Das Teebauer Dorf Pinglin 坪林

Ich fahre gerne nach Pinglin, wenn ich wieder in Taiwan bin. Wenn ich in Pinglin bin, gehe ich immer zur Familie Feng 冯. Sie haben einen großen Teeladen, wo man jeder Zeit jeden Tee kosten kann. Egal wie Menschen in Taipei über mangelte Zeit klagen, Familie Feng nehmen immer Zeit für ihre Gäste.

pinglin
Teetrinken mit Herrn Feng

Ihr Laden ist voller Tees. Sie gehören zu den ältesten Teehandel im Dorf und sind bekannt für ihr Fairness. Sie wissen, was sie verkaufen. Wenn Du Deinem Tee-Wissen traust, kannst Du hier in Pinglin mit dem Teehändler über den Preis diskutieren. Hier gibt es noch Raum für Preisverhandlung, wenn der Verkäufer den Käufer überzeugen kann, dass der Tee so und so viel Wert ist… Dort ist das Paradies des Tee-Expertes.
In Pinglin gibt es noch viele alte Teebaumsorte: Wuyi, Qilan, Buddha Hand, Shuixian und Bai Maohou etc. Nach vielen Jahren stellen Teebauer in Pinglin fest, dass man aus dem Teebaum Qingxin Oolong 青心 den besten Paochung herstellen kann. Der Oriental Beauty aus Pinglin, der aus Bai Mao Hou 白毛猴 hergestellt wird, hat die schönste Form – nicht unbedingt den besten Geschmack.
Nachdem Taiwan eine Freizeitsgesellschaft geworden ist, kommen immer mehr Touristen aus Taipei nach Pinglin. Hier gibt es Bergen, Flüsse und Teegärten. Alles was der Tourismus braucht! Seine geographische Nähe zu Taipei beschleunigt diesen Porzess noch rasanter! Teebauer merken schnell, dass sie mehr Geld aus dem Tourismus machen können als aus ihrem Tee. Heute in Pinglin findet man im Regal ebenfalls Dongding Oolong, Hochlandsoolong, die aus anderen Regionen stammen. Pinglin ist auf dem Weg zu einem modernen Freizeitspark. Das Gefühl in einem Teedorf zu sein, hat man nur, wenn man manchmal ältere Frauen sieht, die mit ihrer Brille am Strassenrand sitzen, um Tee im Tageslicht auszusortieren – als ob die Zeitmaschine stehen geblieben wäre…

Dorf Pinglin
Das Dorf Pinglin. Hier gibt es ein Teemuseum, wo man die Herstellungsprozess des Tees besichtigen kann und Tee trinken kann.

東方美人 Oriental Beauty – Formosa Oolong

Taiwanese glauben, dass der Name „Oriental Beauty“ von Victoria Königin verliehen wurde. Diese Geschichte geht auf ein beabsichtigtes interkulturelles Missverständnis zurück. Auf der Insel Formosa heimsuchen bestimmte Arten von Insekten die Teegärten rund ums Jahr. Manche Orte weniger, manche Orte mehr. Für Teebauer war es immer eine Katastrophe, wenn der Schaden nicht begrenzt werden konnte. Man pflückte und verarbeitete natürlich die Blätter, die möglichst nicht beschädigt waren.

Es war einmal ein junger Teebauer, der sich dem Schicksal nicht beugen wollte. Als er merkte, dass diese Insekte „Xiaolü Jechan“ 小綠葉蟬 seinen Garten verheerend heimsuchte, entschied er sich, die befallenen Triebe trotzdem zu ernten. Alle anderen Teebauer nahmen das Schicksal hin, nur er forderte seins heraus. In Taipei am Fluss gab es Niederlassung von englischen Händlern, die nach guten Tee suchten. Er ließ den Tee so stark fermentieren, dass er ähnlich wie der schwarze Tee schmeckt. Er brachte seinen Tee nach Taipei und verkaufte an Engländer Dodd. Der englische Händler, der diesen Tee probierte, erwarb den Tee sofort mit voller Begeisterung! Der junge Teebauer wurde mit ausgezeichnetem Preis entlohnt! Als der Teebauer zurück ins Dorf kehrte und von seinem Erlös erzählte, wurde er als „Angeber“ bezeichnet. Oriental Beauty ging in die Weltgeschickte durch den englischen Händler nach Indien und über Indien nach England. Anscheinend bekam die Victoria Königin diesen von Insekten vorgekosteten Tee in einer Glaskanne vorgeführt. Als sie sah, wie diese Teeblätter im Glas tanzten und streiften, gab sie den Name “ Oriental Beauty“ diesem Tee. Er heißt im Westen „Oriental Beauty“, während er in Taiwan nach wie vor „Angeber-Tee“ 膨風茶 genannt wird!
Da dieser Tee fünf verschiedene Farbe auszeichnet: gelb, rot, grün, braun und weiß, bezeichnet man ihn auch als „Wu Se Cha“ 五色茶- fünf farbigen Tee!

Oriental Beauty
Wu Se Cha 五色茶

Die Schatzkammer der Formosa Oolongs – 港口茶 Meeroolong

Meeroolong 港口茶 ist eine Legende aus Formosa. Eine Legende in unserer rasant wechselnden Zeit! Dieser Geschmack des Tees ist nach zwei Jahrhunderten immer noch treu zu seinem Ursprung. Der Herr der Familie Zhu 朱 – ein Teeliebhaber und Hofbeamter des Qing-Kaisers 清朝 musste sein Amt in damaliger barbarischer Insel eintreten. Sein Diener, Familie Zhu lernte vor dem Amteintritt seines Herrn in Wuyi Shan, die Herstellung des Tees kennen. Familie Zhu legte den Teegarten am Fluss Gangkou an und verlässt seitdem den Ort nie. Der Herr ist nach den Jahren zurück nach China gegangen. Aber sein Diener entschied sich bei seinem Teegarten auf dieser Insel zu bleiben. Die Plantage liegt abseits dem Weltrummel am Fuß der Formosa-Insel – 屏東 Pingdong. Seit mehr als 200 Jahren, nach verschiedene Kriege und Machtwechsel bleiben die Familie Zhu ihrem Teegarten treu und ebenfalls zu ihrem Tee!
In diesem Garten streuen die Teebäume ihre Teesamen jedes Jahr zu gleicher Zeit aus. Aus dem Samen werden Teebäumen – anders als in gewöhnlicher Teeplantage, wo Teesetzlinge eingepflanzt werden. Teesetzlinge, die kaum Wurzel haben, überleben nicht unter der subtropischen Sonne und starke Trockenheit. In diesem Garten ist jeder Baum ein Individualist, das ein eigenes Gesicht und Farbe zeigt. Sie zeigen verschiedene farbige Blätter, verschiedene Blätterform, manche keimen früher, manche langsamer. Der Herr des Gartens kümmert sich nicht um die Verschiedenheit: er pflückt sie, wenn sie so weit sind. Ein Tipp und zwei reife offene Blätter muss es sein. Er macht den Tee nach seiner familiären Überlieferung. Der Tee weist trotz der Vielfalt der Bäume einen harmonischen hegemonialen Geschmack auf.
Teebaum vom Meeroolong
Die Wurzel vom Meeroolong ist sehr stark, so dass der Baum die Trockenheit und Hitze überlebt.

Viele gefälschte Meeroolongs gibt es in Taiwan. Aber keiner weiß, dass diese Fälschung nämlich sehr leicht zu enttarnen ist. Denn dieser Oolong ist kein wirklicher Oolong. Ihm wird der Welkensprozess gespart und er wird direkt erhitzt und weiter gerollt. Der feine interessante Geschmack ist durch den langsamen Röstungsprozess gewonnen. Für Familie Zhu ist er ein Oolong, für seine Liebhaber ist er ein Oolong. Es ist unwichtig, ob er ein Oolong oder nicht. Das wichtige und unverwechselbare an ihn ist sein leicht jodierter Geschmack, der uns an die frische Luft des Meers erinnert!
Diese Legende hat andere tragische Seite: der Teegarten des Meeroolong wurde in einem bedeutenden National Park einbezogen. Familie Zhu darf seinen Garten nicht vergrößern. Es ist wie ein verschlossenes System, das seine Kraft nur aus sich selbst erschöpfen könnte. Sein einzigartiger Geschmack wird in der Entwicklung des grünen Oolongs immer mehr kritischer bei jungen Teetrinkern. Meeroolong hat bereits verschiedene Krise auf der Insel überlebt, würde er vielleicht im 21. Jahrhundert auch seinen Charakter wahren und überleben?

Zhu
Teegarten von der Familie Zhu, Meeroolong

Elixirs

Ich kenne Lily seit paar Jahren. Getroffen habe ich sie vielleicht fünf Male. Unser Treffen gab mir immer ein Gefühl, als ob ich sie schon immer kennen würde, als ob Zeit und Raum keine Rolle spielen würden.
Wir lernten uns über Tee kennen. Sie verkaufte im tiefen Winter gerade ihren Hexentrank vor ihrem Laden, als ich Gruyeres zum ersten Mal besuchte. Ich entdeckte diesen kleinen charmanten Kräuterladen in einem uralten Haus mitten in Gruyeres. Ich fragte sie, ob sie sich für chinesischen Tee interessierte? Wir schauten uns an und machten gleich einen Termin ab.
Einst war sie eine Kunsthistorikerin und arbeitet in einem Museum. Irgendwann entschied sie sich, mit ihren selbst gesammelten Kräuter und selbst fabrizierten Marmelade und Sirups einen Laden zu öffnen. Sie pflegt im Sommer einen eigenen Kräutergarten, geht in die Bergen Kräuter sammeln, trocknet sie sorgfältig im Estrich ab und mischt sie nach traditionellen Rezepten. In anderen Tagen bereitet sie ihre Marmelade und Sirup, sucht Rezepte in alten Büchern, entwickelt zusätzlich eigene Kreationen.
Ihr Laden heißt „Elixirs“. Man findet hier alles, was die Seele und Leib gut tut! Elixir ist gleichzeitig ein Name von ihrer alkoholischen Kreation, die nach dem mittelalterlichen Rezept mit Kernen und Fruchtfleisch von Aprikose hergestellt werden. Lily sagte mir, dass dieses Getränk gegen Alterserscheinungen sei. Ich sicherte mir sofort drei Flaschen!

Bei Lily
Es ist immer so gemütlich und heimisch bei Lily!

Sie hat nicht einfach mit ihrem Laden. Lily ist mehr eine Künstlerin als eine Geschäftsfrau. Meine Familie und Freunde in Taiwan lieben und schätzen ihre Sirups und Kräutertee, während meiste Leute lieber Fabrikware kaufen. Im Sommer möchte sie den Platz auf ihre Terrasse zur Teestube verwandeln. Vielleicht kommst Du auch vorbei, bei ihr eine Tasse Tee zu trinken!

Elixirs
Lilianne Perroud
Grand Rue
Ch 1663 Gruyeres
0041-26-921 3516
Ich empfehle: Käutersirup mit Schafgaben und Frauenmantel!

Formosa Bi Luo Chun 碧螺春 und das Dorf Sanxia 三峡

Das Scheitern der chinesischen Nationalisten gegen die Kommunisten in China verursachte 1949 eine große Fluchtwelle nach Taiwan. Diese Welle brachte nicht nur vielseitige chinesische Bevölkerungsgruppe nach Taiwan, sondern auch ihre Eß- und Trinkgewohnheiten. Viele diese Chinesen kannten die subtropische Insel Taiwan gar nicht, noch weniger den formosa Oolong… Sie hatten gerne ihren Tee – Lungjing und Bi Luochun, die eigentlich in Südchina angebaut werden.
Sanxia, ein Bergdorf im Hinterland Taipeis, war ein Dorf, wo Tee, Kampfer und Farbestoffe produziert. Vor 50 Jahren nahmen Teebauer den Auftrag der neuen regierenden Schicht an, ihren Grüntee auf dem Boden der Insel zu produzieren. Natürlich mit Oolongteebäumen.

Ende März, wenn das Wetter bewölkt, angenehm warm und frühlingshaft ist, wird die Teeblätter geerntet. Natürlich nur mit Hand gepflückt, gelesen und verarbeitet. Dieser Oolongbaum heisst: „Qingxin Gana 青心柑仔“, hat schöne weiße Behaarung. Gepflückt werden nur ein Tipp und ein Blatt. Da das Wetter noch nicht sehr warm ist, gibt es auch nicht viele Schädlinge.

Oolongsorte
Blätter vom Oolongteebaum können zu verschiedener Teesorten verarbeitet werden: Grüner Oolong, Grüntee und Oriental Beauty (von rechts nach links).

Dieser Lungjing und Bi Luochun schmecken fruchtiger, lieblicher und dezenter – anders als die chinesischen Originale. Der getrübte Geschmack tröstet jedoch die Einwanderer aus fernem China und hilft ihnen, ihren Fuß auf der Insel zu fassen. Die Einheimische – wie meine Familie, die vor Generationen von Anxi auf die Insel geflüchtet oder angesiedelt ist, halten sich fern von diesem fremden grasigen Geschmack.
Der Lungjing- und Bi Luochun Trinker verloren im Lauf der Zeit immer mehr politische Macht, nachdem sie Jahrelang die Insel regierten. Mit der Wahl der Präsidentschaft im Jahr 2000 beendeten Taiwanese die Fünfzigjahren alten Herrschaft der KMT Partei. Viele Menschen wandern aus, wohin? In die neue Welt – USA, Kanada und Australia! Wo die Gefahr der chinesischen Angriffe nicht erreicht! Lundjing und Bi Luochun aus Sanxia verlieren ebenfalls immer mehr Teeliebhaber in dieser Entwicklung.
Die hohen Kosten der Handpflückung und Verarbeitung machen das Leben dieses Tees noch schwerer. Der letzte Schlag dieses Tees wird wohl wieder aus China oder Vietnam kommen, wo die Arbeitskraft billig ist und Ware sich billig produzieren lassen. Teebauer Herr Huang sagte mir oft, dass sein Sohn vielleicht eine andere Lehre lernen sollte. Die Familietradition wird nun wohl bei ihm beendet. Fünf Generationen überleben verschiedene Kriege und Herrschaften, aber vielleicht nicht die Globalisierung…
Genieß diesen Formosa Bi Luochun, so lang er noch mit Hand und Handwerk produziert wird. Wer weiß, wie lange es noch dauert, bis er Museum reif wird….

Yinzhen Baihao 銀針百毫

Yinzhen Baihao 銀針百毫 stammt ursprünglich aus Fuding, Zhenghe in Fujian. Ein Tee, der eine tausendjährige Geschichte hat.
Der Yinzhen Teec kann nur von speziellen Teesorten produziert werden, die saftige Trieben entwickeln. Im Frühling sieht die Teeplantage, in der Yinzhen Bäume angebaut ist, wunderschön aus. Denn die saftige silbrige Triebe scheinen glänzend unter dem herrlichen Sonnestrahl. Diese silbrige Glanz behalten die Teeblätter auch noch nach dem Welken und Trocknen.
Die silbrigen Behaarung gibt den Tee eine besondere Geschmacksnote – erfrischend, mild, aber interessant. Der Geschmack ist mild, aber unverwechselbar. Er ist bekömmlich, leicht, hinterlässt aber seine Spuren. Diese dezente Art und zurückhaltende Geschmacksnuance entsprechend chinesischer Ästhetik. Darum gilt er als „der beste Tee“!
Es wird erzählt, dass Yinzhen Baihao auffallend abkühlende Wirkung hat. Er erfrischt unseren Geist, kühlt den überlasteten Kopf ab und hilft Hitze und Nässe aus dem Körper auszuscheiden. Er sei der Tee für Manager und Menschen, die oft Krisen manegen sollen…
Noch Kurz zu dem Temperatur des Wasser: 80 Grad und am besten im Glaskanne, wenn man auf den visuellen Genuss des Teeblätter-Tanzes nicht verzichten möchte. Am besten am frühen Nachmittag!

Wenshan Paochung Oolong 文山包種茶

Wenshan 文山 ist ein Gegend in der Nähe von Taipei. Die hügeligen Gegend zwischen Taipei und Pazifik, wie Xindian, Pinglin, Shenkeng und Shiding etc., bezeichnet man seit uralter Zeit Wenshan, wo zu vier ältesten Teeanbaugebieten Taiwans gehört. Pinlin 坪林 und Shiding 石碇 produzieren ebenfalls den berühmten Oriental Beauty 東方美人, der oft in diesem Anbaugebiet nicht von Insekten befallen wird und eine andere Aroma enthält als von Xinzhu 新竹oder Miaoli 苗栗.
Die Ernte aus den Teegarten zwischen den Hügeln und Bergen, wird nach Pinglin gebracht – ein kleines Bergdorf zwischen Pazifik und Taipei. In der Erntezeit wird die Hauptstrasse des Dorfs von Teehändler überfüllt. Teehändler kommen hier, um Tee einzukaufen. Es wird probiert, eine Tüte nach einer anderen. Jeder hat einen eigenen Löffel mitgebracht, mit dem Teehändler ihre beste Wahl aussucht und trifft!
Der Name Paochung hat verschiedene Ursrpünge. Manche meinen, dass der Name ein Irrtum war: es sollte eigentlich Sechung 色種heißen. Durch schnelle Handschrift ist es Paochung 包種 geworden. Manche behaupten, dass der Name von der Papierverpackung entstanden ist: Pao 包 – Verpacken. Also, an welche Geschichte glaubst Du?
Egal wie der Tee heißt, ist er ein spezieller Oolong aus Taiwan. Der Oolong Paochung hat ein gleiches Problem wie sein Oolongbruder. Seine Blätter werden zu jung gepflückt und zu kurz unter der Sonne gewelkt. Ich habe noch schöne Paochung in der Erinnerung, dass er blumig und aromatisch ist. Nun strahlt er meistens nur Gemüseduft aus. Ein Paochung sollte schöne längliche vollständige saftig grüne Blätter aufweisen. Wer in Deutschland dunkle und gebrochene Paochung gekauft hat, würde ich ihm empfehlen, den Tee zurück zu bringen.
Shiding
Schöne Bergen in Shiding

Oolong Tee, Jahreszeiten und Klima

Für Menschen in dieser Zeit bedeuten die vier Jahreszeiten nicht mehr so viel. Wir finden im Regal der Läden ähnliche Sortimente wie im Sommer. Was bedeutet schon der Winter? Salate und Gemüse gibt es immer. Nur die Sonne könnte man leider nicht künstlich erfinden, aber als Klima-Flüchtlinge braucht man nur ins Flugzeug einzusteigen.
Für Tee bedeutet der Jahreswechsel verschiedene Wachstumsphase und das Klima die Grundlage der Entwicklung des Aromas.
Frühlingsernte meint man gewöhnlich zwischen Februar bis Anfang Mai. Die Ente des Tees, die vor Anfangs März gepflückt wird, bezeichnet Teebauer als „der Verrückte“. Denn der eigentliche Zeitpunkt noch nicht ankommt, die Blätter des Tees sind schon so weit zur Pflückung. Das gibt ab und zu. Ende März bevor die Sonne richtig intensiv strahlt und der Himmel meistens bewölkt ist, wird taiwanesischer Bi Luo Chun gepflückt. Die Wolken wirken wie Schatten und diese Ernte hat liebliches, frisches und elegantes Aroma.
Die Oolongernte lässt sich eigentlich bis April warten. Wenn die Blätter der Triebe reif und offen sind, sind sie pflückbereit. Bei neuer Teebaumsorte Sijichun könnte man im Jahr 6 Male ernten. Der Frühlingstee dieses Teesorte hat eigentlich keine Bedeutung. Bei manchen Teesorten wie Tie Guanyin muss man bis Mai warten, weil diese Sorte langsam wächst. Das heißt, wenn man im April Frühlingsernte von Tie Guanyin kaufen kann, ist man eigentlich mit einem Marketingsstrategie konfrontiert. Wenn die Sonne im Mai zu stark ist, wird manche Frühlingsernte eher intensiv. Beim Hochlandsoolong könnte man erst im Mai die erste Frühlingsernte erwarten.
Die Ernte Juni ist die günstigste Ernte bei Oolong. Die einzige Ausnahme bildet der Oriental Beauty! Er wird im feuchten und warmen Sommertage gepflückt. Die beste Qualität von diesem Tee muss man eigentlich erst ab Mitte Juni erwarten.
Fermentation in Alishan
Fermentationsprozess beim Hochlandoolong in Alishan

Die beste Winterernte von Oolong in Taiwan ist zwischen Mitte November und Ende Dezember. Die Winterernte von Hochlandsoolong findet allerdings bereits Anfang November statt, weil die Teebäume in den Winterschlaf übergehen. In Anxi wurde die Teeproduktion traditioneller Weise ebenfalls mit November beendet. Wenn wir Glück haben, dass der Winter kalt genug ist, könnten wir über eine gute Ernte freuen. Die Teeblätter werden durch die Kälte stärker und enthalten dadurch mehr Aromen.
Der Frühlingsernte 2005 war eine für Teeliebhaber interessante Ernte, weil das Klima in Taiwan mit dem früheren Klima identisch war. Aufgrund des Klimawandels lernen Teebauer mit der neuen Situation umzugehen und versuchen einen neuen Rhythmus der Natur zu spüren. Es ist sehr schwierig, genau zu sagen, wann und was gibt. Das Leben in dieser Zeit ist uns unübersichtlicher. Für Tee auch.

Tee und Porzellan

Das Synonym von Porzellan ist China. Porzellan und Tee waren Zwillingsbrüder, die die Tafelkultur und die kulinarische Geschichte bereichern. Warum waren Menschen in Europa so beeindruckt von Porzellan? Warum finanzierten europäische Höfe im 18. Jahrhundert, alchemistische Experimente durchzuführen, um die Geheimnisse des Porzellans zu entlüften? Vielleicht muss man die Geschichte aus einem anderen Blickwinkel lesen.
1596 schrieb ein holländischer Reisender in seinem Reisebericht im Osten über seine Begegnung mit chinesischem Essen: „Auf dem Tisch werden raffinierte Speise in schönen verschiedenen Porzellan oder Silbergeschirr präsentiert. Fleisch wurde fein geschnitten, Fisch wurde exakt portioniert… Man darf nicht das Essen mit Hände zu sich nehmen, sondern mit zwei schwarze dünne Stäbchen. Es fehlt nichts runter, so dass man keine Serviette bräuchte.“ (Die Weltgeschichte des Tees) Diese Beschreibung widerspiegelt der damaligen europäischen kulinarischen Kultur. Das Essen hatte keinen besonderen Stellungswert und die Kochkunst war armselig. Gewürze und Aromastoffe waren Luxuswaren und mussten von Orient importiert werden. Pfeffersack war eine Bezeichnung der Reichen. Im 15. Jahrhundert wurde die italienische Kochkunst durch die arabischen Einflüsse bereichert, während die französische Küche erst im 16. Jahrhundert Bedeutung gewann. Das Hauptthema des Kochens war den schlechten unerwünschten Geruch des konservierten Fleischs, das Eiweißquelle war, zu bedecken.

Muys Bild
Eine Malerei von Nicolas Muys aus Holland im 18. Jahrhundert. Die feine Dame saß vor einem Wasserkocher. Zwei Hausmädchen bedienten, während der Herr einen Besuch empfang.

Persönliche Gabel und Messer wurden erst richtig populär in dem 16. Jahrhundert. Man aß wie heutige Inder mit Händen. Gemeinschaftsgabel und -messer waren zwar vorhanden, aber man muss mit Hände eigenes Speise zu sich nehmen. Vor 16. Jahrhundert musste man bei einer Einladung selbst Messer mitnehmen und zwar meistens nur für Brot schneiden. Becher gab es aus Stein, privilegierte Schichte benutzten Zinkbecher. Becher werden von Anwesenden gemeinsam benutzt. Persönliche Gabel wurde im 16. Jahrhundert in Venedig zum ersten Mal erwähnt und später über Italien nach Spanien übermittelt. In England wurde die Benutzung von persönlicher Gabel erst 1750 bekannt. Vor dieser Zeit benutzte man einfach seine Hände und putzte seine Hände mit Servietten, wenn sie beschmutzt wurden. Dieser Vorgang wurde innerhalb einer Mahlzeit öfters wiederholt.
In diesem historischen Hintergrund war es nicht wunderlich, dass Porzellan sofort den Einzug in die europäische Alltagskultur fand. Menschen in Europa kannten diese Art von Tafelkultur nicht und ließen sich beeindrucken. Tee und das Geschirr, das Tee präsentiert wurden von europäischen Höfen mit Leidenschaft aufgenommen. Der Stil Chinoiserie, die sich durch Porzellankabinette, Teehäuser und chinesische Pagode zum Ausdruck gebracht wird, zeigen die Verklärung und Respekt vor der vermeintlichen anderen Kultur, die ihrer Eigenen widerspiegelt.

Teefreunde in Bern

Am Wochenende reiste ich ins „Ausland“. Ich war in der Schweiz bei Teefreunde Gerhard und Kathrin. Sie führen einen exzellenten Teeladen in Bern. Es gibt selten Teeläden in Europa, die sich bemühen, wirklich mit der Teekultur auseinanderzusetzen und Tee nicht bloß als Ware zu versehen. Familie Lange gehört zu dieser seltenen Ausnahme.
Wir kennen uns schon lange. Einmal besuchte ich Oliver in Bern und er brachte mich zu einem Teeladen. In diesem Laden erkannte ich verschiedene Teesorte, die ich nur in Bücher kannte und nie gedacht hätte, dass ich sie auch in Europa kosten könnte! Kathrin war „zufällig“ da. Es sind Zufälle des Lebens, die Geschichte schreiben. Sie erkannte einen Teefreund in mir und lud mich ein, sie noch einmal zu besuchen.
Gerhard im Gongfu Cha
Gongfu Cha in Bern

Wir trafen uns wieder, tranken zusammen Tee und sprachen über Tee. Sie vertrauten mir und beteten mir, Tee für sie direkt von taiwanesischen Teebauern zu besorgen. Teesorte, die eigentlich nur in den klassischen Teebüchern stehen, weder aromatisiert noch Umsatz versprechend, möchte sie in einem anderen Erdteil – Bern ihrer Kundschaft vorzustellen. Es geht um die Liebe zu Tee, der Grenze der Nationalität, Sprache und Vorstellungen überschreitet.
Wir suchen nach originalen Teebaumsorten, nach originaler Machart und nach originalem Geschmack, was die Zeit überdauert. In unserer schnell wechselnden Zeit sollte es einen Ruhepunkt geben, wo Menschen sich mit seinem Weg rückbesinnen können. Tee ist ein Medium, das uns wieder auf das Wesentliche zurückführt. Die Erde, das Klima und das Handwerk bilden eine Einheit. Der reine Tee, der nicht aromatisiert ist, bringt uns einfach auf die Einfachheit der unverfälschten Dinge und schlussendlich auf uns selbst zurück, wenn wir mit unseren Sinne den Duft und den Geschmack entdecken und kosten!
Wir tranken gestern zuerst einen Runde verschiedener Dongding, einen Runde verschiedener Fenghuang Dan Cong und anschließend eine Runde Tie Guanyin. In Dschungel der Angebote und verschiedener Meinungen versuchen wir die Sprache des Tees zu verstehen und eine Klarheit für uns zu schaffen.
Im Duft des Tees war der Winter draußen plötzlich nicht mehr so kalt. In der Dunkelheit ging ich auf dem Heimweg und kehrte in ein anderes Land zurück.

Ausflug mit Länggass Tee in Paris 2005
Paris 2005