Der Wind trägt

Meine Eltern wissen eigentlich nicht genau, was ich mache.
Nach so vielen Jahren allein bei den Fremden zu leben – wie fühlt man sich denn? Es fehlt Worte.

„Was ist Dein Lieblingtee?“
„Was ist Ihr Lieblingstee?“
Es sind die häufige Frage, die mich konfrontieren.

Ich erinnere mich, dass ich nicht Teeverkäufer werden wollte. Aber ich kann mich immer wieder erinnern, wie die Begegnung mit Buddhas Hand mich berühte und berüht. Diese Begegnung trägt mich bis hier her, wo ich jetzt stehe. Es war wie ein großartiger Regenbogen, bunt, süss und er hat keinen Anfang und kein Ende. Ich hatte das Gefühl, als ob ich nur wegen diesem Moment mein Leben gelebt hätte. Unausweichlich wollte ich mein Reichtum mit anderen Menschen teilen. Unvermeidlich komme ich auf diesen Weg, wo ich jetzt gehe. Der Duft und der Rausch des Buddhas Hand trägt mich wie der Wind hier her, wo ich jetzt bleibe.

Koreeda 枝裕和 und 行定勋 Yakisada sagten, „Seit ich Tongnian Wangshi – A time to live, a time to die. von Hou Hsiao-Hsien 侯孝賢 gesehen habe, wollte ich Filmmacher werden.“ So fängt der Weg des Filmmachers für die beiden japanischen Regiessers an. So wollten sie mit Mark Lee 李屏賓 zusammen arbeiten. Mark Lee war und ist die Augen von vielen äussergewöhnlichen Regiessers und der heimlicher Erzähler im Hintergrund eines Geschehens.
Gilles Bourdos sagte, Mark Lee sei nicht ein gerader Baum. Er verändere sich wie der Wind – es sei die Essenz der chinesischen Kultur.
Er kommt aus Taiwan. Er filmt nicht nur taiwanesische Filme. Er reist mit seinen Kamera nach Hongkong, Vietnam, Japan und Frankreich… Grenze grenzt nicht mehr, getragen von dem Wind, der einen aber manchmal nach Hause ruft.
Lee ist gewöhnt, Augen des Anderen zu sein, im Hintergrund Dinge zu dokumentieren. Was ist, wenn die dokumentierenden Augen dokumentiert werden? Ich fand eine starke Resonanz, als ich diesen Dokumentationsfilm über ihn sah. In dieser Resonanz trägt die Erinnerung mit dem Buddhas Hand mich wieder in den Gegenwart. In diesem Gegenwart, als Tee eine Routine wird und ich immer tauber werde, ist dieser Ruf so aufdringlich, hell und scharf!
„Was ist Dein Lieblingstee?“ Es fehlen mir oft Wörter. Wie kann ich meinem Gegenüber in kürze erklären, was mich bis hier her trägt, wo ich jetzt bin? Und wie fühle ich mich, nach all so vielen Jahren allein unterwegs zu sein?
Ein kurzer Film in Youtube macht es möglich, dass ich diese Episode mit Euch teilen kann:
http://www.youtube.com/watch?v=QeRjpGIPqok&NR=1

3 Gedanken zu „Der Wind trägt

  1. Michi

    Ich denke, jeder Ort kann ein zu Hause sein, wenn man ihn als solches behandelt.
    Nur seine Wurzeln darf man nicht vergessen.

    Hochverehrte Meng-Lin Chou, vielen Dank für so viele kostbare Gedanken in den Blog-Beiträgen, die mich immer wieder sehr dazu inspirieren, die Dinge anders zu betrachten.

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