Schneeflocken

Schneeflocken

Schnee hat unterschiedliche Kleider. Manchmal sieht er wie Salz aus, Körnig und grob. Manchmal reiselt er wie Feder, federleicht und verträumt. Manchmal tropft er wie Tränen. Tränen von aufgwühlten Herzen sind salzig und warm, dagegen schmeckt der Schnee langweilig und kalt. Wer würde solche Tränen denn tropfen – aus dem Himmel, eiskalt und blass.

Weihnachten bringt Stress mit sich. Abgesehen von viel viel Arbeit, der wie ein schwer abzutragender Berg aussieht. Weihnachten bringt einen mit dem gesellschaftlichen Vorbild von Familie und Geselligkeit auseinanderzusetzen. In manchen Jahren waren Weihnachten schön und gesellig, als mein Leben noch in der Gesellschaft gut intergriert war. Heute scheint Weihnachten ein Ort zu sein, ein falscher Ort.

Trotz vielen Einladungen bleibe ich immer noch unentschlossen, wo die Weihnachten sein sollte. Nach Malaga, nach USA oder an dem alten Ort. Wie ein Kuckuck-Kind fühlt man sich in einem falschen Nest. An falschem Ort.

Den kalten blassen Schnee kann man heiß schmelzen lassen. Vielleicht kann noch eine kleine Teekanne Yixing aus den 60er Jahren etwas dazu beitragen, mit einem farbhaften Schneeflocken von Mingjian 2005 den Schnee zu verfeinern. Das kalte langweilige Wasserflocken vom Norden wird verwandelt zu einer warmen süssen duftenden Insel zwischen den Orten. Eine Insel für sich.

Oolong – Teeseminar in Berlin im Frühling 2009

Teeseminar: Sprache des Tees II

Am So.,15.03.2008 findet von 10 -16 Uhr ein Teeseminar zum Thema „Sprache des Tees II – Oolong“ in Berlin statt.

Organisator:

Berliner Teesalon

Ort:

Berliner Teesalon, Invalidenstrasse 106, 10115 Berlin, Frau Kristine Mager

Kosten:

Bitte beim Berliner Teesalon nachfragen.

Anmeldung:

teeimport@aol.com oder  0049-(0)30 28 04 06 60

Das Oolong-Seminar setzt mit dem besonderen „halb-Fermentierten“ Tee auseinander. Insbesonders mit der Röstung und Fermentation. Dadurch sollte die Irrtümer von der Kategorisierung „grüner“ und „brauner“ Oolong geklärt werden. Auch der Vergleich der Lagerung von gelagerten Tees sollte am Ende des Seminars durch die Degustation ebenfalls verdeutlicht werden. Das Programm für Berlin werde ich bald im Blog veröffentlichen.

Ich freue mich auf die Teefreunde in Berlin!

Teeseminar im Frühling 2009

Die neuen Daten vom Teeseminar im Frühling 2009 sind nun konkret.

Am Sa., 28.02.2009 findet von 10 -16 Uhr ein Teeseminar zum Thema „Sprache des Tees I“ in Zürich statt.

Am So., 01.03.2009  findet von 10 -14 Uhr ein Teeseminar zum Thema “ Sprache des Tees II, Schwerpunkt Oolong“ in Zürich statt.

Ort:

 Lotus Garten, Waffenplatzstrasse 1, 8002 Zürich,  0041-43-2430725 

Anmeldung:

  0041-79-3871130  oder  info@tee-erleben.ch

Kosten:

Teeseminar I: 120 Sfr.

Teeseminar II: 100 Sfr.

Teilnahme an beiden  Seminaren: 190 Sfr.

Sondertarife für Wiederholungsteilnehmer und Auszubildende auf Anfrage.

Das Oolong-Seminar setzt mit dem besonderen „halb-Fermentierten“ Tee auseinander. Insbesonders mit der Röstung und Fermentation. Dadurch sollte die Irrtümer von der Kategorisierung „grüner“ und „brauner“ Oolong geklärt werden. Für Teilnehmer an der Teereise im April wäre das Seminar empfehlenswert.

Teeliste der Puer Degustation am 10.12.2008

Gestern gab es drei Deguatationsrunde, die drei Themen bearbeiten sollte:

1. Die Unterschiede zwischen den Jahrgänge.

Diese Unterschiede sollte anhand von fünf verschiedenen Pu Er Falden verdeutlicht werden:

Yiwu 2008, Yiwu 2005, Yiwu 2003, Simao 1999, Grenztee zwischen Vietnam und Yünan 1990

2. Unterschiede zwischen unterschiedlichen Herstellungsmethode.

Pu Er kbA, Pu Er 2006 Taihe (Wistaria House) lose, Pu Er Taihe (Wistaria House) 2006 Fladen, Pu Er Yiwu lose (von You), Pu Er Yiwu Fladen (von You)

Diese Runden könnten wir den Unterschied zwischen künstlichen Fermentation und natürlichen Produktion erleben. Der Sonne-Trocknen-Geschmack könnte durch den Vergleich zwischen Taihe und Yiwu von You markant feststellen. Das Power der Sonne Yünans und die Fade der meschinellen Verarbeitung sind nicht miteinander zu vergleichen. Aber der Unterschied kann nur so dramatisch verstanden werden, wenn der Vergleich nebeneinander stattfindet.

Auch der Klupft zwischen den losen und gepressten Tee könnte man in dieser Runde klar schmecken und riechen.

Ein interessanter erlebnisreicher Vergleich!

3. Gipfel des Abends. Ein Vergleich zwischen gelagerten alten Pu Er und gelagerten alten Oolong.

Liu An 1950, Pu Er 1990, Alishan 1975, Dongding 1981, Tie Guanyin 2004

Carola rief, “ Menglin! Dieser Oolong schmeckt ja nach den Pu Er!“ Ihre Augen waren groß und voller Zweifel. Ich schrie, „Du bist super! You got it!“ Wer hat gesagt, dass man Bücher lesen muss, um Tee zu verstehen? Carola hat es verstanden, nur Tee zu trinken und Frage zu stellen. Dieses Erkenntnis bekommt man durch Körper anstatt durch Worte.

Ich stelle es mir immer so vor: 

Ein gelagerter Pu Er und ein gelagerter Oolong treffen sich nach einer gewissen Lagerzeit auf einem Regenbogen. Auf einem farbenreichen Regenbogen werden die beiden Tee aus unterschiedlichen Richtungen wieder eins, wie Mann und Frau auf dem Regenbogen sich treffen. Es gab ein Märchen in China, das sich über Korea nach Japan durchsetzte. Es wurde erzählt, dass ein geliebtes Paar verflucht wurde und sich nur einmal im Jahr treffen konnte – auf dem Regenbogen! Einmal im Jahr am 7. 7.

Einmal im Leben, wenn man den farbreichen Regenbogen einmal erleben, schmecken, riechen könnte, ist das Leben bereits beglückt, nicht wahr?

Vor der Pu Er Degustation am 10.12.2008 in Zürich

Vor der Pu Er Degustation am 10.12.2008 in Zürich

Die gestrige Pu Er Degustation war eine Panorama meines Werdegangs des Tees, eine Reise in die Vergangenheit, als ich noch im Dunkel trappelte und nach der Wahrheit suchte.

Menschen suchen stets nach der Wahrheit, entweder mit Materialismus oder mit Idealismus. Entweder denken wir über die Wahrheiten nach oder hüpfen nach unserem Gefühl. Was ist Wahrheit? Wie könnte überhaupt wahr sein, dass ein Tee problemlos gelagert werden kann. Was ist wahr, ist Pu Er von Pilz befallen oder einfach nur vergessen um gelagert zu werden?

Ich habe es geglaubt, wenn die Farbe des Aufguss dunkel ist, ist der Tee alt. Ich habe es auch geglaubt, dass ein alter Pu Er einfach nur Muffig riecht. Ich habe es auch geglaubt, wenn der Pu Er Pilz bekam, ist er ein guter Pu Er – kennst Du nicht etwa wie der verschimmelte Käse z. B. Appenzeller? Ich habe es geglaubt, was in Bücher steht und was die so genannten Autoritäten erzählen – die großen Autorität – bis ich meinen Lehrer getroffen habe. Er sagte mir, glaube mir nicht, glaube das, was der Tee zu Dir spricht.

In der Degustation fühlen und denken wir nicht. Wir trinken einfach den Tee und hören ihm zu. Was zeigt er uns, was erzählt er uns und was ist er. Dieses Ich, das Tee zuhört, ist neu. Ich war anders. Ich habe gelesen, nachgedacht und nach geplappert, was die anderen erzählt haben. In jenen Zustand war ich bereits Teehändler – auch wenn es nur eine Freizeitsbeschäftigung war. In jenen Zustand verkaufe ich bereits Pu Er, auch wenn dieser Tee mir nur fremd war. Da ich Schlitzaugen habe, glaubt man mir im Europa. Die Tees, die ich damals als ein bloßer „Schlitzaugen-Expert“ kaufte, sind heute die besten Unterrichtsmaterialien. Sie warnen anderen Teilnehmern, was man heute nicht mehr kaufen sollte.

Ich schaue diese „falsch“ eingekauften Tees an. Eine Betrachtung mit einem gemischten Gefühl. Es ist mir bewusst, dass man vor Tee immer wieder wie ein Anfänger fühlen kann. Immer wieder sehe ich Gipfel nach den Gipfeln. Was ich heute erzähle, ist morgen bereits Schnee von gestern. Andererseits, warum muss ich mich denn kümmern, was ich gestern nachplapperte? Darum betone ich immer wieder im Seminar, „Glaube mir nicht, versuche den Tee selbst zu verstehen.“

Menschen suchen stets nach der Wahrheit, damit wir einen Halt haben – materialistisch oder idealistisch. Leider, wo und was ist die Wahrheit? Wie lange dauert diese Wahrheit?

 

 

Stets bin Ich froh jemanden begegnen zu können, der den Teppich unter meinen Füssen weg ziehen könnte. Dann weiß ich zumindest, die Wahrheit ist noch nicht gefunden. Sei wachsam, Menglin.

Teeliste von Teeseminar am 7.12.2008

Gerne veröffentliche ich die Liste vom Teeseminar am Sonntag in Zürich. Vielen Dank für die Organisation von Teeclub Schweiz und die weit gereisten Teilnehmer aus Bern, Genf und Karlsruhe.

1. Einblick in die chinesische Teewelt:

Yinzhen Baihao (Fuding, Fujian 2007, Da Baicha), Nanyue Meofeng (Hunan 2008), Junshan Yinzhen (Hunan 2008), Huang Ya (Yunan 2008), Dianhong Premium (Yunan Lancang 2008), Jadeoolong (Nantou 2008), Pu Er 1990 (Yunan), Jasmin Yinhao ( Fujian 2008), Kräutertee aus Sichuan, Wilde Baumtipp aus Yunan 2008

2. Was ist original? Was ist OEM-Produkt?

Zhenshan Xiaozhong (Wuyishan 2008, KbA Wuyishan 2006, Teeland 2007)

Jadeoolong (Nantou original 2008, kba aus Hubei 2006)

Longjing (Meijiawu 2008, Longjing kbA 2008, Longjing Sommer 2008)

3. Aus einem Teegarten und einer Baumart könnte man anhand von unterschiedlichen Herstellungsmethode und Erntezeit unterschiedliche Teesorten kreieren.

Qingxin Ganzhong (Mandarin-Oolong-Baum) in Sanxian: wiesser Tee, Bai Mudan, roter Tee, Fancy Oolong, Mixiang Hongcha

Bai Maohou in Pinglin: Paochung Oolong, Bai Mudan, Oriental Beauty – das ist eine absolute „Glücksreihe“ für die Teilnehmer. Denn diese Tees aus diesem Baum in dieser Qualität könnte man eigentlich nur träumen! Eine Sammlung aus meiner letzter Reise.

4. Faktor Lagerung

Eine Degustationsreihe von Pu Er – wer den Jahrgang richtig tippt, bekommt ein Tuocha 1999 von mir.

Pu Er 1990 (China/Vietnam), 1997 (Simao), 2003 Yiwu, 2005 Yiwu, 2006 Yiwu, 2008 Yiwu, 2007 kbA

5. Faktor Röstung

Anhand von dem originalen Tie Guanyin Baum möchte ich den Einfluss von Röstung nach der Produktion verdeutlichen.

Anxi 2008 (nicht geröstet, gut produziert), Anxi 2008 ( nicht geröstet, zu wenig gewelkt und darum grassige Note), Anxi 2006 (leicht geröstet), Tie Guanyin 2008 (mittel geröstet, Pinglin – schöner Ananasduft! Ich bezeichne ihn als Ananas-Tie Guanyin), Tie Guanyin Muzha 2008 (nach der Tradition „richtig“ geröstet)

6. Die Höhe der Teegarten sollte anhand der Degustaion festgestellt werden.

Qingxin Oolong als Beispiel.

Pinglin, Mingjian (400 ü.M.), zwei Exemplare von Dongding Berg 800 ü. M. (von Insekten befallen und nicht befallen), Alishan 1400 ü. M. zwei Exemplare von Lishan 2600 ü. M. (von Insekten befallen und nicht befallen), Dongding Berg 800 ü. M. 1984

Eine spannende Degustation folgt heute abend in Zürich: Thema Pu Er.

Puzzle

Puzzle

Begegnungen und Ereignisse sind Puzzle des Lebens. Mitte des Geschehens weiss man oft nicht, wohin und wozu das Versatz-Stueck dient. Auch wenn alles, was geschieht und geschah eine Bedeutung haben sollte, fuehle ich mich oft verloren in Puzzle.

Glueck hat verschiedene Lesarten und Erfolg hat viele Interpreten. Es ist schwer, jemanden zu treffen, der den gleichen Geschmack hat. Es ist fuer einen Kuenstler schwer, jemanden zu treffen, der sein Werk bewundert. Es ist fuer ein Kunstwerk schwer, jemanden zu treffen, der es so wie es ist, schaetzt.

Ich lernte You kennen, ueber Azhong, der immer noch mit meinem Lehrer kriegt. You erzaehlte mir von seiner Liebe zur Teekanne – das war der Anfang seines Wegs. Teekanne - ich erzaehlte ihn von Lin Guoxiang, dessen Jadekanne mich ueberall begleitet und beauftragt wurde, noch mehr zu kaufen. You stand sofort auf, rief jemanden an und sagte danach, dass er mich zu einem Sammler bringen wollte, der ueber 100 Teekanne von Lin hat und mir bestimmt welche geben wollte. So lernte ich den Sammler und Rotariat-Praesident Li kennen, der sein Buero von drei Stockwerke voller Kalligrahpie. Malerei und Steinkannen schmueckt. Es war wie ein Musuem! Ein unscheinbarer Person, der bescheiden und normal geblieben ist. Er gab mir – fast verschenkt, drei wunderschoene Steinkanne. Geld hatte ich nicht dabei und spielte ueberhaupt keine Rolle. Ich war sprachlos ueber diesen Zufall. Er sagte mir, zeige Europaer, was fuer Kuenstler und Kunstwerk wir auf Formosa haben. Er sagte, die schoenen Teekanne von Lin ist kulturuebergreifend.

Ueber You habe ich viele wertvolle Tassen und Kanne bekommen. Geld ist dabei fast ein Witz. Was dabei eine Rolle spielt, war das Herz – die Liebe zu Tee, zu den gleichen Dinge, die man gemeinsam gerne hat. Mit diesem Herz bringe ich nun die wertvollen Dinge nach Europa, hoffe, mit Teefreunde, die den gleichen Geschmack haben, zu teilen.

Tee spricht fuer sich. Kunstwerk auch – davon bin ich ueberzeugt. Was ist denn schon Kulturgrenze und sprachliche Barriere!

Ich wollte You etwas schenken, etwas besonders. Was denn? Das wusste ich nicht. Da ich nicht heim fliegen koennte, ging ich am Freitag Meister Hsu Chaozong besuchen, ein Meister von Porzellan-Malerei und Toepfer. Ich kannte ihn nicht gut, wurde immer von ihm reichlich beschenkt, einfach so. Er machte mir einen Oriental Beauty, zu dem er keinen Zugang hat. Er sgate, das Geschirr ist gut, der Tee ist scheinbar auch gut und die Gaeste sind wertvoll, aber der Gastgeber ist ein Kultur-Banause… Hsu ist in der Wirklichkeit die einzigen Kuenstler neben Tsai Xiaofang die Lebendigkeit und Vollkommenheit von Song-Stil-Keramik beherrschen kann! Seine zurueckhaltende und fuer sich sprechende Art der Interpretation von Song-Stil berueht mich zutiefst. Da ich ihm meine Gefuehle immer sehr direkt ausspreche, wenn ich seine Werke beruehre, gab er mir immer einfach die Kostbarkeiten. Am Freitag wurde er sentimental neben seinem Vasen, Figuren und Vitrinen und sagte, dass er sich sehr einsam fuehlt.

„Warum?“ „Meine Frau will nur Geld damit verdienen und meine Kinder wollen dadurch ein schoenes Leben. Ich habe Ruhm und Vermoegen mit meinen Dinge, aber sie machen mich nicht gluecklich. Ich bin wie ein Kind, will spielen, mit dem was ich kann. Ich bin zufrieden mit einem bescheidenen Leben und die Zeit moechte ich fuer das Spiel gerne nutzten… Die Momente, in den das Ofen geoeffnet wird, teilt niemand mit mir vor einem gelungenen Spiel mein Freude…“

Freude moechte gerne geteilt werden. Auch viele viele Dinge des Lebens. Freude sind Puzzles, die das Leben zu einem Bild zusammenfuegen. Das Bild erzaehlt uns, wer wir sind, wohin wir eigentlich gehen wollen.

Kurz vor meinem Abflug traf ich You und wollte ihm eine Teeschale von Ruyao-Stil (mein Lieblingsstilrichtung von Sung Porzellan) schenken, die ich vorgestern von Hsu geschenkt bekam. Ich habe zwei Stueck davon – alles von ihm geschenkt. Als ich die Schale auspackte, war sein Gesicht voller Uerberaschung. „Weisst Du nicht – ich habe sechs Stuecke davon! Ich trinke meinen Pu Er aus ihm. Kennst Du Hsu persoenlich?“ dann seufzte er „Wir haben den gleichen Geschmack!“ Er wollte diese Schale nicht. Er starrte mich an. Ich wurde rot. Wir moechten Tsai Xiaofang nicht, obwohl er stets in Medien und Rampenlicht steht – als der Sung-Porzellan-Guru. Er bat mir naechtest Mal, ihn mitzunehmen, wenn ich Hsu besuchen gehe. Und vielleicht kommt er Mal in absehbarer Zukunft nach Europa, sagte er, einen anderen Teil der Erde zu erleben.

Foto von Lin Guo Xiang und Menglin in Yingge.

Datum Veraenderung von Pu Er Degustation

Ich sitzte fest in Asien. Der Kampf im Bangkok-Flughafen brachte mein Plan durcheinander. Jeden Tag warte ich auf den Anruf und auf meine Abreise. Aber bis zum 10.12. sollte ich unbedingt in Zuerich sein, denn die Pu Er Degustaion auf mich wartet.

Pu Er Degustation

10.12. 2008 18.30

Altstadthaus Zuerich

Veranstalter Teeclub Schweiz, 044 / 776 18 08

Ach, stimmt, ich muss eigentlich fuer da sein. Am 7.12. findet bereits ein Teeseminar von mir statt, ausgebucht.

Mein Vater sagte heute, er will endlich wieder ein ordentliches und ruhiges Haus. Warum fliegt Thai nicht?

Xiao Huang Yin 小黃印

Ich hoffe, dass ich nach Europa zurueck fliegen koennte. Die Unruhe in Bangkok verursacht Einstellung von vielen Flieger und ich weiss nicht, ob mein Flug nicht gestrichen wird.

Als You mich abholte war es bereits 4 Uhr. Ich erzaehlte ihm, was alle in Fuzhou geschah und wir lachten ueber die Verruecktheit des Teemarktes in China und ebenfalls ueber die so genannte Finanzkrise. Ich wollte noch Teekanne kaufen. Nachdem ich das Fotos im Blog gepostet habe, habe ich viele Nachfrage bekommen, um solche wertvolle Kanne zu kaufen. Natuerlich moechte ich gelagerten guten Pu Er von ihm kaufen, wenn er welchen hat. Sein Gesicht wurde steinig. Ich spuerte etwas Sondeerbares.

Auf seinem Teetisch stand bereits ein Buch, eine Katalog von dieser Sammlung, von denen ich gluecklicherweise einen Teil ergattert habe. „Fuer Dich.“ Wie? Ein Buch aus dem 80er Jahren? Einfach so? Keine Information habe ich erhalten, wie das Buch gefunden wurde. Das ist irgendwie seine Art. er spricht nicht viel, spricht nichts ueber sich selbst und noch weniger, wie er etwas emfindet. Ich nahm das Buch einfach unverschaemt an und bedankt mich einfach. Ich wollte einfach noch 10 Teekanne kaufen. Er liess mich welche aussuchen und sagte mir nur nebenbei, dass jede Kanne den Marktwert im chinesischen Kulturkreis zwischen 300-400 Euros liegt. Als ich es erfuhr, fiel eine Kanne fast aus meiner Hand. Der Preis, den ich dafuer bezahle, ist einfach nicht fair fuer ihn! Also, ich schaute ihn an und erhielt keine Antwort. Also, das ist wohl nicht mein Problem. Ich suchte die Teekanne aus und dachte an die gluecklichen Schweine in Europa!

Seine Geschaeftspartnerin war heute da und auch noch ein Kundin. You brachte paar uralte Pu Er Falden aus dem Geheimzimmer. 5 Falden aus 80er Jahren, drei vollstaendig und zwei bruechig. „Koennte ich probieren?“ fragte ich wieder unverschaemt. Seine Geschaeftspartnerin schaute ihn an und er waermte seine Teekanne aus Zhuni.

Xiao Haungyin aus den 80er Jahren, in gelb gedrucktem Papier, aus Menghai. Er zeigte mir eine Pu Er Lexikon, wo dieser Tee datiert wurde. Der Aufguss erinnerte mich an jenem Abend mit Hanspeter in Wistaria Haus, als wir einen Red Label aus dem 80er Jahren trank. Gleiche Auspraegung und gleiche Haerte – nicht agressiv, aber so hart wie der gerade Ruecken des Bambus. Geschmeidig, intensiv und vielfaeltig. Der Duft schmeckt nach Sandelholz und Harz im Wald des Herbsts. Im Herbst, wenn der Wind nach dem Regen weht, wenn Du im wald spazierst, dann schmeckst Du den frischen warmen Harz zwischen den Baeumen und Erde…

Dann bereitete er uns noch einen Liu Bao aus den 50er Jahren zu. Mit einer winzigen kleinen Zhuni-Kanne. „Ach! Was fuer einen Genuss!“ reif ich. Sandelholz und Adlerholz wachsen zusammen in einem praechtigen tropischen Wald! Dann Suessholz und leichte Kamper-Note! He, so etwas… You lachte wie herzig. Es gab natuerlich nichts von diesem Genuss zu kaufen, das war mir sicher. Er packte mir einfach eine kleine Tuete, „Fuer Dich.“ Meine Hand stand in der Luft und wusste nicht, in welche Richung sie sich bewegen sollte. 

„Hast Du Geburtstag?“ fragte die Kundin zu seinem Geschaeftspartnerin. Sie schmunzelte.

Als You Abendessen einkaufte, erzaehlte sie mir, dass er ein seltsamer Typ ist. Das ahnte ich schon. Er liebt Parfuem, ging nach Vietnam, nur um Adlerholz zu sammeln. Er schreibt Kalligraphie und malt chinesische Malerei, besucht regelmaessig Unterricht. Er lebt nur fuer Tee, wohnt im Laden und arbeitet wie verrueckt. Normalerweise spricht er nicht gerne mit Kunde und wenn Kunde ihn nervt, geht er einfach weg. Solche gelagerte Tees betrachtet er wie ein Stueck Fleisch von ihm. Er wird mir nicht verkaufen wollen, meinte sie. Ich verstehe es nur zu gut, solche Typen kenne ich bereits ein paar…

Er fuhr mich zum Bahnhof. Ich lud ihn ein, mich zu besuchen. Er schuettelte seinen Kopf. Er wuerde mir die Tees aus den 80er Jahren geben, meinte er im dunkelen Auto. „Fuer Deinen Laden.“

Ich haette geweint, aber hatte keine Traenen. Teefreundschaft ist etwas Sonderbares. Die gluecklichen Schweine in Deutschland, dachte ich, wie haetten sie diesen Tee verdient? Wie so habe ich ihn denn verdient? „wann kommst Du wieder?“ „Bald, im April.“ „Take care.“ Ich winkte meine Hand in der Luft.

Tee pressen

Die Pu Er Fladen, die von You gemacht wurden, waren alle von Fuessen auf Steinplatten gepresst. Obwohl sein Tee recht jung ist, schmeckt er bereits sanft, vielfealtig und frisch. Sanft, vielfealtig und frisch wie diese Person, die diese Seite allerdings fuer sich behaelt und nur durch Tee mit anderen kommuniziert.

Sein Besuch

Er wollte Menschen prortraitieren, zu den er seit mehr als zwangzig Jahren als Teemensch zwischen Orient und Okzident Beziehungen pflegt. Als eine Art von Abschluss moechte er seine Arbeit abschliessen und sich danach zurueckziehen. Er selbst, sei nicht erwaehnenswert.

Weil er selbst nicht erwaehnen wollte, schreibe ich diesen Beitrag um diesen Tagen mit ihm zu widmen. Die sieben Tage, in den wir zusamme verbingen, waren ein Punkt oder eine Koma meines Lebens.

Hanspeter Reichmuth kenne ich seit paar Jahren. Von ihm und von seinem renomierten Geschaeft horte ich zu oft. Fast alle Teeliebhaber in der Schweiz, die ein bisschen unzufrieden mit dem herkoemmlichen Sortiment sind, sind seine Kundschaft. Verehrt und geehrt ist dieser Mann in vielen Augen und Munde des gesellschaftlichen Lebens. Ich dachte, ich sollte Nervoesitaet in meinem Schweiss spueren, als ich ihm zu ersten Mal traf. Es war ein sonniger heisser Tag im Juni und ich machte ihn eine Schale Matcha – einen Tee, den er nicht mochte. Naiv insistierte ich darauf, diesen Tee zu servieren. Er liess es geschehen. Als er die Schale in der Hand hielt und einen Schluck trank, sagte er, „was fuer einen wunderbaren Tee!“ Ab diesem Moment dutzt er mich. Naiv betrachtete ich es als selbstverstaendlich. Tee sprach zu ihm und er verstand die Sprache des Tees. Auf diese Ebene war er fuer mich ein Teemensch, nicht ein besonderer Mann im oeffentlichen Leben. Er war ein grosser Mann fuer mich, weil er sich traute, nur durch eine Schale Tee seine Meinung zu veraendern und vor einer scheinbar Unbekannte die gesellschaftliche Grenze zu ueberstreiten.

Fuer ihn gibt es keine gesellschaftliche Grenze, die Menschen behindern, selbst zu sein. Zehn Jahren Afrika veraendern einen gut buergerlichen Schweizer zu einem Menschen, der wahrhaftig zu seinem Leben steht. In Wystaria Haus, in Musik von Bach vor einer Schale Liu An erzaehlte er mir ein wenig von seinem Leben. Mitte Dreissig hatte er satt mit dem Leben eines gut gebildeten, gut situierten Schweizer. Er entschied sich in die Luft zu springen und merkte, dass die Luft ihn trug. Ohne die Jahren in Afrika waere er ein gewoehnlicher langweiliger Schweizer, der in 80er Jahren ein Vermoegen erreichte, geblieben. Afrika mit seiner Unberechenbarkeit und Schwierigkeiten des alltaeglichen Lebens schenkte ihn die Freiheit eines gewoehnlichen Menschen, anders zu sehen und zu handeln. Er war niemand mit vielen Moeglichkeiten, anders zu werden und an selbst zu erfahren. Er fragte mich, wie waere unser Leben ohne Spiegel? Als ich ihm von meiner Kindheit erzaehlte, wie ein Maedchen mit Junge-Uniform in die Schule gehen musste und ausgelacht wurde, nur weil die Mutter es verwechselte, falsche Uniform kaufte. Das Maedchen fuehlte sich seitdem nicht schoen und nicht akzeptiert. Er sagte, dass die schoensten Frauen, die er jemals erlebte, war in Afrika. Dort fehlte Spiegel, weil das Mittel fuer eine Spiegelung von gueltier Schoenheit fehlte. Die Frauen waren dadruch natuerlich und sie sind sich selbst ohne Korrektur und Kuenstlichkeit. Ihnen fehlt ein Schoenheitsspiegel, der Groesse und Fehler spiegeln sollte.

„Denn der wahre Spiegel liegt an die Reaktionen der Menschen, wie sie mit uns umgehen.“ Natuerlich und sich selbst sein machte eine Frau zu einer Schoenheit, sagte er und ploetzlich war er leicht verlegen, als ob wir nun ein Geheimnis miteinadner geteilt haetten. Er bewunderte die Xingzhong, die uns im Wistaria Haus bediente. Ihr sauberes ernstes Gesicht, ungeschminkt und unkompliziert strahlten ihre dunklen Augen – ehrlich und liebvoll wie ein Licht in diesem alten Haus. „Wie schoen!“ Ich schaute ihn an und hatte fast zu weinen – ein Gefuehl sehr nahe der Schoenheit des Lebens zu sein…

Obwohl er kein Chinesisch spricht, versteht er meinen Lehrer. Er ist ein scharfer Beobachter. Er wusste von der Reaktion des anderen zu lesen, was jeder Mensch um ihn in seinem Leben zu beschaeftigen hat. Er wusste von der Aussage des anderen zu verstehen, ob er selbst verstanden wurde. Als er meinen Lehrer begegnete, sagte er, es sei ein De Ja vu. De Ja Vu? Nein, ich schuettelte meinen Kopf. Sie haben sich bereits mehrmals begegnet und sich vertraut gemacht – im Tee und durch Tee.

Obwohl ich kein Kavalier kenne, koennte ich mir ungefaehr so vorstellen, was ein Kavalier bei einem auswirken koennte. Er trug die Tasche fuer mich, hielt mir die Tuer und er gab mir ein Gefuehl, geschuetzt und gehuetet zu sein. Als er mir half, die Jacke anzuziehen, spuerte ich die Blicke des Neid im Haus Wistaria. Beneidet war nicht die gehuetete Person, sondern die Moeglichkeit, die eigentlich niemals wahr ist, gehuetet und geborgen zu sein.

Kurz vor seiner Abreise erzaehlte er mir von seinem Gedanke ueber mein Leben – ein Versuch zwischen zwei Welten zu leben. Bist Du wirklich geluecklich? Deine Stimme ist doch ganz anders, wenn Du Chinesisch sprichst – tief und weich. Dein Wuensch ein Zuhause zu haben koennte es im Europa niemals erfuellt werden – denn die Menschen dort kennen diese vertrauensvolle Emotionalitaet nicht. Ich bin gluecklich ueber das, was ich mich entschieden habe. Ich bin nicht mehr das Maedchen aus Taiwan, und werde niemals deutsch. ich bin das, was ich bin.

Er seufzte und erzaehlte mir von seinem Vorhaben in nahen Zukunft des Alters. Ein Projekt aus einer emotionalen Begegnung mit einer entzueckenden Person, die einfach das Goettliche im irdischen Leben lebt und das Irdische zum Paradies verwandelt. Vertrauensvoll sagte das junge Maedchen zu einem alten Mann, „If you take care with me, I will go with you.“ Sie koennte niemals mitkommen. Sie sei ein Blume in ihrer sonnigen Welt. In dem kalten Land der Bergen wird dieser Blume verwelken. Das Goettliche ist niemals durch die Grenze des Raums vergesslich. Das Goettliche ueberschreitet den Schranken der Zeit. Menschliche Begegnung bringen das Goettliche zum Vorschein und zu erleben, wenn wir es wollen…

„If you take care with me, I will go with you.“ Du bist ein Zugvoegel, nicht wahr? Wie es weiter geht, weiss ich auch nicht. Eins weiss ich – I will take care with myself.