Shuitang auf DokoDare gibt es jetzt schon:
Hier mehr.
Sonne schien wunderbar über den Himmel Zürichs. Mit einer Leichtigkeit und frühlingshafter Stimme fuhr ich zum Techno-Park und wollte Roger abholen. Wir möchte weiter über das Shui-Tang Projekt besprechen.
Ohne Roger wäre das Teeblog tee.kaywa.com nicht hier, ohne Roger wären viele Teefreundschaften zwischen Cyperspace nicht entstanden, ohne Roger wäre Shui-Tang lang noch nicht da!
Wie hat dieser Mann eine Ahnung bekommen, in einer unbekannten uninteressanten Person wie mich etwas zu fördern und ein Potential zu erkennen? Er müsste ein gutes Riecher haben! Ich vertraue ihn und vertraue seine Intuition. Gerne bespreche ich mit ihm und Miriam über vielen Dingen, gerne lass mich von ihm führen. Der Name Shui-Tang war seine Idee, eine interessante Idee, eine vielversprechende Idee.
Shui Tang 水堂 bedeutet in Chinesisch:
Wasser und Ansammlungsort. Ort des Wassers. Ort der Quelle.
Shui (sui) 美 Tang 堂 bedeutet in Taiwanesisch (meine Muttersprache, die in der Tangzeit als Mandarin gesprochen wurde):
Schöner Ort.
Shui水 Tang 湯 bedeutet in Japanisch:
Heißes und kaltes Wasser
Ein Ort des schönen Wassers, ein Ort der Ansammlungen von schönen Dingen, ein Ort der Quelle!
水美堂, Shui Tang in Zürich!
Ich möchte mich hier noch einmal ausdrücklich bei Miriam und Roger Fischer bedanken!

Foto: Ein Kulturnachmittag mit jap. Kammermusik, Lesung und Tee in Zürich
Freundin Anna kam aus Berlin und war zutiefst besorgt wegen meinem neuen Projekt mit dem Teehaus an der Spiegelgasse. Sie redete mir zwei Tage lang über die Gefahr, wie ich mich finanziell ruinieren kann. Ich sollte wieder zurück nach Deutschland und dort etwas machen anstatt in diesem Bergland umgebend von Mountain-People, die eigentlich nur Kühe und Bankier haben. „Was willst Du von den Menschen hier?“ „Nichts. Ich will nur meine Vision verwirklichen.“ „Hast Du keine Angst.“ Oh, doch. Eine ganze Menge.
Eine ganze Menge Angst begleitet mich schon seit Geburt. Angst steuert unbewusst unser Leben, treiben uns in die Anhängigkeitsbeziehung und entscheidet unseren Weg. Aus Angst werden wir konditioniert, auf den widerstandlosen Weg zu gehen. In einer Krisenzeit reagieren wir meistens auf Angst und aus der Konditionierung. Selten hören wir auf unsere Intuition. Auch wenn ich eine ganze Menge Angst beobachte, sollte ich mein Leben der Angst übergebe?
Urangst, die mit Existenz verbunden ist, ist ein Spiegelbild unseres Selbst. Ein Kampf ist von Anfang an verloren. Ich sehe sie und kann nur mit ihr befreundet sein. Angst kann mich bremsen, verhindern und meinen Boden wegziehen, in eine Abhängigkeit zu treiben, Menschen zu gefallen, Dinge aufzublasen und das wahre Ich aus den Augen zu verlieren. Muss man tatsächlich armselig werden, wenn man in der materiellen Armut steckt? Ist der innere Reichtum zwangsläufig abhängig von der materiellen Fülle? Ich sehe eine große Lektion des Lebens vor mir, eine Erbsenprinzessin.
Wenn die Angst die bremsende Kraft im Leben ist, was wäre die treibende Kraft unser armseliges Dasein?
In meiner ersten Reise nach China, traf ich mein „Teespion“ Luo in Fuzhou. Es war unsere erste Begegnung. Ein aufrichtiger schüchterner Mann, der mich in den ersten 15 Minuten nicht in die Augen anschauen konnte, zeigte mir mit einem chinesischen maskulinen Stolz die Stadt. Er lief vor mir und gab mir das Gefühl beschützt zu sein. Mit seiner in den Teebranchen tätigen Studienkollegin gingen wir zusammen in ein sehr edles Teehaus. Ein hübsches Mädchen geschminkt und geschmückt von einem chinesischen Kleid bereitete Tee für uns zu. Das Gespräch fing mit Celadon an. Luo fragte mich, ob ich koreanisches Celadon kenne. Ich liebte einst Celadon, Celadon in jeglicher Interpretation bis ich den Keramiker Hsu kennen lernte. Celadon, meistens ein Blendwerk, glänzt in grün. Selten schafft ein Keramiker Celadon matt und die Farbe zwischen Himmelblau und grün zu brennen. Koreanisches Celadon, andere Farbton, andere Art des Berührens und ein anderes Gefühl der Schwerkraft. Für mich ist das koreanische Celadon schwerer, dunkler und eigenartig. Wir sprachen über viele Dinge, viele schöne Dinge und noch mehr Dinge über die Schönheit des Lebens. Das Mädchen, mit ihren Orchideenfinger stets Tee zubereitete, fragte mich, ob sie alle diese schönen Dinge lernen kann, wenn sie nach Taiwan geht. Sie würde so gerne mit mir nach Taiwan gehen, diese schönen Dinge für ihr Leben zu lernen. Mich schauten sechs Augen an. Sechs leuchtende Augen voller Lebenshunger und Freude. Luo sagte, er würde gerne mit mir nach Taiwan gehen, bei meinem Lehrer Tee lernen. Seine Kollegin sagte, sie hat die Liebe zum Tee nie in dieser Form erlebt. Schöne Dinge geben uns Kraft zu glauben, dass das Leben sich zum Guten wendet. Schöne Dinge geben uns Licht und zeigen, wohin wir weiter gehen wollen – zur Veränderung, zum Aufbruch in ein anderes Ufer.
Wir suchen bewusst oder unbewusst die Nähe bestimmten Menschen. Wir vermissen bewusst oder unbewusst Begeleitung bestimmten Dinge. Manche finden es in Tee, manche finden es in Fernsehen, manche finden es in Sex. Die Dinge sind unschuldig und spiegeln nur, wer wir sind. Die Dinge sind unschuldig und spiegeln uns nur, wie wir sie sehen. Wie wir sie sehen, entscheidet dann, ob wir Glück anziehen oder Pech.
In diesen leuchtenden Augen am diesen Herbstabend sah ich Licht und die treibende Kraft in Menschen, die mir vorher unbekannt waren, aber ab jenem Moment Weggefährten wurden. Wir werden diesen kurzen Abend nicht vergessen, dass wir von schönen Dingen umgebend waren und so nah an die Schönheit des Lebens saßen. Wir waren im Einklang mit allen.
Heute Nachmittag lass Dirk den Text von Okakura. Was ist Teeismus? Okakura erklärte ihn in kurze Sätze:
Teeismus ist ein Kult, gegründet auf die Verehrung des Schönen inmitten der schmutzigen Tatsache des Alltags… Den Wesen nach ist er eine Vereherung des Unvollkommenen, denn er ist ein zarter Versuch, etwas Mögliches zu vollenden in diesem Unmöglichen, das wir Leben nennen.
Das Projekt, in der Bankenstadt Zürich ein Teehaus zu starten, ist ein zarter Versuch, etwas Mögliches zu vollenden in diesem Unmöglichen, das wir Leben nennen.

Architektur ist nicht mein Fach. Aufgewachsen bin ich in einem alten chinesischen Einwandererhaus auf einer fremden Insel im Pazifik, das im 19. Jahrhundert stammte. Am Fluss von Taipei standen das Haus unweit am Ufer, mit einer Gartenanlage und viele kleinen Häuser. Als Kind spielte ich mit meiner Schwester allein im hintersten Garten bei einem Teepavillon. Wenn meine Großmutter aus Süden zu Besuch kam, schlief ich mit ihr in diesem Pavillon. Die ganze Nacht konnte ich aus Angst meine Augen nicht verschließen bis ich aus der Erschöpfung einschlief. Ich hörte zu viel Geistergeschichte und dachte immer, meine alte magere Großmutter, die ein verfluchtetes Grundstück allein verteidigte, würde zu einem bösen Geist in der Nacht verwandeln…
Die Häuser in unserem Haus waren so groß wie der Garten vertragen hat. Später wurden die Häuser eins nach dem anderen abgerissen. Ein Hof nach dem anderen. Vom Staat gezwungen und von meinem Onkel befürwortet. Mein Ururgroßvater sei reich geworden durch Sesamöl-Verkauf. Es wurde erzählt, dass es viele fette Tausendfüße gesichtet wurden, die gerne Sesamöl rochen, als das Stammhaus Stück für Stück von Backer zerstört wurde. Tausendfüße galten in China als Drachen. Das Haus habe laut fengshui-Meister eine Drachenhöhle, was Reichtum und Segen garantiert.
Der Yu-Yuan Garten war richtig chinesisch im Vergleich mit unser alten Haus, das von den chinesischen Einwanderer auf Formosa gebaut wurde. Meine Vorfahren bauten ein Haus in Orientierung nach „Min-Stil“ (Fujian) und die Familie leben dort seit sieben Generationen. Der Yu-Yuan Garten sah schön und prächtig aus, so prächtig, dass es mir richtig leid tut. Zwischen den vorhandenen Institutionsbauten (Völkerkundemuseum) sah der Garten zerquetscht am Ecke. Der blasse karge Garten im Winter strahlte keine Geborgenheit, sondern eine Entfremdung. Eine Entfremdung zwischen Menschen und Natur. Gerade sollte die Harmonie zwischen Menschen und Natur, zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zwischen dem Vorhandenen und dem Zukünftigen im Zentrum der chinesischen Architektur stehen, anstatt der menschlichen Willes.
Es war morgen früh. Oh, es war eigentlich um 11.15. Mit den anderen Besucher aus Bayreuth waren wir die ersten Besucher. Ein gut deutsch sprechender Chinese kam mit einem roten Weste, die bereits verschmutzt war. Die Teekarte besteht aus Longjing, Bi Luochun, Anxi Tie Guanyin, Da Hongpao, Qimen, Dianhong und Pu Er. Ach, das wichtigste: mit Jasmin aromatisierte Teeblumen! Ich wollte einen Da Hongpao. Er sagte, er kann ihn heute nicht anbieten, weil die zuständige Dame, die Tee zelebrieren sollte, nicht da ist. Ich sollte etwas anders bestellen. Ich bestand auf den Da Hongpao. Dann kam eine Dame im Chinoserie-Kleid und lächelte. Ein Da Hongpao in Gongfu Art. Sehr schnell aufgegossen, sehr schnell abgegossen.
Ich möchte hier nicht über die Dinge des anderen lästern. Das Teehaus sieht schön aus. Die Möbel sind echt aus Holz und in chinesischem Stil. Die Tees werden unterschiedlich zubereitet, Mal im Glas und Mal in Gongfu. Die Literatur von Konfuzius-Institut ist sehr informativ und für mich genussvoll, zu lesen. Das Kulturprogramm hört sich wahnsinnig spannend an. Am liebsten hätte ich an jede Veranstaltung teilgenommen. Das Baozi schmeckt wirklich hervorragend. Die Gäste sind interessierte Teeliebhaber, die sich nicht scheuen vor dem langen Weg. So lernte ich die Bäckermeister aus Bayreuth. Sie waren sehr interessiert und sprachen mir sehr freundlich an. Zuerst unterhielten wir uns über Kaffee, um das Thema Tee auszuweichen. Dann erzählte ich von Georges Cafe, von seiner Leidenschaft zum Kaffee und von seiner Vision ein wirkliches Cafe für Kaffeeliebhaber zu eröffnen. Kaffeehäuser könnten ein Bildungsstätte sein, wenn der Besitzer eine Vision hat. Bei George lernt man Kaffee kennen, lieben und trinken! Meine Augen strahlten wohl auch mein Glück aus, so einen Mann kennen gelernt zu haben, an so einen Ort gewesen zu sein und so einen Genuss zu haben. Die Bäckermeisterin seufzte, „Ach, wir haben eigentlich diese Erfahrung hier gerne gemacht und gesucht!“
Mein Da Hongpao kostete 18 Euros. Ein Tee, der sehr grün war. Klare Orchideen-Note. Meine Kehle fühlte sich so an, als ob man sie mit Sandpapier gerieben hätte. Ich habe zwei nette Teefreunde kennen gelernt. Für mich war es ein schöner Besuch. Meine neuen Teefreunde fanden unsere Begegnung ebenfalls inspirierend und ein Foto wurde sogar gemacht als Meilenstein unseres Wegs.
Foto: Teehaus Huxin-Ting in Yu-Yuan
Feldbrunnenstraße 68, 20146 Hamburg

Geduld ist mir stets ein Fremdwort. Eigentlich wäre ich gleich wieder gegangen, als ich diese lange unpraktische Schlange sah. Wenn die Empfehlung dieser Kaffeerösterei nicht von einem guten Keffeeröster wie der Stefan wäre, hätte ich bloß auf meine Ungeduld reagiert. Reaktionen auf die Emotion, die aus der gewöhnten Konditionierung entsteht, wie der unübersichtlichen Schlamm im Geist funktioniert, führt uns oft blind durchs Leben und öfter an die Wand. Geduld abzuwarten bis der Schlamm sich wieder setzt bedeutet für mich eine Aktion selbst herauszufordern. Was ist, wenn der Schlamm sich setzt?
Ich schaute den jungen Mädels zu, wie sie den Kaffee-Zubereitung wie die Fließbandarbeit fertigten. Die praktische schicke italienische Kaffeemaschine machte ihr Job ohne Schwankung und Beschwerden. Ich bestellte eine Tasse Hochlandskaffee aus Tansania und dachte gleich an eine dunkle Brühe, die mich bald enttäuschte. Ach, wozu landete ich denn hier? Kaffee-Trinken kann man einfach nur in Taiwan bei George. Hier in Europa versteht man Kaffee nur als dunkle Brühe, die immer so schmecken muss – aus der Maschine von Hamburg bis Sizilien. Kaffee wird nur verstanden als nüchternes Wachmittel. Ein Mittel gegen Erotik und Muße, was Menschen fern zur Arbeit hält – Arbeit, die gemacht werden muss anstatt gemacht werden möchte.
Die flinken Mädchen brachten eine Tasse an die Theke. Ich musste dort lange auf meinen Kaffee warten – alles, was hier geschah, nennt man SpezialitätenShop, Erlebnis-Gastronomie! Hier sollte man einen Einblick in die einstige alte Welt des Kaffeehandels vermitteln bekommen. Dort sollte man einen Überblick über erlesenen Kaffee aus ganzer Welt erhalten kann. Ein Ort des kollektiven Gedächtnisses und ein Ort der kulinarischen Bildung. Eine Bildung auf höchstem Niveau.
Manche Kunden standen absichtlich in der falschen Schlange und hofften, schneller bedient zu werden. Ich hatte keine Lust über die zu lästern. Wenn ich könnte, würde ich ebenfalls mit Tricks anwenden, um schneller die dunkle heiße Brühe zu bekommen. Irgendwann bekam ich meine Tasse. An der Theke musste ich schon entscheiden, ob ich Milch nehmen wollte. Ich spürte im Herzen wieder einen Stich der Schmerzen. Es war kein Ort für Kaffeeliebhaber! Wenn Milch in meinem Kaffee sank, wurde mein Kaffee einfach nur eine trinkbare Brühe. Wenn ein Kaffeeliebhaber Wahl hätte, würde er zuerst keine Milch nehmen. Wenn der Kaffee gekostet wurde, dann kann der Kaffeeliebhaber machen wie er es gerne hätte.
Ich vermisse eine gute Kaffeebildung in Europa, auch wenn das Getränk massenhaft konsumiert wird. Das bedeutet schon die Zahlen der Popularität? Gar nichts. Die Tasse von Speicherstadt war erstaunlich gut. Geschmeidig und vielschichtig. Erstaunlich schnell floss die Flüssigkeit in meine Kehle und eine Zufriedenheit spürte ich in den ganzen Körper. Was für ein Glück! Wenn man eine gute Tasse Kaffee bekommt! Wenn diese Rösterei doch schafft, einen guten Kaffee zu kreieren, warum sind sie zufrieden mit einem gewöhnlichen Kaffeebetrieb, das vielleicht nur Geld wirft? Wer sollte sich um die breiten Massen der Kaffeetrinker kümmern?
Ich vermisse George.
Der Besuch von Georges Kaffeehaus gehört nun in meinem Reiseplan für die Reise von Teeclub. Eine gute Kaffeebildung hilft dem Verständnis des Tees – ich bin davon überzeugt.
Als ich zum ersten bei George war, wurde ich mit 10 minutige Vorstellung über das Verständnis des Kaffees eingeleitet. Kaffee sei Fruchtsaft von einer tropischen Frucht. Samen aus dieser Frucht werden fermentiert, geschält, getrocknet und geröstet. Nach der Röstung wird diese Samen gemahlen und gebrüht. Dieser Saft schmeckt selbstverständlich fruchtig säuerlich und zeigen uns unterschiedliche Facetten wegen unterschiedlichen Herstellung und unterschiedlichen Anbaugebieten. Ähnlich wie beim Tee. Dann wurde ich aufgeklärt, dass es im Haus ein Milch-Verbot gibt, weil Milch die Verkostung von Kaffee behindert. Ich bewunderte sein Bildungsangebot in diesem kleinen Cafe in Taipei und empfing die Liebe von Hausherrn zum Kaffee. Sein Kaffee ist per Hand gebrüht. Diese Hand ist menschlich, erzeugt aber stets stabilen Aufguss. Mich wurde empfohlen, den Kaffee so lang zu trinken wie möglich. Denn der gute Kaffee entfaltet sich erst richtig durch die Zeit. In warm, in kalt und am Anfang und am Ende kann man die Nuance verschiedene Stationen feststellen – wie im Leben.
Man kann mit George über sein Verstännis von Rösten streiten. Ich war nicht für seinen Stil, aber sehr beeindruckt von seiner Überzeugung, eine Kaffebildung in dem hektischen urbanschen Labyrinth anzubieten. Sein Mut ist einzigartig wie sein Cafe in der Welt.
Was ist der kulinarische Genuss? Bei George erlebt man DIE KULTUR!
Als ich in Yu-Yuan in Hamburg allein saß und Alexandera und Thomas begegnete, meinten die beiden Bäckermeister, dass sie eigentlich in diesem mehrfach berichteten Teehaus von einer Bildungsstätte für Tee suchten – TEEKULTUR anstatt Chinoserie. Ein Ort für den kulturellen Austausch, kulinarisch und sinnlich, anstatt ein Betriebstätte für ein Getränk – das haben wir genug in unseren Städten.
Kaffeerösterei Speicherstadt
Kehrwieder 5 D 20457 Hamburg
Ja, es ist wahr.
Heute, kurz vor dem Abflug. Das Telefon klingelt ständig und meine Schritte schreiten ständig. Der Kopf dreht ständig und der Bauch jammert ständig. Nein, eigentlich will ich nicht weg von dieser kalten nassen Stadt, auch wenn ich oft über sie lästere. Es ist nun doch die Stadt, die meine wird.
Jürg erwischte mich gestern nicht und erreichte mich heute im Tram 9. „Ich bin kurz vor Abflug!“ jammerte ich im Telefon. „Ich bin beim Abflug in Kloten! Aber ich will noch wissen, hast Du es oder nicht! Keiner weiß genau, ob Du jetzt wirklich den Laden an der Spiegelgasse hast. Im Blog kann man einfach nicht klar verstehen.“ unser Präsident (von Teeclub Schweiz) wollte unbedingt wissen kurz vor seinem Abflug nach London. Paar Stunde später schrieb Daniel mir ein SMS, „Hast Du es oder nicht? Ist es wahr oder nicht?“
Am letzen Mitwoch rief ich Thomas in Berlin an und sagte ihn, dass seine Bilder von Teefelder in Anxi und Lugu nun einen Raum bekommt, ausgestellt zu werden. Ein Raum für Menschen, für Tee und für anders Denkenden. Menschen, die vorhandene Dinge hinterfragen, die das Leben leben möchten, die sich gerne durch Überraschungen und Begegnungen bereichert werden möchten, sind hier in diesem Raum zu Hause.
Tee ist ein Medium, das alles durcheinander bringt und alles zusammen bringt.
Ich freue mich riesig!
Wie soll das Haus denn heissen?
Gestern rästelten meine Teeeltern mit mir über den Name und heute mittags mit Christoph und später mit Hubert. Es soll nicht esotherisch sein, nicht wellness-like… Ich finde den Name „Teehaus Spiegelgasse“ doch ganz nett. Jeder Europäer könnte ihn aussprechen. Mich schauten die anderen nicht ganz zufrieden an… Naja, es wird schon ein langes Geburt werden… Ich bin dankbar für jeden Tipp und Ratschläger!
Vorhin verabschiedete ich mich von Hubert, der Geburtshelfer des Teehauses. Ich fliege zuerst nach Bangkok und lass mich von Asien inspirieren. Er schmunzelte in voller Schalk, „Ja, lass Dich vorbereiten. Vorbereiten für eine harte Zeit.“ War es Schadenfreude? „Vielleicht. Ein bisschen.“ Er küsste mich ganz sanft auf meinen Backen.

Netzwerk ist eine harte Arbeit für jemanden wie mich. Ich bin zu faul. Hannes sagte mir einmal wenn ich in Zürich Fuß fassen möchte, sollte ich an die Vernissage gehen und an bestimmten Veranstaltungen teilnehmen. Ich bin zu faul, um seinem Rat zu folgen. Außerdem ist es mir richtig egal. Ich verschwende ungerne meine Zeit und habe meine Füße unter mir. Die Menschen an der Spiegelgasse kennen zu lernen, war nicht geplant.
Eigentlich weiss ich auch nicht mehr, wie die Geschichte angefangen hat?
Als die Mutter ihrem Mädchen verbot, mit Kindern auf der Strasse zu spielen, kaufte sie ihm viele viele Büchern. Das Kind wurde „Buchwurm“ und war fasziniert von dem Fremden, von der Andersartigkeit und von dem anders Denkenden. Das Kind sammelte Kalenderfotos von Europa und klebte sie überall an der Wand. Seinem Vater zeigte es die Fotos, dass es einmal hin fahren würde. Der Vater war stolz und arbeitete hart. Irgendwann kam das Kind nach Deutschland, weil die meisten in die Staaten gingen. Das Kind wurde inzwischen eine junge Frau, die Völkerkunde studieren wollte. Da sie in Konstanz es nicht tun konnte, studierte sie Germanistik, weil sie dachte, es auch nicht schlecht sein konnte, Deutsche zu studieren. Irgendwann lernte sie den Professor Kantowsky kennen und saß oft in seinem merkwürdigen Seminar. Das war „Buddhismus im Westen“. Dort lernte sie eine promovierte Chemikerin Erika kennen, die Erika schrieb später das Buch „Heilen mit Tee“. Mit Erika wurden sie die besten Freundinnen und wurde einmal mit nach Zürich zur Spiegelgasse mitgeschleppt. Dort sitzt das Zen Dojo Zürich. Zen kannte die junge Frau nur von Büchern. Aber, die Paradoxien, die sie dort erlebte und gehörte, wie Z. B., dass man sich binden kann ohne Seil, faszinierte sie und sie ging immer wieder gerne dort hin.
Einmal spazierte sie wieder an der Spiegelgasse vorbei. Sie sah einen sympathischen jungen Mann in einem schönen hellen Laden. Sie fühlte sich angezogen und ging hinein. Sie fingen an, mit einander zu sprechen. So lernte sie Hubert kennen.
So lernte ich Hubert kennen. Sofort fühlten wir uns vertraut. Als Kind noch einmal Kind war, konnte das Kind die Engel sehen und mit seinen Seele sprechen… Warum rechnen wir immer mit den Jahren oder die Zeit, wie lange Menschen sich kennen und mit einander verbringen? Ich dachte, dass ich Hubert schon lange kenne. Wie ein Bruder fühle ich mich so wohl bei ihm. Ja, ich kenne Dich schon lange, länger als es ist. Warum sprachen wir denn über Tee? Keine Ahnung. Er nahm meine Tees in die Sortiment und wir treffen uns Mal zum Frühstückskaffee, Mal zum essen. Wenn er Event hatte, half ich manchmal mit. So lernte ich seinen netten und wohlwollenden Vermieter kennen, die im Nebenhaus wohnte. Ich erzähle ihm von meinem Traum. Eigentlich wäre doch sein Laden mein Traumladen…
Frau Mauz, eine ehrgeizige Schneiderin und Designerin in Zürich. Für ihre Berufung verließ sie ihr gut bezahltes Bankjob und näht in ihrem Atelier. Ich wurde ihr Kunde, weil ihre Kollektion eine schöne fließende Linie aufzeigt, eine Bewegung in der Bewegung unterstreicht. Viele ihre Seidenröcke hängen in meinem Schrank. Das kleine Atelier an der Spiegelgasse begleitet mich mit ihrem Werk zu vielen Anlässe. Ich bin faul und vertraue gerne Profi, so wechsele ich ungerne meinen Stil – wenn ich überhaupt einen hätte. Wenn überhaupt, dann konservativ und trocken.
Da ich gerne Seide trage, wurde ich Kunde von En Soie und lernte Holländerin Jenny kennen. Jenny war Jahren lang eine Galeristin und verkauft Kollektion von En Soie, ein renommiertes Geschäft in Zürich von ihrer Tochter. Ich komme manchmal vorvei und bringe ihr Tee. Sie tröstet mich, gibt mir Rat und macht mir eine Tasse Tee. Als ich an letzten Freitag zu Besuch kam, sah einen älteren Gentleman. Wir lächelten uns an. Jenny sagte zu ihm, dass ich der größte Schatz Zürichs sei. Er nickte. Er gab mir drei Küsschen, so natürlich und einfach. Ich richtete kurz seinen Mantel, so selbstverständlich und normal. „Ich gehe zu einem Geburtstagparty einer Freundin an der Spiegelgasse.“ „ Viel Spaß!“ wünschte ich ihm. Ein wichtiges Geburtstagparty, nicht wahr? Minuten später kam eine gepflegte Dame hinein und rief, „Kommst Du auch zu der Party?“ Jenny schüttelte ihren Kopf. Die Dame sah mich lächelnd an und gab mir ihre Hand. Zu welcher Party? Spiegelgasse 26!
Die Menschen sind vernetzt. Vernetzt sind sie hier in der alten Züricher Stadt. Ohne zu ahnen trampelte ich hinein. Ohne sich vorzubereiten stand ich vor der Tür. Jenny tröstete an diesem Tag mich wieder, dass ich wegen Warten auf die Nachricht von der Spiegelgasse 26 ungeduldig wurde. Sie erzählte mir, dass sie von vielen Konkurrenten hörte. Viele Galeristen und Antiquitätenhändler möchten auch gerne der neue Herr des Ladens sein. „Aber Du hast eine gute Chance!“ Ich hoffte. Dann entdeckte ich einen wunderschönen langen weißen Seidenrock. „Diesen Rock ziehe ich zu meiner Eröffnungsfeier an!“ sagte ich entschlossen zu Jenny. Sie stimmte mir zu, dass dieser Rock mich in diesem Anlass sehr unterstützen würde.
Heute um vierzehn Uhr klingelte ich die Tür an der Spiegelgasse 26 und wusste, dass der Kauf dieses Rockes ein Schlüssel dieses Geheimnis war – Kosmos erfüllt unseren Wünsch, wenn wir wissen, es zu wünschen.

Als ich diese Nachricht bekam, war ich noch nicht richtig wach. Ich sei in der engsten Wahl gekommen, um das begehrte Ladenlokal in der Altstadt Zürichs zu bekommen. Hoch erfreut war ich sprachlos.
Dann aß ich unter dem Sonnenschein mit Laura an der Limmat. Ehrlich gestand ich meine Angst. Ja, mir überkam eine großartige Angst! Was wohl nun alles auf mich zukommen wird! Ich habe Angst, habe Zweifel und habe kalte Füße, ob ich diese Anforderungen wachsen werde. So ein fauler Mensch wie ich – einmal schimpfte Stefan mich wegen meiner Dissertation, wie könnte so jemanden geben wie Dich, so faul und zugleich intelligent? Wie könnte so ein Faulpelz wie ich einen Laden führen und schaffen? Was mache ich dort? Was biete ich an? Was werde ich wohl werden? Laura war interessiert, wo der Laden liegt. Wir gingen nach dem Essen an der Schipfe in die Stadt. Von Außen zeigte ich Laura die Lage. „Wie schön!“ sie nickte ihren Kopf, „ich habe ein sehr gutes Gefühl.“ Das Gefühl habe ich ebenfalls. Aber nun herrschte einfach Angst. Wir spazierten durch die Innenstadt. Plötzlich rutschte ich aus. Mein Absatz rutschte auf dem Kopfpflasterstein. Eins war mir klar, ich verlor meinen Boden. Auf dem Boden saß ich und wusste nur, zu versuchen, wieder auf zu stehen. Was nun? Fuß verletzt. Laura sah mich besorgt an. Termine in nächsten Tagen musste ich abstreichen. Teezeremonie mit einem kaputten Fuß – es geht nicht. Später kam Bruder Dirk und schüttelte seinen Kopf, trug mich einfach weg ohne Kommentare.
Als ich mit Laura allein Kaffee trank, redeten wir über Angst und Absturz. Sie sagte, dass Angst uns tatsächlich nicht weiter bringt. Das erlebte ich unmittelbar im Hier und Jetzt. Seit ich diesen Anruf erhielt, dreht mein Kopf nur um die gleichen Dinge. Es hört einfach nicht auf. Nun zeigte der Kosmos mir einfach, dass es so nicht geht. Der Kopf dreht in Kreis, und die Füße wollen nicht. Step by Step. Angst bekommt man, wenn man nicht auf den Boden steht und nur an die Zukunft denkt. Diese Zukunft, die man vermeintlich mit Kopf denkt, ist nicht real. Es ist eingeschränkt von Möglichkeiten, die Angst machen. Aber die scheinbaren Unmöglichkeiten, die Menschen zu wahren selbst führen könnten, werden verdrängt und kommen nicht zur Sprache. Was hätte ich denn zu verlieren? Wie viele Bankrotte habe ich in meiner eigenen Familie gesehen? Fünf. Zwei gehört. Zwei miterlebt. Zwei haben sich wieder geschafft steinreich zu sein. Einer ist ein glücklicher Schriftsteller. Von der Entwicklung des letzen wissen wir noch zu wenig. Es ist noch zu frisch. Vor einem Monat war das ganze Clan auf der Kreuzfahrt nach Okinawa. Niemand erfuhr etwas. Vor drei Wochen lass mein Vater in der Zeitung über diese Meldung. Er war zutiefst traurig und ohnmächtig. Er fühlte sich schuldig gegenüber meiner verstorbenen Tante. Mein Bruder belächelte über meinen Vater, er sei zu altmodisch, dass er sich so fühlt. Ich fragte ihn, „Was!? Fühlst Du Dich nicht verantwortlich für das Glück Deiner Schwester?“ Er war sprachlos im Skype. Meine 5. Tante ahnte über diesen Untergang eines Reichtums. Vor ihrem Tod bestand sie ihre Tochter an einem normal sterblichen zu verheiraten – ein Redakteur von einer Zeitschrift. Sie bat meiner Mutter, sich um ihren jüngsten Sohn zu kümmern. Zu mir sagte sie, dass der Linlin mein jüngster Bruder sei. Sie hatte kein Vertrauen in ihre reichen Schwiegerfamilie, sondern in meinen geizigen Vater. Also jeder Mensch hat das Recht und die Möglichkeit, wieder dort aufzustehen, wo er absturzt. Das erfuhr ich gestern und erfahren wir tagtäglich. Eigentlich ist das Absturz auf drei Akte aufgebaut: runterfallen, auf dem Boden sitzen und wieder aufstehen. Warum schauen wir gerne nur die erste oder die zweite Akte an anstatt die dritte? Aufstehen folgt automatisch nach dem Absturz. Und nicht umgekehrt.
Heute Morgen ging ich mit meinem kaputten Fuß ins Dojo. Im Zazen beobachtete ich das Kommen und Herrschen meiner Angst. Ich kenne Dich, meine Angst. Ich muss nicht vor Dir fliehen, weil ich Dich kenne. Einmal fragte ich Michel, weshalb ich immer noch Angst bekomme, vor meinem Auftritt. Er lachte, dass es mein Leben lang begleiten wird. Aber ich muss ihn nicht mehr verteufeln. „Du kennst ihn.“
Es schien die Sonne in Zürich. Ich fühle mich richtig gut, auch wenn die Angst mich eine Weile immer wieder begleiten wird. Mit langsamem Schritt schreite ich in die Zukunft, Step by Step.
