Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Gesellige Teegesellschaft

Gesellige Teegesellschaft

Ich kannte Suzanne aus dem Blog. Obwohl wir uns nur einmal getroffen haben, war sie mir nah. Obwohl wir uns monaten nicht gesehen haben, befand keine Zeitverschiebung zwischen uns. Wir brauchten small Talk nicht.

Den Thomas kannte ich gar nicht. Als er am jenen Samstagabend verspätet in den Lotus Garden hinein spazierte, sah ich zum ersten den großen Gestalt aus dem Emmental. Sein Teeladen – der schwer auszusprechende „Teegärtli“ war mir ein Fremdwort.

Anjte ist meine Schicksalsschwester. Sie ist blond und sportlich – ich bin dunkel und ein Stubenhocker. Wir sind auf irgendeine Art verbunden – wegen Tee?

Es gibt keinen Zufall, weshalb Menschen zueinander finden. Woher sollte der Thomas wissen, dass er sein Auto ausgerechnet in der Nähe meiner Wohnung parkte? Wie konnte er wissen, als er seinen Zug verpasste und sein Auto nahm, was auf ihm zukommt?

Meine kleine Wohnung beschenkte die vier Tee-Menschen eine geruhsame Nacht. Zum Frühstück wurde bereits diskutiert, was für Degustationsrunde aufgegossen wurde. Suzanne war gut vorbereitet und brachte mir verschiedene Teeproben. Wir fingen mit Tie Guanyin an.

Tie Guanyin aus Fujian – geneue Ortangabe fehlt; Tie Guanyin aus Anxi, Fujian; Tie Guanyin Hochland aus Taizhong (Taiwan).

Der Fujian Tie Guanyin ist sehr grün. Er duftete sofort. Bezaubernd und belebend! Der Anxi-Tie Guanyin ist im Vergleich wie brauner. Er hat goldene Farbe im Aufguss. Seine Duft war dezent, aromatisch und anhaltend. Der Hochland Tie Guanyin hat eine ganz spezielle Note – Hochlandsqi. Die aufgegossenen Blätter von Suzanne aus Strassbourg mitgebrachten Tie Guanyin waren klumpig. Warum? Ich versuchte es zu verdeutlichen: das ist ein Fehler aus dem Prozess von Formen. Wenn man bereits erhitzten Oolongblätter formt, muss man ständig die Blätter zu einem Kugel zubinden und wieder öffnen und lockern. Wenn dieser Prozess fehlerhaft und unaufmerksam durchgezogen wird, entsteht solche Klumpen, die im Aufguss erst langsam aufgeht und den Geschmack beeinflüssen könnten.

Obwohl dieser grüne Fujian Tie Guanyin sehr grün ist, war der grasige Geschmack erst bei zweitem Aufguss zu merken. Sein Duft ist wirklich hervorragend. Leider nicht anhaltend. Trotzdem findet dieser Tee bestimmt viele Teeliebhaber. Der Anxi-Tie Guanyin ist dagegen sehr solide. Ein feiner Oolong, aromatisch, stabil und beglückend.

Wir sprachen nicht nur von Tee, auch vom Geist des Tees. Wir philosophierten und klatschten. Autorität? Brauchen wir im Tee auch Autorität, die uns sagte, was ein guter Tee ist? Thomas seufzte, „Nein. Die wirkliche Autorität steht vor uns.“ Er deutet auf die degustierten Teeaufgussen. Die Sprache des Tees zu verstehen, zu erlernen und zu erleben kann man nicht mit Intellekt, sondern mit Körper. Den Geschmack, den Duft werden in unserem Körper und im Großhirn gespeichert – anstatt im Denken…

Nach vier Degustationsrunde – inzwischen waren Jadeoolong, Dongding Original, Paochung, Buddha Hand, Fenghuang Dancong, Sencha Unsui etc. aufgegossen. “Mir kommt es vor, als ob ich Anfänger wäre…“ sagte Thomas friedlich. Er führte seinen Teegärtli seit zehn Jahren. „Ich habe das Gefühl, dass ich eigentlich gar nichts wisse.“ Vor 4 Jahren hat mir ein angesehender Teeexpert in der Schweiz das gleiche gesagt. Diese Äußerung erweckte in mir ein großes Respekt vor diesen Menschen. Menschen, die sich wirklich mit Tee beschäftigen, ehrlich und offen, sind in der Lage, die Welt des Tees - so wie sie ist, zu erfahren. Das erfordert eine mentale Größe. Thomas war glücklich, als er diese Äußerung gab. Er spürte keinen Mangel, sondern eine Entdeckung einer neuen unbekannten Welt!

„Und Du?“ ich fragte mich selbst, wie oft bis Du ins Reinfall gefallen? Wie oft hast Du Dich geirrt? Ich liebe Tee zuzubereiten, sei es japanische Art in Urasenke-Stil oder Kungfu-Art. Jedesmal, wenn ich den Tee aufgiesse, weiß ich, was für Fehler ich wieder gemacht habe. Der Lernprozeß geht nie zu Ende und es gibt keine Freeway dort hin…

Der Abend des Mondfinsternis am 3. 3. 2007

Der Abend des Mondfinsternis am 3. 3. 2007

Am den Tag, als das Mondfinsternis stattfand, war die Feier des Latenenfestes vom Teeclub Suisse. Ursprünglich waren nur 35 Teilnehmer zulässig, es wurde allerdings 45 Anwesend.

Der Impuls kam vom Dr. Wang Shi-Rong, der taiwanesische Botschafter aus Taiwan für die Schweiz. Er möchte die Teekultur in der Schweiz fördern. Er möchte den Freude des Tees aus der taiwanesischen Tradition in der Schweiz verbreiten und die Teekultur in ihrer Vielfalt zum Ausdruck kommen lassen. Dieser Abend war nur die Eröffnung dieser Vision. Wir freuen uns auf die weiteren Veranstaltungen und Programmen!

Die schweizer Pünktlichkeit funktionierte. Vor 19 Uhr stand eine ganze Menge Damen und Herrn vor der Tür. Mehr als angemeldete Gäste trafen ein. Der taiwanesisch gastfreundliche Wirt vom Lotus Garden an der Waffenplatz-Strasse beschenkte uns chinesische Samosa – Jiali Jiao! Alle standen und warten, wann fängt es eigentlich an?

Ich würde eingeladen einen Vortrag über die Entwicklung des Formosa Oolongs zu halten – siehe den Beitrag von gestern. Die Geschichte des Formosa Oolongs widerspiegelt zugleich der kolonialen Geschichte Formosas. Ohne politische Färbung und sentimentale Nuance bemühte ich mich, die Etappe der Entwicklung dieses weltberühmten Tees darzustellen, wie eng die Weltgeschichte, der Tee und die Menschen miteinander verknüpft sind! Die Rolle des Tee als das Medium, Menschen miteinander zu verbinden war der Zauber dieses Abends! Nach dem Vortrag war es stil. Das hat mich ein wenig irritiert. Keine Frage tauchte auf. Alle waren wie in Trance. Eine seltene und aufregende Atmosphäre…

Eine Quiz-Show wurde veranstaltet. Jürg, der amtierte Präsident des Clubs moderierte und war in bester Stimmung. Er und Herr Botschafter waren bereits von den rötlichen spanischen Edeltropfen in den siebten Himmel verführt. Herr Botschafter zog seine Krawatte aus, während Jürg mit seinem goldenen Drachen-Anzug zwischen allen Tischen tanzten! Auf dem irdischen Boden schwankte er fröhlich und vergaß, wie er aus dem Paradies verbannt wurde. Alle lachten, genossen den Lishan-Hochland und Oriental Beauty aus Xinzhu, bekamen Geschenke, wenn sie richtige Antwort tippten!

Der so genannte Papst der internationalen Glücksforschung Mihaly Csikszentmihalyi, hat als das Wesen des Glücks so definiert:

ein herrliches Gefühl des Fließens und Strömens, das sich einstellt, wenn der Mensch konzentriert, im Einklang mit sich selbst und in Harmonie mit anderen und der Umwelt erfolgreich eine Aufgabe bewältigt und völlig in dieser Tätigkeit aufgeht.

Das Glück strömte im Raum auf dem Lotus Garden. Ein herrliches Gefühl, das durch das einfache harmonischen Zusammenseins entstand. Keine Kalkulation, keine inszenierte Selbstdarstellung und keine Profit-Denken. Alle arbeiteten für die paar schönen Stunden des Zusammenseins, damit alle Teilnehmer etwas von Tee nach Hause mitnehmen könnten!

 

Es war so schön, dass der Wirt uns nicht rausschmeißen wollte und mir eine gute Tasse KAFFEE anbot. Jürg und andere Teefreunden tranken Bier und diskutierten über die Welt um den Tee. Es wurde so spät und wir waren so glücklich.

 

3.3.2007

Das Foto: der Festabend am 3.3.2007 auf dem Lotus Garden. Fotografiert von Claudia Meier.

Das andere Foto vom Mond ist von Suzanne. Sie reiste extra aus Strassbourg nach Zürich. Eine Offebarung von „Tee verbindet Menschen!“

1869 wurde der Formosa Oolong weltbrühmt

1869 wurde der Formosa Oolong weltberühmt. Seitdem ist der Formosa Oolong ein Symbol für hoch qualitativen Tee und eine traditionsreiche Teekultur. Was ist eigentlich Formosa? Heute ist Formosa ein historischer Begriff für eine kleine Insel im Pazifik. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Formosa der Name dieser Insel. Als 1545 die müden portugiesischen Seefahrer an dieser Insel vorbei fuhren, entzückte sie die Schönheit dieser Insel. “ Ilha Formosa!“. In der europäischen Geschichte wurde Formosa von Portugiesen entdeckt, obwohl Piraten und Ureinwohner mit polynesischer Herkunft diese Insel schon längst bewohnten. Sie hatten allerdings keine Ambition, diese Insel ganz zu erobern und zu besetzen. 1624 beanspruchten Holländer die Insel für sich. Zwei Jahre später versuchten Spanier ebenfalls ihr Glück auf dieser Insel. Beide fremden Herrscher bekämpften sich gegenseitig auf dieser Insel. China war damals nicht interessiert für diesen wilden barbarischen Ort. Nach 16 Jahren Kampf gegen die Holländer verloren die Spanier ihre Machtstellung auf Taiwan. Es wurde gesagt, dass Holländer den Tee von wilden Teebäumen von Formosa nach Europa exportierten.

Aber der Mann, der Formosa Tea auf den Weltmarkt brachte, war ein Engländer! John Dodd erkannte den Weltstar in einem unbekannten und im OEM Produkt verschwundenen Formosa Tee. Er brachte Teesetzlinge aus Anxi, verteilte sie an Teebauenr und gab ihnen Kredit. Für die Ernte holte er Teemaker aus Anxi und ließ den geernteten rohen Tee zum ersten Mal in Taiwan zu Ende produzieren. 1869 war es so weit. Er exportierte den Tee in die USA und vermarktete ihn als „Formosa Oolong Tea“! Es war ein glanzvoller Auftritt für diese Neulinge! Zu dieser Zeit war der China Tea immer mehr in Verruf geraten. Schlechte Qualität, gefärbter Tee und Unzuverlässigkeit gefährden den Ruf des chinesischen Tees. Formosa Oolong Tea ergriff diese Chance und wurde zum Weltstar.

Der Tee, der als Formosa Oolong Tea in die neue Welt kam, war der so genannte Fancy Oolong. Die beste Qualität dieses Tees ist der „Oriental Beauty“! Fancy Oolong bedeutet auf Taiwanesisch etwas wie Oolong für Barbaren. Damals gab es in Taiwan gab es zwei verschiedene Vermarktungen: in die USA und nach Europa oder nach Südasien. Die Exporteure für Europa hießen Fanzhuang. Der Oolong heißt Fanzhuang Wulong Cha – der heutige Fancy Oolong.

Die Entstehung von Oriental Beauty ist ein Widerspiegelung der kolonialgeschichte Taiwans. Es handelte sich um ein interkulturelles Missverständnis zwischen einem Teebauern und John Dodd. Es wurde erzählt von einem jungen Teebauer, der sich seinem Schicksal nicht beugen wollte. Er ließ seine von Insekten befallene Teeernte stärker fermentieren. Er hatte vor, diesen Tee zu dem Barbar in Taipei zu bringen, der normalerweise Schwarztee einkaufte. John Dodd war sehr begeistert von diesem Tee. Er kaufte die ganze Ernte von dem jungen Bauern und bezahlte ihm einen sehr guten Preis! Der beglückte junge Bauer ging zurück ins Dorf und erzählte von seinem Glück. Seine Leute glaubten ihn nicht. Sie lachten über ihn und nannten ihn als einen Angeber. Dieser Tee heißt heute immer noch der Angeber Tee. Der Tee ging auf die Weltreise und wurde der englischen Königin bewundert. Sie gab ihm den Namen „Oriental Beauty“! Dieser Tee ist eine Eigenheit des Formosa Oolongs. Er braucht ein spezielles Klima, spezielle Teebäume und spezielle Insekten. Es gibt inzwischen viele Nachahmungen von chinesischen Oolongs, die allerdings nie den Geschmack und die Schönheit erreichen und kopieren könnten!

Ende 19. Jahrhunder waren die Japaner die neuen Herrscher nach Manzhulai. Sie waren nicht begeistert von der Konkurrenz-Fähigkeit des Formosa Oolongs und verwandelten den schwarzen Drachen zum Schwarztee! Aus Formosa Oolong wurde Formosa Black Tea! Der Formosa Black Tea wird bis heute produziert, zählt leider nicht als Spezialität. Er ist zu teuer um exportiert zu werden. Der frühere Black Tea Garden ist heute der Nachbar des Atomkraftwerks und der auf dem Binnenmarkt nicht beliebte Tee wird oft mehrmals geröstet und als Tie Guanyin verkauft…

Die Geschichte des Formosa Oolongs ist eine Geschichte des Kolonialismus. Nicht nur Holländer, Spanier, Franzose oder Japaner waren Herrscher dieser Insel. Chinesische Siedler waren neue Bewohner auf der Insel. Sie brachten ihre Lebensgewohnheit mit in die neue Heimat und pflanzten ihren Tee auf den neuen Boden! Im 18. Jahrhundert klärte Manzhulai Formosa zu seinem Territorium. Das Reich schickte seine Mandarine nach Formosa. Die Mandarinen brachten ihren Unentbehrbahren Tee mit und ihre Gefolgschaft versuchte Tee hier anzubauen. Der südlichste Teegarten in Taiwan ist der Augezeuge dieser Geschichte. In diesen Gärten wachsen Teebäume aus Teesamen anstatt aus Tee-Setzlingen. Seit Generationen baute diese Familie, die einst Berater eines Mandarins war, diesen Tee in Taiwan an. Der spezielle Geschmack dieses Tees liegt an dem mysteriösen Fön, der übers Meer weht. Jedes Jahr im November steigt der Nebel aus dem Meer und der Wind weht. Diese spezielle Bedingung verleiht dem Tee aus dieser Ernte eine unverwechselbare Jod-Note!

Nachdem Formosa zu einer Industrie-Nation aufgestiegen ist, ist Formosa Oolong eine Exklusivität geworden. Er ist zu teuer im Vergleich zum Indien Tee, Ceylon Tee oder China Tea. Der Tee war ein Export-Schlager in den letzten hundertfünfzig Jahren. Heute ist er ein begehrtes Inlandprodukt. Ein neues Status-Symbol in Taiwan, womit man sich zur Schaustellen kann. Einen teuren Tee zu trinken bedeutet heute in Taiwan einen sozialen Erfolg zu haben. Für diesen Zweck ist Hochland Oolong entstanden. Hochland Oolong war kein Produkt der Kolonialisierung, aber ein Phänomen der wirtschaftlichen Entwicklung. Er ist eine Antwort auf die Sehnsucht der taiwanesischen Selbstbehauptung. Früher war Tee reserviert für den Weltmarkt, für den Export. Tee war ein Luxusgut für die Einheimischen. Nun dürfen die Taiwanesen endlich auch in den Genuss des Tees kommen. Nach 120 Jahren als Tee-Produzent können Taiwanesen selbst den besten eigenen Tee trinken!

Hochland Oolong hat verschiedene Gesichter. Er ist ein hervorragender Tee, wenn er bei gutem Wetter geerntet und verarbeitet wird. Er ist eine wahre Köstlichkeit, wenn er richtig gepflückt und erzeugt wird. Er erinnert uns an die frische Luft des Berges, wenn er wirklich vom Hochland kommt! Das Hochlandsqi – die Energie des Hochlands ist das, was wir an diesem Tee begehren! Diese Bedingungen verraten uns ebenfalls die Schwierigkeit, einen wirklich guten Hochland Oolong zu finden! Er wird oft zu jung gepflückt und deswegen lässt man ihn zu kurz welken und fermentieren. Er wird oft im Nebel und an Regentagen gepflückt, weil die Wetterbedingungen im Gebirge nicht ideal für die Tee-Produktion sind. Er wird oft gefälscht, weil die kleine Menge von Hochland Oolong nicht die Nachfrage deckt!

 Seit mehr als 130 Jahren gehört der Formosa Oolong Tea zu den schönen Momenten im Leben vieler Menschen auf der ganzen Welt. Seine Entwicklung ist ein Teil der Weltgeschichte. Tee bereichert unseren Erfahrungshorizont nicht nur mit seinem Geschmack und Duft, sondern auch unser Wahrnehmungsvermögen. Formosa Oolong überquert den Ozean, um uns hier zu erreichen. Viele von uns überschreiten ebenfalls verschiedene räumliche und kulturelle Grenzen, um diesen gemeinsamen Abend miteinander zu verbringen. In diesem Sinne spielt der Formosa Oolong nicht nur eine Rolle als Genussmittel. Er ist viel mehr ein Ferment des kulturellen Austausches. Er ist ein Medium, verschiedene Menschen zu verbinden!

Ps. Nun verbindet Kaywa uns zum TEE! Kaywa hilft uns unsere räumlichen Grenze zu überschreiten, im Hier und Jetzt TEE zu widmen…

Laterne-Fest mit Tee!

Laterne-Fest mit Tee!

Am 3. 3. fand einen wunderschönen Abend in Zürich auf dem Lotus Garden (ein Restaurant geführt von einem Taiwanesern He) am Waffenplatzstrasse 1 statt. Viele bekannte und unbekannte Teefreunde waren beisammen! Sogar weit bereist aus Strassburg! Roger und Miriam waren ebenfalls anwesend! Ein Kaffee-Blog von Kaywa wurde am diesen Abend geboren!

Der Abend war so schön, dass viele Teefreunde nicht nach Hause gehen wollte. Drei sind noch bei mir zur Übernachtung geblieben! Heute haben wir nur Tees getrunken… Der Grund für diesen späten Bericht.

Gerne berichte ich mehr über diesen Abend. Zuerst möchte ich gerne den Vortrag mit allen Teefreunde teilen, die nicht anwesend waren! Siehe den nächsten Beitrag.

Das Foto: Herr Dr. Wang Shi-Rong, Taiwanesischer Botschafter für die Schweiz und ich am den Abend! Dieser Abend wurde von der taiwanesischen Botschaft freundlich unterstützt! 

Anxi 安溪 und Formosa Oolong

Meine Vorfahren kamen aus Anxi 安溪, Fujian. Seit paar Hunderjahren leben meine Familie in Taipei, Taiwan. Obwohl ich mich selbst schon lange als ein Taiwanese fühle, weiß ich ganz genau, wo meine Wurzel liegt. Der Formosa Oolong hat gleiche Wurzel in Anxi. Ohne Anxi, ohne seine Teemaker und ohne seine Know How wäre Formosa Oolong heute ein FTGFOP Klasse-Tee…

Anxi, ein Teeland, wo einst arm und rückständig war. Meiste Anxi-Einwohner wanderten aus diesem unfruchtbaren Gegend aus, weil nur Teebäume dort gedeihen, nicht das Grundnahrungsmittel – Reis. Ende 19. Jahrhundert kamen Anxi-Teemaker ab Frühling nach Taiwan, um Tee von John Dodd zu produzieren. Nach dem Herbsternte fuhren sie wieder nach Anxi zurück. Dort hatte sie ihre offizielle Familie und Stammbaum, die von dem Geld aus Taiwan ernährt und fortgepflanzt wurden. Sie waren Zugvögel des Tees. Meisten von Ihnen haben sowohl in Anxi als auch in Taiwan ein Nest, wo sie naben dem Tee Geborgenheit fanden.

Formosa war bekannt in China mit dem Spruch „Das Geld überflutet auf der Insel“. Man wußte, dass man mit Formosa Oolong reich werden konnte! Die fremde Anxi-Arbeiter überfluteten Taipei. Nicht alle fanden ihr Glück. Viele starben unglücklich auf dieser fremden Insel und fanden keine Heimat. 1883 verbot USA den Tee-Import aus China aufgrund seiner schlechten und gefälschten Qualität. Formosa Oolong wurde der einzige Star in der neuen Welt! Die Berühmtheit und Marktwachstum taten allerdings Formosa Oolong nicht gut. Ende der 90er Jahren im 19. Jahrhundert erlebte Formosa Oolong das gleiche Schicksal!

Aus dieser Krise ist ein Teebauer/Händler-Verband – eine Selbsthilfe und Selbst-Kontrolle Organisation entstanden. Cha Jiao Yong He Xing sollte dafür sorgen, dass das Vertrauen der ausländischen Händler wieder gewonnen werden mußte, dass Konflikte zwischen verschiedenen Teehändler friedlich verlaufen konnten, und dass Teemaker aus Anxi eine Nothilfe für Kranheiten oder Notfälle erhalten konnte. Damals war es bereits „normal“ und „bekannt“, dass Formosa Oolong oft mit China Oolong gemischt wurde. Manchmal wurde China Oolong als Formosa Oolong deklariert.

Anxi-Teemaker haben den Ruf des Formosa Oolong ermöglicht. Sie brachten nicht nur ihre Teesetzlinge, ihr Know How, sondern auch ihre Religion. Mazu 媽祖 (eine taoistische Göttin) begleitete und beschützten Anxi-Einwanderer die gefährliche Taiwanstrasse zu passieren. Sie begleitet die wegen Tee ihre Heimat verlassenden Menschen, auf Formosa neue Wurzel für Tee und für ihre Familie einzuschlagen. Bis heute begleitet sie immer noch die Entwicklung des Formosa Oolong, während die Teemaker aus Anxi bereits Geschichte waren und Formosa Oolong seine eigene Geschichte schreibt.

MazuMazu begleitet noch den Formosa Oolong im Büro des Teehändler-Verband Taipei.

 

Formosa Oolong Tea

Das portugiesische Wort „Formosa“ ist eng verknüpft mit dem Schicksal dieses kleinen Inselstaaten – Taiwan. Taiwan, dessen Name von der Ureinwohner-Sprache des Insels stammte, ersetzte das Wort Formosa erst in letztem Jahrhundert in der Weltkarte. Bis dahin hieß diese Insel „Formosa“ und dessen Tee weltbekannt als „Formosa Oolong Tea“.

 

Diese kleine grüne Insel, allein in Ozean lag, erweckte müde vorbei segelnde portugiesische Seemänner mit ihrer Natürliche Schönheit: „Ilha Formosa“! 1545 „entdeckten“ Portugiese die Insel „Formosa“, während Piraten und Ureinwohner, dessen Ursprung Polynesien Herkunft stammt, bereits seit Hundertenjahren auf der Insel aufhielten. Formosa gehörte niemanden und war bewohnt von Menschen, die nie Anspruch hatten auf eine alleine Herrschaft auf der Insel.

 

1624 behaupteten Holländer als der erste neue Herrscher der Insel zu sein. Sie brauchten die Insel als einen Stützepunkt für ihren Handel mit China und Japan. Aus Formosa wurde Tee von dem neuen Herrscher nach Europa exportiert – das war nicht aus dem systematisch angebauten Teegarten, sondern aus der wilden Pflückung. 1626 realisierten Spanier ihren Plan ihre Kolonie auf Philippines zu erweitern. Sie eroberten Nord-Formosa. Dort bauten Sie Festungen „St. Salvador“ und „St. Santiago“ an der Küste im Pazifik. Beide koloniale Mächte bekriegten gegeneinander auf einer wilden fremden Insel namens Formosa. Beide wollten der alleine Herrscher sein. Beide waren fremde Eindringlinge. Damals war das große Reich China nie interessiert für diese winzige wilde Insel. Die Spanier verloren den Kampf. Ihre Festung bleibt jedoch bis heute und wurde als „Rot-Haarige Burg“ (Hongmao Cheng) – Burg der rothaarigen Barbaren bezeichnet. (Meine nicht brav liegenden Haare wurden von meiner Großmutter oft als „barbarisch“ wie die Rothaarigen kategorisiert.)

 

1662 verlor Holländer den Kampf gegen den vor Manzhou fliehenden Ming-General Zhu und mussten aus Taiwan zurückziehen. In dem gleichen Moment erlebte die damalige Seemacht Hollands weltweite Rückschläge. Seit dem Einzug der chinesischen militärischen Macht wurde Formosa immer mehr von Chinesen besiedelt. 1810 fing der Tee-Anbau von den chinesischen Siedlern in Taiwan an. Es war in Ruifan und Shiding.

 

Damals wurde Tee in Taiwan nur bis zur ersten Trocknung produziert. Der „rohe“ Tee wurde nach Fuzhou verschifftet und dort weiter verarbeitet, um die Qualität zu stabilisieren und zu verfeinern. Der Formosa Oolong wurde anschließend weiter verkauft – unter dem chinesischen Tee, ohne das eigene Gesicht – als OEM-Produkt.

Der erste Mensch, der an die Entwicklungspotenzial des Formosa Oolong als ein eigenständiger Tee glaubte, war ironischerweise ein Engländer. Geschäftsmann Dodd ließ den Formosa Tee vor Ort produzieren. Er holte Teemaker und Teesetzlinge aus Anxi nach Taiwan und bot Teebauer Kredit an. In Sanxia wurde neue Teegarten von Dodd unterstützt aufgebaut und der Traum eines Formosa Oolong Tees wurde wahr. 1869 wurde der Tee aus Formosa unter dem Name „Formosa Oolong Tea“ nach New York verschifftet und vermarktet. Es war ein Riesenerfolg! Dieser Oolong war der halbkugelige halbfermentierte Oolong, dessen Vorbild nach Anxi orientiert hergestellt wurde!

Formosa Oolong Tea ist seitdem auf dem Weltmarkt integriert und genieß seinen eigenständigen Status und seinen Weltruhm.

 

Nicht diese koloniale Vergangenheit, den Formosa Tea zum „Formosa Oolong Tea“ verhalf, sondern seine eigenständige Verfahren, um beste unverwechselbare Oolongs zu produzieren. Die politische Unabhängigkeit der Insel ermöglicht die eigene Entwicklung des Formosa Oolongs. Aber was macht ein Oolong aus, um „Formosa Oolong Tea“ zu sein?

 

Am 3. 3. 2007, in der Laternenfest möchte ich in Zürich im Lotus Garden, eingeladen von Teeclub Suisse, diese Thematik vorzutragen. Wer sich dafür interessiert, könnte sich bei Teeclub anmelden.

Suzannes Degustation zwei Tie Guanyin

Heute hat Suzanne mir einen Bericht von ihrer Degustation geschrieben:

Liebe Menglin,

heute habe ich mich entschlossen, mal wieder einen Teevergleich zu machen.

Und zwar habe ich mir 2 meiner Tie Guan Yin  vorgenommen – den einen,
von dem ich schon im Blog schrieb (der sehr grün ist, und etwas
Balsamisches hat!), und den von Stéphane, einen sehr stark gerösteten Tee.

Anbei erstmal die Bilder: man sieht, wie unterschiedlich die Tees sind.
Der dunkle ist schon beim ersten Aufguß ganz braun, das verstärkt sich
dann später noch mehr. Der Tabak- und Kohlegeschmack ist sehr präsent,
auch Karamel und kandierte Frucht (dennoch ist der Tabakgeschmack
dominant, ebenso wie der ein bisschen verkohlte Geschmack).

Der grüne Tie Guan Yin ist allerdings sehr vollmundig – mit dem modernen
Geschmack… aber nicht so adstringent wie manchmal dieser neue Tee.
Aber er schmeckt auch ein bisschen künstlich… ich weiss nicht, wie ich
es ausdrücken soll.

Der dunkle TGY ist, glaube ich, ein bisschen zu stark geröstet. Der
Geschmack der kandierten Frucht geht dabei etwas verloren… der grüne
TGY hat keinen rötlichen Rand, daher denke ich ist die Röstung nicht
ganz perfekt. Man merkt es auch im Geschmack und im Geruch.

Aber egal – beide Tees sind sehr interessant, da sie jeweils ein Extrem
des TGY darstellen. Sie schmecken beide gut, auch wenn sie vielleicht
nicht absolut perfekt sind (es ist ja auch immer Geschmackssache). Ich
persönlich hätte gern etwas mehr „kandierte Frucht“ und weniger
Tabakaroma im Tie Guan Yin.
Jedenfalls kann man viel über Tie Guan Yin an den beiden Tees lernen!

Schreib mir doch mal Deine Adresse in Zürich – dann kann ich Dir eine
kleine Probe senden! Ich wäre gespannt auf  Deine Beurteilung.

Dazu hat sie noch zwei Fotos zugeschickt. Durch das Foto könnten wir einige Merkmals beiden Tees erkennen. Siehe nächsten Beitrag.

Ich möchte mich herzlich bei Suzanne bedanken. Ohne Ihre Fotos hätte ich viele wichtige gesichtspunkte nicht erörtern können! Ich kann wirklich nicht so gut fotographieren wie sie. Darum sehen alle Fotos von entweder zu dunkel oder… gar nicht scharf.

Tie Guanyin

Tie Guanyin

Eigentlich war ich nicht ganz zufrieden mit der klassichen Degustier-Set. Der Tee kommt nicht wirklich zur Geltung.

Als ich ihn allein trank – mit meinem Gongfu-Set: Porzellankanne und Porzellan-aufgusskanne, war er entzückend! Eine Kombination von Tiefe und Eleganz, Leichtigkeit und Solide, bezaubernd und besinnend! Eine gelungene Kombination von Tie Guanyin – ein schwer gerösteter Oolong, und Hochlandstee – eigentlich eher leichte Fermentation. Er schmeckt leicht, aber ist solide produziert!

Ich bewundere diesen Teebauer in Taichung, der diesen unglaublich schönen Tee hervorgebracht hat! Er zeigt uns, dass Tee-Machen eben eine Kunst ist! Ebenfalls danke ich den Teehändler, der diesen Tee die Farbe verlieh – durch seine Kunst in der Röstung! Tee spricht für sich – mehr muss ich nicht dazu sagen. Voller Dankbarkeit trank ich diesen Tee und hoffe, dass diese Kunst nicht durch die kapitalistische Marktwirtschaft, Ideologie und Massenproduktion verloren geht! Eine Kunst braucht eben auch Kenner… Kenner kann es nur geben durch Bildung und Mut auszuprobieren.

Das Bild: Guanyin Statue in Ruifang, Taiwan.

Degustation von Tie guan yin

Degustation von Tie guan yin

Aus meiner letzten Heimreise brachte ich einen besonderen seltenen Hochland Tie Guanyin. Im November 2006 schnitt ich den vakuumierten Beutel und trank mit Kathrin und Gerhard zusammen. Damals fiel er nicht besonders auf und lag seitdem in der Vergessenheit im Schrank. Letzte Woche wurde er wieder fündig, aber ich konnte ihn nicht gleich entziffern, wer er ist. Nach dem Aufguss erinnerte er mich plötzlich an Tie Guanyin – aber eine besondere Note war nicht leicht zu erraten. Leicht, elegant und frisch… Ein Hochlandstee, der ein Tie Guanyin ist!

Heute goss ich zwei Tie Guanyin auf: aus Muzha und aus Hochland.

Die Farbe: der Aufguss von Muzha ist in einer fast Kastanien-Farbe; während der aus Hochland in einer goldenen gelblichen Farbe.

Die aufgegossenen Blätter: Blätter von Muzha sehen olivgrün aus mit einem schönen roten Rand. Sie sind stark, noch eher grollt und im Finger leicht gewellt – wirklich originale Tie Guanyin Baum. Blätter von Hochland: Blätter sehen grüner als die von Muzha aus, jedoch mit dem eindeutigen roten Rand – gelungene Fermentation. Blätter entfalten sich ziemlich gut – wenig geröstet als der andere und ebenfalls gelungen Röstung. Die Blätter fühlen sich ledrig und fleischig – ein wirklicher Hochlandstee! Im Finger spürte ich die Wellen am Blatt – ein wirklicher originaler Tie Guanyin Baum!

Der Aufguss:

Muzhsa Tie Guanyin schmeckte wirklich leicht nach Tabak – süss, voll und aromatisch. Er schmeckte auch nach einer reifen Frucht, aber vollmundig! Eine süsse, volle und eher schwere Art von Oolong, aber eine nach der Tradition verarbeitete hervorragende Tee! Dieser Tie Guanyin eignet sich sehr gut zum Lagern. Man kann ihn Jahr für Jahr probieren und eine Entwicklung feststellen – zugleich wohl auch eine Reise nach innen – wie man sich selbst auch verändert.

Hochland Tie Guanyin brauchte ebenfalls Zeit, um sich zu entfalten. Nach zwei Monaten ruhen kommt er erst zum Ausdruck. Das Phänomen habe ich oft beim vakuumierten Tee festgestellt. Direkt nach der Öffnung schmeckt der Tee fade und launisch. Erst nach paar Tagen, sogar Wochen lernen wir ihn kennen! Der Aufguss schmeckte sanft, mild und lieblich. Er hinterließ ein Hauch von Pfirsich auf dem Gaumen.

Nach einer Stunde trank ich noch einmal die beiden Tees. Sie schmeckten immer noch sehr gut. Einer tränkt mich in einem Bad voller „Tabak“ oder „Wald“; der andere beduftet meinen ganzen Gaumen und Sinnen…

 

Bild rechts: Muzha Tie Guanyin; links Hochland Tie Guanyin.

Winterernte oder Herbsternte

In Fujian ist die Herbsternte die letzte Ernte des Jahres. Diese Ernte genisst besonders Ansehen und Lob beim Teeliebhaber. “ Duft des Herbst“ sei der unverwechselbare Duft des Fujian Oolongs! Nach dieser Ernte ist es so zu sagen „Feierabend“ für Teebauer und sie bereiten sich für das kommende Neujahrfest vor.

In Taiwan lobt man zwar den Winterernte, aber gemeint ist es oft Herbsternte. In Lishan, Pinglin und Shiding wird die letzte Ernte des Jahres die Herbsternte im Oktober. Diese Ernte wird oft irrtümlicher Weise als Winterernte bezeichnet. In anderen Gebieten wird Tee erst im November gepflückt. Wobei sind die Ernte von vielen neuen Teesorten wie Sijichun, Jade und Jinxuan bereits im Oktober im Gang.

Im Winter wird der Tee im Süden noch einmal geerntet, wenn das Wetter mitspielt! Wenn es eine Prise Wärme nach Südtaiwan zieht, dann kann es eine sonderbare wirkliche Winter-Ernte „Dong Pian Zi“ entstehen!

Oolong duftet hervorragend bei Frühlingsernte, während die „Herbsternte“ schöneren aromatischen Aufguss anbietet.

Beim Grüntee schätzt man allerdings die Frühlingsernte. Die besten chinesischen Grüntees oder gelben Tees werden Ende März und Anfang April gepflückt! Dass man heute first Flush bei Darjeeling und Dianhong preist, ist meiner Meinung nach ein Irrtum! Im März und April… ist es viel zu kalt in den Bergen – keine gute Vorraussetzung für einen ausgezeichneten Schwarztee – in richtiger Temperatur richtig welken, ruhen und fermentieren lassen! Mit diesem grassigen Geschmack vom Schwarztee kann ich leider nicht anfreunden!