäufer, ob ich von dem Schliessen von Teehaus Würle erfuhr. Ich erfuhre es vor paar Tagen durch Joseph.
http://www.nzz.ch/aktuell/zuerich/uebersicht/das-ladensterben-macht-vor-der-teekultur-nicht-halt-1.18248905

2013 wurde ein Teegeschäft im Bankviertel geschlossen. 2014 wird das alte Teehaus schliessen. Ich weiss aber, dass es auch immer wieder neues aufmachen wird.
Wie lange wird noch Shui Tang geben?
Wie lange würde ich noch in Zürich bleiben?
Wer weiss?

Der erste Geschmack, den ich von Oolong kenne, lerne ich über meinen Grossvater kennen. Es war der geröstete Tie Guanyin aus Muzha. Mein Grossvater trank ihn vor 40 Jahren in Taipei, während ich den Tee heute in Zürich trinke. Es ist nicht so, dass ich diesen Tee besonders schätze. Es ist nur einfach so, weil ich ihn als Kind trinke. Es ist ein Geschmack, der von Zunge zur Zunge weiter gegeben wird. Ein Geschmack, der mir viel Geborgenheit und Ambivalenz vermittelt, was das Heimat wahrscheinlich bedeutet.
Als Kind glaubte ich der schönste Ort der Welt liegt in der Ferne. Ich hatte stets Fernweh. Und die rote Rose mit Dorn im Europa ist schöner als die Camelia, die im Teefeld nur weiss blühen.
Der traditionelle Tie Guanyin hat einen malzigen fruchtigen Geschmack wie Tabak. Ein Geschmack, das die moderne Zeit nicht mehr richtig trifft und der Tee, den man heute auf dem Markt findet, ist grün, blumig und leicht – so leicht wie der Wind, der von irgendwo her kommt und irgendwohin weht.
Was ist, wenn der Vater seinem Sohn nicht mehr das gibt, was er als Kind gerne isst?
Was ist, wenn die Mutter ihrer Tochter nicht mehr das kocht, was sie als Mädchen bekocht wurde?
Was wird aus unserer nächsten Generation, die gerne Ketchup überall sprühlt und Fusionsfood als Normalität gewöhnt ist?
Was wird aus dem Oolong?
Ich weiss nicht, wie lange ich Shui Tang noch weiter mache. Aber solange ich es tue, wird dieser Tie Guanyin aus Muzha immer geben. Immer. Es ist ein Geschmack, der einen verpflichtet, von Zunge zur Zunge weiter zu geben. Ein Hinternis, Seite zu wechseln. Ein Pflicht, diesen Geschmack weiter zu geben.
Ich weiss nicht, wie ich meinen Engels, die zu Shui Tang kommen und dort Tee lernen und tragen wollen, es zu erklären. Das, was ich machen kann, ist nur den Geschmack einen Raum zu geben, damit sie ihn selbst entdecken. Ein Geschmack von Zunge zur Zunge, vom Herz zum Herz. Und diese Engels, die in Shui Tang waren und sind, werden vielleicht selbst diese Person werden, die ihn weiter tragen.
Das ferne Land wurde irgendwann vielleicht ein Zuhause werden. Aber das Heimat ist immer in eine andere Richtung – und das wurde so traurig bewusst, seit 09.02. nach der Abstimmung in der Schweiz. Ich fühle mich zutiefst betroffen als ein Ausländer in diesem Land zu sein.

Fremderfahrung eines Inspektor in Shui Tang

Shui Tang wurde kontrolliert.
Was wurde kontrolliert? Alles. Auch meine Garderobe!
Im Keller untersuchte der Beamter die Hygiene, meinen Packtisch und den Kühlschrank. Er war sehr überrascht, dass all meiner japanischen Tees dort aufbewahrt wurden. Ich war sehr stolz und sagte ihm, diese Art Tee aufzubewahren sei sehr professionel. Dann fasst er ein Wuliangshan Stapel an.Es war eine schöne Erfahrung, als der Polizist mir erzählte, dass er schon Mal im Fernsehen die Pu Er Tee-Geschichte gesehen hat.
Plötzlich fragte er mich: „Frau Chou, wissen Sie allen Lieferanten von Ihren Tees? Können Sie immer nachvollziehen, woher Ihre Tees kommen?“
„Wie bitte?“ ich war sehr überrascht von dieser Frage.
„Angenommen, irgendein Tee hat Probleme. Können Sie wissen, von wo dieser Tee her kommt?“
„Ja, natürlich! Das ist mein Beruf!“ meine Augen waren ganz ganz gross.
„Ich meine, haben SIe alles schriftlich?“
„Muss es so sein?“ ich zeigte meinen Kopf; „ich habe alles in meinen Kopf. Natürlich muss ich wissen, wie mein Tee gemacht ist und woher sie kommen! Meine Kunde wollen ja auch wissen.“
„Wissen Sie alle Lieferanten von IHnen!“
„Klar.“ Irgendwie verstehe ich es nicht ganz, ist es illegal wenn ich alles weiss und es nicht in meinen Computer tippe, sondern in meinen Kopf? „Wie kann das sein, dass ich nicht weiss, woher meine Tees kommen? Wissen Sie, mein Laden ist zu klein und ich habe nur so viele Tees, die ich weiss.“
Der Polizist scheint ein bisschen zu begreifen, dass Menglin ein bisschen anders ist und Shui Tang eine Nummer zu klein ist für das moderne Logistic-System.“
„Ist es illegal, was ich mache? Ist es illegal, dass ich kein Papier mache und meinen Laden so klein zu halten?“
„Gesetzlich ist es nichts geregelt.“ antwortete er.
Also, es ist legal, was ich mache – in meinem Kopf zu behalten anstatt in dem Computer zu tippen und in Cloud zu speichern – damit Hacker oder Troianer es findet.
Dann gingen wir nach Oben. Das Troilette… „Benutzen nur Sie und Ihr Personal das Troilette?“
„Ja, klar.“ich nickte ganz fleissig meinen Kopf.
Was ich nicht gesagt habe, ist dass ich ein Humanist bin. Ich werde niemals das Wasserlassen- Menschenrecht anderer Menschen verweigern.
Dann kam die Garderobe… Es hingen Kleider, Troilettepapier, vorbereiteten Tragtaschen und Weinflaschen auf den Boden… Der Polizist überlegte sich – ich lächelte ihn freundlich an – „also, diese Garderobe ist ein bisschen…“
„Ja, ich weiss. Unschweizerisch.“ ich lachte.
Er lachte auch zurück.
Heute bekam ich einen Brief. Es sei alles in Ordnung.
Also, ich darf weiter Shui Tang so führen, wie kein Schweizer – mit weniger Papier und eine komische Garderobe.