Archiv für den Tag 07/02/2010

Sonntag Morgen

Wer steht am Sonntag morgen gerne früher auf? Vor allem ich?

Atong weckte mich auf und wollte mit mir skypen. Wir diskutieren on line über die neuen Tees, die wir jeweils bekamen und degustierten. Als er 2009 hier zu Besuch war, hinterlass er mir einen namenslosen Tee. Dieser Tee war wunderbar im Geschmack und ich verstand ihn als ein gelagerter Hochlandsoolong aus Alishan zwischen 10 bis 15 Jahren. Er bestätigte meine Vermutung.

Dann erzählte ich ihm von Peijen, die einen Traum hat in München ein Schnick-Schnack-Haus mit Tee zu eröffnen und sie wohl im Frühling ihn besuchen kommt. Er sagte ja ja. Vor kurzen bekam er auch einen Anruf aus Texas von einer Dame, die bereits ein Teeshop innehat und auch gerne private Unterrichte bei ihm nehmen würde. Er erklärte ihr, wie er sich vorstellte von Programmen und Umkosten. Sie sagte, sie habe bereits Verständnis des Tees und wollte das Basic nicht lernen. Atong sagte ihr, wenn sie bei ihm einsteigern will, muss sie ihm folgen. Er sei nicht scharf und verpflichtet, sie zu unterrichten.

Er sagte mir im Skype, „Ich brauche das Geld von ihr ja gar nicht. Wenn ich ihr Lehrer sein sollte, dann sage ich, was sie lernen sollte. Wenn sie bereits so viele Lehrer hat, soll sie bei den anderen Lehrern bleiben. Wozu bei mir? Wenn sie bereits so viel vom Tee versteht, wozu kommt sie zu mir?“

Die Damen im Telefon war leicht nervös und wollte weiter mit ihm diskutieren. Sie kritisierte viele Teelehrer in Taiwan und beschwerte sich über die Unkompetenz des anderen. Atong stoppte ihr sofort und sagte ihr, er habe mit anderen nichts zu tun und sie sollte direkt bei denen beschweren. Er wollte das Telefon beenden, aber sie sagte, „nein, das Telefon sei nicht teuer und sie können weiter sprechen.“ Atong erwiderte, „Ihr Telefonkosten sei ihre Sache. Er habe keine Zeit.“

Ich musste ganzer Zeit lachen, als er mir die Story erzählte. Ich lachte und freute über das Wahrhaftige meines Lehrers und seine Art, selbst treu zu bleiben. Ihn kann man mit konventionelle Höflichkeit nicht schnappen. Es geht nur um Tee. Ich weiß sehr wohl, warum wir Lehrer und Schüler sind. Ich habe ein tiefes Vertrauen in meinen Lehrer. Mir macht selten etwas aus, wenn er mich tadelte und kritisierte. Er akzeptiere stets, dass ich so, wie ich bin. Er mache sich Sorgen um meinen Zustand und warnte mir immer wieder vor zu viel Arbeit.

Obwohl Jürg und Carola nicht viel Zeit mit ihm verbrachten, all das was die beiden ihm auf seine Reise Europas gaben, bleibt ganz tief im Herzen. Er sagte, dass er Carola und Jürg vermisse. So wunderbare Personen gebe in dieser Welt ganz selten. Ich sollte die beiden ganz herzlich grüssen!