Archiv der Kategorie: Japanischer grüner Tee

Fotos am 6.7.08 im Lotus Garten

Fotos am 6.7.08 im Lotus Garten

Josef und Daniel übte, wie man professionell in Taiwan Tee verkostet. Für Ihre Hardcore-Teereise 09 April müssen die Mitreisende „Do and Do Not“ geschult werden. Die Beiden lachten ganz herzlich über die komische Weise des Tee-Verkostens. Ich habe lange geübt, so dass ich die Laien ein bisschen blenden könnte. Aber die Clubmitglieder wollten sofort es können. Ich bewunderte die disziplinierte schweizer Erziehung!

Magie des Gyokuros

Als ich ankam, wurden Fenster gerade fest geschlossen, denn die Bauer neben an gerade seine Felder kräftig dünnte. Mitte im Büro stand eine seltene Person, die ich hier noch nie sah. Eine bescheidene, in sich geruhte und sanfte Person, dessen Augen unglaubliche Freundlichkeit und Wärme ausstrahlten. „Wer ist das?“ fragte ich Hanspeter. Er lachte, „eine seltene Persönlichkeit!“ „Ja, ich habe es gerochen.“ „Du?“ „Wer ist das?“ Er verweigerte mir es zu nennen und verlangte mir auf sein Mail zu warten. Er kennt mein Ungeduld wie seins. In seinen Augen sah ich sein Spass mir den Spass zu verderben, eine interessante Person kennenzulernen. Hanspeter zog im Moment von seinem Geschäft zurück und widmet nur noch seine Interesse, Menschen zu begegnen, die genau so außergewöhnlich sind wie er. Er ließ mich mit R. allein mit unserem Sencha und Gyokuros. Seine Augen lachten.

So wurden wir zurück gelassen mit der Arbeit, die neuen Ernte zu degustieren. Das Saison 2007 war sehr gut gelaufen. Alle Vorräte sind ausgegangen. R. übernimmt immer mehr das Geschäft innerhalb der Familie und lernte step by step in die Welt des Tees einzutauchen. Er bat mir oft ums Rat, manchmal ist es mir nicht immer angenehm, denn ich nicht für und gegen anderen Menschen sprechen möchte. Seine Offenheit und Vertrauen überrascht mich stets, so dass ich aus dem Schatten meiner asiatischen Höflichkeit springen muss.

Drei Senchas aus Nakai Teegarten haben wir zuerst im Programm genommen. Drei verschiedene Qualitäten, sauber verarbeitet. Diese Senchas sind wirklich anders als Mainstream-Sencha. Sie schmecken pflanzlich und klar, ohne Beigeschmack des Fisches zu ahnen. Er trank den einfachsten Sencha und sagte mir, dass er sich an seinen Großvater erinnerte. Sein Großvater aus Berlin, der zwei Male Weltkrieg erleben musste, zwei Male Hab und Gut verlor und entgültig das Heimat Deutschland verliess. Er erzählte mir von Heuschrecken-Katastrophe seiner Kindheit, von den einfachen Freude des Biss eines reifen Tomatens aus Großvaters Garten, von dem einfachen Mate in seiner Erinnerung. Dieser einfacher bescheidener Sencha erinnerte ihn an den einfachen Mate, unverfälscht und klar. Dann erzählte er mir von seinem Traum, wieder die Weite des Weide zu erleben, den frischen Wind der südlichen Sonne zu schnuppern und sich wieder daheim zu fühlen. Seit 6 Jahren lebt er mit seiner Freundin in der Schweiz, nachdem er ähnlich wie sein Großvater erlebte, sein Hab und Gut durch die wirtschaftliche Krise seines „Heimats“ verloren zu haben. „Menglin, wir haben das Glück zwei Welten zu kennen, das Beste aus uns zu machen.“ Ich senkte meinen Blick und trank ruhig den Sencha. Frisch, süß und unverwechselbare Stärke spürte ich auf meiner Zunge. Ich beobachte diese Person vor mir.

Wie ein Schwamm versucht er das Wissen des Tees zu saugen. Er war glücklich und gesprächig. Warum glaubt er mir anstatt an mir zu zweifeln, dass ich vielleicht nur wegen Bussiness hier bin? Er sagte mir, wie er die Wellnesswelle für Unsinn hält und die Vorstellung von Prestige und Ettikette für verrückt erklärt. „Warum suchen Menschen denn Dinge stets nach Außen?“ „Vielleicht können wir das Leben nicht so einfach verändern. Es ist einfacher, andere Menschen und Dinge für uns verantwortlich zu machen.“ Ich erzählte ihm von meinem seltsamen Lehrern in Taipei und was ich durch ihn von Tee lernte. Mein Lehrer sagte mir einmal, dass ich irgendwann einen Tee erkennen sollte, was ich aus ihm verwirlichen kann. Ein guter Tee mit einem guten „Body“, mit einer guten Substanz könnte und möchte gefordert werden. Ein Teemaker sollte solche Perle erkennen und aus ihn zu einem wunderbaren Blüte verwandeln. Einen Tee ohne Substanz bringt ein hervorragender Teemaker mit Röstung auch nicht weiter. Dagegen ein Tee mit Substanz könnte ein Teemaker ruhig auf Holzkohle „quälen“, so dass er einen tieferen Duft und einzigartigen zum erinnernden Charakter gewinnt. Das Gleiche gilt auch bei Menschen, meinte er. Ein Mensch mit Substanz und einer mentalen Stärke möchte gerne gefordert werden und sich entwicklen. Solche Menschen suchen Herrausforderung und Veränderungen im Leben, wenn sie keine Entwicklung spüren. Solche Menschen könnten wir herrausfordern, indem wir mit ihnen auseinandersetzen und zugleich ist die Auseinandersetzung eine wirkliche Hilfe für uns, selbst zu spiegeln und ebenfalls weiter zu entwicklen. Darum ist es eine wahre Freundschaft und Partnerschaft so wertvoll, weil es um unsere Entwicklung geht. Aber das braucht Mut und Vertrauen von beiden Seiten. Er sagte mir, dass er meinen Lehrer so gerne kennenlernt.

Einmal röstete mein Lehrer einen Paochung. Ich kam gerade aus der Strasse und roch eine Note der leichten Verbrennung. Ein Unfall, meinte er. Der Tee litt unter einer Panne bei der Röstung. Ich beschwerte mich von seiner Unaufmerksamkeit und machte Sorge um den Tee. Dann sagte er, dass der Paochung sich wieder erholt. Denn er eine gute Substanz hat. Und dieser Unfall verleiht ihm eine spezielle Note, die ihm unverwechselbar macht. Ich glaubte ihn und auch nicht ganz. Der Paochung erholte sich tatsächlich von der starken Röstnote sehr gut und begeistert viele schwierigen Zunge. Ich glaube, dass es noch viele Dinge gibt, was ich nicht verstehe.

Gyokuros von zwei verschiedenen Qualitäten waren anschließend in der Degustation. Ein solider Gyokuro, der sanft, lieblich und klar schmeckte und duftete. Ich war zufrieden. Kein Fremdgeschmack, keine Note von Grass und Fisch. Präzise und elegant. Der andere Gyokuro von gehobener Kategorie war schwieriger zu verstehen. Der Duft war sehr nüssig, ja fast brotig. Ich runfte meine Nase. „Ich bin nicht sicher, ob er mir gefällt.“ „Doch, er gefällt mir. Er erinnert mich an Bäckerei.“ Ich steckte mein Ungeduld zurück und trank noch einmal den Gyokuro. Ein seltsamer Gyokuro, der nach Bäckerei duftet! Noch nie erlebt. Ist er tatsächlich ein Gyokuro? Doch stieg der Duft langsam in die Nase. Dann machte ein Klick in meiner Zunge. Ein Klick, wie das Mantra „Sesam öffne Dich!“ Ein feiner geschmeidiger Strom floss ganz sanft in meiner Kehle, wie Balsam, wie der frische Frühlingsturm und wie das Streichern des Windes. Ein langer tiefer Abgang, süß, nüssig und duftend. Ich erinnerte mich schlagartig an jenen sonnigen Tag, an die duftenden Rose und  an die ziehenden Wolken über den See.

„Weiss Du, ich spreche eigentlich nie so viel.“ beim Essen betonte er immer wieder. Ich bedanke mich für sein Vertrauen und Offenheit. Ich weiss, wie unkommunikativ ich bin. Wenn Emotionen und Maske nicht im Weg stehen, begegnen Menschen auf eine unbeschwerte Art. Tee verbindet Menschen auf dieser seltsame Art, vielleicht weil das Wesentliche von Menschlichen und Sinnlichen im Vordergrund steht. R. und ich sind Jägger und Sammler von Dinge, die auf Substanz aufgebaut sind anstatt auf Luftschloss. Auf diese Ebene teilen wir ein Basis der Aufrichtigkeit zum Leben und zu uns selbst. Er möchte etwas verändern und wird einen frischen Wind in dieses renomierten Geschäft bringen und ich fühle mich sehr glücklich, dabei mitgestalten zu dürfen.

22.06.08 Berlin Gongfu Cha Seminar

22.06.08 Berlin Gongfu Cha Seminar

An einem sonnigen Tag, hinter dem Lindbaum-Hof fand ein Gongfu Cha Seminar statt, obwohl zwischen durch auch „Gongfu“ gespielt wurde. Romeo und Mario waren vor dem Kurs zwei Unbekannte, nach dem Kurs zwei Freunde.
Tee verbindet Menschen, nicht wahr?
Familie pestel

Ich danke Familie Pestel, die mich in letzten Tage mit sorg und Liebe betreute. Mein leicht erkrankter Körper wurde in Berlin richtig gut „bemuttert“ und nun wunderbar erholt nach Zürich gekehrt. Das Wort Dank kann mich eigentlich gar nicht richtig ausdrucken! 

Okashi – lecker!

Okashi - lecker!

Am Mittwoch hätte ich schon wieder eine „komplizierte und schmerzhafte“ Kazari Tee – diesmal eine Chawan-Kazari (Einweihung für eine bedeutungsvolle Teeschale) machen müssen. „Zum Glück“ gab es andere Ablenkung und ich sparte mir die Knieschmerzen.

Madeleine merkte es bestimmt und schickte mir das Foto, um mir ihr Schadenfreude zu zeigen…

Hallo liebe Menglin

Wir haben dich gestern vermisst beim Teeunterricht. Wie gerne hätten wir einen Koicha von dir getrunken oder einer wunderschönen Kazari-Zeremonie zugeschaut…. Aber ein bisschen anwesend warst du trotzdem. Im Anschluss an den Unterricht hat uns Miya zwei Tees von dir aufgegossen und wir konnten uns einer Degustation hingeben. Der eine Tee war aus einem Teeziegel, der uns übrigens ganz gut gefallen hat, aber der andere war eine absolute Köstlichkeit. Miya meinte, es sei der Oolong Dongding Original. Der Geschmack und Duft dieses Tees geht mir nicht mehr aus dem Kopf/dem Gaumen/der Zunge und, und, und;-)

Ich freue mich auf das nächste Treffen
Herzliche Grüsse
Madeleine

unsere gestrige Süssigkeit – ichigo-daifuku! Oishikatta!

Miya bietet auch Kurse für die japanische Süssigkeit an. Kontakt hier.

Wie muss ein Gyokuro schmecken?

Oft wird es beschwert, dass der japanische grüne Tee fischig und spinatartig schmeckt. Im meinen Seminar giesse ich gerne zwei Gyokuro auf, die Teilnehmer zeigen sollen, wie ich unter einen guten Gyokuro verstehe. Dann wurde ich mehrmals konfrontiert, dass „mein“ Gyokuro eigentlich nicht nach der gewöhnlichen Vorstellung des Gyokuro schmeckt, sondern das andere „schlechte“ Beispiel.

Ein Gyokuro, der nach dem Aufguss bald trüb wird, ist ein fehlerhaft hergestellter grüner Tee. Wenn das Erhitzen problemlos und ausreichend verläuft, darf er gar nicht trüb werden. Er wird trüb erst nach minutenlangen ziehen. Ein Gyokuro, der fischig schmeckt, ist zu stark gedünnt. Er schmeckt nur nach Dünnmittel, anstatt nach dem Teepflanzen!

Um diese Frage aufzuklären reiste ich in die Innenschweiz. Dort gab es Degustationen und Diskussionen, was ein Gyokuro sein sollte. Nach der intensiven Gyokuro-Auseinandersetzung konnte ich in dieser Nacht nicht schlafen und bekam sofort eine richtige Migräne… Ach, wie gesund ist der Tee? Wie gesund leben die Teataster? (Natürlich sollte man bei der Degustation den Tee nicht schlucken…)

Mehrere Proben von besten Beispiele wurden degustiert. Welche von konventionellen Anbau, welche von Nakai Organic Teegarten. Obwohl sie alle Gyokuro heissen, zeigten sie uns unterschiedliche Richtungen des Teeverständnis des Teemakers. Viele schmeckten eindeutig fischig und waren sofort trüb nach dem Aufguss. Einen grünen Tee, der einfach nach dem Frühlingsblatt schmeckt, war in meisten Tassen nicht zu finden. „Fisch-Assoziation“ war sehr präsent. Muss es sein? Nein. Ein guter Gyokuro schmeckt nach feinem Nori (gerösteter Algenblatt), aber nicht nach Fisch-Gestank. Ich verstehe den japanischen Tee nicht besonders gut. Mein Zugang kommt vom Oolong aus. Wenn alle Prozesse richtig passieren, ist der Aufguss klar und die Farbe leuchtet. Der Geschmack ist sauber und beflügelnd, anstatt schwer und undifferenziert. Es ist beim Kaffee so, ist beim Wein so und ist beim Gyokuro wohl ausnahmelos so.

Persönlich bin ich kein begeisterter BIO-TEEFAN. Bio-Siegel spielt bei mir keine Rolle, der Tee muss für sich stimmen. Oft erlebe ich, wenn ein so gennanter Bio-Tee in guter Hande produziert wird, könnte ein wirklich lebendiger und hervorragender sein, als ein Tee aus konventionellem Anbau. Die Tees aus Nakai Teegarten sind solche Exemplare. Das Süsse des Gyokuros, das elegante Frische des Frühlingsblatt und das erhebende Gefühl nach dem Genuss begeisterten Anwesenden Tee-Profis. Natürlich gefiel mir der Tenka-Ichi aus Bern besonders gut! Sanft, elegant, süss, salzig und ein nachhaltiges fesselndes Bleiben im Mund. Ein ausgezeichneter Mainstream-Gyokuro – ein Gyokuro, den jeder nie übersieht. Für mich war er ein wirkliches Meisterwerk in seiner Kategorie. Der Preis: 50g für 70 Sfr!

Wahrscheinlich existert überall das gleiche Problem: der Mainstream-Geschmack und der Geschmack eines individuellen Teemakers. Warum sollte man keinen Gyokuro produzieren, den jeder sofort erkennt und kauft? Warum will man einen Gyokuro produzieren, der anders und nur nach duftendem Frühlingsblatt süss und frisch schmeckt? Das ist wohl nicht nur ein individueller Stil, sondern eine Lebensentscheidung eines Handwerkers.