Degustation von Tie guan yin

Degustation von Tie guan yin

Aus meiner letzten Heimreise brachte ich einen besonderen seltenen Hochland Tie Guanyin. Im November 2006 schnitt ich den vakuumierten Beutel und trank mit Kathrin und Gerhard zusammen. Damals fiel er nicht besonders auf und lag seitdem in der Vergessenheit im Schrank. Letzte Woche wurde er wieder fündig, aber ich konnte ihn nicht gleich entziffern, wer er ist. Nach dem Aufguss erinnerte er mich plötzlich an Tie Guanyin – aber eine besondere Note war nicht leicht zu erraten. Leicht, elegant und frisch… Ein Hochlandstee, der ein Tie Guanyin ist!

Heute goss ich zwei Tie Guanyin auf: aus Muzha und aus Hochland.

Die Farbe: der Aufguss von Muzha ist in einer fast Kastanien-Farbe; während der aus Hochland in einer goldenen gelblichen Farbe.

Die aufgegossenen Blätter: Blätter von Muzha sehen olivgrün aus mit einem schönen roten Rand. Sie sind stark, noch eher grollt und im Finger leicht gewellt – wirklich originale Tie Guanyin Baum. Blätter von Hochland: Blätter sehen grüner als die von Muzha aus, jedoch mit dem eindeutigen roten Rand – gelungene Fermentation. Blätter entfalten sich ziemlich gut – wenig geröstet als der andere und ebenfalls gelungen Röstung. Die Blätter fühlen sich ledrig und fleischig – ein wirklicher Hochlandstee! Im Finger spürte ich die Wellen am Blatt – ein wirklicher originaler Tie Guanyin Baum!

Der Aufguss:

Muzhsa Tie Guanyin schmeckte wirklich leicht nach Tabak – süss, voll und aromatisch. Er schmeckte auch nach einer reifen Frucht, aber vollmundig! Eine süsse, volle und eher schwere Art von Oolong, aber eine nach der Tradition verarbeitete hervorragende Tee! Dieser Tie Guanyin eignet sich sehr gut zum Lagern. Man kann ihn Jahr für Jahr probieren und eine Entwicklung feststellen – zugleich wohl auch eine Reise nach innen – wie man sich selbst auch verändert.

Hochland Tie Guanyin brauchte ebenfalls Zeit, um sich zu entfalten. Nach zwei Monaten ruhen kommt er erst zum Ausdruck. Das Phänomen habe ich oft beim vakuumierten Tee festgestellt. Direkt nach der Öffnung schmeckt der Tee fade und launisch. Erst nach paar Tagen, sogar Wochen lernen wir ihn kennen! Der Aufguss schmeckte sanft, mild und lieblich. Er hinterließ ein Hauch von Pfirsich auf dem Gaumen.

Nach einer Stunde trank ich noch einmal die beiden Tees. Sie schmeckten immer noch sehr gut. Einer tränkt mich in einem Bad voller „Tabak“ oder „Wald“; der andere beduftet meinen ganzen Gaumen und Sinnen…

 

Bild rechts: Muzha Tie Guanyin; links Hochland Tie Guanyin.

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Eine Degustation mit verschiedenem Wasser

Ich habe den schönen Dong Ding Oolong Jahrgang 1981 mit verschiedenem Wasser zwei Male aufgegossen. Einmal waren wir mit Herrn Dr. Schiltknecht, ebenfalls mit Bestwater und normalem zürcher Leitungswasser.

Das Ergebnis war interessant:

Duft: der Duft des Tees kommt bei BestWater tatsächlich besser zum Ausdruck. Es duftet feiner und sauberer. Der typische Duft eines gut gelagerten Oolongs kommt sehr gut zur Geltung: Pflaumig, Caramelartig und süsslich. Beim Leitungswasser duftet es schwerer und undifferenzierter.

Aufguss: Die Farbe ist beim BestWater tatsächlich viel heller.

Der Geschmack: der Tee mit dem Bestwater schmeckt „sauber“. Der pflaumige Note kommt sehr gut zur Geltung, aber dieser Tee schmeckt mir fremd. Er ist anders als ich gewöhnt bin – bzw. es ist ein anderer Tee. Dagegen schmeckt der ee mit Leitungswasser wie der Oolong, den ich kenne – klar ich giesse ja immer mit dem normalen ungefilterten Wasser… Er schmeckt lieblich, voll und tief.

Was ist besser? Ich kann diese Antwort nicht richtig beantworten. Bestwater als Grundlage zu nehmen bedeutet für mich eine neue Zubereitungsmethode zu entdecken. Andere Menge, andere Ziehzeit und anders schmecken. Er schmeckt zudem zu „sauber“ für mich. Ausserdem haben die wenigen Menschen diese teuere Anlage. Wie sollte ich den Teeblog noch schreiben, wenn die meisten Teefreunde ein anderes Wasser haben?

Das Bild: eine Degustation mit Bestwater (links) und Leitungswasser (rechts). Der Tee ist Formosa Dongding Oolong 1981. In diesem Bild kommt der Kontrast von beiden Wasser leider nicht richtig zur Geltung. Ich entschuldige mich für mein Ungeschick des Fotographierens.

Kencha mit Ulrich Haas

Was ist Zen? Was ist Tee? Weshalb spricht man über „Zazen Ichimi“? (Zen und Tee haben den gleichen Geschmack) Muss Teezeremonie den Zengeist beinhalten? Muss ein Chajin ( ein Teeweg praktizierende) Zen praktizieren? Teemeister Haas sprach am Samstag den 3.2. in Zürich über diese Thematik. Er vertrat sogar diese Ansicht: Tee ohne Zen wäre wie eine Blume ohne Duft.

„Was ist Zen?“ fragte ein junger Mann aus Deutschland, der freiwillig in dem japanischen Kloster zurückzog und nach der Antwort seines Lebens suchte, seinen Meister im Garten. Sein Meister schaute ihn erstaunt an und schüttelte seinen Kopf. Einen Tag später fragte sein Meister den jungen Mann: „Haas! Wo bist Du?“ „Ich bin hier!“ Der Meister schüttelte wieder seinen Kopf und ließ seinen Schüler verwirrend stehen. Einen Tag später wiederholte der Meister und verließ wiederum im Verschweigen. Diese gleiche Szene wiederholte sich jeden Tag. Der junge Schüler wurde zunehmend wütend über dieses Spiel seines Meisters. Seine Antwort wurde nicht geantwortet und er selbst geriet in einer verlegenen Situation. Eines Tages passierte der Meister gewöhnlich wieder den Garten und schrie „Haas! WO BIST DU!?“ Der junge Haas konnte sich nicht mehr zurückhalten und schrie zurück “ WAS für eine blöde Frage!“ Der Meister lachte und sagte, „Ach, es besteht wohl noch Hoffnung!“

Mit einfühlsamen Wörtern erzählte Meister Haas uns über seine eigenen Erfahrungen, wie er im Kloster lebte und von Zen erlebte. Seine humorvolle Schilderung und ehrliche Berichte erreichten die Herzen der Anwesenden. Er praktiziert Tee, er kann über Tee lachen. Er kennt die Formalismus des Tees und Fixierung der Techniken der Chajin. Der Tee verliert immer mehr seine Essenz und wird zunehmend zur Perfermanz! Er praktiziert Zazen (Zen-übungen). Er erzählte uns von Zengestank! Obwohl wir im Zen von Absichtslosigkeit und Loslassen sprechen, können viele Zen-Menschen sich nicht vergessen, etwas besonders sein zu wollen. Dass Passieren ohne Spuren hinterzulassen, wird oft zu tausende Bücher und Rede verwandelt…

Für Buddha wurde eine Schale Tee eingereicht. Diese Art von Teezubereitung bezeichnen wir als Kencha. Seine Bewegung war ruhig, seine Atmung war leise und sein Gesicht war entspannt. Jede Bewegung, jede Schritt floss in eine andere. Jede Handlung schloss eine nächste ein. Wir spürten den Fluss seine Bewegung, wir weilten in der Ruhe und gleichzeitig im Geschehen. Wir wurden berührt durch die Natürlichkeit und Eleganz einer jahrhunderten alten Tradition! Eine Zeremonie wird erst zur Zeremonie, wenn die Bewegung und Atmosphäre nicht mehr natürlich erscheinen. „Es geht nur um Tee trinken und zubereiten.“

Buddha war der Suchende vor uns, der nach Befreiung des Leidens suchte. Buddha war der Erleuchtete, der uns über die bedingte Entstehung des Leidens verkündet. Ursache und Bedingungen führen zur Handlung, die wiederum Handlungsketten hervorrufen. Unsere Probleme in der Welt – sei es Klimawandel, sei es religiöse Konflikte, sei es Generationsstreit – sind Belege dieser Lehre! Oft werden erleuchtete Menschen verklärt und viele machen damit ihr Geld – das manifestiert sich durch den Zulauf der Esoterik Szene. Was ist Erleuchtung?

„Was ist Erleuchtung?“ fragte der junge Haas seinen Meister wieder und dachte, dass es wieder ein komisches Spiel anfing. Sein Meister holte ihn in seinem Zimmer und sagte im allen Ernst „Ich weiß auch nicht.“ Er erklärte ihn, was er mit seinem hohen Alter vielleicht etwas verstand, was Erleuchtung sein könnte. Der Weg zur Erleuchtung führt in seiner Zen-Schule nicht an die Übungen von Wumenguan vorbei. Erleuchtung ist wie ein Ort, wo keine Tür und keinen Weg dorthin führt. Man muss durch eine „Nicht-Tür“ den Ort betreten. Dieses „Nicht Tür“ ist Wumen. Dieser Zustand vor einer „nicht-Tür“ zu stehen und nicht in die „Tür – Erleuchtung“ eintreten zu können ist Wumenguan – der Pass der Nicht Tür. „Manchmal öffnet sich diese Tür eine kleine Spalte, wenn ich manchmal eine Erfahrung mache und erlebe. Ich kann etwas hinter dieser Tür schnuppern. Man weiß, dass es so etwas gibt. Man weiß, dass etwas noch dahinter stecken kann. Diese Spalte verschließ sich allerdings wieder.“ Aber das, was man ein bisschen geschnuppert hat – durch die kleine Spalte, die sich immer öffnet und verließ, macht einen so friedlich und glücklich. „Vielleicht weiss ich, was Erleuchtung ist, wenn ich Tod bin.“ Der junge Haas prägte die ehrlichen und klaren Wörter seines Meisters tief in ihm und erzählte uns am Samstag weiter. Wir wurde zutiefst beeindrückt von seine Mitteilung und glauben, plötzlich diese Spalte im unseren Leben gesehen und zugleich im Hier und Jetzt gespürt zu haben!

Mumenguan Das Buch Wumenguan für jeden, der Zen paktzieren will.

Ich realisierte, weshalb Tee einen wichtigen Bestandsteil meines Lebens geworden ist. Ein Leben ohne Tee – wie eine Blume ohne Duft. Im Tee bin ich nahe an diese Spalte.

Tee. Nicht nur ein Phänomen

Tee. Nicht nur ein Phänomen
Am einen nebligen Nachmittag machten Antje und ich auf den Weg nach Aarau, um die Ausstellung „Tee. Ein Phänomen“ anzuschauen. Das etwas verschlafene Städtchen versank im Nebel, als wir endlich ankamen. Der Weg zu dem Schlossplatz war unkompliziert und der Empfang war recht herzlich. Ein Eintrittsritual musste vollzogen werden, indem man die Hausschuhe wechseln musste, bevor man die Ausstellung eintrat.
Wir sahen einen Pfad zu Räumen, die allerdings mit Kieselstein gefüllt war. Ich denke sofort an die Steingarten im japanischen Tempel. Sollte ich hier vor dem Pfad kurz meditieren, bevor ich meine „Tee-Reise“ begann? Wir waren recht unsicher und wollten nicht wie ein Barbar verhalten. Antje sagte „Komm´ wir gehen zuerst auf die Toilette!“
Wir trauten uns danach doch auf dem „Kieselstein-Pfad“ zu gehen und befanden uns gleich in dem 1. Raum. Ein etwas kränklich aussehender Teebusch stand Central im Geschehen. Ein Lautsprecher erzählte uns ohne zu verlangen die Entdeckung des Tees und seine Geschichte. Wir sollten mich hier informieren lassen, wie und woher der Tee kommt. In diesem etwas künstlich gestalteten Raum fühlte ich mich nicht ganz wohl und verhielt mich wie ein Barbar – nach 2 Minuten verließ ich den Raum.

Der 2. Raum ist dekoriert mit wunderschönen Teekisten aus Indien. Freundlich und exotisch. Hier sollten Teenamen, Teeformen und Teesorten dem Publikum näher bringen.
In dem 3. Raum standen ein Leinwand und paar Stühle. Das Publikum kann den Tee visuell genießen, wie er aufgegossen wird. Das ist eine interessante Idee, die jeder zu hause praktizieren kann. Wir vernachlässigen diesen Aspekt sehr gerne, indem wir die Ziehzeit des Tees zu gerne nutzen, um gleichzeitig andere Dinge parallel zu erledigen. Wir sahen, wie Teeblätter im Wasser schwammen, tanzten und sich entfalteten. Wir beobachte, wie eine Teeblume ins Wasser fiel, zögerlich seinen Platz suchte – sie schwamm, zögerte und suchte… In nächstem Augenblick erlebten wir, dass sie sank und stehen blieb, als ob sie dort ewig lieben würde… Diese Szenerie erinnerte mich an einem Stück von Peking Oper “ Ba Wang Bie Ji“. Als Xiang Yu, der Rivalen vom Kaiser Liu Bang, keinen Ausweg mehr in seinem gescheiterten Feldzug sah, sang seine Geliebte Yü Ji ihm ein Lied. Sie war die letzte treue Begleiterin, die ihm noch liebte und folgte. Sie verstand, dass ihr Geliebter sich zögerte und sie nur zur Last ihrem Geliebten fiel. Sie sang ein Lied, versuchte ihm aufzumuntern und nahm ihr Leben vor seinen Augen. Er sollte weiter gehen und kämpfen. Er ist ein Held und sie eine fallende Blume. Er hatte noch eine Welt vor sich und sie machte ihm den Weg frei. Sie sang ein Lied und tanzte. Plötzlich schwankte sie, sie fiel nach links und dann nach rechts. Sie suchte nach einem Halt. Sie fand ihn nicht. Sie versuchte sich zu halten und landete am Boden erschöpft. Der Augenblick wurde durch Liebe verewigt. Das Oper verewigt die Liebe.

Zum Schluss landeten wir selbst im 4. Raum, wo wir Tee mit Geschmackssinn erleben durften. Hier durften wir einen Tee zwischen vier verschiedenen Teesorten aussuchen und ihn erleben. Auf den Regalen standen viele alltägliche Teetassen, die im Europa den Tee-Genuss erleichtern. Wer sich für das Phänomen Tee noch mehr interessieren, können sich mittels Bücher, die ebenfalls ausgestellt waren, beim Tee-Erleben weiter vertiefen.
Das Ziel der Ausstellung versucht wohl das Phänomen Tee an Menschen näher zu bringen. Für einen gelegentlichen Teetrinker ist diese Ausstellung ein gelungener Versuch, Oberfläche eines Phänomen Tees zu kratzen. Wer sich einen Extra Weg für eine Tee-Ausstellung machte, fragte sich, wie geht der Weg weiter?

Teeblume aus D.D.

Teeblume aus D.D.

Vielen Dank für diese schöne Teeblume, lieber Stefan (aus D.D.)

Der Hintergrund dieses Fotos ist wohl die Di Hua Jie 迪化街 (Di Hua Strasse) aus Taipei. Ein Hauch von Heimwehe steigt in mir. Viele Erinnerungen und Bilder spielen vor meinen Augen…

Als Kind brachte meine Grossmutter uns an diese Strasse, immer kurz vor chinesischem Neujahr und Mondfest. Sie traf ihre Freundinnen und suchten Spezialitäten für die Fest aus. Auf der Dihua Jie werden besondere Lebensmittel aus ganzer Welt verkauft. Chinesische Heilkräuter findet man hier in grosser Auswahl. Die Besonderheit ist, dass man alles naschen und probieren kann!

Das ist das alte Taipei, wo ich aufgewachsen bin. Zwischen den Wolkenkratzer stehen noch diese uralten Bauten in der japanischen Zeit nach Vorbild von Barock und Renaissance. Diese Gebäude sind inzwischen Denkmal geworden, vielleicht auch diese spezielle Läden, die uns an Bazar erinnern und immer mehr durch Verdrängung von Supermarkten und Internet verschwinden…

Wenn Du nach Taipei reist, vergess nicht, an die Dihua Jie zu gehen!

Das Leben ist kostbar

Ich möchte diesen Beitrag einem guten Freund G widmen, der gestern diese Welt verlassen hat. Er hat eine Lösung für seine Probleme gesucht und wählte den Tod.

Als das Jahr gerade anfing und ich frisch in diese Wohnung einzog, zog er mit ein. Nur weil er einen Zufluchtsort suchte. Als der erste ersehnte Schnee dieses Winter ankam, verliess er diese Welt. Nur weil seine Ehe zum Ende drohte. Das Ende der Ehe bedeutete ihm die Sinnlosigkeit seines Lebens.

Eigentlich war es mir nicht sehr recht, dass er bei mir wohnte, aber es war die beste Lösung für die Situation. Sein Leiden und Verzweifelung erinnerten mich an meine eigene Vergangenheit. Vielleicht wollte ich etwas wieder gut machen, vielleicht und vielleicht.

Alles seien kaputt. Die Existenz, der Wohlstand und das Leben. Schlaflose Nächte, erschöpfte Körper und die Angst vor der Veränderung bzw. Abwehr gegen eine Veränderung verhinderten ihn einen anderen Blick von dem Leben. Er sah nur im Tod seiner Lösung.

Als ich gestern diesen Nachricht erhielt, wollte ich und konnte ich ihn nicht akzeptieren. Ich hoffte immer noch, dass er über die Treppen kam. Er kam natürlich nicht. Ich spürte Wut und zugleich Trauer. Ich weinte und glaubte, dass er in dieser Welt noch herum irrte. Wie könnte man im Tod die Ruhe finden, was man in seinem Leben nicht findet? Es ist nichts kaputt, es ist nur alles anders geworden.

Alles ist anders geworden – nun ohne ihn. Seine verlassene Frau und Kinder müssen dieses Leben noch ohne ihn ertragen und erleben.

Alles ist anders geworden auch für mich. Das Leben ist um so mehr kostbar für mich. Ich sah, wie ein Mensch verzeifelt in einer Spiral gefangen wird, wie er sich von Außenwelt abschottet und nur seine Probleme als absolut betrachtet, wie er sich gegen die Vergänglichkeitsgesetz unser Welt kämpft. Es tut mir sehr sehr weh, möchte aber laut sagen, das Leben ist so kostbar! Meine liebe Freunde, nichts ist kostbarer als unser Leben! Probleme können wir nicht immer lösen, bitte abwarten und Tee trinken…

Tee in Ceylon

ceylon tee

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Herr Hans Obrist erzählte uns seine Erfahrungen als Teepflanzer in seiner Zeit auf Ceylon, wie er die Teeplantage pflegte. Er war stets bescheiden und sagte, dass er keine Ahnung hat von den Kriterien, die Tees zu beurteilen. Sein job war lediglich, auf die Teebäume zu schauen. Den Tee zu testen und zu verifizieren war das Job des Teemakers. Die Teamaker aus Malaysia waren sehr beliebt und leiteten gute Arbeit. Dagegen waren Brocker nicht immer seinem Ruf gerecht.

Der beste Ceylon kann nie aus Zufall entstehen. Vier Faktoren prägen und entscheiden die Qualität des Tees: Klima, Höhenlage, Pflückqualität und Fabrikation. Im Juli und August, wenn das Wetter trocken ist, wenn der Wind kommt anstatt dem Regen, können wir den besten Tee aus Uva Distrikt erwarten. Je höher die Anbaugebiet liegt, desto besser wird der Tee. Uva Distirkt liegt in der hervorrgaenden klimatischen Lage und produziert hervorragende Ceylon-Tee. Wenn das Pflückgut in der richtigen Zeitpunkt – nicht zu früh und zu spät gepflückt wird, kann die Fabrikation nicht mehr viel falsch machen. Auf Ceylon kann alle 40 Tage neue Ernte erzeugt werden. Das bedeutet sehr intensive Arbeit mit Pflücken. Das Pflückgut wird jedoch ohne Verifikation zusammen gemischt und verarbeitet. Es gibt keine bevorzugte Uhrzeit, um bestes Pflückgut zu erzielen.

Alles wird zusammen gemischt und alles wird zusamengeworfen. Das ist der Ceylon-Tee, ganz anders als hoch qualitative Oolongs.

Für ihn sei die Aromatisierung, die im Europa als Trend seit Jahren durchsetzt, ein Schreck. Es sei eine europäische Kreation. Für ihn ist die inzwischen polpuläre mehrfach angepriesende Biotee produktion ebenfalls skeptisch. Er könnte sich als Teepflanzer nicht vorstellen, wie es überhaupt auf Ceylon funktionieren könnte. Der Biotee auf Ceylon muss drei Kriterien erfüllen: Holzanfeuerung, Verzicht auf Kunstdünne und Pestizide. Herr Obrist fragte sich, woher haben die Ceylonesen organische Dünne? Sie brauche doch den Mist von Kühe selbst anzufeuern. Müssen sie es importieren? Holz gibt es so wie so nicht viel – vor allem in so einer Insel, wo Tee eigentlich fremd eingeführt wurde und als Mono-Kultur herrscht… Die Atmosphäre wurde nachdenklich und eine Diskussion wurde sofort aufgelöst.

Hans Obrist in Bern

Hans Obrist in Bern

Am letzten Samstag begegnete ich den „einzigen lebenden“ swiss made Teepflanzer Hans Obrist in Bern bei Länggass Tee.

12 Jahre lang war er auf Ceylon als Teepflanzer. Es war 1950 bis 1962. Es war eine Welt nach dem Krieg. Es war eine Welt, wo Okzident und Orient noch weit auseinander lagen. Es war eine Welt des Aufbruchs. Er reiste mit dem Schiff von der Schweiz über Italien nach Ceylon. Der Abschied mit der Schweiz und den Bergen wechselte sehr schnell mit dem Schiffen ins Oszean. „Ich fühle damals sehr einsam, so dass ich das Radio ganz dicht an mein Ohr presste. Ich wollte etwas erfahren von der Welt – von dem Rest der Welt.“ Als ein weisser Mann lebte er paralle zu dem indischen Alltag seiner Arbeiter. Die Ordnung zwischen den Menschen war klar – zwischen den Rassen und zwischen den Kasten. Einsamkeit aus dem Abgeschnitten-sein von der Herkunftkultur wurde begleitet von der Konfrontation mit der Fremdheit. Fremdheit in doppelten Sinne: fremd als ein weisser, fremd als ein Mann.

Mit einfühlsamen Wörter erzählte er zurückhaltend von seiner Faszination der fremden Kultur und der fremden Weiblichkeit. Junge Pflückerin arbeiteten zwischen den Teebusch. Man sah sie nicht, man sah nur bunte Saris. Man hörte sie. Sie sangen und schwartzen. Sie waren wetterfest, aber nicht ohne Anmut. Eine junge Pflückerin namens Alagamma berührte den jungen weissen Teepflanzer mit ihrem Anmut und natürlicher Schönheit ohne selbst davon zu erfahren. Er fotograhpierte sie und ging an ihr vorbei, ohne sie zu berühren oder anzusprechen. Die Welt war in Ordnung und die Ordnung musste eingehalten werden. Seine Erzählung war poetisch und rührend, während Frau Obrist ruhig mit zuhörte und ihren Kopf nickte. Er wollte sie doch noch sehen, als er nach Jahren wieder nach Ceylon zurückkehrte. Er hätte sie fast nicht erkannt. Sie war in weisser Sarin, in Witwe-Gewand. Mager, verbraucht und alt. In dem Seufz und Nachdenken fragte er sich, wie würde sie wohl über ihn denken, wie er nun aussieht? Auch alt und hinfällig?

Sehr schnell bemerkte er ebenfalls, wie kurios seine Arbeiter bestimmte Arbeit fokusierten und bestimmte Arbeit ablehnte. Er realisierte sehr schnell, dass eine andere Weltordnung zwischen den dortigen Menschen herrschte – das Kastem-System. „Ich lernte sehr schnell ihre Sprache… die ist aber ganz anders als die Hochsprache von den in die Schweiz eingewanderten Tamilen. Auf der Plantage lernte ich die Ausdrücke wie z. B. mach´ des schnell. Bringe´das bitte.“ Diese Erfahrungen forderten ihn aus seiner eigenen Grenze hinauszugehen. Ihm ist es jedoch gelungen, seine Erlebniswelt zu erweitern. „Ceylon ist wie meine Heimat. Ich spürte in mir eine Art von Heimweh. Aber das heutige Sri Lanka ist nicht mehr der Ort, wo ich mich wohl fühle. Ich möchte nicht mehr dort leben.“

Als man ihn fragte, wie er seine Frau kennenlernte, lachte er leicht verlegend. In seinem zweiten Urlaub (als Teepflanzer konnte er nach vier Jahren Arbeit ein 6 monatiges Urlaub nehmen) in Paris, lernte er seine Frau in einem Tearoom kennen. Drei Monaten später heirateten sie und gingen gemeinsam wieder nach Ceylon. „War es nicht ungewöhnlich, dass Sie Ihren Mann nur nach 3 Monaten heirateten? War es nicht mutig, dass Sie nach Ceylon gehen wollten?“

Das war Ende 50er Jahren. Konservativ und verschlossen. Alle arbeiteten hart für den Wohlstand. Frau Obrist lachte laut, als sie diese Frage erfuhr. Als eine Schwedin zeigte sie uns weder eine Brise Kühlheit noch Distanz. Sie sagte mit einer unbeirrten Stimme: „Schweden war damals ein kleines Land. Ich wollte weg, ich wollte in die Welt gehen!“ Wenn ein Mann eine lebenshungrige junge Frau fragte, ob sie nicht mit in die weite fremde Welt zu gehen, um das Unbekannte gemeinsam zu erleben. „Ja, ich komme mit!“

Viele Teilnehmer kauften das Buch „Geschichte aus meiner Zeit als Teepflanzer in Ceylon zwischen 1950 bis 1962“ und bat Herrn Obrist um Autogramm. Ich ebenfalls.