Liuan Guapian 六安瓜片

Liuan Guapian ist ein schöner grüner Tee von den zehn berühmten chinesischen traditionellen Teesorten. Er stammt aus Anhui, Dabie-Gebirge 大别山脉. Dieser grüne Tee besteht nur aus einzelnem zartem Blatt, ohne Knospe und Stange.
Er stammt ursprünglich von einem Gipfel vom Dabie-Gebirge: Qiyun Shan 齐云山 ca. 800 ü.M.. In dem Qiyun Shan gibt es ein Federmaus- Höhle. Die Federmäuse geben den wild wachsenden Teebäumen notwendige biologische Nahrung. Darum gedeihen die Teebäume dort besonders gut und schmeckt der Tee besonders aromatisch.
Liuan Guanpian sieht wie ein Kürbiskern aus. Er glänzt jadegrün. Der Aufguss duftet elegant und weich, die Farbe ist klar. Der Geschmack ist aromatisch und erinnert uns an das Gefühl des Abhebens in den Wolken. Ein erfrischendes Bad von Nase und Gaumen!
Dabie Shanmai
Dabie Gebirge

Junshan Yinzhen 君山銀針- ein gelber Tee 2

Schmeckt Junshan Yinzhen rauchig? Ja stimmt. Woher kommt dieser Geschmack?
Dieser Geschmack hängt mit der Herstellung des gelben Tees zusammen. Ein gelber Tee weist die gelbe Farbe im Aufguss und anders als der grüne Tee wegen dem Prozess des Feuchthaltens von erhitzten Blättern.
Gelber Tee und Grüner Tee werden nicht gewelkt – anders als weißer, Tee, Oolongtee und roter Tee. Sie werden direkt erhitzt, so dass die Enzyme zerstört werden, was für die Fermentation notwendig wäre. Dann werden die Blätter gerollt. Das Rollen formt die Blätter zu erwünschter Form und zerstört die Zellen, so dass die Säfte an dem Blatt haften und grasige Duftstoffe sich verflüchtigen. Aber feine duftende Aromastoffe bleiben zurück.
Nach dem Rollen werden die Blätter beim grünen Tee zum Trocken gebracht, während bei gelbem Tee noch warm und manchmal feucht gehalten wird. Dieser Prozess entscheidet die Qualität des gelben Tees.
Es gibt drei verschiedene Arten, die Teeblätter warm und feucht zu halten.
Nach dem Erhitzen feucht warm halten
Nach dem Rollen feucht und warm halten
Nach dem Trockenen trocken warm halten.
Junshan Yinzhen wird nach dem Rollen und Trockenen warm und trocken gehalten und zwar gewickelt. Dadurch enthält Junshan den wunderschönen leichten Aufguss und zugleich voller Aromen! Als ich heute ihn trank, erinnere mich an dem Werbeslogan von Thai Airways: „As Smooth as silk!“

Yoshino Dayu 吉野太夫

Wann blühen endlich die Kirschblüten? Kommen sie wohl dieses Jahr nicht?

Ganz zufällig erfuhr ich, dass der Teelehrer Herr Staufenbiel in Nürnberg bereits einen ausführlichen Beitrag über Yoshino Dayu befasste – http://www.teeweg.de/nletter-arch/april05.html.
Wer ist eigentlich Yoshino Dayu? Warum könnte so eine edele „Geisha“ oder „Kurtisane“ in die Teegeschichte gehen?

Dayu war zwar eine Art von Entertainerin, die gegen Bezahlung ihre Klienten amüsiert – mit ihrer künstlerischen Fähigkeit, aber oft talentiert und mehr verehrt als Hofdamen und edle Frauen. Sie suchten ihre Klienten aus und konnten manche unangenehme Gäste ablehnen. Wenn sie in der Stadt bummelten, waren sie das Zentrum des Geschehens, was Neid, Bewunderung und Begehren hervorriefen. Bekannte Dayuname werden zum Titel und weiter vererbt. Z.B. Yoshino Dayu wurden zu 10. Generation weiter übermittelt. Dayu wurden oft von Fürstenhäusern geworben bevor sie 30 wurden und eingeheiratet. Solche Vergenügungsviertel, wo Kurtisane sich aufhalten, boten die einzige Rahmen für aristokratische Männer, ihre Liebe und Leidenschaft auszuleben. Die Geschichten, wie ein Mann Dayu umwirbt und seine Liebe ausdrückt, lieferten beste Stoffe der japanischen literarischen Werke. Legendäre chinesische Schriftstellerin Zhang Eiling schrieb diese ähnliche Tradition in China (die Tradition dieser Art der Unterhaltung stammte aus altem China, Liuchao) im Vorwort ihres Romans „Haishanghua“, dass solche Viertel der einzige Ort für Männer in China war, sich verlieben zu können.
Yoshino Malerei
Eine Malerei von Yoshino Dayu

Yoshino Dayu (1606-1643)吉野太夫 hat mehrerer Legende hinterlassen. Einmal wurde erzählt, dass ihre Schönheit nicht nur edle Männer berührte, sondern auch kleine Menschen. Ein junger Schmied verliebte sich ins Geheim in die schöne Dayu. Er sparte und sparte, um nur einmal in ihre Nähe zu kommen. Das Problem lag nicht an dem Geld: um eine Nacht mit einer Dayu zu verbringen, kostete nicht nur Vermögen, sondern auch das soziale Kapitel. Woher hat der kleine Schmied, die Bildung, die Beziehung und den Zugang in die Nähe von Yoshino zu kommen? Er wurde tot krank und es wurde als Witz weiter erzählt. Yoshino hörte diese Erzählung und wurde von dem Leiden des jungen Manns triefst berührt und wollte ihm helfen. Es war die Kirschblüte zeit. Sie wollte den tot kranken jungen Mann zum Leben erwecken, indem sie mit ihm eine Nacht verbrachte. Ihre Tat wurde als Ausdruck des Bodhisattva-Geistes (Mitgefühl) verstanden und respektiert.
Der junge Schmied, der seinen langjährigen Traum erfüllte, verliest Yoshino am nächsten Frühlingsmorgen. Er warf sich in den von Kirschblüte gefüllten Fluss und beendete seinen Traum.
Er wusste wohl, dass er wie die Kirschblüte nur einmal im Leben blüht?

„Die Kirschblüten blühen hier wunderschön, 此地花好
aber wenn ich mich an das Blütemeer in Yoshino (ein berühmter Ort für Kirschblüte bei Nara) erinnere, 遥想吉野
waren die Kirschblüten dort unvergesslich anmutig!“ 樱花更璨烂
Yoshino Dayu

Yin und Yang im Tee 茶世界的陰和陽

Oft schreibe ich über die Auswirkung des Tees im Körper. Der Ausgangspunkt dieser Beschreibung liegt oft an der Yin-Yang Lehre der chinesischen Medizin. Was ist Yin? Was ist Yang? Darüber gibt es genügende Fachbücher und Experte. Ich möchte hier nur ein Aspekt deuten.

Yin Yang

Yin und Yang Lehre und Yijing sind zwei verschiedene kulturelle Systeme, die älter waren als Kungfuzianismus und Taoismus (Nan Huaijin: Yijing Zashou. 2001, S.55). Yijing stammte von Shanxi und Henan, während Yin-Yang-Lehre eher aus Hebei Stammte und noch älter war als Yijing. Die beiden Lehre vereinigen sich im Lauf der geschichtlichen Entwicklung und wurde durch Zou Yan (Zhanguo Shidai 350 v. Chr.) richtig bekannt. Er war in damaliger Zeit der Gelehrte überhaupt – ähnlich wie „Nobelpreisträger“. Egal wo er hinfuhr, wurde er von Königen mit Bankette und Verehrung empfangen – im Gegensatz zum Kunfuzius. Als Kungfuzius mit seinen 72 Schülern durchs China reiste, war er oft nicht willkommen und musste oft mit seinen Schülern hungern…
Der Ursprung dieser Lehre wird vermutet aus dem matriarchalischen Weltbild. Was ist Yang? Yang ist die Qualität von Männlichkeit, Wärme, Bewegung, Licht und Vordergrund. Es sind die Sonne, der Tag, der Sommer und das Aktive. Was ist Yin? Yin ist der Gegensatz zum Yang. Zu Yin zählen die Weiblichkeit, Schatten, Kälte, Ruhepunkt und Hintergrund. Es sind der Winter, die Nacht, der Mond und das Passive. Wenn man das dualistische Begriffspaar oberflächlich betrachtet, würde man zu dem Schluss kommen, dass alte Chinesen frauenfeindlich sind! Stimmt es? Wann fängt der Tag an? Der fängt mitten in der Nacht an und das Jahr mitten im Winter. Die Bewegung kommt von dem Ruhepol und kehrt wieder zum Ruhepol zurück. Das weibliche Prinzip ist der Anfang des Wesens und Ursprung der Entwicklung. Yin ist die Substanz spendende, während Yang sich schnell ausschöpft – dies könnten wir aufgrund der Männer-Frauen Beziehung im Alltag veranschaulichen. Wenn die Frau daheim gut geht, geht die Familie gut… Außerdem leben Frauen meistens länger wie Männer. Yang wird in unserer Gesellschaft vordergründig betont, weil wir Wert auf Sportlichkeit, Kommunikation, Aktivitäten, Sonne, Licht und Freude legen. Die Schattenseite und Passivität, die uns helfen, uns selbst zu verstehen und mit sich zu besinnen werden oft von dem Mainstreams verdrängt. Wir sehen nur lachende, aktive und junge Menschen in Medien. Die Rückbesinnung ist fast ein Bereich des „Wellness“ und „Lifestyle“ geworden…
Im Tee gibt es auch die zwei Aspekte von Yin und Yang. Die nicht fermentierten Tees (weißer, grüner und gelber Tee) enthalten mehr den Yin-Aspekt, während bei den fermentierten Tees der Yang-Aspekt überwiegt.
Der Dualismus von Yin und Yang wird jedoch aufgehoben. Das Taiji Zeichen kann das Gesetz am besten verdeutlichen: Yang enthält Yin, während Yin das Yang innehat. Ohne Yang wird Yin nicht existieren. Ohne Yin wird Yang bedeutungslos. Wenn wir im Körper überwiegend Yang Energie haben, befinden wir uns in einem Ungleichgewicht. Wir werden krank. Krankheit entsteht aus einem Yin oder Yang Ungleichgewicht!
Mit anderen Wörter: wir brauchen verschiedene Tees, die uns mit verschiedener Energie unterstützen. Nicht nur grüner Tee, sondern auch Oolong, roter Tee oder Schwarztee! In einer Überflussgesellschaft befinden wir in einem Yang-Übergewicht. Diese Gesellschaft ist „krank“, wenn wir uns nicht mehr über das einfache „Haben“ freuen können und immer weiter begehren müssen!

Wie beurteile ich einen guten Tee?

In Europa kann man leider nicht im Teeladen vor dem Einkauf zuerst den Tee kosten und probieren. Ein Kunde kann nur mit seinen Augen, die Tees beurteilen. Wie beurteilen wir Tee in dieser Situation?
Nehmen wir das Beispiel von Oolong:
Ein guter Oolong sollte eine glänzende Farbe aufweisen. Egal ob braun oder grün. Rötliche Färbung gibt uns über die Information der Fermentation. Die Winterernte glänzt in saftiger Grün, während die Frühlingsernte leicht oliv färbt. Je kugeliger und kleiner der Oolong aussieht, desto größer ist die Gefahr, einen Oolong, der aus unreifen Blätter hergestellt wird, erwischt zu haben.
Wenn ein streifenartiger Oolong in der Hand liegt, wenn er die Hände leicht kitzelt, ist er zu wenig lang gewelkt. Er würde im Aufguss herb schmecken. Wenn er ein kugeliger Oolong ist, sollte er nicht zu weich sein – das ist ein Zeichen von Feuchtigkeit. Er sollte ein wenig Gefühl vom Gewicht vermitteln.
Wenn wir im Laden die Blätter „riechen“ dürfen, sollten wir drei Male versuchen, die Blätter zu „riechen“. Wenn der Duft andauert und immer stärker wird, ist er ein guter Tee! Oft können wir jedoch leicht grasigen Geschmack entdecken – ein Zeichen von einem mangelhaften Welkensprozess. Ein Oolong sollte nie nach Grass oder Gemüse duften – das ist von einem normalen Sencha vielleicht in Ordnung, keineswegs beim Oolong! Ein guter Oolong, je nach Sorten, sollte nach Blumen und Früchte duften!
Plantage Alishan
Oolongtee-Ernte in Taiwan

Oh Teein! Bist Du beruhigend oder anregend?

Suzanne möchte gerne wissen, ob lang gezogener Tee beruhigend wirkt oder nicht. Laut Helmut Grösser (Tee für Wissensdurstige) wirkt ein kurz gezogener (weniger als 3 Minuten) Tee anregend und ein lang gezogener Tee (länger als 3 Minuten) beruhigend. Er hat seine Daten und Zahlen und ist ein Experte vom deutschen Teebüro!
Ich bin kein Experte und habe keine Daten und Zahlen – nur Erfahrungen und das kulturelle Wissen aus dem chinesischen Kulturkreis. Ich würde Dir anders raten:
Manchmal befinden wir in einem speziellen seelischen Zustand. Dann lass lieber unsere Finger weg von Tee ab 17 Uhr. Morgens mit einem Ingwertee (frische geschnittene Ingwer im heißen Wasser) den Tag starten. Abend einfach nur warmes Wasser trinken. (Ich halte nicht so viel von Ayurvedischen Tees, wenn sie Pfeffer, Zimtstange und Ingwer Mischung als Abendtee oder Ruhetee verkaufen…)
Wenn es uns gut geht und unsere Seele nicht besonders labil ist, können wir nach dem Essen einen Oolong oder einen feinen weißen Jasmintee gönnen.
Wenn wir lang arbeiten und konzentrieren müssen – wenn draußen kalt ist, dann wäre ein Dian Hong und Pu Er richtig. Vor allem am Morgen! Diese Teesorte besitzen starke Yang-Energie und spenden Wärme an unseren Körper. Pu Er Tee im Sommer wäre nur zur Empfehlen mit Chrysathemenblüte zusammen zu trinken.
Nachmittags im Büro nach dem Essen wäre es passend einen feinen Longjing, Gelber Tee oder Matcha. Im Sommer, im Vortrag und in Sitzung wäre ein grüner Tee gut, um präsent zu bleiben. Nach einem Fondue Essen wäre einen Bi Luochun nicht schlecht, um die Hitze des Körpers leicht auszugleichen, aber nicht für empfindliche Seele am Abend. Grüner Tee gibt uns die Yin-Energie und wirkt leicht kühlend. Ich vertrage ihn nicht immer gut.

Jeder Mensch ist anders, jeder Tee wirkt anders und jede Jahreszeit verläuft anders. Wir müssen uns eigentlich nach der Befindung unseres Körpers und der Veränderung des Kosmos richten statt nach Zahlen und Daten…
Man kann es glauben oder nicht. Unser Körper zeigt uns, was stimmt.

„Geisha“ im Teeweg

Dayu Yoshino 吉野大夫 ist eine berühmte Figur in der japanischen Geschichte in der Edo 江户-Zeit. Dayu ist eine Art von heutiger Bezeichnung „Geisha“, aber sicherlich viel edeler und nur für sehr gehobenes Publikum. Normalerweise gehen solche historische Figuren aus der Welt der Liebrei nicht in die Teegeschichte. Aber Yoshino ist eine Ausnahme.
Ihre Schönheit und künstlerische Talent beeindruckte ganze Kyoto und eroberte Herzen vieler edler Männer. Sie verliebte sich in Herrn Joeki Haiya 灰屋绍益, Sohn einer edlen Familie. Joeki wurde von der Familie enterbt, während Yoshino sich von ihrem Geisha-Haus trennte. Sie stürzten von Glanz plötzlich ins Elend. Yoshino liess sich nicht von dem Geschehen beeindrucken und munterte und unterstützte ihren frustrierten Gatten. Ihr Mut und Stärke gewann Sympathie von ganzer Kyoto. Später kehrten sie zurück zur Familie nach einer Versöhnung durch einen Vermittler. Yoshino starb sehr bald darauf. Joeki sang seine Schmerzen mit seinem Gedicht: “ Ich habe keine Erinnerung mehr in meinem leidvollen Leben. Alles was Schön war, verschwindet mit Yoshino in die andere Welt!“, während er ihr Asche in Sake trank…
Yoshino ist berühmt für Ihre Gedichte und Geschmack. Ein Gedicht von ihr wird auch im Teeraum aufgehängt.
„Der Mond ist im Westen, 月在西
Während Du nach Osten schreitet, 君則往東
im Morgen Dämmerung. 將明之晨“
In Kyoto der Edo-Zeit. Edle Männer und ihre Entertainerinnen feierten bis ins morgen früh. Man verabschiedete sich und verabredete für die nächsten Tage. In Heiterkeit, in Schmerzen der Trennung oder in einer Bewusstlosigkeit durch Alkohol? Der Mond stand gerade noch im westlichen Himmel, während heimkehrende Menschen in die andere Richtung schreiteten.
Schöne Frauen werden gerne bewundert. In unserer Gesellschaft, wo jeden Tag viele Stars produziert werden, gehören schöne Frauen mit schöner Figuren unseren medialen Erfahrungen. Wie viele schöne Stars werden wohl in 100 Jahren nur wegen ihrer Schönheit noch erinnert?

Yoshino praktizierte auch Teezeremonie. Ihr Gatte Joeki Haiya ebenfalls. Sie gehörten zu der Teeschule Seshishu 石川流.

Erster Aufguss des Tees

In der traditionellen Gongfu Cha (Kungfu Zeremonie) habe ich gelernt, den ersten Aufguss abzugießen. Man feuchtet so zu sagen den Tee an. Erst ab dem zweiten Aufguss genießt man den Tee.
Heute würde ich eine andere Methode empfehlen: die Teekanne mit heißem Wasser zuerst aufzuwärmen und abgießen. Anschließend die trockenen Teeblätter hinzufügen. Nach 5-10 Sekunde, den Duft der feuchten Blätter genießen. Dieser Duft verrät uns die Information, wie und ob der Tee richtig gelagert und hergestellt wurde. Den ersten Aufguss wie gewöhnlich zubereiten und trinken. Der erste Aufguss zeigt uns eigentlich die reichhaltigste Seite des Tees. Er enthält die meisten Inhaltstoffe. Die Blasen, die beim ersten Aufguss aufzeigen, enthalten nach dem japanischen Forscher 谷本阳藏 wichtige Stoffe für die Gesundheit.
Wer Angst hat, eine Nachtwanderung oder Schäfchen zu zählen, könnte den ersten Aufguss abgießen. Wer Gedanke um seine Gesundheit wegen Pestizide und Schadstoffen macht, sollte ebenfalls den ersten Aufguss vermeiden.
Ansonsten sehe ich keinen Grund auf den ersten Aufguss zu verzichten. Andererseits kann jeder versuchen heraus zu finden, welche Art und welchen Aufguss ihn am besten schmeckt!
1. Aufguss
Die Blasen in 1. Aufguss

Ein (Bio)Tee für eine bessere (Um)Welt?

Ich möchte mich zuerst bei Marc bedanken, dass er uns das Problem des Geschäft mit dem „schlechten Gewissen“ mittels eines Gedichts veranschaulicht. Sicher hat Suzanne Recht, dass es nur ein erster Schritt ist, mit Handel unsere Welt zu verändern. Solange die Struktur unseres Welthandels toleriert wird, werden immer kleine Menschen leiden. Der Ministerpräsident Oettinger von Baden Württemberg hat auch Recht, den Lohn des älteren Arbeitsnehmers zu kürzen. Die Jugend und die Gesellschaft brauchen Zukunft und wir wollen alle keine Revolution, darum fangen wir am besten an, den Lohn vom Herrn Oettinger zu kürzen. Das löst die Problematik unserer Gesellschaft leider auch nicht…

Ist ein Bio Tee ein Tee von traditioneller Anbausweise? Nicht unbedingt. Viele Teebauer in Taiwan bauen ihre Teepflanzen neben Gemüse und süßen Kartoffeln. Die Kartoffel und Gemüse saugen die meisten Nährstoffe, so dass die Teepflanzen ihre Wurzel ganz tief in die Erde einschlagen müssen. Die Pflanzen werden dadurch kräftiger, aber sind nicht ertragsreich. Die Blätter sind lederig, kraftvoll und aromatisch. Solche Oolongtee schmecken würzig, aromatisch und die Qualität bleibt stabil. Leider werden solche Tees nur im kleinen Teegarten produziert. Die Menge ist rar und der Preis ist entsprechend hoch. Solche Tees finden ihren Weg selten nach Europa, weil die Großhändler in Europa prinzipiell einmal im Jahr und in der riesigen Menge einkaufen. Kleine Teebauer können sich gar nicht leisten, so einen großen Auftrag anzunehmen. Oder man muss Tee von mehren Teegärten mischen und das ist meistens der Fall. Die Qualität wird unübersichtlicher. In diesem Fall ist ein Bio-Label notwenig, um den Prozess zu kontrollieren.
Manche Leute mögen die Frage bekommen, „kann man überhaupt Dir glauben, wenn Du sagst, dass Dein Tee aus einem traditionellen Anbau ist?“ Der Zweifel ist gerecht. Solche tradtionell angebaute Tees haben allerdings verschiedene Merkmale, die man leicht erkennen kann! Kräftige Blätter, oft leicht liebliche Aroma durch Insektenbiss und intensive Aroma. Der Tee spricht für sich und lügt nicht. Wir wollen leider lieber dem Label glauben als an eigene Erfahrungen (ähnlich wie an dem Arzt und Apotheke glauben als an eigenen Körpergefühl).

Bio

Für eine Massenproduktion oder einen Massenimport ist eine Kontrolle von Bio-Label sicherlich sinnvoll. Das heißt, dass das ein Problem von Massenkonsum und Unübersichtlichkeit der Produktion ist (auch ein Problem von unserer Globalisierung und Massengesellschaft) und nicht von einem raren Tee von genauem Angabe von Herkunft und Produzent. Für Menschen, die keine Zeit verschwenden möchten, mit der Kleinigkeit des Lebens auseinanderzusetzen und lieber Sicherheit haben wollen, ist der Konsum von einem „Bio Tee“ sicherlich richtig. Für Lifestyle ist ein Bio Tee natürlich eine gute Wahl.

Es wäre unserem Leben bereichernd, ich denke, wenn wir lernen, die Sprache des Tee zu verstehen. Ihn zu genießen und zu „liebkosen“ als nur aus der Mode oder wegen der Gesundheit zu konsumieren.

Bio oder Nicht-Bio

Suzanne fragte, was ich von Bio Tee halte. Ich muss vorsichtig meine Antwort formulieren, so dass es kein Missverständnis entsteht. Ich trinke keinen Bio Tee, weil die Qualität des Bio Tees meistens nicht so gut ist, wie der konventionelle. Für mich zählt die Qualität und Herkunft des Tees als die erste Priorität. Wenn die Herkunft des Tees stimmt, der Herstellungsprozess richtig durchgeführt und der Tee ein Bio Tee ist, dann ist dieser Bio Tee sicherlich zu empfehlen. Die Bezeichnung Bio hat für mich keinerlei Bedeutung!
Die Frage ist, wozu brauchen wir die Bio-Bezeichnung? Eine Bio Bezeichnung bürgt überhaupt nichts für den Geschmack und Qualität, sondern sorgt für ein psychologischen gutes Gewissen und einen guten Marktnische.

Nachdem man in Europa langsam über ihre koloniale Vergangenheit und die Ungleichheit der Ressourcen-Verteilung reflektieren können, bekommt man hier zunehmend schlechtes Gewissen über die Ausbeutung von Zucker, Banana und Teeplantage. Tatsächlich sind die Arbeitsbedingungen für Pflückerinnen in vielen neuen Anbaugebiet wie z. B. Assam und Ceylon verheerend und Handelsblatts Bericht über Assam lieferte den beste Beweis: „Armut der Teepflückerinnen schnürt ethnische Unruhe“ (12.03.99). (Die Entstehung von Assam Tee ist ein Spiegel der kolonialen Geschichte! Sie lehnten die Teeindustrie ab und versuchte die Arbeit zu blockieren, so dass Gastarbeiter importiert werden mussten und ethnisches Dilemma gestiftet wurde. Diese Geschichte möchte ich später mit einem eigenständigen Beitrag widmen.) In diesem Kontext ist das Konzept „Fair Trade“ entstanden. Man möchte den Menschen in dritter Welt helfen, indem man für Konsumgüter mehr bezahlt und selbst mit besserem Gewissen weiter in dieser Konstellation lebt.
Solche große Monokultur von Kaffee-, Zucker- und Teeplantage regt steigendes Bedenken in der Öffentlichkeit in den Länden, die sich solche Konsumgüter leisten. Man möchte Genussmittel weiterhin genießen, aber auch gesundheitlich unbeschädigt bleiben. „Bio“ ist ein Trend geworden. Selbst Aldi hat diesen Markt entdeckt und verkauft Bio Gemüse! Es ist fast wie ein Konzept geworden, dass „Bio“ gleich gesund und unbedenklich bedeutet. Für mich bedeuten „Bio“ und „fair Trade“ in diesem Sinne eher eine Markethingsstrategie und ein Konzept als eine Qualitätsgarantie.
In Taiwan, Japan und manche Anbaugebiet in China werden Teegärten überwiegend von kleinen Teebauern getrieben. Das Handwerk wird Generation zu Generation weiter vermittelt.
Teeanbau und Herstellung ist eine Kunst, die nicht einfach angeeignet werden kann. (In Assam importierten Engländer 600 chinesische Kulis aus Singapur und dachte: Chinesen sind Chinesen. Leider waren die 600 Kulis Analphabeten im Teeanbau…) Z. B. in Taiwan leben Teebauer leben gut von ihrem Tee und anderen Produkten. Es sind Familiebetriebe. Darum gehören Formosa Oolong meistens nicht zu billigeren Teesorten und man findet ihn in Aldi nicht. „Fair Trade“ findet beim Formosa Oolong auch keinen Platz! Manche Teebauer, die ich kenne, bauen ihren Tee nach der Tradition. Es sind natürlich eine Art vom „Biotee“, aber ohne europäische „Bio-Siegel“. Oriental Beauty muss z. B. von Insekten befallen werden, die nur im natürlichen Milieu vorkommen und sich vermehren. Die Rede von „Bio“ Oriental Beauty kommt nie vor. Ich bevorzuge diese Redewendung von „traditionelle Anbausweise“ als den leider oft missbrauchten Begriff von „Bio“.

Die Qualität und die Herkunft des Tees stehen für mich im Vordergrund als die drei Buchstaben „Bio“.