Food Design, Design Tee: styling Tee

„Suchen Sie noch ein nettes Mitbringsel?“ Möchten Sie etwas in den letzten Minuten aus dem Flughafen Lounge mitbringen, was mit dieser Stadt eigentlich nichts zu tun haben, aber etwas mitzubringen, damit Sie nicht bloß mit ihren Hände nach Hause gehen? In meinen letzten Minuten in Berlin schaute ich in der Starallianz-Lounge herum. Mit Staunen entdeckte ich diese Tee-Ecke. Samova von Stilwerk Hamburg!

Stil! Stilwerk! Was für ein Zauberwort unserer Zeit! Weshalb sind wir alle gierig nach Stil? Weshalb fehlt uns Stil?

Nun, was für Stil und Trend wollte das Stilwerk uns setzen? Was für Tee mit Stil verspricht uns das Stilwerk in Hamburg? Hast Du dann einen Stil, wenn Du ihn trinkst? Was verkündest Du, wenn Du diesen Stil-Tee in Deiner Handtasche trägst und weiter reichst?

Black – Black Magic! Drei Schwarztees aus den drei klassischen indischen Teeanbaugebieten sollten den Menschen mit seiner Reinheit verzaubern.

Pop – Chartbreaker! „Wie Pop-Songs verfügen diese Kompositionen über alle Zutaten, die gute Laune machen“. Man kann sich von diesem „Cooktail“ vorstellen.

Relax – Love, Peace, Hapeniness! Dieser Kräuter-Quintett ist“ wohltuend und erfrischend… für alle körperbewussten Genuss-Menschen.“

Disco – Special Editions! Für spezielle Anlässe und den extravaganten Geschmack…

Wirkung von der guten Laune und success verspricht uns das Stilwerk mit seiner Kollektion. Ehrlich gesagt, ist sie eher für die Leute, die zwar Erfolg haben, aber keinen Stil bzw. keinen Geschmack haben. Denn mit dem aromatischen Styling verspricht uns nicht gerade Stil oder Geschmack, sondern eine Outing von Geschmacksarmut. In den Labyrinth der Aromen und Mischungen irren wir zwischen designierten Geschmäcke – ich meine auch wörtlich künstlich und den tatsächlichen Geschmäcke des Tees. Kein Wunder, dass wir immer mehr Styling brauchen, um unseren Geschmack neu zu verorten. Denn wir haben keinen Geschmack mehr! Wir schmecken nicht mehr! Wozu schmecken wir noch? Wenn wir Stilwerk haben?

Food Design. Design Tee. Samova – a drinkable lifestyle accessoire!

 

SamovarEchter russischer Samovar.

4 Gedanken zu „Food Design, Design Tee: styling Tee

  1. Jörg

    Immer wieder herrlich zu lesen wie du einzelne Worte auseinander nimmst und uns alle damit wahrscheinlich/hoffentlich nachdenklich stimmst. Ich hätte in meiner Oberflächlichkeit „Stilwerk“ einfach überlesen. Du aber machst dir Gedanken darüber und man sieht, dass du mit offenen Augen durchs Leben gehst. Viel zu viele habe doch gerade in der Öffentlichkeit zum Selbstschutz nur noch ihre Scheuklappen auf.

    Ich hab mir die oben beschriebenen Teesorten bei Samova nochmal angeschaut und die Beschreibungen führen genau das fort was du mit deinem Artikel hier kritisierst.
    Da wird z.B. unter der Rubrik Disco ein „Magic Gold“ Tee beworben der im edlen Porzelan-Flakon daherkommt. Schließlich will man ja für schlappe 399,- Euro pro 100g auch was geboten bekommen. Deshalb verspricht der Tee dann auch „Gastfreundschaft, Authentizität, Vielfalt und Qualität. Bestehen tut die Mischung aus chin. Schwarztee Rosenblütenblätter Safranfäden, echtem Blattgold und natürlichen Aromen. Zur Qualität des Tees kann ich nix sagen, da ich den Tee nicht probiert habe, aber wenn Gastfreundschaft und Authentizität bedeutet, dass ich mir meine Freunde und Gäste mit Blattgold und Aromen kaufen muss, dann ist es mit dieser Gesellschaft wirklich nicht mehr weit hin bis zum Abgrund. Authentizität beutet Echtheit und Glaubwürdigkeit. Nehme ich dies zum Maßstab dann versuche ich doch nicht jemanden mit einer Blattgold-Beimischung vom eigentliche Produkt, dem Tee, abzulenken. Aber wie Menglin schon sage es ist eben „stylish“ und wenn ich ganz ehrlich bin so muss ich sagen, dass mich das Design des Flakon schon anspricht. Allerdings würde der Reiz bei mir eher dadurch gesteigert werden, wenn ich als Inhalt einen guten seltenen und vor allem AUTHENTISCHEN Yancha vorfinden würde.

    Gruß

    Jörg

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  2. Jörg

    Immer wieder herrlich zu lesen wie du einzelne Worte auseinander nimmst und uns alle damit wahrscheinlich/hoffentlich nachdenklich stimmst. Ich hätte in meiner Oberflächlichkeit „Stilwerk“ einfach überlesen. Du aber machst dir Gedanken darüber und man sieht, dass du mit offenen Augen durchs Leben gehst. Viel zu viele habe doch gerade in der Öffentlichkeit zum Selbstschutz nur noch ihre Scheuklappen auf.

    Ich hab mir die oben beschriebenen Teesorten bei Samova nochmal angeschaut und die Beschreibungen führen genau das fort was du mit deinem Artikel hier kritisierst.
    Da wird z.B. unter der Rubrik Disco ein „Magic Gold“ Tee beworben der im edlen Porzelan-Flakon daherkommt. Schließlich will man ja für schlappe 399,- Euro pro 100g auch was geboten bekommen. Deshalb verspricht der Tee dann auch „Gastfreundschaft, Authentizität, Vielfalt und Qualität. Bestehen tut die Mischung aus chin. Schwarztee Rosenblütenblätter Safranfäden, echtem Blattgold und natürlichen Aromen. Zur Qualität des Tees kann ich nix sagen, da ich den Tee nicht probiert habe, aber wenn Gastfreundschaft und Authentizität bedeutet, dass ich mir meine Freunde und Gäste mit Blattgold und Aromen kaufen muss, dann ist es mit dieser Gesellschaft wirklich nicht mehr weit hin bis zum Abgrund. Authentizität beutet Echtheit und Glaubwürdigkeit. Nehme ich dies zum Maßstab dann versuche ich doch nicht jemanden mit einer Blattgold-Beimischung vom eigentliche Produkt, dem Tee, abzulenken. Aber wie Menglin schon sage es ist eben „stylish“ und wenn ich ganz ehrlich bin so muss ich sagen, dass mich das Design des Flakon schon anspricht. Allerdings würde der Reiz bei mir eher dadurch gesteigert werden, wenn ich als Inhalt einen guten seltenen und vor allem AUTHENTISCHEN Yancha vorfinden würde.

    Gruß

    Jörg

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  3. Menglin

    Meine Mutter wollte immer, dass ich mich mehr weiblich – wie eine Lady verhalte: also ruhiger und nicht immer kirtisieren.
    Es ist aber bei mir Hopfen und Malz verloren. Ich kann nicht angepasst sein. Ich kann einfach viele Dinge nicht zusehen und akzeptieren. Ich streite mit dem Zoll, das mit ihrer Position Machtspiele kreiert; im Zug mit dem Schaffner, wenn sie Schwarzfahrer schikanieren; mit Immigrationsamt in Zürich, weil sie zu arrogant und langsam sind; und mit dem Teehändler in Europa, weil sie Konsumenten für dumm halten. Nichts will ich moralisieren, aber Irreführend lasse ich mich nicht.
    Danke, dass meine Lästerei und Aggresivität Dir ansprechen – Gott sei Dank!

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  4. Suzanne

    Prima, Menglin – nur weiter so! 🙂

    Es ist gut, die „Lifestylefritzen“ (egal welche – es gibt viele von der Sorte…) mal auf die Schippe zu nehmen – 399,- Euro für 100g Tee, wahrscheinlich nicht mal besonders … Bei uns nennt man sowas Nepp und nicht Stil! Aber ich komme auch aus keinem „Stilwerk“ …

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