Tee im Wein

Tee im Wein

In Berlin fragten Leute mich, wie man Tee und Wein kombiniert. Tee-Schnapps oder Tee-Wein sind eine interessante Kombination.

Mein Lehrer Und sein Partner Chong sind nicht nur Teeliebhaber, sondern auch Weinliebhaber. Onkel Chong trinkt Tee, raucht gerne (Pfeifen oder Cigar), isst gerne und trinkt wie ich leidenschaftlich Kaffee. In seinem Schrank stehen Flaschen neben Flaschen Tee-Schnapps und Tee-Wolka oder Tee-Wein.

Die Vorraussetzungen fuer diese Kombination sind:

Gute Teesorte: Hochlandoolong, Oriental Beauty und Phoenix Dancong

Guter Wein: Am liebsten Sake fuer die beiden.

Mindestens eine Woche Zeit.

Zucker beliebig – ich bevorzuge ohne.

5g Teeblatt, 600 ml Sake. Eine Woche Ziehzeit.

Wir degustierten nach der Degustation von Sencha und Dianhong die Tee-Wein-Sammlungen. Da sie mich schonen wollten, gaben sie mir nur drei kleine schlucke von drei verschiedenen Sorten:

Jinxuan-Wolka 2001: leicht gezucker: dieser Schnapps schmeckte mir sehr scharf. Der Tee Geschmack ist leicht im Hintergrund. Der typische Duft von Jinxuan ist leise zu folgen. Das Suesse von Zucker mag ich leider nicht.

Oriental Beauty-Sake 2007: Sehr schmeidig und der Typische Duft von Tipp des Oriental Beautys ist klar zu erkennen. Sake befluegelt den Tee.

Hochlandoolong Lishan Sake Jahrgang unbekannt: Eine schoene Kombination. Das natuerliche Susse des Sakes verschmelzte in der Zunge mit dem Suesse des Lishans. Der erhebende und erfrischende Hochland-Qi duftete ueberall im Mund.

Ob man mit vergorenem Traubensaft machen kann, weiss ich nicht. Es ist garantiert spannend!

Ein Wuensch

Ein Wuensch

Ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Nicht nur Wirtschaftsmagazin lese ich gerne, sondern auch Gespraech mit Fachleuten. Die offeziellen abgegebenen Zahlen in der Zeitung intressieren mich nicht, sondern die scheinbar wiederspruechlichen Kurven, die uns die Wahrscheinlichkeit der wahrheit mehr verraten. Das Aehnliche gilt auch bei Menschen. Nicht das, was Menschen erzaehlen, das das Leben von ihnen bestimmt, sondern das, was sie tatsaechlich tun – das so geannte Muster. Oft sind es Widersprueche, die uns mehr Verstandnisse ueber anderen bringen als ihre Worte. Auch nur in meinen eigenen Widersprueche verstehe ich tatsaechlich, was ich will.

Mit dem Fondmanager Cheng koennte ich paar Dinge fragen. Die Beziehung zwischen der Abwertung des Goldes und der Steigerung des Dollers, die Auswirkung der chinesische Wirtschaftspolitik ueber seinen Binnenmarkt und dem Druck auf seine Waehrung koennte den Preis des Tees 2009 in die Hoehe treiben. Im November befindet sich der Preis in absenkendem Trend. Was nun?

Cheng glaubt an die Wirtschaftsmacht Chinas und betrachtete die Entwicklung im Westen pessimistisch. Diese Ansicht kommt in unserem Teezimmer nicht gut an. Er sagte, wir sollen uns woanders darueber sprechen. Ich sollte doch seine Visitenkarte haben. Es war mir peinlich ihm die Wahrheit zu sagen, dass das Papier moeglicherweise zu gut aufgehoben war.

Waehrend wir ueber die Kurven und Geld sprachen, schrieb mein Lehrer mir ein Gedicht als Widmung von seinem neuen Buch.  

Fei Hua Zi Fengxing          Es ist zwar kein Blume, aber es duftet von sich allein und unverwechselbar

Nongyan Cun Qing Ming   Die Aromen und Farbe sind zuerst leuchtend und intensiv, aber was am Ende (der Tasse) bleibt, ist der klare und erhebende Duft

Das war und ist sein Wuensch solchen Tees zu produzieren. Nicht ein Duftwolken, der schnell erloescht, sondern eine dezente nachhaltige Duftstroemung, die uns lang begleitet. Das ist auch sein Wuensch und sein Anspruch zu sich selbst, wie seine Person sein sollte. Er sagte immer, wenn er mit Tee reich werden will, waere er heute ganz anders. Mit Tee kann man reich werden, wenn man mit dem Markt antanzt. Er koennte seine gelagerte Schaetze verkaufen, die von Sammler wie Cheng sofort abgekauft werden koennen. er wollte nicht. Nur Tropfenweise aus Not. Wenn er wirklich ein Star der Teewelt werden will, wird er wohl nicht mehr so laut sagen, was er tatsaechlich auch denkt. Es ist die Entscheidung eines Menschen, wie er sein Leben ausmalt. Alles hat seinen Preis.

„Weiss Du,“ er sagt mir oft, „es ist ein verdammtes Gleuck, wenn man einen guten Tee, eine Tasse toller Kaffee oder eine tolle Mahlzeit und einen guten Freund, der es versteht, zu solchen Momenten treffen kann!“

Das Leben kann so schoen sein. Und es ist wirklich schoen.

Es ist auch sein Wuensch und sein Anspruch an mich, den Tee so zu verstehen. Nicht ein blendes Duftwolke, das uns gluecklich macht, sondern ein Tee so klar wie das Wasser, der von sich allein duftet und seine Klarheit bewaehrt. Es ist auch ein Wuensch von mir an mich selbst, dass ich dieses Verstaendnis veralltaeglicht werden kann.

Rarer Tee

Die Regenzeit. Wie geht es wohl dem Teepflanzen? Mir geht es gut unter dem Regen auf einer subtropischen Insel.

Kaum oeffnete ich die Tuer, alle lachten. Xiaoei machte gerade den Tee und sie meinten, dass sie seit heute morgen auf mich warteten. Ich weiss, sie warteten auf die Schokolade. Die Gesichter haben sich nicht viel veraendert. Sie meinten, aber ich sei duenner. Das Haus meines Lehrers Chen war voll. Voller Menschen, voller Teeduft und voller Lachen.

Mein Lehrer stand auf und ging ins Hinterzimmer. Xiaoei machte den neuen Tee. Steigender vielschichtiger Duft, suess und blumig. Ein Hochlandsoolong, meinte ich. Aber was fuer einen? „Der Lishan fuer den Holzkohle. Extra fuer Dich aufgehoben.“ Nein, nicht fuer mich, fuer Jiri, der mich immer wieder erinnert, unbedingt in diesem Winter diesen Tee zu besorgen! Also er wird sich bestimmt freuen. Nicht jeder Tee, nicht jeder Lishan kann man mit der hitze von Holzkohle „quaelen“. Nur einen guten Tee mit Substanz koennte man zu einem interessanten Tee befluegelt mit dem Duft des Holzkohle verwandeln.

Wir quatschten und klatschten. Die super Schoki von Reinhard (RVR) bezauberte die Atmosphaere mit Tee. Auf dem Tisch stand Prospekte von Toyota. „Hast Du ein neues Auto?“ Mein Lehrer war leicht verlegen, stand wieder auf und holte wieder einen Tee. Ein Tee, der unsere Augen gross und starr macht, meinte er.  Ein Tee, duftend nach Osmanthus und Jasmin, Aroma wie Tropfen von Krischliqor. Unsere Augen wurden gross und starr. Nach Minuten koennte man an dem Becher immer noch die Dufte Schicht fuer Schicht, Reihen an Reihen, klar und langhaltig schmecken. „Was ist das!“ “ Das ist mein Tee.“ Mein Lehrer laechelte voller Stolz. Er habe den Tee selbst gemacht. 1988 kuendigte er seine Stelle bei einem etabilierten Teefirma und machte sich selbststaendig. Dieser Tee stammte aus Yushan und wurde einer seinen ersten Tee. Ein Augenzeuger einer Zeit, in der er auf einen eigenen Weg wagte. In dieser Zeit, war der Teegaten noch anders verwaltet, die Einstellung zum Tee noch anders gepraegt war. Es war ein seltsames glueckliches Moment. wie kann ein gelageter Tee noch nach Blume dufen? Und so klar und nachhaltig? „Diesen Tee muss man vor Cheng verstecken.“ sagte unser Lehrer. Ausgerechnet erschien Cheng, sein Fondmanagerschueler vor der Tuer.

„Was fuer ein seltenes Gast!“ rief unser Fondmanager in seinem Armanianzug. Ich zeigte ein hoefliches Gesicht. Karma? Warum treffe ich ihn immer beim ersten Besuch? Er kam diesmal anstatt mit Maedchen, sondern mit einem Notizbuch voller Fragen. Wir wechselten sofort den Tee, einen nicht gewoehntlichen Tie Guanyin 1985. Onkel Chong machte Bemerkungen ueber ihn, weshalb er immer wechselnde Frauen um sich scharrt. Er sagte, dass es einfach viele schoene Frauen in diesem Beruf gibt. Aber er hat keine Zeit, meinte er. Er erzaehlte mir, dass er wieder viele gute Tees ergatterte und sie warten auf verkostet werden. Sie sind eben seine Nebenfrauen, die ihn gluecklich macht. Ein bisschen Neid spuerte ich und schwieg.

Ich stand auf und wollte gehen, meine Eltern warteten auf mich zum Abendessen. Xiaoei kam sofort mit aus der Tuer und habe etwas mit mir zu besprechen. Ich dachte, es ging um Streitigkeit. Nein, es ging um einen Tee.

Ein Tee, der aus Lishan in 80er Jahren stammte und von unserem Lehrer gemacht wurde. Ein Tee, den er fuer selbst aufhebt, nicht verkauft, weil er Stationen seines Lebens und der Veraenderung des Formosa Tees dokumentiert. Cheng hat geschafft, ihn zu ueberzeugen, an ihm zu verkaufen. Cheng brachte ihn das Geld fuer ein kleines Toyota und bearbeitete ihn fuer Monaten. Mit diesem Geld wechselte mein Lehrer endlich sein Auto, was seit langen Zeit noetig ist. Xiaoei haette auch gerne diesen Tee. Sie koennte sich aber nicht leiten, eine Kaufeinheit von 600g zu kaufen. Sie fragte bereits allen Schuelern und Freunde, die sie fuer verrueckt halten. „Wer kauft denn so einen teueren Tee?“ sie erklaerte mir, „Menglin, Du bist meine letzte Hoffnung. Weiss Du, es handelt sich nicht um Tee, sondern um die Geschichte des Tees!“ Sie moechte gerne das Dokument haben, bei sich aufbewahren und sich erinnern koennen, wie Formosa Oolong einmal war! Cheng bekam fuer das Geld, 3 Kgs. Er haette gerne noch mehr. Unser Lehrer verweigerte ihn. Der Tee sei ein Stueck Leib von ihm und Cheng besitzt nun einen Teil seiner Geschichte. Cheng hat es verstanden, aber die meisten Leute nicht. Der Tee sei nicht das Geld wert. Obwohl viele von ihnen LV- oder Gucci-Taschen tragen und selbst Benz fahren, wuerden sie nicht fuer das Geld gegen einen alten Tee tauschen. LV-Taschen und Benz bringen wohl viele glueckliche Momente im Leben, was die Leistung einer Person oeffentlich unterstreicht. Aber einen alten Tee zu Hause zu trinken, meistens mit Menschen, die den Wert nicht erkennen… Nicht ernennenswert!

Die paar Minuten veraenderten mein Bild von Cheng, dem Fondmanager. Als ein guter Spieler des Geldes hat er die Macht in Augen vieler Menschen: Erfolg, Sex und Prestige. Aber hinter diesem glaenzenden Armanianzug verbirgt eine feine einsame Seele. Er hat nie eine richtige Freundin und ist stets auf dem Wechsel – „Flucht“. Sein Zugang zum Tee ist durch Ansammlung von Wissen und Besitz des Tees. Er hat Geld. Er versteht, dass man mit Geld, das Leben paar glueckliche Momente verschaffen kann, wenn man sich nicht von Geld versklavt wird. In seinem inneren geheimen Garten ist es wohl von Teeduft und Teearomen bereichert. Trotzdem bleibt das Tor des Gartens verschlossen, keine Zeit bez. keine zugelassene Hoffnung. Mit wem will er denn den bezaubernden Tee teilen, mit jemandem, der Tee-Zauber versteht und darin als wenige glueckliche Momente des Lebens auch anerkennt?

Mit Mond, mit Wein und mit seinem Schatten trank der Dichter Li Bo (Tang Dynastie) in einer Vollmondsnacht. Er dachte, er sei gluecklich. Spaeter fiel er ins Wasser und wollte im Wasser den klaren Mond holen. Dann wurde er ertrunken gefunden.

Ich versicherte Xiaoei, dass wir zusammen die 600g kaufen. Das Geld kann man ja verdienen. Es kommt von ueberall her und fliesst auch ueberall hin. Der Tee wird mich viele schoene und unschoene Momente begleiten. Vielleicht bin ich auch gluecklich in einer Vollmondnacht am Zuerichsee mit meinem Schatten gemeinsam, den Tee zu trinken. Noch wahrscheinlicher werde ich ihn an der Spiegelgasse mit vielen vielen Teeliebhaber teilen und das Glueck verlaengern!

Hua Hin, Evason

Hua Hin, Evason

Vielen Dank fuer viele liebe Nachfragen und Mails.

Mir musste eigentlich super gehen in den Tagen als Erbsenprinzessin, waehrend mein Vater sich als Ochsen des Formosa bezeichnete.

Huan Hin ist spannend. Lieber Joseph, wir waren leider nicht wirklich in Hua Hin. Das Hotel macht nur Werbung mit dem Ort, um uns zu locken. Eine wunderschoene teuere Anlage. Das Meer war einsam, kaum Welle. Kein Voegel. Nur paar Fischerboten, paar Europaeer am haesslichen Strand aus grauen Steinen (nicht Mal Felsen).

Das Meer, das ich kenne, mit Welle, Sonne und Reibungen zwischen Wasser, Fuesse und Sand war hier nur eine Illusion. Ich war todmuede und fuehlte mich richtig wie ein Hund.

Teehaus Spiegelgasse 26 in Zürich

Ja, es ist wahr.

Heute, kurz vor dem Abflug. Das Telefon klingelt ständig und meine Schritte schreiten ständig. Der Kopf dreht ständig und der Bauch jammert ständig. Nein, eigentlich will ich nicht weg von dieser kalten nassen Stadt, auch wenn ich oft über sie lästere. Es ist nun doch die Stadt, die meine wird.

Jürg erwischte mich gestern nicht und erreichte mich heute im Tram 9. „Ich bin kurz vor Abflug!“ jammerte ich im Telefon. „Ich bin beim Abflug in Kloten! Aber ich will noch wissen, hast Du es oder nicht! Keiner weiß genau, ob Du jetzt wirklich den Laden an der Spiegelgasse hast. Im Blog kann man einfach nicht klar verstehen.“ unser Präsident (von Teeclub Schweiz) wollte unbedingt wissen kurz vor seinem Abflug nach London. Paar Stunde später schrieb Daniel mir ein SMS, „Hast Du es oder nicht? Ist es wahr oder nicht?“

Am letzen Mitwoch rief ich Thomas in Berlin an und sagte ihn, dass seine Bilder von Teefelder in Anxi und Lugu nun einen Raum bekommt, ausgestellt zu werden. Ein Raum für Menschen, für Tee und für anders Denkenden. Menschen, die vorhandene Dinge hinterfragen, die das Leben leben möchten, die sich gerne durch Überraschungen und Begegnungen bereichert werden möchten, sind hier in diesem Raum zu Hause.

Tee ist ein Medium, das alles durcheinander bringt und alles zusammen bringt.

Ich freue mich riesig!

Wie soll das Haus denn heissen?

Gestern rästelten meine Teeeltern mit mir über den Name und heute mittags mit Christoph und später mit Hubert. Es soll nicht esotherisch sein, nicht wellness-like… Ich finde den Name „Teehaus Spiegelgasse“ doch ganz nett. Jeder Europäer könnte ihn aussprechen. Mich schauten die anderen nicht ganz zufrieden an… Naja, es wird schon ein langes Geburt werden… Ich bin dankbar für jeden Tipp und Ratschläger!

Vorhin verabschiedete ich mich von Hubert, der Geburtshelfer des Teehauses. Ich fliege zuerst nach Bangkok und lass mich von Asien inspirieren. Er schmunzelte in voller Schalk, „Ja, lass Dich vorbereiten. Vorbereiten für eine harte Zeit.“ War es Schadenfreude? „Vielleicht. Ein bisschen.“ Er küsste mich ganz sanft auf meinen Backen.

Tee trinken, um gesund zu werden?

Ich bin ein leidenschaftlicher Esser. Wenn der Appetit bei mir Ferien macht, bedeutet es wohl, dass es mir wirklich schlecht geht. Wolfgang (ein guter Freund und zugleich Hobbykoch) sagt mir oft, dass es selten eine Frau wie mich gibt, die kein gestörtes Verhältnis hat zum Essen. Ich esse wahnsinnig gerne. Der einzige, der sich beschwert, dass ich zu dünn sein könnte, ist mein Teevater – das stimmt überhaupt nicht! Aber er beschwert sich jedoch jedes Mal, wenn ich gegen ihn beim Abendbrot konkurriere. Ausgerechnet ich, ein leidenschaftlicher Esser, wurde eingeladen für einen Diät-Club ein Teeseminar zu halten.

 

Die Idee war, dass ich die Übergewichtige zum Teebegeisterten verwandele. Die Übergewichtige sollten den gesunden Tee trinken anstatt Cola!

Für mich war der Idealismus der Leiterin eine Illusion. Das Problem eines Übergewichtigen liegt nicht an der ungesunden Ernährung wie z. B. Cola, sondern an den Drang, sich ungesund zu ernähren!

Wenn ein Mensch einfach sich schlecht gehen lassen will, kann man ihm eigentlich gar nicht helfen!

Wie so weiß jeder Arzt, dass sein Patient gesund werden will?

Ist Tee tatsächlich gesunder als Cola? Warum sollte ich denn Nahrungsmittel moralisieren? Ich fühle mich nicht besser als ein Teetrinker, außerdem ich kümmere mich nicht um die Dinge, was andere machen. Ich möchte nur Menschen über den Genuss des Tees vermitteln, wenn er auch bereit ist, selbst den Genuss zu gönnen!

Wir können niemanden lieben, wenn der Andere nicht bereit ist, die Liebe zu empfangen. Trotzdem könnten wir diesen Menschen weiter lieben auf eine andere Art. Ich wünsche, dass es ihm gut geht und sein Glück findet.

Ich tue und gebe mein Bestes.

Also mit dieser Einstellung bin ich zum Seminar gefahren. Ich verdiene gerne Geld, aber will nicht bloß für Tee propagieren. Schlussendlich hat jeder seinen freien Willen und ich tue nur mein Bestes, den Tee zu vermitteln.

Das Publikum bestand aus gewöhnlichem Schweizer Bürger, gestresst und hat seine eigene Trauma und Geschichte. Als das Thema Tee gegen Stress zur Sprache kam, erklärte ich zuerst die Haltung des Tees. Wenn man Tee zubreitet, bewegt man sich nur innerhalb der Reichweite unsere Hände. Jeder hat unterschiedliche Hände, die unterschiedliche Weite erreichen. Wenn man mit Gewalt, die Grenze der Reichweiten überschreitet, verliert man sehr schnell das Zentrum der Haltung und zugleich die Eleganz der Bewegung. Was die eigenen Hände nicht erreichen, müssen die Hände von Anderen mithelfen. Menschen sind für einander da, um das gegenseitige Leben zu erleichtern. Der Stress entsteht, wenn man die Hände des Andere nicht traut und die Reichweite der eigenen Hände überschätzt. Einfach gesagt, schwer umzusetzen. Das lernen wir im Tee, indem wir Tee zubereiten und anderen Menschen servieren. Diese Praxis erleichtert uns diese Haltung zu veralltäglichen. Nur wenn es uns geht, könnte es anderen auch gut gehen. Nur wenn es uns gut gehen, könnten wir andere Menschen beraten, helfen oder „Geschäft machen“.

Aber was heißt denn „Gut Gehen?“ Für mich bedeutet bei sich selbst bleiben können. Ohne Respekt vor sich selbst, könnte man sich nichts gönnen weder einer Pause, einer Tassen Tee oder einem guten Aussehen. Respekt findet man nicht vom Außen, sondern in uns selbst. Ich versuchte den Teilnehmern zu motivieren, Selbstachtung und Selbstliebe zu entdecken und zu spüren. Man will ein gutes Aussehen haben, wenn man Respekt vor sich selbst gewinnt. Wenn das gute Aussehen Bestätigung erhält, wird der Respekt vor sich selbst automatisch erzeugt. Zuerst muss man es in sich selbst finden und das bedeutet eine harte Arbeit der Selbstfindung. Du bist es wert, gut und gesund zu sein. Und Du bist so wie Du bist in Ordnung. Auch wenn die Gesellschaft Dich als so oder so zuschreibt!

 

 

 

Ich war nicht sicher, ob mein Auftragsgeber mit mir zufrieden war. Ich wollte nicht Tee verkaufen. Wozu? Paar Teebeutel in fremden Kücheschrank stehen zu lassen, nur um eine gute Verkaufszahl zu kreieren? Das Vertrauen zwischen Menschen sollte aufgebaut werden, dann wird dieser Mensch immer wieder zu Dir kommen, wenn er etwas bräuchte. Die Verkaufszahl ist nur Ziffer, temporär und abstrakt. Das Dauerhafte ist mit dem Auge unsichtbar.

Pu Er Degustation von Teeclub Suisse

Am 11. Dezember Donnerstag 19-21 Uhr findet eine Degustation von Pu Er Tee statt.

Die Bedürfnisse, Pu Er näher kennen zu lernen, ist nicht nur wegen der wachsenden Interesse der Öffentlichkeit an disem Tee zurückzuführen, sondern auch wegen der Entdeckungslust von dem Balance zwischen Tee und Zeit.

Wie manifestiert die Zeit durch Tee? Wie lässt ein Tee sich beeinflussen über die Zeit? Ist die Zeit eine beflügelnde Kraft für Teegenuss oder eher eine vernichtende Quelle des Teefreude?

In Berlin erfreute die Kristine über ihre große Entdeckung durch die Zeit. Zwischen den unterschiedlichen Tassen könnte man tatsächlich feststellen, dass dieser Tee tatsächlich jünger ist als der andere. Einmal schickte mir ein Teehändler aus China einen Pu Er und behauptete, dass er von Jahrgang 2001 stammte. Nach meiner Degustation rief ich ihn an und sagte, dass dieser Tee wohl nicht älter sein kann als von 2005.

Tee spricht für sich und lügt nicht – wenn dann der Verkäufer. Aber der Verkäufer weiss auch gar nicht, dass er „lügt“. Denn die Sprache des Tees möchte gerne gelernt und verstanden werden, nicht nur einfach interpretiert.

Auf meiner Reise werde ich unterschiedliche Materialien sammeln, um das Wesentliche dieses „Trend“-Tee aufzuzeigen. Die wichtigsten bei Pu Er sind für mich vier Aspekte:

1. Jahrgangsunterschied

2. Regionale Unterschiede

3. Herstellungsunterschiede – künstlich oder natürlich nachgereift. Ich spreche nicht für andere, nur für mich. Ich würde nie freiwillig künstlich nachfermentierten Pu Er trinken.

4. Unterschiede von Bäumenarten.

Diese vier Aspekte könnten unmöglich in diesen drei Stunden aufgezeigt werden. Wir werden auf zwei bis drei Aspekte konzentrieren. Zuverlässige Quelle als Referenzen sind meine Aufgabe, die erst eine aussagekräftige Degustation ermöglichen kann! Also, ich bemühe mich.

Solche interessante und inspirierenden Runde möchte ich ab nächstem Frühling im Teehaus an der Spiegelgasse öfters veranstalten!

Spiegelgasse 26

Spiegelgasse 26

Netzwerk ist eine harte Arbeit für jemanden wie mich. Ich bin zu faul. Hannes sagte mir einmal wenn ich in Zürich Fuß fassen möchte, sollte ich an die Vernissage gehen und an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen. Ich bin zu faul, um seinem Rat zu folgen. Außerdem ist es mir richtig egal. Ich verschwende ungerne meine Zeit und habe meine Füße unter mir. Die Menschen an der Spiegelgasse kennen zu lernen, war nicht geplant.

Eigentlich weiss ich auch nicht mehr, wie die Geschichte angefangen hat?

Als die Mutter ihrem Mädchen verbot, mit Kindern auf der Strasse zu spielen, kaufte sie ihm viele viele Büchern. Das Kind wurde „Buchwurm“ und war fasziniert von dem Fremden,  von der Andersartigkeit und von dem anders Denkenden. Das Kind sammelte Kalenderfotos von Europa und klebte sie überall an der Wand. Seinem Vater zeigte es die Fotos, dass es einmal hin fahren würde. Der Vater war stolz und arbeitete hart. Irgendwann kam das Kind nach Deutschland, weil die meisten in die Staaten gingen. Das Kind wurde inzwischen eine junge Frau, die Völkerkunde studieren wollte. Da sie in Konstanz es nicht tun konnte, studierte sie Germanistik, weil sie dachte, es auch nicht schlecht sein konnte, Deutsche zu studieren. Irgendwann lernte sie den Professor Kantowsky kennen und saß oft in seinem merkwürdigen Seminar. Das war „Buddhismus im Westen“. Dort lernte sie eine promovierte Chemikerin Erika kennen, die Erika schrieb später das Buch „Heilen mit Tee“. Mit Erika wurden sie die besten Freundinnen und wurde einmal mit nach Zürich zur Spiegelgasse mitgeschleppt. Dort sitzt das Zen Dojo Zürich. Zen kannte die junge Frau nur von Büchern. Aber, die Paradoxien, die sie dort erlebte und gehörte, wie Z. B., dass man sich binden kann ohne Seil, faszinierte sie und sie ging immer wieder gerne dort hin.

Einmal spazierte sie wieder an der Spiegelgasse vorbei. Sie sah einen sympathischen jungen Mann in einem schönen hellen Laden. Sie fühlte sich angezogen und ging hinein. Sie fingen an, mit einander zu sprechen. So lernte sie Hubert kennen.

So lernte ich Hubert kennen. Sofort fühlten wir uns vertraut. Als Kind noch einmal Kind war, konnte das Kind die Engel sehen und mit seinen Seele sprechen… Warum rechnen wir immer mit den Jahren oder die Zeit, wie lange Menschen sich kennen und mit einander verbringen? Ich dachte, dass ich Hubert schon lange kenne. Wie ein Bruder fühle ich mich so wohl bei ihm. Ja, ich kenne Dich schon lange, länger als es ist. Warum sprachen wir denn über Tee? Keine Ahnung. Er nahm meine Tees in die Sortiment und wir treffen uns Mal zum Frühstückskaffee, Mal zum essen. Wenn er Event hatte, half ich manchmal mit. So lernte ich seinen netten und wohlwollenden Vermieter kennen, die im Nebenhaus wohnte. Ich erzähle ihm von meinem Traum. Eigentlich wäre doch sein Laden mein Traumladen…

Frau Mauz, eine ehrgeizige Schneiderin und Designerin in Zürich. Für ihre Berufung verließ sie ihr gut bezahltes Bankjob und näht in ihrem Atelier. Ich wurde ihr Kunde, weil ihre Kollektion eine schöne fließende Linie aufzeigt, eine Bewegung in der Bewegung unterstreicht. Viele ihre Seidenröcke hängen in meinem Schrank. Das kleine Atelier an der Spiegelgasse begleitet mich mit ihrem Werk zu vielen Anlässe. Ich bin faul und vertraue gerne Profi, so wechsele ich ungerne meinen Stil – wenn ich überhaupt einen hätte. Wenn überhaupt, dann konservativ und trocken.

Da ich gerne Seide trage, wurde ich Kunde von En Soie und lernte Holländerin Jenny kennen. Jenny war Jahren lang eine Galeristin und verkauft Kollektion von En Soie, ein renommiertes Geschäft in Zürich von ihrer Tochter. Ich komme manchmal vorvei und bringe ihr Tee. Sie tröstet mich, gibt mir Rat und macht mir eine Tasse Tee. Als ich an letzten Freitag zu Besuch kam, sah einen älteren Gentleman. Wir lächelten uns an. Jenny sagte zu ihm, dass ich der größte Schatz Zürichs sei. Er nickte. Er gab mir drei Küsschen, so natürlich und einfach. Ich richtete kurz seinen Mantel, so selbstverständlich und normal. „Ich gehe zu einem Geburtstagparty einer Freundin an der Spiegelgasse.“ „ Viel Spaß!“ wünschte ich ihm. Ein wichtiges Geburtstagparty, nicht wahr? Minuten später kam eine gepflegte Dame hinein und rief, „Kommst Du auch zu der Party?“ Jenny schüttelte ihren Kopf. Die Dame sah mich lächelnd an und gab mir ihre Hand. Zu welcher Party? Spiegelgasse 26!
Die Menschen sind vernetzt. Vernetzt sind sie hier in der alten Züricher Stadt. Ohne zu ahnen trampelte ich hinein. Ohne sich vorzubereiten stand ich vor der Tür. Jenny tröstete an diesem Tag mich wieder, dass ich wegen Warten auf die Nachricht von der Spiegelgasse 26 ungeduldig wurde. Sie erzählte mir, dass sie von vielen Konkurrenten hörte. Viele Galeristen und Antiquitätenhändler möchten auch gerne der neue Herr des Ladens sein. „Aber Du hast eine gute Chance!“ Ich hoffte. Dann entdeckte ich einen wunderschönen langen weißen Seidenrock. „Diesen Rock ziehe ich zu meiner Eröffnungsfeier an!“ sagte ich entschlossen zu Jenny. Sie stimmte mir zu, dass dieser Rock mich in diesem Anlass sehr unterstützen würde.

Heute um vierzehn Uhr klingelte ich die Tür an der Spiegelgasse 26 und wusste, dass der Kauf dieses Rockes ein Schlüssel dieses Geheimnis war – Kosmos erfüllt unseren Wünsch, wenn wir wissen, es zu wünschen.

Spiegelgasse

Spiegelgasse

Als ich diese Nachricht bekam, war ich noch nicht richtig wach. Ich sei in der engsten Wahl gekommen, um das begehrte Ladenlokal in der Altstadt Zürichs zu bekommen. Hoch erfreut war ich sprachlos.

Dann aß ich unter dem Sonnenschein mit Laura an der Limmat. Ehrlich gestand ich meine Angst. Ja, mir überkam eine großartige Angst! Was wohl nun alles auf mich zukommen wird! Ich habe Angst, habe Zweifel und habe kalte Füße, ob ich diese Anforderungen wachsen werde. So ein fauler Mensch wie ich – einmal schimpfte Stefan mich wegen meiner Dissertation, wie könnte so jemanden geben wie Dich, so faul und zugleich intelligent? Wie könnte so ein Faulpelz wie ich einen Laden führen und schaffen? Was mache ich dort? Was biete ich an? Was werde ich wohl werden? Laura war interessiert, wo der Laden liegt. Wir gingen nach dem Essen an der Schipfe in die Stadt. Von Außen zeigte ich Laura die Lage. „Wie schön!“ sie nickte ihren Kopf, „ich habe ein sehr gutes Gefühl.“ Das Gefühl habe ich ebenfalls. Aber nun herrschte einfach Angst. Wir spazierten durch die Innenstadt. Plötzlich rutschte ich aus. Mein Absatz rutschte auf dem Kopfpflasterstein. Eins war mir klar, ich verlor meinen Boden. Auf dem Boden saß ich und wusste nur, zu versuchen, wieder auf zu stehen. Was nun? Fuß verletzt. Laura sah mich besorgt an. Termine in nächsten Tagen musste ich abstreichen. Teezeremonie mit einem kaputten Fuß – es geht nicht. Später kam Bruder Dirk und schüttelte seinen Kopf, trug mich einfach weg ohne Kommentare.

 

Als ich mit Laura allein Kaffee trank, redeten wir über Angst und Absturz. Sie sagte, dass Angst uns tatsächlich nicht weiter bringt. Das erlebte ich unmittelbar im Hier und Jetzt. Seit ich diesen Anruf erhielt, dreht mein Kopf nur um die gleichen Dinge. Es hört einfach nicht auf. Nun zeigte der Kosmos mir einfach, dass es so nicht geht. Der Kopf dreht in Kreis, und die Füße wollen nicht. Step by Step. Angst bekommt man, wenn man nicht auf den Boden steht und nur an die Zukunft denkt. Diese Zukunft, die man vermeintlich mit Kopf denkt, ist nicht real. Es ist eingeschränkt von Möglichkeiten, die Angst machen. Aber die scheinbaren Unmöglichkeiten, die Menschen zu wahren selbst führen könnten, werden verdrängt und kommen nicht zur Sprache. Was hätte ich denn zu verlieren? Wie viele Bankrotte habe ich in meiner eigenen Familie gesehen? Fünf. Zwei gehört. Zwei miterlebt. Zwei haben sich wieder geschafft steinreich zu sein. Einer ist ein glücklicher Schriftsteller. Von der Entwicklung des letzen wissen wir noch zu wenig. Es ist noch zu frisch. Vor einem Monat war das ganze Clan auf der Kreuzfahrt nach Okinawa. Niemand erfuhr etwas. Vor drei Wochen lass mein Vater in der Zeitung über diese Meldung. Er war zutiefst traurig und ohnmächtig. Er fühlte sich schuldig gegenüber meiner verstorbenen Tante. Mein Bruder belächelte über meinen Vater, er sei zu altmodisch, dass er sich so fühlt. Ich fragte ihn, „Was!? Fühlst Du Dich nicht verantwortlich für das Glück Deiner Schwester?“ Er war sprachlos im Skype. Meine 5. Tante ahnte über diesen Untergang eines Reichtums. Vor ihrem Tod bestand sie ihre Tochter an einem normal sterblichen zu verheiraten – ein Redakteur von einer Zeitschrift. Sie bat meiner Mutter, sich um ihren jüngsten Sohn zu kümmern. Zu mir sagte sie, dass der Linlin mein jüngster Bruder sei. Sie hatte kein Vertrauen in ihre reichen Schwiegerfamilie, sondern in meinen geizigen Vater. Also jeder Mensch hat das Recht und die Möglichkeit, wieder dort aufzustehen, wo er absturzt. Das erfuhr ich gestern und erfahren wir tagtäglich. Eigentlich ist das Absturz auf drei Akte aufgebaut: runterfallen, auf dem Boden sitzen und wieder aufstehen. Warum schauen wir gerne nur die erste oder die zweite Akte an anstatt die dritte? Aufstehen folgt automatisch nach dem Absturz. Und nicht umgekehrt.

 

Heute Morgen ging ich mit meinem kaputten Fuß ins Dojo. Im Zazen beobachtete ich das Kommen und Herrschen meiner Angst. Ich kenne Dich, meine Angst. Ich muss nicht vor Dir fliehen, weil ich Dich kenne. Einmal fragte ich Michel, weshalb ich immer noch Angst bekomme, vor meinem Auftritt. Er lachte, dass es mein Leben lang begleiten wird. Aber ich muss ihn nicht mehr verteufeln. „Du kennst ihn.“

Es schien die Sonne in Zürich. Ich fühle mich richtig gut, auch wenn die Angst mich eine Weile immer wieder begleiten wird. Mit langsamem Schritt schreite ich in die Zukunft, Step by Step.