Archiv für den Tag 12/10/2012

Ein bisschen anders machen…

(Fortsetzung von vorherigem Beitrag)
Ich erinnere mich an mein vorheriges Leben vor drei Jahren. Luftig und schön. Vermeintlich frei. Hinter dieser Frei-Sein verbirgt eine unerträgliche Schwere. Keine Wurzel, kein Heimat und keine Halt. Der Wünsche nach einem Zuhause wurde immer lauter. Als Hubert mir von dem frei gewordenen Laden erzählte, war es ein Angebot von Kosmos, dass ich mein Leben verändern kann.
Heute schaue ich die jungen Menschen an, die nun zu mir kommen und Tee lernen wollen. Sie waren wie ich und kämpfen gegen die Bindungswidrigkeit. Sie verschieben Termine, verändern die Abmachungen oder sagen ab. Ich sehe in ihnen mich selbst. Ich sehe die einstige Erbsenprinzessin. Aber auch diese Erbsenprinzessin kann auch etwas fürs Leben lernen. Ich lerne Mitgefühl für mich selbst zu haben und habe Mitgefühl für diese jungen verwirrten Seelen, die nach dem wahren Selbst suchen.
Auf jeden Weg brauchen wir Weggefährte.
Ich muss gegen meine Erbsenprinzessin-Sein nicht mehr kämpfen. Ich kann lieb sein zu ihr. In jeder Wiederholung meines Musters bekomme ich eine Möglichkeit, ein bisschen anders zu machen. Die wahre Freiheit ist nicht mehr an nichts zu binden, sondern in der Wiederholung das Gleichmut zu bewahren.
Manchmal bekommt man Angst vor Gefühlen und würde am liebsten weglaufen. Die Gefühle können zeitweise ignoriert werden, aber sie fermentieren und gären in den Zellen. Plötzlich werden sie wie Schwarzteeblätter, die keinen Sauerstoff bekommen, werden erstickt!
Hanspeter sagte mir, dass es nicht interessant ist, ein erfolgreiches Leben zu führen, aber ein gelungenes. Ein gelungenes Leben… was heisst das? Leben mit Menschen zusammen, die wir lieben; machen Dinge, die aus den Herzen kommen; in das Heimat unseren Herzens ankommen.
Der Neumond begünstigt den neuen Anfang. Es ist möglich diesmal ein bisschen anders zu versuchen.

Ein bisschen anders

Der Neumond begünstigt den neuen Anfang.
Sara und ich machen gemeinsam wöchentlich Zazen. Mit der gemeinsamen Praxis stellen wir fest, dass wir den Sorten der kreativen Chaoten gehören. Wir haben sehr Mühe mit der Regelmässigkeit. Ich hasse die Administration. Mich plagt das tägliche Ladenhüten. Das Pflegen von Ordnung war nie meine Stärke. Wenn der Mensch nicht Triebe hätte, wenn es nicht Hunger und Müdigkeit gäbe, hätte ich bestimmt auch Mühe mit dem wiederkehrenden Bedürfnis.
Sie erzählte mir, dass sie etwas verändern will, zum mindestens seit dem Sonntag. Sie sagte, dass sie seit einem Jahr immer dasselbe Arbeitszimmer verwendet, aber nie genau weiss, welche Nummer das Zimmer trägt. Am vergangenen Sonntag arbeitete sie wieder und stellte fest, dass sie allen Teilnehmern eine falsche Nummer mitgeteilt hat. Sie wurde erschrocken. „Menglin, wenn wir nicht vor 21.12. 2012 unser Leben verändern, wann denn sonst!“ Wo werde ich denn am 21.12. 2012 sein? Ich bin bestimmt in Shui Tang, wo denn sonst? Sie sagte mir, um die weiteren Herzangelegenheit ihres späten Lebens zu tätigen, muss sie das Problem anpacken. Ein bisschen anders zu machen, sagte sie. „Ein bisschen anders werden.“
Ein bisschen anders machen…