Teehandel und Opiumkrieg

Der Welthandel in den 17. und 18. Jahrhunderten war ein Austausch von Luxuswaren zwischen dem fernen Osten und dem Okzident. Das Zahlungsmittel war Silber. Vom Okzident führte man Tee, Seide und Porzellan aus China ein, während man sich in China ausschließlich für Uhren und Silber interessierte. Ende des 18. Jahrhundert wurde das Volumen des Handels allmählich für Engländer unbefriedigend. Die Nachfrage in Europa stieg und stieg. 1793 sendete König George III einen Botschafter Lord George Macartney nach Beijing und verlangte dem Kaiser nach mehr Handlungsfreiraum. Kaiser Qianlong 乾隆皇帝 erwiderte, dass China ein großes Land mit vielfältiger Raffinesse und Ressourcen ist. In dem Binnenmarkt fehle kaum etwas Exotisches. Da Seide und Tee und Porzellan eine Beliebtheit in Europa genossen, erlaube er diese Waren in Guangdong zu exportieren. Dies sei kaiserliche Gnade und bedürfe keine weitere Diskussion.

Opium Opium

Ein Land, das mit sich zufrieden ist und keine Exotik bedarf, lehnt ein anders Land ab, das ständige Drang in sich spürte und spürt, in die Ferne aufzubrechen und das Exotische zu besitzen. England musste das Problem mit extremer Ausfuhr von Silber lösen und die Handelsdefizit beheben. Da das Schmuggelgeschäft mit Tee florierte, musste der Tee-Zoll in Englang von 119% auf 12,5% senken. Die eingebußte Steuereinnahme und weitere Silberausfuhr an China machte die finanzielle Lage noch brennender. Die perfekte Lösung der Engländer war Opium nach China zu exportieren. Die Situation wurde dramatisch verbessert. 1820 wurde Silber in umgekehrter Richtung geflossen. Als der Kaiser Daoguang 道光皇帝 die verheerende Realität seines Volkes bemerkte, war fast schon zu spät. Seine Bemühung und sie Arbeit seines Beamtes Lin Zexu konnte die Wende nicht kehren und rief die Rache des Engländer hervor. Ein Krieg um Opium, in dem Tee als Ferment diente, war nicht mehr zu vermeiden. England behauptete seine Macht im Welthandel und China musste sich beugen. Das einstige Kulturnation, ein Land vielfältiger Raffinesse lebte in einer anderen Realität und musste mit der auf dem Materialismus begründeten Zivilisation konfrontieren.
Tee, einst ein Symbol einer nach innen besinnenden Kultur war, wurde heute eine Ware.

Qianlong Qing-Kaiser Qianlong 1736–1799

Fancy Oolong 番庄烏龍茶

Fancy Oolong ist das Produkt von taiwanesischer Export-Geschichte. Er war Synonym des Formosa Oolongs. Fancy 番庄, auf Taiwanesisch Huanzong. Wörtlich übersetzt heißt: Dieser Tee wurde von Barbaren (Ausländer – gewisse Sinozentrismus) verpackt und verschifftet. Ein Tee, der ein Zwillingsprodukt ist von Oriental Beauty. Während Oriental Beauty als hochwertiger Jahrgangstee ihren Ruhm und Würde genießt, sucht Fancy Oolong vergeblich nach der Anerkennung. Er ist ein Tee aus mehrerer Ernte. Ernte von Sommer, von diesem Jahr, letztem Jahr oder vorletztem Jahr. Wenn eine Bestellung von Ausland kommt, wird diese Ernten zusammengemischt, erfrischt und verpackt. Darunter mischt man Oriental Beauty, der nicht den besten Preis erzielt und als Vorrat dient. Die beste Qualität von Fancy Oolong hat mehr Oreintal Beauty Anteil oder ein seltener Jahrgangstee, während die billigere hauptsächlich Teile verschiedener Ernten.
Der bekannte Fancyoolong kommt traditionell aus Xinzhu 新竹und Miaoli 苗栗-Gegend. Seit kurzen ist Sanxia ein neue Mitstreiter. Bei meisten Teeläden kann man kaum Auskunft über Jahrgang und Anbauort erfahren.
Die Aufguss des Fancy Oolong ist rötlich fast wie ein Schwarztee. Die beste Qualität schmeckt lieblich und honigsüß.

Zucker im Tee

Man fragt mich oft in meinen Vorträgen, ob Chinesen Tee mit Zucker verfeinern. Ich kannte diese Konvention in chinesischem Kulturkreis eigentlich nicht. Woher kommt eigentlich diese Assoziation von Zucker mit Tee? Weil Tee zu bitter und schlecht schmeckt?

portugiesische Prinzessin Catarina de Bragança

Catarina de Bragança die portugiesische Prinzessin heiratete den englischen König Karl der Zweite (1662) und machte den Tee europaweit hoffähig. Sie brachte zu der Hochzeit nicht nur ihr Grundnahrungsmittel – Tee, sondern auch die vereinbarte Mitgift. Ursprünglich wurde Silber als Mitgift vereinbart. Aus irgendeinem Grund wurde Silber von Zucker ersetzt. Zucker war in damaliger Zeit nicht weniger wertvoll als Silber. Im Jahr 1665 wurden nur 88 Tonnen Zucker nach England importiert. Selbst in aristokratischen Kreisen kam nicht jeder dazu den Geschmack des Zuckers zu probieren. Honig war die einzige Quelle der süßen Versuchung. Engländer mussten den Zucker in Indien oder bei den Portugiesen den brasilianischen Zucker kaufen. Der Zucker war genau so wertvoll wie der Tee, der nur über den Import aus China oder Japan erhältlich war.
Zucker und Tee, zwei Luxuswaren, zwei Geschmacke des Paradieses vereinen sich zu einem unverkennbaren Lebensstil. Es ist ein Sich-zur-Schau Stellen. Eine Demonstration des Reichtums und der Macht. (…begleitet mit chinesischen Porzellan und Architektur…)
Wenn wir davon ableiten, dass Schwarztee mit Zucker ein Symbol der englisch Schwarzteekultur ist, dann enthält er eine Nuance des Imperialismus. Dieser Luxus brauchte zwei Stützen: Die Sicherung der kolonialisierten west-indischen Zucker-Plantage und die Dominanz über den Welthandel mit China. Über den Welthandel des Tees und seine Problematik mit China werde ich im nächsten Beitrag behandeln.

Chinesischer Pavillon in Pillnitz
Chinesischer Pavillon in Pillnitz. Gebaut von August der Starke (1670-1733)

Tee in Europa – eine Geschichte der europäischen Sehnsüchte

Luis Frois (1562), ein portugiesischer Jesuit, fragte sich reflektiert während seines Missionsaufenthalts in Japan:
„egal was wir in Euopa essen, wir benutzen immer die Hände dazu, während man in Japan, sei man ein Kind oder ein Erwachsener, zwei Stäbchen benutzt;
Wir trinken nur frisches klares Wasser, während die Japaner ausschließlich heißes mit Bambus-Besen gerührtes Wasser mit Tee zu sich nehmen;
Wir betrachten Gold, Silber und Edelstein als wertvoll, während die Japaner alte Töpfe, kaputte Keramik und Steingut als Schätze aufbewahren.“

Warum braucht man eine Grasshütte, um Tee zu trinken? Warum bewahrt man solche „ebay-taugliche“ kaputte Schalen und Töpfe auf, um Tee zuzubereiten? Warum sind solche Dinge genau so wertvoll wie Gold?
Im 16. Jahrhundert war Europa alles andere als eine Wohlstandsgesellschaft. Im 16. Jahrhundert war Asien das Sinnbild des Paradieses. Das Paradies der Gewürze und der Seide, die den Geschmack und die Kontur dem europäischen Alltag gaben. Teppich, Porzellan und Baumwolle… Der Orient war das Lebenselixier für den Okzident. Die Sehnsüchte nach dem Paradies zu gelangen, trieben unzählige Seemänner und Abenteurer ins Meer. Sie entdeckten Tee, der bereits eine eigene Geschichte besaß.
Man baut sich eine Grasshütte, wo man sich einfach zum Tee trifft. Man entwickelt eine Beziehung zum Tee und zu den Dingen um den Tee. Alte Teekannen sind wertvoller als neue. Man geht in die Berge, um Quellwasser für Tee zu sammeln. All das zeigte, dass „Tee“ nicht nur die Teeblätter bedeutet. Es geht um viele andere Dinge. Was denn?
Genau diese Frage hat sowohl der portugiesische Jesuit als auch alle Seeleute beschäftigt, die mit Tee in China und Japan in Berührung kamen. Sie brachten neben dem Tee auch Porzellan nach Europa. Sie sprachen und berichteten von Chinesen, Japaner und ihrem Tee… Es ist ein Lebensgefühl, das mit Tee in Verbindung gebracht wurde. Eine Mode verbreitete sich und bis heute…
Wenn Gewürze die treibende Kraft für die Entdeckung der neuen Welt war, war der Tee wohl eines der Impulse des modernen Kapitalistischen Zeitalters.

Ein Grasshütte zum Tee – ein Teehaus der Urasenke-Schule 又 隠(ゆういん)
Teehaus in der Urasenke-Schule

Yi-Xing Teekanne, die durch Benutzung und Jahre an Wert gewinnt.
Yi Xing Kanne

Der Tee und der Alkoholkonsum

Was machen wir, wenn wir morgen aufstehen und Kopfschmerzen spüren, weil wir heute Nacht viel Sekt, Rotwein oder Grappa getrunken haben? Pu Er Tee könnte unsere Sorgen lindern.
Nach chinesischer Medizin fördert der Pu Er die Verdauung, denn er stimuliert die Zusammenarbeit zwischen Magen und Milz. Das fördert den Kreislauf der Flüssigkeiten und hilft die übermäßige der Körperfeuchtigkeit zu entwässern. Damit könnte Giftstoff besser aus dem Körper transportiert werden. Durch die angeregte Harnbildung (diuretische Wirkung) könnte Gifte durch die Nieren schneller ausgeschieden werden.
In Taiwan wird Pu Er nach einer Fest vor dem Abfahrt ausgeschenkt, damit die Gäste noch unter dem Promille rauskommen…

Formosa Oolong Tee 福爾摩莎烏龍茶

Formosa 台灣 produziert Oolong Tee seit mind. 150 Jahren. Die ersten 120 Jahren wurde der Tee ausschließlich für Export bestimmt. Die Taiwanese hatten keine Chance ihren eigenen Tee zu kosten. Es war eine Zeit der Kolonialismus. Die letzten 20 Jahren verschwand der Formosa Oolong aufgrund des hohen Produktionskostens immer mehr von dem internationalen Markt, während die Insel und Inselbewohner eine steile Karriere mit Elektronik in der Globalisierung machten. Nun werden dem Inselbewohner nicht mehr den Geschmack des Formosa Oolongs vorenthalten und der Formosa Tee spielt auch nicht mehr eine wichtige Rolle in dem Welthandel.
Im 17. Jahrhundert wurde Formosa Tea bereits von Holländer nach Persien vermarktet. Damals war noch kein Oolong, sondern eine Art von wildem Tee. 1869 wurde der Formosa Oolong endlich in den Welthandel eingeführt – durch den umstrittenen englischen Händer John Dodd, der auch Opium an Chinesen verkaufte – direkt in die neue Welt. Dort wurde Formosa Oolong weltberühmt.
Nach dem Opiumkrieg (1895) wurde Taiwan japanisch. Meine Großeltern waren die besten Augenzeugen dieser Epoche. Sie sprachen Japanisch und gaben ihren Kindern japanischen Namen. In dieser Zeit wurde Taiwan hauptsächlich als Anbaugebiet für Schwarztee (Hong Cha), weil Japaner den Oolongtee als einen Konkurrent zu ihrem Sencha betrachteten.
Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm der im Bürgerkrieg gegen Kommunisten verlorene General Jian Jieshi 蒋介石 die Macht von Japanern. Nun wurde Formosa Schwarztee wieder Formosa Oolongtee. In den 50er und 60er Jahren war Taiwan eigentlich noch bekannt für Grüntee wie z. B. Ganpowder, Sencha und Lungjing etc. Der Bauchladen des taiwanesischen Teehändlers boten das an, was der Weltmarkt brauchte. Flexibel, einfallsreich und blitzschnell. Als der Exportmarkt in Taiwan zusammenbrach, überlebten nur die kleinen Teebauer, die von dem Export-Boom nicht profitierten und ihrer Tradition treu geblieben sind.
Bis zu dieser Epoche wurde der Formosa Tea hauptsächlich für Export und Devisen bestimmt. Der Geschmack des Formosa Teas war privilegiert.
Fancy Oolong ist das Produkt dieser Export-Geschichte.

Werbungen von Formosa Oolong in der japanischen Herrschaft-Periode (1895-1945)

Oolongtee Werbung in Jap. Zeit
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Tee zum Festessen

Was für Tee passt zum Festessen? Man fragte mich häufig in letzen Tagen. Ich frage oft zurück, wann findet die Fest statt? Bist Du eher ein Typ, der friert oder Hitze im Körper spürt?
Diese Frage gleicht wie die Frage “ ist Grüntee gesund?“ Grüntee ist gesund, wenn er in richtiger Zeit und von einem richtigen Typ getrunken wird.
Wenn die Fest mittags stattfindet, möchte man vielleicht noch nach dem Essen etwas unternehmen. Es wäre natürlich erfrischend, einen Tasse Grüntee zu servieren. Wenn die Fest am Abend ist und Gäste entspannt nach Hause gehen möchte, wäre es abzuraten, einen Grüntee anzubeiten, ausser man möchte eine Nachtwanderung veranstalten! Wenn Du ein Typ bist, der eher Wärme bräuchte, wäre es abzuraten, häufig Grüntee im Winter zu nehmen. Ein Grüntee, der den Geist erfrischt, kühlt den Körper ab.
Es gibt keine Dogma im Tee. Es gibt keine pauschale Aussage. Jeder Mensch ist ein kleiner Kosmos und jedes Kosmos ist integriert in dem grossen Kosmos. Wenn draußen kalt und feucht ist, suchen wir Wärme und Licht. Wenn es heiß und sonnig ist, bevorzugen wir Kühle und Schatten.
Im Winter, wenn es neblich und grau ist, wäre ein duftender Jasmintee für die Seele. Kein Wunder, dass Jasmintee in China ein traditionelles Anti-Depressionsmittel ist. Morgens wenn man aufsteht, möchte man mit Energie aufgeladen werden – ein Dian Hong und Pu Er wäre die beste Energieboombe. Es gibt keinen Tee für jede Zeit und jeden Mensch. Jeder ist anders. Wichtig ist zu wissen, wer wir selbst sind und was uns gut tut. Nicht die Experte wissen, was wir brauchen, sondern unser Körper.
Zurück zum Festessen: ein Oolong wäre ein idealer Tee nach dem üppigen Festessen. Er fördert die Verdauung und regt Stoffwechsel an. Er wirkt sich neutral im unser System aus: kühlt uns weder ab, noch heizt uns an. Nach dem Alkohl Konsum wäre ein guter Pu Er sehr zu empfehlen, weil er dem Leber hilft, Gifte abzubauen.
Für Menschen, die im festlichen Familiesstress stecken und mit dem grauen Winter nicht klar kommen, kann ich nur Jasmintee empfehlen. Er tröstet.

Dian Hong
Dianhong

Teaparty im leise rieselnden Schnee

Leise rieselt der Schnee. Detlef, Ingrid und ich wollten unbedingt noch im alten Jahr zum Tee treffen. Im einsamen Dorf Bodman trafen wir uns heute morgens. Im schlichten Teeraum hing eine Schriftrolle von einem chinesischen Gedicht:
Jedes Jahr blühen ähnliche Blumen zu ähnlicher Zeit und am ähnlichen Ort,
年年岁岁花相似
während sich die Gesichter der Menschen jedes Jahr zu ähnlicher Zeit am ähnlichen Ort wechseln.
岁岁年年人不同
Letztes Jahr zu gleicher Zeit rieselte der Schnee ebenfalls wie heute. Detlef litt unter Nierenkolik, als wir uns zum Tee verabredeten. Heute kamen zusätzlich drei neue Gesichter aus Zürich und wir teilten gemeinsam eine Schale Tee.
Zuerst wurde Holzkohle-Zeremonie gemacht. Dann wurde einen dicken Tee geschlagen. Die Atmosphäre war konzentriert und wir schwiegen. Nur der Kessel summte. Und draußen rieselte der Schnee. Der verdickte Tee von leuchtendem Grün und die rot glühenden Holzkohle geben einen schroffen Kontrast zu der weißen Landschaft.
Besucher aus Zürich wollten im Tageslicht heimfahren und fürchteten vor von Schnee erschwerter Straße. Nach ihrem Aufbruch tranken wir noch zu dritt einen Usucha (einen dünnen Tee). Ingrid konnte sich nicht mehr vor Kommunikationsdrang verkneifen. Wir fingen an zu schwatzen. Der Teeraum wurde heiter und Detlef schüttelte seinen Kopf über die zwei klatschenden Tanten beim Tee.
Leise rieselte der Schnee auch vor Fünfhundertjahren. Als Teemeister Rikyu seine Teefreunde zu seinem Hütte einlud, sollte der Teeparty ohne Pomp und Steifheit gewesen sein. Man traf sich zu einem Tasse Tee, bescheiden und ungezwungen. Es ging um Menschen, Tee und Hier. Er plädierte, hiesiges Alltagsgeschirr zum Teezubehör zu verwandeln statt teuere angesehene Importwaren aus China zu werben. Tee muss seinen eigenen Wurzel in Japan einschlagen statt als eine Projektionsfläche der Sehnsüchte nach Außergewöhnlichem zu dienen. Nach Bemühungen von Rikyu 千利休 wurde der Tee, der einst aus China als Importwaren kam, ein Synonym der japanischen Kultur. Wie ist es mit Europa und Tee?

Usucha mit Ro
Usucha im Winter
Bodman Tee in Bodman

Pu Er Tee und die Kindheitserinnerungen

Heute kam Freundin Karin zu Besuch und wir tranken Pu Er Tee. Wir haben 3 verschiedene Pu Er Tees degustiert:
ein Aufguss von Pu Er aus den 80er Jahren aus Menghai,
ein Aufguss vom Grenzgebiet zwischen China und Vietnam, eine private Kreation von Teehändler Wang aus Taiwan, aus der Ernte von 1990, gepflückt aus wildwachsenden Teebäume und auf Kieferkohle getrocknet
und ein Aufguss von Simao, Ernte 1999, wilder Teebaum

Karin fing gleich an, von ihrer Kindheitserinnerungen zu erzählen. Sie erzählte von Wald, von Chalet und von Holzofen. Sie erzählte von ihren wenigen glücklichen sorgenlosen Momenten ihres Lebens. Sie strahlte, war briliant und sah schön aus.
Wir tranken die Tees und befanden uns plötzlich im Wald. Ja, es duftet nach Kiefer, es duftet nach Tannenspitzen und es duftet nach Erde!
Karin liebt den mit Kieferkohlen beheizten Pu Er. Er schmeckt nach Honig! Er erinnert uns an eine leichte Brise Kampfer-Duft. Herr Wang erzählte mir, dass diese Teebäume in einem Wald mit Kampfer zusammen wachsen. Die Duftnoten vermischen sich in unverwechselbarer Eigenart.
Ich liebe den alten Tee der 80er Jahre. Er sieht hell aus im Vergleich mit dem jungen 1999er. Er schmeckt nicht nach viel. Fast gar nichts – im Vergleich mit dem jungen. Er ist einfach da, einwenig dezent, klar und subtil. Literat und Qigong Meister Deng Shihai sagte, dass ältere Pu Ers nach gar nichts schmecken. Dieser Satz hat mich immer verwirrt. Nach gar nichts, wie denn? Pu Er ist doch stark und dominant. Heute nachmittags glaubte ich es zu verstehen.
Der junge Simao, dominant, wild und stark. Unvergesslich und unverwechselbar. So beeindruckend, dass wir ihn nicht mehr berühren wollten. Wir lassen ihn noch weiter reifen, meinten wir.
Wann treffen wir uns wieder, um diesen drei Pu Ers wieder in ihren weiteren Reifungsprozess zu begegnen? Oder meinen wir uns selbst, in einer Begegnung mit Pu Er widerspiegelt erkannt zu haben?

Teeblüte in Simao
Teeblüte in Simao

Ist Pu Er ein Schwarztee oder ein roter Tee?

Oft sehe ich Werbungen von Pu Er Tee, vor allem von Reformhaus. Dort wird er oft als ein roter Tee bezeichnet. Was ist eigentlich ein roter Tee? Was verstehen Chinese unter Schwarztee?
Der roter Tee heisst Schwarztee in Europa. In China bezeichnet man einen Tee als ein roter Tee, der 100% fermentiert ist und eine schöne rötliche Farbe und einen goldenen Rand an der Tasse aufweist. Man nennt ihn Schwarztee in Europa, weil die Farbe der trockenen Blätter dunkel aussieht.
Dagegen ist ein Schwarztee in China, einer der lang gelagert ist und dadurch eine dunkle Farbe gewinnt. Also ein Tee, der nachdunkelt. Ein Pu Er, der lang gelagert ist und eine dunkle Farbe aufweist, ist für Chinesen ein Schwarztee. Keineswegs ein roter Tee!!
Zu berühmten chinesischen Schwarztees ausser dem Pu Er zählen noch:
Cangwu Liu Bao Cha 苍梧六堡茶
Xiangjian 湘尖
Anhua Hei Cha 安化黑茶
Dies sind alles Teesorten, die gelagert werden müssen, um ein eigenartiges Aroma zu gewinnen.

Mit Bambusblätter verpackter Pu Er Tee – 7 Stücke
Pu Er Tee
Pu Er Tee aus den 70er Jahren
70 er Jahre Pu Er Tee