Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Jade 翠玉 Oolong Dongding

Oft habe ich den Name Jade Oolong Dong Ding (Dongding) in den Zusammenhang gesehen. Hier möchte ich das Mißverständnis klären. Jade Oolong ist nicht Dong Ding und Dong Ding ist nicht Jade Oolong.

Dong Ding Oolong 凍頂鳥龍茶 ist eigentlich der Oolong von Teebaum Qingxin Oolong aus Dong Ding Gegend /Nantou 南投 stammt. Heute wird Oolongtee in Taiwan mit der Marketingstrategie als Dong Ding „Typ“ verkauft. Darum heißt alle taiwanesischer Oolong in Deutschland oder in der Schweiz „Dong Ting“ oder „Dong Ti“ oder etwas Ähnliches. Aber der originale Dong Ding ist eigentlich ein „Qingxin“ Oolong 青心烏龍 aus Dong Ding Gegend.

Ein Jadeoolong dagegen ist eine neue Teebaumart – Jade (Cui Yu) 翠玉. Dieser Oolong wird überall in Taiwan eingepflanzt, aber weniger im Hochlandsgebirge, wo sie sich nicht wohl fühlen und überleben. Dieser Tee aus diesem Jade-Teebaum hat eine besondere Duftnote – wie Osmanthus, leicht Pfefferminz und Magnolia. Ein Jadeoolong wird häufig zu einer halbkugeligen Form geformt, darum die gerne verwechselte Bezeichnung Dongding – denn Dong Ding ist auch halbkugelig. Aber sie sind in der Wirklichkeit zwei verschiedene Tees!

Mit Dongding Oolong assoziieren Teekenner und Liebhaber mit der originalen Herkunft und originalen Teebaum Qingxin Oolongbaum. Der „Dongding Typ“ – Oolong ist ein namenloser Oolong, der „heimatlos“ hinter einem Name vermischt und verkauft wird – Schade für diesen Tee. Dies führt wieder auf dem Tee-Trend auf dem Markt zurück, der aufgrund kurzfristiger Profit die Pflege von Herkunft und Originalität verdrängt. Der Jade Oolong 翠玉 ist heute eigentlich ein neues Star, das das eigene Gesicht – Image pflegen kann und auf eigenen Beinen steht, der nicht mehr hinter dem Name „Ding Dong“ verkauft werden muss…

Huang Jin Gui 黃金桂

Anxi Anxi, Fujian.

 

Dieser traditionelle Oolong wurde zum ersten Mal erwähnt in der späten Qing-Dynastie (in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts). Es wurde erzählte, dass dieser Teebaum von einer Teebäuerin Huang / in anderer Eraehlung Namens Wei entdeckt und kultiviert wurde. Teebäuerin Huang entdeckte diese wilde Teebaumsorte und fand seinen unverwechselbaren Duft faszinierend und pflanzte ihn in ihrem Garten. Dieser Baum nennt man Huang Jin Gui – ich nenne ihn „Goldener Oolong“.

Der goldene Oolong ist ein goldener Oolong, weil er einen goldenen Aufguss hat. Er genießt seinen Ruhm in der Oolong-Welt wegen drei speziellen Eigenschaften 二奇一早: außergewöhnlicher Duft, früh keimende Natur (er kommt früher auf dem Tee-Markt im Frühling als andere Oolong) und schöne Form. Teataster Wang in Hongkong beschrieb die Form von Huang Jin Gui, dass dieser Oolong eine Form von feiner gelben langer Streifen hat. Den Huang Jin Gui, den ich sehen, hat heute meistens Kugelform…

Den Goldener Oolong, der ich aufgegossen habe, ist nicht aus Luoyan 羅岩 / Anxi 安溪, sondern aus Nantou 南投/ Taiwan – dies kann man bei der kugeligen Blattform bereits ahnen. Dieser Tee wurde von Insekten befallen und bekommt entsprechend interessantem Aroma. Teebauer Chen erzählte mir, dass er die Teebäume befallen lässt – wie in früheren Zeit. Eigentlich war das Befallen von Insekten ein Alptraum des Teebauers. Später wurde dieser Alptraum ein Kunstwerk – die Entstehungsgeschichte von Oriental Beauty. Viele Teebauer in Taiwan lassen ihre Teebäume zunehmend befallen, weil die Erfolgsgeschichte des Oriental Beauty überzeugend wirkt. Die Teeblätter von „Insekten-Bisse“ haben eine interessante Duftnote, die künstlich nicht zu erzeugen ist.

Der Aufguss von „goldenem Oolong“ ist in goldener Farbe. Die Duftnote erinnert mich an den blühenden Osmanthus-Wald 桂花香 und verändert sich nach paar Sekunden zu fruchtiger Nuance! Der Geschmack ist aromatisch und typisch – Oolong!

Degustation von Jade Oolong (Cui Yu Wulong)

Degustation von Jade Oolong (Cui Yu Wulong)

Stefan hat mir zwei interessante Jadeoolongs aus China mitgeschickt.

China: Fujian und Hubei. Beide werden als Jade Oolong deklariert.

Ich war sehr neugierig und habe gleich mit dem Jadeoolong aus Nantou zusammen degustiert. (Foto: von links nach rechts Nantou, Hubei, Fujian)

2g Tee, 150ml wasser fast 100 grad, 3 Minuten ziehen lassen

Aufguss:

Nantou: klar, hell

Hubei: klar, organgefarbig

Fujian: klar, leicht dunkler als der aus Nantou

Blatt trocken: die Oolongs aus China haben viele Stange und lose holzende Teile. Ich nehme an, dass ein Prozess „Jian Zhi“ – Aussoertierung gespart wird. Streng gesagt, ist der Herstellungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen. Selbst in Taiwan werden oft dieser letzten Schritt gespart.

Der Duft und Geschmack: die beiden Oolongs aus China schmecken meiner Meinung nach nicht nach „Jade Oolong“, der frisch, blumig, lieblich aber eine eigene Note – leicht nach Pfefferminz schmeckt. Der Oolong aus Fujian hat mir jedoch gut gefallen. Er hat eine schöne blumige Note, die mich an Orchideen erinnert. Leicht fruchtige Longgan-Note ist es in ihm ebenfalls zu finden. Wenn man ihn nicht als einen Jade-oolong bezeichnen würde, wäre er ein interessanter Oolong mit seinem eigenen Name. Ich nehme an, dass er ein Guanyin Teebaum ist. Ein charaktervoller Oolong. Dagegen ist der Oolong aus Hubei nicht auffallend.

Die drei Oolongs duften selbst wenn die Blätter kalt wurden.

Ich denke, dass es viele bekannte interessante Oolongsorten in Fujian gibt. Wenn Teebauer in Fujian sich bemühen, ihre vorhandene geschichtsreiche Oolongs richtig und „einfach“ nach ihrer Tradition zu produzieren, könnte ihr Tee welt berühmt bleiben! Wozu stellen Teebauer in Fujian einen modischen Oolong wie „Jadeoolong“ her, der erst 20 Jahre Geschichte hat? Aber ein richtiger einfach guter Tie Guanyin, ein richtig guter Huang Jin Gui oder Buddha Hand aus originaler Herkunft Fujian zu finden ist es schwerer als auf den Mond zu laden!!

Ich bin trotzdem sehr berührt von Stefan und seinem Kollege in fernem Norden, wie sie einfach als Teeliebhaber in Deutschland mit Tee auseinandersetzen und die Kunst des Tees pflegen. Ich danke ihnen!

Bedeutung des Hongpei 烘碚(Röstungsprozess) beim Oolong

Gestern habe ich über einen Jadeoolong geschrieben, der zwar aus 2006 stammt, aber bereits nach-fermentiert wurde. Dass dieser Tee nicht lagerfähig ist, hängt es mit dem mangelnden Röstungsprozess (im Chinesisch Hongpei) und das ist ein populäres Problem bei heutigem Oolong, der immer grüner wird.

Ein Oolong, der je nach Gattung einen richtigen gattunggerechten Röstungsporzess durch macht, bekommt einen schmeichenden Geschmack, leicht lieblich und fruchtig und schenkt uns ein unglaubliches Duft-Erlebnisse – blumig, fruchtig, honigartig. Die Röstung stabilisiert einen Oolong, so dass er lagerfähig ist und das feucht warme Klima im Südchina und Taiwan durchstehen kann – bis die nächste Ernte wieder da ist.

So war es früher. Heute ist der grüne Oolong am kommen! Wer würde noch ein gerösteter Oolong verkaufen? Der dunkler aussieht und nicht so „erfrischender“ schmeckt? Das beste Beispiel von dieser Entwicklung und der „Eisene Göttin“ – Tie Guanyin, einstiger brauner Oolong ist heute grüner als alle andere Oolongs. Ich denke manchmal, wie sieht die Göttin heute aus – mit ihrem eisenen Gesicht, wenn sie die Entwicklung der wirtschaftlichen Dominanz beobachtet?

Ausserdem können die meisten Teeläden Taiwans nicht mehr selbst Tee rösten. In der alten Zeit war die Röstung die wichtige Aufgabe eines Teemeister in einem Laden, der je nach dem Geschmack seines persönlichen Stils und Vorliebe seiner Kundschaft eine eigene Note durch Röstung verliehen hat. Nun verkauft meiste Teeshops in Taiwan einfach den Tee weiter, der streng gesagt – nicht „vollständig“ verarbeitet wird. Traditionelle Arbeitsverteilung zwischen dem Teebauer und Läden wird heute nicht mehr beachtet. Welche Shops in Taiwan röstet überhaupt noch selbst? Alle glauben an Vaaaakum-Verpackung!! Was machst Du, wenn Du doch die Verpackung aufmachen muss und den Tee stehen lässt…? Was machst Du als ein Teehändler, der Tee verkauft?

Der Oolong, der nach Europa exportiert wird, wird dagegen geröstet – richtig. Leider unterliegt solcher Oolong immer „Probleme des grünen Oolong Trends“.

Der Jadeoolong, der im Aufguss nicht richtig enfalten kann – im Vergleich mit dem anderen, hat Herstellungsfehler, der beim Ruhen- Fermentation (Da Lang- ein Fachbegriff in Chinesisch) stattfindet.

Je mehr ein Konsument über Probleme des heutigen Entwicklung bewusst ist, desto einfacher könnte ein Oolong wieder wie ein „stabiler“ Oolong sein! Wir wollen einen richtig „stabilen“ Oolong, nicht ein „Eintagflieger“!

Degustation zwei Jadeoolong aus Mingjian

Ich habe einen Jadeoolong aus Mingjian erhalten und man bat mich ihn zu probieren. Es wurde gesagt, dass dieser Tee einwenig seltem sei. Mit einem anderen Jadeoolong, den ich vor einem Monat habe, habe ich zusammen degustiert

Dieser Jadeoolong, den ich zugeschickt bekomme, sieht man im Bild rechts und ich bezeichne ihn als A. Den Jade Oolong von mir sieht man im Bild links und ist B.

A schmeckt wirklich seltsam. Ja, mit Fremdgeruch und ist nach fermentiert. Leicht sauer, grassig und unrein. Dagegen duftet der Jadeoolong typisch nach diesem Tee und der Aufguss fein und rein. Von der Farbe des Aufguss sieht man, dass die beiden Jadeoolong beim Welken und Erhitzen gut verarbeitet war. Klare Farbe und nicht trüb. Der A hat fester gerollte Blätter als von B. Der geht nicht wirklich auf im Aufguss, obwohl die Röstungsduft nicht mehr zu finden war – wegen der Nachfermentation. Das Problem liegt wohl an der Fermentation und spätere Röstung, die die Stabilität eines Oolongs entscheidet?

Warum findet bei diesem Jahrgangs-Jadeoolong A schon die Nachfermentation statt? Weil dieser Tee schlecht gelagert war? Ich würde sagen, dass dieser Tee nicht ganz korrekt verarbeitet war, weil korrekt verarbeiteter Tee hält auch kurze schlechte Lagerung aus und der Nachfermentationsgeschmack bei einem richtig verarbeiteten Tee kommt anders raus und hat andere Note, als diese unangenehme „Fremdgeschmack“!

 

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ein alter Oolong, eine alte Freundschaft

Ich hatte viel zu erledigen bevor der Zug abfuhr. In dieser eiligen Stimmung, in diesem nassen und kalten Wetter goss ich unbewusst einen Dongding Jahrgang 1981 auf.

Für einen Kunden aus fernem Norden musste ich Tee bemustern, bevor das Postamt um 12 Uhr schloss. Jonny Holiday sang in der Luft leidenschaftlich und traurig von „Oh Marie“. Teedosen standen überall herum im Raum - auf Tatami, auf dem Tisch, auf dem Stuhl oder irgendwo, wo ich es nicht mehr finden werde.

Ich bin zu langsam, zu unübersichtlich und zu chaotisch. „Warum hast Du gestern so viel Champagner bei Ali getrunken?“ Echter Champagner ist mein Lieblingsgetränk außer dem Tee.

Die Autos rasten draußen vorbei, mein Herz konnte nicht schneller schlagen und in diesem Moment kam sie.

Sie war blas und klagte sich ebenfalls über den Champagner. Sie saß am Tisch und schaute mich Tee packen zu. Meine Hände bewegten ununterbrochen und mein Kopf drehte sich weiter um den Tee. Sie erzählte unauffällig und langsam von der Freundin ihrer Mutter, die nur Bi Luochun kiloweise trinkt. „Ich glaube, dass mein Vater mit ihr ein Verhältnis hat.“ ganz ruhig fuhr sie weiter fort “ Meine Mutter reagierte nur aggressiv über sie, sagte aber nie etwas.“ Ich reagierte nicht auf sie. Weil sie zu ruhig erzählte? “ Mein Vater hat sie immer getroffen. Sie ist jung und schön und meine Mutter ist veraltet und krank…“ Ach, liebe Freundin, warum erzählst Du so unauffällig und ruhig über den Stein Deines Herzen? Ich ging schweigend schnell in die Küche und trank ein Schluck den Dongding 1981. Ein alter Tee, der sich mit der Zeit reift, verändert und vielfältiger wird. So ein gelagerter Oolong schmeckt wie eine reife Pflaume kurz vor Platzen: süß, sauer und fruchtig wie es nicht mehr geht.

Heute schmecke ich die Säure nicht.

Ich kenne sie seit mehr als zehn Jahren. Eigentlich werden wir nie Freundinnen. Sie kommt aus einem gut bürgerlichen Haus mit entsprechendem Habitus, während ich eher ein gescheiterter Revoluzzer war. Wir erlebten ähnliches Schicksal, das uns zueinander fuhr. In der dunkelsten Zeit meines Lebens brachte sie mir das Licht. Aber ich kam mit ihrem bürgerlichen Habitus nicht klar, habe Mühe mit ihrer immer gepflegten fröhlichen Fassade. Ich spürte in ihr eine Mauer, die das zerbrechliche Ich schützte und gleichzeitig behinderte. Sie kann ihre Probleme nicht artikulieren, außer dass ich sie rüttele. Trotz meiner Konfrontation mit ihr und meiner unverholfenen direkten Art pflegte sie eine Freundschaft zu mir, weil „ich habe Dich einfach gerne.“ Ich habe Dich einfach gerne…

 

Wie schmeckt ein alter Tee? Wie schmeckt eine alte Freundschaft? Einmal fragte mich Herr Reichmuth, wie kann man sicher sein, dass dieser Oolong so alt ist? Gestern stellte mir ebenfalls Herr Kolodziej diese Frage. Ein alter Oolong schmeckt geschmeidig wie Seide, wenn er ein guter stabiler Tee war und gut gelagert ist. Kurz vor Verkauf wird er noch einmal aufgefrischt, aber nicht zu stark geröstet, so dass sein typischer Pflaumen-Geschmack zum Ausdruck kommt. Wenn er zu stark nach Feuer schmeckt, ist zu lang nach geröstet. Wenn seine dunklen Blätter nicht richtig im Aufguss entfalten können, ist er zu oft und zu lang geröstet – er ist tot. Wenn er diesen typischen Pflaumen-Geschmack nicht aufweist und nicht geschmeidig schmeckt, ist er kein gelagerter Oolong!

Ein grüner Oolong in heutiger Form, die zu jung gepflückt, zu wenig fermentiert und kaum geröstet, ist unstabil. Dieser Tee kann man nicht lagern. Das ist ähnlich wie mit dem Leben und Menschen. Wenn man selbst den Boden aufgebaut hat, wird man stabil, weiser und mental stark. Eine Freundschaft, die stabil und einfach ist, schmeckt wie ein alter lebendiger Dongding, der leicht süß, leicht sauer. Und er reift noch weiter…

Fancy Oolong 番庄烏龍茶 und Oriental Beauty 東方美人

Vor paar Wochen war ich zufällig in einem Internetshop, wo Fancy Oolong Oriental Beauty verkauft – stolzen Preis 48 € für 100g.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Fancy Oolong gibt es eigentlich nicht auf Chinesisch. Dieser Tee wurde immer für Exportmarkt bestimmt und nicht auf der Insel „genossen“. Heutzutage bezeichnet man diesen Tee, der im Sommer geerntet wird und von Insekten befallen sein muss, als Baihao Oolong 白毫烏龍. Die beste Qualität dieses Oolong ist „Oriental Beauty“.

Ist Fancy Oolong ein günstiger Oriental Beauty?

Ich fragte meinen Teebauer in Sanxia, wo inzwischen Baihao Oolong verkauft, ob er mich beantworten kann. Er produziert diesen Oolong seit paar Jahren, nachdem der hochwertige Bi Luochun geerntet wird und der Sommertee nicht ganz hochwertig und von Insekten massenhaft befallen ist. Er kennt Fancy Oolong nicht. Sanxia ist auch kein originales Anbaugebiet für Fancy Oolong und Oriental Beauty. Sein Teegarten sind auch nicht von den geeigneten Oolongbaum für Oriental Beauty. Aber sein Tee schmeckt hervorragend – wie ein wunderbarer Fancy!

Vor paar Tagen rief ich einen anderen Teebauer in Miaoli an, wo originales Anbaugebiet für diesen hochwertigen Tee ist und der Teebauer ausgezeichneten Oriental Beauty produziert. Ich erzählte ihn, dass ich gerade für viele Klienten hochwertigen Fancy Oolong suche und der Markt in Europa ziemlich orientierungslos ist. Man versteht einfach nicht mehr, was Fancy Oolong ist, weil man auch irgendwo nachlesen kann.

Teebauer Hsu lachte und erzählte mir, wie er von Fancy Oolong und Oriental Beauty versteht. Fancy Oolong ist für ihn ein Tee, entweder anfangs Mai oder in Juli produziert wird. Ein Tee, der nicht so stark von einer speziellen Insektsorte befallen und meistens maschinell hergestellt wird. Diese Insekten (auf Chinesisch Xiaolü Yeichan) haben Mühe mit richtiger Hitze und verstecken sich – wie Menschen – unter den Bäumen und unternehmen nichts (nicht mal Teebäume befallen). Nur in einer feuchten warmen windlosen Klima zwischen 25 – 28 Grade fühlen sie sich wohl. Das ist gerade in Miaoli / Taiwan anfangs Juni. Sie vermehren sich und befallen die Teetriebe. Wenn der Teegarten stark befallen ist, schmeckt dieser Tee durch speziellen Verfahren honigsüss und duftend wunderbar fruchtig. Der ausgeprägte fruchtige Geschmack fehlt, wenn der Garten nicht stark befallen wird oder der Teegarten andere Teebaumsorten hat. Richtiger Teebaum (Qingxin Dapong), richtige Insektenmenge und richtiger Herstellungsprozess schaffen diesen charmanten unverwechselbaren Oriental Beauty. Hochwertiger Fancy Oolong wird noch mit Händen gepflückt und verarbeitet. Normaler Fancy Oolong ist ein industrielles Produkt. In der Regel wird Fancy Oolong von verschiedenen Ernte und verschiedener Qualitäten gemischt. Selten wird Jahrgangsfancy und sortenrein in Europa angeboten.

Ist Fancy Oolong Oriental Beauty? Nein. Man kann eigentlich „Beerenauslese“ nicht mit „Eiswein“ verwechseln, oder?

Oder besser gesagt: ein Oriental Beauty ist ein „super“ Fancy Oolong, aber ein Fancy Oolong ist kein Oriental Beauty!

Was ist ein gelagerter Oolong?

Vergleich zwei gelagerten Oolongs

Oben: Aufguss von Dongding Jahrgang 1981 mit aufgegossenen offenen Blätter; unten Aufguss von Ban Tianyao 1993 mit aufgegossenen Blätter. 

Teefreund Gerhard hat mir einen gelagerten Oolong aus Wuyishan 武夷山 geschickt. Dieser Tee heißt Ban Tianyao 半天妖 ein sehr berühmter Yancha!

Heute goss ich ihn mit Freude auf und war sehr gespannt auf einen Yancha von 1993!

Der Tee duftet sehr stark nach dem Feuer, als ich die Tüte öffnete. Der Röstungsduft ist sehr dominant, so dass ich den Tee selbst kaum wahrnehmen kann. Der Tee wurde aufgegossen und der Aufguss war recht dunkel. Der frisch zubereitete Yancha duftet leicht säuerlich – ja, ein Merkmal eines gelagerten Oolong. Jedoch ist der Duft dominiert von der Röstungsnote. Der Ausguss schmeckt leicht geschmeidig und stark nach der Röstung – malzig, schwer. Der Abgang kam mir ziemlich heftig vor: er wirkt zusammenziehend und trocknet mein Hals sehr stark – so dass mein Hals in nächsten paar Stunden wie verbrannt wäre.

Ich konnte es mir nicht vorstellen – ein Yancha von 1993? Wie sollte ein gelagerter Oolong sein?

Sofort holte ich einen Dongding Oolong 凍頂烏龍 Jahrgang 1981. Diesen Tee erhielt ich vor einem Monat von Teataster Chen. Er wurde ebenfalls aufgefrischt. Nun schmeckt die Nuance der Röstung nur noch sehr schwach und andere Noten kommen zur Geltung. Der frische Duft, der nach Pflaumen duftet, die kurz vor der Reifung platzt – lieblich, säuerlich und süß. Der Aufguss schmeckte sehr geschmeidig, balsamierte mein Hals und die Würze aromatisierten den Mund! Ein Tee, der gereift wurde und immer noch weiter reift, könnte einen frischen Tee zu einer reifen Frucht verwandeln.

Ein gut gelagerter Oolong schmeckt lebendig. Aufgrund seiner speziellen halben Fermentation schmeckt ein gelagerter Oolong nach einem Pflaumen, der kurz vor der Reifung platzt! Säuerlich und süß! Der Aufguss schmeckt sanft und geschmeidig aufgrund der guten Lagerung. Der Abgang ist wohltuend! Die aufgegossenen Blätter sind vollständig aufgegangen, elastisch und stark – nicht verkohlt, auch nicht grün.

Man kann selbst Oolong lagern – dieser Tee verändert sich auf einer sehr interessanter Art und Weise – wegen seiner speziellen Fermentation. Manche Teebauer erfrischen gelagerten Oolong jedes Jahr, weil die Feuchtigkeit in Taiwan den Tee schaden könnte. Dadurch werden die Blätter verkohlt und der Tee ist praktisch wie tot! Manche Teebauer erfrischen den Tee, bevor sie ihn verkaufen. Die erfrischende Röstung schmeckt zwar anfangs stark, aber schwächt nach paar Wochen. Der Tee bleibt lebendig und die erlebnisreiche und genussvolle Duftnote und Geschmack kommen wunderbar zur Geltung!

Hast Du auch Oolong daheim, der Dir zuerst nicht schmeckt? Versuch´ ihn doch zu lagern. In fünf Jahren zeigt er Dir eine Überraschung!