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Respektvoll? Was ist das?

Als wir als eine exotische Gruppe in Bana unterwegs waren, waren wir das Fokus von Fotograf und Handyfotograf. Es störte mich und viele in meiner Gruppe. Dass wir ein Fotoobjekt war, war teilweise wegen Exotik, aber meistens war wegen kommerziellen Zweck. Mit eine Gruppe ausländischen weißen Gesichter zu schmücken ist ein tolles Werbefoto für Tee-business. Das nützen nicht nur die Chinesen aus, es wird auch gerne von europäischen Teeleute ausgenützt. So werde ich wohl ab und zu im Internet solche Fotos finden und mich fragen, „oh, mit wem war meine Gruppe unterwegs?“ Der arme Yu, der so viel für uns getragen hat, ist total ausgenützt von diesem Phänomen. Es gefiel ihm gar nicht und warnte mir immer wieder, lass sie nicht fotografieren! Aber was kann ich machen? Wenn jemand von meiner Gruppe auf der Strasse oder auf dem Markt gehalten wird für ein Fotoshooting… Für meiste Menschen ist es so wie so nicht wichtig, weil sie die Zusammenhänge nicht als relevant halten.

Im Shui Tang erlebt man auch ganz verrückte Dinge, die man als normaler Konsument sich nicht vorstellen kann:

„May I get some Samples from your shop?“ manchmal spazierte ein amerikanischer Tourist und fragte nach Muster.

„Können Sie mir nicht schnell sagen, wie man Matcha macht?“

„Ich fliege nach Taiwan und Yunnan. Können Sie mir gute Adresse für Tee weiter geben?“

„Wo ist Ihr Lehrer in Taipei?“

Wenn ich manchmal so gefragt werde, bin ich häufig verwirrt. Sind Menschen so respektlos? Oder können Menschen so respektlos sein? Sie wollen so viel von anderen Menschen, ohne sich selbst zu fragen, warum dürfen sie es?

Ich verkaufe Tee, aber nicht mich und mein Wissen. Ich und mein Wissen sind unkäuflich. Ich teile mein Wissen und mein Können aus freier Wille, nicht aus Kommerz. Wenn es eine freundschaftliche Beziehung existiert, wäre man bereit zu teilen. Eine freundschaftliche Beziehung muss man pflegen. Ich und Shui Tang sind kein Automat von Selbstbedienung.

Meisten frage ich der Person zurück, „wie kommen Sie auf die Ideen?“

Am vergangen Samstag passierte eine kleine Geschichte, die mir viel Freude machte.

Ein deutscher Tourist war entzückt von der Schönheit von Shui Tang, von den Blumen bis zu Teatoys. Er fing an Fotos zu schießen. Ich konnte seine Aktivität als Werbung und Anerkennung für meine Arbeit verharmlosen, aber mein Herz tat weh.

„Es wäre respektvoll, wenn Sie mich um Erlaubnis zu fotografieren bitten würden.“ ich sagte ihm lächelnd.

„Warum denn? Die Schönheit gehört alle.“

„Die Schönheit gehört Ihnen nicht und in diesem Geschäft gehört es mir.“

„Sie wollen sicher mit anderen Menschen teilen, oder?“

Wow! Das Zauberwort, Teilen!

„Nein, ich will nur mit Menschen teilen, die diesen Ort respektieren.“ Ich schaute ihn direkt in die Augen, „Ich entscheide, mit wem ich es teilen. Ist es Ihnen klar?“

Seine Augen wurden leicht rot, „Natürlich haben Sie das Recht zu sagen, dass es Sie stört.“

„Ich weiß es und sage Ihnen es jetzt, dass es mich stört.“

Er ging aus Shui Tang und ich atmete aus. Mein Herz war erleichtert. Ich war froh, dass ich zu mir gestanden bin.

Paar Minute später kam er wieder.

„Ich möchte mich um die Entschuldigung bitten.“ sagte er in Hochdeutsch.

„Achso.“ Ich staunte, „Nehmen Sie es nicht so ernst.“

„Doch. Ich will niemanden verletzen.“

„Nö. Sie können mich nicht so leicht verletzen. Ich will Ihnen nur mitteilen, dass ich es als respektlos empfand.“

„Ja, ich möchte mich entschuldigen. Es war wirklich respektlos.“

„Gerne nehme ich es an.“ Ich lachte, „Und ich danke Ihnen für Ihre Großzügigkeit. Sie sind so großzügig, dass Sie Sich entschuldigen können.“

Wir bedankten uns gegenseitig.

Es war wunderbar.

(Warum ist Shui Tang schön? Warum strahlt dieser Ort so eine kraftvolle Atmosphäre? Weil er geliebt und geschätzt wird – von vielen, weil er auch beschützt wird, von mir.)