Archiv der Kategorie: Gongfu Cha (Kungfu Cha) 工夫茶

Teeschale, ein Gefaess voller Zeichen

Teeschale, ein Gefaess voller Zeichen

Natascha studiert chinesische Kunstgeschichte in Zürich und lernt Gingfu Cha in Shui Tang.
An einem herrlichen Tag wie heute suchte sie ursprünglich eine kleine Teedose für ihre Übung Gongfu Cha.
Plötzlich sprang eine Teeschale in ihre Augen. Sie fragte mich, woher kommt diese Teeschale?
Aus Taiwan.
„Warum gefallen mir immer die Dinge aus Taiwan?“
Ich zuckte meinen Schulter.
„Weiss du! An was diese Schale mich erinnert?“
Sie schaute mich erwartungsvoll.
Ich rezitierte ein Gedicht.
江雪 jiang xue
千山鳥飛絕
Qiao Shan Nico fei jue
萬徑人踪滅
wan jung Ren Zong mie
孤舟蓑笠翁
gu Zhou suo li wong
獨釣寒江雪
du Diao Han Jiang xue
All was ich sehe, zwischen den Bergen fliegt kein Vögel mehr
Allen Pfade und Spuren sind bedeckt von Schnee
Allein in einem Boot sass ein einsamer Fischer
Er fischt allein die ganze Schnee Landschaft.

Ein Gedicht von Liu Zong Yuan der Tang Zeit.

Wie kann ein einsamer Mann die Kälte der Schneelandschaft aushalten und das tut was er wollte – fischen?
„Sein inneren musste voller Feuer sprudeln!“
Ja, nur das innere Feuer kann uns helfen den eigenen Weg zu gehen.
Wie finden wir das Feuer?
Wie findest du zu deiner Teeschale?
Wir lächelnden uns in die Augen.
Jeder von uns ist wie ein Matroschka- Puppe. In uns steckt viele viele Erinnerungen von unserem Vorfahren, von unserer Familie und von uns.
In einem magischen Moment sprang etwas in unser Augen und fängt an mit uns zu kommunizieren. Eben so wie das Gedicht von Hang Yu, der mich zunächst mit dieser Schale in Verbindung bracht und nun mit ihr.
Etwas in ihr wurde berühmt und ebenfalls von dieser Schale mit diesem Gedicht verbunden.
Wie kommunizieren wir später mit unserem Nachkommen? Mit Gedichte und ebenfalls mit einer Teeschale.
Ich hat ihr morgen diese Teeschale mitzubringen. Wenn die Zeit erlaubt, würde ich gerne einen Tee mit dieser Schale zubereiten in alten Stil – direkt Teeblätter hinein und dann verteilen.
So einer Teeschale in solchen sonnigen Tagen vermittelt uns Ruhe und Einkehr ins inneren. Eine Art der Kommunikation zwischen Gastgeber und den Gästen. Eine Teeschale ist voller Zeichen. Wie ein Buch, was einen begleitet.
Wie findest du zu deinem Feuer?
Der Fischer im Boot wusste es und erzählte uns durch das Gedicht, Folge deine Stimme. Fischen auch wenn es schneit.

Gongfu Cha als eine symbolhafte Kommunikation

Claudia wollte die Unterrichtsstunde aufnehmen und dann aufschreiben. Für sie war die Stunde eine wahrhaftige geistige Nahrung.
Sie kam letzte Woche früher zum Unterricht. Dann ging sie kurz in der Stadt flanieren.
So schön fließend und wohl auch so geschmeidig lief sie nach dem Tee auf der Bahnhofstrasse. Promt wurde sie vom fremden Mann angesprochen, ob er sie kennen lernen darf!
So etwas in Zürich!
Sie sei ganz sicher, das kann nur wegen dem Tee sein!
Ihre Idee gab mir gute Inspiration!
Ich werde hier langsam über das, was ich verstanden habe von Gongfu Cha und von der chinesischen Kultur schreiben. Das ist ein gutes Projekt dachte ich.
Das erste, was ich von Gongfu Cha verstehe ist als eine symbolhafte Kommunikation.
Eine symbolhafte Kommunikation zwischen heute und gestern, zwischen Dir und mir und zwischen Hier und Dort. Kultur-, Zeit- und Raum überschreitend.

Herbst im Leben

Mein Leben ist nun im Herbst angekommen.
Gestern wurde eine meiner besten Freundinnen verabschiedet. Kurz bevor ich den Nachricht von Polizei erhielt, kam sie in meinen Traum und erzählte von ihrer Heimreise. Ich sagte ihr, dass ich keine Zeit habe um ihre Wohnung aufzupassen. Sie lächelte im Traum und bat mir doch mindesten einen Blick in ihrer Wohnung zu werfen. Sie gab mir den Schlüssel. Ich kam aus meinem Traum, wach oder nicht ganz wach. Das Telefon klingelte halbe Stunde später und die Polizistin berichtete mir von ihrem Tod.
Wie wäre es wenn sie noch leben würde, heute kreiste das Gedanke ganzer Zeit in meinen Kopf. Würde ich sie sofort besuchen? Sofort anrufen? Sofort sagen, wie sehr ich sie liebe?
Nein, das wird alles bei dem gleichen bleiben.
Ihr Leben war ein harter Kampf um Anerkennung und Ueberleben. Als sie lebte war das Leben hart und zäh.
Ihr Tod war hingegen schmerzlos, plötzlich und blitzschnell.
Ich freue mich für sie.
Ich scherzte gestern: M wird beauftragt und sollte allen Freunde zur Kronenhalle einladen als meine Trauerfeier. Die Zahlen auf mein Konto sollte noch reichen. Danach sollten alle in meine Wohnung gehen, das mitzunehmen, was ihnen gefällt.
D sagte, dass ich damit noch Streiterei stifte.
Jawohl!

Was nun…
Was mache ich in diesseits weiter?
Lange habe ich mich dagegen gewährt, Gongfu Cha zu unterrichten.
Ich will keine Gruppe, keine Schule und keine Institution aufbauen. Ich will keine Spuren hinterlassen.
Heute fragte mich Nico, was heißt keine Spuren hinterlassen? Was ist, wenn man Erinnerungen für die anderen hinterlässt?
Auch wenn wir an dem gleichen Geschehen teilnehmen, wir werden verschiedene Erinnerungen pflegen. Weil wir eben verschieden sind.
Letzte Woche erzählte mir der Musiker beim Besuch, dass er an das Unsichtbare glaubt. Er sagte, auch wenn wir sterben, auch wenn unser Körper schwinden, werden unser geistiges Reichtum in der Atmosphäre bleiben Die jungen Musiker werden in dem richtigen Moment die Verbindung erhalten, das Reichtum der vergangenen Musiker empfangen. Sie werden die Erbe von der großartigen Menschen. Ich nichte meinen Kopf, weil ich es aus der taoistischen Tradition kenne.
Keine Spuren hinterzulassen ist eine geistige Einstellung und Uebung, um Demut und Loslassen zu leben. Loszulassen, damit etwas anders sich erneuen und neu entstehen kann.
Das ist das erste was die Leute beim Gongfu Cha lernen. Alle Spielzeuge in einem Tablett zu tragen, in den Raum einzutreten und wieder so alles aus dem Teetisch weg zu tragen. Der Geist bleibt auf und über den Teetisch, aber die Dingen verschwinden, weil sie vergänglich sind.
Auf diesen Teetisch erlebt man verschiedene Teemenschen, die dort Tee praktizierten und praktizieren. Kommen und Gehen. Keine Spuren hinterlassen, damit etwas Neues von sich alleine entstehen kann. Der gute Geist kehrt von sich alleine zurück.

Mein Leben ist im Herbst angekommen, während das Leben von Nico und Tim noch im Frühling verweilen.
Am Teetisch sitzend bei einer Schale alten Tuocha realisierte ich was ich zu tun habe, bevor der plötzliche Tod mich abholen wird. Das, was in meinem Leben gedeiht und gediehen ist, in immateriellen Form zu verwandeln. Damit es von sich alleine in die Welt zurückkehrt, wenn jemand bereit ist, es zu empfangen.

Vögel im Käfig

Als ich ein Kind war, sass ich oft vor dem Fernsehen und erklärte meinen Grosseltern, was ich sah und hörte. Sie waren nicht Analphabeten, sie verstanden bloss kein Chinesisch.
Grossvater seufzte oft, dass sein Dasein wie ein Vögel in einem Käfig ist – weil er die Sprache auf der Strasse nicht verstand oder weil er nicht verstanden fühlte?
Ich erzählte so und so, was ich da im den Kasten sah und hörte. Manchmal übertriebener und manchmal gelangweilt. Mein Grossvater kontrollierte meine Geschichte am nächsten Tag, nachdem er die Zeitung gelesen hat und korrigierte mich mit so und so, von dem er lass und aus seiner alten Logik in der japanischen Zeit.
Meine Aufgabe war Geschichte zu erzählen und zu übersetzen.
Nun meine Aufgabe im Europa ist es nicht anders geworden.
Ich erzählte hier Geschichte oder übersetze sie. Manchmal übertreibe ich und manchmal tue ich es so wie gelangweilt.
Geschichte – Teegschichte, die ich alltäglich erlebe oder welche ich in meiner kulturellen Wurzel gehört und gelebt habe. Manchmal kann ich es nicht unterscheiden, ob ich das übersetzt bin oder der Tee. Manchmal verwechsele ich das Bild von den Vögeln – bin ich es oder derjenige, der die Geschichte hören.
Ist die Sprache ein Käfig? Oder das Gefühl vom Unverständnis oder das, was wir überhaupt als Zugehörig sein meinen?
Am den Teetisch in Shui Tang, obwohl der Tisch eckig ist, er rundet die Menschen, fangen fremde Menschen an plötzlich miteinander zu reden. Tee verbindet. Was verbindet er?
Ein Getränk, das den Käfig zeitweise verschwunden lässt und wenn man es nicht aufpasst, einen gemeinsamen Köfig kreiert – das vermeintliche Wir-Gefühl. Ich passe immer dabei auf, dass dieser Tee-Käfig keine Tür hat – damit meine Vögel immer ausfliegen können. Selbst ich – von Tee besessen – lerne, zu fliegen. Eben manchmal fremd gehen – zum Kaffee oder manchmal Whisky…
Gedanke – Notitz bei einer Tasse lieblichen und zugleich herben Phönix Shuixian aus Chao An, Guangdong!

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

Das Gesicht einer Nacht 夕顏

松樹千年終是朽,槿花一日自為榮。
Auch wenn Kieferbäume Tausendjahre alt werden, werden sie irgendwann zerfallen.
Auch wenn Hibiscus nur ein Tag lang blüht, strahlt sie in voller Schönheit.
Bai Ju Yi (772–846), Tang-Dynastie China

Wenn ich in mir Unruhe spüre, mache ich unbewusst mir eine Schale Tee. Je nach meiner eigenen Auffassung wähle ich einen – selten einen grünen.
Grüner Tee geniesst im Europa wegen der angesagten Wirkung gegen Krebs einen Kultplatz. Die meisten Menschen hier haben selten einen Zugang zu ihrem eigenen Körper und glauben gerne an PR-Texte. Sie kaufen das, was empfohlen wurde und wo gepriesen wird mit einem Daumen nach oben oder nach unten. In jedem Frühling zerbreche ich meinen Kopf, um das Verhältnis von Preis und Qualität vom grünen Tee stabil zu halten. Zu viel eingekaufter güner Tee bedeutet für Shui Tang ein Verlust, weil die Schönheit des grünen Tees in meinen Augen eben nur von kurzer Dauer ist. In Japan gibt man sogar den Genusszeitraum von drei Monaten. Aber wenn ich alte Texte von 千利休, Sen no Rikyū lese, dann werde ich richtig verwirrt, dass er den alten Tee bevorzugt und den neuen Shincha als zu unreif bezeichnete.
Ich bin noch tiefer in Pu Er Tee verliebt, seit ich aus Yunnan von den alten Bäumen zurück komme. Der einfache Geschmack gleicht die Schönheit aus der einfachen Erde. Etwas, was reifen muss, um Facetten und Tiefe zu gewinnen – das spricht mir wohl wegen meinem Alter immer mehr an. Das grasige Grün verliert immer mehr mein Gunst.
Seit paar Wochen reisen immer mehr frische grüne Tees in Shui Tang an. Wir sind ganz fleissig beim packen. Die frische grasige Note und federleichte Blätter strahlen eine unglaubliche Leichtigkeit aus. In dieser Hitze Zürichs greife ich ihn sogar freiwillig zu. Während Natascha nach dem Feierabend noch für mich den Computer reparierte, machte ich mir eine Schale Matcha… Plötzlich sass ich im Garten von Sanzenin in Ohara. Der alte Kiefer und Moos scheinen greifbar zu sein. Der alte Kiefer kann lang leben, während mein Leben ein Provisorium ist…
Sara fragte mich auf der Reise, weshalb ich viele Leute aus Europa nach Yunnan mitnehmen wollte. Ich antwortete, weil mein Leben ein Provisorium ist, während der Tee weiter geht. Irgendwann bin ich weg und Tee muss im Europa tiefe Wurzel einschlagen.
Mein Leben ist so kurz wie der grüne Tee. Kurz von Lebensdauer. Wie der Hibiscus in Bai Juyis Gedicht.
Nicht nur Hibiscus ist ein Ein-Tagsblume. Prunkwinde auch. Es gibt zwei verschiedene Sorte: eine Sorte blüht nur am Tag – auf Chinesisch heisst er Morgengesicht, Zhao Yan, eine andere Sorte blüht nur in der Nacht – auf Chinesisch heisst er Gesicht einer Nacht, Xi Yan. Xi-Yan ist gerne erwähnt und oft mit einer Seufz in der chinesischen Literatur – weil er in einer Nacht blüht. Etwas, was nie zu Tage treten soll. Wir haben meistens Angst davor, wo das Licht nicht ankommt… Eigentlich liegt dieser Ort wo Licht keine Chance hat in unserem eigenen Herzen. Deshalb fühle ich mich immer angezogen von den Xi-Yan. Diese Blume erzählt mir das, was ich nicht zu Tage treten lassen will und das Leben nur von kurzer Dauer ist.
Beim Besuch von Hannes Garten entdeckte ich diese blaue Blumen in der abendlichen Stimmung – fast genau wie unser alten Garten in meiner Kindheit, als ich noch mit meiner Schwester durch unsere verschiedene Höfe Versteckspiele machten und vor Erwachsenwerden flohen. Unser Garten ist hin nach Hundertjahren. Ich bin nun hier in Zürich. Manchmal gehe ich zu Vrenis Garten an der Spiegelgasse – die Mauer ist rauh und alt, während die Blumen in voller Schönheit bloss paar Tage blühen.

Eine Wette

Alexander brachte einen Boss (einen prächtigen Kravattenträger). Er behauptet, dass er alles trinkt, was seine Assistentin ihm zubereitet – ein scheinbar zugänglicher Boss.
Aber er behauptet, dass es keinen Unterschied bei dem Geschmack gibt zwischen den Oolong von Teebeutel und von Gongfu Cha.
Also, ich bin auf die Wetter eingestiegen. Auf eine Flasche Champagner! Ich habe eine Flasche ausgesucht. Aber der Boss behauptet, dass er es gewinnen könnte. Es wurde gewettet, ein Lishan Holzkohle 2012 sollte in zwei Arte zubereitet werden: einmal in Gongfu Cha und einmal mit PapierFilter. Es wird ein Blindtest sein und ich werde getestet! Mit herzlichen Lachen akzeptierte ich die Bedingungen.
Ich bin sehr gepannt.
Denn ich erlebte heute eine Ueberraschung.
Ich dachte, ich kenne fast allen meinen Tees. Tim stellte es auf Probe.
Er kam ohne angekündigt. Während ich sein Essen aufwärmte, sollte er selbst einen Tee aussuchen. Er suchte einen aus und bereitet ihn in dem Tonkanne zu, die Atong mir schenkte. Ich dachte es sei ein Dongding Guifei, weil der Tee schöne mineralische Note auffächerte… Nein… er war ein Muzha Tie Guanyin!
Ich war sprachlos in dem Moment. Muzha Tie Guanyin – kenne ich mehr als genug! Aber immer in Porzellan! Nun offenbart er mir in einer Tonkanne andere Facetten, die mir zuvor unbekannt war!
Anfängergeit ist der Teegeist! Ich habe Respekt vor Tee und vor dem, was Tee mir offenbart.
Und diese Wette – gewinnt nun auch Respekt von mir.

Tee und Teekanne in Basel

Die lange Nacht von Museum war richtig anstrengend. Ich hatte schlimme Kopfschmerzen, kratzenden Hals und müden Geist. Aber der Tee hinter dem Bambushain, dem Weg entlang mit Teelichter ausgewiesen bezauberten die schöne „Tee-Atmosphäre“. Im Organgerie waren immer mehr als zu voll besucht. Das Publikum war super. Interessiert, zuhörend und zu begeisternd! Über 100 Leute kamen zu Tee. Die Helfer waren tapfer. Bis 3 Uhr war ich wach… Danach zwei Tagen wie ein toter Fisch im Bett…

O.K. so wie zu dem vergangenen Tee. Jetzt kommt die Frage wegen dem Besuch von Teekanne Meisterin in Basel. Ich werde nicht in Basel sein. Aber die Ausstellung ist am 16.09 um 18 Uhr in Anna Schmid Galerie eröffnet.

Anna Schmid,
Schneidergasse 14
CH 4001 Basel

Zur gleichen Zeit ist eine Teezeremonie im sehr freundlichen und netten Teehaus Teeodor in Basel Am Andresplatz geplant.

Teeodor
Andreasplatz 17
4051 Basel
061 261 5724