Archiv der Kategorie: Klatsch am Teetisch

The Diamond Cutter

Als ich meiner Mutter von meinem Projekt an der Spiegelgasse erzaehlt, sagte sie im Telefon: „Du spinnst! Es ist jetzt Rezession!“

Vor einer Woche schenkte sie mir ein Buch „The Diamond Cutter„, nachdem sie wusste, dass ich es wirklich ernst meinte.

Meine Mutter ist ein „erfolgreicher“ Boersianer (Erfolg ist relativ). Ihr Geheimnis ist „Irgendjemand muss Geld an mich verdienen koennen.“ Sie verkauft nie Ihre Aktien bei den besten Zeitpunkt, deswegen wird sie auch nie von der Krise gefallen. Sie ist nie wuetend, wenn sie Aktien zu frueh verkauft, und macht sich nie Sorgen, wenn Aktien runter faellt. Jedes Jahr macht sie mit dem Buddha etwas ab. Wenn sie Erfolg hat, wird ein bestimmter Betrag zurueck zum „Kosmos“ gebracht.

Geld ist weder gut noch schlecht. Rezesion ist weder Unglueck noch Glueck. Im Handel geht es ums Geld, in Gewinn geht es um die Verteilung. Meine Mutter wuentscht ihrer Tochter, die Klarheit – so klar und entschlossen wie Diamond behaelt, innere und aeussere Reichtum zu vermehren und zu verteilen.

Tee trinken, um gesund zu werden?

Ich bin ein leidenschaftlicher Esser. Wenn der Appetit bei mir Ferien macht, bedeutet es wohl, dass es mir wirklich schlecht geht. Wolfgang (ein guter Freund und zugleich Hobbykoch) sagt mir oft, dass es selten eine Frau wie mich gibt, die kein gestörtes Verhältnis hat zum Essen. Ich esse wahnsinnig gerne. Der einzige, der sich beschwert, dass ich zu dünn sein könnte, ist mein Teevater – das stimmt überhaupt nicht! Aber er beschwert sich jedoch jedes Mal, wenn ich gegen ihn beim Abendbrot konkurriere. Ausgerechnet ich, ein leidenschaftlicher Esser, wurde eingeladen für einen Diät-Club ein Teeseminar zu halten.

 

Die Idee war, dass ich die Übergewichtige zum Teebegeisterten verwandele. Die Übergewichtige sollten den gesunden Tee trinken anstatt Cola!

Für mich war der Idealismus der Leiterin eine Illusion. Das Problem eines Übergewichtigen liegt nicht an der ungesunden Ernährung wie z. B. Cola, sondern an den Drang, sich ungesund zu ernähren!

Wenn ein Mensch einfach sich schlecht gehen lassen will, kann man ihm eigentlich gar nicht helfen!

Wie so weiß jeder Arzt, dass sein Patient gesund werden will?

Ist Tee tatsächlich gesunder als Cola? Warum sollte ich denn Nahrungsmittel moralisieren? Ich fühle mich nicht besser als ein Teetrinker, außerdem ich kümmere mich nicht um die Dinge, was andere machen. Ich möchte nur Menschen über den Genuss des Tees vermitteln, wenn er auch bereit ist, selbst den Genuss zu gönnen!

Wir können niemanden lieben, wenn der Andere nicht bereit ist, die Liebe zu empfangen. Trotzdem könnten wir diesen Menschen weiter lieben auf eine andere Art. Ich wünsche, dass es ihm gut geht und sein Glück findet.

Ich tue und gebe mein Bestes.

Also mit dieser Einstellung bin ich zum Seminar gefahren. Ich verdiene gerne Geld, aber will nicht bloß für Tee propagieren. Schlussendlich hat jeder seinen freien Willen und ich tue nur mein Bestes, den Tee zu vermitteln.

Das Publikum bestand aus gewöhnlichem Schweizer Bürger, gestresst und hat seine eigene Trauma und Geschichte. Als das Thema Tee gegen Stress zur Sprache kam, erklärte ich zuerst die Haltung des Tees. Wenn man Tee zubreitet, bewegt man sich nur innerhalb der Reichweite unsere Hände. Jeder hat unterschiedliche Hände, die unterschiedliche Weite erreichen. Wenn man mit Gewalt, die Grenze der Reichweiten überschreitet, verliert man sehr schnell das Zentrum der Haltung und zugleich die Eleganz der Bewegung. Was die eigenen Hände nicht erreichen, müssen die Hände von Anderen mithelfen. Menschen sind für einander da, um das gegenseitige Leben zu erleichtern. Der Stress entsteht, wenn man die Hände des Andere nicht traut und die Reichweite der eigenen Hände überschätzt. Einfach gesagt, schwer umzusetzen. Das lernen wir im Tee, indem wir Tee zubereiten und anderen Menschen servieren. Diese Praxis erleichtert uns diese Haltung zu veralltäglichen. Nur wenn es uns geht, könnte es anderen auch gut gehen. Nur wenn es uns gut gehen, könnten wir andere Menschen beraten, helfen oder „Geschäft machen“.

Aber was heißt denn „Gut Gehen?“ Für mich bedeutet bei sich selbst bleiben können. Ohne Respekt vor sich selbst, könnte man sich nichts gönnen weder einer Pause, einer Tassen Tee oder einem guten Aussehen. Respekt findet man nicht vom Außen, sondern in uns selbst. Ich versuchte den Teilnehmern zu motivieren, Selbstachtung und Selbstliebe zu entdecken und zu spüren. Man will ein gutes Aussehen haben, wenn man Respekt vor sich selbst gewinnt. Wenn das gute Aussehen Bestätigung erhält, wird der Respekt vor sich selbst automatisch erzeugt. Zuerst muss man es in sich selbst finden und das bedeutet eine harte Arbeit der Selbstfindung. Du bist es wert, gut und gesund zu sein. Und Du bist so wie Du bist in Ordnung. Auch wenn die Gesellschaft Dich als so oder so zuschreibt!

 

 

 

Ich war nicht sicher, ob mein Auftragsgeber mit mir zufrieden war. Ich wollte nicht Tee verkaufen. Wozu? Paar Teebeutel in fremden Kücheschrank stehen zu lassen, nur um eine gute Verkaufszahl zu kreieren? Das Vertrauen zwischen Menschen sollte aufgebaut werden, dann wird dieser Mensch immer wieder zu Dir kommen, wenn er etwas bräuchte. Die Verkaufszahl ist nur Ziffer, temporär und abstrakt. Das Dauerhafte ist mit dem Auge unsichtbar.

Einfach und gut essen in Berlin-Wedding

Stefan rümpfte seine Nase, als er wusste, dass ich bei Koreaner mein Mittagsessen hatte. Er behauptete, dass ein neuer Chinese an der Kreuzung zwischen Seetrasse und Müllerstrasse sehr original sei. So original wie in China behauptete er.

Da ich nicht gerne zu einem Show-Restaurant gehe, ging er mit mir zum Türken, Saray ebenfalls an der Kreuzung zwischen Seetrasse und Müllerstrasse. Mit einem Abtrünnigen ging er nicht Chinesisch essen. Er war zufrieden mit meinem hungrigen Gesicht und fetten Finger. Das Fladenbrot war wunderbar auch das gut gewürzte Fleisch. Natürlich bietet das Ambiente nicht zum langen Verweilen. Mehr wollten wir auch nicht.

 

Am nächsten Tag ging ich mittags zu dem sagenhaften Chinesen. Zwei richtig chinesische Gesichter fragten mich mit einem starken Akzent, die ich schwer verstand: „Wo kommst Du her?“ „Taiwan. Taiwanese.“ Ich lass die Speisekarte auf Chinesisch. Wow, richtig sensationell wie in Taipei bei Hunan Spezialitäten! Solche Speisekarte stand auf dem Tisch nur auf Chinesisch. Wer Mut hat, sollte einfach mit dem Finger auf eine Gericht zeigen wie ich 1991 in Köln jeden Tag machte. Ich kannte damals kein Deutsch und hatte immer das bestellte, was mein Nachbar ass. Alle Gerichte sind hier so original, dass man sich nur träumen kann, alles sehr scharf wie Mao es gerne hatte! Er kam aus Hunan! Ich lass und konnte mich selbstverständlich nicht entscheiden. Dann fragte die alte Dame mich, ob ich ihr einen Amtsbrief übersetzen konnte. Ja, klar. Ich übersetzte den Brief und telefonierte für sie. Sie waren glücklich und erleichtert. Der Koch brachte mir ein Kännchen Tee und fing an etwas zu kochen. 10 Minuten später brachte er mir eine Jumbo- Schale von 荠菜馄钝汤Wantan-Suppe. Spezielle Wantan. „Aus Jicai. Wir brachten die Samen von diesem Gemüse aus China und bauen sie in Berlin selbst an. Schmeckt es Dir?“ „Ja, klar.“ Die Suppe war warm und salzig. Die Trännen waren warm und salzig. Sie bieten diese Suppe nicht an Deutschen, die es nicht danach fragen, nur an die unter Fremden gebliebenen Fremdlingen.

 

Jicai gibt es auch in Deutschland, sie wussten nur nicht und Deutsche wissen davon gar nichts. In Konstanz arbeitete ich bei einem chinesischen Restaurant für drei Jahren. In jedem Frühling ging mein Chef geheimnisvoll zum Münster und kam immer mit einer Tüte voller Jicai zurück in die Küche. Dann wusste ich, ich hatte Glück. Er futterte mich wahnsinnig gerne. Er ist Koch, weil er gerne isst. Der Beruf war für ihn eine Berufung. Denn er eigentlich ein Herrensöhnchen aus Shanghai stammte. Da ich gerne esse, freut er sich, mein zufriedenes glückliches Gesicht anzuschauen. Meine Chefin hasste mich, dachte ich manchmal.

Kurz vor meinem Abflug ging ich noch einmal zum Asia Deli (Mei Shi Jia). Diesmal bekam ich Dampling (Shuijiao oder Jiaozi 饺子). Würzig, saftig und fein. Der Teig war wunderbar unter den Zähnen. Alles hausgemacht. Ach! Auch die Damplings lügen nicht! 12 Stücke für nur 5,5 €! Ich schüttelte meinen Kopf. Sie gab mir noch 12 Stücke mit Bambusblatt gefüllten Reisknödel. Ich mache diese Dinge nicht gerne selbst, weil es arbeitintensiv ist. Und hier in Berlin 1 Stück für 1 €! Sklavenarbeit für nichts. Ich brachte diese Knödel nach Zürich, ich weiß Wendy wird sich wahnsinnig darüber freuen!

Das Restaurant ist nur minimal eingerichtet und man riecht immer, was der Koch kocht. Das Geräusch im Wok rief in mir Heimweh hervor. Nur meine Großmutter kochte noch so. Meine Mama fand diese Art von Kochen zu altmodisch und zu rückständig. Das Geräusch und der Geruch sind allerdings nicht jedermanns Geschmack.

 

Im Vergleich mit dem Chinesen ist das koreanische Restaurant noch weniger eingerichtet. Das Lokal sieht tatsächlich so aus wie in jedem kleinen Ess-Lokal in Asien. Aber der Tisch ist sauer und klebt nicht. Zwei mimiklose Koreaner starrten mich an, als ich die Tür öffnete, als ob ich in einem falschen Film wäre. Ich wollte Damplings und liebe Damplings jeglicher Art. Sie verstand Chinesisch. Sie fingen an freundlicher zu sein, als ich Chinesisch sprach. Mir wurde eine halbe Serviette gebracht. Wahrscheinlich aus Umweltschutz-Gründen halbieren sie einfach eine vollständige Serviette. Man hat so wie so nur einen Mund, mehr braucht man nicht zu wischen. Die Damplings waren herrlich aus Tofu und Gemüse. Sehr fein, leicht und dezent. Für mich waren sie besser als die von Hunan. Ca. 20 Stücks für 6,5 €! Ich schüttelte meinen Kopf. Warum bin ich denn in Zürich gelandet? Dann kamen andere Schlitzaugen hinein, anscheinend ist das unscheinbare Lokal ein Insider-Tipp. Koreanisch, Japanisch hörte ich. Eine große Familie.

 

Nur für das Essen würde ich sofort wieder nach Berlin fliegen. Wo in Deutschland hätte ein Fremder anhand von kleinen Budgets etwas auf die Beine stellen können – außer in Berlin? Wo in Deutschland hätte man Möglichkeit einen unbekannten vielseitigen kulinarischen Streifzug zu unternehmen als in Berlin? Wo in Deutschland könnte man Zerfall und Aufbruch, Edel und Vulgär alles an der gleichen Strasse zu erleben? Diese Vielfalt und Lebenskraft dieser erneuernden Stadt haben viel an den Glück suchenden Fremden zu danken.

Asia Deli

Seetrasse 41, 13353 Berlin 030-45084219

Die Speisekarte auf Deutsch ist ein anderes Angebot – Chinesisch für Deutsche.

Jeden Tag bis 22.30

Arirang Restaurant

Seestrasse 106 13353 Berlin 030-45021248

Montag Ruhetag

U6 Seetrasse

 

Ist Tee teurer als Wein?

Bei den Gelbtees haben Sie im Blog ja selber die Ueberlegung gemacht, ob

man 50€ für 100g zahlen müsse. Ich versuche immer wieder mal mein

Gewissen zu beruhigen, indem ich den Vergleich mit Wein mache. Pro Tag

brauche ich einen Teelöffel Tee, das sind wohl 2 bis 3 Gramm, nicht

wahr? kostet also bei meinem teuersten Tee 70Fr/100g max. 2Fr. Und

wieviel Wein kann ich dafür trinken…?!? einfache Rechnung: eine

Flasche knapp geniessbaren Weins kostet mindestens 10.- . Wenn Sie Lust

haben, können sie dies auch mal im Blog schreiben, falls nicht schon

geschehen. Es wird vielleicht nicht so viel nützen. Ihr Blog wird wohl

fast nur von Teeliebhabern gelesen. Wünschenswerte wäre, wenn die

Allgemeinheit ein wenig mehr Sensibilität in Sachen Tee entwickeln

würde, zumindest so, dass ein Spitzenrestaurant es nicht mehr nötig

hätte, Lipton-Teebeutel zu servieren, wie es in Zürich nicht selten zu

erleben ist.

Hoffentlich habe ich Sie nicht zu sehr gelangweilt mit meiner langen

Antwort…

herzliche Grüsse

Christoph

Langweilig? Nie, wenn man so interessanten Vergleich und Gedanke liest. Es inpiriert nur!

Vielen Dank für diesen Austausch, lieber Christoph.

Ich hoffe, irgendwann die „hochkarätige“ Gastronomie und edelen Hotels auch tatsächlich edelen Tee servieren könnten, um den Name zu verdienen!

Restaurant Carlton in Zürich könnte ich empfehlen für einen schönen guten Afternoontee. Lese doch genau die Oolong-Teekarten…

Mythos Erfolg

Ich bin ein Zugvögel und plus Buchwurm. Was macht ein Buchwurm während der Zugfahrt? Zeitschrift lesen. Ich kaufe gerne Zeitschriften. Gerne Wirtschaftszeitschriften – ich gebe zu, dass ich gerne Geld rieche. Gala und Schweizer Illustrierte lese ich nur bei der Arztpraxis. S AM lese ich am liebsten daheim – ein wunderbares Magazin auch für nicht Architekten. Heute entdeckte ich wieder etwas Neues vor meiner Zugfahrt nach Zürich.  „Vordenker – Zukunftsatlas für die Wirtschaftwelt

Dass es in unserer Wirtschaft vor allem in Börse nicht die realen Zahlen regiert, ist nun eindeutig durch den Untergang von Wall Street klar. Dort herrscht Angst! Angst ist die beste Waffe der Welt. Mit Angst kann man das meisten Geld verdienen. Medikamente, Versicherungen, Kosmetik und Bio-Produkten – ich besitze aber alles was hier gelistet ist. Die geistige Kraft regiert unsere Wirtschaft, nicht die konkreten, messbare und vertauschbare Zahlen. Was ist die Geheimnisse des Erfolges? Wer den Mechanismus dieser geistigen Kraft durchschaut, durchschaut die Geheimnisse des Erfolges.
Doch hat Herr Schwarzmann uns etwas zu präsentieren. Er sagte, „Alles Erfolgreicher besitzt einen Sinn für das Zukünftige.“ Wie kommen wir zum Zukünftigen?

„Ist die Realität, die wir erleben, ein Ergebnis unserer Sichtweise, so können wir sie beeinflussen. Deshalb plädiere ich dafür, unseren Wahrnehmungsfokus zu erweitern, den Blick auf das Mögliche zu richten, ja in zukünftigen Realitäten zu denken, statt zu versuchen, die Vergangenheit zu wiederholen. (…) Intuitiven Eigenschaften repräsentieren eine Art Zugang zu unseren eigenen Zukunftsressourcen. Träume sind Fenster zu möglichen Realitäten. Vertrauen wir Ihnen.“ (Seite 5)

Ich finde alles ganz super, was Herr Schwarzmann schreibt. Es sind tolle Zitaten, die wunderbar zum Jahreskalender passen – z. B. Erfolg für Jeden Tag. Als der Zug die Grenze überschreitet und mein Pass kontrolliert wurde, fing ich an mich zu fragen, wie überschreite ich die Grenze zur Zukunft? Wo fängt die Zukunft an? Wo hört die Gegenwart auf? Wie und wo bleibt ein Traum als Traum? Wenn Träume nicht umgesetzt werden – im Hier und Jetzt, bleibt es einfach als Traum, oder? Wie könnte ich denn einen richtigen guten Traum ausmalen anstatt eines Alptraums? Was ist jetzt?
„Wenn Du jetzt Deine Hausaufgabe nicht machst, weinst Du heute Abend wieder. Du bist selbst schuld. Mir ist es egal, wenn Du weinst.“ Sagte meine Mutter zu mir jeden Tag, als ich in die Schule ging. Auch wenn ich dachte, dass ich keine Angst hatte vor meiner Hausaufgabe und ich sehr intelligent bin, weinte ich immer gegen Abends. Denn ich war zu müde, um Hausaufgabe zu machen.

Ich verstehe viele Dinge nur durch Tee. Kann jedes Pflückgut Oolongtee werden? Kann jedes Oolongblatt lang fermentiert werden lassen oder geröstet werden lassen? Nein. Bedingungen, Schritte und Vorstellung, was ein Tee werden sollte, sind klar definiert und ausgedacht. Der Teemaker hat eine bestimmte Vorliebe und sucht entsprechend das Material aus – wenn er es kann. Oder noch besser. Der Teemaker ist in der Lage aus diesem Material den entsprechend besten Tee zu verwandeln. Jeder Schritt im Hier und Jetzt bestimmt den Verwandlungsprozess eines Tees. Jeder schritt bedingt den anderen, nicht umgekehrt. Den Blick des Teemakers richtet er stets im Hier und Jetzt. Was für ein Material, was für eine Wetterlage, was für eine strukturelle Bedingung im Manufaktum steht ihm zur Verfügung. Das Wichtigste ist, was für einen Geschmack bevorzugt er. Was für einen Tee hält er für einen köstlichen Tee! Ein klares Bild von dem Ausgangspunkt und eine klare Ahnungen von Möglichen. Das Zusammenspiel von Naturalien und menschlichem Können kreiert das Kunstwerk – TEE. Das macht einen Teemaker zum Künstler, anstatt zu einem „Roboter“. Es ist nicht bloß das Möglichen zu visualisieren, sondern einen Prozeß zu klären, was „ich“ will und wer „ich“ bin. Ohne die Identitätsfindung bleibt man bloß ein Mitläufer, wo bleibt die Kunst des Tees? Wo bleibt der Erfolg?

Was passiert jetzt? Eine Veränderung findet in der Veränderung unseres Geistes statt – Im Hier und Jetzt, nicht im Traum. Wenn jetzt eine Veränderung stattfindet, haben wir erst die Möglichkeiten von Zukunft zu sprechen, zu träumen. Bevor wir etwas verändern, verändern wir zuerst unseren Geist. Dabei ist es außerordentlich wichtig zu wissen, wer sind wir und was wollen wir? Möglichkeiten gibt es viele, aber was ist unsere?

Wenn Du jetzt den Tee zu lange ziehen lässt, wird er einfach bitter. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten Tee zu trinken. Aber, was ist Deine?
Eine „erfolgreiche“ Teekunst besitzt nicht einen Sinn für das Zukünftige, sondern ein Bewusstsein für jetzige Handlung. Was machst Du jetzt?
Die Zukunft kommt von allein, wenn wir wissen, was wir jetzt machen. Wozu an die Zukunft zu denken?

Ein verkehrter Weg.
Ein guter Teemaker würde nicht aus einem Pflückgut gerösteten Oolong machen, wenn das Pflückgut für Grüntee bestimmt ist. Der Tee wird schlecht und kann nur – sorry, dass ich so böse bin, an eine „lange Nase“ verkauft werden – nur ein Witz. Aber in unserer Wirtschaft findet immer solches Märchen statt. Man will unbedingt einen gerösteten Oolong – also es wird so gemacht – zukunftgerichtet, eben.

Herr Schwarzmann kritisiert auch den erfolgreichen Bestseller „Secret“ Die Wünsch-Dir-Was Theorie“ ist für einen Wirtschaftcoach lediglich „Selbsterfüllende Prophezeiung.“ Gewiss, wenn man den Prozess der Wünsche nur als Vorstellungsprozess und ein Prozess des Kalküls versteht, ist es nur ein Placebo-Effekt. Eigentlich geht es in diesem Prozess der Wünsche einen Identitätsfindungsprozess. Wünsche muss man klar definieren, Träumen muss man genau ausmalen. Ansonsten hat man am Ende einen Alptraum anstatt einem schönen!

Nur ein Klatsch.

Ein Buch zu einer guten Tasse chinesischen Tee

Gerhard bat mir ein Buch für ihn aus Taiwan bei meiner kommenden Asienreise im November zu besorgen, ein Buch wie eine Reise in die chinesischen Vergangenheit.

Sicher kenne ich das Buch im Chinesisch sehr gut, wußte allerdings nicht, dass es bereits ins Deutsch übersetzt.

Wangshi Bing  Bu Ru Yan – Vergangenheit vergeht nicht wie Rausch

往事并不如烟

Zheng Yihe 章诒和

Vergangenheit vergeht nicht wie Rausch, eines meiner Lieblingsbücher. Zhang Yihe, einer meiner Lieblingsschriftsteller. Fast alle Bücher von ihr habe ich hier in meinem Regal. Als Tochter des früheren chinesischen Verkehrsminister 50er Jahren aufgewachsen, die politische Verfolgung beobachtete, selbst verfolgt wurde und immer noch kritisch bleibt, ist Zhang eine der mutigsten Frauen in China. Durch ihre sonderbare Familie und ihr frei denkenden und vielseitigen Vater (sogar in Deutschland studierte) erlebt sie die schönsten Künste Chinas, außergewöhnliche Persönlichkeiten und schrieb in ihrer einzigartigen Stil diese Geschichte nieder.

6 Geschichte, 6 Möglichkeiten zum wahrhaften Leben in einer verräterischen Epoche des modernen Chinas, 6 Abschiede zur chinesischen Vergangenheit. (ich liebe insbesonders die zwei Beiträge über Shi Liang und Kang Tongbi, zwei weibliche Portait, zwei einzigartige Persönlichkeiten.)

Vergangenheit vergeht oft wie Rausch – für manche und für meisten.

Zhang verdreht den beliebten chinesischen Satz um und sagte, „Vergangenheit vergeht nicht wie Rausch.“ Sie will es nicht paasieren lassen und lässt es auch nicht zu. In einer rasch vergangenden Welt ist heute alles bald vergangen. Was bleibt, ist das Gefühl wie Rausch.

Momente bei einer Tasse Tee – wenn man sich überhaupt eine gönnt, vergehen solche Momente nicht wie ein Rausch, oft eher wie eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise, die oft auch weh tut.

Ich möchte das Buch in meinem Regal nicht vermissen.

Tee und seine Aufbewahrung

Sehr geehrte Frau Menglin Chou,

aufgrund eines akuten Mottenbefalls habe ich mich heute aufgemacht und

mich im Netz nach diversen Aufbewahrungsdosen sowie Tips zur richtigen

Lagerung umgesehen.

Da habe ich mich besonnen das ich vor einiger Zeit einen Blog entdeckt

hatte der qualitativ bestach und mit Wissen und Hingabe gepflegt wird.

Nach kurzer Suche bin ich wieder zu Ihrem Blog gelangt. An dieser Stelle

auch ein Lob für Ihre Arbeit, machen Sie weiter so.

Vielleicht können Sie mir ein paar Ratschläge geben oder bestimmte

Teedosen empfehlen.

Leider ist der Vorratsschrank in dem mein Teesortiment aufbewahrt wird

für Motten leicht zugänglich, da sich an der Unterseite ein Spalt befindet.

Sichtbar befallen waren nur die Teeverpackungen aus Papier (Falz).

Die hochwertigen japanischen Tees waren dank der Aluminiumverpackungen

nicht betroffen.

Teedosen aus Metall (davon besitze ich 2 mit Glasdeckel und

Gummidichtung) hatte ich als Ideal angesehen, Grüntee soll man aber

angeblich darin nicht lose aufbewahren (Oxidation)!?

Die klassischen (günstigen) Blechdosen sagen mir generell wenig zu da

der Verschluss nicht gerade luftdicht ist und sich am Bodenfalz Reste

einlagern.

Ich habe gelesen das japanische Kirschholzdosen optimal sein sollten,

Angebote hierzu konnte ich allerdings nicht finden.

Letztendlich würde ich gerne die Schwarz-/Grünteesorten welche in

Papierverpackung (von meinem Stammlieferanten Hamburger Teespeicher

zb.)geliefert werden besser lagern ohne dass das Aroma schnell verloren

geht oder sich evtl Motten am Tee vergehen.

Sofern der Tee im Schrank aufbewahrt wird – sind Glasgefäße

(Geruchsneutral und leicht auswaschbar) geeignet?

Über Ratschläge Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen aus Baden-Würrtemberg

Frank

Neben dem Teetrinken ist die Sache mit dem Aufbewahren wohl ziemlich essential für einen Teeliebhaber.

Eigentlich bin ich keine gute Adresse für solche Frage. Jeder, der mich kennt, würde Kopf schütteln, wie ich meinen Tee aufbewahre. Ich trinke ihn einfach schnell weg, oder ich verschenke ihn weiter. Natürlich besetzen die Teedosen meine Wohnung. Blechdosen, Ikea Blechdosen – sehr gut für Pu Er Tee aufzubewahren, Papierdose aus Taiwan etc.

Blechdosen: Wenn Sie Ihren Grüntee schnell verbrauchen, wäre es nicht problematisch, ihn direkt im Blechdosen aufzubewahren. Ich fände es allerdings besser, samt der Papier in der Dose aufzubewahren. Ähnliche Teesorten könnte man zusammen aufbewahren, aber nicht zu unterschiedliche Teesorten.

Blechdosen aus Ikea: ideal für Pu Er. Pu Er aufzubewahren sollte nicht in einer lusftdichten Dose sein. Nur um „unerwünschte“ Mittrinker zu vermeiden schafft die Blechdose in Ikea jedenfalls, außerdem hat diese Dose einfach die richtige Grüsse für eine Fladen.

Glas: auch ein ideales Medium, sofern das Licht nicht direkt auf das Glas wirft.

Um Geruch zu neutralisieren könnte man alte Teeblätter (unverbraucht) in die Dose oder Glas paar Stunde oder einen Tag füllen und liegen lassen. Teeblätter beseitigen fremden Geruch hervorragend – darum sind sie auch sehr empfindlich gegenüber „unerwünschtem“ Fremdgeruch.

Die japanischen Teesorten würde ich generell im Kühlschrank aufbewahren. Ungeöffnete Tüte im Tiefkühl.

Die Kirschholz-Dosen könnten Sie vielleicht bei

limited-stock.com (+41-43-2685260) anfragen. Der Laden, die Jägger und Sammler an der Spiegelgasse Zürichs, führen hervorragende Teedose-Sortiment aus Japan (natürlich auch Sortiment von ML)!

 

Laos und Tee

Liebe Menglin

Ich bin in Luang Prabang, Laos und geniesse the slow pace of life in
diesem sehr schoenen alten Koenigsstadt mit alten Tempeln eingebettet
in einer praechtigen Landschaft.
Ausnahmsweise trank ich zum Fruehstueck Laos Kaffee, da ich dachte,
dass es keinen guten Tee gaebe. Weit gefehlt, am zweiten Tag empfahl
mir der Kellner Laos Green Tee, der sehr gut schmeckte. Ich konnte es
nicht glauben. Wie der Tee heisst, konnte er mir nicht sagen. Ist es
Laos Cong Shui Xiang Oolong oder Old Bush Water Sprite? Diese Namen
fand ich im Internet. Falls du Informationen zu Tee aus Laos hast,
wuerde mich das sehr freuen.
Herzliche Gruesse aus Laos

Joseph

Das 1. Lebenszeichen von Joseph erfreut mich sehr. Aber den Tee, den er beschrieb, kenne ich leider nicht. Kennt Ihr den Tee aus Laos? 

Die Schönheit ist ein Verbrechen

In dem wunderschönen Gyokuro-nachmittag erzählte uns Astuko ihre Beobachtung in ihrer Tee-Galerie. Viele ihre Kunden sind unbeständig. Sie kommen und gehen. Oft jammern sie, dass sie keine Zeit haben. Keine Zeit, den Tee schön zuzubereiten. Keine Zeit, eine schöne Zeit bei ihr zu verbringen. Eigentlich keine Zeit, um sich schön zu pflegen. Sie sagte, solche Kundschaft kocht sich auch nicht schön. Sie essen oft Sandwiches und Take away… Joseph war ehrlich und gab sofort zu, dass er es kennt. Ich guckte tief in die grüne Tasse und gab ganz leise zu, dass mein Leben im Moment von Sandwichs und der Küche von meiner Freundins Restaurant Hot Pot unterstützt wird und mein Frühstück aus zwei schnell erledigten Dianhong Tassen besteht…

Sandwich war einst für mich das Essen für armselige Menschen…

In diesem spiegelnden Zustand betrachte ich meine Lebensweise ganz kritisch. Was bedeutet denn keine Zeit für Tee, keine Zeit für Kochen und schlussendlich keine Zeit für sich selbst? Eine Depression?

Zeit ist Luxus geworden. Dinge, die zeitaufwendig ist, sind Luxus. Luxus ist müßig, ornamental und überflüssig.  Luxus ist eigentlich nutzlos.  Zeit zu haben ist nutzlos, weil man effektiv leben muss. Denn die leere Stelle der Zeit ist die Leere der Seele. Wie viele Menschen könnten wirklich mit Ruhe und Schweigen neben anderen Menschen umgehen? Wir müssen stets sprechen, sprechen von belanglosen Dingen, damit wir nicht merken, wie leer wir sind. Alles was Zeit erfordert, ist überflüssig. Menschliche Beziehung, die nutzlos ist, ist keine Begierde des Networks.  Schönheit und das Schöne im Leben benötigt Pflege und bewussten Umgang. Einen Tee in seiner Schönheit kennenzulernen, seine Schönheit entfalten zu lassen und seine Schönheit zu kosten, kostet Zeit und Pflege.  Insofern ist es ein Luxus. Es ist überflüssig, ornamental und deswegen schön.

Sobald die Schönheit als Zusatz des Lebens und als Ornament des Alltags betrachtetwird, wird Sandwich zur Hauptmahlzeit und Teatime zur Schaustellung der Muße und die Schönheit zum Hässlichen. Die Schönheit und das Pflegen von Schönheit werden lästig. Das Schöne wird hässlich.

Irgendwann wird unsere nüchterne rationale Wirklichkeit zum Alptraum, von dem man eines Tages ganz böse aufwacht, begleitet mit Burnout, mit Herzanfall oder mit Erschrecken, dass man ganz allein ist ohne Farbe und Schönheit.

Das Sandwich ist eigentlich ein Halt, was uns noch an die sicheren Tage erinnert, dass man ein selbst sicherer gefragter Mensch war. Sobald man an die Macht der Schönheit ausgeliefert ist, Zeit für das Schöne des Lebens nimmt, ist man nicht mehr auf einen sicheren Boden. Man muss sich vor anderen Menschen rechtfertigen, dass man Lücke im Terminkalender hat, dass man für etwas Überflüssiges einsetzt, um nichts zu wollen.

Da Schönheit ein Luxus ist, ist das Begehren der Schönheit irrational. Eine irrationale Handlung hat immer etwas Unanständiges, was das Leben unangenehm macht und die Moral in Frage stellt.  Der Effekt der Schönheit ist unsichtbar und zugleich präsent. Es wirkt wie der Geist, der es genießt, die klare Grenze zwischen Elementen der so genannten Realität dort zu zerstören, wie diese Grenze für logisch und vor allem moralisch gehalten werden. Schönheit ist in diesem Sinne kein Objekt mehr, sondern eine Darstellung einer Beziehung, wie wir mit dem inneren Ich umgehen, wie wir Selbstliebe verstehen, und was wir als Freiheit leben.

Insofern ist die Schönheit ein Verbrechen. Ein unverzeihbares Verbrechen, das uns vor Verlustangst provoziert und uns anstößt, das Stabile und Glaubwürdige an unser Leben zu rütteln. Das Verbrechen verführt uns sogar, uns selbst zu bezwingen, um aufzubrechen.

Oolong, ein Poet

Ich lernte diesen merkwürdigen Japaner kennen in einem Zug, als ich heute zu der kranken Grossmutter nach Basel eilte. Tief versunken lass ich einen Roman Namens Hüterin der Gewürze, den ich als Geburtstagsgeschenk bekam. Keine Aufmerksamkeit schenkte ich ihm, als er sich einfach mir gegenüber hinsetzte. Zuerst sprach er mir auf Japanisch an. Mein Japanisch konnte ihm gerade klar machen, dass ich kein Wort Japanisch spreche. Er gab nicht auf und ist kommunikativ wie ein Japaner. Er fragte, ob ich Chinesin bin. „Was!?“ ich schüttelte meinen Kopf und lass weiter. „Was machen Sie hier in Europa?“ „Was machen Sie hier in Europa?“ fragte ich unfreundlich einfach zurück. Erleichtert erzählte er mir, dass er ein Architekt sei und seit einem Jahr im Nordrheinwestfalen lebe. In Japan fühlte er sich eingeengt, in Deutschland fühle er sich als ein unbekannter Aussenseiter. „Waren Sie schon Mal in Omotesando (die Bahnhofstrasse in Tokyo)?“ „Ja. Nur einmal.“ „Kennen Sie Tod’s?“ Ich schüttelte meinen Kopf. Grosse Enttäuschung stand in seinem Gesicht. Er habe mit dem Architekt von diesem berühmten Bauwerk geschafft. Meine Herkunft von ungebildeter Unterschicht hat sich dadurch verraten. Aber auch wenn ich all Ornamente dieses Menschen nicht erkenne, würde ich mich gerne mit ihm unterhalten, weil er nicht zufällig hier sass. Ich ging auf ihn ein. Ihm erzählte ich, was ich hier mache – eben Verkäuferin, Verkäufer von Tee.

Der unbekannte Japaner versuchte interessiert zu sein, obwohl er scheinbar sein altes Kulturgut nicht kennt, nur von Architektur lebt. „Was für einen Unterschied liegt zwischen Grüntee und Oolong?“ Oh, wie sollte ich denn auf mein gebrochenes Englisch diese Dinge erklären?

Ein Grüntee ist nicht fermentiert, schmeckt treu zu seiner pflanzlichen Substanz. Man könnte sich so vorstellen, dass man Salatblätter im Garten pflückt und gleich in den Wok wirft. Das Wichtigste dabei ist, das Gemüse so lang zu garen, dass die rohe grasige pflanzliche Note nicht zur Sprache kommt. Erfahrende Hausfrau oder Hausmann ist genau so wie ein erfahrener Teemaker, der weiss, wie lang er sein Gemüse im Wok „quälen“ lässt. Später trocknet man das Gemüse, aber nicht so lange, so dass es Feuer bekommt. Auch nicht zu kurz, dass das Gemüse bzw. der Tee trocken und dadurch stabil bleibt. Der Geschmack von diesem Gemüse bzw. der Tee variiert sich durch die Länge des Garens, die Art des Garens – im Wok und die Sorte des Gemüses. Aber ein im Wok verarbeitetes Gemüse schmeckt immer noch nach Gemüse. In diesem Sinne ist der Grüntee ein naturtreues Gebilde des Teepflanzens. Das beste Beispiel ist ein guter Sencha ohne Fisch Geschmack!

Ein Oolong? Ein Oolong ist solche Gemüse, das man nach dem Pflücken im Garten noch kurz liegen lässt, so dass es seine Feuchtigkeit verliert. Man lässt das Gemüse so lange liegen, dass seinen Charakter anfängt, sich zu verändern. Zuerst duftet es, wenn man den Duft verkennt und den Zeitpunkt verpasst, fängt das Gemüse an, zu faulen – eine noch stärkere Veränderung seines Wesens als Gemüse (bzw. Teeblätter). Dann kochte man die Teeblätter bzw. das Gemüse aus dem Garten im Wok. Anschliessend könnte man sie im Ofen trocknen und weiter rösten. Die wesentliche Veränderung des Teepflanzens durch Fermentation und Röstung verleiht dem Tee eine andere Dimension. Die Fermentation und Röstung verändern den Tee als Blatt zu einer Blüte oder zu einer Frucht und am besten beides gleichzeitig! Meine leuchtenden Augen erzählten dem fremden Menschen von einer ihm unbekannten Welt. Er war gefesselt von seinem bekannten alltäglichen Getränk und zugleich fremder Welt. Ein wunderschöner Oolong schmeckt nicht mehr nach einem pflanzlichen Blatt, sondern nach Blumen, nach Früchten und nach Bildern, die unsere Erinnerungen färben! Was ist mein Lieblingstee? „Buddha Hand.“

Mir war egal, ob der Japaner mich verstand. Ich hatte Freude, jemandem zu erzählen, was mich berührte. Später geht man sowieso auf unterschiedliche Wege und der Zug ist nur eine Kreuzung. Dann fragte er mich, ob ich Francesco Milizia kenne? Sicher nicht. Er sagte mir, dass er ein Lieblingszitat von diesem Mann hat. Er hat dieses Zitat auf seinem Schreibtisch.

„Wer die Natur nachahmt, rigoros und realitätsgetreu, so wie sie ist, ist – gewissermassen – nicht mehr als Historiker, aber wer sie komponiert, übersteigert, umändert und verschönert, ist ihr Poet.“

Er sagte, dass der Grüntee, der Sencha, den er seit Kindheit ohne Beachtung trinkt, ist ein Historiker von einer treuen Seele. Der Oolong, von dem er heute zum ersten Mal hörte, müsste ein Poet für das Leben sein! Plötzlich war der Wagen nicht mehr der Wagen von SBB. Ich seufzte. Wie poetisch, dieser Vergleich! Dieser Mensch müsste selbst ein Poet sein. Inner kurze Zeit begriff er, das Wesen des Tees und druckte es so aus, aus der Natur eines Poeten. Ich wünsche, ich hätte mein Japanisch schon längst verbessert!

Zum Schluss bekam ich wieder eine Visitenkarte. Nach dieser Kreuzung gehen die Wege wieder auseinander. Die Unbeständigkeit ist die einzige Beständigkeit. Ich erwiderte dieser Visitenkarte mit einer japanischen Sayonara Verbeugung. Sayonara, mein lieber Poet!