Wann sollte Tee geerntet werden?

Teefreundin aus Freiburg wurde stutzig, als ich ihr erzählte, dass die beste Erntezeit für Oolong mittags ist. Sie sagte mir, so hat sie nicht gelernt.

Gelernt über Tee hat sie bei einer Tee-Sommelier-Ausbildung in Bonn im diesen Herbst und Winter. Um einen Teesomelier zu sein musste sie paar Block-Seminare besuchen und verschiedene Marketingscoach mitmachen. Aber die Degustation erlebte sie nur von Grüntee und Schwarztee. Seminargebühr war nicht wenig, aber wertvoll, wenn man viel Wissen ums Tee authentisch vermittelt wird. Ihr wurde erzählt, dass der Tee immer morgens gepflückt wird, weil die Sonne die Oxidation beeinflusst.

Ich lachte, als sie mir davon erzählte, ein bisschen unhöflich – denke ich nachhinein. Tee als Überbergiff zu nehmen ohne ihn zu differenzieren, könnte man es machen, wenn man sich nicht mit Tee beschäftigt. Aber ein Teesommerlier… Sie fragte ich, wie sie ihr Gemüse im Garten pflückt, oder Kräuter sammelt. „Würdest Du an einem Regentag gehen?“ Sie schüttelte ihren Kopf. Ich fragte, wenn die Feuchtigkeitsverlust für die Herstellung eines Tees sehr wichtig wäre, wann würde sie denn die Blätter pflücken gehen? Ihre Augen leuchteten hell. „Mittags.“ „Welche Teesorten gehören zu diesen Kategorien?“ „Oolong und Schwarztee.“ Ich nickte meinen Kopf. (Darum kritisiere ich den Darjeeling, der im kalten Frühling geerntet und verarbeitet wird. Die Fermentation bei ihm ist für mich selten ausreichend, aber dem Trendgeschmack entspricht.) „Aber warum wurden uns so erzählt?“ „Ich kann nicht für andere Leute sprechen.“

Wie wird Grüntee dann gepflückt? Ich bin kein Expert in dieser Gattung und würde keine Kommentare abgeben. Ich könnte es mir vorstellen, dass die Aussage in ihrer Ausbildung sich eigentlich nur auf Grüntee bezieht.

Heute rief der jung L. (Doktorand im Fach Teeanbau und Herstellung an der Uni) aus China wieder an und wollte mit mir über die Ernte von Anji Baipian besprechen. Ich liess ihn nicht mit seiner Sache anfangen und fragte sofort  „Könntest Du mir bitte sagen, ob der Grüntee morgens gepflückt werden sollte und warum?“ Er lachte über meine aufdringliche Art, „Morgens wird der Grüntee in China gepflückt, weil die Oxidation von dem Sonneschein negativ beeinflusst wird.“ „Meinst Du, dass die Feuchtigkeit des Blattgutes die Herstellung des Grüntees nicht beeinträchtigt?“ „Doch, darum wird das Blattgut vor dem Erhitzen 30-60 Minuten – je nach Ausstattung des Produzenten und der Wetterlage – dünn ausgelegt und ruhen lassen. Durch das Ruhen tritt das grassige Geschmack des Teepflanzens im Hintergrund und die blumigen Duftnote kommen zur Geltung.“ „Das heisst, wenn ein Grüntee eine grassige Note erhält, hängt es mit dem Ruhen-Prozess zusammen?“ „Nicht nur, sondern auch mit dem Erhitzen.“ Wenn die Feuchtigkeit des Blattgutes zu hoch ist, dann wird der Tee vergelbt – er verliert die grüne Farbe. Darum wurde es immer vermutet, dass der gelbe Tee ursprunglich ein schief hergestellter grüner Tee war. Dann sprachen wir über den Röstkastanien-Geschmack, wie dieser Geschmack entsteht und den Prozess über den grünen Tee, der für Export und Massen-Produktion bestimmt ist.

Ich war zufrieden und liess ihn über das geschäftliche Details sprechen. Er sagte, dass er sich sehr freut, meine Frage zu hören. Er merkte, dass ich anders bin als viele Teeimporteur, die sich meistens nur für Trendsetter interessieren. Für mich gehe es immer um die klassischen Sorten und die möglichst beste Auswahl. Naja, er wollte damit sagen, dass ich ein schwieriger Kunde bin. Aber wenn ein Lieferant in der Lage ist, möglichst die beste Auswahl anzubieten, macht er sich auch unentbehrbar. „Wie Du.“ sagte ich zu ihm. Er lachte.

Es geht nicht um die beste Auswahl, eigentlich. Ich will nur meine Arbeit gut machen. Wenn ich einen Tee nicht verstehe, wie könnte ich ihn denn vorstellen? Darum könnte ich keine Riesensortiment anbieten. Andererseits ist es mir egal, ob dieser ausgwählte Tee gut ankommt oder nicht. Schwierige Personen sind keine schlechte Menschen. Sie brauchen mehr Verständnis und unser Geduld. Ebenfalls wie beim Tee. Ein schwer zu verstehender Tee liess sich nicht gut verkaufen, aber er wird seinen treuen Liebhaber finden. Meine Aufgabe ist nur, die Arbeit gut zu machen, anstatt mit meiner Zu- und Abneigung Tee zu beurteilen.

Duft der Orchideen

Michel klagte heute, dass er wieder drei Bücher übers Wochenende geschenkt bekam und nicht wußte, was er mit all den Geschenke machen sollte. „Du bist gut. Du bringst mir nie Öppis mit.“ Das hörte sich bei einem chinesischen Ohr nicht gerade als Kompliment an. „Warum schenken die Leute mir immer etwas? Die Blumen verwelken und Bücher etc. nehmen Plätze weg, am Ende muss ich ins Hotel gehen. Warum tun sie es?“ „Weil wir Dich gerne haben!“ In seinem Bad hängt eine riesige Wanduhr mit Titanic-Motiv und überall sind Bücher, CDs und verwelkten Blumen, die man jedesmal entsorgen muss. Zum Weihnachten bekam er sogar ein Blatt von dem indischen Bodhi-Baum, unter dem der Buddha angeblich erleuchtete. Ich versprach ihm, das Blatt samt dem Rahmen in Ebay zu verkaufen.

Das Problem hat nicht nur er. Ich habe ein ähnliches Problem. Da ich viel Besucher habe und gerne Besucher bekomme, bekomme ich viele Blumen samt Töpfe und Schokolade! Ich bin eine Projektionsfläche von vielen Teefreunde, die denken: eine Teefrau hat bestimmt ein gutes Herz für Blume, vielleicht macht sie sogar Ikebana. Leider bin ich ein Blumekiller. Keine blühende Rasse überlebt in meinen Händen! Nur grüne schweigende Zeuge ertragen mich, aber nur mit dem schweren Herzen. Einmal brachte Hubert mir einen entzückenden Camelien-Strauss, bestimmt kostbar und rar. Er sagte mir, dass es nur Wasser und Licht bräuchte. Nach paar Tagen verliessen mich alle Knospe und Blätter und ich wußte nicht, was ich falsch machte. Und das passiert immer wieder. Ich werde jedesmal frustriert, aber wollte mich auch nicht verändern. Das liegt nicht nur an meine linken Händen, sondern auch an meinem komischen Haushalt. Freundin Kathrin brachte mir einmal einen duftenden Frühlingsstrauss und ich geriet im Stress. Wo konnte ich eine Vase finden, um diese Blumen zu würdigen? Sie stand vor meinem Schrank und seufzte, „Ja, du hast wirklich ein seltsames Haushalt.“ Am Ende ladete der Strauss in einem Plastik-Ikea-Kücheschüssel.

Aus falscher chinesischen Höflichkeit traue ich den Leute nicht zu sagen, dass es mich eher Stress verbereitet – mit dem Blumen. Schokolade kann man schnell weiter verschenken, aber Blume… Ach. Vor drei Wochen bekam ich ein wunderbares Azalee mit rosa und roten Blüte mit Topf. Natürlich freute ich mich sehr für diese Freundschaft, andererseits denke ich an das mögliche Ende dieses Geschenks. Am Sonntag stellte ich entsetzt fest, als ich wieder heim kam, dass diese Azalee bereits aufgrund meiner Fahrlässigkeit vor meiner Abreise starb. Bei wem soll ich denn beichten? Und vor zwei Wochen wurde ich mit einer prächtigen Orchideen beglückt. Als diese Schönheit hoch geschleppt wurde, war ich sprachlos. Sprachlos von der Freundschaft, die man mir beschert; sprachlos weil ich wieder an das mögliche Ende dieses Prachtwerk dachte. Und, wo sollte ich sie denn hinstellen? In meiner bescheidenen Wohnung fand ich kaum einen würdigen Platz für diese Schönheit. Am Ende landet diese Orchideen in meinem Schlafzimmer zwischen Bücher, Dokumente und Kleiderstücke.

Gestern lag ich und ließ das Tagesgeschehen noch einmal vors Augen abspielen. Es war dunkel, stil und man hörte das Tram kaum. Emotionen wurden freier und der Geist beruhgte sich. Eine leise Spur vom unbekannten Duft heimsuchte mich. Wie ein Nymphe mit leichten Schritte füllt dieser Duft den Raum und mich. Was könnte es denn sein? Ist das die Orchideen? Eine klare zurückhaltende Präsenz mit klärendem süssen Duft!

Viele charakteristische Merkmale von Oolong werden mit Duft der Orchideen assoziiert. Die Orchideen ist Symbol der Eleganz, Einsamkeit und Aufrichtigkeit in der chinesischen Zeichenwelt. Ein Mensch, der seine Eleganz und Aufrichtigkeit nicht aufgibt, nur um Menschen zu gefallen, ist zwangsläufig einsam. Aber die Einsamkeit hat eine andere Bedeutung in diesem kulturellen Verständnis als eine schlechte Emotion. Einsamkeit hat etwas Edeles, eben wie die Orchideen.

Der Qingxin Oolong, der in Taiwan das Herz des Teeliebhaber erobert, ist bekannt für seinen zurückhaltend und charakteristischen Orchideen Duft.  Der Milanxiang Shuixian Dan Cong erweist ebenfalls diesen Duft-Charakter. Der bekanntesten Tie Guanyin aus dem originalen Tie-Guanyin-Baum sollte diesen Orchideen-Duft im seinem Aufguss verströmen. Ein bekanntester Oolong, der nach dem Orchideen-Duft genannt wird, ist der Qilan – die seltende Orchideen! Dieser Oolong sollte ursprunglich aus Anxi stammen. Der bekannteste Sorte dieser Gattung ist nun aus Fujian Pinghe, eine neue Züchtung von Qilan奇蘭. Die Blätte von dieser Züchtung sollte leicht weiss sein und hat eine markante Duftnote von Orchideen. Leider bin ich ihm noch nicht begegnet.

Mich fragten Leute oft, wie duftet eigentlich Orchideen. Ich wußte ehrlich gesagt nicht. Heute Mittenacht wußte ich sehr wohl, wie Orchideen duftet. Dankend denke ich an die Leute, die mir diese „Erleuchtung“ beschenkten. Vielleicht überlebt sie diesmal und das wäre wirklich eine Ausnahme.

Bai Mudan

Sehr geehrte Menglin, 
ich möchte mich mit einem „Problem“ an Sie wenden, da ich sie für eine kompetente Experten in diesem Thema halte.
Pai MU Tan dürfte ihnen bekannt sein, er ist sicherlich nicht das Höchste der gefühle, trotzdem beschäftigt er mich schon länger, da er immer als Weißer Tee bezeichnet wird.
Diese Auffassung teile ich nicht. Er ist was Geschmack und Tassenfarbe angeht, doch eher ein leicht anfermentierter – also – Oolong-Tee. oder? Habe gehört, dass das Weiß sich eben auch auf die Tassenfarbe bezieht.
Die Krönung fand ich jetzt beim Pai Mu Tan von – sorry – A. (ein sehr beliebter Grossmarkt). ER wird al Weißer Tee bezeichnet, ist aber nur Bröselzeug, kein Blatt zu erkennen schon gar nicht die feinen, weißen Epitel-Häärchen am Blatt. Wieso nennt man ihn Weißen Tee?!?
Fragt ein ratloser
Frieder

Lieber Teefreund aus dem Norden,

ich kann diese Frage erst beantworten, wenn wir uns zuerst auf den Gebrauch vom Begriff „Fermentation“ einigen.

Die so genannte Fermentation ist ein Ausdruck des Verständnis der westlichen Teewelt. In unserer Sprachgebrauch in Taiwan benutzen wir das Wort nicht sehr geläufig. Das Wichtigste bei der Oolongherstellung ist die Prozesse von Welken und der so genannten Fermentation nicht zu trennen, während man bei einem weissen Tee nur die Prozesse vom Welken und Trockenen geschehen lässt. Bei Schwarztee sind die Prozesse von Welken, Fermentation und Rollen eindeutig getrennt. Durch die deutlichen unterschiedlichen Prozesse entstehen unterschiedliche Teesorten. Der Begriff „Fermentation“ allein reicht nicht, um einen Tee zu bestimmen.

In Taiwan ist es unbestritten, ob ein weisser Tee fermentiert ist. Nach der chinesischen Teetradition ist ein weisser Tee ein nicht „erröteter“ Tee, während ein Oolong „errötet“ ist – sein Blattrand zeigt rötliche Färbung. Dieser Prozess der „Errötung“ – Welken, Ruhen, Fermentieren macht einen Tee zu einem Oolong, während der Prozess vom Welken (bis 60% Feuchtigkeitsverlust) und leichtes Trockenen (am besten unter der Sonne) einen Tee zu einem weissen Tee verwandelt. Das heisst: ein weisser Tee wird nur gewelkt und getrocknet, ohne den Prozess von „Errötung“ – Welken, Ruhen und Fermentieren. Auch wenn man hier im Westen bei Ende des Welkens eine Fermentation bei einem weissen Tee feststellt,  bedeutet dieser Prozess im Verständnis der chinesischen Teewelt noch keinen notwendigen Schritt zu einem Oolong.

Wenn ein Oolong den richtigen Prozess „erlebt“, sollte er nicht mehr den „Heu“-Geschmack eines weissen Tees erhalten – obwohl ein edeler weisse Tee diesen Geschmack auch nicht betont. Ein richtig hergestellter Oolong, dessen Duft die grassige Note verliert, zum Blume und Frucht verwandelt wird, würde ich behaupten – schmeckt ganz anders als ein weisser Tee.

Was dieser so genannte weisse Tee aus dem Grossmarkt sein sollte, kann ich keine Kommentare abgeben. Ich kann hier nicht für andere Leute sprechen, was sie gerne behaupten. Es ist doch ziemlich selbstverständlich, dass man das verkauft, was gerade für Umsatz verspricht. Warum sollen wir uns denn wundern, dass ein weisser Tee vielleicht ein Schwarztee ist? Solange man die Sprache des Tees nicht verstehen will, ist man auch in der Lage die Ignoranz weiter zu pflegen.

Warum sollen wir uns überhaupt aufregen, wenn manche einen „schlechten“ (falschen) Tee trinken und manche zu ihren Genuss kommen? Ich finde es nicht selbstverständlich, dass ein Teeliebhaber einen guten Teelieferant findet oder eine Lieblingssorte entdeckt. Denn er hat sich damit auseinandergesetzt und Zeit genommen – wie Du. Die Menschen müssen es zuerst wollen und sich auf den Weg machen.

Teeseminar in Zürich am 6. Juli 2008

Schon wieder ein Teeseminar!

Teeclub organisiert diesmal das Teeseminar Teekunde I am 6. Juli 2008 (Sonntag).

Das Programm hier.

Datum: So, 6. Juli 2008 Zeit: 10 – 17 Uhr Ort:     

Restaurant Lotus Garden, Zürich

Reservation:     

Unbedingt notwendig, Platzzahl beschränkt. Beim Sekretariat bis 5. Juni 08

Tel: 044 / 776 18 07

Vor zwei Monaten meldete ich meine Festnetznummer ab (ich habe etwas gegen das Monopol von Swisscom). Plötzlich rief mich der Präsident Jörg an und seine Stimme war total besorgt. Er erzählte mir, dass er an jenem Morgen in Luzern war und seinen Lieblingsschneider nicht mehr fand. An dem gleichen Ort gibt es nun einen ganz anderen Modeladen. Er war gar nicht informiert von seinem alten vertrauten Schneider. Zu tiefst enttäuscht fand er plötzlich die alte Ordnung nicht mehr. Noch an dem gleichen Tag rief er mich an und die Telefonleitung meldet sich mit einer ungültigen Telefonnummer. Er geriet fast in Panik und erreichte mich per Handy aufs Mal auch nicht gleich. Er sagte, dass man mich zum Glück noch im Blog findet… Dann haben wir über das Seminar gesprochen und das Programm abgemacht.

Insgesamt wird das Seminar 5 Stunde dauern, wie gewöhnt. Zum Anschluss würde ich gerne für allen Teilnehmern ein Gongfu Cha zubereiten, wenn die Leute noch Muße und Zeit hätten.

Die Bezeichnung „Tee-Koriphäe“ ist mir peinlich, auch wenn es nett gemeint ist. Ich hoffe nur, allen Teefreunden etwas mitgeben zu können und freue mich immer auf ein Feedback – egal in welcher Art!

Teeliste am Teekurs Formosa Oolong

Teeliste am Teekurs Formosa Oolong

Als das Konzept von Vertiefungskurs Formosa Oolong entworfen wurde, war es mir nicht bewußt, wie anstrengend es für die Teilnehmer sein könnte.

Zuerst dachte ich, die ganzen Formosa Oolong auf einmal vorzustellen: vom Norden bis zum Süden, von leicht fermentierten Sorten bis zur stark fermentierten Sorten, von Höhe bis zur Niederung. Als wir die erste Runde machten, war der Schrei so laut, wie kan man übrhaupt auf einmal die verschiedenen Oolongbäume verifizieren: Sijichun, Jade, Jinxuan und Qingxin zusammen die Unterschiede voneinander festzustellen! Der Schrei war laut, aber es musste halt so sein. Wie könnte man überhaupt die Möglichkeit haben, diesen Vergleich vors Auge vorgeführt werden und zu erleben?

1. Runde: ein horizontaler Vergleich

Daye Oolong Shiding, Buddha Hand Shiding, Paochung Pinglin – an Yancha orientierte Form

Dongding Typ (Mingjian, Qingxin Baum), Jinxuan Oolong Mingjian, Jadeoolong Mingjian, Jinxuan Oolong Mingjian, Sijichun Mingjian, Wuyi Oolong Mingjian, Gankou Cha 2007 Manzhou, Huang Jin Gui Mingjian, Tie Guanyin Muzha – halb kugelige Form

Dieser Vergleich (der gleiche Anbauort, das gleiche Jahrgang) zielt daraus ab, um den Unterschied zwischen unterschiedlichen häufigen Oolongbaumsorte einmal zu erleben. Natürlich wird man dadurch nicht einmal Meister, aber ein Anfang muss es gewagt werden. Nur um die Düfte verifizieren zu können habe ich selbst lange gebraucht. Frustration ist hier nicht „normal“, Geduld mit vielen eigenen Übungen ist gefragt.

Die aufgegossenen Blätter erzählen uns auch von seiner wahren Herkunft.

2. Runde: ein vertikaler Vergleich, Grundlage Qingxin Oolongbaum

Dongding original 800 M. ü. M., Dongding Typ Mingjian 400 M. ü. M.; Paochung Pinglin, Dongding Lishan 2600 M. ü. M., Dongding Original 1981

Hier sollte festgestellt werden, wie das Faktor Anbaugebiet und Lagerung auf den Tee Einfluss nehmen könnte.

3. Runde: Röstungsfaktor und klimatische Umstände bei der Herstellung eines Oolongs.

Wuyi Mingjian 30 % fermentiert, Wuyi Mingjian 40 % fermentiert, starke Röstung

Huang Jin Gui Mingjian 2007 Januar, Huang Jin Gui 2007 April Insekten befallen – stärkere Fermentation und Röstung

4. Runde: ein Vertikaler Vergleich

Goldener Drache Alishan 2007, Qingxin Oolong Alishan 2007, Blend (aus Qingxin und Jinxuan) Alishan 2007, Jinxuan Alishan 2007

Grundlage Alishan 1200 M. ü. M. Hier sollte man feststellen können, dass ein Alishan Hochland nicht gleich Alishan Hochland Oolong ist! Das Geheimnis es zu erkennen liegt an dem Duft und dem aufgegossenen Blatt!

5. Runde: ein vertikaler Vergleich

Oriental Beauty 2007 Baimaohou Pinglin, Oriental Beauty 2007 Qingxin Dapong Xinzhu, Oriental Beauty 2006 Blend, Baimaohou Bi Luochun 2007 Pinglin (4. Foto)

Ein Oriental Beauty ist nicht gleich ein Oriental Beauty. Den Unterschied zwischen unterschiedlichen Baumsorten, die unterschiedlich Insekten anziehen und zum gleichen Tee verarbeitet werden, kann man anhand nassen Blätter, der trockenen Form und Duft feststellen.

Die Blätterform und aufgegossenen Blätter verraten uns sehr viel Informationen und Geschichte über den Tee. Tee zu lernen kann man nicht mit Kopf, sondern mit Nase, mit Augen und mit Hände! Der ganze Mensch ist im Einsatz anstatt nur mit Denken!

Für die Verspätung der Veröffentlichung dieser Liste möchte ich mich noch bei den Teilnehmern entschuldigen.

Fotos am 17.02.08 zu download.

Der Regenbogen

2005 wurde ich von Länggass Tee arrangiert im Gourmesse Zürich Gongfu Cha vorzuführen. Drei Tage lang konzentrierte ich mich darauf, Menschen ins Teeland einzuführen und sie mit sinnlichen Aspekten des Tees zu begeistern. Es war mir nicht bewusst, dass ich von anderen beobachtet wurde und was rings um mich geschah. Ich wusste nur, dass neben uns verschiedene Weinstände waren. Ein besonderer Stand gegenüber unserem war von Familie Feurstein und mir wurde immer gegen Abend ein Glas Sekt gebracht. Aus Dankbarkeit besuchte ich am letzten Tag ihren Stand und kaufte für meine Asienreise Geschenke ein. Meine Leute in Taiwan lieben Eiswein und süße Versuchungen. Frau Feurstein degustierte mir persönlich und ließ mich allen Köstlichkeiten probieren, wie ich wollte. Ihre Herzlichkeit und Wärme überraschte mich und konnte fast nicht erwidern. Weshalb habe ich es verdient? Sie behandelte mich so, als ob ich zu ihrer Familie gehören würde. Ich wollte aus Dankbarkeit Tee schenken und sie sagte mir, dass sie keinen Schwarztee trinkt. Tee habe ich doch nicht geschickt und meldete mich in nächsten drei Jahren auch nicht. Ich konnte nicht glauben, dass man mich einfach so ins Herz geschlossen haben könnte. Jedes Jahr bekomme ich von ihr Gutscheinen für Gourmesse, die ich seitdem nicht mehr besuchte.

 

Heute wurde ich zu MuBa mitgeschleppt. Eigentlich hatte ich keine Idee, was ich dort machte. Als ich Weinallee sah, wusste ich warum, dass ich hier war. Ich suchte Frau Feurstein und dachte an meine Asienreise in vier Wochen. Sie erkannt mich sofort wieder und umarmte mich, als ob wir uns erst vor kurzen sahen. Ich trank Eiswein 2004 aus Burgenland. Ach, ich kann wieder schmecken! Ich schmecke Phönix Shuixian Nantou in diesem edlen Tropfen. Der Traminer Beerenauslese 1999 mit Holunderblüte und Quitten Note erinnert mich an Sijichun Premium. Als ich Frau Feurstein davon erzählte, war sie fasziniert. „Ich kann mich noch so gut erinnern, wie Menschen in diesen drei Tagen von Tee verzaubert wurden. Wir schauten immer zu, wie die Leute Euren Stand glücklich verließen. Eigentlich hätten wir es auch gerne probiert!“ Ihre Leute hörten immer wieder zu, während wir uns unterhielten. Sie wollten, dass ich einen guten Tee zu ihrem Weinstand in Gourmesse 2008 mitbringe. Mir wurde es reichlich beschenkt, dass es mir peinlich wurde. Sie sagte mir, wenn ich den Wein aus diesem Weinglas trinke, werde ich wieder an sie denke. Ich versprach, jedenfalls sie im Oktober wieder zu besuchen und ihnen eine Tasse Tee – im Weinstand zuzubereiten.

Torlo Das Geschirr Set von Torlo, das mich anzog.

Ich ging weiter. Plötzlich zog mich ein Teller magisch an. Ich dachte, was für einen Gericht auf diesen Teller serviert werden sollte und wie dieser Teller für mich den Bauch meiner Gäste wärmen könnte! Eine zarte junge Frau näherte sich mir an. „Sie sind wohl die Künstlerin.“ „ Ja“ sie zeigte mir gleichzeitig die schlichte Teeschale voller Schönheit „ ich würde sehr gerne schöne Teeschale machen.“ Das hörte sich nicht wie ein Verkaufsgespräch an. Woher weiß sie, dass ich mich mit Tee beschäftige? Sie schaute mich fragend an. „Ich würde drei Fragen aufklären, bevor ich eine Teeschale kreiere.“ Ich bemühte mich, ihr zu erzähle, wie ich es sehe: 1. was für einen Tee sollte darin sein? Matcha oder Blatttee; 2. wie sollte diese Teeschale in der Hand aussehen; 3. wie sieht diese Linie aus, wenn der Teetrinker die Schale aus dem Tisch nimmt und zurück stellt. Ihre Augen wurden größer.  Meine Direktheit schien ihr nicht zu stören. Eine schöne Teeschale sieht in Schrank mit Lichtstrahlung wunderschön aus, aber verleiht dem Teetrinker nicht immer eine harmonische Linie, wenn er diese Schale in der Hand hält.

Das gleiche gilt bei Teekanne. Eine gute Teekanne macht nicht nur einen guten Tee, sondern einen harmonischen Regenbogen zwischen dem Körper, Teekanne und dem Wasserstrahl. Eine runde harmonische Linie zwischen dem Arm, der Hand, der Kanne, dem Wasserstrahl und der Tasse ist das, was ich unter Gongfu Cha verstehe. Kein Show, kein Folklore, sondern ein Regenbogen, der alles umfasst. Eine schöne Linie eben! (Ich hoffe, dass meine Wörter Verständnis schaffen!) Gestern hatte ich eine antik Silberkanne, die zwar Macke hatte – sie war zu heiß für normalen Benutzer. Aber sie fühlte sich sehr schön im Arm, in Hand und der Wasserstrahl gelang so harmonisch in die Teetasse. Mit Freude genoss mein Körper diese herrlichen Momente. Ästhetik einer Teekanne bedeutet für mich nicht nur die Form und Verarbeitung einer Kanne, sondern diese schöne Linie zwischen unserem Körper, der Kanne, Wasserstrahl und der Tasse! Das ist ähnlich wie bei Schuhen. Unsere Wirbelsäule spürt sofort, wenn wir gute Schuhe tragen. Wir stehen gut, die Schritte sind leichter und der Körper fühlt sich voller Würde! Mit dieser Würde könnten wir anderen Menschen würdig behandeln – das ist das Geheimnis einer guten Kanne und einer schönen Tasse! (so eine Teekanne ist oft kostbar, leider)

TeteDie feine Porzellan-Tasse von Simone.

Ihr Gesicht wurde sanft und anmutig. „Machen Sie Taiji oder Qigong?“ „Nein, nur Tee.“ Man kann nicht alles machen und überall dabei sein, oder? Sie sagte, dass meine Erscheinung wie gerufen war. Sie wollte seit langen mehr mit Teeschalen und Tee auseinandersetzen und traf mich, unerwartet. Ich lobte ihr Kunstwerk und würde mich sehr freuen, auf ihre neue Teekanne. Sie lächelte leicht schüchtern und wir verabredeten uns zu einer Tasse Tee.

Ich ging weiter und war entzückt von der Begegnung. Drei Primarschüler mit Migrationshintergrund pfiffen mich nach. Sie übten bereits das Erwachsenspiel, aber ich bin leider zu alt für sie. Ich lächelte sie ganz herzlich an. Sie wurde gleich wieder zu drei niedlichen Junge, die einfach zurück lächelten.

Teeliste am 16.2.2008

Wie versprochen poste ich nun eine Teeliste von den 8 Teerunde im Seminar am Samstag .

1. Runde – Einblick in die chinesische Teelandschaft

Yinzhen Baihao (Fuding), Junshan Maojian (Hunan), Huang Ya (Hunan), Wuyi Formosa (Nantou Taiwan), Dianhong (Yünan), Pu Er Che Shun Hao 2003 (Yiwu, Yunan), Moli Baihao (Fujian) und noch ein Kräutertee oder ein Camellia Sinensis?

Ein Camellia Sinensis?

Wie kann man an einem Blatt erkennen, dass das Blatt Camellia Sinensis ist?

2. Runde – Den Unterschied zwischen einem OEM Produkt und einer Originalität zu erkennen

Felsentee Da Hongpao 3 Beispiele: Mingcha 2004, Da Hongpao original 2006, Yan Cha klassisch; Yinzhen Baihao 4 Beispiele: Zhenghe Bio, Fuding Organic, Nepal und Herkunft ohne Angabe

3. Runde – Einflüsse wie Herstellungsmethode, Anbaugebiet und Erntezeit auf Tee

Oolongteebaum Qingxin Ganzhong in Sanxia, Taiwan. Dieser Baum wird zum Bi Luochun, Fancy Oolong, Mixiang Lücha (grüner Tee) und Mixiang Hong Cha verarbeitet

Mengding Gan Lu und Mengding Huang Ya. Bei dieser Degustation war ich richtig enttäuscht. So eine Rarität wie Mengding Huangya wurde von den Teilnehmern so schlecht und übel bewertet… Perle wurde ins Feuer geworfen!

4. Runde – Fehler der Produktion erkennen

Zwei Beispiele von Tie Guanyin Anxi und zwei Beispiele von Gyokuro Uji 2007

5. Runde – Wie spielt das Faktor Lagerung bei einem Tee

Beispiel: Pu Er 1990 Grenztee, 1999 Simao, 2003 Yiwu und 2006 BIO

6. Runde – wie manifestieren die Faktoren Welken, Fermentation und Röstung bei einem Tee

Tie Gunaiyn Muzha 2006, Tie Guanyin Hochland Taichung Taiwan 2006, Anxi 2006, und Muzha 2002

Bai Mudan Fuding Fujian gepresst 2007 (dieser schöne gepresste Tee war eine Überraschung des Tags, denn die meisten Leute haben so einen Tee noch nie gesehen, ein interessanter Aufguss, anders als der herkömmliche Bai Mudan, jedoch noch typisch), Bai Mudan Fuding Fujian Organic 2007

7. Runde – wie erkennen wir das Faktor Höhelage eines Teegartens bei einem Tee

Sijichun aus Mingjian 2007, aus Mingjian 2005 Januar, aus Wushe (1150 M. ü. M.) 2007, aus Organic Mingjian 2007

8. Runde – wie beeinflussen klimatische Faktoren und Einflüsse von Schädlingen einen Tee

Dongding original 2007, Dongding original Nostalgie 2007 (von Insekten befallen) und falsche Verarbeitung Dongding 2007

Einen Oriental Beauty Xinzhu 2006 und einen Buddha Hand Shiding 2007 gab es zum Schluß mit Gongfu Cha. Zwei Teekanne musste ich gleichzeitig nehmen für allen Anwesenden. Der Geschmacksunterschied war klar festzustellen zwischen den Hardcord-Typen wie Jörg, Jan und Pat und den saften Carola, Jürg, Suzanne und Eliane…. Es war nicht einfach allen Ansprüche gerecht zu werden!

Nun ist es der Film zum Abschluss-Tee am 16.2.2008 von Susanne erhältlich. Wer sich dafür interessiert, bitte lass mich wissen. Das Datei ist zu gross, hier im Blog zu veröffentlichen!

Ein Frühlingsnachmittag

Der Dienstag ist meistens für Michel reserviert. Mein kranker Lehrer, der früher im Rampenlicht stand und nun zurückgezogen lebt. Dieser Mann hat mich geprägt, mir gezeigt, dass man nicht anders kann, als sich selbst zu werden.

Meistens bekoche ich ihn und dann wenn er gut drauf ist, gehen wir noch spazieren. Es gibt Menschen, bei denen man ein Gefühl bekommt, von seinem Lebensgeist angesteckt zu sein. Beim Spazieren beobachte ich mich selbst, wie meine Wirbelsäule sich gerade richtet, Schritte leichter fallen und Atmungen ruhig werden. Man fühlt sich plötzlich als etwas Besonders neben ihm zu laufen. Er sagte oft zu mir, „Ach, ich bin ein alter Mann.“ „Nein, du bist immer noch derselbe. Immer noch so charmant.“ Seine Augen leuchteten und fragte mich prüfend „Warum?“ Ich lass sein Gedanke und lachte „Weil Du so ehrlich bist.“ Er war zufrieden mit meiner Ehrlichkeit. Oft kann ich ihn nicht besuchen. Wenn ich ihn wieder sehe, höre ich nie Vorwürfe. Eine Erklärung oder Entschuldigung wäre überflüssig. Er bleibt bei sich selbst und ist derselbe, von dem man Abschied nahm und der keine Zeit zwischen Menschen stehen lässt. Obwohl ich dachte, dass er so viele Schüler hat und viele Anrufe oder Kontakte erhielt, sagte er mir oft, dass er oft allein ist. Er fragt mich lediglich „Gehst Du wieder reisen?“ Weil es nie Vorwürfe kamen und nie eine leise Emotionalität zum Ausdruck kam, besuche ich ihn nur, wenn es so weit ist. Ich wollte diese Beziehung nicht zu einer Pflicht werden lassen, wie viele andere menschlichen Beziehungen. Mir nehme ich Zeit, wenn es so weit ist, für ihn.

Unter der Frühlingssonne gingen wir spazieren. Wir gingen zum Bachwiesen Zoo. Er bewundert gerne die Tiere und ich bewundere seinen kindlichen Geist. Sprechen oder nicht, spielt dabei nie eine Rolle. Von ihm lernte ich, dass das Zusammensein Ruhe und ohne Anforderung bedeutet. Ich erzählte ihn von meinem Selbstzweifel. Er sagte mir, dass Selbstzweifel uns das Leben lang begleiten würde. Wenn wir unser Ego keinen Platz geben, so dass er nie sichtbar werden kann, könnten wir unser Ego nie beobachten. Selbstzweifel ist das Ego, das den widerstandlosen Weg gehen will. Er meldet sich ständig zu Wort, wenn er sichtbar wird, aber wir müssen nicht auf ihn hören. Ihn sein lassen. Das Business sei nicht das Problem, ob es mich glücklich macht, sondern die Möglichkeit in welchem Geschäftsmodell, mir noch ermöglicht, Dinge zu pflegen, Kontakte zu mir zu schaffen. Das liegt an meiner eigenen Hand, nicht fremdbestimmt. Man kann nicht immer das machen, was man will. Ich kann nur Erfolg genießen, wenn ich Rücksicht auf andere Menschen nehmen. „Vergesse nicht, dass Du immer mit anderen in Verbindung bist. Egal wohin Du gehst, gehst Du mit einem gültigen Geist, auch wenn Menschen unterschiedlich sind. Du wird unabhängiger, wenn Du weder Zu- oder Abneigung pflegst.“ Er klagte immer wieder über seine Rückenschmerzen. Ich streichelte seinen Rücken und sagte ihm, dass sein Rücken gerade stand und er gut lief. Er schmunzelte und fragte, ob ich noch einen Kaffee trinken wollte. „Ja, nur wenn Du mich einlädst.“

Dann saßen wir draußen unter der Sonne. Er schlief sofort ein in der sonnigen Wärme neben einer von Tram befahrenen Strasse. Ich schloss ebenfalls meine Augen und genoss diese Ruhe und den verfrühten Frühling.  

Tee, Musik und nicht nur das Handwerk

Oolongblatt Ein gelungenes Werk, Sijichun Premium aus Taichung, Taiwan

Als ich gezwungen wurde Kalligraphie und Klavier zu lernen, hasste ich meine Mutter und den Beethoven. Seine Dramatik und Anforderung an die absolute Hingabe des Spielers überforderte ein junges Mädchen, das nur aus Pflicht seine Stunde absaß. Mit dem zunehmenden Alter und durch Tee fühle ich mich immer näher zu diesem Mann, dessen Seele an einem Verlass glaubt und stets mit uns in Kommunikation bleibt.

An Beethoven muss ich immer wieder denken, wenn man mich fragt, was der Prozess Hongpei (Endprozess des Tees, Ein Prozess der Röstung, die den Charakter des Tees stabilisiert und verleiht.) zu verstehen sei. Neulich war ich in Innenschweiz zu Besuch und bekam eine Tassen hervorragenden Shuixian aus Phönix Berg ebenfalls von Mingcha. Fein, elegant und duftend nach Pfirch, aber ihm fehlt etwas. Der Grund vom Fehlen an etwas ist die gleiche Situation, wenn der Spieler der Anforderung von Beethoven versagt. Auch der Shuixian Mandarin von Mingcha 2006 aus Globus (es wurde gesagt, dass die von mir empfohlenen Tees nicht mehr in Globus Zürich zu finden sei) war zwar schön, fruchtig und zufrieden stellend, aber etwas fehlt.

Was ist das denn eigentlich? Wenn Beethoven vorschreibt, crescendo fast bis zum Ende zu spielen und dann Dramatischerweise ein subito piano anschließend zu verlangen, ist die Klangbeherrschung und Mutprobe eines Pianisten getestet. (Ich glaube, solche Momente sehr gut im Sonata No.8 und No. 21 zu erleben) Ist er ein Feigling, traut er sich dem Test nicht zu stellen. Er geht mit seiner Kraft nicht an die Grenze, bevor er den lautesten Klang vor dem Wechsel drückt, übergeht bereits zu piano und denke dabei diesen Abgrund überlistet zu haben. Er verliert scheinbar nichts, bewegt sich im den Sicherheitszone. Aber seine Musik verrät uns, dass er den erwünschten Effekt von crescendo zu subito piano des Beethovens versagt. Ein Feigling traut sich nicht an eigene Grenze zu gehen, sich zur Probe zu stellen und lässt die Vision eines Werks fallen. Es gehört eine Menge Mut und Entschlossenheit, sich vor dem Abgrund zu stehen, um etwas zu wagen, was einem Menschen und ein Werk zu einem Kunstwerk und einem Meister macht. Diese Form von Mut ist nicht nur beim Musizieren gefragt und entscheidend, sondern quer durch jedes Lebensbereich. Das gleiche gilt auch beim Tee.

Hongpei – Röstung verleiht dem Tee einen unverwechselbaren Geschmack und eine individuelle Note, was der Tee-Önologe unter Tee und seine Kunst versteht. Alle Formosa Oolongs werden mindestens zwischen 80-120 Grad geröstet. Temperatur 80 Grad ist eine sehr sichere Temperaturgrenze, unter diese Grenze könnte ein Tee in der Sicherheitszone einwandfrei getrocknet werden und sein Geschmack wird minimal verändert. Ganz sicher, wenn man einen Tee nur unter 80 Grad röstet. Man verändert an nichts und bekommt dagegen auch nichts Neues dazu. Mit 100 Grad Temperatur wird der Duft verändert. Er tritt zurück, wird tiefer und unsichtbarer. 100 Grad ist die Gefahrgrenze, etwas kaputt machen zu können. Mit 120 Grad Temperatur wird ein Tee charakterisiert und verfestigt. Sein Duft, sein Geschmack und seine Struktur werden „dramatisch“ verändert. 120 Grad ist der Schritt zur Abgrund, die Mutprobe eines Tee-Önologes.

Ein hervorragender Tie Guanyin, der vielen Anwesenden am Wochenende und in vielen Seminaren begeistert, muss zwischen 90 bis 130 Grad geröstet werden. Also bis zum Abgrund! Der Rückflugtickt kann nicht gebucht werden, es geht immer nur geradeaus. Was macht ein Tee-Önologe? Ist er ein Feigling, ein Weichei? Ist er ein Meister? Er kann sich nicht verstecken, denn Tee erzählt uns alles von seiner Feigheit. Sein Werk wird unter den Gaumen geprüft und er manifestiert sich, auch wenn er glaubt, uns überlisten zu können. Tie Guanyin aus Muzha wird zuerst mit 90 Grad geröstet und der Temperatur wird bis 130 Grad erhöht. Mit vielen Unterbrechung und Pause wird der Tee erst vollendet. Ein Phönix Shuixian dagegen wird mit 130 Grad angefangen und langsam runter gefahren werden.

Das Glücksgefühl, das dem Leben Licht bringt, strömt durch uns, wenn wir ein meisterhaftes Werk begegnen. Mir tut es leid, wenn ein Tee unter einer Feigheit leidet und eigentlich das Potential besitzt, um ein volles Blüte zu werden. Ein guter Tee mit reichlichem Körper braucht die Begegnung mit einem Meister, der Mut besitzt, aus ihm zur einen Farfalla zu verwandeln! Oft könnte man diese prikäre Kunstfertigkeit nicht bewahren, indem wir auf die Tradition zurückgreifen. Es ist primär, den Mut im Hier und Jetzt für sie einzusetzen.

Solche Meister zu begegnen gehören wohl Schicksal. (Menschliche Begegnungen sind überhaupt schicksalhaft) Leider können wir solche Meister nicht mit Unesco-Programm schützen. Tee als Kunst kann man nicht einfach materialistisch beschützen. Die alten Teebäume, das Wuyi-Gebirge oder die Teegeräte könnten durch Museum gut konserviert, bestaunt und archiviert werden. Aber das Wichtigste, das den Tee lebendig hält und dynamisch schwingen läßt, ist der zerbrechlichste Mut der Menschen, die als Einzelnkämpfer in der Marktwirtschaft leben, vor Einsamkeit sterben und zwischen Schein und Sein leiden.

Heute pflege ich das Bewusstsein, die leise Stimme solcher Menschen festzuhalten, zu schützen und zu verbreiten. Das Bewusstsein macht mich oft zutiefst glücklich und zugleich einsam.

ps. Ich bin kein Musiker und kein Pianist. Bitte verzeihe mir meinen „Mut“, diesen Vergleich zu wagen. Eigentlich sehe ich das Tee-Seminar ebenfalls so wie die Musik. Jedes Konzert ist nie das gleiche. Ein Konzert-Besuch ist anders als daheim CD hören. Meine Aufgabe ist, den Zuhörer zu verführen, seine Version zu vergessen.

Teeseminar Zürich Februar 2008

Teeseminar Zürich Februar 2008

Eliane lernte ich im Flugzeug kennen. Es war ein sonderbarer Flug. Die Carmen, die ich eigentlich erst in Malaga treffen sollte, saß ebenfalls überraschend ganz hinten im gleichen Flugzeug. Den Didier, Chef de Kabine, sah ich seit Monaten nicht, traf ich plötzlich wieder und wurde ein Schoß voll Champagner und Schokolade gebracht. Dann fragten die noch unbekannten Tino und Eliane neben mir, was ich mache. Ja, Tee! Alles um den Tee. „Ach, wie interessant und ich möchte auch gerne mehr wissen!“ so fing es an mit der Teereise Elianes und reiste am vergangenen Wochenende ins Teeland. Dank ihr könnte ich heute die Fotos bereits veröffentlichen und diese Dinge hält unsere Erinnerung frisch und weckt bewegende Momente und Begegnungen immer wieder wach.

Zwei herrliche Tage, obwohl ich nicht ganz in Form bin und mein Geschmacksinn mich immer noch in Stich ließ. Zum Glück funktioniert mein Riechsinn besser. Es war wirklich eine Zitterpatie vor dem Seminar, dass ich dachte, mit einer geschriebenen Teelist vor den Leuten vorlesen zu müssen, weil ich nicht schmecken kann.

Am Samstag war ein volles Seminar. Viele unbekannte Gesichter, die zuerst den Eindruck erweckten, dass sie vielleicht mit meiner Anforderung überfordert werden könnten. Die ältere Anneliese ließ allerdings von Anfang an begeistern und bedankte mir zum Schluss, „was für einen herrlichen Tag und ich bin so glücklich.“ Teefreunde scheinen aus der ganzen Schweiz gekommen, aus Bern, aus Emmental, aus Basel und aus Schaffhausen. Diese Mischung macht die Atmosphäre so interessant, weil die Begeisterung des Tees die Heterogenität der Menschen übertraf und zur einen Einheit ermöglichte.

Natürlich war die Präsenz Jörgs (aus Frankfurt) äusserst wertvoll. Er kann auf fast allen Fragen eine präzisere Antwort geben, wenn es sich um Tee-Literatur im deutschen Sprachraum oder um Pu Er handelt. Er war ein Geschenk. Es war ein Geschenk, dass er die Distanz überwand und Zeit noch vor seiner Prüfung nahm, hier her zu kommen. Selbstverständlich muss ich mich eigentlich bei seiner Freundin bedanken, dass sie ihn für paar Tage entbehrte.

Ohne Jürg und Carolas Einsatz wäre ich total verloren zwischen Waschen, Tee wiegen und Seminar-Leiten. Sie leisteten die unauffälligste Arbeit, die dem Seminar einen reibungslosen Ablauf verhalf und sich im Hintergrund zu bewegen: früher zu kommen, fleißig die Teeschalen waschen und Wasser kochen. Was für eine Stärke und Großzügigkeit, anderen Menschen der Bühne zu überlassen und im Schweigen, nur für das Geschehen zu arbeiten! Meine Löwin-Schwester Carola ist ein wirklicher Schatz. Man sagte immer, dass Löwen sich gegenseitig nicht vertragen. Ich erlebe ausschließlich das Gegenteil. Die Großzügigkeit und Unterstützung, die ich immer von meinen Gleichen erhalte, waren nur großartig. Vielleicht basiert das gegenseitige Verständnis auf die Affinität zum Sonderbaren und Erkenntnis über sich selber.

Über meinen spärlichen Geschmacks- und Riechsinn lästerten die Anwesenden ununterbrochen. Als ich behauptete, dass ich an dem Pu Er Che Chuan Hao 2003 eine Blumewiese roch, löste es ein Lachanfall. Eliane behauptete, Blumenwiese neben dem Kuhlstahl. „Blumenwiese? Wo? Menglin, Du warst viel differenzierter!“ sagte Carola schmuzelnd. Nur der Pat sah mir verständnisvoll an, „Doch, ich verstehe Dich!“

Als das Seminar am Sonntag zu Ende kam, saßen noch alle am Platz. Der Heimweg schien nicht interessant zu sein. Als Jörg abfuhr, war es bereits kurz vor 16 Uhr. Ich war dankbar, müde und glücklich.

Nun freue ich mich auch auf Fotos von unserer Profi Laura und den Film von Suzannes und Elianes über den Abschluss Gongfu Cha. Was für schöne Erinnerungen, die uns zusätzlich beschert werden könnten!

Fotos Seminar 16. und 17. 2. von Eliane runter zu laden.

ElianeUnsere Fotographin: die schöne Eliane