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Was hast du vergessen?

Unser Gongfu Cha II ist nun beendet.

Die letzte Lektion ist der Tee mit einem viereckigen Schachtel.

Vier Eck, hat eine Bedeutung von Bewusst werden von der Menschlichkeit. In der chinesischen Kultur bedeutet Quatrat häufig etwas wie der Anfang der Unendlichkeit.  Ein Tee durch ein Quatrat-Schachtel hat eine gewisse Andeutung von Öffnung zur Undendlichkeit.

Es war die letzte Stunde unser Kurs. Es ist nicht der Schluss von einem Versuch. Sondern ein Anfang.

Wir hatten immer viel Spass. Jedesmal versucht jeder spontan einen Tee zu zerebrieren. Manchmal mit einem Schachtel, mit einem Tuch oder mit einem Tablett.

 Und jedes Mal wird es vergessen. Gestern zählte Susanne das, was wir vergassen. Manchmal die Schale für Abfallwasser, manchmal den Aufgusskanne oder Teeschiff. Warum? Was bedeutet es? Wir versuchten es zu rätseln wie wir Orakel abfragen. 

Gegen Ende von Kurs sagte Anna und Susanne, beiden Musiklehrerinen, als Markus mit einem Würde das Tee-Schachtel zum Tisch trug. Sie würden einen Anfangsritual in ihrem Schulunterricht einführen. Sie würden ihre Flöte wie das Schachtel mit Respekt und Würde in der ersten Stunde ins Schulzimmer tragen. Dann würden sie die Flöte so behandeln wie sie die Teatoys anfassen, mit Respekt und Sorgfalt  vor den Schülern zerebrieren! 

Wir waren richtig begeistern von ihrem Idee! Vielleicht geben sie ihren Kinder mehr als die Musik selbst. Sie zeigen den Kindern eine Möglichkeit zur Unendlichkeit und ihre Umgebung mit Respekt und Würde. Es ist eine Arbeit von Eros – eine Verbindung zu schaffen zwischen Menschen und der Welt.

Wie schön Gongfu Cha zu praktizieren? Wie schön diese Fähigkeit zu besitzen, DAS in den Alltag umzusetzen anstatt nur im Teezimmer als Meister zu spielen! 

   
    
    
   

Der Regenmacher

Wenn es nicht regnete, rannten Menschen zu dem Regenmacher des Stamms oder im Dorf. Sie baten dem Regenmacher mit seinem Regentanz die Willen der Götter zu beeinflüssen. Solche Rituale gibt es in jeder Kultur. 

Eine befreundete Therapeutin erzählte mir von einem Bericht ihrer fernöstlichen Kollegin. Sie arbeitet mit dem weissen westlichen Menschen und zugleich mit den asiatischen Klienten. Sie berichtete von einem Unterschied zwischen dem West und dem Ost. Im Osten sei das Vertrauen an das, dass es gut ist so wie es ist, da. Die fernöstlichen Klienten betrachten dem Therapeuten wie der Regenmacher, der eine neue Ordnung wieder herstellt, während sie einfach vertrauen. Sie vertrauen in das, dass was geschieht, gut ist.

Es war paar ruhige Tage. Solche Tagen kann man ruhig betrachten oder nervös werden. J-S kam zu Besuch und fragte mich, ob es mich nervt, dass es solche Tage im Sommer immer gibt. Ich antwortete ihm, „Weiss Du, ich verhalte mich wie der Regenmacher.“ Er wurde neugierig. Regenmacher? Kannst Du Goldregen machen? Ja, klar. Wie denn?

„Ich würde mich kein Gedanke machen wie draussen ist, sondern nur auf mich selbst konzentrieren. Ich zentriere mich indem ich mir paar Frage stelle: Kann ich Menschen noch zuhören? Kann ich mein Herz noch zuhören? Bin ich noch einstimmig mit meinem Tun? Wenn ja, dann übergebe ich das Geschehen dem Kosmos – er sollte es entscheiden, wann es regnet. Und das, was geschieht, nehme ich dankend an.“

„Und wenn es nicht regenet?“

„Dann regnet es eben nicht. Warum sollte ich an mir selbst zweifeln?“ Ich lächelte, „aber es regnet meistens wieder, nur mit Verschiebung zwischen unerem Wünschdatum und dem tatsächlichen Tag!“

Mir erzählen viele Menschen über den Stausee ihres Lebens. Meiste von ihnen sind nicht glücklich und voller Zweifel. Das Verknüpfen von materiallem Erfolg und Selbstwertgefühl ist so stark, dass man alles anderen übersieht. Wenn die Anerkennung nicht von aussen kommt, ist es um so wichtiger von innen an sich selbst zu glauben. Dort liegt die Quelle der Kraft. Das Selbstmitleid und Selbstzweifel bringen uns nur auf einem negativen Spiral. Somit ist der Stausee im Leben noch voller. Der Regen oder der materiale Erfolg sollen unser Zentrum nicht ins Schwanken bringen. Umgekehrt ist es die beste Zeit an sich zu arbeiten, wenn der Regen nicht kommt.

Nachdem J-S gegangen ist, erlebte ich paar spannende Tage. Schweirige Kundschaft aus Hongkong, die ich eigentlich lieber rausschmeissen wollte – auch wenn es nicht regnet, belebte die Kasse wie ein Goldregen. Die Kundin sagte, dass ich stolz sein sollte, weil sie so lange in meinem Laden verweilte. Die meisten Teesorten in Shui Tang hat sie in Hongkong und in Shanghai oder in Beking noch nie gehört. Sie wollte unbedingt mit mir ein Selfies machen…

Es ist ein Glück, wenn es regnet. Aber es ist nicht wegen der Arbeit von Regenmacher. Der Regenmacher macht nicht unbedingt Regen, aber Frieden in der Seele. Dieser Frieden ist wertvoller als der Regen. Und jeder ist der eigene Regenmacher.

In Shui Tang, immer wieder anders.

Am Samstag ass ich mit Familie von Cordula zusammen. Wir unterhielten uns über alles – fast.

Auch über das Weltbild der heutigen Zeit – eine Sonne-Anbetung. Es muss immer gut gelaunt, immer effizient und immer berechenbar. Aber eigentlich ist die Realität anders. Wir, als Frauen verstehen es besser. So gut wie Chinese, die den Mond betonnen. Der Mond nimmt zu und ab, so wie das Leben, so wie die Menschen und so wie der Alltag in einem Teehaus.

In Shui Tang ist es immer wieder anders.

Teefreund J. schrieb mir nach seinem Besuch:

„Liebe Menglin, danke, dass ich ein paar Schätze degustieren durfte, immer wieder etwas besonderes im Shui Tang vorbei zukommen.

Die Zeit ist wieder viel zu schnell verflogen, bin gerade noch rechtzeitig (mit 3h Verspätung) in Grenoble angekommen.

Es ist nicht schwierig einen guten von einem schlechten Tee zu unterscheiden, aber dann doch recht schwer es zu beschreiben, gar in Details zu gehen.

Da fehlt mir die Erfahrung und die Erinnerung an verschiedenen Geschmäcker, da gehört sehr viel Übung dazu. Und akademisch mag ich an das Thema nicht angehen und zu Hause die Unterschiede der Tees zu notieren und einzuordnen. 

Ein Tee-Seminar mit direkten Vergleichsmöglichkeiten würde mir mal wieder guttun. Eine richtig exotische Welt bei Dir, Qualität spielt auf eine Rolle, der Preis keine mehr. In meiner Umgebung muss es nur billig sein, muss wohl mein Umfeld wechseln. Manchmal habe ich den Eindruck die Leute würden auch Abfall mit Geschmack kaufen weil es billiger als das echte Produkt, solange es nur irgendwie schmeckt.

Schön wie die Serafino und Tim schöne Dinge zu schätzten und respektieren wissen, die Tee-Reise hat ja richtig beeindruckt. Manche Dinge erlebt man nur wenn man mit den richtigen Leuten an richtigen Ort kommt. Das ist wohl alleine, ohne Sprache und Leute zu kennen nicht möglich.

In Japan habe ich das mit ein paar Tee-Freundinnen erlebt, wir sind in den Teegärten in den noch von Hand gepflückt wird und auch bei Töpfern gewesen, die ich ohne Sprach- und mangels Kontakten nicht erreicht hätte. Es wurde natürlich trotzdem sehr viel japanisch gesprochen, aber für ein für mich einmaliges Erlebnis hat es gereicht.
Bis zum nächsten Mal im Shui Tang.“

Es hat sich so ergeben: wir tranken gute Tees, dann kam Tim mit guten Kaffee. Dann tranken wir noch die guten Kaffees und Serafino ging Piadina kaufen! Es wir jedes Mal anders. Ich kann nicht versprechen, nichts. Auch ich bin immer wieder anders, hoffentlich!