Der zukünftige Held

Serafino kam zuerst mit seiner Mutter.
Nun kommt er allein.
Ich, über 40.
Er, erst 12.
Ich, ein Ausländer aus fenen Osten.
Er, ein Schweizer aus Kreis 4, bei Primetower.
Dieser kleine Junge kommt immer mit einem schweren Rucksack und beklagt über Rückenschmerzen. Ich streiche kurz seinen Rücken und sagte, „ziehe deinen Bauch und Kien zusammen, Ohren über deinen Schulter wie ein Samurai.“
Samurai ist sein Vorbild und Asien ist im Moment sein Traumland. Ich weiss nicht, ob jeder Junge in dieser Stadt so träumt wie er. Aber Serafino ist besonders. So besonders wie Du und ich.
Er möchte Tee lernen. Und er erzählt gerne. Er erzählt mir was ihn so beschäftigt. Zum Beispiel über die Identität.
Er sagte, dass er Diskrimierung und Beschimpfung in der Schule erlebt, seitdem er öffentlich über seine jüdische Herkunft outet.
„Wie hast Du dann reagiert?“
„Nicht reagieren. Ich bin einfach stil geblieben.“
„Super! Weiss Du, wenn ein Hund Dich beisst, beisst Du den Hund eben auch nicht zurück.“
Er lachte.
„Und Diskrimierung – “ ich versuche ihm zu erklären, “ erleben wir immer im Leben, weil wir anders sind.“
Weil wir anders sind.
Wenn wir unsere Andersartigkeit leben wollen, brauchen wir nicht nur Erkenntnis, sondern auch Mut, anders zu sein.
Serafino fragte mich, warum ich hier nicht kaputte reparierte Schale verkaufen.
„Ich habe gehört, dass eine reparierte Teeschale in Japan sehr wertvoll ist.“
Sein Gesicht war ernst.
„weiss Du, warum wir eine reparierte Teeschale schätzen?“
Er schüttelte seinen Kopf.
„Man schätzt eine Teeschale, weil man eine natürliche Beziehung mit dieser Schale aufgebaut hat. Eine Beziehung, die natürlich entsteht. Deswegen lässt man eine Teeschale reparieren, weil man eine persönliche Beziehung zur Schale aufgebaut hat. Nicht weil man eine reparierte Teeschale schätzt. Verstehst Du?“
Seine Augen funken.
„Eine Teeschale ist schön, weil sie natürlich ist. Eine Freundschaft ist schön, weil sie natürlich entstanden ist. Dinge, die organisch entwickeln, entfaltet eine natürliche Schönheit. Das schätzen wir im Tee. „
„Natürliche Schönheit…“
„Ja, unsere Gesellschaft plädieren von Netzwerk. Aber im Tee pflegen wir natürliche Beziehung zu Teeschalen, zu Menschen und zu Tee. Kannst Du es verstehen?“
Er nickte seinen Kopf.
„Also, so wie Du und ich kennen gelernt haben. Ganz natürlich und braucht Zeit. Verstehst Du?“
„Ja. “ er fragte, „kann ich dann in meinen Zukunftstag von der Schule zu Ihnen kommen?“
„was ist Zukunftstag? Was muss ich machen?“
„Nichts. Ich möchte einfach zu Ihnen kommen anstatt zu meinem Vater oder zu meiner Mutter. Kann ich von 11 Uhr bis zum Abend hier sein?“
„Was machst Du hier?“
„Alles, was Sie wollen.“
„Serafino, wir arbeiten hier. Also, Du kannst putzen, Tee packen und Tassen waschen?“
„ja.“ er lachte.
Sein Vater sei ein Anwalt…
„Aber, das ist Kinderarbeit! Bitte frage Deinen Vater, ob er damit einverstanden ist.“
„ja! er sagte ja.“
Wirklich? O.K. wir werden sehen.
Nun wollte er Tee lernen und sass dort ganz aufrichtig am Tisch.
„Serafino, das Erste, was Du im Tee lernst, ist keine Spuren zu hinterlassen. Kannst Du das?“
„ja. Klar. Wie die Ninja!“
Wow!
Manchmal muss ich doch an die Lehre von Wiedergeburt glauben!
Ich sah sein glückliches Gesicht und spürte eine Wärme durch meinen Körper.
Er ist so jung. Seine Träume werden paar Male neu erfunden. Die schönen Moment am Teetisch können in Fluss seines Lebens untergehen. Aber, ich bin mir sicher, an einem bestimmten Ort, an dem richtigen Moment werden die Düfte des Tees und die aufrichtige Haltung am diesen Teetisch wieder in seinem Körper wach rufen!

Ein Gedanke zu „Der zukünftige Held

  1. Cornelia Huber

    Es ist immer wieder ein Genuss die Beiträge zu lesen. Sie sind nicht nur äußerst interessant und fachlich sehr hochwertig, soondern auch mit einer unheimlichen tee-freude verfasst, die man aus jeder Zeile herauslesen kann.
    Es ist einfach ein Genuss, sich mit einer guten Tasse Tee zurückzulehnen und hier zu schmökern.
    Auch wenn ich selber seit vielen Jahren mit Tee arbeite, sind trotzalledem immer wieder geniale Dinge nachzulesen.
    Danke herzlichste dafür
    Cornelia Huber

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