Danke, Tobias

Liebe Menglin,

ein Grundton, der in vielen Ihrer Gedanken und Beiträgen zum klingen
kommt, ist die Auseinandersetzung mit der Tradition, alter, bewährter
Überzeugungen und dem Wandel unserer
Zeit. Blicken wir zurück in die Zeiten unserer Großväter und deren
Lebensweisen, scheint die Kluft zwischen alt und jung, der Kontrast
von Moderne und dem ursprünglichen Leben nachvollziehbar und ich
glaube, wir tun gut daran, den Geschichten unserer Ahnen
Aufmerksamkeit zu schenken. Wenn Sie von Ihrem Freund Atong ( Menglin: er ist mein Tee-Lehrer) sprechen,
von Erinnerungen aus Ihrer Kindheit mit der Familie, tritt diese
Mischung aus süßer Erinnerung und der Melancholie des Abschiedes zu
Tage, die wir „Jungen“ uns bewahren sollten. An Traditionen festhalten
heißt nicht, gedankenlos alles zu übernehmen und den Blick von der
Welt abzuwenden, aber Sie kann uns vor allzu schnellen Entscheidungen
schützen, kann den Eifer und den Schwung in rechte Bahnen lenken und
neuen Ideen Tiefe und Ausdruck verleihen.

Ich habe mich sehr über Ihre Antwort im Blog gefreut, auf bald…

Tobias

Für uns wird es immer wichtiger in dieser schnelllebigen Zeit ein Balance zu finden zwischen Tradition und Innovation, zwischen Gestern und Morgen. Wo gehen wir hin? Diese Frage kann nicht beantwortet werden, wenn wir nicht wissen, wo wir her kommen! Beziehungsweise, wenn wir nicht wissen, wer wir überhaupt sind! Ich war sehr erfreut über die Gedanke von Tobias und möchte gerne mit allen Blogfreunde es teilen. Danke, Tobias.

Spielen, spielend durch das Leben

Spielen, spielend durch das Leben

Ich sah, wie Kinder mit Lack spielten. So konzentriert und unbeschwert. Ich dachte an Ryokan, ein Zenmönch, der gerne mit Kinder spielte. Ich hörte wie er sang, wie er lachte. Kinder sind unsere Hoffnung, unsere Zukunft, nicht wahr? Ich denke dabei nicht an unsere Rente, sondern an die ausgebeutete Erde und dem Ölteppich.

Spielen mit Lack

Spielen mit Lack

Seit paar Monaten können Teefreunde in Shui Tang auch die schönen Lackarbeit von dem Künstler Liao Shengwen kennen lernen. Ein Mensch, der nicht nur ein Künstler ist, sondern wirklich ein Mensch mit Herzen und Ellan. Als national Kunsthandwerker ausgezeichnet arbeitet er nicht nur individuell, sondern geben auch Kurse für die Kinder. Als wir eintrafen, war gerade ein Kurs für Kinder aus dem sozial benachteiligten Gruppen. Die Kinder spielten, lachten und experimentierten. Die Kunst von Lackarbeit lebt nicht irgendwo im Museum, sondern im Herzen des Spielenden!

Tie Guanyin

Auf die Frage von Tobias möchte ich hier paar Dinge erörtern.
Obwohl ich bereits viele Beiträge über diesen Tee geschrieben habe, ist es mir wichtig, noch einmal kurz darüber zu sprechen. Denn dieser Tee ist für mich, einen Oolong-Liebhaber fast wie ein Heiligtum. Ich habe mit diesem Tee angefangen, Oolong zu lernen.

Seit mehr als Hundertjahren trinkt man in Fujian und Taiwan diesen Tee. Seit mehr als Hundertjahren wird dieser Tee zwischen den beiden Seite der Taiwanstrasse angebaut, hergestellt und genossen. Tie Guanyin ist heute fast Synonum von Oolong. Aber was ist ein Tie Guanyin?

Zuerst ist Tie Guanyin ein Name von einem besonderen Oolongbaum. Um den Geschmack von diesem Baum richtig zum Ausdruck zu bringen ist ein besonderer Herstellungsprozess entstanden. Ein Tee aus diesem Prozess heißt heute auch Tie Guanyin. Aber ein originaler Tie Guanyin heisst auf Chinesisch: „Zhengcong Tie Guanyin“. Außer dem Baum Tie Guanyin gibt es noch beliebte Bäume wie Benshan etc. Solche Bäume liefern leider keine fesselnde Aromen und Geschmackserlebnisse wie der originale Baum. Für chinesischen Teeliebhaber lebt ein Tie Guanyin von dem typischen Abgang / Nachklang dieses Tees. Balsamierend, Duft wie Orchideen und der Aufguss so geschmeidig wie Seide. Wir nennen es auf Chinesisch „Guanyin Yun“!

Was macht den Guanyin Yun aus? Wie entsteht es? Tee lügt eben nicht. Wenn ein Tie Guanyin diesen typischen Geschmack hat, ist er eben eine Fälschung. Dieser typischen Geschmack kommt nicht nur aus dem originalen Baum, sondern durch eine sehr aufwendige Fermentation und Röstungsprozess!
Man muss sich so vorstellen, wie man ihn vor 30 Jahren Tee produzierte: ohne technische Kühlung und elektronische Hilfe! Das heisst, im Frühling zitterten Teemaker vor Regen und Wolken; im Herbst vor plötzliche Hitze und Feuchtigkeit. Die Fermentation fand ohne künstliche Kühlung im Zimmertemperatur statt oft über 22 Grad – das bedeutet dunkle Aufgusse und fruchtige Geschmäcke. Dann wird dieser Tee richtig geröstet, um ihn haltbar und stabil zu machen. Also der „wirkliche“ nostalgische Tie Guanyin ist von dunklem Aufguss, malzig fruchtig. Die blumige Note schwebt in der Nase, wird getragen von dem starken Körper. So ein Tee kann Jahre lang gelagert werden!

Heute, seit Teebauer in Anxi/China sich leisten können, seine Arbeitskollege in Taiwan nachahmen zu können, gibt es so gennanten „Grüner Tie Gaunyin“. Durch küsntliche Kühlung können Teemaker die Bedingung für Teeproduktion kontrollieren. Ein Sucht zur Kontrolle. Ein Tee zu produzieren mit Kalkül und Berechenbarkeit. Tee ist immer ein Spiegl unserer Gesellschaft. Wenn Du heite siehst, dass junge Mädchen immer mehr sexy werden wollen, und ältere Frauen immer jüngerer bleiben wollen, weiß Du, dass unsere Gesellschaft sich einseitig entwickelt. Tee ebenfalls. Der Trend zu so genannten „Frischen“, „Grüner“ und „WoW“ ist bei Tie Guanyin eindeutig zu beobachten! Der grüne Tie Guanyin ersetzt den traditionellen und ist heute „der Tie Guanyin“ geworden. Aber dieser grüne Variante hat eben sehr wenig von dem Guanyin Yun!
Im Westen, aufgrund von fehlendem Hintergrundswissen und mangelten Interesse von Orginalität glaubt man dass der Tie Guanyin ein „grüner“ sei.

Noch klarer ausgedruckt: all diese so genannte moderne Oolong wie Hochlandsoolong, Baiya Qilan, Zhangping Shuixian, Tie Guanyin können nicht mehr ohne küsntliche technische Geräte produziert werden! Nun beeinträchtigt dieser Trend Dancong, Yancha und Dongding! Es ist immer ein kopfzerbrechender Versuch, einen guten Dancong Shuixian und Yancha zu finden! Nur Dank dieser Entwicklung, Tee immer grüner trinken zu wollen!

Manchmal denke ich, wie wird sich Oolong entwickeln? Wird Oolong überhaupt noch geben? Oder gibt es am Ende nur noch Grüntee…

Lieber Tobias, der Pingling Tie Guanyin ist ein Kompromis zwischen Tradition und der Moderne. Er ist mindestens so gut fermentiert wie einst, aber nicht so stark geröstet wie es einmal war. Es gibt regionale Unterschied zwischen Tie Guanyin aus Anxi/ China oder aus Muzha/Taiwan. Ausser diesem Unterschied gibt es natürlich noch verschiedene Interpretation dieses Tees, wie zum Beispiel verschiedene Fermentationsmethode (in Anxi in sehr kühlem Raum, in Muzha etwa wärmer) und Röstungen (in Anxi fast kaum, in Muzha je nach dem). Heute gibt es in dem originalen Anbaugebiet von Muzha kaum noch echten Tie Guanyin. Was wir kaufen und trinken können, sind aus Anxi-Cooperation! Die Touristen haben so wie so keine Ahnung und man glaubt immer, dass man selbst den richtigen direkt bei Hersteller kaufen kann! Aber Tee lügt nicht. Wenn Du einmal Guanyin Yun verstehst, wenn Du einmal die Handschrift von taiwanesichen und chinesischen Teemaker erkennen kannst, wirst Du nie mehr einen falschen Tee kaufen!

Entschuldige, dass es am Ende ein langer Beitrag geworden ist.

Frage nach dem Tie Guanyin

Liebe Frau Chou,

es ist nun schon eine Weile her, dass ich bei Ihnen einen „Tie Guanyin“ aus „Pinglin“ bestellt habe. Der Tee hat mir viel Freude bereitet. Als ich zuletzt einen anderen „Tie Guanyin“ probiert habe, musste ich feststellen, das er doch sehr „grün“ war, nur sehr wenig fermentiert wurde… diesem Tee hat auf eine gewisse Art der „Körper“ gefehlt, der den „Pingli-Tie-Guanyin“ meiner Meinung nach auszeichnet. Sind diese Tees im Allgemeinen wenig fermentiert, oder gibt es regionale Unterschiede in der Verarbeitung?

Da Sie verschiedene Varianten dieses Tees anbieten, würden mich die unterschiedlichen Schattierungen sehr interessieren.
Es wäre freundlich von Ihnen, Sie könnten mir etwas über diese Tees mitteilen.

Seien Sie herzlich gegrüsst,

Tobias

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Ich werde diese Frage nach Tie Guanyin morgen beantworten. Heute bin ich noch zu müde, der Geist ist recht benebelt wegen dem langen Flug. Also, bis sehr bald!

Im Muster gefangen

Jeder Mitglied hat ene bestimmte Funktion in einer Familie. In jeder Familie existiert ein bestimmtes Muster. Häufig pflegt man es unbewusst weiter und ist gefangen.

Wenn man mich fragt, ob ich mich auf meinen Heimkehr freuen würde, war ich oft sprachlos. Es ist ein Tabu zuzugeben, dass man nicht weiss, ob man sich darüber freut. Und diese Ambivalenz hat nchts mit anderen Menschen, die man eigentlich liebt, zu tun, sondern mit der eigenen Unfähigkeit, zu sich selbst zu stehen.

Mit 40 verschiedenen Teemuster bin ich nach Taiwan geflogen. Ich wollte paar Frage klären und bestimmte Antwort bei Atong finden. Ich weiß, wie wenig ich weiß. Atong jammerte ganzer Zeit, was für ein schlechtes Schicksal er hat, so viele schreckliche Tees zu kosten. Aber ich kann ja nur von den schlechten Tees lernen, die mir aufzeigen, was für Fehler ein Teamaker machen kann! Häufig tauchen Fragen in mir auf und frage recht naiv meinen Lehrer: „wie kann man solchen Fehler machen bei Tee?“ Er sagte mir nur in paar Worte: „weil man ein bestimmtes Muster verfolgt, Tee zu machen.“ Weil man ein Konzept hat.

In Taiwan, in meiner Familie lebe ich in einem bestimmten Muster. Beziehungsweise wird ein bestimmtes Muster gepflegt, wie man mich sieht und wie ich sein sollte. Häufig kann ich diesen Anspruch nicht gerecht werden. Während des Heimkehrs leide ich oft unter Schlaflosigkeit. Darüber freue ich mich wirklich nicht!
Mein Clan wußte nichts , was ich im Europa so treibe. Sie interessierten sich nicht wirklich dafür. Ich erzählte auch niemandem davon. Wem geht es denn überhaupt etwas an, was ich tue? Vor einem Jahr sagte meine dritte Tante zu mir, „Dein Vater kann ja mit seinem Geld Dir einen Laden kaufen. Es ist so wie so für Dich wie ein Spielzeug.“ Sie wußte damals nichts von Shui Tang.
In diesem Moment war es mir klar, was sie von mir hält. Nichts! Ich bin nichts.
Ganz ruhig sagte ich ihr, „Ja, das stimmt. Ich mache gerade einen Laden auf. In Zürich.“ Danach herrschte eine tote Stille. Keiner fragte danach.

Vor paar Tagen rief meine vierte Tante aus Amerika an und sagte mir, „Du muss Dich ja nicht anstrengen. Du hast ja Deinen Vater…“ „Ja, das stimmt.“ was hätte ich sagen sollen? Was hätte ich beweisen müssen? Ach! Ich bin für diese Menschen nichts.
Auch wenn ich weiß, dass es einfacher ist, in dem gewöhnten Muster zu leben, möchte ich auf meine eigene Beine stehen. Das Geld und ein guter Hintergrund bringen einen kein dauerhaftes Glück. Die Erfahrung des Glücks ist eine Erfahrung des Selbstwertgefühls! Ich arbeite gerne! Arbeit ist für mich ein Ausdruck des menschliches Dasein. Nur unsere Gesellschaft bringt uns in einem zwanghaften Muster, mit einem „Job“ zu identifizieren, was uns nicht befreit, sondern zur Sklave der Materie macht. Eine Arbeit zu tätigen macht mich aber frei, gibt mir Würde als ein Mensch zu sein!
Ich gebe zu, dass ich auch von mir nicht viel gehalten habe. Ich bin auch gerne privilegiert. Das Problem ist, dass gute Dinge zum Schlechten wenden können, während schlechte Dinge gut werden können! Das so genannte Glück im Auge des anderen kann eine unglaubliche Last sein!

Ich will einfach arbeiten. Es geht wirklich niemanden etwas an, was ich bin. Ich habe Freude an dem, was ich tue. Als es mir körperlich nicht gut ging, sagte meine Mutter zu mir: „Mache den Laden einfach zu.“ Ich versuchte ihr es zu erklären, dass ich in meinem Leben auch einmal lernen will, die harte Zeit und Anstrengungen durchstehen zu müssen. Der Laden ist kein Spielzeug. Auch ich kann es schaffen, mein Muster zu ändern und durchzubrechen! Ich will das Leben einmal anders sehen, anders gestalten und anders leben als das, was man von mir erwartet. Auch ich werde es schaffen. Darum bin ich im Europa.

Vor paar Tagen entdeckte ich einen Buddhs Hand zwischen Atongs Tees. Buddhas Hand 1998. Ich wollte ihn unbedingt probieren. Atong schüttelte seinen Kopf. Das sei ein schlechter Tee. Ich wollte ihn unbedingt probieren. Schlechter Tee? Ich roch den typischen Buddhas Hand und die Reifung eines Tees. Schlecht? „Er ist nicht ein klarer Tee. Zu schwer. Zu einfältig.“ sagte mein Lehrer. „Warum hast Du denn diesen Tee gekauft?“
„Mein Mädchen. Auch ich falle manchmal in einem Muster, irrational zu handeln! Ich wollte diesen Teebauer nicht enttäuschen. Deswegen bleibe frei und sachlich, wenn Du Tee einkaufst!“

Im Muster gefangen hatte ich diesmal paar schlaflose Nächte und geschwollene Augen. Es war nicht Jet lag. Es war viel Schmerzen und im Muster gefangen.

Ist Dein Matcha nicht schäumig?

In Shui Tang kamen häufig Leute, die nach einem Matcha verlangen. Eigentlich möchten sie gerne vorgeführt bekomme, wie ich Matcha schlage.
Die häufigste Frage ist: Warum ist mein Matcha nicht schäumig?

Die Antwort ist relativ einfach: Uebung macht dem Meister.

Andererseits hätte ich paar Vorschläge:
Den Tee unbedingt sieben. Dies garantiert vollständiges Auslösen. In der Teezusammenkunft achte ich immer, ob ich Mtacha Spuren hinterlasse. Das heisst, unaufgelöste Matcha-Spuren zeigen meine Schlamppigkeit.

Den Tee unbedingt im Kühlschrank aufbewahren: nur ein frischer Matcha kann auch das schöne Schmaum garantieren.

Den Tee tatsächlich mit zwei Bambuslöffel dosieren und mit ca. 50 ml Wasser aufgiessen. Man muss sich immer so vorstellen, dass der Gast nicht mehr als 3 und halbe „Schlucke“
trinken.

Den Tee mit einer richtigen Chasen (Besen) schlagen. Wenn Deine Schale klein ist, dann eine kleine Besen. Wenn Deine Schale gross ist, dann eine grosse Besen. Ein wirklicher Teefachgeschäft kann Dich richtig beraten. Zu kleine Besen in einer grossen Schale macht keinen schönen Schaum…

Den Tee mit richtigen Temperatur giessen. Zu kalte Temperatur oder zu wenig dosierten Tee sind die Gründe eines gescheiterten Matcha. 90-100 Grade Wasser kann je nach Qualität zum Erfolg helfen. Je bessere Qualität kann man mit heissem Temperatur aufgiessen.

Die Hände lockern. Verspannte Hände können keinen guten Tee rühren… Teezubereitung kann ein SPiegel unserer Seele sein.

Viel Spass mit dem Schaum!