Archiv der Kategorie: Formosa Oolong Tea 台灣烏龍茶

Das Teebauer Dorf Pinglin 坪林

Ich fahre gerne nach Pinglin, wenn ich wieder in Taiwan bin. Wenn ich in Pinglin bin, gehe ich immer zur Familie Feng 冯. Sie haben einen großen Teeladen, wo man jeder Zeit jeden Tee kosten kann. Egal wie Menschen in Taipei über mangelte Zeit klagen, Familie Feng nehmen immer Zeit für ihre Gäste.

pinglin
Teetrinken mit Herrn Feng

Ihr Laden ist voller Tees. Sie gehören zu den ältesten Teehandel im Dorf und sind bekannt für ihr Fairness. Sie wissen, was sie verkaufen. Wenn Du Deinem Tee-Wissen traust, kannst Du hier in Pinglin mit dem Teehändler über den Preis diskutieren. Hier gibt es noch Raum für Preisverhandlung, wenn der Verkäufer den Käufer überzeugen kann, dass der Tee so und so viel Wert ist… Dort ist das Paradies des Tee-Expertes.
In Pinglin gibt es noch viele alte Teebaumsorte: Wuyi, Qilan, Buddha Hand, Shuixian und Bai Maohou etc. Nach vielen Jahren stellen Teebauer in Pinglin fest, dass man aus dem Teebaum Qingxin Oolong 青心 den besten Paochung herstellen kann. Der Oriental Beauty aus Pinglin, der aus Bai Mao Hou 白毛猴 hergestellt wird, hat die schönste Form – nicht unbedingt den besten Geschmack.
Nachdem Taiwan eine Freizeitsgesellschaft geworden ist, kommen immer mehr Touristen aus Taipei nach Pinglin. Hier gibt es Bergen, Flüsse und Teegärten. Alles was der Tourismus braucht! Seine geographische Nähe zu Taipei beschleunigt diesen Porzess noch rasanter! Teebauer merken schnell, dass sie mehr Geld aus dem Tourismus machen können als aus ihrem Tee. Heute in Pinglin findet man im Regal ebenfalls Dongding Oolong, Hochlandsoolong, die aus anderen Regionen stammen. Pinglin ist auf dem Weg zu einem modernen Freizeitspark. Das Gefühl in einem Teedorf zu sein, hat man nur, wenn man manchmal ältere Frauen sieht, die mit ihrer Brille am Strassenrand sitzen, um Tee im Tageslicht auszusortieren – als ob die Zeitmaschine stehen geblieben wäre…

Dorf Pinglin
Das Dorf Pinglin. Hier gibt es ein Teemuseum, wo man die Herstellungsprozess des Tees besichtigen kann und Tee trinken kann.

東方美人 Oriental Beauty – Formosa Oolong

Taiwanese glauben, dass der Name „Oriental Beauty“ von Victoria Königin verliehen wurde. Diese Geschichte geht auf ein beabsichtigtes interkulturelles Missverständnis zurück. Auf der Insel Formosa heimsuchen bestimmte Arten von Insekten die Teegärten rund ums Jahr. Manche Orte weniger, manche Orte mehr. Für Teebauer war es immer eine Katastrophe, wenn der Schaden nicht begrenzt werden konnte. Man pflückte und verarbeitete natürlich die Blätter, die möglichst nicht beschädigt waren.

Es war einmal ein junger Teebauer, der sich dem Schicksal nicht beugen wollte. Als er merkte, dass diese Insekte „Xiaolü Jechan“ 小綠葉蟬 seinen Garten verheerend heimsuchte, entschied er sich, die befallenen Triebe trotzdem zu ernten. Alle anderen Teebauer nahmen das Schicksal hin, nur er forderte seins heraus. In Taipei am Fluss gab es Niederlassung von englischen Händlern, die nach guten Tee suchten. Er ließ den Tee so stark fermentieren, dass er ähnlich wie der schwarze Tee schmeckt. Er brachte seinen Tee nach Taipei und verkaufte an Engländer Dodd. Der englische Händler, der diesen Tee probierte, erwarb den Tee sofort mit voller Begeisterung! Der junge Teebauer wurde mit ausgezeichnetem Preis entlohnt! Als der Teebauer zurück ins Dorf kehrte und von seinem Erlös erzählte, wurde er als „Angeber“ bezeichnet. Oriental Beauty ging in die Weltgeschickte durch den englischen Händler nach Indien und über Indien nach England. Anscheinend bekam die Victoria Königin diesen von Insekten vorgekosteten Tee in einer Glaskanne vorgeführt. Als sie sah, wie diese Teeblätter im Glas tanzten und streiften, gab sie den Name “ Oriental Beauty“ diesem Tee. Er heißt im Westen „Oriental Beauty“, während er in Taiwan nach wie vor „Angeber-Tee“ 膨風茶 genannt wird!
Da dieser Tee fünf verschiedene Farbe auszeichnet: gelb, rot, grün, braun und weiß, bezeichnet man ihn auch als „Wu Se Cha“ 五色茶- fünf farbigen Tee!

Oriental Beauty
Wu Se Cha 五色茶

Die Schatzkammer der Formosa Oolongs – 港口茶 Meeroolong

Meeroolong 港口茶 ist eine Legende aus Formosa. Eine Legende in unserer rasant wechselnden Zeit! Dieser Geschmack des Tees ist nach zwei Jahrhunderten immer noch treu zu seinem Ursprung. Der Herr der Familie Zhu 朱 – ein Teeliebhaber und Hofbeamter des Qing-Kaisers 清朝 musste sein Amt in damaliger barbarischer Insel eintreten. Sein Diener, Familie Zhu lernte vor dem Amteintritt seines Herrn in Wuyi Shan, die Herstellung des Tees kennen. Familie Zhu legte den Teegarten am Fluss Gangkou an und verlässt seitdem den Ort nie. Der Herr ist nach den Jahren zurück nach China gegangen. Aber sein Diener entschied sich bei seinem Teegarten auf dieser Insel zu bleiben. Die Plantage liegt abseits dem Weltrummel am Fuß der Formosa-Insel – 屏東 Pingdong. Seit mehr als 200 Jahren, nach verschiedene Kriege und Machtwechsel bleiben die Familie Zhu ihrem Teegarten treu und ebenfalls zu ihrem Tee!
In diesem Garten streuen die Teebäume ihre Teesamen jedes Jahr zu gleicher Zeit aus. Aus dem Samen werden Teebäumen – anders als in gewöhnlicher Teeplantage, wo Teesetzlinge eingepflanzt werden. Teesetzlinge, die kaum Wurzel haben, überleben nicht unter der subtropischen Sonne und starke Trockenheit. In diesem Garten ist jeder Baum ein Individualist, das ein eigenes Gesicht und Farbe zeigt. Sie zeigen verschiedene farbige Blätter, verschiedene Blätterform, manche keimen früher, manche langsamer. Der Herr des Gartens kümmert sich nicht um die Verschiedenheit: er pflückt sie, wenn sie so weit sind. Ein Tipp und zwei reife offene Blätter muss es sein. Er macht den Tee nach seiner familiären Überlieferung. Der Tee weist trotz der Vielfalt der Bäume einen harmonischen hegemonialen Geschmack auf.
Teebaum vom Meeroolong
Die Wurzel vom Meeroolong ist sehr stark, so dass der Baum die Trockenheit und Hitze überlebt.

Viele gefälschte Meeroolongs gibt es in Taiwan. Aber keiner weiß, dass diese Fälschung nämlich sehr leicht zu enttarnen ist. Denn dieser Oolong ist kein wirklicher Oolong. Ihm wird der Welkensprozess gespart und er wird direkt erhitzt und weiter gerollt. Der feine interessante Geschmack ist durch den langsamen Röstungsprozess gewonnen. Für Familie Zhu ist er ein Oolong, für seine Liebhaber ist er ein Oolong. Es ist unwichtig, ob er ein Oolong oder nicht. Das wichtige und unverwechselbare an ihn ist sein leicht jodierter Geschmack, der uns an die frische Luft des Meers erinnert!
Diese Legende hat andere tragische Seite: der Teegarten des Meeroolong wurde in einem bedeutenden National Park einbezogen. Familie Zhu darf seinen Garten nicht vergrößern. Es ist wie ein verschlossenes System, das seine Kraft nur aus sich selbst erschöpfen könnte. Sein einzigartiger Geschmack wird in der Entwicklung des grünen Oolongs immer mehr kritischer bei jungen Teetrinkern. Meeroolong hat bereits verschiedene Krise auf der Insel überlebt, würde er vielleicht im 21. Jahrhundert auch seinen Charakter wahren und überleben?

Zhu
Teegarten von der Familie Zhu, Meeroolong

Wenshan Paochung Oolong 文山包種茶

Wenshan 文山 ist ein Gegend in der Nähe von Taipei. Die hügeligen Gegend zwischen Taipei und Pazifik, wie Xindian, Pinglin, Shenkeng und Shiding etc., bezeichnet man seit uralter Zeit Wenshan, wo zu vier ältesten Teeanbaugebieten Taiwans gehört. Pinlin 坪林 und Shiding 石碇 produzieren ebenfalls den berühmten Oriental Beauty 東方美人, der oft in diesem Anbaugebiet nicht von Insekten befallen wird und eine andere Aroma enthält als von Xinzhu 新竹oder Miaoli 苗栗.
Die Ernte aus den Teegarten zwischen den Hügeln und Bergen, wird nach Pinglin gebracht – ein kleines Bergdorf zwischen Pazifik und Taipei. In der Erntezeit wird die Hauptstrasse des Dorfs von Teehändler überfüllt. Teehändler kommen hier, um Tee einzukaufen. Es wird probiert, eine Tüte nach einer anderen. Jeder hat einen eigenen Löffel mitgebracht, mit dem Teehändler ihre beste Wahl aussucht und trifft!
Der Name Paochung hat verschiedene Ursrpünge. Manche meinen, dass der Name ein Irrtum war: es sollte eigentlich Sechung 色種heißen. Durch schnelle Handschrift ist es Paochung 包種 geworden. Manche behaupten, dass der Name von der Papierverpackung entstanden ist: Pao 包 – Verpacken. Also, an welche Geschichte glaubst Du?
Egal wie der Tee heißt, ist er ein spezieller Oolong aus Taiwan. Der Oolong Paochung hat ein gleiches Problem wie sein Oolongbruder. Seine Blätter werden zu jung gepflückt und zu kurz unter der Sonne gewelkt. Ich habe noch schöne Paochung in der Erinnerung, dass er blumig und aromatisch ist. Nun strahlt er meistens nur Gemüseduft aus. Ein Paochung sollte schöne längliche vollständige saftig grüne Blätter aufweisen. Wer in Deutschland dunkle und gebrochene Paochung gekauft hat, würde ich ihm empfehlen, den Tee zurück zu bringen.
Shiding
Schöne Bergen in Shiding

Oolong Tee, Jahreszeiten und Klima

Für Menschen in dieser Zeit bedeuten die vier Jahreszeiten nicht mehr so viel. Wir finden im Regal der Läden ähnliche Sortimente wie im Sommer. Was bedeutet schon der Winter? Salate und Gemüse gibt es immer. Nur die Sonne könnte man leider nicht künstlich erfinden, aber als Klima-Flüchtlinge braucht man nur ins Flugzeug einzusteigen.
Für Tee bedeutet der Jahreswechsel verschiedene Wachstumsphase und das Klima die Grundlage der Entwicklung des Aromas.
Frühlingsernte meint man gewöhnlich zwischen Februar bis Anfang Mai. Die Ente des Tees, die vor Anfangs März gepflückt wird, bezeichnet Teebauer als „der Verrückte“. Denn der eigentliche Zeitpunkt noch nicht ankommt, die Blätter des Tees sind schon so weit zur Pflückung. Das gibt ab und zu. Ende März bevor die Sonne richtig intensiv strahlt und der Himmel meistens bewölkt ist, wird taiwanesischer Bi Luo Chun gepflückt. Die Wolken wirken wie Schatten und diese Ernte hat liebliches, frisches und elegantes Aroma.
Die Oolongernte lässt sich eigentlich bis April warten. Wenn die Blätter der Triebe reif und offen sind, sind sie pflückbereit. Bei neuer Teebaumsorte Sijichun könnte man im Jahr 6 Male ernten. Der Frühlingstee dieses Teesorte hat eigentlich keine Bedeutung. Bei manchen Teesorten wie Tie Guanyin muss man bis Mai warten, weil diese Sorte langsam wächst. Das heißt, wenn man im April Frühlingsernte von Tie Guanyin kaufen kann, ist man eigentlich mit einem Marketingsstrategie konfrontiert. Wenn die Sonne im Mai zu stark ist, wird manche Frühlingsernte eher intensiv. Beim Hochlandsoolong könnte man erst im Mai die erste Frühlingsernte erwarten.
Die Ernte Juni ist die günstigste Ernte bei Oolong. Die einzige Ausnahme bildet der Oriental Beauty! Er wird im feuchten und warmen Sommertage gepflückt. Die beste Qualität von diesem Tee muss man eigentlich erst ab Mitte Juni erwarten.
Fermentation in Alishan
Fermentationsprozess beim Hochlandoolong in Alishan

Die beste Winterernte von Oolong in Taiwan ist zwischen Mitte November und Ende Dezember. Die Winterernte von Hochlandsoolong findet allerdings bereits Anfang November statt, weil die Teebäume in den Winterschlaf übergehen. In Anxi wurde die Teeproduktion traditioneller Weise ebenfalls mit November beendet. Wenn wir Glück haben, dass der Winter kalt genug ist, könnten wir über eine gute Ernte freuen. Die Teeblätter werden durch die Kälte stärker und enthalten dadurch mehr Aromen.
Der Frühlingsernte 2005 war eine für Teeliebhaber interessante Ernte, weil das Klima in Taiwan mit dem früheren Klima identisch war. Aufgrund des Klimawandels lernen Teebauer mit der neuen Situation umzugehen und versuchen einen neuen Rhythmus der Natur zu spüren. Es ist sehr schwierig, genau zu sagen, wann und was gibt. Das Leben in dieser Zeit ist uns unübersichtlicher. Für Tee auch.

佛手 Foshou, Buddha Hand – ein traditioneller Oolong

Ich bin ein Fan von Foshou 佛手, ein Oolong namens Buddha Hand. Er stammt ursprünglich aus Fujian Yongchun, wird auch in Taiwan in der Nähe von Taipei 石碇 坪林 angebaut. Er ist ein Tee, der immer mehr von neuen ertragsreichen Teebaumsorten verdrängt wird. Heute findet man ihn nicht mehr leicht, nur bei traditionellen Teebauern, die ihren Garten nicht ganz nach dem kommerziellen Geschmack gestalten. Teeliebhaber in Taiwan schätzen diese Rarität, die nur selten angeboten wird. Sein Duft ist das typische Merkmal dieses Tees!
Die Form von Buddha Hand ähnelt sich an Yancha und hat streifenartige Blätter. Die Farbe ist braun und das bedeutet schwere Fermentation und starke Röstung. Seine Duft ist aufgrund dieser Verfahren großartig: er duftet zuerst nach Karamel, dann fruchtig. Anschließend vermischen die beiden Duftnoten! Einbisschen wie Mandel, ein bisschen wie reife süße Zitrusfrüchte! So einen Tee findet man wirklich nicht mehr einfach – selbst in Taiwan. Wer Lust hat, kann sich bei mir melden!

Foshou
Foshou 佛手, die Blätter von Foshou sind im Vergleich mit Blättern von anderen Teesorten ziemlich gross.

Probleme der modernen Oolongs

Der Oolongtee erlebt seit paar Jahren einen Geschmackswandel, sowohl in China als auch in Taiwan. Der Oolong ist wörtlich übersetzt einen schwarzen Drachen. Der heutige Oolong, der auf dem Markt herrscht, ist ein Tee, der sich nicht mehr viel von Grüntee unterscheidet. Die Blätter zeigen kaum Spuren der Fermentation, die eine rötliche Färbung am Blätterrand zeigt. Die Form des Tees verändert sich auch zu einem kugelförmigen Tee.
Dieser neue Trend verändert drei Dinge: die Reife der gepflückten Blätter, die Zeit des Welkens und die Zeit der Fermentation. Wenn sollte man die Blätter eigentlich pflücken? Es ist verschieden bei verschiedenen Teesorten. Beim Oolong sollte man warten bis die Teeblätter um den Trieb schon zwei reife offene Blätter aufweisen. Wenn sie zu jung sind, als sie gepflückt wurde, gibt es folgendes Problem: man kann diese Blätter nicht zu lang unter der Sonne welken lassen. Sie zeigen sich als ein „Scheintod“. Sie hängen und werden blass. Teebauer bekommt Panik und beenden sofort den Welkensprozess. Die Feuchtigkeit der Blätter können sich nicht richtig ausscheiden und bleiben erhalten. So ein Tee schmeckt oft bitter und grasig im Aufguss, sehen allerdings schön aus. Denn die jungen Blätter sich leicht formen lässt. Normalerweise lässt man die Blätter vier bis acht Stunde fermentiert, so dass 3/10 rötlich und 7/10 grünlich in einem Blatt aus sieht. In unserer Zeit, in der Äußerlichkeit viel wichtiger ist, gewinnt die Form eines Tees Vorrang gegenüber dem tatsächlichen Geschmack. Da die Meister, die den Tee formen sehr teuer zu bezahlen sind, bleibt die Zeit für die Fermentation nicht viel übrig. Der Geschmack dieses Tees tendiert bitter und die Farbe des Aufgusses ist trüb. Solcher Oolong wirkt in einer Gongfu (Kungfu) Zeremonie richtig Magen anregend. Oolongs und Matcha sollte man generell nicht mit leerem Magen genießen.

Welken
Nach der Pflückung werden Blätter unter der Sonne welken lassen. Wenn es keine Sonne gibt, muss der Teebauer sich etwas einfallen lassen. Moderne Technik hilft, kann allerdings die Sonne nicht ersetzen…

Formen
Den Tee zu einer schönen Form zu verarbeiten.

Opa und Tie Guan Yin / Tieh Kuan Yin 鐵觀音

Opa hat zwei Dynastie erlebt. Er lebte zwischen 1910 und 1999, in der japanischen und chinesischen Herrschaft. Er wurde in einer Grundbesitzer Familie als den einzigen Sohn hineingeboren, während Japan Taiwan herrscht. Er war reich und hatte 9 Kindern. Meins Oma kannte er als Spielkamaradin. Sie war sieben, als sie von ihrer Familie abgegeben wurde. Sie wußten als Kinder schon, dass sie eines Tages Mann und Frau werden. Er wurde zu einem guten Geschäftismann ausgebildet.
Nach der Machtübernahme der jungen chinesischen Republik wurde mein Opa plötzlich Anaphabet. Er verstand kein Chinesisch. Er konnte mit der neuen herrschenden Klasse nicht umgehen. Es war eine neue Zeit mit neuen Sitten und neuen Hoffnungen , die nicht für Menschen, die noch an der alten Ordnung hängen, reserviert waren. Mein Opa war eben so einer. Die Familie wurde schnell verarmt. Als Kind sah ich den Auf und Ab innerhalb der eigenen Familie auf einer rasch verändernden und unterdruckten Insel. Oma schimpfte oft, während Opa seinen Tee trank. Er trank am liebsten einen Oolong namens Tie Guan Yin. Eine braune Fabe und einen verbrannten Geschmackt! Ich hielt möglichst Distanz zu seinem Tee und seiner Geschichte. Tie Guan Yin ist ein Tee, der mit Opa, der immer allein vor chinesisch sprechenem Fernseher saß und Tee trank, zusammen meine Erinnerung prägt.

Heute fand man so einen Tie Guan Yin nicht mehr. Er ist inzwischen ein Grüntee-artiges Getränk geworden. Die neue Zeit mit einem neuen Geschmack verändert viele Dinge, die gut und schlecht waren. Aber der Tee, der einst der schwarze Drache war, ist heute??? Zu jung gepflückte Blätter,der schnell bitter werdende Geschmack und die Magen anregende Eigenschaft sind Charaktere heutiges Tie Guan Yin. Ich finde den Geschmack des Opas nicht mehr.
Heute bekam ich einen Paket aus Taiwan. Ein Teebauer wurde extra beauftragt. Der schwarze Drache ist wieder da. Und der Geruch meines Opas kommt wieder von der Ferne und füllt meinen Raum.

Muzha Zhengcong Tie GuanyinMuzha Tie Guanyin

Der Geschmack des Oolongs

In den letzten Tagen war ich immer allein, um meine Dissertation zu schreiben. In dieser Abgeschiedenheit war Tee der einzige Freund. Er begleitet mich in diesen grauen Tage in Innen und Außen.
Gerne gieße ich einen Oolong auf, wenn das Schreiben wieder zu kritisch wird. Wenn ich Hunger habe, gehe ich gerne zu Ali. Nicht weil ich gerne Kepab esse, sondern die Familie Alis mir etwas vermittelt, als ob sie immer da wäre. Für mich bedeutet sie etwas Unveränderliche in einer schnell lebiger Welt.
Ich erinnere mich an Tea-Taster Chen. Ich nenne ihn Meister. Er hat immer viel Schätze, die hinter seinem Schreibtisch verborgen sind. Wenn ich zu Besuch komme, geht er wieder nach hinten und grinst. Er schenke mir einen Oolong ein. Ich kannte so etwas nicht. Ich glaubte, dass ich viele Farbe plötzlich gesehen hätte, als er in meinem Mund füllte. Ein bisschen Honig, ja Orangen. Ein bisschen erfrischen, ja Grün. Es bisschen wie Pfirsich, wie Orchideen und wie Iris – rot, blau und lila. Ich fragte ihm, was für einen seltsamen Tee? Er lachte, es ist der Tee, den man vor 50 Jahre als Oolong versteht… Oolong, der in natürlichem Prozess aufgewachsen ist. Er wurde zwischen süßen Kartoffeln gepflanzt. Die süßen Kartoffeln saugte die meisten Nährstoff weg, so dass die Teepflanzen ihre Wurzel gang tief einschlagen mussten. Sie wurden stark, kräftig und aromatisch. Sie wurden von Insekten gefallen. Diese befallenen Triebe wurden separat gepflückt und extra gerollt. Das war so einer!
Dieser Tee brachte wieder Farbe in meinen Tage zwischen dem Computer und Bücher, zwischen mir und meiner eigenen Dialoge.
Von so einen Tee hat er mir nur 10g gegeben!

chen

Fancy Oolong 番庄烏龍茶

Fancy Oolong ist das Produkt von taiwanesischer Export-Geschichte. Er war Synonym des Formosa Oolongs. Fancy 番庄, auf Taiwanesisch Huanzong. Wörtlich übersetzt heißt: Dieser Tee wurde von Barbaren (Ausländer – gewisse Sinozentrismus) verpackt und verschifftet. Ein Tee, der ein Zwillingsprodukt ist von Oriental Beauty. Während Oriental Beauty als hochwertiger Jahrgangstee ihren Ruhm und Würde genießt, sucht Fancy Oolong vergeblich nach der Anerkennung. Er ist ein Tee aus mehrerer Ernte. Ernte von Sommer, von diesem Jahr, letztem Jahr oder vorletztem Jahr. Wenn eine Bestellung von Ausland kommt, wird diese Ernten zusammengemischt, erfrischt und verpackt. Darunter mischt man Oriental Beauty, der nicht den besten Preis erzielt und als Vorrat dient. Die beste Qualität von Fancy Oolong hat mehr Oreintal Beauty Anteil oder ein seltener Jahrgangstee, während die billigere hauptsächlich Teile verschiedener Ernten.
Der bekannte Fancyoolong kommt traditionell aus Xinzhu 新竹und Miaoli 苗栗-Gegend. Seit kurzen ist Sanxia ein neue Mitstreiter. Bei meisten Teeläden kann man kaum Auskunft über Jahrgang und Anbauort erfahren.
Die Aufguss des Fancy Oolong ist rötlich fast wie ein Schwarztee. Die beste Qualität schmeckt lieblich und honigsüß.