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Frühlingsselektion von Shui Tang
Die Frühlingsselektion ist nun online!
Gerade sagte ein Herr, dass das Wetter endlich durchschnittlich normal ist – eben kalt im April. Es ist ein grosser Unterschied zum Temperatur in Taiwan. Ich friere hier… Zum Glück gibt es TEE!
Frühlingsselektion von Shui Tang!
Ein Glück für die Schweiz
Seit es Shui Tang gibt, lerne ich immer mehr junge Studenten und Menschen aus Taiwan kennen. Sie finden den Weg zu mir. Zuerst sind sie immer ein wenig gestaunt, dass so etwas hier existieren kann, dann werden sie stolz. Manchmal treffen sie sich hier, sind so glücklich und die Stimme ist so high, dass die Dächer von der Spiegelgasse gesprengt werden können. Und meine grosse Wohnung ist der idealste Ort für Partys. Plötzlich bekomme ich unfreiwillig eine Funktion, dass sie mit mir identifizieren. Alle sagen zu mir Schwester und erzählen mir ihre Sorgen. Sorgen als Student ist in meinen Augen keine Sorgen. Das Studium ist so eine Sache: wenn man lernt, erntet. Manche suchen Job, suchen vergeblich nach Aussen. Ich versuche bei diesen jungen Leute eine Einstellung zu vermitteln, dass sie erstmal Freude in den Dingen erkennen soll, was sie tun. Das einzige, was ich ihnen nicht so recht helfen kann ist, die Kontakte zu Schweizer zu schaffen. Sie fühlen sich oft verloren bei den Schweizern und finden keinen Anschluss.
Ich kenne das Problem gut genug. Auch ich war ein sichtbarer Fremde.
Das heisst nicht, dass irgendeine Seite falsch ist. Es is so wie es ist.
Heute kam eine Dame. Irgendwie fingen wir an über das Thema zu sprechen. Sie hat ausländische Studenten in Winterthur betreut und wollte uns Rat geben, dass die junge Studenten aus Taiwan sich bemühen sollen, sich zu öffnen und die Schweizer anzusprechen. Ich antwortete ihr, dass das Problem nicht daran liegt. Menschen in diesem Bergland haben nicht immer positive Einstellung zu einer Einladung, weil man oft verdächtigt, was die anderen von einem selbst wollen. Sie gehen gerne mit eigenen Leute zusammen und wenige haben Interesse für Fremde. Ausserdem betrachten viele Menschen hier Fremde nicht als eine Chance, sondern als eine Belästigung. Viele Fremde erfüllen in ihren Augen in diesem Land lediglich eine Funktion. An diesem Punkt möchte diese Dame einfach nicht erkennen. Für sie haben die Schweizer keine Probleme. Die Ausländer haben sich hier anzupassen. Sie sollen sich öffnen und versuchen. Auch solche Kommentare bekam ich vor 10 Jahren auch zu hören.
Dann fragte die Dame mich, ob ich mich wohl fühle in der Schweiz. Wenn ich ehrlich sagen darf – antwortete ich, „ich hatte in meinem ersten Jahr Kulturschocks und wollte gleich zurück nach Deutschland.“ „Und jetzt?“ „Jetzt habe ich Wurzel in Zürich eingeschlagen und die Schweiz ist mein Heimat geworden.“ „Dann sind Sie doch dankbar, dass Sie hier ein Geschäft machen dürfen!“
Ich lächelte. Carola grinste.
„Ich glaube, dass es ein Glück für die Schweizer ist, mich hier zu haben!“
Sie war stutzig.

Fenster vom Frühling

Es sieht wie eine Gemälde. Gestalten von Ursula Kaspar!
Nach einem Frühlingsregen
飛撒的花舞來自湛藍的一點黯淡
散落在皚皚白雪, 千種風情
黑色的粉末, 炸開了煙花
一直爬升, 爬升到你曾經等待的 冬天
die blüten fallen aus blauen schatten
hinab in den schnee. zehntausend dinge:
das schwarzpulver sprengt die feuerwerke
hinauf zum winter, wo du gewartet hast.
(Der deutsche Text stammt aus einer brillianten eloquenten Person, dessen Name ich hier leider nicht „anzeigen“ darf.)
So einen Tee hatte ich einmal – Rougui Mingjian 2011. Einmal. Vielleicht nach diesem Frühlingsregen gibt es wieder.
„Was heisst Du, eigentlich?“ fragte er mich.
„Menglin? Der grosse Regen.“
„Deswegen weinst DU gerne.“
„Wenn Regen über den Wald fällt ist ja gut. Hoffentlich nicht über den Sand.“
„Wer weisst, ob es nicht Knospe im Sand versteckt ist?“
Im Lauf dieses Gespräch ist ein spannendes Projekt im Entstehen. Ich bin gespannt und hoffe, ich könnte bald hier ankündigen!
Bote vom Frühling

Ich bekam wunderschöne Camelia und stellte auf ihrem Platz.
Zwei unbekannte Herren kamen gestern und machte Fotos mit der Schönheit.
„Sind Sie Touristen? Wo kommen Sie her?“
„Ach, wir kommen aus Zürich – Oberdorf…“
Warum verhalten Sie Sich denn wie Touristen?
Weil die Teeblumen so schön sind!
Alle Menschen werden von der Schönheit Shui Tangs beeindrückt. Das hat mit mir wenig zu tun. Das ist das Werk von Ursula Kaspar.
Die meisten Leute loben ununterbrochen von der Verpackung und Visitenkarten Shui Tangs. Dies hat auch nicht mit mir zu tun. Das ist Roger Fischers Geschenk! Sein Geschmack! Und das Können von Christoph Frei!
Ich bin unschuldig, zufällig an diesem schönen Ort.
2012 – 1905
Viele Menschen reden von 2012, nein genauer von 21.12.2012. An diesem Tag sollte etwas geschehen, beziehungsweise unsere Welt wird eine dramatische Veränderung erleben gar Untergang. Es gibt bereits verschiedene Gruppierung, die Nahrung horten und sich vorbereiten für das Ueberleben.
Überleben? Wozu? Ist das Leben so begehrenswert und der Tod so abstossend? Wenn es tatsächlich so wäre, warum leben die meisten Menschen nur mit Sparflammern?
Mit Edith unterhielt ich am Teetisch und plauderten über die unverständliche Reaktion der Menschheit. Dalai Lama sagte, dass er sich für Tod vorbereitet und hofft, dass er in diesem Moment loslassen kann. Für Ryku war Tee wichtiger als sein Leben, deswegen entschied er sich nach einer Tasse Tee für seinen Freitod. Und ich wünsche ich hätte genug Zeit vor meinem Tod, mein Konto rechtzeitig zu plündern.
Die Angst vor Tod begleitet uns lebenlang wie die Angst vor Allein-Sein. Einsamkeit hat nichts zu tun, ob man eine Familie hat oder nicht. Einsamkeit ist ein wichtiger Teil der menschlichen Erfahrung und allein-sein ist der normale Zustand des Seins. In der chinesischen Gesellschaft wird die Harmonie zwischen Menschen gerne zelebriert. Andererseits kann man in dieser feierlichen Kulissen sich sehr einsam und allein fühlen. Das Allein-Sein ist ein Dauerzustand unseres Daseins, denn niemand unser Leiden trägt und für unser Unglück verantwortet – ausser uns selbst. Man ist allein geboren und geht allein in den Tod. Unsere beste Freundin oder Freund ist wir selbst.
Es war ein harmonisches Paar, das sich für Matcha interessierte und der Herr hätte gerne eine Matcha Schale. Er bat um meine Meinung. Ohne zu zögern, zeigte ich ihm zwei Schale, die für mich in Frage kamen. Seine Begleiterin staunte mit grossen Augen über meine Wahl. „Warum haben Sie diese zwei Schalen für mich ausgewählt?“ „Eine wärmt und hütet Sie. Eine passt zu Ihrem Gestalt.“ Jetzt muss eine Schale sich entscheiden, ob er mit ihm nach Hause gehen will. „Das sind die zwei Schale, die ich für mich ausgesucht habe. Warum wissen Sie es so genau?“ Ich schwieg. Sehen, ohne zu sehen. Fühlen ohne zu berühren. Das lernen wir im Tee und im Zen.
Ich bin nicht anders als Du. Die Zeit und Raum spielen keine Rolle. Menschen müssen sich nicht lange gekannt haben und wir müssen nicht die gleiche Sprache sprechen.
Gerne höre ich die Musik von Janacek, im Moment gerne „Sonata 1905 – Die Ahnung und Tod“ Etwas zu wissen, was bereit statt fand und nicht mit Willen verändern kann. Es zu akzeptieren, um zu verändern, kann manchmal durch Tod oder Abschied von etwas nehmen, was schon lange nicht mehr aufzuhalten ist. Die Gefühle von einem europäischen Komponist ist nicht anders als die gelebte Sentimentalität des Orients.
Weil es draussen regnet, weil ich meine beste Begleiter meines Lebens bin, bei den schönen Klänge des Klavier stelle ich meine Schale so hin und hoffe den Mond einzufangen. Der „eingefangene“ Mond bleibt in meinem Herzen, Zeit und Raum verliert die Grenze und das, was zwischen Dir und mir scheidet, vergeht im Rausch. Leben und Tod verlieren Gültigkeit. Nur Hier und Jetzt entfalten sich in einer Schale Tee.
Besuch von Ulrich

Es war eine ganz tolle Ueberraschung, dass Urlich mit Peter und Hans plötzlich in Shui Tang auftauchten. Sie wollten die Austsellung Mystik in Rietberg anschauen und dann mich überraschen!
Wenn Teefreunde aus der Ferne kommen, packe ich natürlich das Beste aus.
Als sie da waren, war Simon auch da. Ich kannte ihn nicht. Er sagte aber, dass er bereits einmal vor der geschlossenen Tür stand und diesmal endlich hinein gehen dürfen. Er kam aus London.
Dann fingen die unbekannten Teefreunde miteinander zu sprechen. Simon hat sehr viel Glück, die Highlight wie Pu Er 1950 etc. zu erleben.
Ich staune immer dabei, wie es alles zusammen kommt, dass Menschen zusammengeführt werden!
Gestern erzählte ich Taka, dass ich ihn vor einem Jahr bereits gesehen habe. Es war in Tokyo Isedan. Ich musste verrückte Einkäufe innerhalb einem Tag in Tokyo erledigen und sah die Teedosen, die immer bei Hubert ausstellen. Ich wusste sofort, dass es der Produzent war. Aber wir haben uns nie gegenseitig angeschaut und gesprochen. Und jetzt sassen wir neben einander, tranken Tee und nahmen gemeinsam Mahlzeiten an!
Was ist das denn eigentlich? Braucht vielleicht menschliche Beziehung Zeit, um sich zu begegnen?
Die Teefreunde, die vor der geschlossenen Tür von Shui Tang stehen, hoffe ich, dass die Zeit bald kommt, zu treffen.
Taka
Hubert erzählte bereits vor Monaten, dass er einen japanischen Besucher von Kaikado bekommt und ich ihm helfen soll, weil ich doch asiatisch bin.
Kaikado ist ein Manufactum in Kyoto, sie machen luftdichte Teedosen per Hand. Oft kommen Kunde von Hubert, die so eine Dose kaufen und dann Tee bei mir holen.
Diesen Besucher sollte ich heute kennen lernen.
Es ist ein junger Mann – ich dachte, ich hätte einen sechzigjährigen getroffen! Wer macht heute noch per Hand Teedose – wenn man nicht zu alt ist, um Umschulung zu tätigen?
Ein junger Mann mit Brille, sympatisch und natürlich. Ich sehe keine typische in meinen Augen übertriebene Manöver der Höflichkeit, sondern ein natürlicher souveräner Mann.
Taka – so stellte er sich vor. Er war zwei Male in Shui Tang, weil wir einen Tee miteinander trinken wollten. Heute war Shui Tang voller angemeldeten Gästen. Taka, sass und wartete vergeblich auf eine Tasse guten Pu Er. Er ging, als die Kunden an der Kasse standen. Ich arbeitete weiter, ohne ein Wort mit ihm auszutauschen, als ob es so einfach und selbstverständlich wäre, als ob wir uns schon lange gekannt hätten.
Endlich wurde die Tür geschlossen und Lichter gelöscht. Taka kam.
Die Lichter wurden wieder in Einsatz und ich bereitete ihm eine Tasse Menghai 1985 zu.
Wir begann miteinander zu sprechen mit unserem einfachen Tool von Englisch. Irgendwie war mein Englisch heute recht fliessend – erstaunlich. Er erzählte mir, dass er die sechste Generation ist, diese Teedosen zu fertigen. Er erzählte mir, wie schwer sein Grossvater es hatte, als Japaner die importierten Industrie-Teedosen bevorzugten. Er erzählte mir, wie sein Vater insistierte, weiter diese Tradition zu führen, egal wie die Aussenwelt sich verändert und ihm auslachte. „Money can not make us happy.“ er sagte, „My father said, if you do right thing for you, you will meet right people!“
Als ich es hörte, wusste ich, wen ich hier traf. Es ist nun wieder ein Mensch mit dem Zeichen an Stirn – wenn ich die Wörter von Hermann Hesse asuleihen darf, der zu mir geführt wird. Diese Menschen haben keine Angst vor Veränderung der Welt, keine Ambivalenz vor Zukunft. Sie wissen, dass sie selbst Verantwortung für ihr Leben tragen und sie leben im Prozess von Sich-Selbst-Werden anstatt von Selbst-Verteildigen. Ich erzählte ihm von mein Dasein in Zürich. Gerne gebe ich meiner Aussenwelt viel Macht. Gerne reagiere ich auf die Vorstellungen und Projektion des anderen. Gerne nehme ich die Reize wahr. Aber diese „Aussenwelt“ kann nun nicht mehr viel meine Wahrheit beeinflüssen. Ich möchte meine Welt gestalten, so wie ich es leben möchte – von innen.
„Wenn wir uns auf die innere Welt konzentrieren können, dann umarmen wir die Zukunft.“ so formulierten wir unsere Lebenshaltung.
„I do not concentrate on the money. I just concentrate on my work. Maybe the money will follow – „
„It happens automaticlly!“ – Wir gestalten unsere Welt, in der wir leben.
Ich fragte ihm, ob er irgendein traditionelles Praxis übt – Zenweg, Teeweg oder irgendetwas. Seine Wörter sind voller Lebensbejahung. Er sagte, „No, I just tell you, what my father and Grandfather said.“
Hubert kam endlich. Ich sagte ihm, „Hubert, er kommt aus dem gleichen Planet wie wir.“ Wir lachten.
Es ist ein chinesisches Ideal und ich bin sehr froh, dass ich es noch übermittelt bekam. Es ist nicht nötig nach der Herkunft und Geschichte meines Gegenüber zu fragen. In einer wahren Begegnung im Hier und Jetzt lernen Menschen Herzen zu Herzen kennen. Wozu von Zeit und Raum sprechen, wozu über die Vergangenheit und Zukunft zu forschen?