Tee und Fiktion

Ich setzte mich am anderen Ufer des Flusses, als Frühlingsregen anfing, zu tropfen. Ich war nicht allein – begleitet von vielen Menschen – am anderen Ufer.

Hätte ein Teeliebhaber sich entwickeln können, wenn er stets im Rad des Lebens verwickelt ist? Hätte ein Teeliebhaber sich entwicklen können, wenn er die Tees nur von Büchern lesen kann anstatt selbst auszuprobieren?

Er sagte, er will all die teatoys in dem Zimmer haben, wo er sit-zen kann.

Hätte eine Frau je solche Essays und Romane wie Shakespeare oder Göthe schreiben können? Hätte eine Frau in seiner Zeit wie Shakespeare die Unzulänglichkeit einer Frau überwinden können, wen sie ein Zimmer für sich allein hätte und dazu – ein bisschen eigenes Geld?

Ich sagte, ja.

Ein Frühlingsanfang mit schönen warmen Regen. 15 Leuten zogen sich zurück in einem Zimmer für sich allein, um Tee zu widmen. Alle haben ein bisschen Geld mitgenommen, um die Kostbarkeit des Tees zu „tragen“.

Shui Tang war und ist das Zimmer für uns allein…

Es war das erste Seminar, das in Shui Tang stattfindet. Dank Monika, ohne sie wäre das Seminar nicht entstanden, wenn sie nicht dran blieb mich zu fragen, wann endlich ein Datum… Dank Carola, trotz ihrer schwachen Gesundheit kam sie um all die Hintergrundsarbeit zu erledigen und zu helfen. Ihre Großzügigkeit lässt sich nicht wortlich erwidert werden. Ich weiß, dass es der Tee ist, der ihr Kraft gibt. Eine klare wahrhaftige Energie, die sich nicht beirren lässt, weil es wahrhaftig ist. Wenn die Menschen aus dem freien Willen sich entschieden haben, etwas zu tun, wird eine starke Kraft ausgesetzt. Diese Kraft kann so viele Dinge im Leben und in der Gesellschaft bewegen!

Wir rochen und tasteten die Vielfalt des Tees. Wir versuchten die Geschmäcke zu reflektieren und zu benennen. Wir erkannten in vielen vielen Düften und Aromen unsere Identitäten und unsere Wege. Ein Tee für mich oder gar nicht… Und von dort fange ich jetzt an, mich diese neue Welt anzunähren und entdecken!

„Maiglöckchen ist er!“ sagte Monika zu einem Sijichun 2010. Ich fragte sie, “ wie fühlst Du Dich dabei? Wenn Du an Maiglöckchen denkst?“ “ Gut, sehr gut, ich rieche den Frühling!“ Wie poetisch? Ich rieche den Frühling…

Sicher ist es eine Fiktion, wenn sie sagte, sie roch an Sijichun Maiglöckchen. Natürlich ist es eine Fiktion, wenn sie behauptet, in Sijichun den Frühling zu riechen. Woher sollte sie denn wissen, dass der Sijichun ausgerechnet den chinesischen Name trägt, „der ewige Frühling“!!? 

Wenn eine Frau, ein Zimmer für sich allein hat, dazu das eigene Geld, dann kann sie Fiktion schreiben, in jeder Zeit und zu jeder Epoche! Wenn ein Teemensch ein Zimmer, einen Raum für sich allein hat, dazu das bisschen eigene Geld, dann erlebt er den Frühling im Tee in jeder Zeit…

Wenn wir gelernt haben, Tee zuzuhören, dann haben wir eine Chance, Tee nicht mehr nur narrativ zu wiedergeben. Wir haben vielleicht eine Chance, den Tee mit dem Körper und Herzen wahrzunehmen, einen poetischen Zugang zu schaffen! Wir müssen nicht mehr mittels Tee über das vermeintliche uns sprechen, um mit dem anderen zu diskutieren. Wir können einfach unser Sein sein lassen und mit Tee uns selbst besser zu verstehen. Alle Lösungen von Probleme liegen in uns und nicht woanders. Wozu lernst Du Tee, damit Du bei den anderen Menschen besser punkten kannst? Es geht eigentlich doch nur um Dich, um Dein Leben…

Wer sagte, dass Teetrinker Esoteriker und Traumtänzer sind? Ein Zimmer für sich allein, dazu ein bisschen eigenes Geld braucht man um Tee zu entdecken und weiter auf den Weg zu gehen. Verdiene Dir Dein eigenes Geld, schaffe Dir einen Raum im Aussen und im Innen, und der Frühling ist schon längst da!

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