Archiv der Kategorie: Klatsch am Teetisch

Ein kleiner Verrat

Ein kleiner Verrat, ein harmloser Seitensprung, ein kurzes Ausflug ins Kaffeeland.

Ich habe meine Kaffeemaschine in Zuerich gelassen, auch meine Kaffeebohne und meine Kaffeetasse. Aber den Koerper mit dem Koffein-Sucht nahm ich mit. Diese Sucht liess mich hier nicht mehr los.

Gestern ging ich endlich Kaffee kaufen, weil unsere Kaffeedame (meine Schwester) nicht da war und ich die Kaffeemahlmaschine mit meinen linken Haende kaputt machte. Die Jungs am Stand war so fit, dass ich nicht auf sie aufpasste. Der Kaffee war gezuckert! Enttaeuscht und sauer, schwoerte ich in ein richtiges Cafe-Shop zu gehen. Ein richtiges Cafe heisst in Taipei, Kaffeebohne nicht aelter als 240 Stunde geroestet, frisch gemahlt und am Tisch zubereitet.

Zhanlu, ein Kaffeeshop an der Xinshen South Road, merkte ich mir schon lange, aber noch nie besucht. Von Aussen sah das Lokal richig professionell aus. Die Karte ist wunderbar, von Blend bis Solo-Kaffeesorte: Von Suedamerika bis nach Hawaii. Was will man mehr? Ausserdem wird sogar Whisky ausgeschenkt! Leider war die Beschreibung und Degustationsnotiz zu wenig differenziert und standarisiert. Aber beeindruckend sieht die Menuekarte im ersten Blick auf jedne Fall! Jede Kaffeesorte wird mit Ort und Farm detailiert angegeben. Diese Art von Kaffeeshop liegt in Taiwan wohl ziemlich im Trend, was mir sehr gut gefaellt, aber in Europa noch nicht sehr bekannt ist.

Ich waehlte Kaffee aus Farm San Augustin in Columbia Huila aus. Die Dame verscuhte mir richtig zu beraten und warnte mir vor der Saeure. Ich meinte, dass ich die Bohne aus diesem Gegend kenne. Sie bereitete den Kaffee vor mir zu. Schoene Kaffee-Zeremonie. Ich haette sofort Zweifel an dem Temperatur des Wassers. Der Kaffee duftet schoen und hat leichte Farbe. Leichte Reostung, meinte sie. Die Saeure war so dominant, dass der fruchtige Geschmack erst beim Abgang bermerkbar wurde. Ich sagte ihr sofort, dass er mir nicht gefaellt. Sie bot mir sofort an, einen erfahrenen „Meister“ fuer mich zubereiten zu lassen. Dieses Service hat mich doch beeindrueckt und liess mir noch einmal einen saeuren Kaffee zu bringen.

Diesmal war der Kaffee eindeutig dunkler. Sie sagte mir, dass die Person bei der Kaffeezubereitung eine Rolle spielt. Ich stimmte zu, aber lobte ihre Grosszuegigkeit. Diese neue Tasse schmeckte vielseitiger, aber die Dominanz der Saeure war nicht zu korrigieren. Der Abgang war laenger und noch fruchtiger. Mein Herz schlug sofort schneller. Mein Koerper vertaegt diesen Kaffee nicht. Er ist zu aggressiv, auch wenn er nur von der leichter Roestung ist.

Enttaeuscht bazahlte ich die Rechnung, 230 Taiwan Dollars, knapp 10 Sfr. Gutes Hardware – Service und Einrichtungen, schlechte Auswahl. Aehnlich wie beim Erlebnis mit vielen Teelaeden. Ich ging wieder raus und erzaehlte Freunden und meinem Teelehrer ueber meine Enttaeuschung. Sie lachten mich aus, als ob ich inzwischen ein Auslaender waere. Es gibt wirklich paar verrueckte Kaffeetrinker unter den Teeliebhaber wie Onkel Huang. Sein Kaffeelieferant zittert, wenn er seinen Kaffee bestellt. Privat ist er ein Uhrensammler und Tee-Ameisen – er sammelt auch Tee, uralte Tees. Er sagte mir, dass man in diesem Laden keinen Kaffee trinken darf. Viel zu teuer und schlecht. Mein Teelehrer sagte mir, dass ich die Essenz des Tees immer noch nicht verstehe und deswegen erwische ich schlechten Kaffee!

Ein guter Kaffee ist wie ein guter Tee meinte er. Wenn man Kaffeebohne unreif pflueckt, ungenuegend fermentieren laesst, unausreichend trocknen laesst und zu kurz roestet, wird der Kaffee sauer und aggressiv. Das Gleiche gilt auch beim Tee! Wenn man so einen Kaffee mit Gewalt stark roesten laesst, bekommt der Kaffee ausser dem verbrannten Geschmack sonst nichts. Das meinen die meisten Menschen einen starken Kaffee!

Jedesmal war ich die erste Person vor einem Teeseminar, die nach Kaffee schreit. Ebenfalls die erste, die danach nach einem Bier sucht. Warum soll ich ausser Tee nicht anderen Getraenke lieben?

Kaffee und Tee oder Bier sind Getraenke, die fuer Einzelngaenger geeignet sind. Ich sitze gerne allein, liebe die Schlichtheit. Von der Verspieltheit halte ich mich fern. Am Ecke bei einer Tasse Kaffee (einen guten) zu sitzen macht mich wahrsinnig gluecklich.

Tee, Musik und nicht nur das Handwerk

Oolongblatt Ein gelungenes Werk, Sijichun Premium aus Taichung, Taiwan

Als ich gezwungen wurde Kalligraphie und Klavier zu lernen, hasste ich meine Mutter und den Beethoven. Seine Dramatik und Anforderung an die absolute Hingabe des Spielers überforderte ein junges Mädchen, das nur aus Pflicht seine Stunde absaß. Mit dem zunehmenden Alter und durch Tee fühle ich mich immer näher zu diesem Mann, dessen Seele an einem Verlass glaubt und stets mit uns in Kommunikation bleibt.

An Beethoven muss ich immer wieder denken, wenn man mich fragt, was der Prozess Hongpei (Endprozess des Tees, Ein Prozess der Röstung, die den Charakter des Tees stabilisiert und verleiht.) zu verstehen sei. Neulich war ich in Innenschweiz zu Besuch und bekam eine Tassen hervorragenden Shuixian aus Phönix Berg ebenfalls von Mingcha. Fein, elegant und duftend nach Pfirch, aber ihm fehlt etwas. Der Grund vom Fehlen an etwas ist die gleiche Situation, wenn der Spieler der Anforderung von Beethoven versagt. Auch der Shuixian Mandarin von Mingcha 2006 aus Globus (es wurde gesagt, dass die von mir empfohlenen Tees nicht mehr in Globus Zürich zu finden sei) war zwar schön, fruchtig und zufrieden stellend, aber etwas fehlt.

Was ist das denn eigentlich? Wenn Beethoven vorschreibt, crescendo fast bis zum Ende zu spielen und dann Dramatischerweise ein subito piano anschließend zu verlangen, ist die Klangbeherrschung und Mutprobe eines Pianisten getestet. (Ich glaube, solche Momente sehr gut im Sonata No.8 und No. 21 zu erleben) Ist er ein Feigling, traut er sich dem Test nicht zu stellen. Er geht mit seiner Kraft nicht an die Grenze, bevor er den lautesten Klang vor dem Wechsel drückt, übergeht bereits zu piano und denke dabei diesen Abgrund überlistet zu haben. Er verliert scheinbar nichts, bewegt sich im den Sicherheitszone. Aber seine Musik verrät uns, dass er den erwünschten Effekt von crescendo zu subito piano des Beethovens versagt. Ein Feigling traut sich nicht an eigene Grenze zu gehen, sich zur Probe zu stellen und lässt die Vision eines Werks fallen. Es gehört eine Menge Mut und Entschlossenheit, sich vor dem Abgrund zu stehen, um etwas zu wagen, was einem Menschen und ein Werk zu einem Kunstwerk und einem Meister macht. Diese Form von Mut ist nicht nur beim Musizieren gefragt und entscheidend, sondern quer durch jedes Lebensbereich. Das gleiche gilt auch beim Tee.

Hongpei – Röstung verleiht dem Tee einen unverwechselbaren Geschmack und eine individuelle Note, was der Tee-Önologe unter Tee und seine Kunst versteht. Alle Formosa Oolongs werden mindestens zwischen 80-120 Grad geröstet. Temperatur 80 Grad ist eine sehr sichere Temperaturgrenze, unter diese Grenze könnte ein Tee in der Sicherheitszone einwandfrei getrocknet werden und sein Geschmack wird minimal verändert. Ganz sicher, wenn man einen Tee nur unter 80 Grad röstet. Man verändert an nichts und bekommt dagegen auch nichts Neues dazu. Mit 100 Grad Temperatur wird der Duft verändert. Er tritt zurück, wird tiefer und unsichtbarer. 100 Grad ist die Gefahrgrenze, etwas kaputt machen zu können. Mit 120 Grad Temperatur wird ein Tee charakterisiert und verfestigt. Sein Duft, sein Geschmack und seine Struktur werden „dramatisch“ verändert. 120 Grad ist der Schritt zur Abgrund, die Mutprobe eines Tee-Önologes.

Ein hervorragender Tie Guanyin, der vielen Anwesenden am Wochenende und in vielen Seminaren begeistert, muss zwischen 90 bis 130 Grad geröstet werden. Also bis zum Abgrund! Der Rückflugtickt kann nicht gebucht werden, es geht immer nur geradeaus. Was macht ein Tee-Önologe? Ist er ein Feigling, ein Weichei? Ist er ein Meister? Er kann sich nicht verstecken, denn Tee erzählt uns alles von seiner Feigheit. Sein Werk wird unter den Gaumen geprüft und er manifestiert sich, auch wenn er glaubt, uns überlisten zu können. Tie Guanyin aus Muzha wird zuerst mit 90 Grad geröstet und der Temperatur wird bis 130 Grad erhöht. Mit vielen Unterbrechung und Pause wird der Tee erst vollendet. Ein Phönix Shuixian dagegen wird mit 130 Grad angefangen und langsam runter gefahren werden.

Das Glücksgefühl, das dem Leben Licht bringt, strömt durch uns, wenn wir ein meisterhaftes Werk begegnen. Mir tut es leid, wenn ein Tee unter einer Feigheit leidet und eigentlich das Potential besitzt, um ein volles Blüte zu werden. Ein guter Tee mit reichlichem Körper braucht die Begegnung mit einem Meister, der Mut besitzt, aus ihm zur einen Farfalla zu verwandeln! Oft könnte man diese prikäre Kunstfertigkeit nicht bewahren, indem wir auf die Tradition zurückgreifen. Es ist primär, den Mut im Hier und Jetzt für sie einzusetzen.

Solche Meister zu begegnen gehören wohl Schicksal. (Menschliche Begegnungen sind überhaupt schicksalhaft) Leider können wir solche Meister nicht mit Unesco-Programm schützen. Tee als Kunst kann man nicht einfach materialistisch beschützen. Die alten Teebäume, das Wuyi-Gebirge oder die Teegeräte könnten durch Museum gut konserviert, bestaunt und archiviert werden. Aber das Wichtigste, das den Tee lebendig hält und dynamisch schwingen läßt, ist der zerbrechlichste Mut der Menschen, die als Einzelnkämpfer in der Marktwirtschaft leben, vor Einsamkeit sterben und zwischen Schein und Sein leiden.

Heute pflege ich das Bewusstsein, die leise Stimme solcher Menschen festzuhalten, zu schützen und zu verbreiten. Das Bewusstsein macht mich oft zutiefst glücklich und zugleich einsam.

ps. Ich bin kein Musiker und kein Pianist. Bitte verzeihe mir meinen „Mut“, diesen Vergleich zu wagen. Eigentlich sehe ich das Tee-Seminar ebenfalls so wie die Musik. Jedes Konzert ist nie das gleiche. Ein Konzert-Besuch ist anders als daheim CD hören. Meine Aufgabe ist, den Zuhörer zu verführen, seine Version zu vergessen.

My blueberry night

München ist eine schöne lebendige Stadt. Voll, laut und lustig. Vor dem Kino stand eine riesen Schlange. Wir zitterten um jede mögliche Karte. Gemeinsame Plätze für fünf Personen waren nicht möglich in einem überfüllten Kino. Ich sah eine höfliche Leerstelle zwischen zwei Paaren und sprang sofort auf den Stuhl. Als ich im Dunkel versuchte, ein SMS zu tippen, grüßte mich der vornehmene Herr nebenan. „Guten Abend! Wo kommen Sie her?“ “ Aus der Schweiz, wo Bergen quer liegen.“ „Nur um ins Kino zu gehen kommen Sie nach München?“ “ Ja, nur um hier zu sitzen!“ wir lachten zusammen. „Ich vermisse das Lebensgefühl in Deutschland. Vor allem im Kino. Wie ein Film im Film.“ – wenn die Ereignisse Bilder wurden, die Erinnerung als Geschichte erzählt werden kann.

My Blueberry Night.

Ein herzgebrochenes Mädchen Namens Elisabeth kam jede Nacht in ein Cafe und ass trostlos den Blueberry Pie, der nicht beliebt war und immer übrig blieb. Der englische Cafe-Besitzer versuchte sie zu trösten und zu besänftigen. Eines Tages verschwand das Mädchen und er erhielt nur Postkarte von ihr ohne Absender. Das Mädchen nahm den weitesten Weg, um wieder zurückzukehren. Auf ihrer Reise lernte sie ihre Schmerzen zu vergessen, indem sie die Schmerzen der Geschichte des Anderen begleitete. Im Spiegelbild des Anderen begegnete sie sich selbst und nahm den weitesten Weg wieder zurück nach New York. Der Engländer hütete die Postkarte, bewahrte die Erinnerung auf und wartete bis die Tür eines Tages VIELLEICHT wieder geöffnet wird, anstatt sie zu suchen. Ein Jahr später kam Elisabeth unerwartet und wie erwartet wurde Blueberry Pie serviert. Blueberry Pie und Vanilleneis verschmelzten ineinander und ein seltenes Happy End von Wong Kar Wai fand überraschend statt.

Daiyu sagte, dass Wong „fetisch“ sei. „Fetisch“ insofern, dass er auf Dinge fixiert ist und Geschichte durch die Dinge erzählt. (Fred van der Kooij behauptet Wongs Film sei Melodram der Dinge). Die Lampe, der Schlüssel, die Polizeifugur wiederholen sich immer wieder in seinen Werke. Sie konnte fast nicht weinen, weil sie Wong Kar Wei wieder richtig erlebte. Das ist genau die Szene, das Lebensgefühl und die Sentimentalität, was sie genau von ihm erwarte. Die Dinge erzählten die Geschichte, die Menschen berühren und das Leben füllen. Wir pflegen die Dingen, weil wir selbst die Geschichte sind. Florian fragte mich, was für einen Tee mich an Wongs Film erinnern würde. Naja, was soll ich dazu sagen… ein Dianhong zu dem Blueberry-Cake von Hotz in Witikon?

Cenk behauptete, dass er mich im Kino schlafen sah. Wir verabschiedeten uns noch vor der U-Bahn. „Warum kommst Du nicht wieder nach Deutschland? Ziehe doch nach München!“ Ein Wanderer ist eine Ansammelung von verschiedenen Strömungen. Richtig zu einer gehört er nicht. “ Hoffentlich bis bald!“

“ Die Straße zu überqueren war nicht schwer. Es kommt immer drauf an, wer auf der andere Seite auf Dich wartet.

My Blueberry Night. Wong Kar Wai“

Kulturbanausen, Teebanausen

Bei einer Tasse Tee traf ich dill’icious an der Limat beim Storchen. Ihn lernte ich kenne, als er die Idee hatte, ein Teehaus oder Lokal in Zürich zu eröffnen. Es sind nun Jahre vergangen, inzwischen ist er umgeschult, arbeitet im sozialen Bereich und gründet ein Verrein Kulturbanausen, das Menschen zueinander verbinden sollte.

Als ich im Tram sass, konzentrierte ich mich kurz auf ihn, ein blasses Bild von der Vergangenheit. Ehrlich gesagt kann ich mich nicht mehr recht an ihn erinnern. Was in meiner Erinnerung bleibt, waren zwei Dinge: das schöne Ofen in seinem geschmacksvollen Essenzimmer, geschmückt mit blauen holländischen Fliessen; die Person zu erinnern ist für mich durch ein Bild von einem rassiger Sencha zu assoziieren. Und das erzählte ich ihm bei unserem Wiedersehen. Erkannt an ihn habe ich tatsächlich diese rassige Sencha-Ausstrahlung: scharfe Augen, klar und konzentriert.

Rassiger Sencha, würzig, stark und scharfsinnig, begleitet mit ein bisschen Samurai-Qualität, die schwerer zu beschreiben ist. Blitzschnell, wehrmutig und zugleich unwiederkehrend. Er lachte über meine Beschreibung und sagte, dass eine Frau seine Wohnung als „weiblich“ kommentierte. Denn er viele kleine Details liebvoll pflegt, was ein Mann eigentlich nicht kann. Ich lachte und widerlegte, dass die Beziehung eines Samurais zu seinem Schwert wohl sehr weiblich ist, denn der Schwert und die Person vereinheitlich werden muss – eine mit Liebe gepflegte Beziehung. Jeder ist zu gänglich zu dieser Qualität und es hat mit dem Geschlecht wohl nichts zu tun. Vielleicht ist die Beziehung zwischen Teeliebhaber und Tee sehr weiblich.

Wir tauschten uns aus, über die Jahren, über das jetzige Leben und über die Vision. Er sagte mir, dass er nun mit 50 endlich das Gefühl bekommt, angekommen zu sein. Er muss nicht mehr etwas verändern, geniesst das Alleinsein richtig und glaubt, reife genug, um zu lieben. Ich sagte, dass ich ihn sehr beneide. Er würde gerne etwas tun für die coole Gesellschaft Zürichs, etwas gestalten, um etwas geschehen zu lassen, um Menschen zueinander zu führen. Aus diesem Wünsch ist das Verein Kulturbanausen entstanden.

Was ist Kulturbanausen? Er lachte. Wer würde sich als Kulturbanausen bezeichnen, ausser wenn man über sich selbst lachen kann. Menschen, die wissen, dass sie keine sind, könnten darüber lachen.

Kulturbanausen

Wir sprachen auch über das Teeblog und die vergangene Teediskussion. Er verstand nicht, weshalb man die harmonische Mischung eines aromatisierten Tees verteufeln muss. Ist es nicht sektierend, wenn man anfängt, einen Authetizitätsanspruch als Teetrinken zu erheben? Er sah rassig aus. Ich nickte meinen Kopf. Wir haben alle Recht, anderen Menschen zu unterstellen und gleichzeitig unterstellt zu werden. Wir wollen stets das Gefühl behalten, sich als etwas Besseres und als Sieger zu fühlen. Es ist beim Teetrinker nicht anders. Warum sollte es anders sein? Die Gesellschaft hat uns keine Alternative angeboten. Anders zu werden, kann man nur, wenn man merkt, dass man mit diesem Konzept nicht mehr weiter kommt und es zur Last wird.

Teebeutel ist in Ordnung, Aromatisierung ist kein Problem. Es gibt kein Problem in unserer Welt, denn jeder ist so wie er ist, in Ordnung. Es ist nur ein winziges Fragezeichen, was Tee wirklich schmeckt. Weiss Du wie ein Tee schmeckt, wenn er nicht mehr in einer organisierten, ausgewählten und abstimmten Mischung auftaucht? Warum müssen wir mit Willen / Konzept etwas dazu tun, wenn der Tee doch allein für sich spricht?

Wir sprachen weiter über die Idee, gute Teebeutel mit seinen Jünger zusammenzustellen. Wir sprachen über mein Chaos, das selbst im Blog sichtbar ist. Er riet mir, Wissen und Beträge besser zu kategorisieren, um den Einsteiger zu erleichtern. Ich nickte und mit leichter Verlegenheit, enthüllte meine Schwäche. Ich habe richtig Schwierigkeit, selbst einen Schere aufzuräumen, so dass ich sie beim nächsten Mal wieder finde. Wenn man nie gelernt hat, Dinge entsorgen und aufräumen zu müssen, ist diese Kleinigkeit eine grosse Sorge. Er lachte und versicherte mir, mich zu coachen.

Der Teeladen ist da! Teagschwendner in Zürich

Seit 5 Uhr bin ich wach, da Anna ihr EasyjetFlug nach Berlin hatte. Ziemlich bald darauf rief Schwesterchen an: „Du, faule Schwester, bist du noch nicht wach? Hast Du schon Dein Flug im Januar? Wir brauchen Dich dringend!“ Ja, ja, sie brauchen meine Stimme für die kommende Wahl, hat gestern mein Teelehrer mir schon gesagt. Nein, das Fliegen ist Januar ist untersagt. Aber der Flug in März muss sofort besorgt werden. Im Internet ist bereits alles ausgebucht, laut meinem Reisebüro gibt es nur noch C-Class möglich. Ich eilte in die Stadt.

Ich verstehe diese Welt wirklich nicht. Bin ich zu komisch oder die anderen? Für meine Reise im November sollte ich bereits jetzt ein Flug buchen. Für meine Reise im März, bekomme ich nichts mehr. Das Muss früher zu buchen bindet Kunden, die sich wiederum binden müssen, wohin und wann sie reisen. Wir werden immer unflexibeler, immer mehr unter den Zwängen und immer mehr unter den Klemmer. Andererseits verlangt unsere Wirtschaft, dass wir immer sportlicher, flexibler und beweglicher werden müssen, um den Arbeitsplatz zu sichern. Wir werden immer mehr wie Maschine, die nur funktionieren und laufen nach dem Gesetz, was uns vorgeschrieben ist. Ich verweigere dieses Spiel mitzumachen und lehne diesen Mechanismus ab. Wie kann ich jetzt wissen, wann ich im Nov. auf die Reise gehe? Soll ich besser pendeln können oder eine Versicherung kaufen? Ja, ja, ich sehe das Lächeln eines Versicherungskaufmanns. Sein Villa an der Goldküste haben wir eigentlich finanziert.

In der Stadt…

Trotz dem Jahreswechsel sahen Menschen hier nicht besonders glücklich aus. Alle schauten aneinander vorbei. Der Blickkontakte wurden extrem vermieden. Das ist ein Machtspiel zwischen den Menschen in dem urbanen Millieu, in dem man vergißt, einen normalen Kontakt zu erhalten. Man trägt das schöne Kleid und macht sich attaktiv, damit man Aufmerksamkeit erregt, aber den anderen Gegenüber ein Blick zu schenken, macht man es nicht. Man erwartet menschliche Kontakte und Wärme, aber als Erste tut man es nicht. Ich machte mit den Zürchern ein Spiel, das ich gerne in einer fremden Stadt mache. Lächelnd schaue ich den Menschen an und warte ab, was passiert. Keine Wirkung. Zürcher wollen meine Blume nicht. Sie möchten ihr Programm durchgeben, das aufgeblasene ICH auszuleben, bloss nicht einen Zufall einem Raum zu geben. Ein Lächeln ist für mich eine gute Tat, die anderen Menschen winzige schön Momente schenkt. In Berlin erhielt ich viele schöne „Blumen“ zurück, auf der Strasse und von Fremden. Einmal in Spanien wurde ich sogar von einem Polizist mit Rosen beglückt. Somit zeigt mir jede Stadt ihr Gesicht und ihre Würde.

Es ist schwer auf diesem Niveau zu bleiben und ich ging zum Lindenhof, wo ich sehr gerne verweile. Schnell frische Luft ein und ausatmen. Von dieser Höhe sieht man das Niederdorf in einem anderen verhältnis an, vertraut und nah; und auch das kleine Limmat, das dieser Stadt Anmut verleiht wirkt wie ein gewöhnlicher netter Fluss. Ohne diesen Ort wäre schwierig hier auszuhalten. Nach dem Reisebüro ging ich auf der Suche nach dem TEELADEN, den Dill’icious mir bereits verpetzte.

An der Pelikanstrasse wurde im November ein Teeladen von Teagschwender geöffnet. Der Laden liegt sehr zentral und ist deutlich zu sehen. Ein eindeutlicher Teeladen-Geruch grüßte mich herzlich. Personale sind sehr freundlich. Der Regal in klarer Linien. Der Tee ordentlich abgepackt und verspricht immer die gleiche exklusive Qualität! Was für ein Luxus in unserer Zeit, in der alles unsicher wird. Das Konzept und die Linie dieses Ladens antwortet auf die Erwartung von Gleichheit, Gleichmässigkeit und Kontinuität. Egal wo wir den Teagschwendner begegnen, könnten wir die gleichen Qualität, fast identische Sortiment und das gleiche Aussehen erwarten, wie das Macdonauld. Menschen erwaten das Gleiche, um die Energie für die Entscheidung zu ersparen, um die Unabhängigkeit zu sichern von der Schwankung der Natur. Man will alles unter den Kontrolle haben. Man will nichts anders haben, als das Gewöhnte, das Vertraute und das Organisierte. Andererseits vermisst man, das Aussergewöhnliche, das Zufällige und das Fremde. Das Exotische umzufunktionieren liefert die perfekte Therapie für die trostlosen urbanen Bevölkerung. Durch den Konsum vom Exotische bekommt man den Schein an Etwas teilnehmen zu dürfen, was man schon längst versperrt wurde – das Fremde und das Abenteur.

Mir gefielt der kleine aber klare Laden, dessen Teeraum im Februar eröffnet wird. Zur Degustation gab es Sencha Organic, Rooibush Vanille und noch einen Kräutertee. Ich trank den Sencha Organic, der nach Termosflasche schmeckt und leicht grün gefärbt war. Eine schöne blonde Zürcherin im Peltzmantel erzählte am Ladentisch, wie sehr sie das Vanille Geschmack am Tee schätzte, denn der Duft sich stets an ihr letzte Indienreise mit ihrem Ehegatte erinnert. War es Vanille oder Vanillin? Ein alter Herr mit französischem Akzent kam hinein. Er wollte unbedingt zum Teeraum, der erst im Feb. zu besichtigen wäre. Er insistierte und wurde laut. Die Verkäuferin bemüht sich noch freundlich zu bleiben. Der Herr liess sich nicht von der netten Freundlichkeit ablenken, er wollte in den Teeraum, der nur noch Mobiliar hat. Das brachte mich zum lachen. Denn solche Gestalt machen das Leben in dieser Stadt wieder erträglich und lebendig anstatt wie das Leben im sauberen Schaufenster. Die Passanten sahen mein Lachen und blickten gleich in die andere Seite der Strasse.

Easy Gesellschaft, easy Geschmack

Vor einer Woche hatte ich paar interessante anregenden Briefwechsel mit einem fast aus dem Auge verlorenen Teefreund „Dill’icious“. Er meldete sich plötzlich und wir hatten eine heisse Diskussion um „den easy Geschmack“ von populärer Teemischung, die schon immer die mitteleuropäische Teekultur prägt und als Mainstream herrscht.

Meine Haltung ist klar: wer sich mit dem Geschmack des Tees auseinandersetzt, begnügt sich nicht mehr mit dem industriellen einheitlichen „Easy Geschmack“. Interessante Tees sind wie interessante Menschen, die anderen provozieren (nicht angreifen), Diskussionen anregen und sich trauen, eigene Schwäche zu zeigen. Interessante Tees mögen uns nicht von Anfang an schmecken – sie sind eben nicht easy, sondern uns herausfordern, zu probieren, zu entdecken und zu schmecken! Sie beeindrucken uns nicht mit dem blendenden Duft, sondern mit ihrer Einzigartigkeit, die von uns eben Zeit, Mut und Geduld fordert! 

Hoi Menglin
Warum kann man nicht beides gleichzeitig mögen? Entschuldige den Vergleich
(Obwohl, Chinesen mögen ja allmählich Laktat verdauen, wie die
Weltmarktpreise von Milch veranschaulichen :-), also entschuldige bitte den
Vergleich, aber beim Käse mag ich sowohl einen vierjährigen, im feuchten
Felsenkeller gereiften Gruyère als auch einen stinknormalen Scheiblettenkäse
… alles zu seiner Zeit. Kann man also nicht auch Tee sowohl als Ritual
zelebrieren, aber auch als triviales Alltagsgetränk (in Form von gut
aromatisieren Beuteltees) geniessen? Ich finde nach einigem Ausprobieren,
dass die Teemischungen vom Seefeld zwar sehr modern-populär gemischt sind
(da gebe ich dir Recht), aber so zwischendurch ganz „easy“ sind. Schnell
Wasser kochen, Beutel in die Thermosflasche, Mobiltelefon auf 4 Minuten
stellen, fertig! Seit ich das so mache, trinke ich täglich viel mehr
Flüssigkeit. Wasser allein mag ich nämlich irgendwie einfach nicht.
Abends dann wenn ich Zeit und Musse habe, kann ich dann einen „puren“ Tee
trinken.
Was meinst du?
Okay, um wieder auf den Geschmack zu kommen, bestelle ich bei dir die 3
besten Tees DEINER Wahl. 1x Grün, 1x Olong, 1x Schwarz.

Oder soll ich bei RVR bestellen?
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende
Dill’icious

Liebe Teefreunde, was meint Ihr dazu?

Ps. die Veröffentlichung ist unter der Genehmigung von Dill’icious. Ich denke, er ist ebenfalls gespannt auf die möglichen Diskussionen. Die Hervorhebung der Wörter ist von Menglin veranlasst.

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Kein Titel

Das Wiedersehen mit M. war am einen sonnigen Tag.

M. wollte für mich kochen, während ich nur Teeklatsch machen wollte. Nach dem langen Abschied brauchte das Wiedersehen zuerst eine nötige Besprechung von der Standortbestimmung. Wir tauschten aus, was in letzten zwei Jahren geschah. Er zog mit seiner jungen Freundin zusammen, in eine schöne helle Altstadtwohnung, lebt immer noch mit dem gleichen Rhythmus und kämpft gegen die gleichen Themen. Ich erzählte ihm von dem Tod von Giovanni, von der Krankheit von Michel und von den bevorstehenden Veränderungen, vor der ich so Angst habe. Alles was mir bedeutete und was ich pflege, geht entweder verloren oder verändert sich in diesem Jahr. Ich erzählte ihm von meinem Zweifel an sich selbst, von dem Schmerz der Machtlosigkeit, die Dinge so zu akzeptieren wie es ist, von meiner Leichtigkeit des Seins, das immer mehr zu Last wird.

In ihrer Küche zeigte er mir, was für Tee er unterhält. Es waren Earl Gray, Vanille oder Jasmin. „Menglin, ich habe nicht so feine Tees wie Du. Außerdem haben wir uns seit langen nicht mehr gesehen“ Ich schwieg. Das schöne Geschirr, das er einst bei mir mit Tricks und Charme erwarb, ruhte sich auf dem Regal. Der Anxi Tie Guanyin, den ich mitbrachte, schien dort überflüssig zu sein.

Ich lernte ihn auf einer Grillparty kennen. Er wollte unbedingt mit nach Bodman zum Tee gehen. Sein empfänglicher Geist war zutiefst berührt von der Botschaft des Tees. Er bedankte sich liebvoll und sagte, dass er niemals so viel Liebe empfangen hat. Dann gingen wir noch Tee trinken in meiner Wohnung am See. Der Wind aus dem See erfrischte und weckte. Es war für mich ein geistreiches, brilliantes und persönliches Gespräch am Teetisch. Für ihn war verwirrende Stunde. Um 2 Uhr Mitte Nacht ging er verwirrt aus der Tür und irrten sich zwei Wochen lang auf der Erde herum – erzählte er heute noch davon. Ich lachte, vielleicht ein bisschen ketzerisch. Dann sprachen wir von Zukunftsvisionen. Ich erzählte ihm von meinem Plan, meinem Seminar und Kurse. Er sagte mir, dass er Mühe hat, mit der Schwäche des Wurzelchakras (in chinesischem würden wir als Nieren-Energie Schwäche bezeichnen) umzugehen. Aber er ist nicht der einzige in dieser Welt, in der Dinge mit Angst vermarktet und verkauft wird. Angst und Beharren auf das Bestehende prägen unser Bewusstsein heute. Mich einschließlich. Er bat mir um Rat. Zuerst empfahl ich ihm den fünf jährigen Meeroolong, aber merkte gleich, dass es sich um etwas Tiefes handelte. Ich bot ihm an, das chinesische System kennen zu lernen, mittels sinnlicher Wahrnehmung differenzierter Geschmäcke, zu sich wieder zu finden. Ohne jegliche Autorität und jegliche täuschende Künstlichkeit entscheidet der Körper, was er zu sich nehmen möchte. Er wollte nicht. „Ich will dass Du mir sagst, was ich trinken soll.“

Ich lachte – wirklich ketzerhaft. „Warum bist Du zufrieden mit dieser phänomenalen Welt? Warum möchtest Du nicht selber die Welt wahrnehmen und erfahren, was Du wirklich bist und brauchst? Warum brauchst Du das künstliche Parfüm an dem Tee? Das zugefügte Parfüm ist doch nur eine Verblendung, die Dich in dieser Samsara aufhält!“ Er starrte mich an und seufzte. „Ja, Du schaffst heute immer noch mich zu verwirren.“

Die Zeit war rund. Der Zug nach Radolfzell wartete nicht. Ich versprach ihm vor den so genanten Festtagen noch einmal zu besuchen und ihm Tees mitzubringen, die er einst hatte.

„Wieder klingt ein Jahr aus;

Der Himmel schickt bittere Kälte.

Gefallenes Laub beeckt die Berge

Und kein Wanderer wirft einen Schatten auf den Weg.

Endlose Nacht: getrockene Blätter

                     verbrennen langsam im Herd

Gelegenlich der Klang von gefrierendem Regen.

Töricht versuche ich

     die Vergangenheit wieder wachzurufen –

Nichts hier außer Träume.“

——————————————————————     Ryokan (1758-1831)

Farbe in Tee, Tee in Farbe

Diese dunkle Nacht in Bodman, kein Stern, kein Mond. Ich tapperte im Dunkeln wie eine Spinne, die vergeblich im Tageslicht sich zu verstecken, versuchte.

Antje fragte mich gestern: „welcher Tee hat die Farbe Gold?“ – eine selbstverständliche Frage eines Sonnenkindes.

Ich lachte, „Buddha Hand! Natürlich.“

Und Lishan Hochland? Farbe hell gelb.

Schneeflocken Sijichun? Türkis über Rosa.

Phönix Dan Cong Shuixian? Rosa über Türkis!

Oriental Beauty? Farbe Orange über Gold.

Muzha Tie Guanyin? Gold über Orange!

Und Pu Er 1980? „Tiefmagenta!“

Warum eine teure Tasse Tee?

Wie die meisten Eltern verstehen meine Teeeltern meine Arbeit und Beschäftigung auch nicht, und fragen sich, was ich eigentlich von meinem Leben will. Sie rätseln oft, wie schaffe ich es mit Ende 30 noch keinen anständigen Beruf auszuüben. Sie verstehen nicht, weshalb die Leute zu mir kommen, freiwillig Geld dort lassen und wieder glücklich nach Hause fahren. Sie blicken nicht durch, wie ich Menschen mit Tee bezaubere. Sie realisieren wirklich nicht, dass es tatsächlich unterschiedliche Tee-Geschmäcke gibt und Tee ein faszinierendes Reich der Sinne bildet!

Teevater Detlef kaufte gerne seinen Jasmintee bei Frau Lim in einem kleinen asiatischen Teeladen. Dass man für paar Teeblätter ein Vermögen ausgibt, ist ihm fast eine Schande. Bei mir bestellt er höchstens Teebeutel von Sencha, die ich nur extra für ihn aus Uji importiere und er auf seine Paddelntour mitnimmt. Die Tees, die ich IHnen mitbrachte, gaben sie mir irgendwann wieder zurück. Denn es Ihnen nicht schmeckten. Das Bussiness und Seminare, die ich gebe, scheinen ihnen wie Kinderspiele.

Am Dienstag passierte allerdings etwas, was Ihnen zum Nachdenken brachte. Sie waren beim Meister Ulrich Haas in Freiburg, der Ihnen mit Begeisterung von meinem Seminar in Mai erzählte. Er hätte es nicht geglaubt, wenn er selbst nicht erlebt hätte, dass man aufgrund vom Schmecken und Riechen, die Höhelage eines anbaugebietes, Insektenbefall an Teeblätter und Röstungsmethode wahrnehmen kann! Die Sprache des Tees hat nicht nur ihm angesprochen, sondern auch vielen seinen alten Schülern – die Teefossil, die extra zum Seminar eingereist waren. Diese Tee-Fossil waren die ersten faszinierten Teemenschen in Deutschland, als der „Teeweg“ noch ein Fremdwort war. Sie waren die ersten, die entschlossen auf den Urasenke-Teeweg bestreiteten. Ein Teefossil habe behauptet, so Detlef, dass er nach dem Kennenlernen von Sprache des Tees nicht mehr freiwilig eine Tasse grünen Sud schlucken will.

Meine Teeeltern waren zuerst stutzig, als sie diese Neuigkeit erfuhren. Später fühlten sie sich jedoch bestätigt und ganz stolz, „Menglin, NUR UNS hast DU immer noch nicht geschafft, zu bekehren!“

Typisch schweizerisch – das schweizer Plus

Ich bin immer streitbereit. Darum habe ich auch Mühe mit diesem scheinbar friedlichen Bergvolk. Es könnte sich kaum vorstellen, dass es Schlitzaugen gibt, die nicht genügsam, anschmiegsam und gehorsam sind.

Weshalb bin ich in die Schweiz gegangen? Außer persönlichen Interesse bin ich wegen der Neugiere auf die schweizer Alchemie in das schöne Land eingereist. Die geheimnisvolle schweizer Alchemie verwandelt Heu und Kuhmilch zu Gold. Selten erreicht ein Land ohne Rohstoff den Wohlstand, den diese Alchemie bezaubert.

Das Problem ist, dass das schweizer Volk nicht an die Kraft ihrer traditionellen Alchemie glaubt, sondern an ihre eigene Leistung. Sie glauben, dass die Schweiz aufgrund ihrer Leistung ihren Wohlstand erreicht hat. Darum sind sie sehr qualitätsbewusst – Swiss Quality. Da sie sehr qualitätsbewusst sind, glauben sie mehr an den Preis als an die Ware selbst. Teuer ist besser. Billig kann nie gut sein. Die Geizkragen, die wegen paar Rappen nach Deutschland einkaufen fahren, werden moralisch als Systemverräter degradiert. Die Schweizer Butter ist besser, denn sie ist teuer. Dass viele Schweizer sich nicht gegen die deutschen unmoralischen Angeboten wehren und sogar das Herz bei den billig Discounter verlieren lassen, ist ein Dorn in vielen schweizer Augen. Nur wegen solchen gelegenlichen Fremdgehen mancher Sparschweinen könnte man in der Schweiz Flammern zur emtional geladenen Diskussion zwischen der Familie und Freunden anzünden!

Wegen dem Qualitätsbewusstsein sind die meisten Schweizer sehr sicherheitsbewusst. „Zur ihrer Sicherheit“ ist das nächste Zauberwort. „Zu Ihrer Sicherheit“ werden Schafherde zu weissen und zu schwarzen kategorisiert (hoffentlich bin ich nun nicht wegen diesem Beitrag schwarz geworden). Zu ihrer Sicherheit könnten die Stadt Zürich an jeder Hauptstrasse, die in die Stadt führen Kameras einbauen. Autos werden dokumentiert, wann, wie und wie lange sie in Zürich aufhalten. Wer bedrohlich ist oder harmlos, wird zur ihrer Sicherheit untersucht. „Zu Ihrer Sicherheit“ regt sich wohl niemand in Zürich auf, außer mir.

Das zweite Portotyp eines Schweizer ist, ein treues Mitglied der Glaubensgemeinschaft, die zweifelslos an ihre direkte Demokratie glauben. Diese Glaube ist nicht das Problem. Das Problem ist die dadurch entstandene Blindheit, die wohl an Realitätsverzehrung und fehlende Reflexion leidet. Wie oft werden die Volksinitiative tatsächlich durchgesetzt? Wie oft werden der Gegenvorschlag von der Obrigkeit siegreich angenomen? In Deutschland wird es historisch belegt, dass der Volkswille manchmal menschliche Katastrophe verursachen könnte und nicht die beste Stütze der Demokratie sein könnte. Diese Erkenntnis spielt allerdings in dieser friedlichen Bergwelt gar keine Rolle.

Schweiz.

Slogan von EM 2008. Was ist das Plus in der Schweiz, das entdeckt werden sollte?

Das ist meine Liebeserklärung zu diesem liebeswürdigen Bergvolk. Bitte versteht meine Provokation nicht falsch. Ich möchte nur den Schweizern einen „Denkanstoß“ geben wie Wolfgang Schäuble den Deutschen (vergleiche mit seiner umstrittenen Rede von Zerfall der Ordnung). Man sollte ja nichts „tabuisieren“, sondern offen reden!

Schweizer Flagge Selten schafft ein Volk, die ihr Totem so gut vermarkten kann wie die Schweizer. Als beste verkaufte Tradmarks für T-Shirts, Portmonnaie,  Messer, Hut, Pantoffel – alles, was ein Tourist als Mitbringsel oder ein Patriot als Ettikette kaufen würde.