Archiv für den Tag 26/07/2009

Doko, Dare!

Jedes Jahr suche ich nach Fancy Oolong. Eigentlich ein total banaler Oolong, der in jedem Teeladen angeboten wird. Aber solche Fancy suche ich eben nicht. Einen bestimmten suche ich. Immer nur einen bestimmten.

Mit Aton habe ich schon längst gesprochen, viele „toten“ vergessenen Oolong wieder zum Leben zu erwecken. Ich bin der Meinung, dass wir durch Shui Tang etwas in Bewegung sezten können, in der Teewelt, Dinge zu beleben um gegen die Zeit zu rennen. Ich habe die Vision, Aton hat das Wissen. Wissen ist ein Code, ein Code zur Vergangenheit, zur Gegenwart und zur Zukunft – zur Macht.

Früher haben die Araber den Zaubersatz „Sesam öffne Dich!“ gebraucht, um vergessenen Schätze wieder zu entdecken. Was ist denn das moderne Zauberwort unserer Zeit zu Schätze, die unsichtbar ist und doch unser Leben entscheidend prägt?

Aton schickte mir einen Fancy und sagte, dieser Fancy kann nur von Aming gemacht werden. Aming sei der einzige, der diesen Tee machen kann. Ein Jahrgangsfancy ist rar, denn Fancy Oolong ist für Export bestimmt, er war der „Formosa Oolong“ vor Hundertjahren! Dieser Tee ist heute ein Blend von verschiedenen Jahrgänge, die zusammen noch einmal erfrischt werden und ins Ausland verkauft. Kein Wunder, dass dieser Tee ins Verruf geraten ist. Aton und ich wollte aber ein Fancy, der noch wie vor 100 Jahren schmeckt. Das bedeutet, das Material aus einem halb verwilderten Garten, aus reifen Blätter und aufwendige lange Fermentation ohne Klimatisierung…

Dieser Fancy schmeckt keineswegs wie der in Europa gewöhnte Fancy! Frisch, blumig, fruchtig und honigsüss! Sein Aufguss weicht meine Zunge und fliesst einfach in die Kehle. Der lange süsse Abgang erinnert mich nur an Honig von Longgan-Frucht! Seltener Tee mit seinen außergewöhnlichen Aromen! Doko! Dieser Tee hier ist der Tee, den wir wollen!

In Shui Tangs Visitenkarte ist Dokodare QR-Code sehr dominant. Viele Freunde haben mich gefragt, wozu! Ich konnte in jenem Moment nicht beantworten. Denn ich erahnte dort etwas, was mich schon immer berührt, aber nicht artikuliert werden kann. Wozu Dokodare? Wie kann eine moderne Technik mich so berühren?

Doko – wo, Dare – wer. Eine Verortungshinweise. Mit Shui Tang haben Roger, Chragi und ich ein Experiment vor. Wir möchten das Wissen des Tees verschlüsseln. Jeder Tee in Shui Tang bekommt ein QR-Code – Dokodare. In diesem Code ist alles um diesen Tee verschlüsselt.

Wissen ist heute demokratisch geworden, nicht wahr?

Aber ist es tatsächlich so?

Gibt es keine Geheimlehre mehr?

Man kann alles im Internet finden, nicht wahr?

Schätzt Du deswegen mehr das Wissen, was Du übers Netz einfach so erhalten hast?

Oder kopierst Du es weiter und paste es weiter irgendwo?

QR-Code ist der Satz, der früher Alibaba zu seinem Schatz führte. QR-Code ist der moderne „Sesam, öffne Dich!“. Ja, das wollen wir schaffen, jeder Tee in Shui Tang wird durch Q-Code vermittelt und das Wissen um diesen Tee ist ein Geheimnis, das man entweder sich die Mühe macht, nach Shui Tang zu laufen oder das magische QR-Code einscannen sollte, um das Wissen zu erlangen!

Wo ist dieser Tee? Was ist dieser Tee? Wer steckt hinter dieser Tee? Weltweit kann man, wenn man das QR-Code kennt, erhalten den Zugang zu diesem Wissen, das wir mit Sorgfalt irgendwo in dem Cyberspace aufbewahren… 

Wissen ist ein Schatz. Ich teile gerne meinen Schatz mit Interessierten. Unsere Gesellschaft hat allerdings eine Krankheit: wir leben im Wohlstand, darum fallen alles auf unser Schoß. Mit Geld können wir alles kaufen, nicht wahr? Wann gibst Du Dir Mühe, um das Wesentliche zu verstehen und auch dafür zu erhalten?

Dokodare von Shui Tang.

Qcode

Fancy Oolong Nostalgie wird auch ein QR-Code erhalten über seine Geburtsdaten, seine Gegenwart und vielleicht auch seine Zukunft!

 

Die erste Woche

Ich fühle mich eigentlich noch recht frisch und jung, aber wegen Shui Tang wurde ich plötzlich Laobannian – auf Chinesisch die Chefin. Diese Bezeichnung hat eine leichte abschätzende Färbung. Vor allem das Wort Lao – alt, passt mir überhaupt nicht.

Na, wie waren die ersten Tage als Laobannian? Das war die Frage vieler neugierigen Teefreunde! Anstatt an allen zu beantworten, schreibe ich hier, wie ich erlebte.

An dem ersten Tag war ich sehr nervös! Ich wußte einfach nicht, ob ich etwas falsch mache und vergesse! Natürlich passierte das auch, was nicht passieren sollte. Die Kasse konnte ich nicht richtig bedienen und den Teepreis konnte ich nicht auswendig! Viele Fehler, viele Ärger mit der Technik. 

Meine Nachbaren verstehen nicht, was ich so mache. Meistens sitzen Leute an dem alten Antik-Tisch. Sie schwatzen, tranken und wollten nicht nach Hause. Mein werter Nachbar fragte, „Menglin, was macht Ihr denn ganzer Zeit? Ist es so in Deinem Business?“ Ich nickte meinen Kopf.

Am ersten Tag besuchten mich viele Freunde aus Taiwan und brachten mir schöne Orchideen! Sie sollen mir Glück bringen!

Unerwartete Freunde, zum Beispiel die liebe Esther aus Hamburg, inzwischen hoch schwanger, hat mich richtig überrascht! Dann lerne ich Georgia und ihre Tochter kennen, meine treusten Kunde, die jeden Tag kommen – Mathias sagte, seine Frau sei bereits abhängig. Ihre kleine Tochter sitzt am liebsten auf den Boden und putzt immer Gratis für mich den Holzboden. Ohne die beiden wäre Shui Tang farblos.

Ich erlebte wie unbekannte Menschen nebeneinander plötzlich Bekannte werden, wie die Augen der Menschen durch den Duft des Tees leuchteten und wie wir plötzlich ein Teil von Shui Tang wurden. Shui Tang ist eben nicht ein Laden, sondern ein Treffpunkt, eine Verortung vielen Menschen, die Dinge in Frage stellen und nach dem Wesentlichen des Lebens suchen. Endlich haben wir uns getroffen!

Das Wichtigste ist natürlich der Umsatz! So materialistisch bin ich zum Glück noch! Also ich finde, der Umsatz sollte besser werden!