Archiv für den Tag 05/01/2010

Leise, präsent und nachhaltig

Hast Du einmal die chinesische Landschaftsmalerei betrachtet? Das Fliessend zwischen weiss und schwarz, das Verschmelzen von Himmeln und Wasser und die leise Präsenz des Menschen integriert in dem ganzen grossen Bild…

Zhou Yu traf ich ganz zufällig im Wistaria Teahouse. Ich habe mich nicht angemeldet. Georg wollte dort hin gehen und wir nahmen das gemeinsame Mittagessen dort. Plötzlich sah er mich und sagte, was fuer einen Zufall! Gleich sollte die Chef-Redakteurin Luo von Pu Er Magazin kommen und er sollte heute 17 Pu Er Tee testen. Meine Augen leuchteten. Yep!!

Wir sassen zusammen in einem Zimmer und testeten gemeinsam 17 verschiedenen Pu Er Muster in drei Runden, die vor zwei Jahren bereits einmal besprochen wurden und nun noch einmal getestet werden sollten.

Zhou wusste noch, dass Shui Tang nun in Zurich steht und erkundigte sich danach. Ich erzaehlte ihm von dem abwechslungsreichen Alltag und interessanten Experimente, die wir in Shui Tang unternehmen können, wie das Publikum bis jetzt recht gute Resonanz senden und von meinem Gebundensein. Er war begeistert von der Idee von Vollmondfest – Musik, Literatur und Tee. Er war gluecklich zu hoeren und erzaehlte der Redakteurin Luo voller Begeisterung als ob er selbst da gewesen wäre.

Als wir auf Tee warteten, tauschten wir aus über die Art der Degustation zwischen Europa und Asien aus. Er war sehr erfreut von meinem Vergleich zwischen expressive/narrativen und poetischen Zugängen von Westen und Osten (darüber möchte ich einen extra Beitrag schreiben, wenn meine Beobachtungen und Gedanke noch reifer werden können). Im Wein schreibt der Menschen mittels Fruchtsalat über ihn. So möchte man im Tee diese Art adaptieren. Wird Tee davon profitieren oder geht der Tee mit Wein gemeinsam in dieser Art in einer Sackgasse des Wortspiels? Zhou nickte seinen Kopf und gab mir einen Text ueber seine Vorstellung des guten Tees: leise, präsent und nachhaltig.

Tee wartet. Der Mensch wartet. Sie warten auf einander, um verstanden zu werden. Ich bin fuer die Anwesenden ein ahnungslosen Teeliebhaber. Sie wussten, dass ich keine Ahnung habe von Pu Er. Ich kenne die Sprache des Pu Ers nicht. Aber ich weiss, ihm zuzuhören zu können. Zhou ist bereits eine Autorität in diesem Gebiet. Er wirkte jedoch in der Degustation absolut offen und normal. Er gab immer wieder seine Kommentare, zweilfelte allerdings immer wieder daran. Immer wieder stellte er fest, wie der Geschmack des Tees innert Minuten sich veränderte und wie einfach es nach aussen erschien, aber so schwierig es tatsächlich ist einen Urteil abzugeben. Da ich keine Verantwortung trug, hatte ich sehr schnell meine Urteile. Er spürte meine Vorstellung und fragte mich nach meiner Meinung. Ich wusste, dass es sehr gefährlich werden konnte, wenn ich ihm gefallen wollte. Nur Ehrlichkeit bringt einen Anfaenger weiter beim Lernen. Ich sagten, wie ich diesen Pu Er betrachtete und wie ich schmeckte. Dieser schmeckte sauer, dieser leicht pflaumig, dieser leise, lang und nachhaltig und jener vielschichtig und von guter Substanz. Er lobte meine Nase. Es lage an Atongs Schulung. Er nickte seinen Kopf, ja, Atong sei ein seltener Fall in Taiwan. Treu zu seiner Ideen und treu zu seiner Schule. Schueler von Atong… er nickte und nickte.

Miss Luo war nicht besonders begeistert von Atong. Sie sagte mir, er sei zu stur. Jeder hat seine eigene Ansichten von Tee. Die Ansichten von Atong seien nicht richtig. Es gebe so wie so nichts Richtiges oder Falsches. Alles sei relativ und man bleibe in der Mitte.

Das stimmt, dass man ueber Geschmack nicht streiten kann. Das stimmt, dass alles relativ ist – weil man vermeintlich offen und objektiv sein muss…

Aber wenn man Tee lernen will… dann gibt es das Richtige und das Falsche in Sprache des Tees. Oder folgst Du Dir einfach selbst. Das geht sicher auch und fast alle Wege führen nach Rom, nur der mittler Weg nicht. 

Jeder, der einmal mit Atong bei der Produktion war, wusste, jeder Schritt bedingen den anderen. Wenn dieser Duft nicht auftritt, wenn man den Tee erzwingen will, dann kommt der Tee am Ende so raus und eben nicht leise, präsent und nachhaltig. Ich scheute mich nicht vor Stellungnahme vor der geehrten Frau Luo, auch wenn sie mit ihrer Magazin mächtig ist. Ich sagte ihr, dass es nicht nur alles relativ und verschwommen ist in dieser Welt. Es gibt etwas, was absolut ist. Es gibt Grenze, die uns klar macht, was ein guter Tee ausmacht. Ein Oolong ist eben nicht ein Gruentee. Nur wenn man weiss, was Tradition ist, weiss man was Innovation sein kann. Sie schwieg.

Auch wenn ich innert einer Sitzung nicht viel von Zhou lernen konnte, was er unter Struktur, Expressivität und Spannkraft des Tees versteht, versuchte ich es zu lernen, wie er Tee betrachtet. Er vergleichte die Stabilität des Aufgusses, kontrollierte die Qualität der Geschmeidigkeit, Nachhaltigkeit und Bekömmlichkeit. Er war selbstbewusst und fragte immer nach meiner Meinungen. Er sagte, was er kommentierte nicht absolut ist. Er wollte von einem anderen Perspektiven seine Betrachtung reflektieren. Am Ende war es unsere gemeinsame Degustation geworden. Eine Degustation voller Austausch. Manchmal seufzte er, dass es sich hier halt um eine Degustation handelte. Manchen Tee würde er selbst nicht empfehlen, weil er eine andere Meinung ist. Aber man darf nicht nur in seiner eigenen Meinung stecken bleiben. Man muss machmal die Grenze der eigenen Zu-und Abneigung überschreiten. Manchmal zweifelte er an seinen Urteil und testete, testete und testete. Manchmal strahlte er wie ein Kind und freute sich über einen guten Tee. Ich erlebte einen Tee-Mensch, der zu seinem Urteil steht. Er wollte Menschen nicht gefallen. Er war einfach da.

Diese Degustationsnotiz sollte in nächster PuEr Magazin 普洱壺藝 werden. 

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