Reise nach Anxi I

Das Leben ist wie ein Comet, es verschwindet so rasch im Himmel. Ich liebe Kino. Weil das Kino etwas dokumentiert, was wir für immer verlieren würden.

Mein Haus war ein sehr typisches südliches Min Stil Haus. Wir nennen es ein langes Drachen. Ein Hof nach einem anderen, dunkel und voller Winkel. In diesem düsteren und verdreckten Haus gibt es immer ein Raum, wo Ahnen und Götter auf einem Atar verehrt wurden und wo neue Generation und alte zusammentreffen mussten. Dort war es meistens dunkel, es fehlte Fenster und auf dem Dach gibt es ein winziges Dachfenster, wo ein Ziegel fehlte. Wenn der Himmel in Taipei nicht tropfte, gab es täglich eine Zeit, in der der Sonne hinein schien. Dieser kurze lichtvolle Zeit, gab einem kleinen Mädchen ein Bild von einem Raum, wo ihr nicht gehörte und einer Zeit, wo sie nicht existierte. Es war mein Grossvater, der allein in diesem Raum sass, der nicht meiner Zeit sein sollte. Er sass immer alleine dort und trank seinen Tee. Wenn Du ihn fragtest, was er trank, er würde immer so lächeln, wie er immer tat, in einem Gleichmut, „Tie Guan Yin.“

Als er lebte, verstand ich ihn nicht. Nach seinem Tod kann ich nur eine Vorstellung von ihm in dem Film „Puppen-Meister“ des Hou Xiaoxians machen.

Er sagte, „das Nutzlose macht das Leben schön.“ Wenn er gut darauf war, sagte er, dass er mich nach Keelung bringen wollte um die grossen Schiffen anzuschauen. Ich weiss nie, was ihn die Fahrt nach Keelung bedeutet und warum der Tie Guan Yin gut schmeckt. Dieser Tee, ist er nicht der Geschmack eines alten Mannes?

Damals trank er stark gerösteten Tie Guanyin, der inzwischen zur Vergangenheit gehört. Eine dunkle Flüssigkeit voller duftende Fruchtnote mit einem starken gerösteten Geschmack.

Früher war Tie Guan Yin tiefgründig und geschmacksvoll, heute ist der Tee wie die frische Blumenwiese, wie der grüne Tee, wie ein aromatisiertes Ding. Früher wartet erfahrende Teemaker auf die Blätter, die sich durch rechtzeitiges Welken, Ruhen, Fermentieren langsam zu einem Drachen verwandeln. Das Warten war der Schlüssel. Zuerst duften die Teeblätter nach frisch geschnittenem Gras, dann werden sie wie frisch geöffnete Blute. Immer mehr duften sie nach reifen Blumen und irgendwann wenn die Zeit kommt, werden die Blätter nach süssen Honig duften. Die Teemaker wussten, durch das Warten werden die grünen Teeblätter zu einem rot gefärbten aromatischen Drachen!

In diesem Dialog zwischen Menschen und Natur ist das Warten nun ein Kostenfaktor. In der von Technik gesteuerten heutiger Zeit ist Air-Kondition wichtiger als die Erfahrungen des Meisters. Die roten Ränder am Drachenblatt werden nun eine Schande. Es gibt nun Maschine und Arbeitsschritte, die diese Spuren beseitigen soll! Die neureichen Schichten aus dem Norden und Shanghai wollten den so genannten krebshemmenden Grüntee. Oolong – ein Drachen, ist möglicherweise ein Alptraum!

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