Archiv der Kategorie: Teehaus Shui Tang Zürich水美堂

Der Zukunftstag

Der Zukunftstag

Das war sein Zukunftstag.
Serafino sagte, dass er sein Obento selbst mitbringen würde für den Mittagsessen.
Ich sagte ihm, dass ich für ihn etwas kochen würde.
Er fragte, „was können Sie?“
Ich staunte und antwortete, „oh, ich kann chinesisch kochen.“
Hm, sehe ich so aus, als ob ich nicht kochen kann?
Als ich für Yu eine Mahlzeit mit Gerichten und Suppe auftischte, sagte er zu seiner Frau; „Stelle Dir vor, selbst Menglin kann uns eine Mahlzeit auftischen.“
Ich habe Hong Shao Niu Rou (Rindfleisch geschmort gekocht) und Omelette mit Koriander und Zwiebellauch. Ganz einfach. Er sass mit Stäbchen ganz geschickt. Alles war weg. Ein Schwarzloch existiere in seinem Magen.
Als der Kaffeetrinker-Vater unerwartet kam, bedankte ich mich bei ihm, „Ihr Sohn bereichert mein Leben. Ich fühle mich so reich!“
Er nickte seinen Kopf, „Meins auch.“
Es war nicht bloss der Zukunftstag von Serafino.
Es war auch meine Zukunft.
Ich rieche die Funken aus der Zukunft! Süss, zart und unverfälscht!

Der kultivierte Franz Carl Weber Laden

Serafino antwortete auf die Frage seines Vaters wo er war, er sagte, dass er in einem kultivierten Franz Carl Weber Laden war.
In diesem Laden hat er seinen Zukunftstag verbracht.
Er kam mit Arbeitswut. Er wollte arbeiten. Kartonschachtel richten, Tee wiegen und abpacken.
Wenn Teeinteressierte kamen, bereitete er ganz fleissig den Tee zu.
Sein Vater kam unerwartet.
Auch der Vater musste wissen, in einem Spielzeugladen sein Junge gelandet ist.
Alexander scherzte zu Serafino, ob er nicht wusste, dass der Spielzeugladen eigentlich ein Hexenladen ist.
Oh, ich erinnere mich an die Märchens! Die Grete, der Wolf oder Lebkuchenhaus!
Serafin hat wenig Angst. Er lief in Shui Tang mit einem Selbstverständlichkeit. Ich muss mir keine Gedanke machen, ob meine Töne schön oder vielleicht falsch liegen, ob er meinen Keller nicht chaotisch findet, ob er meine Sprache entziffert. Er machte es einfach. Unkompliziert und gelassen.
Woher hat dieser Junge diese Einfachheit und Gelassenheit? Ich schaute ihn an und dachte an seine Eltern, die ihm als Kind einen Raum schenkt.
Er sass vor Kravattenträger, sass vor erwachsenen Teefreaks und auch vor hübschen Blondine. Er sagte zu ihr, dass unser kultivierte Franz Carl Weber Laden eigentlich nur Herren besuchen.
„Woher weiss Du es?“ fragte ich ihm.
„Ich habe es so beobachtet.“ antwortete er mit einer Klarheit.
Und diese Herren respektieren den 12jährigen Serafino. Sie diskutieren mit ihm über Ninja, über Samurai oder über Architektur.
Es war bereits spät. Fünf Herren sassen am Tisch. Serafino machte Tee.
Ich bediente gerade einen anderen vor dem Regal.
Serafino gab einen neu dazu kommenden Herren eine Tasse – eigentlich nur für Riechen gedachtte. War es ein Fehler? Ich beobachte, reagierte aber nicht.
Ich sah, wie der eine „falsche“ Tasse bekommende Herr schweigend angenommen hat und so seinen Tee aus einer sehr hohen Tasse trank. Alle sagten nichts und tranken gemeinsam den Tee von Serafino.

Ich spüre die Träne im Auge. Alles wurde im Tee aufgehoben. Erwachsene oder Kinder. Richtig oder falsch. Gast oder Gastgeber. Die erwachsenen Herren haben Serafino liebvoll akzeptiert und seine Autorität am Teetisch respektiert. Ich war sehr berührt.

Irgendwann sagte, er habe genug von Tee. Er hörte einfach auf zu trinken, will mir unbedingt bei der Kasse helfen.
Irgendwann ist der letzte Gast aus der Tür.

„Serafino, nun ist die Zeit für den Heimweg. Deine Mutter wartet auf Dich.“
„Das stimmt nicht.“
„Doch. “ ich will nicht, dass seine Mutter auf ihn warten musste.
„Schade, dass wir in nächsten Jahr keinen Zukunftstag mehr.“
„Wir haben immer Zukunft.“
„Ich komme am Dienstag nach der Schule!“
Ich nickte meinen Kopf.

Die Wärme der Erde trinken

Dank Joseph kann ich hier mit Euch den wunderbaren Artikel über den Besuch von Yu in Zürich teilen.

IN ZÜRICH GETROFFEN
Die Wärme der Erde trinken
Der taiwanische Teemeister Jinsong Yu lüftet das Geheimnis des Pu-Erh-Tees
Pu Erh gilt im Westen als Heilmittel oder Schlankmacher. Was es mit dem traditionellen Tee aus Yunnan auf sich hat und warum er in China und Taiwan geschätzt wird wie bei uns Jahrgangsweine, erklärt bei einem Treffen in Zürich der Meister Jinsong Yu.

Philipp Meier

Jingsong Yu ist kein Mann der vielen Worte. Er ist, was man in China einen «Cha Ren» nennt: ein richtiger und aufrichtiger Teemensch. Am liebsten lässt er den Tee für sich sprechen. Zur Einstimmung für unser Gespräch im Teeladen Shui Tang an der Zürcher Spiegelgasse bereitet er einen Pu-Erh-Tee zu, der aus einem Dorf in den Bergen der Provinz Yunnan stammt, das nur über einen vierstündigen Fussmarsch vom Nachbarort aus erreichbar ist. Die Teeblätter stammen von Bäumen, die gut 400 bis 500 Jahre alt sind. Der Duft ist belebend, der Geschmack hat eine etwas ungewohnte Note, die an feuchte Erde erinnert. Wir trinken nun Tee in einer Art, wie sie in China schon im 11. Jahrhundert gepflegt wurde. Die Tradition des Pu Erh ist uralt.

Zürcher Wasser
Wie sich der kostbare Tee mit dem Zürcher Wasser vertrage, möchten wir als Erstes wissen. Der Mittvierziger meint dazu, es sei etwas mineralhaltiger als jenes in seiner Heimat in Taiwan, was den Tee gehaltvoller mache. Ob es denn nicht zu hart sei für einen so edlen Tee, haken wir nach, und Meister Yu bestätigt, dass weiches Wasser das Geschmacksspektrum am besten unterstütze, das Zürcher Wasser aber keinesfalls zu hart sei dafür.

Seit Anfang der neunziger Jahre erforscht Yu den Pu-Erh-Tee an seinem Ursprungsort in Yunnan, wohin er jedes Jahr zur Ernte und Verarbeitung jener Tees anreist, die er selber in Taiwan weitervermittelt. In den Bann des Tees geschlagen wurde der Quereinsteiger, der klassische chinesische Künste wie Kalligrafie und Malerei studiert hat, als er zum ersten Mal ein altes Teekännchen aus den berühmten Werkstätten von Yixing in die Hände bekommen hatte. Auf seiner Reise an den Entstehungsort dieser feinen chinesischen Teekeramik hatte er während eines Zwischenhalts in Hongkong ein zweites Schlüsselerlebnis, als ihm eine Tasse sechzig Jahre alten Pu-Erh-Tees gereicht wurde. Er war, wie er sich erinnert, berauscht von diesem Tee und reiste bald auch nach Yunnan.

Staatlich definierter Tee
Yu ist heute nicht nur ein Kenner der Teezubereitung und der dafür verwendeten Utensilien, sondern er weiss dem Laien auch genauestens zu erläutern, was es mit dem Kult um den Pu-Erh-Tee auf sich hat. Genauer gesagt: Er lässt es den «Novizen» selber ein Stück weit erfahren – Schluck für Schluck. Während er in kleinen Keramikgefässen immer wieder Tee aufgiesst, hält er ein paar Fakten fest. Pu Erh ist heute so populär geworden, dass eine staatliche Verordnung dessen Definition festlegte: Erstens muss er aus der Provinz Yunnan und zweitens von der grossblättrigen Varietät des Teebaums stammen.

Für Yu kommen indes noch drei weitere Kriterien hinzu, die einen guten Pu Erh ausmachen. Der meiste Pu Erh auf dem Markt, den man als Tourist von einer Chinareise als «Heilmittel» oder «Schlankmacher» nach Hause bringt, kommt von Plantagen (Taidi). Ob in traditionell gepresster oder in loser Form, für Yu muss ein guter Pu Erh aber von alten Bäumen in einer noch intakten Biosphäre stammen (Gushu). Hinzu kommt traditionelles Handwerk, das auf all die heute verbreiteten Prozesse der Ertragssteigerung und Beschleunigung der Verarbeitung verzichtet. Und ein guter Pu Erh muss, sofern er gelagert wird, einer langsamen Trockenlagerung unterzogen werden und nicht dem schnelleren feuchten Verfahren.

Trinkbare Antiquität
Denn Pu-Erh-Tee kann gut gelagert werden, zum Teil über Jahrzehnte. Das ist das Besondere an diesem Tee. Und hier beginnen die Halbwahrheiten und Missverständnisse, die Spekulationen, die auch Jahrgangs-Pu-Erh längst zum Spekulationsobjekt gemacht haben. Warum man diesen Tee altern lasse, ist die Schlüsselfrage. Und die Antwort kommt von Herrn Yu direkt und unverblümt: Geld und Profit – ein Pu Erh wird mit dem Alter wertvoller.

Ob er durch die Lagerung aber auch besser werde, wollen wir wissen, während wir nun einen 80 Jahre alten Tee zu trinken bekommen, der dunkel ist wie Cognac und einen kräftigen Geschmack nach Erde hat. Besser nur insofern, erklärt Yu, als die Chinesen dies mögen. In China hegt man nun einmal eine Vorliebe für alte Dinge. Ein junger Tee mit seiner floralen Note sei zwar reizvoll. Trete die Frische aber in den Hintergrund durch den Alterungsprozess, erhalte der Tee eine Geschmacksrichtung, die von Chinesen wie ein nachhaltiges Echo auf ferne Zeiten empfunden werde. Bei einem alten Pu Erh handelt es sich gewissermassen um eine trinkbare Antiquität, um einen Tee mit Patina gleichsam, führt Yu aus und sieht darin durchaus Parallelen zum Jahrgangwein, um welchen ja ebenfalls ein regelrechter Kult betrieben werde.

Beim Trinken eines alten Pu Erh schmecke man den Zerfall des Tees, schildert nun Yu fast schon schwärmerisch. Der Zerfall werde in China zelebriert wie das Leben selber, das ja im Grunde nichts anderes sei. Fühle er sich im Innern unruhig und instabil, verlange ihn nach einem gereiften Pu Erh. Der Geruch von Erde gebe ihm Halt und trage ihn, tröste ihn, sagt Yu. Es sei dieser irgendwie medizinische Geruch, der ihm Heilung bringe.

Daher also all die Missverständnisse im Westen, wonach Pu Erh wie Medizin wirken soll. Gesundheitsinstitute konnten dafür zwar keinen wissenschaftlichen Nachweis erbringen. Wir verstehen nun aber, während das Trinken eine zunehmend beruhigende und zugleich anregende Wirkung auf uns ausübt: Die Wahrheit des Pu Erh liegt auf einer symbolischen Ebene. Der Tee erdet einen, denken wir. Zum Schluss erläutert uns Yu den Namen seines Teegeschäfts in Taiwan: «Klause unter Kiefern und Wolken» – dort bedürfe es bei einer Tasse Tee keiner Worte mehr. Wir erwidern dieses schöne Bild mit einem aus der abendländischen Kultur: Aus Erde sind wir genommen, zu Erde sollen wir wieder werden. Yu gefällt dieses Sinnbild, und er gibt uns das Gefühl, durchaus etwas von der wahren Essenz des Pu Erh erfasst zu haben.

Tee Anrichte

Tee Anrichte

Ein Bild mit Notiz von Dani,

“ Liebe Menglin,
Da hat sich über die Jahre schon was angesammelt …… :-)“

Egal wie alt bist Du, woher kommst Du oder was bist Du! Die Anziehungskraft des Tees ist unglaublich.
Am vergangenen Samstag kam der 12 jährige Serafino. Er sagte mir, dass sein Lieblingstee der Dongpian – der Tee, der nicht weiss, was Frühling ist. Und er kann sich gar nicht mehr vorstellen, ohne Tee und seine Teekanne zu Leben!
Was für wahre Wörter!
Ohne Tee und meine Teekanne? Mein Leben wird einiges farbloser!
Ein Spielzeugladen, eine Spielzeugsammlung um Tee zu zelebrieren – ist ein Weg ohne Zurück.

Der innere Mond

Die Kasse von Shui Tang wurde gestern geklaut.
War es eine Katastrophe oder eine Strafe? Eine Strafe für wen?

Meine Mutter hatte vor zwei Jahren einen schlimmen Schlafanfall. Sie erholte sich zwar von der Krankheit, aber ist nicht mehr dieselbe.
Als sie im kranken Bett lag und viele Besucher zu ihr eilten, hörte ich immer dieselben Kommentare: „Wie kann so etwas bei so einem guten Menschen passieren!“ oder „Du hast immer so gesund gelebt, wie kann so etwas bei Dir passieren!“
Ich wurde oft wütend und sagte sehr direkt zu den Leute, die meistens in unserer Tradition mehr zu sagen haben als ich, dass meine Mutter als eine Kranke auch ein guter Mensch bleibt.
Auch ihr Schicksal verändert meine Meinung über Ihr Leben nicht.
Das, was mich verändert, ist meine Kategorie über Gesundheit und das, was sauber und schmutzig ist.

Alle reden heute über die sogenannte Unabhängigkeit und Freiheit.
Selten wissen die Leute, dass diese Dinge nicht gratis ist.
Für Unabhängigkeit und Freiheit der Gesellschaft muss man regelmäßig zur Wahl gehen, muss man ab und zu auf die Strasse gehen oder muss man wenn es brennt, klare Meinung öffentlich bekennen.
Aber in der Schweiz scheint die Demokratie gratis zu sein.
Und die Unabhängigkeit ist ein intellektuelles Gedankespiel.

Ich war krank und wurde angerufen wegen dem in Shui Tang verlorenen Geld.
Ich sagte, dass es in dieser Welt – im Grunde genommen – nichts verloren geht.
Das Geld bleibt als Materie unverändert, aber in unserer Vorstellung wurde etwas von uns weg genommen.
Wenn das Geld es will, geht es dort hin, wo es will.
Wenn jemand es viel nötiger als ich das Geld brauche, dann ist es so wie es ist – zu akzeptieren – was hätte man anders machen sollen als das, was bereits geschah anzunehmen?
Aber das heisst nicht, dass ich mir nicht etwas einfallen lassen, mit diesem Phänomen konkret umzugehen.

Aber, der Dieb kann wieder kommen.
Ich lachte über das Gedanke.
Ob der Herr Dieb wieder kommen möchte, ist seine Sache.
Ich verschwende keine Energie und keine Zeit mit der Energie von Herrn Dieb zu verbinden.
Lieber frage ich mich, was ich denke.
Alles anderen überlasse ich dem Kosmos.

Ich denke – ganz klar – dass was der Dieb genommen hat, irgendwann zu mir wieder zurückkehrt.
Es gibt eine andere Kasse als die Kasse in einem Geschäft.
Und der klare Mond, der in meinem Herzen scheint, den meine Mutter mir seit meiner Kindheit vermittelt, ist nicht zu klauen!
Ich glaube weiter an Menschen – sei es gut oder schlecht, gerne glaube ich an mein Tun, lieber glaube ich an das, was auf mich zukommt, sich zum Guten wendet.
Das ist die sogenannte Unabhängigkeit, die man manchmal über einen Dieb bezahlen muss, um zu wissen, was für Werte man lebt und dass der innere Mond viel wichtiger ist als das, was scheinbar mit jemanden gegangen ist.
Ryokan, der von einem Dieb alles geklaute Mönch schrieb vor zwei Hundertjahren eine ähnliche aber noch dramatische Situation in einem Haiku:
Der Dieb hat den Mond
im Fenster
vergessen
!

Ich habe eine Teeschale, die den Mond einfangen kann.

Das Leben wie im Schaufenster in einem Geschaeft

Das Leben in Shui Tang ist manchmal wie auf einen Podest. Man ist ausgeliefert, wie auf einer Insel ohne Fluchtweg. Das einzige, was bleibt ist dort bleiben, nicht fliehen und lerne damit umzugehen.

Am einen Abend kam ein arbeitsmüder Herr in den Laden und fragte immer wieder nach dem Preis der Keramik. Irgendwann fragte er mich, “ Wieso so teuer?“
Ich war leicht überrascht und dann musste fast lachen. „wieso nicht?“ Fragte ich ihm zurück.
Ich merkte, dass er mir stets Frage stellte, aber immer meine Vorschlägen verneint. Wahrscheinlich hat er viel Zeit und noch viel Energie – keine Kommentare zu der Form seiner Energie. Aber ich habe keine Zeit, um von anderen Menschen als Zeitvertreib verwendet zu werden.
Ich sagte ihm höflich und klar, dass sehr wahrscheinlich – der Migrosmarkt der richtige Ort sei fuer seine Teefilter…

Am vergangenen Samstag kam eine junge Frau mit einer bestimmenden Stimme und ihrer Mutter, kaufte ein Geschenk fuer jemanden.
Gekauft wurde eine Teekanne aus Yingge von Manufaktur Tsai Mei Zhu. Der Preis ist 60 CHF, sie sagte mir allerdings, dass sie letztes Mal nur 50 CHF bezahlt hat.
Das kann sein, weil ich wohl gut darauf war….
Mit einem leichten Lächeln sagte ich ihr, “ Sie hatten Glück!“
Sie erwiderte, dass ich meine Preise besser schreiben sollte.
Klar, das muss ich wirklich tun.
Irgendwann gingen sie endlich aus dem Laden und ich atmete aus. Sofort ginge ich zu dem Regal und wollte sehen, ob die Schilder richtig stehen. Immer wieder werden die Schilder durcheinander platziert, vor allem nach der Reinigung. Aber auf dem Regal standen Teeschiff 50 CHF und gongfu Teekanne Tsai Meizhu 60 CHF.
Also, man sollte besser checken, was man sagte, bevor man sagt.
Es ist allerdings menschlich, dass wir gerne Probleme anderen Menschen zuschreiben anstatt als eigene Fehler zu betrachten. Ich bin auch nicht anders.

Eigentlich würde man nicht unbedingt Freunde besuchen, wenn die Freunde in normalen Buero arbeiten.
Vor allem besucht man Freunde nicht in seinem Buero so wie man es will.
Dadurch dass ich einen Laden habe, besuchen und wollen Freunde mir helfen, so wie sie es gerne wollen. Die Arbeit in Shui Tang ist durchsichtig zu sein – ich meine, immer zulassen, dass die anderen Menschen rein und raus geht. Das ist mein Beruf.
Als Kunde kann jeder so kommen und gehen wie er es will.

Aber hinter in diesem kleinen Ecke, wo ich Dinge bearbeite und meinen Keller gehören mir! Und meine Zeit, wo ich privat verbringen will ich auch selbst bestimmen! Das Wissen zwar die jungen Leute, die Shui Tang helfen, dass sie sich zuerst anmelden müssen, wenn sie hinten mit mir zu tun haben wollen – natuerlich als Kunde ist jeder frei zu kommen und zu gehen. Das wird aber leider nicht von FREUNDEN so respektiert, weil alles so durchlässig und durchsichtig erscheint, dass man bei Menglin in Laden kommen kann, wann und wie man will.

Ich fühle mich manchmal sehr verletzt. In mir gibt es auch eine sehr kleine Seele, die verletzlich ist. Nur durchlässig sein kann man nicht, man muss lernen Abgrenzen und sich schützen.
Wie kann man anderen Menschen es klar machen, ohne sie zu verletzen, dass sie meine private Sphäre verletzen? Auch wenn sie wohlwollend meinen?
Gongfu Cha hilft mir es zu ueben, Grenze zu vitalisieren und dann auch umzusetzen.

Durch diese Erfahrung wie in einem Glaskammer zu LEBEN, lerne ich andere Menschen zu respektieren. Alle von uns haben eine Seite, die man durchlässig lässt, aber andere Seite, die man gerne nur fuer sich selbst behält. Ich lerne meine zu respektieren und zu Leben.
Das Leben ist wie ein Spiel, manchmal überwindet man etwas wie ein Fußballer, manchmal eben nicht. So ist wie mit dem Besucher im Laden und auch mit mir selbst.

Was ist Vorbereitung?

Vor kürzen bekam ich ein SMS von Alex und er sagte, dass er bei mir Gelassenheit übt. Ich war nicht sicher, ob es ein Lob war oder etwas anders gemeint war. Aber ich weiss, dass die meisten Leute Mühe mit mir haben, weil ich anders plane.
Ich plane Dinge anders, nicht nach Kalender, nicht nach einem Konzept.
Wenn ich überhaupt nicht planen würde, wäre ich nicht in der Lage Shui Tang zu führen. Wenn ich Shui Tang so planen würde, wie man in der Schweiz lernt, dann wäre Shui Tang etwas anders geworden als was man sieht.
Wann fängt ein Plan an, Dinge in Bewegung zu setzen? Wann hört ein Plan auf, die Dynamik des Lebens zu sedieren?
Wo fängt ein Showroom an, lebendig zu werden? Wo hört ein Raum auf, um ein Showroom zu werden?
Weil wir Angst haben – wie die früheren Menschen, den harten Winter nicht zu überleben, versuchen wir Mittel zu horten.
Richtig horten ist gut, zu viel Hammstern ist dann eine Spekulation.
Die Amis wollen die Welt KONTROLLIEREN, deswegen horten sie die Informationen aus aller Welt.
Um alles speichern zu können, werden Kiriminalität geplant, begangen und vertuscht.
Das ist der Geist hinter diesem Horten: Angst, Kontrolle und Macht.
Für die Menschen, die es gerne haben, ist alles richtig.
Für die Menschen wie mich, ist es eine gute Uebung mit den eigenen Schatten zu begegnen.

Am vergangenen Samstag war so ein gelungener Tag für die Vorbereitung. Alles was ich am Freitag machte und was Yvonne packte, konnten über den Ladentisch gehen. Sie sagte zu mir, was für ein schönes Gefühl, wie in einem Fluss. Ich nickte meinen Kopf.
Meistens habe ich Mühe mit den Fragen von Vorbereitung.
Meistens gönne ich mir Ruhe, wenn ich etwas vorbereiten muss. Ich konzentriere mich auf das kommende Geschehen und viele Funken spucken aufs Papier. Ich schreibe oft die Informationen die ich empfange und setze es um. Ich denke nicht und konzentriere bloss auf das Kommende.
Das Denken bringt den Geist in einem Zwang, bedenkliche Situationen auszumalen, so dass Unsicherheit einen packt. In solchen Momenten ist alles ganz dringend vorzubereiten. Das ist keine Vorbereitung mehr, sondern in Not.
Die Funken, die unsere Kreativität und Wegweise bedeuten, kommen aus einem Zustand in Vertrauen, dass alles sich in richtiger Zeit an ihren richtigen Platz manifestieren werden. Dass es so richtig ist, wie es ist.
Ich habe dieses Vertrauen und lebe es in meinem Alltag. Das stimmt, dass ich nicht viel plane und auch oft Dinge verschiebe – in dem Vertrauen, dass alles sich zu Guten wendet. Das gibt viel Gelassenheit. Und Shui Tang ist ein wunderbarer Ort, es zu üben.

Kunde suchen und binden

Als eine Geschäftsfrau bekommt man oft Ratschlag von anderen, wie man Kunden binden soll.
Es gibt immer Unternehmer, die versuchen mich im Telefon zu überzeugen, dass ich meine Kunden binden muss und sie würden mir eine Lösung liefern.
Ich werde oft sprachlos – zum Beispiel wie heute.
Der Herr im Telefon nannt mir viele berühmte Namen in der Geschäftslandschaft Zürichs und fragte mich, ob ich keine Interesse hätte so zu werden wie sie. Ich antwortete, nein. Ich bin zufrieden mit meinem Geschäft.
„Wir können Ihnen trotzdem zeigen, wie Sie Ihre Kunde besser binden können.“
„Danke. Ich binde keine Kunde.“
„Wie bitte?“ die Stimme im Telefon klang überrascht.
„Nein, wir binden keine Kunde.“
Jeder Mensch ist frei. Was habe ich meine Kunde zu binden?
Meine Kunde kommen zu mir, weil sie es wollen. Weil Sie überzeugt sind, dass sie bei mir etwas finden, was ihnen wert sind. Sie binden sich an die Tees, die ihrem Leben bereichern. An mich wird nichts gebunden.
Bin ich komisch? Denke ich komisch?
Nachmittags kam ein junger Herr aus der westliche Schweiz. Er fragte mich, ob er für mich in China Tee suchen kann, weil seine Frau scheinbar genau solche Schlitzaugen hat und Mandarin spricht. Ich war höflich, aber klar: „Nein, Danke.“
„Sind Sie wirklich nicht interessiert?“
Ich schüttelte meinen Kopf.
Wie kann ich ihm erklären, dass die Tees von Shui Tang hauptsächlich nicht aus dem gewöhnlichen Markt kommen und zu finden sind?
Wie kann ich ihm erklären, dass um Tee auf das Niveau von Shui Tang zu verkaufen spielen Abendteuerlust, Schlitzaugen und Mandarin gar keine Rolle, sondern fundiertes Wissen!
Wie habe ich damals angefangen mit Tee zu arbeiten?
Warum kommen Kunde zu mir?
Ich war ganz zufällig in einem berühmten Teeladen und wurde überraschend gefragt, ob ich für sie Tee einkaufen kann. Ich dachte weshalb nicht.
Damals war ich bloss belesen und hatte wenig fundiertes Wissen über Tee. Aber ich habe Schlitzaugen, ein gutes Mundwerk und kein Scheu vor Selbstdarstellung.
Ich hätte weiter so machen können – ich weiss. Ich kann gut reden, gut verkaufen und gut lachen.
Aber all das, reicht nicht – für mich. Für meine Kundschaft, weil ich eben Chinesisch sprechen und lesen kann, würde es vollkommen reichen, wenn ich einfach weiter so tun als ob spielen.
Für mich reicht es aber nicht.
Ich ging auf Suche, Suche nach einem guten Lehrer. Mit grossen Glück habe ich einen ganz tollen Lehrer, der mich in die Sprache des Tee einführt und mir ein Fenster zur diesen Welt der Aromen und Düften öffnet! Ich bin so dankbar und vergesse nicht, alles meinem Lehrer zu verdanken.
Es war mir klar, dass ich sehr wenig weiss und die Welt des Tee grossartig ist.
Seit Shui Tang sich immer besser etabliert scheint, besuchen immer mehr Kundschaft, die anspruchsvolle Teatoys und Teesorten suchen. Anfangs April war ein Punkt für mich erreicht, wie wichtig gute Lieferanten sind und wie wichtig dass ich immer an mir und an mein Wissen zum Tee und zum Teatyos arbeite.
Shui Tang kann tolle Sache anbieten, weil gute Lieferanten da sind und sie wollen auch geschätzt werden. Shui Tang kann interessierte Kundschaft anziehen, weil man hier etwas Aussergewöhnliches findet. Ich plante eine Reise nach Japan und wollte grundlegend etwas suchen gehen.
Ich trug dieses Gedanke Tage lang und war auf einmal bewusst, dass ich aus meiner eigenen Insel Dinge finden muss – aus meinen eigenen Wurzel! Ich musste sie am besten verstehen und wäre der beste Botschafter!
Noch tiefer zu gehen – tiefer in mir selbst und tiefer in die Wurzeln!
Es ist wohl der Grund, weshalb man zu Shui Tang kommen – nicht weil ich nett bin, oder weil der Tee günstiger und besser ist. Man beobachtet eine Entwicklung, eine Entwicklung von meinen Geschmack, von meinem Verständnis zum Tee und von meiner Haltung. Es ist nie perfekt und nie vollendet. Man entwickelt sich mit Tee und mit diesem Geschäft. Es ist etwas organisches, etwas Authentisches und etwas zu erwarten.
Was hätte ich dem jungen Herrn gesagt, wenn er um einen Rat von mir gebeten hätte, wie er zu seinem ersten Teegeschäft kommt?
Sehr wahrscheinlich hätte ich gesagt, als Erstes, lernen wir zu-hören – Tee zuhören und anderen zuzuhören, bevor wir etwas für anderen tun oder verkaufen.
Zuhören und – wir werden ankommen.

Geschenke

Geschenke

Es sind Kleinigkeiten des Alltags, die den Tag verschönern.
Die erste Päoniebluete in diesem Fruehling und die erste Sendung aus Shifeng Xihu. Von unerwarteten Menschen von irgendwo.
Als er kam, war er irgendwie ein bisschen schüchtern. Er hatte nichts dabei ausser einer Dose.
Er sagte, dass er so einen schönen Longjing nicht allein und täglich trinken kann. Darum wollte er ihn unbedingt mit mir teilen.
Warum nicht jeden Tag einen schönen Tee?
Der junge Pianist sagte, ein schöner Tee ist nicht mehr der Sonderbare, wenn er jeden Tag getrunken wird.
Ich antwortete, warum nicht? Ich würde jeden Tag schöne Musik hören, anstatt schlechtere damit ich Freude an schöne Musik bewahre.
Ist es nicht unsere Erziehung, die uns erzieht, uns mit dem „Gewoehnten“ abzugeben, anstatt mit dem Schoenen zu beschäftigen?
Fuer den Tee selbst ist es egal, ob man ihn stets verehrt oder nur ab und zu. Die Liebe ist nicht ein leidenschaftlicher Ausdruck, sondern eine Art von füreinander Dasein. Eine Art von Begleitung, von zueinander stehen und von Rückhalt, egal was du machst und egal was du angestellt hast. Das ist die Liebe des Tees, die ich verstanden habe. Einfach fuer einander da sein.
Er sagte, dass er gerade den wunderbaren Tee getrunken hat und wollte mir unbedingt welche bringen.
Ich bedanke mich bei ihm, dass er an mich gedacht hast.
Neben meinem Mini iPad, giesse ich ihn gerade auf und es sind schöne Momente an einem sonnigen Tag an dieser schmalen Gasse der Zürcher Altstadt.

Kontrolle ist besser?

Fast jeden Tag wurde ich gefragt, ob ich all die Tee-Bauer persönlich kenne und ob ich all die Teegärten besuchte.
Eine schwierige Frage.
Meistens frage ich zurück: Möchten Sie lieber für meine Reise bezahlen oder, möchten Sie für einen guten Tee bezahlen?
Muss ich all die Teebauer kenne?
Muss ich überall gereist bin?
Kann ich überhaupt es schaffen?

Die Schweizer Post ist sehr teuer. Es ist an sich in Ordnung, wenn sie gut sind. Es gab letzte Zeit zunehmend Probleme mit der Zustellbarkeit der Pakete und ich verliere Vertrauen. Weil ich Vertrauen verliere, versuche ich jetzt immer eine Quittung zu verlangen. Weil ich nun immer eine Quittung verlange, muss ich irgendwie diese Quittung aufhebe. Wenn ich anfange diese Quittung zu archiviere, dann fange ich mit einem Gebäude an, was mich irgendwann zerdrückt – wegen Kontrolle Zwang!

Nein, ich kenne nicht allen Teebauer.
Nein, ich war nicht überall in dem Teegarten, wo der Tee von Shui Tang angebaut ist.
Nein, ich will nicht in diesem Kontrolle Wahn fallen.

Ich habe gelernt zu vertrauen.

Ich kenne viele Teebauer nicht, aber ihren Tee. Der Tee spricht seine eigene Sprache und direkt zu jedem. Aus dem Aufguss des Tees weiss man, dass die Menschen, die hinter dem Tee stehen, einen ähnlichen Geist habe wie unseren.
Ich vertraue das, was Tee sagt. Ich vertraue Atong, was er macht. Ich vertraue You, was er produziert. Ich vertraue Luo, was er findet. Ich vertraue diese Menschen, genau wie andere Menschen mich vertrauen. Tee lernen fängt man an zu vertrauen. Es ist klar gegen die wissenschaftliche Einstellung. Wir haben als Schüler gelernt, zu kontrollieren und zu zweifeln.
So versuche ich im Teeseminar den Teefreunde zu vermitteln, lerne die Sprache des Tees kennen und Du wirst Vertrauen in Dir, im Tee und in Menschen gewinnen, weil Du nicht mehr nur kontrollierst. Man lernt zuzuhören. Man lernt die Sprache des Herzens zu verstehen. Man lernst loszulassen.
Durch das Erlernen Tee zu verstehen, so wie Tee ist, nicht so wie wir denken, wie Tee sein kann, wird man professionell, wird man offener und sicherer. Der Umgang mit Menschen wird automatisch gelassener und herzlicher.
Warum soll ich allen Teebauer kennen? Ich kenne manchen direkt und manche aus unterschiedlichen Verbindungen. Aber ich vertraue den Tee, der mir etwas zuflüstert.
Natürlich gibt es auch Mal Probleme. Probleme gibt es so wie so, auch wenn die Kontrolle scheinbar stark ist. Manchmal gibt es auch Scheitern.
Und wenn ich es will, warum kann ich nicht wieder von Null an neu anfangen?
Andererseits möchte ich ein Profi sein, in dem man vertrauen kann. Das gehört auch den Anfängergeist nicht zu verlieren und das Vertrauen in die Person, die uns zu Tee führt und in das, dass man sich mit Tee weiter entwickelt.
Also, ich werde weiter meine Zeit und Energie in der Auseinandersetzung mit Tee selbst investiere anstatt zu reisen oder noch mehr Werkzeug zu entwickeln um zu kontrollieren.
Deswegen bleibt Shui Tang klein und nur an der Spiegelgasse.