Die Patina

Ich werde alt. Die Seufzer von Vergänglichkeit und Hinfälligkeit des Körpers sind keine Muße mehr.

Viele Menschen mögen das Patina an dem Porzellan nicht. Auch die Tassen in Shui Tang werden mit Patina gefärbt. Carola hat ein Wundermittel, um das lästige Phänomen zu entfernen. Sie rettet die Tassen in Shui Tang immer wieder vor „Überalterung“.

Auch wenn ich gegen meine Natur die Tassen täglich fleissig putze und reibe, bleiben immer das Patina wie ein Phantom und wirft Schatten auf die Zeit in Porzellan.

Die Patina an Porzellan gleicht für viele wie der Todesurteil gegen das schöne Bone China.

Bon China, das unsterbliche glänzende Objekt, war zu begehren in besten Häuser. Einst korkettierten sich die europäischen Adel mit ihrem Porzellankabinett, während man heute sich mit Bon China einen bestimmten Lfe-Style zur Schau stellt. Anders als die alte gute Zeit, wo Porzellan noch in seinem Alter „verehrt“ wurde. Heute behandelt man das Bone China – ein Objekt, das eigentlich auch alt werden kann, wenn sie tatsächlich benutzt und von Patina heimgesucht wird, als nutzlos.
Was machen denn die meisten Menschen mit dem von Patina-besetzten Bon China?
Brockenhaus ist oft die eingefallene Idee.
Oder Ebay.

Was machen wir mit alten Menschen in unserer Nähe? Schockt der Nachricht uns von dem Film von vier Pflegerinnen in Alterheim Entlisberg?

Anders als Lackware, anders als Zeladon, hat Porzellan einfach ein prikäres Schicksal. Sie müssen immer jung, frisch und glänzend aussehen – so wie Menschen in unserer Gesellschaft. Wie wäre es mit einem Lifting-Kur? Ach, was stört uns denn das Patina an Porzellan?

Annette war so erfreut über ihre neue Schale von Zeladon. Matt, weiß und so warm geschmeidigt auf ihre Haut. Eine Schale, die tatsächlich einen auf seinen Weg des Tees, wenn man einen zulässt, begleitet und mit ihm gemeinsam alt wird. Ein Weggefährte, eben. Wer wartet nicht auf so einen und wer möchte nicht gerne so einen sein? Zusammen alt werden und zusammen durch die Höhe und Tiefe zu gehen. Um gewisse Dinge im Leben nicht mehr wiederholen zu wollen, bin ich so froh, nicht mehr „jung“ zu „sein“!

Als Paulus vor zwei Wochen zum Tee da war, sprachen wir über Reifung und Tee. Es wurde mir plötzlich bewußt, wie traurig das Schichsal des Bon China ist. Beziehungsweise, wie traurig wir das Bild des Bon China zuschreiben – jung, frisch und glänzend.

Auch die Patina hat mich erreicht. Ich werde alt. Und dann?

Ein Gedanke zu „Die Patina

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