Archiv für den Monat Januar 2010

Wann ist der Tee tot?

Wann ist der Tee tot?

Ich brachte einige Pu Er nach Shui Tang zurück. Ein Tee, der nicht in seinem jungen Jahren getrunken wird, sondern in seinem Alter, Reife.

Ba. ist einer der festen Bestandteil des Shuitangs Liebhabers, die fast jede Woche kommt, die ich vermisse, wenn sie nicht erscheinen. Einst trank er gerne Oolong, der inzwischen zu lieblich versöhnlich wurde, seit er das Unfassbare und Unberechenbare des Pu Ers entdeckt. Ein unglaublich geistreicher und eloquenter Mann, den ich in seiner Reife treffe. Ende des 2009 sagte er zu mir bei dem Abschied, dass er sich ohne Shuitang nicht mehr vorstellen könnte.

Wie kann man denn einen Tee berechnen, wie lange er bereits lebt und wie lang er noch leben kann? Wir berechnen unser Leben mit Jahrgang und anschliessend alles anderen mit Minuten und Stunden, aber Tee… Wann ist der Tee tot? Wann ist der Mensch tot??

Jiri kam zum Besuch, auch ein Pu Er Teefan. Wir tranken zu viert glücklich am Tisch. Ich bereitete die Quelle des Frühlings 1989. Ba fragte, was der Frühling wohl sein wollte? Ich erinnerte mich an die ersten Stunde, als meine Mutter mir erklärt, wie das Zeichen „Wind“, „Donner“ entstanden ist. Sie versuchte mir zu sagen, dass alle Phänomenen manisfestieren viel früher als das vermeintliche Zeichen vor unserem Auge wahrgenommen wird. Der wirkliche Frühling war schon da, als der erste Donner unsere Erde schüttelt und alle Wurzel und Lebewesen in der Erde erweckte!! Nur der Mensch merkt noch nicht, er wartet vergeblich noch auf SEINEN FRÜHLING…. Sei wach, meine kleine, wollte sie ihren 5jährigen und 3 jährigen Töchtern erklären.

„Spürst Du das unruhige dieses Tees“ sagte Jiri und Ba. nickte seinen Kopf. Reichhaltig und tiefgrundig. Er jubelte. Dann bereitete ich noch einen Tuocha vermutlich 1982. So einen zarten habe ich noch nie begegnet!

Vereint von einer unbeschwerten Zartheit und einem reichhaltigen Körper zeigte uns der Tuocha von You eine neuartige Erfahrung mit einem Pu Er. Ich sehe leichte Feder mit Flügel und festen Waldboden voller leichten Laub… wie die Sonne den dichten Wald gelegentlich durchflutet… „Was ist das?“ Ich erinnere mich an einem Roman von Jin Yong. An eine Szene, als ein Schwerttanze von zwei Liebenden ausgeführt wurde. Zwei scharfe tödliche Schwerten treffen sich an den Spitzen und werden zu einem romantischen Bogen gespannt wie ein Tor. Ein Tor zu einer anderen Zeit! Wann ist ein Tee tot? Ich fragte plötzlich. Ba. wurde geschockt.

„Wann ist ein Tee tot?“ Wenn er nichts mehr geben will! Er erzählte von seinem Taihe, den er drei Tage lang den gleichen Aufguss trank. Er wurde nie tot, aber er musste ihn trotzdem wegkippen, weil er dachte, er sei zu geizig!

Dann brachte ich noch einen Tee, versteckt im Schrank. Ich verrate nichts. Dunkel, dickflüssig und voll. Die Augen wurden immer gross. Wann ist ein Tee tot?

Warum fragst Du denn andauernd diese Frage? Weil der Tee so alt ist! 40 Jahre alt! Wann ist er dann tot? Wie lang kann er noch leben? Ich will wissen! Ich will verstehen, was man mit Tod und Leben verbindet, was man meint, Tod oder Leben!

„Er lebt!“ Ba. schrie, „er lebt!“ Der Alishan 1967 lebte! Ja, er lebt. Warum? Weil wir ihn spüren, hören und riechen! „Kennst Du hörbaren Duft?“ fragte Ba. Ach, wie schön! Ein Duft, der zu hören ist! Musik ist sein Metier, natürlich gibt es! Er hört immer bei Pu Er summende Gesang. Bei Oolong? Er schüttelte seinen Kopf, „ich will überhaupt keine Versöhnung!“ Was für einen versöhnlichen Charakter hat ein Oolong für diesen Mann mit Reife und Alter!

Beim Abschied versprach er Peijen seine Musik noch dieser Woche mitzubringen, die summende Pu Er Musik.

„Menglin! Ein Tee ist tot, wenn sein Liebhaber stirbt.“

Ja, das ahnte ich langsam mit meinem Alter. In Panaroma verlor der König Alobar auch seine Lebensmut in seiner Unsterblichkeit als seine Kurda verschwand. Liebe macht etwas zum Leben und auch zum Tod. Oder, was meinst Du?

Chun Yuan, Pu Er 1989

Ein Schnee Chaos hat meinen Rückkehr erschwert. Lange Wartezeit in Tokyo, lange Wartezeit in München. Mit Taxi fuhr ich nach der Ankunft direkt zu Shui Tang, um den schönen schweren Last abzuladen. Knapp 50 Kilos – es war mir noch nie ein Problem, aber nun – ich konnte es nicht mehr.

Nicht die Winkel des Faltens meines Altwerden verraten. Nicht einmal die verschwindende Glanz der Haut. Es ist primär das Schweigen und Verweigern des Körpers. Ich werde alt, bin alt. Der Körper will nicht mehr immer jetten, er will nicht mehr herum hüpfen. Er will Ruhe. Er will nicht mehr komplizierte Geschichte. Er will nicht mehr Experimente. Er will irgendwie und irgendwo ankommen.

Auch war es kalt in Taipei. Es war immer kalt! Keine Heizung, keine Kaminfeuer. Meistens jammerte ich durch die ganze Stadt… 

Ich wärmte mich mit einer Tasse Tee, um auf Zhou Yu zu warten. Er kommt auch gerne zu spät. Während des wartens sollte ich den Tee selbst degustieren, Chun Yuan – Quelle im Frühling, 1989. Er kam und seufzte, „ich bin alt.“ Alte Menschen können nur solchen Tee trinken, scherzte er. Er (Chuna Yuan) habe guten Körper, noch voller Lebendigkeit, sagte ich. „Ja.“ er stimmte zu, „für manche ist er bereits zu alt, für manche ist er noch zu jung, zu frisch und zu prickelnd.“ Ich nickte. Und warum Chun Yuan? Ich fragte nach der Geschichte der Name. Er lachte ohne zu erklären. Er sagte mir, „Name eines Tees ist immer eine Reflexion über die Wechselbeziehung zwischen den zwei Subjekten – Tee und ich, nicht wahr?“

Zhou Yu war höchst begeistert von meinem Spass mit Musik, Literatur und Tee. Er hat gerne denselben Spass. Mit großen Freude zeigte er mir ein nicht veröffentlichten Essay von seine Reflexion über die Kunst und Tee. Seine knappe literarische Art des Schreibens war orientiert an dem alten chinesischen Vorbild. Während er mir vorlass, musste ich mich höchst konzentrieren! Dieser knappen Text kann man als moderne Menschen nicht mehr so nebenbei verstehen. Und wenn es übersetzt werden sollte, wird es auf Deutsch mindest zweifach länger werden! Es würde mir nicht leicht fallen, ihn zu übersetzen. Ohne fundiertes Wissen von traditioneller chinesischen Ästhetik und Verständnis für chinesische Philosophie wäre ich stumm und taub neben ihm zuzuhören. Ich verstehe, warum seine Angestellte mich manchmal so nerven, wenn sie mir von seinem Tee vorstellen wollten. Sie wirkten für mich wie Papagai, Papagei von einem alten Chinese, der stets sich hinterfragt, was ist der Tee, was bin ich, und dann?

Zhou Yu ist wirklich nicht mehr jung. Ich bin auch nicht mehr so frisch. Aber neben ihm zu sitzen, ihm zuzuhören, mit ihm zu plaudern, fühle ich mich jung. Er wollte mich nicht gehen lassen, obwohl das Telefon ständig klingelte. Er fragte mich, wie ich die Entwicklung des Westens betrachte. Er erzählte, wie er den Westen sieht. Er sagte mir, „schaue Mal, auch Nietsche wurde am Ende seines Lebens verrückt. Was hat ein Weltbild, das auf ständige Suche und auf die ständige Innovation gegründet ist, uns als Menschen gebracht? Was können wir denn noch überschreiten?“ Er fragte mich noch weiter, „Was können wir uns denn noch überschreiten?“ – ich bin alt, seufzte er; ich bin alt – dachte ich.

Wir trankten den Chun Yuan. Auf den Boden wächst ein Baum. Der Boden, sehr fruchtig. Der Baum, sehr kräftig. Manche Leute finden ihn noch zu spritzig, sagte Zhou Yu. Ich finde ihn erfrischend… wie kann man einen gelagerten Tee als erfrischend bezeichnen? Wir lachten zusammen. Wie denn? Er ist eben nicht ruhig. Da er unter dem typischen Anschein eines gute gelagerten Pu Ers noch eine unruhige Elemente innehat – als ob er zu Dir flüstern würde, „Wenn Du Freude daran hast, kehrt die Kraft immer zu Dir zurück; wenn Du Freude an mir hast, beschere ich Dir noch mehr Gesichter – ich kann anders werden, besser oder schlechter. Ich bin nicht tot…“ Deswegen nennst Du ihn als Chun Yuan – Quelle im Frühling?“ fragte ich ihn. „Es ist Deine Beziehung zu diesem Tee, oder? Es ist euer Dialog.“

Tee hat an sich nichts zu erzählen. Es sind bloss Blätter, die Wasser brauchen, um etwas anders zu werden. All das, was ich hier für Schwachsinn erzähle, ist meine Illusion und Phantasie. Es sind immer Menschen, die etwas dichten, manchmal reflektiert, manchmal einfach eingebildet. Und der Frühling kommt immer, auch wenn der Mensch daran denkt. Quelle im Frühling! Der immer zurückkehrende Frühling ist in jedem Herzen, das nicht stil steht…. 

Teebankett zum Abschied

Teebankett zum Abschied

Der Abschied rueckt immer naeher.
Wie immer wird das Abschiedsessen bei Atong bei seinem Chefkoch (Fuzhou-Kueche) gefeiert.
Der Fuzhou-Koch Afu bekochte uns mit Tee. Diesmal mit einer Ueberraschung von Krevetten im Teesud!

Die Zeit war sehr kurz, aber so intensiv.
Mit der Ambition mindestens 3 Kilos zuzulegen wurde ich überall gefuttert. Onkel Huang brachte mich zu unzähligen guten Kuechen und natürlich unser Super-Cafe Mykonoz gab mir viele schöne sinnliche Begegnungen mit Kaffee!

米克諾斯咖啡

台北市大安區新生南路一段165巷16號 02-27849176 /02-66176968 (dieses Cafe wuerde ich bei dem Besuch in Taipei niemals verpassen! Georg kaufte dort seinen Blue Moutain 250g fuer 70 Sfr. Teuer und exellent!)

Mein Shopping-Tour ist noch nicht fertig. Morgen geht noch einmal nach Yingge und dann nach Japan.

 

 

Eine Verwandlung eines Tees

Eine Verwandlung eines Tees

Kalt, nass und grau ist es im Moment in Taipei.

Zart, frisch und leicht ist ein Tee, der bei Atong gerade eintrifft. Was ist passiert und was wird danach, wenn er sich von Atong praegen laesst?

Wie wird ein Mensch, wenn er beginnt über seine Vergangenheit zu reflektieren und sich von Lebenslauf prägen laesst, anstatt davor zu fliehen?

Aiping lernt sehr fleissig Tee und wird gefordert, weil Atong immer mehr an seinen Rueckzug und seine weitere Entwicklung denkt. Er moechte sich irgendwann zurueckziehen. Gestern brachte Ceng, sein Schueler – der Fondmanager, ein Prospekt zu ihm und stellte ihm die Frage: Du hast nun zwei Wegen: 1. Geben Dein Know-How offen weiter und unterrichte allen Teebauer in Taiwan, um den Formosa Oolong in eine andere Dimension zu ermoeglichen: oder 2. Du verstaerkst Dein kommerzielle Interesse und beginnt tatsaechlich dein eigenes Marke zu vermarkten. DU hast nur eine Wahl. Atong lachte und sagte, er wolle sein Leben selbst steuern…

Heute gab er uns 4 Teemuster zu testen. Aiping gab stets ihre Kommentare, was fuer Probleme diese 4 Tees haben koennten. Sie dachte, diese Tees haben alle Makel. Er schlief im Stuhl, waehrend wir testeten. Ich weiss, dass Aiping besser ist als ich und wusste sehr gut, mich zurückzuhalten. Fuer mich haben diese Tees nicht unbedingt Probleme. Sie sind halt leise, aber ich bin eher der Unwissende in dieser Runde. Sie kommentierte ganzer Zeit und stellte stets fest, dass diese Tees langweilig und problematisch seien. Ploetzlich gab uns der schlafende Meister Kommentare: „Die Tees haben kein Problem, aber Du schon.“ Wir lachten zwar, aber verstanden nichts.

Eines war klar, dass diese beiden Tees Tie Guanyin waren, und aus sehr hohen Lage. Ich betrachte die wunderschönen Blätter und ihren festen Körper. Der Duft ist zwar leise, aber sehr präsent. Ich kann nichts dagegen und auch wenig dafür sagen. Atong lachte über unsere Vorurteile und Vorbehalt. Er sagte, diese beiden Tees seien sein Glück. Sie sind elegant und leise. Die kleine Fehler koennte er durch seine Roestung verbessern. Und das schlechte wird besser werden…

Wir, die kleinen Schüler schauten uns gegenseitig an und lachten über unsere Unfähigkeit. Ich bat noch mehr Lektion zu Roestung. Atong grinste und holte zwei Muster aus seinem Zimmer.

Man merkte sehr schnell, wo der Unterschied liegt. Ein Tee, der leicht noch nach geroesten Bohne duftet. Wenn man diesen Geschmack ueberwindet, oeffnet sich eine unglaublich farbhafte Welt voller Blumen, Furchte und Farbe! So nachhaltig! Ich rief, „Meister (Laoshi), hen Chijiu Ye (sehr ausdauernd…)“ Aiping lachte:“Ja, Meister freut sich, dass Du weiss – er sei ausdauernd…“ Diese sexuelle Anspielung brachten uns richtig zu lachen. Diesmal wurde der Meister zum Schweigen gebracht.

Der andere Tee zeigt uns sein zartes Glieder, feine Figuren und schmeidige Lächeln. Frisch, sehr blumig, leise und präsent… Aiping sagte, sie würde den ungeroesteten dem geroesteten bevorzugen…. 

Diese beiden Tees, von edeler Herkunft – dies ahnten wir von Blattform und seinem Aufguss. Wie sollte man denn einen edelen geroesten Tee beschreiben?

Jeder, der Atong kennt, weiss, dass er von politischem Korrektheit nichts versteht. Er sagte, dieser schoene ueber Holzkohle geroestete Lishan sei wie eine elegante Dame, von edeler Herkunft, intelligent, gebildet und hat vieles im Leben erlebt. Sie weiss, wie sie vom Leben gleiten laesst und was sie will und nicht will… Er schaute zu mir, „wie Du…“ Aiping ergaenzt, „Aber sehr teuer!“ Wir lachten zusammen.

Atong zeigte seine Feuerstelle. Er roestete gerade noch eine Partie von Lishan Hochland. Die weissen Stelle auf dem Korb wissen wir bereits, was das ist -  das durch Hizte in der Roestung kristalisierte Teein.

 

Leise, präsent und nachhaltig

Hast Du einmal die chinesische Landschaftsmalerei betrachtet? Das Fliessend zwischen weiss und schwarz, das Verschmelzen von Himmeln und Wasser und die leise Präsenz des Menschen integriert in dem ganzen grossen Bild…

Zhou Yu traf ich ganz zufällig im Wistaria Teahouse. Ich habe mich nicht angemeldet. Georg wollte dort hin gehen und wir nahmen das gemeinsame Mittagessen dort. Plötzlich sah er mich und sagte, was fuer einen Zufall! Gleich sollte die Chef-Redakteurin Luo von Pu Er Magazin kommen und er sollte heute 17 Pu Er Tee testen. Meine Augen leuchteten. Yep!!

Wir sassen zusammen in einem Zimmer und testeten gemeinsam 17 verschiedenen Pu Er Muster in drei Runden, die vor zwei Jahren bereits einmal besprochen wurden und nun noch einmal getestet werden sollten.

Zhou wusste noch, dass Shui Tang nun in Zurich steht und erkundigte sich danach. Ich erzaehlte ihm von dem abwechslungsreichen Alltag und interessanten Experimente, die wir in Shui Tang unternehmen können, wie das Publikum bis jetzt recht gute Resonanz senden und von meinem Gebundensein. Er war begeistert von der Idee von Vollmondfest – Musik, Literatur und Tee. Er war gluecklich zu hoeren und erzaehlte der Redakteurin Luo voller Begeisterung als ob er selbst da gewesen wäre.

Als wir auf Tee warteten, tauschten wir aus über die Art der Degustation zwischen Europa und Asien aus. Er war sehr erfreut von meinem Vergleich zwischen expressive/narrativen und poetischen Zugängen von Westen und Osten (darüber möchte ich einen extra Beitrag schreiben, wenn meine Beobachtungen und Gedanke noch reifer werden können). Im Wein schreibt der Menschen mittels Fruchtsalat über ihn. So möchte man im Tee diese Art adaptieren. Wird Tee davon profitieren oder geht der Tee mit Wein gemeinsam in dieser Art in einer Sackgasse des Wortspiels? Zhou nickte seinen Kopf und gab mir einen Text ueber seine Vorstellung des guten Tees: leise, präsent und nachhaltig.

Tee wartet. Der Mensch wartet. Sie warten auf einander, um verstanden zu werden. Ich bin fuer die Anwesenden ein ahnungslosen Teeliebhaber. Sie wussten, dass ich keine Ahnung habe von Pu Er. Ich kenne die Sprache des Pu Ers nicht. Aber ich weiss, ihm zuzuhören zu können. Zhou ist bereits eine Autorität in diesem Gebiet. Er wirkte jedoch in der Degustation absolut offen und normal. Er gab immer wieder seine Kommentare, zweilfelte allerdings immer wieder daran. Immer wieder stellte er fest, wie der Geschmack des Tees innert Minuten sich veränderte und wie einfach es nach aussen erschien, aber so schwierig es tatsächlich ist einen Urteil abzugeben. Da ich keine Verantwortung trug, hatte ich sehr schnell meine Urteile. Er spürte meine Vorstellung und fragte mich nach meiner Meinung. Ich wusste, dass es sehr gefährlich werden konnte, wenn ich ihm gefallen wollte. Nur Ehrlichkeit bringt einen Anfaenger weiter beim Lernen. Ich sagten, wie ich diesen Pu Er betrachtete und wie ich schmeckte. Dieser schmeckte sauer, dieser leicht pflaumig, dieser leise, lang und nachhaltig und jener vielschichtig und von guter Substanz. Er lobte meine Nase. Es lage an Atongs Schulung. Er nickte seinen Kopf, ja, Atong sei ein seltener Fall in Taiwan. Treu zu seiner Ideen und treu zu seiner Schule. Schueler von Atong… er nickte und nickte.

Miss Luo war nicht besonders begeistert von Atong. Sie sagte mir, er sei zu stur. Jeder hat seine eigene Ansichten von Tee. Die Ansichten von Atong seien nicht richtig. Es gebe so wie so nichts Richtiges oder Falsches. Alles sei relativ und man bleibe in der Mitte.

Das stimmt, dass man ueber Geschmack nicht streiten kann. Das stimmt, dass alles relativ ist – weil man vermeintlich offen und objektiv sein muss…

Aber wenn man Tee lernen will… dann gibt es das Richtige und das Falsche in Sprache des Tees. Oder folgst Du Dir einfach selbst. Das geht sicher auch und fast alle Wege führen nach Rom, nur der mittler Weg nicht. 

Jeder, der einmal mit Atong bei der Produktion war, wusste, jeder Schritt bedingen den anderen. Wenn dieser Duft nicht auftritt, wenn man den Tee erzwingen will, dann kommt der Tee am Ende so raus und eben nicht leise, präsent und nachhaltig. Ich scheute mich nicht vor Stellungnahme vor der geehrten Frau Luo, auch wenn sie mit ihrer Magazin mächtig ist. Ich sagte ihr, dass es nicht nur alles relativ und verschwommen ist in dieser Welt. Es gibt etwas, was absolut ist. Es gibt Grenze, die uns klar macht, was ein guter Tee ausmacht. Ein Oolong ist eben nicht ein Gruentee. Nur wenn man weiss, was Tradition ist, weiss man was Innovation sein kann. Sie schwieg.

Auch wenn ich innert einer Sitzung nicht viel von Zhou lernen konnte, was er unter Struktur, Expressivität und Spannkraft des Tees versteht, versuchte ich es zu lernen, wie er Tee betrachtet. Er vergleichte die Stabilität des Aufgusses, kontrollierte die Qualität der Geschmeidigkeit, Nachhaltigkeit und Bekömmlichkeit. Er war selbstbewusst und fragte immer nach meiner Meinungen. Er sagte, was er kommentierte nicht absolut ist. Er wollte von einem anderen Perspektiven seine Betrachtung reflektieren. Am Ende war es unsere gemeinsame Degustation geworden. Eine Degustation voller Austausch. Manchmal seufzte er, dass es sich hier halt um eine Degustation handelte. Manchen Tee würde er selbst nicht empfehlen, weil er eine andere Meinung ist. Aber man darf nicht nur in seiner eigenen Meinung stecken bleiben. Man muss machmal die Grenze der eigenen Zu-und Abneigung überschreiten. Manchmal zweifelte er an seinen Urteil und testete, testete und testete. Manchmal strahlte er wie ein Kind und freute sich über einen guten Tee. Ich erlebte einen Tee-Mensch, der zu seinem Urteil steht. Er wollte Menschen nicht gefallen. Er war einfach da.

Diese Degustationsnotiz sollte in nächster PuEr Magazin 普洱壺藝 werden. 

http://www.ceramicart.com.tw/ 

 

Ein sehr langer Heimweg

Es gab einfach kein Ticket mehr waehrend den Festtagen nach Hause zu fliegen. Dann kam ich auf die Idee ein Freiflug zu nehmen und warum nicht ueber Beijing?

Irgendwann war ich leicht bereut, ich dachte, es waere doch besser ueber Tokyo. Natuerlich waere der Flug aus Tokyo viel teuer, aber ich koennte ja dort shoppng-tour machen.

In der Tat braucht Shuitang tatsaechlich Nachschub und Verstaerkung. Die vielen schoenen interessanten Dingen wurden einfach leer gekauft. Die Klienten warten nun gespannt auf neuen Impuls und Nachschub.

Nachdem ich ganz entspannt in Frankfurt gegessen habe, war ich bei Einchecken ganz erstaunt, dass mir jemand auf Chinesisch ansprach und ich habe ihn einfach nicht gut verstanden. Irgendwann realisierte ich, dass Lufthansa wegen strengen China extra Leute anstellt, die Chinesisch sprechen koennen und das Einreise-Visum kontrollieren!

Ich hatte kein Einreise-Visum fuer Transit in Beijing. Ich wusste nicht, dass ich fuer das Transit in Beijing ein Einreise-Visum gebraucht haette. In Zurich gaben sie mir ein Papier, dass Reisende innerhalb 24 Stunde duerfen ohne Visum in Beijing Transit bleiben und weiter reisen. Der Deutsche sagte mir ganz klar, dass mein Pass von der chinesischen Regierung nicht als Pass anerkannt wird. Als Nationlose brauche ich ein Zertifikat, die von China ausgestellt wird, um meine Identitaet zu bestaetigen. Aber irgendwo muss China doch meine Identitaet von irgendeinem Dokument entnehmen, was sie nicht anerkennen.

Meine Einreise als Transit wurde verweigert. Ich sagte ihm, dass ich als Traeger von Taiwan-Pass in China im Flughafen ein Visum beantragen darf und dies habe ich im 2008 bereits in Fuzhou getaetigt. Er schuettelte seinen Kopf und liess mich nicht durch. Wir redeten immer lauter auf Deutsch. Fuer ihn war ein Gewinn fuer Lufthansa, weil man mich rausgefiltert hat. Fuer mich bedeutet ein Anfang eines Odysee…

Lufthansa nahm den Markt Chinas sehr sehr ernst! In diesem Terminal gab es 7 Service-Schalter fuer Reisenden. 2 extra fuer Chinesisch-Sprechende (! Man muss unbedingt seine Kinder zu Chinesisch Unterricht schicken!!), 2 fuer First und Bussiness-Class, 3 fuer economie. Ich staunte ueber diese Extra-Service fuer Chinese und extra Vorsicht gegenueber China-Vorschriften. Am Schalter sagte die Dame, dass sie mich nach Narita schicken konnten, aber ich muss unbedingt ein Ticket fuer 1800 Euros von Narita nach Taipei kaufen. Narita-Taipei 1800 Euros?? Normalerweise kostet es gerade 400 Euros… Ich fragte nach dem Grund von Flugtickets. Sie sagte ganz streng zu mir, weil ich als Taiwan-Pass-Traeger nicht erlaubt wurde nach Japan ohne Visum einzureisen. Das stimmt nicht – das wusste ich. Aber wie konnte ich gegen ein Roboter sprechen? Es war am 25.12. und kein Konsulat war offen! Verzweifelt ging ich vom Schalter weg und telefonierte mit meiner Familie.

Muede, durstig und gedemuetigt fuehlte ich mich verwirrt im chaotischen Flughafen Frankfurt. Meine Familie ist zu weit, um mir zu helfen. Sie machten sich nur noch mehr Sorgen. Ich muss selbst das Problem loesen. Das Geld kann das Problem loesen. Aber ich bin auch nicht mehr die unbesorgte Tochter und weiss sehr gut, was das normale Leben bedeutet. ANA wuerde mir ein Ticket verkaufen fuer 1300 Euros von Narita nach Taipei. Ich zoergerte. Gibt es nirgendwo Netz, mit dem ich ein Flug buchen kann? Ich ging irgendwann zu Sheraton und buchte dort ein Ticket fuer 1000 Euros und liess den Flug nach Narita umbuchen.

Irgendwann machten die Beinen nicht mehr mit und die Augen wurden rot. Irgendwann wurde alles erledigt. Ohne mein Gepaeck musste ich irgendwo uebernachten. Als ich auf dem Weg zum Hotel fuhr, telefonierte ich mit Carola. In diesem Moment kam die S-Bahn-Kontrolle. Dann vergass ich mein Handy in die Tasche zurueckzustecken. Ich habe mein Handy verloren.

Keinen Kontakt mehr hatte ich nach Aussen. Ich hatte ein schoenes Zimmer, ruhig und warm. Ich musste schlafen und alles vergessen.

Das Service von Lufthansa in Narita war im Vergleich mit anderer Richtungen mehr als gut. In Narita Flughafen habe ich bereits angefangen zu shoppen!! Ich weiss, die Leute in Zurich werden schreien. Ich weiss nicht, wie mein Koffer werden sollte, wenn ich am Samstag in Tokyo bleibe und nur shoppe.

Es war doch gut so, wie es ist. Es kostet einfach sehr viel Nerven und viel Geld. In Narita (Tokyo) versicherten sie mir, dass ich auch ohne Visum einreisen darf.