Archiv für den Tag 07/05/2017

Wo bin ich? I

Ich bin ein Stubenhocker. Zumal noch eine Angsthase.

Wie kann so eine angstvolle Seele sich in Yunnan Bergen bewegen? Dort gibt es nicht gelb markierte Wanderwege. Weder Sicherung noch Seil. In Yiwu mit einem falschen Schuhwerk bin ich zweimal ausgerutscht und bekam eine große blaue Flecken. Zum Glück nichts Schlimmes. Ohne die Ermutigen von Kai und Monika wäre ich nicht auf dem Gruppenfoto im Gaoshan Berg.

Nach Gushu Areal in Tong Jing He muss man entlang im Wasser im einem Fluss laufen und anschliessend noch 2 bis drei Stunden Bergweg wandern. Meine Füsse wären Stundenlang im Wasser. Nach der Morgenmeditation entschloss ich nicht mitzugehen. Mit meinem gestressten labilen Zustand würde ich eine Erkältung damit ernten.

Yu rief einen Geschäftfreund an, mit ihm arbeitet er bereits Jahren. Herr Hu sollte sich um mich kümmern, mich fürs Mittagsessen abholen.

Nachdem die Gruppe losgefahren ist, sass ich gemütlich am Teetisch im Hotel. Die junge Emfangsdame sprach mir neugierig an und wir fingen an miteinander zu unterhalten. Fang, eine junge Frau, die aufgrund der Armut der Familie die Schule abgebrochen hat, erzählte mir ihre Schicksal und von ihrem Traum. Sie sagte zu mir, “ Jiejie (Schwester), Du kommt aus meinem Traum, so einem schönen Traum. Ich weiß nicht, ob ich jemals Dich wieder sehen kann, aber ich weiß, meine Tochter wird mich mitnehmen, um Dich in dem Traumland zu besuchen.“ Ihre spontane fast melancholische Worte brachten mich zu weinen. Ich komme nicht aus einem Traumland. Es ist bloß ihr Traum, der der Realität des vielen Menschenleben in so einem scheinbar reichen China widerspiegelt. Wer sind die Verlierer dieses reichen Traum? Sie schaute mich mit sehnsüchtigen Augen und beobachtete meine Bewegungen mit Tee. „Ich möchte so viel lernen, bis ich irgendwann ein Teegeschäft eröffnen kann!“ „Ich helfe Dir.“ Was kann ich für sie tun? In diesem Moment spazierte Herr Hu ins Hotel und wollte mich abholen.

So früh schon. Es war erst 10 Uhr.

„Yu schickte mich hier her. Ziehe Dich um und wir gehen jetzt.“

Ganz gehorsam zog ich mich um und lief dem Herrn in gelben Tshirt nach.

Yiwu hat sich viel verändert. Sauberer, reicher und grösser.

Er brachte mich in einem Haus, als ob es seinem wäre. „Wenn wir in Yiwu sind, hocken wir oft hier. Wir sind die Kunde und Gäste des Hauses.“

„So kannst Du hier rein und raus gehen? “

„Solang die Beziehung ausgeglichen ist.“ lächelte er, „manchmal näher, manchmal weniger. Manchmal kauft man Tee, manchmal muss man Geschenke mitbringen.“

Er stellte mir einem alten Herr vor, „Gute Freundin von Yu!“ Der alte dunkle Herr nickte seinen Kopf, „Gebe ihr einen guten Tee!“ Er brachte uns eine volle Portion, während der Hu nur lächelte. Als der Hausherr verschwand, fragte er mich, „was hast Du gerne?“

„Gerne etwas gelagert. Keinen Shou Pu Er, bitte.“ Ich hatte jeden Tag leichten Durchfall, einen gelagerten Pu Er wird mir gut tun.

Er schaute mich kurz an und überlegte wohl, was ich verdiene zu trinken. Ich kenne solchen Blick nur zu gut und bleibt in meinem Lächeln wie Mona Lisa.

„Wir trinken Lao Ban Zhang. Das kann ich Yus Freundin schon anbieten. Er wird sich bei mir danken!“ Er holte aus seinem Bauchladen einen glänzenden schön gebrochenen Tee-brocken. Es war 老班章古樹茶2000 年份 Lao Ban Zhang Gushu 2000!

Wow! 12 Gramm! „Ist es nicht zu Schade? So viele Gramms zu nehmen?“ Er sagte, es sei immer so in China. 12 Gramms für einen Gaiwan! Es tat mir schon weh. In diesem Moment kam eine Dame aus Menghai, die mit uns nach Yiwu fuhr. „Was!? Lao Ban Zhang 2000! So ein Glück!“ sagte sie und sass am Tisch nieder. Gleichzeitig zündete sie ihre Zigarette an. „Lao Hu, willst Du auch eine Zigi?“ Der Hu deutete auf mich und schüttelte den Kopf. Die Dame kümmerte sich nicht um sein Signal. Ich schätze ihre Art. Sich wohl zu fühlen will gelernt sein. Man raucht gerne in China. Ich bin ein neuer Gast. Sie ist scheinbar wie Hu ein häufiger bekannter Gast des Hauses. Mich stört sie nicht. Ich schätze Menschen, die mit ihrer Art in der Welt sich bewegen können, auch wenn es mich auf den Nerven gehen kann.

Hu kochte das Wasser. Nur das beste Mineralwasser in China, 農夫山泉 Nong Fu Shan Quan. Nur das beste Teatoys, Hand geschmiedeten Teekanne aus Silber aus Japan. Mit einem einfachen Porzellan Gaiwan anstatt Yixing Kanne bereitete Hu mir einem unbekannten aber vielversprechenden Lao Ban Zhang Gushu 2000!

 

Als VIP Gast bei einem Manufaktur in Yiwu

Zurück zum Alltag in Zürich

Zartgrüne Birkenblätter flattern im Ostwind vor meinem Fenster. Immer noch ein wenig beeinflusst von Jetleg sitze ich bereits um Acht Uhr am Computer. Zwischen dem Wechsel von Beta und Alfa Welle im Hirn kommen immer viele Informationen und Inspirationen. Wenn Iphone ein App kreieren kann, dass man ohne Tippen, diktieren oder schreiben alles speichern kann, was gerade in dem Sinn kommt, wäre ich sofort eine gute Kunde.

Gelandet, verwirrt und sehr müde. Gelandet mit Verspätung von SWISS. Verwirrt durch die verschiedenen Zeitgefühle zwischen „im Fluss des Lebens“ und „im Planen des Alltags“. Manchmal wenn man langsamer wird – im Augen des Anderen, ist man im steilen Aufstieg der Entwicklung. Die Zeit wird unterschiedlich wahrgenommen, weil Menschen Verschiedenes wahrnehmen können. Sehr müde, weil ich meine Kraft überschätzt habe.

Würde ich wieder so eine Reise mit so vielen Mitreisenden unternehmen? Die Antwort ist gewiss. Dinge zu vermeiden war nie die Strategie meines Lebens, nur weil es unangenehm im deren Moment sein kann. Aber etwas anders zu gestalten habe ich vieles gelernt, wenn ich mit meiner Kraft an die Grenze komme.

Diese Reise lief Dank vieler Unterstützung von Teefreunde sehr reibungslos. Ich hatte tolle Schäferhunde die mir halfen, Gruppe zu mobilisieren. Dank Jiri und Helmut! Sie haben sich immer um mich gekümmert, damit ich mich frei fühlen konnte, um mich auf das Wesentliche zu kümmern. Dank Monika wurde ich von allen organisatorischen Arbeit entlastet. Sie hat alles unkompliziert und harmonisch erledigt! Ich war richtig unterstützt. Auch Dank an allen Mitreisenden, durch ihre Präsenz und Freude an Tee ging die Reise harmonisch, fröhlich und sicher zu Ende!

Dank Miguel habe ich tolle Videos erhalten, die mich ermöglichen mit allen Teefreunden zu teilen. Seine fröhliche Präsenz und soziale Fähigkeit hielten unsere Gruppe an guten Laune und bereitete für vielen Teefreunde viele abenteuerliche Erlebnisse!

Viele neue Gesichter, manche unbekannte Teefreunde machen diese Reise neuartig und gleichzeitig auf Probe. Zuerst hatte ich auch Bedenken. Die Realität zeigt mir allerdings die typische Kopf-Sorge, die einfach unbegründet ist. Ich liebe diese Menschen, die mit mir diese unvergesslichen Tage im Bergen Yunnans geteilt haben!

Mehr Vertrauen in allen, mehr Vertrauen in sich selbst, mehr Vertrauen im Universum – diese Haltung ist mein nächster Schritt des Lebens. Und das Funken, was diese Reise mir zeigt!